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170. Jahrgang
lir. 208
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Samstag, 4. September 1920 Lonahme von Anzeigen für bie Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit, preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 34 mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhesten
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wochemückblick.
Seltsame Zeillage, wie sie der t sch ech o - slowakische Mini st er des Auswärtigen in Prag vor seinem Parlament ausmalte: Die drei großen Mächteblocks, deren Gegeneinander in naher Zukunft grundlegende Aenderungen des jetzigen Zustandes in Aussicht stelle! An einer Stelle klang diese Rede beinahe deutschfteundlich. Als sie nämlich feftstellte, das jetzt darniederliegende Deutschland werde vielleicht Gelegenheit finden, eine seiner eigentlichen Stellung im Kreise der Völker entsprechende Rolle wieder zu fordern. Im Grunde bewegt sich die Prager Politik aber doch wohl in einem der En- tentc zugeneigten Geleise. Der neue Balkanbund, von dem der Redner sprach, wird ein Werkzeug der Pariser und Londoner Politik sein, und die Prager Diplomatie wird es wohl wissen, warum sie ihre Verlautbarung mchr auf den Boden der Tatsachen, dem sich auch Giolitti und Lloyd George in Luzern einigermaßen näherten, eingestellt haben, als auf die heißen Wünsche Frankreichs, das dem putschen Block" wahrlich keine Existenz und Ruhe gönnen will. Wir wissen nicht, ob sich die Entscheidungen so rasch vollziehen werden, als man in Prag glaubt. Gewiß, selbst die Luzerner Proklamation sprach ja davon, daß die Rückkeh r Rußlands in den Verkehr der Völker eine Neuordnung vieler wichtiger Fragen zur Folge haben werde. Indessen, die roten Truppen der Sowjet-Regierung haben sich nicht als bezwingend und und unwiderstehlich wie Attilas Züge bewiesen; es hieß sogar, die Stellung der Moskauer Regierung sei durch ihre militärischen Schlappen einigermaßen erschüttert. Die Friedens- vcrhandlungen, die demnächst in Riga geführt werden sollen, werden keine besonderen russischen Trumpfe und Triumphe herausbringen. Und doch wird das Rußland der nächsten Zeit tatsächlich neue Hebel an der europäischen Lage ansetzen. Diese Erkenntnis ist auch Herrn Millerand und seinem Kreise aufgegangen, und darum versucht er alle Mittel, Deutschland zu verkleinern und zu zerstückeln, ehe es dazu zu spät ist. Darum soll Frankreich ,,ber Hort der kleinen Nw- tionen" sein, die auch auf dem Balkan ein Eckpfeiler des Versailler Vertrages bilden und eine Barriere gegen Rußland herstellen müßten, wie Polen im Norden. Die französischen Pläne reichen weit. Sie suchen, in der Unterstützung des Generals Wrangel, auch den Süden des russischen Reiches sich dienstbar zu machen und den Faktor „Großrußland" zu schwächen, wo es nur geht. Man wird dies in Moskau und Petersburg nicht vergessen. Und darum hatte der deutsche Minister Dr. Simons recht, als er im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten nochmals erklärte, daß unsere Neutralitätspolitik die einzig richtige gewesen sei. Die kleinste Gebärde gegen die russische Kriegführung wäre uns von den Russen später nie vergessen worden.
