Nr. 150
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Erster Blatt
170. Jahrgang
Samstag, 5. Juni 1920
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Obertzeffen
Vrvck unö Verlag. Vrühl'sche Univ.-Vuch- und SteindruSerel H. Lange. Zchnftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstrahe 7.
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wäge und wähle! in.
Auf Grund einiger Landtags- und Kommunalwahlergebnisse aus der letzten Zeit kann man schon ungefähr sehen, wohin die Entwicklung gehen wird. Die Mehrheitssozialdemo- kratie wird vielleicht in eine Minderheitssozialdemokratie verwandelt werden; die \xxv gemilderte Härte der Zeit, die schlechten Erfolge der bisherigen Regierung, treiben eine große Zahl von Genossen ins Lager der Ultra- radikalen. D>e demokratische Partei, aus der namhafte Führer zu den Rechtsparteien über- getrelen |iru), iffc sich woyt klar ba ritbcT, daß sie ihren Besitzstand an Mandaten kaum zu wahren vermag. Auch beim Zentrum, das übrigens Herrn Erzberger wieder kandidieren läßt, spricht man von Absplitterungstendenzen. Auf Wahlgewinne hätten demnach die Unabhängigen und die Rechtsparteien zu rechnen. Bei diesen Aussichten war es etwas unvorsichtig, daß der soztaldemokratische Reichskanzler Müller und der demokratische Minister des Innern, Koch, in Versammlungen ankündigten, ihre Parteien würden „nie und nimmer" etwa die Deutsche Volkspariei in die Koalition ausnehmen. Nicht ganz sicher ist es allerdings, ob die Mehrheitßsozialdemokratie nach den Wahlen sich nrcht vielleicht entschließen wird, überhaupt aus dec Negierung auszutreten. Ein solcher Austritt wäre keineswegs wünschenswert. Herrn Srresemann, dem Führer der Deutschen Volkspartei, ist aber zuzustimmen, daß eine „K o a l i t i o n a u f d e r breitesten Grundlage" Erfordernis der Zukunft sei. Nicht nur die Partei Strese- manns, auch die Deutschnationale Volkspartei ist, wie ihr Führer, Graf Westarp, vev- lautbaren ließ, unter bestimmten Voraussetzungen bereit, in die Regierung einzutreten. Es läßt sich schwer Voraussagen, was nach dem 6. Juni werden wird. Jedenfalls ist es oberflächlich und wenig stichhaltig, wenn von demokratischer Seite aus Herrn Stresemann vorgehalten wird, er habe ihre Koalitionspolitik scharf.bekämpft, und die Deutsche Volkspartei strebe nun selbst nach dem Eintritt in die Regierung. Es kommt eben, wie wir schon dargelegt Haven, auf die Taten an! Eine Koalition auf.breiter Grundlage, die nicht mehr einen großen Teil des Bürgertums von der Mitwirkung ausschließt, die zucückgreifen kann aus eine ganz andere Auswahl befähigter, sachkundiger Führer, wird nicht mehr an parteipolitischer Enge und einseitiger Aem- terverteilung kranken. Sie wird mit größerem Verständnis als die jetzige Regierung der Hauptforderung des Volles gerecht werden können, der Besserung des Wirtschaftslebens in erster Linie ihre Tätigkeit zu widmen.
