Nus dem besetzten Gebiet.
Dorrens Helfershelfer.
Paris, 4. 3uni. (Wolff.) Zu den bevorstehenden Wahlen in Deutschland glaubt das „Echo de Paris" versichern zu köw- nen, daß das Oberkommando der alliierten Truppen im Nheingebiet keinen Augenblick bezüglich der rheinischen Republik interveniert habe. Das „Eck)0 de Paris" erinnert daran, daß, wenn zuerst die britischen und dann die amerikanischen Behörden Dorten lvieder freigeben mußten, dies deshalb geschehen sei, weil er ungesetzlich verhaftet worden sei. Ferner habe ihn vor kurzem die französische Besatzungsbehörde gegen die ihm drohende Ermordung in Schutz nehmen müssen. Das „Echo de Paris" fügt hinzu, daß die BiÜ- dung eines selbständigenStaates an den Rheinufern,im Rahmen des Deutschen Reiches Don der Weimarer Verfassung als ein durchaus legitives Ziel bezeichnet worden sei, und daß es nichts Ungesetzliches sei, zu verlangen, daß die Sperrfrist von zwei Jahren abgekürzt werde. Dieses sei der einzige Zweck der von Dorten auf seine eigene Verantwortung hin und ohne jede fremde Mitwirkung eingeleiteten Kampagne. Das Dazwischentreten der alliierten Behörden sei durch die verbrecherischen Anschläge auf Freiheit und Leben Dortens verursacht worden.
Mainz, 4. Juni. (WTB.) Dr. Dorten dementiert einem Vertreter der Agentur Havas gegenüber die ihm vom „Ex- celsior" in den Mund gelegten Aeußerungen.
*
mc. Kriftel, 4. Juni. Durch eine Verfügung im „Höchster Kreisblatt" hatte die franzö'i'che Besatzungsbehörde bas Flaggen der Häuser am Fronleichnamstage gestattet. Dessen ungeachtet wurden aber sämtliche Einwohner Kriftels, die geflaggt hatten, von französischen Poften ausgeschrieben und mußten teilweise sofort 100—500 Mk. Geldstrafe zahlen. Die anderen sollen in den nächsten Tagen noch bestraft werden. Unter den „Verbrechern" befinden sich auch der Pfarrer, der Bürgermeister, die gesamte Gemeindevertretung. Wer Einwände machte, wurde verhaftet und.mußte in Höchst einen Tag Arrest absitzen. 1
Arrs Statt Mitt Land.
Gießen, den 5. Juni 1920.
Bierpreise.
Wie bei Vornahme von Revisionen festgeftellt wurde, wird Ziffer 9 der kvrrsamtlichen Fairn inachung betreffend Höchstpreise für Bier und bierähnliche Getränke vom 5. Mm ds. IS. nicht inne® nelwlten und auch mehrfach versucht, die festgesetzten Höchstpreis für Mer zu überfckweit'."n.
Es soll batet auch an dieser Stelle darauf hm- ceivielen werden, daß eine Ueberschreitlmg du Höchstpreise für Bi r strafbar ist. Zuwiderhrno- Imuci ober Nichlb solgu^g des vorgesch icbenrn Pre s.-uslangs an sich:barer Stelle i n Verlruss- mmn werd.m unnachfichlich zur Anz-ige gebracht und.es wird auch die Schätzung des betr. L-ovo^s we en Unzuverlässig Veit des Inhabers beantragt werden.
Lebensmittel.
** Die Lebensmitteltabelle für die Woche vom 7. bis 13. Juni ist aus dem Anzeigenteil ersichtlich.
** Milchmarken, die auf V4 Liter lauten, werden von morgen ab mit einem halben Liter Milch beliefert.
** Ausgabe von Süßstoff (Saccharin). Für die Zeit vom 1.—15. Juni wird gegen die Lieserungsabschnitte 13 und 14 der Süßstofskarte H kblan) und 3 der Süßswffkarte G (gelb) von den Süßswffäbaabeftellen der Landgemeinden do? Kreises Süßstoff abgegeben. Es gelangen auf die Abschnitte 13 und 14 je ein Briefchen und auf den Abschnitt 3 eine Schachtel zur Ausgabe. Mit dem 15. Jmn verlieren die Abschnitte 13 und 14 bzw. 4 ihre Gültigkeit.
