Einzelbild herunterladen

Nr. 1<H

Der Wietzener Anzeiaer erscheint täglich, außer Sonn« und Feiertags.

vezogrpreir:

Monatlich Mark 360. vierteljöhrlichMark 10 80 einschließlich des Bestell­gelds ; durch die Post vierteljährlich Mark 9.75 ausschließlich Bestellgeld. Fern sprech «Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; Verlag,Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Wietzen.

Postscheckkonto:

Zrantfnrt a. M. U686

170. Jahrgang

Dienstag, 4. Mai 1920

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'fche Univ. Such- und Steindruckerei R. Lange. 8chriftleitung. Geschäftsstelle und Druckerei: 5chulstrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer dis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 34 mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf., für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf Bei Platz- Vorschrift 20' , Aufschlag. Hauptschriftletter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aua. Goetz; für den übrigen Teil. Dr. Reinhold Ienz; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen

Teuerungszahlen.

Bon Dr. Meller, Amtmann bei der Zentralstelle für die ßanbeSftariftif.

Um Unterlagen zu einer gesunden Lohn- und Gehaltspolitsf zu brtbrmnen, wurde bom Reichs- arbeitsmi ister und Reichstvir sch ff sininll er nLen einer umhalsenden Lohn- und (^ebaüäftutiftrt eine Hortlausende Erhebung über die Teuerungs- Verhältnisse in den verschiedenen Orten des Reiches angarrdnet. Tie Erhebung erstreckt sich auf sämtliche Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern. Und zwar soll der Verbrauch einer fünfköpfigen Familie «Mann, sFrau und drei -Kruder von 12, 7 und l4/3 Zähren) ermittelt werden. Bei den Vorberatungen der amtlichen StatiftiTrr stellte sich jedoch heraus, daß die Ermittlmrg eines einheitliäwn Existenzminimums für eine solche Fa­milie ans unüberwindbare Hindernisse stößt, »oeil sich für gewiise Gogenslünde der notwendige Be­darf kaum einwandfrei feststellen läßt. Man be­gnügte sich deshalb mit einer sogenannten Teue­rungszahl, welche angibt, mit welchen Stoffen eine ganz bestimmte Anzahl von Bedarfsgegenständen /alfo nicht alle zu in Leben notwendigen in einer feslbegrenzten Menge in den einzelnen Ethebungs- ortcn beschafft werden fcnn, und giirg dabei nicht von einer jetzt unerreichbaren Normalfriedens- ratran aus, sondern von den gegenwärtigen sibuippcn und dürftigen Verhältnissen. Einbezogen sind Brot- und Backwaren, Mehl, Nährmittel, Hülsen­früchte, Kartoffeln, Fleisch und Fleischwaren, Speck, Fett, Fisch, Brotaufstrich, Zucker, Eier, Milch, ferner Heizung und Beleuchtung, sowie Wohnung; es fehlt dagegen die Kleidung und Wäsche, Steueim, Vergnügen und dergleichen.

Für die Beurteilung der allgemeinen Teue- runasverhältnisse der Orte und tfyre Einglitoerung in Teuerungsklassen wird es auch genügen, wenn wenigsbnrs diejenigen Bedarfsgegenstände berück­sichtigt sind, die den Hauptanteil an den regel­mäßigen Unferhaltskosten beanspruchen. Eine so gewonnene Teuerungstzahl wird einen brauchbaren Maßstab sowohl zur Beobachtung der Preissteige­rung wie zum Vergleich der Preise in den Ge­meinden untereinander abgeben.

Neben den Preisen für die amtlich gelieferten Lebensmittel mußten auch die nickt amtlrchen häu­figsten imd auch die Schleichhandelsprcise heran­gezogen werden. Und zwar geschah dies in folgen­der Weise. Für jedes Lebensbedürfnis ist der Be­darf der sünsröpsigen Familie während vier Wo­chen einheitlich im ganzen Reich in einer befrimm* ten Gewichtsmenge (der sogenannten Wertigkeits- zahlen) festgesetzt, z. B.-für Brot auf 47 000 Gr., für Mehl, Nährmittel usw. auf 15 000 Gr., für Äörtoffeln auf 70000 Gr. Die Gewichtsmengen sind möglicktzt dem Mindestbedars einer solchen Familie angenähert auf Grund physiologischer Untersuchungen und unter Berücksichtigung der Be- scha ffun gsm öglichkeiten.