Wird,das Bürgertum die große Stunde ganz erfassen, in der es sich selbst sein SchiÄ- sal schmieden kann? Wird es sich aufraffen aus dem Staub der Zeit, oder wird es zweifelnd, abwartend, eingeschüchtert, alles beim! alten lassen wollen? Ein klägliches Bedenken ist hier und dort ausgesprochen worden: eine Aenderung der bisherigen Mehrheitsverhältnisse werde die Gefahr eines Bürgerkrieges näher rücken! In der Tat ist mit dahin gehenden Andeutungen in der Presse der Linken leise gedroht worden. Dieser Appell an die Feigheit, an das Schlafmützentum schwachköpfiger Spießer kann doch unmöglich die Entschlüsse am 6. Juni irgendwie beeinflussen! Gerade weil bisher Putschneigun- gen und Diktaturgelüste uns fortwährend beunruhigt haben, kann es so nicht weitergehen. Ein neuer Geist und Wille zu gesetzmäßiger Ordnung und Sicherheit kann in Deutschland nur einkehren, wenn das Volk in einer mutigen und entschlossenen Kundgebung sich dafür erhebt! Es ist ja ganz offenkundig, daß auch dieser Hauptaufgabe, Deutschland reinzufegen von verbrecherischen Landfriedensbrüchen und Uebergriffen, die bisherige Regierung in keiner Weise gewachsen war. Es liegt nun in dec Hand der Wähler, daß wir ohne Mobilisierung von Gewaltmitteln dem Lande seinen natürlichen Schutz wiedergeben. Das Eintreten für eine breitere Grundlage der Regierung bedeutet die Erschiverung gewaltsamer Akte, wirksamere Eindämmung und Abwehr terroristischer Bestrebungen. Wie erbärmlich, wie verhängnisvoll wäre es, wenn gegenüber der aufgeschwolleuen Unmoral und Gesetzverachtung die Volksstimme am Entscheidungs- tag bänglich schweigen würde!
Mit noch anderen Vorspiegelungen hat man versucht, den Wähler vor kräftigem Beschließen zurückzuschrecken. Wie das Ausland, besonders unsere bisherigen Feinde, das Wahlergebnis aufnehmen würden, darüber wurden allerlei Bedenken in die Welt gesetzt, und man suchte dieser Frage eine über- triebeue Beseuturig beizulegen. Es wäre der Entente in i er Tat vielleicht am liebsten, tveuu alles beim alten bliebe, wenn sie bei 'ihrer Auspowerung Deutschlands nach wie vor mög
lichst wenig Widerstand fände. Das deutsche Volk hat aber das größte Interesse daran, daß darin eine Umkehc stattfindet. Im übrigen wird fick) der feindliche Völkerbund damit zufrieden geben, wenn die neue deutsche Regis- rung sich geneigt zeigt, eingegangene Verpflichtungen des Reiches einzulöscn; ein deutsches Kabinett auf breiterer Grundlage wird sich der Entente gegenüber jedenfalls miuds- stens so gut halten können als die Regierung Müller. Welches Interesse der Wähler daran hat, daß wieder Sachkunde, und nicht parteipolitische Gesinnungstüchtigkeit, unsere auswärtige Politik leitet, haben wir bereits dargetan.
Der 6. Juni wird uns keine Lustgärten des Daseins eröffnen. Der deutsche Existenzkampf bleibt mach wie vor hart und schwer. Wir wollen uns aber mit neuem Mute rüsten, drückende Lasten zu tragen, wenn bezeugt wird, daß ein neuer Geist in deutschen Landen wieder ein froheres Schaffen einleitet und uns die Wiedergesundung unserer Kultur verspricht. Stehe nicht abseits, wäge und wähle!
$paa.
Rom, 5. Juni (WTB) Graf Sforza, Untcr- staatssekretLr im Ministerium des Aeuß.rn, wird am Samslag nach London reisen, um der bri- tisck-en Negierung den italieniid)en Standpimkt in der Frage der Ver eilung der Wi-wergiitmachungs- fummc zur Kenntnis zu dringen. Was die Kvn- ferenz von Spoa beireffe, berne'bmen die Blätter, daß die Alliierten aus Ansuchen Italiens vor dieser Konferenz, wLhrlcheinlich am 18. Juni, zusammentreten werden. An dieser Besprechung werden die Regierungschefs von Italien, Belgien, Frankreich und Engla'.rd teil:: Öhmen, um sich dann am 21. Juni nach Spoa zu begeben $ur Erörterung der Entschädigungs- und Wiedergutmachungsfragen mit dem deutschen Reichs- kanzler. Japan wird an dieser Konferenz nicht teilnshmen, da es an den dabei zu behandelnden Fragen nicht interessiert ist.