Bcranstaltunzen.
SamStag, 5. Juni: Hotel Einhorn, 8V8 llhr, ösftnt ichc Wählerversammlung dec Deutsch- demvkratischn Partei. — Turnhalle, Oswalds- gart*n, 8 Uhr, öfsent'iche Wählerversamm'ung der Teutschnationalen Bolksvartei. — Eaf4 L ib, 8V2 U^r ö;f-ntttche Wählerversammlung der USP. — Lichtspielhaus, „Das Eabinet des Dr. Eoligari"
und „Wer die Arbeit femtt". — Lichtspiele, Selters weg, wie gestern.
Sonntag, tt. Juni: Liebigmuscum, 12 Uhr, Führung durch das Museum: Versammlung an der Säulenhalle. — Sportplatz Trieb, 2L 2 Uhr, Konzert der Neick^wchrkapel.e und FußbaUwettspicl. — Liebigshöl^, 3 Uhr, Beginn der Kr^g.'ge'angenen- heimwhrseier. — Gasthof Hindenburg, Seltcrs- weg 68, 7 Uhr, Zuiammenkunst der Mitglieder der Deutschen Volkspatttt. — E.senbaynhotel Hop- feld, 7 Uhr, Zusammenkunft der Mitglieder der Deutschnationalen Vockspartei. — Aquarium, 9 Uhr, Zusammenkunft der Mitglieder der Demokratischen Partei. — Lichtspielth.ater wie Samstag.
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** Amtliche Personalnachrichten. Heber tragen wurde dem Schul« mlsunwürter Josef Ereifert mrs Bensheim eine Lehrerfirlle an Der Volksschule zuIlben ft adt, Kreis Friedberg. E r l e d i g t ist eine mit ein m evangelischen Le>hrer zu besetzende Sdjriilfteüie «t Wei ter sh« in, .üveis Gießen. Dem Stelleninl-aber tarnt eine Ortszulage gewöchrt weroen. Erledigt ist eine mit einem evangelischen Lehrer zu le etze.-d' Schulstckl>: zu Rinderbügen, Kreis Vülingon.
** Da s Schwurgericht wird am Montag, 7. Juni, 9 Uhr 30 vormittags, gegen Adolt Scheuermann von Echzell und 1 6tenjf,eiitoegen Landfriedensbrnchs ■.erfanMn. Tie Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Eckert, die Ber- ie bigirng sü'tt Nechtsanw ’.Il Ficher und Recht^ anw.rlt Pe.c,.s. — Am Tim.ttg, 8. Juni, vormittags 8 Ufa 30, wird gegen Karl Hrch. Schneider, Mültnbefitzer rvn Bd-Nauhim, wegen N o t z u ch t v e r s u ch s terl?cmde t. Tie Anklage ter tritt Gni ich s .r'se so r Fischer, di e Be-- ledigung führt Rechtsanwalt Schröder in Frvtt>- berg.
* * L e 'tzr e ri n i. 9t Math. Tingeldein. Mit Beginn des neuen Schulialtves ist die Lehrerin an der Stadt-Mädchenschule Frl. Math. Tingeldein, die Vvrfitzewde des Gießener Ldhrer- innenvereins, in den Idüheftund getreten. Heber 40 Jahre l-al sie an der Stadt -Mädchenschule gewirkt, bis sie im vorigen Jihre ein schweres Leiden zwang, zunächst Urlaub zu nehmen und dann den ihr so teuren Beruf aufzugeben. Welcher Wertschätzung Frl. Tingellem >ich bei ihren Kolleginnen und Kollegen erfreute, geht ans dem Briefe hervor, den Schulleitung und Lehre r r a t anläßlich ihres Ausscheidens an sie richteten, und den nxr nächstesmd fvl^n lassen: „Bei Ihrem Ausscheiden aus unserem Kreise drängt es uns, Ihnen, verehrte Kollegin, hnrzlichsten Tank zu sagen für alles, was Sie wIxend Ihrer Wirksamkeit der Stcütt-Mädchenschule, dem Löhaerl'olle- gium und Ihren Schülerinnm geroeien sind lieber vier Jahrzehnte haben Sft an unserer Schule gr-- wirkt zum Segen Ihrer Schülerinnen, aber acch zum Seyen der ganzen Schule. Temr Sie waren nicht nur den Ihrer Fül/rung anoertarnten Kindern, sondern auch uns Mi:arbeckern und Mitarbeiterinnen allezeit ein leuchtender, Vorbild treuester Pflicherfüllarny und selbstlosester Hingabe an unseren so schönen, aber auch so v-.rant- wvrtungsreichen Berus. Gern hiben wir daher, wie Sie wissen, bei unteren Beratungen stets auf Ihren erfahrenen Rat gehört, und es wird tms schwer werden, i'hn jetzt auf die Tauer entbehren zu müssen. Daher nehmen Sie nochmals unseren l>erzlichsten Dank