Es wird nun zunächst festgestellt, wieviel Lebensrnittel während vier Wochen amtlich ge­liefert wurden und zu welchem Preise. Der Fehl­betrag muß anderweitig beschafft werden, und zwar zum freien Handelspreis oder zum Schleich- Handelspreis. Falls die berressende Ware über­haupt nicht int freien Handel zu haben ist, tritt an ihre Stelle nach festen einheitlichen Richtlinien eine andere Ware als Ersatz, wie umgekehrt, wo amtlich mehr beliefert wurde als trach der Werttg- tzeitszahl gefordert wird, bleibt dieses Mehr ent­weder unberücksichtigt oder es wird auf eine andere Lebensmittelgruppe verrechnet. So soll mehr beliefertes Brot z. B. als Ersatz für fehlende Nähr­mittel verwendet werden, unb zwar im Verhältnis 1000 Gramm Brot 750 Gramm Nährmittel, ober als Ersatz für fehlende Kartoffeln (1000 Gramm Brot 3000 Gramm Kartoffeln). Um­gekehrt sollen Fehlmengen bei Brot durch Brot im Schleichhandel bei fehlendem Schleichhandels­preis durch das billigste Nährmittel im oben mit» geteilten Verhältnis ersetzt werden. Die zur An­schaffung der geforderten Mengen notnmbigcn Ausgaben werden summiert und bilden dann die Teuerungszahl, die bis jetzt für drei Monate vor­liegt, nämlich für Dezember 1919, Februar und März 1920. Ter Januar fehlt, weil zunächst die Erhebung nur als eine einmalige gedacht war und erst im Januar ihre regelmäßige Fortsetzung be­schlossen wurde. Es ist klar, daß diese Erhebungs- loeise bet beit Teuerungszahlen der einzelnen Orte große Schwankungen bervorruft, weil die amt­liche Belieferung mit Lebensmitteln in den ver­schiedenen Orten ganz verschieden groß ist, und demnach der einzelne Posten ganz verschieden teuer ju stehen kommt, je nachdem er größtenteils zu dem billigeren amtlichen Preis erworben werden, konnte, ober zu dem Schleichhandelspreis erstanden werden mußte. In Hessen sitrd zehn Gemeinden in die Erhebung einbezogen, und zwar Mainz, Darmstadt, Offenbach, Worms, Gießen, Neu- Isenburg, Lampertheim, Viernheim, Bad-Naubeim und Friedberg.

Berechnet man den Durchschnitt der Teuerungszahlen für die zehn Orte, so ergibt sick für die Monate

Dezember 1919 .... 433,84 Mark

Februar 1920 . . 590,36

März 1920 ..... 753,67

Soviel mußte also eine fünfköpfige Familie in je vier Wochen aus geben, um die in der Teue­rungsstatistik eingesetzten Mengen bestimmter Le- bensmirtel zu kaufen, d. h. um den Mindestbedars von Nahrung Heizung, Beleuchttnrg und Dehnung zu decken. Die Zahlen zeigen auf den ersten Blick, welch ungeheure Preissteigerung sich im letzten Vierteljahr vollzogen hat.

. Leider liegen uns für die letzten Atonale nock tetne Zahlen für die übrigen Gemeinden des Ketches vor. Eine Uebersicht von Dezember 1919 beruht nur auf vorläufiger Berechnung, Danach

ordnen sich die Gemeinden nach ihrer Teuerungs­zahl in folgende Klassen:

Zahl der Darunter Teuerungszahl Gemeinden heff. Gemeind, unter 300 Mark 5

300350 63

350400 175

400450 208 6

450500 71 2

500575 25__________3

zusammen 547 10

Die Verhältnisse in Hessen sind also besonders ungünstige, da sich sämtliche Gemeinden in den bret höchsten Teuerungsklassen befinden.