Paris, 4. Juni. (Wolff.) Nach einer Depesche des „Matin" 'hat N i t t i dem Vorsitzenden der italienischen Abteilung der Wiedergutmachmigs- Üommission, Berdolini, erflärt, Italien halte den Anteil der übm bezüglich der von Deutschland zu leistenden Entschädigung zugeteilt toorben sei, für ungenügend, da Italien seinen Anteil an den deutsci-en Kolonien und der deutschen Flotte nicht erhalten habe.
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Unterzeichnung des FriedensvertrageS mit Ungarn.
Paris, 4. Juni. (WTB.) Der Friedensvertrag mit Ungarn ist heute' nachmid- tag 4 Uhr 30 Minuten unterzeichnet wocden.
Eine Trauerkundgcbnng in Ungarn.
Budapest, 4. Juni. (WTB.) Ungar. Korr.-Bur. Die heutige Sitzung der Nationalversammlung wurde nach einer Ansprache des Präsidenten Rakovszkh über den Friedens- Vertrag zum Zeichen der T r a u e r geschlossen.
Vie russisch-englischen Wirtschaft;. mryaMn^gen.
Lo ndon, 4. Juni. (Wolff.) Llo yd Geo rge erklärte im Unterhaus?, es mußten noch gewisse Fragen au§ dem Wege geräumt werden, bevor die englische Regierung sich überhaupt in Verhandlungen mit Krass in einia.se. Eine davon sei die der englischen Gefangenen in Rußland. Ferner würden Garantien gegen Angriffe auf britische Interessen im Osten und in dec Heimat während der Fortführung der Verhandlungen gefordert. Wenn diese Schwierigkeiten beseitigt ferm, dann mürben die Verhandlungen über die Handelsbeziehungen von den Vertretern aller Regierungen g führt w.'rden. Vertreter der ftan- zösischen und italienische Regierung seien anwesend unb bereit, sich an der Fortführung der Verhandlungen zu betätigen. Lloyd George bestritt mit Nachdruck, daß ihm irgendetwas davon bekannt sei, daß in Frankreich über die Verhand- lungen Bcunrul)igung herrsch'.
Amsterdam, 4. Juni. (Wolff.) Nach einer Londoner Meldung behaupt t die „Daily Mail", der Staatssekretär des Aeußern Lord Curzon sei entschiedener Gegner der Verhandlungen mit Sowjetrußland. Es sei mit der Möglichkeit seines Rücktritts zu rechnen.
Lo n do n, 5. Juni. (WTB.) Reuter erfährt, daß die nächste Zusammenkunft Krassins mit den Mitgliedern des englisck-en Kabinelts am 7. Juni stattfinden wird. Hieran schließt sich voraussichtlich im Laufe der S&xfje eine Konferenz mit dem OberstenWirtschaftsratan.
London, 4. Juni. (WTB.) Wie die Times berichtet, fand am Donnerstag abend im Unterhaus ein Ka b ine ttsrat statt, in dem die von der Regierung eingeschlagenc Politik des Unterhandelns mit Krassin diskutiert wurde. Das gleiche Blatt glaubt zu wissen, daß die nächste Besprechung zwischen dem Ministerpräsidenten und Krassin nrcht vor Montag stattfinden wird. Weiterhin soll die Sitzung des Obersten Wirtschaftsrates, die am Freitao stattfinden sollte, auf den 8. Juni verschoben worden sei i.
Amerika und Rußland.
