Nr. 1<H
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170. Jahrgang
Dienstag, 4. Mai 1920
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühl'fche Univ. Such- und Steindruckerei R. Lange. 8chriftleitung. Geschäftsstelle und Druckerei: 5chulstrahe 7.
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Teuerungszahlen.
Bon Dr. Meller, Amtmann bei der Zentralstelle für die ßanbeSftariftif.
Um Unterlagen zu einer gesunden Lohn- und Gehaltspolitsf zu brtbrmnen, wurde bom Reichs- arbeitsmi ister und Reichstvir sch ff sininll er nLen einer umhalsenden Lohn- und (^ebaüäftutiftrt eine Hortlausende Erhebung über die Teuerungs- Verhältnisse in den verschiedenen Orten des Reiches angarrdnet. Tie Erhebung erstreckt sich auf sämtliche Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern. Und zwar soll der Verbrauch einer fünfköpfigen Familie «Mann, sFrau und drei -Kruder von 12, 7 und l4/3 Zähren) ermittelt werden. Bei den Vorberatungen der amtlichen StatiftiTrr stellte sich jedoch heraus, daß die Ermittlmrg eines einheitliäwn Existenzminimums für eine solche Familie ans unüberwindbare Hindernisse stößt, »oeil sich für gewiise Gogenslünde der notwendige Bedarf kaum einwandfrei feststellen läßt. Man begnügte sich deshalb mit einer sogenannten Teuerungszahl, welche angibt, mit welchen Stoffen eine ganz bestimmte Anzahl von Bedarfsgegenständen /alfo nicht alle zu in Leben notwendigen in einer feslbegrenzten Menge in den einzelnen Ethebungs- ortcn beschafft werden fcnn, und giirg dabei nicht von einer jetzt unerreichbaren Normalfriedens- ratran aus, sondern von den gegenwärtigen sibuippcn und dürftigen Verhältnissen. Einbezogen sind Brot- und Backwaren, Mehl, Nährmittel, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Fleisch und Fleischwaren, Speck, Fett, Fisch, Brotaufstrich, Zucker, Eier, Milch, ferner Heizung und Beleuchtung, sowie Wohnung; es fehlt dagegen die Kleidung und Wäsche, Steueim, Vergnügen und dergleichen.
Für die Beurteilung der allgemeinen Teue- runasverhältnisse der Orte und tfyre Einglitoerung in Teuerungsklassen wird es auch genügen, wenn wenigsbnrs diejenigen Bedarfsgegenstände berücksichtigt sind, die den Hauptanteil an den regelmäßigen Unferhaltskosten beanspruchen. Eine so gewonnene Teuerungstzahl wird einen brauchbaren Maßstab sowohl zur Beobachtung der Preissteigerung wie zum Vergleich der Preise in den Gemeinden untereinander abgeben.
Neben den Preisen für die amtlich gelieferten Lebensmittel mußten auch die nickt amtlrchen häufigsten imd auch die Schleichhandelsprcise herangezogen werden. Und zwar geschah dies in folgender Weise. Für jedes Lebensbedürfnis ist der Bedarf der sünsröpsigen Familie während vier Wochen einheitlich im ganzen Reich in einer befrimm* ten Gewichtsmenge (der sogenannten Wertigkeits- zahlen) festgesetzt, z. B.-für Brot auf 47 000 Gr., für Mehl, Nährmittel usw. auf 15 000 Gr., für Äörtoffeln auf 70000 Gr. Die Gewichtsmengen sind möglicktzt dem Mindestbedars einer solchen Familie angenähert auf Grund physiologischer Untersuchungen und unter Berücksichtigung der Be- scha ffun gsm öglichkeiten.