entgegen und seien Sie versichert: Ihr Name ist für immer aus das ehrenvollste mit der Gesck-ichte unserer Schule verbunden,^ und nennt nvan die besten Namen der Lelirer- schaft Gießens, dann wird der Ihre in erster Linie genannt werben. Und so nahmen wir — amtlich wbhl, aber nicht mensckslich — ^lbichied von Ihnen mit dem lerzlichen Wunsche, daß Sie recht bald wilder vollständig genesen und sich noch recht lange des Segens erfreuen mögen, der Ih,em Herzen aus dem Bewußtsein treuester Pflichterfüllung irnb vorbildlicher Berufstätigkeit erblühen muß."
* * Ausgabe von Kohlenbezugskart en für das Jahr 1927/21. Am nächten Dienstag und Mittwoch wird der 6. Bezirk beliefert. Stehe Anzeigenteil.
* * Der Deutsche I ugendbun d Gießen teilt uns mit: Am 3. Juni sprach ht der Aula des Gymnasiums Dr. H. Erhard über das Thema: „National ist au'ch sozial" (Bilder ans der deutschen Vergangenheit. In IV»stündigen Ausfülrrangen bewies der Redner den Zuhörern cm. Hand von geschichtlichen Tatsache, daß wahr- 'ftaft national auch sozial ist. Ter Vortag lteleuch- tete besonders das national-soziale Scha fen unseres großen Kanzlers nird anderer echt deutschen Männer. Die mit warmer Begeisterung getragenen Worte sanden wohlverdienten reichn Beifall.
* * Tie Deutschnationale Volrs - Partei lädt gSitg'ieber und Parteisreunde für Sonntag altend 7 Ubr zu einer Zu'ammenkunft im Ei e ch-llmho e! Hopfe.d ein zur Bekanntgabe der Wahl-Ergebnis^.
* * Im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, wird äuge chick ich ein eigenartiger Film gefeiert, „Tas Gabi nett, Dr. Caligrri", in dem
hundert Jahre aiademischer Sesanaverein.
Der Akademische Gesangverein, der, in ^Mrtracht der politischen Derhältnisse, deine Jahrhundertfeier im vergangenen Jahre nickü bcgrbm konnte, vevanftaltet am 9. Juni als nachträgliches Jubiläum skonzert Händel's „Messias". Bei der Bedeutung deS Bereins für das einheimisch' Musikleben gezinnt es sich wohl, einen kurzen Rückblick aus feine Geschichte und Entwicklung zu werfen.
Am 19. Februar 1819 gründete her damalige Musikdirektor und Dirigent der 1792 gegründeten „Mufikaliscl-on Gesellschaft", des jetzigen Konzert Vereins, Dr. Ferd. Gaßner, aus Damen und Herren, die zumeist seine Schüler waren, einen ge- ■mtfdyten Chor, den er dis zum Jahre 1820 leitete. jOtefer gemiscküe Ehor ist einer der ältesten in '^uiscl^and In einer Besprechung der Hundert whrfeier de-; ELeilienvereins in FrankNtrt a M., der am 24. Inti 1818 grarünbet nnerd' tznstt es, da ß dieser Verein der 11. Oratorien.i-rein in Dnttfchlanb fei. somit dürfen nnv ivoU mr ben Akademisclvn Gefanaverein die Zahl 12 in An spruck» nelnnen. Der Verein machte es sich zur Aufgabe, flaffi'dK unb moderne Ehorliteratur zu pflegen. Schm 1820 fand unter Gaßner ein zweitägiges Mnsckfest ftatt mit Romb rg's „Glocke" und Gottfried Webn's „Te bnim". G<rß -er wurde 1826 nach Karlsrnbe betuten und an feine Steile trat Heinrich Hofmann, welcht bi - 186bej V r- ein leitete uttb auch durch andeNven re Beronsta hm gen (1830 Weber's „Freifchün"' da> mu ifelu'dw Leben förderte. 1858 wurde zum erst -- Händels „Messias" aufgefübrt; es folgten >xi „Schöpfung" Händel's „Alexande, - ' u a \ ■
übernahm Wilhelm Mickler die Leitung, ein in damaliger Zeit hockiyeschätzter, feinsinniger fOht» fiter. Unter seiner Leitung wirrdc das ^Oratorium, auch das weltliche sehr gepflegt (Schumann's „Paradies und Peri") und es muß besonders hervorgehoben werden, daß unter ihm schon 1872 das „Deutsche Requiem" von Brahm's aufgesührt wurde und zweimal die Bach'sche „Mathäus- passion".