Washingtons. Juni. (Wolff.) Reuter. Das Staatsdepartement lehnte es ab, dem S u ie .aus chuß der H. iide skammer der Vereinigten Siaaieil Pässe nach Rußland auszustellen. Amtliche Kreise erklären, die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber dem Handel mit Rußland bleibe unverändert. Aufhebung der KriegSgesctze in Amerika.
Paris, 5. Juni. (WTB.) Nach einer Havasmeldung aus Washington hat das Repräsentantenhaus Resolutionen angenommen, daß alle Kriegsgesetze, mit Ausnahme der Gesetze über die Lebensmittelkontrolle und über den Handel, mit dem Feinde aufgehoben werden.
Die Unruhen in Irland.
London, 4. Juni. (Wolff.) Die Admiralität widerspricht der Nachlmcht von einem Angriff auf die Marinestation Queenstown. Dagegen wurden zwei Küstenwachstationen nredergebrannt und ihrer Spreug- swffe beraubt. Ferner wurden zwei Leuchttürme überfallen.
London, 4. Juni. (Wolff.) Ein Regie- rungsoampfer mit Truppen landete in der Bantrybuckt 1000 Mann. Weitere Abteilungen werben augenblicklich an verschiedenen Punkten ausgeschifft.
London, 5. Juni. (WTB.) Heute gingen 2400 Dkann Truppen nach Irlach ab.
Amsterda m, 4. Juni. (WB.) Laut „Alge- meen Handels bad" legte gestern <16. nb ein.* Abordnung des Ei.'enbcchnnbundes Lloyd George ben Standpunkt ter Arbeiter gegenüber der Beförderung von Munition nach Irland dar.
Englands Kredit für den Wiederaufbau.
Paris, 4. Juni. (Wolff.) Nach einer Neutermeldung wurde der Betrag des englischen Kredites für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Mitteleuropas und der baltischen Staaten vorläufig auf 10 Millionen Pfund Sterling festgesetzt.
Die Not in Obervsterrerch.
Prag, 4. Juni. (Wolff.) Die „Bohemia" meldet aus Asch daß die dortige Bevölkerung bereits seit sechs Wochen ohne Brot sei. Es sei daher anläßlich des letzten Jcchrmarktes zu fRlünberungen gekommen. Gendarmerie und Militär mußten mit blanker Waffe einschreiten.
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Uebergriffe der Franzosen in Obcrschlcsten.
G l e i w i tz, 4. Juni. (WTB.) Infolge schamlosen Benehmens einer Frauensperson gegenüber einem Franzosen, der sie in Sckmtz nahm, kam es gestern abend in einem hiesigen Tanzlokal zu einer wüsten Schlägerei seitens einer großen Anzahl französische Soldaten, die sich unter Androhung von Waffengewalt Eintritt in die geschlossene Tanzgesellschaft verschafft hatten. Ein städtischer Wachtmeister, der beruhigend einwirken vwllte, wurde mit den Zivilisten ans dem Saal gedrängt. Darauf stürmten 15 0 Fran- zosen, wie die Breslauer Moryenzeitung meldet, eine in der Nähe liegende Polizeiwache. Die Beamten wurden übel zugerichet, u. a. wurde ein schon auf dem Bett liegender schwer verletzter Beamter mit dem Seitengewehr gestochen. Auch die zu Hilfe gerufene Sicherheitspolizei geriet mit den Franzosen zusammen. Schließlich ergriffen die Franzosen, um sich der Verantwortung für ihre Taten zu entziehen, die Flucht. Heute abend findet eine große Kundgebung der Glei- witzer Arbeitersck-aft' statt, die unter allen Umständen die Entwaffnung der Franzosen außerhalb bee; Dienstes verlangt. Der Gleiwitzer Magistrat sandte Telegramme an die Regierung, an die Geschäftsträger der Alliierten in Berlin sowie an die Ententetommissiou in Oppeln mit dem Er- fudjen, sofort einzugreifen, da der Magistrat nicht mehr Herr der Lage sei.
Hits öem lleicbe.