Es wird nun zunächst festgestellt, wieviel Lebensrnittel während vier Wochen amtlich geliefert wurden und zu welchem Preise. Der Fehlbetrag muß anderweitig beschafft werden, und zwar zum freien Handelspreis oder zum Schleich- Handelspreis. Falls die berressende Ware überhaupt nicht int freien Handel zu haben ist, tritt an ihre Stelle nach festen einheitlichen Richtlinien eine andere Ware als Ersatz, wie umgekehrt, wo amtlich mehr beliefert wurde als trach der Werttg- tzeitszahl gefordert wird, bleibt dieses Mehr entweder unberücksichtigt oder es wird auf eine andere Lebensmittelgruppe verrechnet. So soll mehr beliefertes Brot z. B. als Ersatz für fehlende Nährmittel verwendet werden, unb zwar im Verhältnis 1000 Gramm Brot — 750 Gramm Nährmittel, ober als Ersatz für fehlende Kartoffeln (1000 Gramm Brot — 3000 Gramm Kartoffeln). Umgekehrt sollen Fehlmengen bei Brot durch Brot im Schleichhandel bei fehlendem Schleichhandelspreis durch das billigste Nährmittel im oben mit» geteilten Verhältnis ersetzt werden. Die zur Anschaffung der geforderten Mengen notnmbigcn Ausgaben werden summiert und bilden dann die Teuerungszahl, die bis jetzt für drei Monate vorliegt, nämlich für Dezember 1919, Februar und März 1920. Ter Januar fehlt, weil zunächst die Erhebung nur als eine einmalige gedacht war und erst im Januar ihre regelmäßige Fortsetzung beschlossen wurde. Es ist klar, daß diese Erhebungs- loeise bet beit Teuerungszahlen der einzelnen Orte große Schwankungen bervorruft, weil die amtliche Belieferung mit Lebensmitteln in den verschiedenen Orten ganz verschieden groß ist, und demnach der einzelne Posten ganz verschieden teuer ju stehen kommt, je nachdem er größtenteils zu dem billigeren amtlichen Preis erworben werden, konnte, ober zu dem Schleichhandelspreis erstanden werden mußte. In Hessen sitrd zehn Gemeinden in die Erhebung einbezogen, und zwar Mainz, Darmstadt, Offenbach, Worms, Gießen, Neu- Isenburg, Lampertheim, Viernheim, Bad-Naubeim und Friedberg.
Berechnet man den Durchschnitt der Teuerungszahlen für die zehn Orte, so ergibt sick für die Monate
Dezember 1919 .... 433,84 Mark
Februar 1920 . . 590,36 „
März 1920 ..... 753,67 „
Soviel mußte also eine fünfköpfige Familie in je vier Wochen aus geben, um die in der Teuerungsstatistik eingesetzten Mengen bestimmter Le- bensmirtel zu kaufen, d. h. um den Mindestbedars von Nahrung Heizung, Beleuchttnrg und Dehnung zu decken. Die Zahlen zeigen auf den ersten Blick, welch ungeheure Preissteigerung sich im letzten Vierteljahr vollzogen hat.
. Leider liegen uns für die letzten Atonale nock tetne Zahlen für die übrigen Gemeinden des Ketches vor. Eine Uebersicht von Dezember 1919 beruht nur auf vorläufiger Berechnung, Danach
ordnen sich die Gemeinden nach ihrer Teuerungszahl in folgende Klassen:
Zahl der Darunter Teuerungszahl Gemeinden heff. Gemeind, unter 300 Mark 5 —
300—350 „ 63 —
350—400 „ 175 —
400—450 „ 208 6
450—500 „ 71 2
500—575 „ 25__________3
zusammen 547 10
Die Verhältnisse in Hessen sind also besonders ungünstige, da sich sämtliche Gemeinden in den bret höchsten Teuerungsklassen befinden.