Von 1874—1896 war Adolf Felchner der Dirigent deS Vereins, der das Gießener Musik- leben durch reiche Auswahl llafsisch't und damals moderner Chorwerke dereichrrte: besonders hervor- zul-eben sind: Beethoven's ,.9. Svmphonie" und Schumarm's „Manfred" (1886 mit Ernst v. Poft sart). Felckmcrs Vorliebe für die Romantiker vermittelte uns wiederum die Sckmnvann'fcheit Chor- Iperfc „Paradies und Peri", „Der Rose Pilgerfahrt" und solche von Niels, W. Gade und Max Brach
1896 wurde Professor G usta v Trautmann als Dirigent des Vweins aus Frankfurt am Main hierher beraten. Unter ihn tarn ein ungeahnter Aufschmmg in das musikalische Leben, so daß rmn svnwdl die Kvnzerte des Akademischm 0t?sMtg-- rereirts, als mich die des Konzertoer.ins, lner rote auswärts, einen guten Ruf genießen. So konnte 'tvr Gesai:gverein gelegratlicb seines 90iäbriwn Stiftungsfestes 1909 durch ein dreitägiges Musik fest ben Beweis erbringen, auf mich' künstlerischer Höhe er an gelangt war Damals kamen zur Auf-
versucht wird, den Expressionismus auch dem Film dtenftbar zu machen. Es entstehen dadurch ganz auberordentlich starte 2Btr?im?en und der Be uch durfte auch für jeden Kunstfreund von großem Interesse sein.
Landkreis Gießen.
-m. Heuchelheim, 4. Juni. Am Sonntag, 6. Ju?t ds. Js. Iftndet bei Gastwirt Schäfer die 3 Äkal-Kaninchenartsstellung des hiesigen Kanin- chcnzuchtvercins statt. Es werden ungefähr 200 Tiere, darunter crstklasftge, prämiierte Rassetiere ausgestellt und es bietet sich für Liebhaber günstige Kaufgclegenheit für gute Zuchtkauinchen. Der Verein, der während des Krieges gegründet wurde, hat einen steig enden Zuwachs von sDtitglid>crn zu ocrjcidjnen und steht auf leistungsfähiger Höhe. (Siehe Anzeigettteil.)
Kreis Büdingen.
Der Zusammenstoß mit Wilderern
** Büdingen, 4. Juni. Um den tendenziös ausgesprengten Gerüchten über den Zusammenstoß fürstlicher Forstbeamten mit zum Teil noch unbekannten Leuten am 28. Mai 1920 im Distrikt Rother-Stutz (in den sogenannten Wachholdern- bittet uns die Fürstliche Rentkammer Büdingen, Abteilung ^orftroefen, um Veröffentlichung folgender Feststellung:
Der Zusammenstoß erfolgte nicht mit „harmlosen Wanderern", mit „Hamsterern", sondern mit bewaffneten Leuten, die an den obengenannten Orte widerrechtlich eine Schießübung achtelten. Als wir uns ihnen aus etwa 50 Meter genähert hatten, bemerkten uns die Leute und ergriffen die Flucht, worauf die beiden vordersten Beamten sie mit Halt anriefen und durch die Wachholder verfolgten, bis sie 11 eher ficht über das östlich an- schließer.d? freie Gelände Hatten. H e: sah n sie drei Leute in Richtung Lcisenwald-Waloensberg flüchten, sie riefen mehrere Male „Halt" und erhielten nunmehr von der Gegenseite Feuer, woraufhin sie ebenfalls das Feuer eröffneten. In diesem Moment begann unserers Erachtens ein leickstes Maschinengewehr aus der Gegend der Neftenstra^ zu feu.rn, 7vas die Beamten -wang, i< Deckung zu gehen.