.Unruhen in der Provinz Sachsen.
Berlin, 5. Juni. Aus Querfurt berichten verschiedene Blätter, daß auf Beran- lafsuna von sogenannten Aktionsausschüssen durch bewaffnete Banden aus Naumburg eine Entwaffnung der Einwohnerwehr erfolgte. An der Entwaffnungsaktion nahmen auch die Landbewohner teil, namentlich die Industriearbeiter. Die Wegnahme von Lebensmitteln wurde in großem Umfange verübt, ebenso wurden schwere Plünderungen und Erpressungen vorgenommeu. In einem Falle handelt es sich um 30 000 Mark. Als die Reichswehr anrückte, verschwand die Bande unter Mitnahme von Reitpferden, die indessen später den Besitzern wieder zugestellt werden konnten.
Gegen die Fremdensperre Süddeutschlands.
B e r l i n, 4. Juni. (WTB.) Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" erfährt von unterrichteter Seite: Die preußische Regierung setzte sich gestern mit der Reichsregierung in Verbindung, um über die Abstellung der Miß stände zu beraten, die sich aus den Aufenthaltsbeschränkungen für Norddeutsche1
| in den s üddeutschen Sommerfrischen ergeben.
BeMüsse des Reichsrats.
Berlin, 4. Juni. (WTB.) Der Reichs- rat genehmigte in seiner öffentlichen Sitzung am Freitag nachmittag u. a. die Gewährung von Reichsbeibilfen zu den Aufwendungen der Gerne iw den für oie Erwerbslosenfürsorge in der Textilindustrie. Angenommen wurde ein Entwurf von Bestimmungen zum Sckmtz der mit Preßluft beschäftigten Arbeiter. Der Reichsrat gab dem Wunsch Llusdruck, daß «diese Schutzbestimmungen auch auf den Bergbau ausgedehnt werden. Die Paclftschutzordmmg wurde mit den Veränderungen angenommen, die der 6. Ausschuß der Nationalversammlung beschlossen hat. Angenommen wurde ferner der Entwurf einer Regel"ng der Teewirt- fdjiaft nach den Beschlüssen des Volkswirtschaftsausschusses der Nationalversammlung. Danach mürbe insbesondere der Einfluß der kleinen Betriebe gegenüber den Großbetrieben verstärkt. Ferne rwurde die wichtige Bestimmung neu aufgenonv men, daß von dem Reick-Swirtsthaftsrninisterium Höchstpreise auch für Rohteer festgesetzt werden können, (^heimrnt von Waldeck ertlärte, augenblicklich iönne das M uist.rium vo.i seiner Besugn's zur Festsetzung von Höchstpreisen keinen Gebrauch machen, da sonst wiederum eine vollkommene Zwangswirtsck)aft aufgebaut werden müsse. Entsprechend den Erhöhungen der übrigen Eisenbahn - tnrife mürbe auch die Erhöhung des Mili- tlärtarifs ab 15. Juni beschlossen. Danach erhöhen sich die Preise für Personenbesördenmg, um 300 Prozent, für Güterbeförderung um 450 Prozent: auch im Mfti ürtarif sollen künftig Tarife entsprechend den jeweiligen Zuschlägen im öffentlichen Verkehr gestattet werden.
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Berlin, 4. Juni. (Wolff.) Gouverneur a. D. Haber wurde zum Präsidenten des Reichsausgleichsamts ernannt.
Berlin, 4. Juni. (Wolff.) Der Bund höherer Beamten teilt uns mit: Ter Ausschluß der höheren Beamten aus dem Deutschen Beanrtenbünd ist vom Boamtentag am 26. Mai in Berlin tatsächlich vollzogen worden. Dem Bund höherer Beamt n irurbe eine ferner Mitglieder zahl entsprechende Zahl von Vertretern verweigert. Durch biefen satzungswidrigen Beschluß waren die 50 000 höheren Beamten, die im Deutschen Beamtenbund ausschließlich durch den Bcmd höherer Beamten vertreten, herben, ihrer Vertretung Beraubt. Der Gesamt- porstand des Bundes hlcherer Beamten hat b>e- sckLosstn, von jetzt ad die Interessen seiner Mitglieder unabhängig von dem T-eutsck-eU Be- .amten'frimb zu vertreten. Der Teutsä-e Bearnten- Ibimb hat damit aus gehört, die Vertretung der Gesamtheit der deutschen Beamten zu sein.