Tie amtliche Statistik trägt zunächst Bcdenken, die für die einzelnen Gemeinden zu veröf­fentlichen, w.il in ihnen Bufälltgfeücn, tote reich­lichere odr geringere behötoiche Belieferung toäl>- renb eim-S Monats eine grobe Rolle spielen. Erst rot rat die Erg b iffe vvn melieren Monaien vor- liegen, wird sich auf Grund von Durchschnitts- berechmmgen ein richtiges Bild für bte Einord­nung dec Gemeinden in Teuenmgsllassen geben kaffen. Da die Feststelllmg der im fvien Handes und im Schleichhandel gezahlten Preise nicht ohne Schwierigkeit ist, da ferner hier den mit der Liefe­rung der zahlenmäßigen Unterlagen betrauten Stel­len ein großer, bei den gegenwärtigen Preissctevanr- hntgen allzu großer Spi l aurn gec.e'en ist, so liegt die Gefahr nähe, daß die Stattstik kein eiu- waitdfreies Bill> liefert, weil je nach dem Interesse gewisser Stellen die Zahlen in die Höhe geschraubt oder herabg drückt werden können. Solche ten« denziöse B.chen langen dieser n i.lstigen Soattik verrieten aber eine große Knrzsichtigk'?it der Ge­meinden, die die Unterlagen für die Preise Iicfi.Tn müssen, berat eine höleve Teuerungszall würde zwar die Einreihung der Gemeinde m bte höhere Teuerungsklasse bewirken, zugleich aber auch eine Steigerung der Löhne. Es ist deshalb anzunehmen, ditz die Gemeinden, die sich nicht cmfeitig btefen ober jenen Interessen vorschreiben dürfen, den statistischen Landescrmfern einwandfreies, her Wirk­lichkeit entsprechendes Zahlenmaterial zur Verfü­gung stellen.

Die Abgabe deutscher Schiffe.

Berlin, 3. Mai. (Wolff.) Tie deutsche Schiffahrtskommission ist unter der Führung von Geheimrat S e e l i g e r wieder nach Lon­don abgereist, um die Unterhandlun­gen über bte Abgabe der deutschen Schiffe fortzusetzen.

Der Wiederaufbau.

Paris, 3. Mai. (WB.)Petit Journal" meldet aus Lille: Der erste der zerstörten Schächte im Kampfgebiet bei Aniche wurde am Freitag wieder in Betrieb genommen.

Koffer über San Homo.

Buda pest, 3. Mai. (WTA.) Jtneiner Unter­redung mit einem Vertreter desAz Eft" äußerte sich der deutsche Reichsminister des Aeußern Tr. Köster über das Ergebnis der Verhandlun-- gen von San Remo folgeitdermaßen: Das Er­gebnis bet Vcrhanblungen in San Remo und ins­besondere die Interpretation, welche Millerand in der französischen Kammersitzung diesem Ergeb- ttis gab, berechtigen keineswegs zu übergroßen Hoffnungen. Daran hindert schon der Passus in der amtlichen Havaserklärung, wonach sich die Entente die Besetzung weiteren deut­schen Gebiets als Zwangsmaßnahme vor- behält, die weder in dem Buchstaben noch dem Geiste des Friedensvertrages begründet ist, noch mit dem Geiste der Prinzipien des Völkerbundes, die einen wesentlichen Bestandteil des Friedens- Vertrages bilden, in Einklang zu bringen ist. In der gegnerischen Presse wird des öfteren hervor- geboben, daß unser Scknitt hinsichtlich der Bei­behaltung eines 2 00000 Ma nn-Heeres un­günstig auf die Entente gewirkt hätte. Leider findet biefe Argumentation aus Ententeblätfern auch in deutschen Blättern ein Echo. Demgegenüber lege ich Wert darauf, zu betonen, daß bte letzte Denk­schrift über die Notwendigkeit eines 200 000- Mann--Heeres, die wir der Entente überreichten, lediglich die Argumente zusammenfaßt, die unsere Geschäftsträger in London unb Paris wiederholt den zuständigen mUitärischen Stellen auf der Ge­genseite gegenüber betonten. Es handelt sich also keineswegs um eine neue Aktien. Ich kann nur immer wiederholen, daß wir feftrebt sind, alles zu tun, um den Friedensvertrag loyal durchzuführen. Dazu ist es notwendig, daß wir unseren Gegnern restlose Klarheit berkhuffen über das, was wir brauchen unb was wir geben "können. Ter bevor­stehende mündliche Meinungsaustausch roito, fo hoffen wir sicher, die leider bei unseren Gegnern noch besfehrn"> m Ansichten über unseren mangelnden Willen hffsichtlich einer loyalen Durch- sühntng des Friedens^ r.rages zerstreuen. Wir geben nach Sput in der Hoffnung, daß mit den dortigen Besprechungen eine neue Aera anüingt, in der durch gegenseitiges Verstehen und Wür­digung der gegenseitigen Lebeitsmöglichkeiten die Ausführung des Friedensvertrages in die dem all­gemeinen Interessen dienenden rizfcigen Bahiten geführt Wito. Tie Erreichung dieses Zieles setzt aber unbebingt voraus, daß alle Hindernisse aus dem Wege geräumt sind, tvelche dem nationalen Empsiitden ledes Volkes, das noch etwas auf sich und seine Ehre hält, tödliche Wunden zu schlagen geeignet sind. Daher hoffe ich daß mit der Räumung des Maingaues nunmehr bal­digst der erste Schritt gegenseitiger Ver. rudigung getan wird. Tie dazu notwendigen militirifcben Umgruppierungen werden von uns beftMamigt ausgeführt.