Bei dem nun anschließenden ,etwa lV»stün- digen Feuergefecht waren auf der Gegenseite ein leichtes M.--G. und zwei Militärgewehre in Tätigkeit. Wir konnten nicht feststellten, ob einer unserer Gegner verwundet worden war. Erft am 2Ibenb des 28. 3. 20 erfuhr einer unserer Beamten zufällig, daß in einem Dorfe östlich des Büdinger Waldes ein schwer verwundeter Mann mit einem Wagen in ein Krankenhaus verbracht worden fei
Es ist bis jetzt unseres Wissens noch nicht feftgestellt worden, ob dieser Mann durch unsere Schüsse oder die der Gegenseite verwundet worden ist, welch letztere Annahme viel Wahrscheinlichkeit hat. Die im Gang befindliche Untersuchung muß dies aufklären.
Die Anzeige über den „Zusammenstoß" gegen Unbekannt wegen Widerstandes unter Anivendung von Feuerwaffen ist am L9. März 1920 vormittags telephonisch an die Staatsanwaltschaften bei den Landgerichten in Hanau und Gießen, sodann sckxrisllich an dieselben erstattet worden. Eine Ber- schleppung oder Verschleierung durch uns kann daher nicht unterstellt werden.
Forstmeister Hoffmann und die weiter beteiligten Beamten sind von dem Amtsgericht Büdingen verantwortlich vernommen worden.
Das Verfahren ist nicht eingestellt, es geht, soviel uns bekannt, seinen Gang.
Die an dem Zusammenstoß beteiligten Beamten find alle von Staatswegen eidlich auf ben Forst-, Jagd- und Fischereifchutz verpflichtet, sie befanden sich vor dem Zusammenstoß nicht auf der Jagd, sondern lagen ihrer in der heutigen Zeit wahrlich nicht leichten Pflicht ob, die darin besteht, ihrerseits in ihrem Dienstbezirk für Aufrechterhaltung und Achtung der Gesetze zu sorgen.
*
x Hirzenhain, 4. Juni. Der Parteisekretär des Metall arbeiterverban- Ides, Schiefer, der bisher sehr energisch die Reckste Urtb Forderungen der Arbeiter vertreten (batte, wurde auf Bctrerben der water links stehen den Kreise der Arbeiterschaft seüres Postens enthoben. An seine Stelle soll der Unnatchängige Diß- mann (Stuttgart) berufen werden.
Kreis Friedberg.
A Bad-Raubeim, 4. Juni. Durch Verfügung des Reichsarb i snirnipers hat die Rcickis«' kuranstall, früher Militärkurhaus, und während d:s Kiieges Refervel'Kire.t, nuranelr He Be- idjatung „Versorgungsan st alt Bad-Rauheim" erhalten.
oa. R iede r - W öl l st adt, 5. Juni. Ter am 3. Pfingstfeiertag auf dem Gute des Pächters Schwind ausgebrochme Brand ist n ut aufgeklärt. Der Brand entstand durch den schsjährigen Sohn eines Schweiz rs beim (versuchen in der Sck>euer, wobei er mit Streichhölzern nach den Restern
leuchtete. Mle Maschinen und landwirtschaftlichen Geräte sind dem Brand zum Opfer, gefallen. Ter Geschädigte ist der jetzigen Zeit entsprechend nicht genügend verfichett.
Starkenburg und Nheinhefsen.
sw. Tarrn stadt, 4. Juni. Die Ausstellung „Deutscher Expressionismus" Tarmstad" 1 23 im f attischen Äusslellungsgebäude auf der Machilsdcmhöhe mir:» am Tvnnerstug beir 10. Juni vormittags 11 Vs Uhc eröffnet.