öer Abbau der Zwangrwirtschast.
Berlin, 4 Juni. (WTB.) Nach Mitteilung aus dem Reichsmiuisterium für Ernährung und Landwirtschaft über den Abbau der Zwangswirtschaft werden bis 1. Juli aufgelöst sein: Der Kriegsausschuß für Kaffee, Tee und deren Ersatzmittel und die Kriegskakaogesellschaft. Die Kriegsnährmittelgesellschaft hat ihre Tätigkeit soweit abgebaut, daß ihre Liquidation in wenigen Monaten beendigt ist. Die Reichsstelle für Gemüse und Obst wird bis zum 1. August ihre bewirtschaftende Tätigkeit ganz eingestellt haben. In Verbindung mit der Auflösung wird die Einfuhr von frischem Obst sofort freigegeben, ausgenommen Luxusobst und Südfrüchte. Die Einfuhr von frischem Gemüse soll spätestens vom 28. Juni ab erfolgen, wobei ebenso roie beim Obst Vorbehalte, daß Einfuhrbewilligungen und andere Formalüädm nj-tvenbig sind, nicht gemacht werden. Ferner wurde die beschleunigte Auslösung her Reichsvcr^i.nngsstelle für Nähr- mittel und Eier ang ordnet; desgleichen wurde angeorbnet d r besch einigte Abbau des R.ich?- Vommissariats für Fi dy eqjrgung. Hinsicht ich der Neuregelung der Fi'cheinsühr schweben Verch nd uu- gen. Die Zentralstelle zur Beschasfung von Heeres- verpfleguug hat ihre Tätigkeit am 31. Mai eingestellt unb wird bis zum 15. August soweit aufgelöst sein, daß nur noch eine feine Abwickelungsstelle übrig sein wird, lieber die Neuregelung der Fettwirtschaft sind Verhardlm^gen tnt Gange: im Zusammenhang damit wird der be- fefrfeunigte Abbau b s Neiehsausschusses für Oele und Fette erfolgen. Tie Reichssuttermittelstell' ist vollkommen aufgelöst. Tie Eeschäfte sind von einer besonderen Abteilung der B zugs.er ftnigung der bentfcTuen Landwirte übernommen. Im Zu- famnicnTxtng mit dem Abbau der Zivangsivirtschist ist endlich auch auf die Neuregelung de r Kartoffel Versorgung zu verwei'en, wvbn eine wesentliche Lockerung der bSTe igen Zwangk- l-ennrtsckiastung eintreien soll. Tie Sicherung für b e Versorgung b"r städtischen Bevö v.ning liegt hier bei den StiDten selbst, die spätestens bis 19. Juni ihren B^-dirf mizunnpen haben, so lern sie [•eii.'fert loerben wollen. Ter Abschluß oov ilieerungdterträgen erfolgt auf Grmch dieser An- rneldung.
Die Erntemrssichten.
Berlin, 5. Juni. Auf die Frage des Mitarbeiters des Verl. Tageblatts, wie man den Stand der Ernte zurzeit beurteilen könne, ernnderte der preußische Ministerpräsident und Londwirtschastsminister Braun, daß man infolge der günstigen Witterung, wenn das Wetter zur Erntezeit nicht schlecht würde, zum mindesten mit einer besriedigenden Mittelernte, wahrscheinlich aber mit einer reichlichen .Ernte rechnen rönne.