Freilich, die Aufbautätigkeit, die von den B o l s ch e w i k i in ihrem Reiche geleistet worden sei, hat Dr. Simons stark überschätzt. Wir erkennen dies gänzlich zweifelsfrei aus den Berichten der unabhängigen Führer, die an Ort und Stelle ihre Studien gemacht haben und sehr offenherzig darüber iprechen. Ganz schauderhafte Zustände müssen in dem früheren Zarenreiche herrschen. Statt Freiheit und sozialistischer Ordnung herrschen dort Autokratie und ein wirtschaftliches Durcheinander, dem mchr als irgendwo anders die tzulturfaktoren Fleiß und Zielstrebigkeit fehlen. Und wie grell wird das oberste Regime beleuchtet durch die Berichte über den Kongreß der dritten Internationale, wo das Bonzentum sich noch ganz-anders behauptet als auf den wilden Versammlungen der Berliner Arbeiterräte seligen Angedenkens. Selbst Lede- bour, der doch ein reiches Maß „revolutionärer Energie" im Leibe hat, ist von dec Moskauer Despotie scharf abgerückt. Zeichen und Dunder! Die Partei der Unabhängigen macht denselben Prozeß der Spaltung durch wie die Mehrheitssozialdemokratie. Aber dec Berliner Parteikongreß ist noch nicht zu Ende, und die eigentliche Abrechnung und Klärung wird einem noch anzuberaumenden Parteitag Zufällen. Es ist einstweilen noch recht schwer, über die Aussichten und Unternehmungen riner radikalen Linksbewegung in Deutschland etwas Sicheres vorauszusagen. Mag Rußland kür die meisten eine Enttäuschung sein — wir werden die Tumulte und Putsche, die revolutionäre Hetze, sobald nicht los werden. Die Frankfurter und Augsburger Vorfälle, die württembergischen Arbeiterkämpfe, zeugen davon. Wir bleiben in einer Zeit trauriger «trmut, die von den Geistern der Verhetzung und Anarchie nach wie vor umflattert werden wiro. Defw nachdrücklicher muß gefordert werden eine reffe uuo zielbewußte Wirtschaftepoli- tu der obersten Reichsinstanzen, keine Dikta
tur, aber doch eine Willenszentrale, die den I Mut zur Wahrheit und zum Handeln hat, die lestehenden Fachkörperschaften in Bewegung etzt, aber sich von ihnen nicht unter die Räder iringen läßt. . .
Das Berliner Kabinett beschäftigte sich in den letzten Tagen mit einer anderen harten Aufgabe, die das Volksempfinden aufs übelste mrchwühlt. Wir haben den Wortlaut dec Note Frankreichs wiedergegeben, die dec französische Botschafter in unserem Auswärtigen Amt abgegeben hat. Es handelt sich um Sühneforderungen für die Breslauer Krawalle, wobei der Pöbel ins ftanzösische Konsulat eingedrungen war. Von allen Parteien Deutschlands sind die Breslauer Gewaltakte scharf verurteilt worden, an amtlichen Mahnungen und Zurechtweisungen jat es von Anfang an nicht gefehlt. Es konnte in der kurzen Zeit noch nicht ganz klargestellt werden, ob bestimmte Anstifter in Frage kommen, noch weniger war es möglich, jetzt schon alle Schuldigen beweiskräftig zu überführen. Es erscheint aber schon als ausgeschlossen, vaß irgendwelche Parteiautoritäten oder Volksschichten, wie die Breslauer Studentenschaft, als verantwortliche Uebeltäter in Frage kommen. Da kommt die scharfe, anmaßende französische Note über uns, die im Siegerton Buße verlangt. Die Forderung nach Ersatz des verursachten Schadens und Bestrafung der Schuldigen wäre nicht unbillig. Es ist mit Recht angeregt worden, Frankreich könne den Schadenersatz erhalten durch Anwendung der Bestimmungen des Tumultschadengesetzes. Aber das Pariser Kabinett verlangt von der Reichsregierung bestimmte Summen, die gleichzeitig als Geldstrafen ausgenommen werden müssen. Und es verlangt ferner von dem deutschen Ehrgefühl, daß es sich zu ganz unbegründeten, ihm anbefohlenen Respekterweisungen hergeben soll, nach dem Muster der französischen Strafgerichte im besetzten Gebiet und den schlechten Erziehungsmethoden minderwertiger Schulbetriebe. Die französische Fahne soll wieder gegrüßt werden, und unsere Reichswehr, die mit den Breslauer Vorkommnissen doch nicht das geringste zu schaffen hatte, soll vor dem französischen Konsulate mit Ehrenbezeugungen und klingendem Spiel anrüden! Und das ist nock nicht alles: der deutsche Reichskanzler soll persönlich in der französischen Botschaft um Entschuldigung bitten und die Annahme aller Sühnesorderungen bestätigen, einschließlich der Bestrafung des Hauptmanns v. Arnim, der bei der — B e r l i n e r Fcchnen- afsaire eine Frankreich verletzende Rolle gespielt haben soll! Die französische Note ist vom Geiste des Landvogts erfüllt, der seinen Hut aufstecken ließ nicht um die Herzen des Volkes zu prüfen, sondern um es zu demütigen : „Das Unbequeme hab' ich hingepflanzt aus ihren Weg, wo sie vorbeiaehn müssen, daß sie draufstoßen mit dem Äug' und sich erinnern ihres Herrn, den sie vergessen." Für die Erfüllung aller Sühneforderungen wird eine Frist von acht Tagen gestellt!