Heffen-Nafsau.
mc. Frankfurt a. M., 4. Juni. Im Frantz' futter Schlacht- und Vi.f hos narben in bei: ätzten Wochen unter bc-;i Augen ocr Behörde Hunde geschlachtet, diedarjt wvrl als sckuvai ■- ?' ck xtv tetes Fl ich in Wirt chaften u w. wu.t er.l. Run- melw will die Mctzg-er-Innu g geg n uicen Unfug einschi eiten, b.i dir Be.wai tu g bis er n-oJ: nicht ben Mut gesunden hat, dem Geckcher, das die treuen Vicrfü^ler vom Lebrn zum Tode berörfrTt, oe Türe zu wttsen, angeblich, do das SckLachten aller Tiere erlaubt sei.
Kassel, 4. Juni. Als eine ber ersten deutschen Großstädte veröffentlicht die hiesige Stadlverwattung den H a u pt v o r an schl a g für 1920. Er erreicht in Einnahmen und Ausgaben die Höl,e von 193 Millionen Mark gegen 63 Mill, im Jahre 1919. Bei diesem gewaltigen Unterschiede von 133 Mill. Mark spielen 32 Mill. Mark für Kriegsausgaben die .Hatrpttolle. Den finanziellen Grundstock des Haushatt-panes spielten — und das dürfte am iuteveifantesten jein — der der Stadt zufaliewde Anteil der Reichseinkommensteuer mit rund 270 Mill. Mark.
Vie Vahlbewegung.
Der Aufmarsch zur Wahl.
Berlin, 5. Jrmi. Die Tttitsche Allgemeine Zeitung sagt: Im allgemeinen hielt sich die Wahl- tropaganda insofern in den Grenzen des trolv ttschen Anstandes, als sie sich meist darauf beschränkte, die Werbetätigkeit an sich in den Vordergrund zu stellen. Infolge der vielen Parteiverfüg trugen ergibt sich ein vorläufig noch keineswegs Überselchares buntes Bild: das Endergebnls dürfte sich aber schließlich doch im wesentlichen einfacher und scharfer gegliedert gestalten als der vielfach recht stark nach Ziellosigkeit ausfehbare Aufmarsch. Von den 35 Wahltteisen des Deutschen Reiches iverben diesmal drei b.i der Wahl fehlen, die beiden O der schl e si ens, die erst später wählen und Schleswig-Holstein, der erst im Herbst wählen wird. Als neue Partei erscheint die kom munistisck;«, die sich im Gegensatz von der von ihr abgesplitterten, an der Wahl nicht teil nehmenben kommunistischen Arbeiterpartei als Fortsetzung des Spattakuslmndes bezeichnet. Sie hat bei der Aufstellung ihrer Kandidatenlisten Heinen einzigen Wahlkreis ausgelassen.
Eine Erklärung Der Gießener Studentenschaft.
DieloseBereinigung der Gießener Korporationen hat unter dem 4. Juni folgende Erklärung abgegeben:
„An die Reichsregierung, Reichszentrale für Heimatdieirst, Landesabteilunq Hessen.
Die deutsche Skudentenscszaft als solche, insbesondere die korporative, betreibt keinerlei Partei Politik: sie hat dies auch aus dem außerordentlichen Hvchschultag in Dresden (16. bis 21. Mai nach außen Inn dokumentiert. Die lose Vernni<7ung der Korporationen der Universität Gießen lehnt habet auf das Entschiedenste jeden Versuch p'tte p üitischer Bceinflusfung ab. auch wenn sie auf Kosten der Steuerzahler seitens der R egierung (Reichrzenttale für H"imatdienstt durch die Ucberfenbung anonymer Dracksckiriften als „R e i ch s d i e n st s a ch c" er- fvlgt. Die „lose Bereinigung" bringt biete ihre Grundsätze zur Kenntnis der Regierung und wird sie auch einer breiteren Oeffentlichkeit durch die Presse bekannt geben.
Die lose Bereinigung der Korporattonen an der Universität Gießen.
J.A.: Störiko, Vorsitzender.
Winke für Oie Wahl zum Reichstag.
1. Das Wahlgeschäft beginnt um 8 Uhr vormittags und endet um 6 Uhr nachmittags.
2. Schiebe die Wahl nicht bis zur letzten Stunde auf.
3. Eheleute gehen möglichst mit ihren wahlberechtigten Familienangehörigen gleich zeitig zur Wahl. Dies erllichtert das Wahft geschäft außerordentlich.