Bon der interalliierten Parlamentarischen HandelStonfercnz.

Paris, 4. Mai. (WTB.) Heute tritt hier die sechste Vollversammlung der interalli­ierte parlamentarischen Handelskonseren; zusam­men. Folgende Staaten werden vertreten lein; Belgien, Brasilien, Finnland, China, England Griechenland. Italien, Japan, Polen, Portugal Rumänien, Süblaimen und die Tschecho-Slowakci. Man wird sich hauptsächlich mit der Valuta frage und mit der Lebensmittelteuerung beschäftigen.

Die Hils-aktion für Mitteleuropa.

Haag, 5. Mai. (WTB.) Der Generalsekretär des Auswärtigen Amtes, Patin und der Cl)ef der Unterabteilung, Everyn, die die Niederlande bei der internationalen Hilfskonjerenz für die verschiedenen Länder Mitteleuwpas, besonders Oesterreichs und Polens, Dertret.-n, sind in Paris angekommen. Die Konferenz ist zu einer Eini­gung über bie z u machenden Vor­schläge für die gesamte Hilfsaktion gekommen. Diese Hilfsaktion wird in der Lieferung von Lebensmitteln und Rohstoffen bestehen. Zur Be­zahlung wird jedem Land ein Kredit eröffnet werden. Was die Lieferungen selbst anbelangt, so werden alle Kredite einen Gesamtbetcag bilden, auf den ein allgemeiner Modus Anwendung findet. Die internationale Kommission wird den Ver­brauch der Kredite überwachen und sich darüber vergewissern, daß sie möglichst der Bedürftigkeit der interessierten Länder entsprechend verteilt werden.

Der Streif der französischen Eisenbahner.

Paris 4. Mai. (WTB.) Havas. Die Lage auf den verschiedenen Eisenbahnlinien ist ziemlich unverändert. Doch wird vielfach eine allmäh­liche Wiede rau fnahmc der Arbeit be­richtet. Für heute wird die allgemeine Wieder­aufnahme der Arbeit erwartet. Bon den Direk­ttonen der verschiedenen Eisenbahnlinien sind dis Arbeiter unter Androhung der Aussperrung auf» gefordert worden, die Arbeit spätestens heute vor­mittag wieder aufzunehmen.

Paris, 4. Mai (WTB.) Im gestrigen Kaoi- nettsrat erstattete der Arbeitsminister Bericht über die Sage bei den Eisenbahnen und in den Bergwerken. Er stellte fest, daß alle lebenswichtigen Betriebe leicht in Gang gehalten werden flamtten, da die Mehrzahl der Arbeiter und Beamten auf ihrem Posten blieb unb eine große Menge Freiwilliger mithalf. Nach dem ^ntran- figeant" habe der Minister Maßregeln ms Auge gefaßt, die sich auf die politische Seite der gegen­wärtigen Bewegung beziehen.

Paris, 4. Mai. (WTB.) Nach Havasmel- bungen ist bte Arbeitsruhe ber Hafenarbeiter und ber eingeschriebenen Seeleute allgemein bis auf ben unaufschiebbaren Schleppbienst in Mar­seille.

Paris, 4. Mai. (WTB.) In ben Gruben von Brie wirb wieber in vollem Umfange ge­arbeitet. In einigen Bezirken jedoch ruht bie Arbeit vollständig. Nach demPopulaire" ist ber Gene­ralrat Delagvange vorn Eisenbahner verband ber Paris-Orleans-Gesellschast verhaftet worben.