Die Entscheidung in Berlin ist noch nicht gefallen; es wird mit dem französischen Botschafter verhandelt, um die für das Reich demütigenden Punkte auszuschalten. Dr. Simons soll sich bereit erklärt haben, an Stelle des höchsten Reichsbeamten in der französischen Botschaft zu erscheinen, um Entschuldigungen vorzubringen. Warum ernennt man aber nicht zum Helden dieser Sühneaktion den preußischen Minister des Innern, Herrn Se- vcring? Wenn schon ein deutscher Minister Grund hat, sich für die Pöbelausschreitungen mitverantwortlich zu fühlen, so ist es doch der unmittelbare Vorgesetzte des Oberpräsidenten Zimmer und des Polizeipräsidenten Ernst, die übrigens beide der Partei Severings angehören, nämlich der sozialdemokratischen. Herr Ernst ist, wie heute gemeldet wird, inzwischen ja schon in den Ruhestand versetzt worden: er hatte am Tag dec angekündigten Demonstration eine Reise unternommen. Die Natl. Korresp. hat nicht ganz unrecht, wenn sie schreibt: „Man hat ja in Preußen die Verwaltung, den Ordnungs- und Sicherheitsdienst und alles mögliche nach revolutionären Grundsätzen „u mo r g an i fiert" und ist jetzt dabei, auf Herrn Severings Geheiß die Umorganisation des Polizeiwesens „auszubauen". Selbstverständlich mußten und müssen, dabei die altbewährten Beamten über die Klinge springen und an ihre Stelle Leute treten, die nichts anderes aufzuweisen haben, als ihr sozial- demokratisches Parteibuch und, daß sie seinerzeit am lautesten über das alte Regime kra- kehlt haben." Indessen, die Zwischenfälle ziehen das Reich in Mitleidenschaft, und die Franzosen hatten sich natürlich zunächst an । das Auswärtige Amt zu halten, bem _ die Ausgabe- zufällt, den' Ausgleich herbeizusüh- | ren. Es muß hervorgehoben werden, daß
die Breslauer Ereignisse wenn nicht ent- chuldbar, so doch erklärlich sind infolge >cr ungeheuren berechtigten Erregung, die ganz Schlesien wegen der ungeheuerlichen Vergewaltigungen Oberschlesiens ersaßt hat. Man sieht und hört die Flüchtlinge aus den bedauernswerten deutschen Städten und sühlt die französische Politik der Knechtung und Unterdrückung. Solange diese kein Ende nimmt, wird die Stimmung aller Deutschen Frankreich gegenüber bitter und haßvoll bleiben. Und Noten, wie die von Herrn Laurent überreichte, werden die leidenschaftlichen Spannungen nur vermehren und die „friedlichen Beziehungen" nicht herbeiführen, die das Kabinett Millerand angeblich mit Deutschland zu unterhalten wünscht.
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Die Lage in Nberschlesien.
DaS Nachspiel zu den Vorgängen in BreSlau.
Breslau, 4. Sept. (WTB.) Der Regierungspräsident erhöhte die auf die Ermittlung der bei den Vorgängen am 26. August Beteiligten ausgesetzte Belohnung von 3000 Mark auf 15 000 Mark.
Dec Polizeipräsident von Breslau Ernst ist durch Beschluß der preußischen. Staatsregierung in box einstweiligen Ruhe st a n d versetzt worden. Damit ist einer der französischen Sühneso rderungen für Breslau entsprochen worden.
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Kattvwitz, 3. Sept. (Wolff.) Zn der gestrigen Stadtoewrdnetenversammlung wurde von Ma- gistkatsseite mitgeteilt, daß bisher 8 Millionen Mk. an Schadenersatzansprüchen eingereicht morden seien, zu deren Zahlung die Stadt auf Grund des Tumultschädengesetzes verpflichtet sei.