4. Stecke den richtigen Stimmzettel in den Umschlag.
5. Stecke keine zwei Stimmzettel in den Umschlag.
6. Unterschreibe den Stimmzettel nicht
7. Gib keinen leeren Umschlag ab.
8. Versuche nicht, den Wahlumschlag zu zukleben; er ist nicht gummiert.
Schumann's „ParcDies und Peri", Händel's „Messias", Brahm's „Deutsches Requiem", Mmvel- sohn's „Paulus und Elias", Beetbovm's „9. Sym- phmrie", Bach's „Mathäuspassion" u. a. statt, als auch Erstauffübrangen von Werken, tne bisher in Gießen uno teillveise auch andenvärts noch nicht aufgeführt waren. Das Bestreben ves Vereins ging von jeher dahin, nicht nur die bekannte klassische Clwrliteratur zu pflegen, sondern, was für einen gedeihlichen Fortschritt des musikalischen Lebens unerläßlich ist, mich die modernen Komponisten zu Ikerücksichtigen: in dieser Hinsicht sind in erster Linie die Werke von Brahm's. Reger, Wolf- Ferrari usw. zu erwähnen, deren Studium sich der Betern, unter Professor Trautmann's Leitung, mit großem Eifer unterzog. Erne kurze Uebersicht aller Erstaufführungen in Gießen dürfte daher von lJntetesse sein und ben Bewers erbringen, wie niete Zeitig auf dem Gebiete ber Ehorliteratur der Verein sich betätigt hat.
RLöge es dem Akademischen Gesangoevein, wek- dx-r dieses Mal in schlichter Weise Mn Stiftungsfest begeht, vergönnt sein, sich unter der hervorragenden Leittmg Herrn Professor Trautnmnn's, im Verein mit dem Konzertverein noch wttterhiu in gleicher Weise für das fUtufiöebar unterer Univet- sitätsstabt zu betätigen. Dies istZrer Wunsch ben gewiß alle Musikfremrde unserer Stadt dem Verein zu seinem hundertjährigen Sttftungsfest aus- sprecyen. W.
Neuausführungen seit 189 6.
Bach: 8-rooU-Meffe, Weihnachtsoratotium, Kantaten Nr. 155, 61, 40, 56, 50, 118, 80, 51. Weltliche Kantaten fitrfrefcnlatc and Jagdkantate.
Beethoven: Missa solenuns, Seine Messe, Cborsantasie, elegischer Gesang
B e r l i o s z: Requiem, Des Heilands Kindheit, Flucht nach Aegypten.
Brahms: Triumphllü», Närric, Gesang der Parzei^. Schicksalslied, Ältrhapsodie, Fvauenchöre, gemitotc Chöre a capella.
Debussy: Frauen chvre.
De Haan: Werden und Aergehen, Chorwerk.
Götz: Nänie.
Händel: Jephta, Judas Makkobäus. (Beide Werke in der Stephani'scheu BearbttttrngO
Humperdink: Das Glück von Evenhall.
Herz ogcnbery: Die Geburt Christi.
He ymann-Reinecke: Frauenchöre.
Löwe: Chöre a capella.: In der Marienkirche. Im Vorübergehen.
Liszt: Die heilige Elisabeth, Tie Glocken des Straßburger Münsters, Faust-Symphonie, 13. Psalm.
Mozart: Requiem, Miserioordias Domini.
Reger : Ter Einsiedler, Tie Nonnen, Choralkantaten: Meinen Jesum laß ich nicht, O wie selig seid ihr doch ihr Frommen, O Haupt voll Blut und Wunden.
Schubert: 23. Psalm.
Schumann: Fauststeitcn, Zigeunerleben.
Schol z: Silvesterglocken.
$ inet: Sonncngesang aus „Franziskus".
Verdi: Requiem.
W o l f r u m: Weihnacbtsmyfterium.
Wagner: Szenen aus Parsifal, Chöre aus Lohoiarin und Tarärhänte
Wolf-Ferrari • nuvva.
Madrigale von £.. > di Lasso, Haffe,
Haßler, Eccard, Reichard ujn?