P a r i s, 4. Mai. (WTB.) Die Tagung der Zentralräte wurde heute eröffnet. Bon säst überallher liegen laut Haoas Berichte unb Adressen vor, in denen bie Regierung zu ihrem Vorgehen zum Schutze ber Arbeitsfreiheit und zur Siche­rung der Emälpung der Dank ausgesprochen wird. Tie Regierung könne ber Unterstützung der Mehr­heit des Volkes im Kampfe gegen die die Sicher­heit des Landes gefährdenden Ruhestörer sicher fein.

Rußland und Palen.

Amsterdam, 3. Mai. (Wolff ) Englischen Blättern zugige richtete die Sowjetregierung einen Aufruf an die Arbeiter, Landleute und roten Sol­daten, worin es heißt:Sowjetrußlanb, welches Denikin, fibltfd»aT und Judenitsch besiegt hat, ist imstande, mit Feuer und Stahl den Polen und denen, die hinter ihnen stellen, zu beweisen, daß die Zeit, wo die russische arbeitende Bevölkerung wehrlos war, zu Ende ist. Ihr könnt den pol­nischen Kapitalisten und Grvßgrundbe'itzern einen solchen Scklag versetzen, daß sein Echo in den Straßen aller Hauptstädte ber Writ widerhallt."

Amsterdam, 3. Mai. (Wolff.) Wie bas Reutersche Bureau aus Warschau melbet, haben die Pölen bei ihrem Sieg über bie 12. bolsche­wistische Armee 15 000 Gefangene gemacht.

*

Die spanische Minifterkrise.

Madrid, 4. Mai. (WTB.) Ter König leitete gestern Beratungen zur Lösung der Ministerkrise ein. In politischen Kreisen ist man für bie Fortsetzung einer konser­vativen Politik unter Zusammenfassung aller konservativen Elemente mit Salazar oder Dato an ber Spitze. Maura erklärte sich gleichfalls für einen konservativen Block, um eine starke energische Regierung zu bilden, die das Land retten könne.

Ter Wohnsitz des ehemaligen Kaisers.

Rotterdam, 3. Mai. (WB.) Nach dem Nienwe Courant" Hebelt ber vormalige deutsche Kaiser am 12. Mai von Amerongen nach feinem neuen Wohnsitz, Haus Doorn, über.

Au» öcm Ueiche.

Der Rcichöwahllciler.

B e r l i n, 3. Mai. (WTB.) Das Reichs­ministerium des Innern ernannte zu feinem Wahlleiter ben Präsidenten des Statistischen Reichsamtes Delbrück, unb zu seinem Stell­vertreter das Mitglied des Statistischen Reichsamtes Geh. Regierungsrat Dr. Tenius. Die Geschäftsräume des Reichswahlleitersbe­finden sich: Berlin, Lützownser 6/8.

Eine Sitzung des RcichSlohleurateS.

Berlin, 3. Mai. (Wolff.) Am 11. und 12. d. M. findet in Berlin bie Sitzung des ReichSkohlenrates statt, bie voraus­sichtlich eine eingehenbe Erörterung bet Koh­lenwirtschaft bringen w irb. Insbesondere stehen Brennsboffverkaufspreise unb Handel^' nutzen zur Beratung.

Ein politischer Mord?

Münster, Z. Mai. (WTB.) Freiherr v. Westerholt-Gysenberg auf Schloß Sythen bei Haltern, der heute vor dem Kriegsgericht in Münster als Zeuge gegen den iDegen Plünderung des Schlosses Sythen ara geklagten Rotgardisten Susan auftre­ten sollte, wurde, wie der Münsterische Aw zeiget meldet, heute morgen etwa eine Stunde» von Sythen entfernt im Freien ermordet auf gefunden. Bereits vor einiger Zeit war angekündigt worden, daß ein Preis von 20000 Mk. von der roten Armee auf seinen Kops ausgesetzt sei.

Au» Hessen.

Eine'Konferenz über die Angelegenheiten des besetzten Hessens.