K a t t o w i tz, 4. Sept. (WTB.) Zn der Stadt Kattvwitz setzen die Franzosen oie Haussuchungen nach Waffen mit GrüMichkeit fort. Tie verschärfte Kontrolle auf dem Bahnhof dauert an. Zm Landkreis Kattvwitz herrscht nach wie vor die größte Unsicherheit. Besonders unsicher jmb die Verhältnisse in Bvgrckschütz, Eichenau, Rosdzrn und Scboppinitz. Ter in Manzelokowitz tätige Lehrer Schrabek wurde 'heute in der Nähe von Trzelaifa in der Brinitza als Leiche gefunden. Auch im Kreise P l e ß ist die Lage nad) wie vor unsicher. Die Kommission zur Durchführung der Waffenabgabe arbeitet mit verhältnis- mäßig erfreulichen Erfolgen. Zed-och scheint es, als ob die gegenwärtige Besatzung des Kreises Pleß hierzu unzulänglich wäre. Zn Orzesch bei Tarnvwitz wurde in der vergangenen Nacht das Ga st Wirtsehepaar Breitbart erschlagen und das dem Ehepaar gehörige Kolonialwarengeschäft ausgeplündert.
H i r s ch b e r g i. S ch l., 3. Sept. (Wolff) In einer Prote st Versammlung gegen die Vergewaltigung Oberschlesiens durch die Polen und Franzosen erklärten gestern abend die Vertteter aller politischen Parteien von den Deutschnationalen bis zu den Mehrheitssozialisten ihr Einverständnis mit einer einstimmig angenommenen Entschließung, die sich für die Erhaltung Oberschlesiens bei Deutschland ausspricht und sich gegen- die Vergewaltigung der Deutschen in Oberschlesien richtet. Die Versammlung verlief würdig unb vollkommen ruhig.
Ein Aufruf Horfantys.
Beuthen, 3. Sept. (Wolff.) Korfanty erläßt neuerlich einen Aufruf an die Bevölkerung Oberschlesiens, worin er die in den letzten Tagen vorgekommenen verdammenswerten Verbrechen als Untaten gewöhnlicher Banditen hinstellt. Er fordert die gesamte ordnungsliebende Bevölkerung zum Kampf gegen das Banditentum und zur Ablieferung der noch zurück- gehaltenen Waffen auf. Wer befürchte, sich strafbar gemacht zu haben, möge sie heimlich den örtlichen Plebiszitkommissionen übergeben, die die Waffen dann ohne Namensnennung an die interalliierten Behörden weitergeben.
Lin französisches Ultimatum an die Sowjetregiening.
Stockhol m, 3. Sept. (WTB.) Aus Hel- singsors wird telegraphiert: Die französische Regierung hat an Tschitscherin folgendes, von Millerand unterzeichnetes Ultimatum gerichtet: Tie französischen Marinebehörden haben die Vorbereitungen für die Heimsendung des lenten russischen Transportes ans Frankreich am 15. September und aus Algier am 26. September ge- trofien. Alle Franzosen, die sich in Rußland befinden, sind deshalb etweder nach der finnischen Grenze oder nach Odessa zu befördern. Wenn ein^ einziger Franzose nach dem 30. September gegen seinen Willen in Rußland zurückgehalten wird, io wird die ftanzösische Regierung «Veranlassung nehmen, der französischen Flv11e den Befehl zu geben, in Süd- ru.ßland Schr itle zu tun, wie sie als erforderlich erachtet werden.
Ter englische Kriegsminister in Paris.
Paris, 3. Sept. (Wolff.) Kriegsminisier V e- feure empfing gestern nachmittag den englischen Knegsminister Wrnslon Churchill, mit dem er sodann eine längere Ihrtertrinmg harte.
Neue Botfchafterkonferenz.
London, 3. Sept. (Wolff.) Die Botschafterkonferenz tritt am 5. September in Paris zusammen.
Die neue Zusammenkunft zwischen Giolitti und Millerand.
Paris, 3. Sept. (Wolff.) Eine Radtymeldung aus Rom besagt: Rach einer amklichm Mitteilung ist die Zusammenkunft znnscben G io- litt i und Mil lerand in Aix-les-Brms aut den 12. September festgesetzt nwrben.
London, 3. Sept. (Wolff.) Tie „Times" meldet ans Luzern: Lloyd George Brfjrt Mitte nächster Wock« nach London zurück. Ter Zusammenkunft in Aix-les-Bains wohnt er mäst bet.
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Die Kohlenlieserungen an Frankreich.
Paris, 3. Sept. (WTB.) Im Senat teilte der Arbeitsminister mit, daß die deutschen Kohlenlieferungen vorn 1. bis 28. August 1 537 004 Tonnen betrugen. Mit BerückfickKiaamg der drei letzten Tage des August beziffern sich die Augustlieferungen auf über 1 600 000 Tonnen. Das Frankreich durch die Wickergut- rnachungskornmission unter Zugrundelegung des Abkommens von Spaa zugebilligte Kontinaent betrage 1 550 000 Tonnen.