Darmstadt, 3. Mai. (WB.) Ueber Ange- legcittxiten des besetzten hessischen Gebiets touröc heule int Staatsmiuiüerium unter dem Borsttze des Staatsministers Ulrich eine Verhandlung aügtoaltcn, an der Reichsminister Dr. David, Reicksvommissar Starck, UnterstaatssekretLr Tr. Hirsch co.n Rei.lSto rt ch f sn i t errmn, MLnff o- rialdirckwr Dr. Schreyrr, bie Geh. Dtegierung&rätc Graf srbtfnumn vom Reichsmriiisterium b. Inn. und Klemm vom Reichs.ruähruugsamt fellnaHnteu. Die Mitglieds des l:e siechen Gesumtmrniscriums waren vollzäl.'llg er'ch^meu, ber Land sillmmissar für bie befehlen he.iisck-en Gebiete Geheimrat B'st unb bie zuständigen Ministerialreserent.n. Für bie Reichstem rung ergriff Stamsmiittster Tr. Da­vid oas Wort und führte aus, t<e Regierung habe vollstes Verständnis für die Schwierigkeiten, in denen sich die Seüölleiung ber beetzten Gebiet-: befände. Diese Sage wird für bie Reg ierung stets ein Gegenstand besonderer Sorge sein, in ber festen Absicht, zu helfen, wo es irgend möglich ist. Rein äußerlich kommt dies auch schon darin zum Ausdruck, daß bei ben heutigen Verhandlungen bte Vertreter aller in Fra-ie kommend.,! Zweige vertreten seren. Tte Reicksregierung hätte sckon früher btete Bespre­chungen iwrgenommen, wenn sie nicht durch die po i ischen Un emehmungen, di' ?,um Kipp-Pnffch führten, fortgesetzt bar an verhindert worden wäre. Die VerhaMi'ngen erstreckten sich rnsbesondere aus Fragen der Rcauisitiv'n, Einguar- tierungslasten und außerotoentliche In­anspruchnahme vvn Gebäuden, sowie aus Wünsche wirtschaf'lichcr Art wie Koh le n- lieferu ng und Etnährungsmöglrch- feiten, sowie die Ablieferung van Dreh, und nicht zuletzt waren es Fragen allgemeiner Natur unb die Absonderungsbe st re- bun ge n. Wie aus dm Darlegungen des Rrichs- kommissars Starck kervargehr, we-den in Koblenz bei cl cn auftauchenden Konflikten stets -htgelienre Berbandlungen geführt unb zumeist auch einiger­maßen zurried^nstellendc'ungen gefunden. Reic^minister Dr. David versickerte zum Schluß ber Derlxindlung-m, die sich bis in bte Abendstun­den ausbelmten, nochmals, datz die ge'amten gü­tigen Verhängungen von ihm bei ber Reichs­te sterung atm Gegensta d be onberer Beratungen des Kabinetts gemacht tourten, denn das R tu) könne nickst besteben, wenn ciraelne LandTst.'ile wolle den und umyflefcrt. Die Beratung ber ein» zÄnen Fragen toito morgen in .Mainz fortgesetzt.

Aushebung de» Belagerungszustandes im alten Brückenkopf Mainz.

Mainz, 3. Mai. (Wolff.) Der Oberbefehls­haber der Rheinarmee, General D e g o u 11 e, er­läßt eine Bekanntmachung, wonach an fesichts bet allgemeinen Lage unb ber ausgezeichneten Haltung ber Bevölkerung seit dem 6. AprU nemäft Ent­scheidung bet interalliierten Kommisiion für bie besetzten Rheinlanbe ber Belagerungs- zustanb in den früher besetzten Gebieten des Brückenkopfes Mainz, wo er burch Be» orbnung vom 6. April verhängt worben war, aufgehoben wirb, nämlich in bm Bezirken Höchst, Königsfein, Groß-G-rau, Langenschwolbach unb Wiesbaden-Stadt unb Land. Ferner treten bie auf Grund des Belagerungszustandes an gebraten Strafbestimmungen außer Kraft, beide mit Wir­kung vom 2. Mai mittags an. Für die neu be­setzten Gebiete des Brückenkopfes Mainz tritt eine Aenberung der Bestimmungen vom 6. April imb der späteren Anordnungen nicht ein.

*

Mainz, 3. Mai. (Wolff.) In einer Ber- treterfjnferens der Sozialdemokratischen Partei wurde als Kandidat für die kommenden Rrichstagswahlen ber bisherige Abgeordnete Mi­nister Tr. David ausgestellt.