Vie Kriegslage im Gsten.
Königsbergs. Pr., 3. Sept. (Wolff.) Lagebericht. Die Lage un Suwalkigebiet und an der polnischen Nvrdfront ist unverändert. Die Armee Budjennys befindet sich im weiter en Rückzüge. Oestlich von Lemberg an der Gnilaja-Lipa imb am Dnjestr finden örtliche Kampfhandlungen statt.
Generalstreik in Ftalien.
Mailand, 3. Sept. (Wolff.) Nach dem „(Sortiere della Sera" haben die Sozialisten! von Triest und Umgebung beschloslen, tn den Generalstreik zu treten. Derselbe soll sich über ganz Venetien und Julien erstrecken.
Paris, 3. Sept. (WB.) Nach einer Haoa^ Meldung aus Rom meldet der „Temps", daß die Arbeiter das Arsenal von Venedig ohne Zwischenfall besetzt habrir. Nach dem „Meffagero" 'bat sich die Besetzung der Fabriken tmrch die Arbeiter auch auf Bologna, Florenz, Terni, Livorno und andere Städte ausgedehnt.
Die schweizerischen Sozialisten gegen den Beitritt zur dritten Internationale.
Bern, 3. Sept. (Wolff.) Die Zeitung „Sen- ntnclle" meldet aus Ehcrux°4>es-Fonds, daß tnc Gv- schäftsleitung des Anschusses der sozialistischen Partei der Schweiz mit allen gegen eine Stimme einen Antrag angenommen hat, nach welchem das Zentralkomitee ersucht werden soll, den Antrag auf "Beitritt zur Dritten Internationale abzulehnen.
Air Dem Reiche.
Tagung der Heereskammer.
Berlin, 3. Sept. (Wolff.) Vor Eintritt tu die Tagesordnung derHeereskammer- sitzung wurde durch den Vorsitzenden der Heereskammer eine Erklärung abgegeben, wonach der Brief des Generals v. Seeckt im wesentlichen auf Zeitungsberichten über die erste Kammersitzung beruhte, welche sich inzwischen als tendenziös gefärbt und unzutreffend herausstellten und auch in der Presse berichtigt wurden. Nach seiner Rückkehr ließ General v. Seeckt sich von berufenen Persönlichkeiten eingehend berichten und gab Weisungen, die in der jetzigen Tagung zum Ausdruck kamen. Die Kammer selost wird danach nicht den Eindruck erhalten haben, als würden die Redefreiheit sowie die Antrags-, Ab- stimmungs- oder Beschlußfreiheit irgendwie eingeengt. Sie sprach ferner die Hoffnung aus, daß die Weiterführung der Geschäfte im Sinne fachlicher verantwortungsvoller Weiterarbeit, unabhängig von den Meinungsausdrücken in der Ocffentlichkeit erfolgen und daß dadurch die junge Körperschaft ihre Bedeutung als wichtiges Bertrauensbindealied innerhalb der Wehrmacht erweisen und dementsprechendes Ansehen sich errinaen wird.
B e r l i n , 3. Sept. (WTB.) Dre H e e r es- kammer beschloß in ihrer heutigen Sitzung nach Bekanntgabe der bereits mitgeteilten Erklärung ihres Vorsitzenden und nach längerer Aussprache, zunächst den Entwurf der Oleschüftsvrdnung durch die Vereinigten Ausschüsse der Heeres- und Marinekammer durchberaten zu lassen. Die nächste Zusammenkunft beider Kammern soll voraussichtlich am 26. September stattfinden. Hierbei soll dann auch das Wehrgesetz beraten werden.
Arbeiterkonflikt mit dem Reichsverkehrs- nri nister.
B e r l i n, 4. Sept. „Vorwärts" und „Freiheit" veröffentlichen einen Aufruf an die deutsche Arbeiterschaft im Namen des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der S.P.D., der U. S.P.D., des Deutschen Eifenbahnerverbandes und des Deutschen Transportarbeitecverbandes, worin gesagt wird, daß im Widerspruch zu den bekannten Vereinbarungen der R e ich s v e r ke h r s Minister eine Verfügung erlassen habe, durch welche die Mitwirkung der deutschen Arbetter- schaft ausgeschaltet werden soll. Gegen bieie Verfügung wurde sofortiger Emspruch er-