Tie amtliche Statistik trägt zunächst Bcdenken, die für die einzelnen Gemeinden zu veröffentlichen, w.il in ihnen Bufälltgfeücn, tote reichlichere odr geringere behötoiche Belieferung toäl>- renb eim-S Monats eine grobe Rolle spielen. Erst rot rat die Erg b iffe vvn melieren Monaien vor- liegen, wird sich auf Grund von Durchschnitts- berechmmgen ein richtiges Bild für bte Einordnung dec Gemeinden in Teuenmgsllassen geben kaffen. Da die Feststelllmg der im fvien Handes und im Schleichhandel gezahlten Preise nicht ohne Schwierigkeit ist, da ferner hier den mit der Lieferung der zahlenmäßigen Unterlagen betrauten Stellen ein großer, bei den gegenwärtigen Preissctevanr- hntgen allzu großer Spi l aurn gec.e'en ist, so liegt die Gefahr nähe, daß die Stattstik kein eiu- waitdfreies Bill> liefert, weil je nach dem Interesse gewisser Stellen die Zahlen in die Höhe geschraubt oder herabg drückt werden können. Solche ten« denziöse B.chen langen dieser n i.lstigen Soattik verrieten aber eine große Knrzsichtigk'?it der Gemeinden, die die Unterlagen für die Preise Iicfi.Tn müssen, berat eine höleve Teuerungszall würde zwar die Einreihung der Gemeinde m bte höhere Teuerungsklasse bewirken, zugleich aber auch eine Steigerung der Löhne. Es ist deshalb anzunehmen, ditz die Gemeinden, die sich nicht cmfeitig btefen ober jenen Interessen vorschreiben dürfen, den statistischen Landescrmfern einwandfreies, her Wirklichkeit entsprechendes Zahlenmaterial zur Verfügung stellen.
Die Abgabe deutscher Schiffe.
Berlin, 3. Mai. (Wolff.) Tie deutsche Schiffahrtskommission ist unter der Führung von Geheimrat S e e l i g e r wieder nach London abgereist, um die Unterhandlungen über bte Abgabe der deutschen Schiffe fortzusetzen.
Der Wiederaufbau.
Paris, 3. Mai. (WB.) „Petit Journal" meldet aus Lille: Der erste der zerstörten Schächte im Kampfgebiet bei Aniche wurde am Freitag wieder in Betrieb genommen.
Koffer über San Homo.
Buda pest, 3. Mai. (WTA.) Jtneiner Unterredung mit einem Vertreter des „Az Eft" äußerte sich der deutsche Reichsminister des Aeußern Tr. Köster über das Ergebnis der Verhandlun-- gen von San Remo folgeitdermaßen: Das Ergebnis bet Vcrhanblungen in San Remo und insbesondere die Interpretation, welche Millerand in der französischen Kammersitzung diesem Ergeb- ttis gab, berechtigen keineswegs zu übergroßen Hoffnungen. Daran hindert schon der Passus in der amtlichen Havaserklärung, wonach sich die Entente die Besetzung weiteren deutschen Gebiets als Zwangsmaßnahme vor- behält, die weder in dem Buchstaben noch dem Geiste des Friedensvertrages begründet ist, noch mit dem Geiste der Prinzipien des Völkerbundes, die einen wesentlichen Bestandteil des Friedens- Vertrages bilden, in Einklang zu bringen ist. In der gegnerischen Presse wird des öfteren hervor- geboben, daß unser Scknitt hinsichtlich der Beibehaltung eines 2 00000 Ma nn-Heeres ungünstig auf die Entente gewirkt hätte. Leider findet biefe Argumentation aus Ententeblätfern auch in deutschen Blättern ein Echo. Demgegenüber lege ich Wert darauf, zu betonen, daß bte letzte Denkschrift über die Notwendigkeit eines 200 000- Mann--Heeres, die wir der Entente überreichten, lediglich die Argumente zusammenfaßt, die unsere Geschäftsträger in London unb Paris wiederholt den zuständigen mUitärischen Stellen auf der Gegenseite gegenüber betonten. Es handelt sich also keineswegs um eine neue Aktien. Ich kann nur immer wiederholen, daß wir feftrebt sind, alles zu tun, um den Friedensvertrag loyal durchzuführen. Dazu ist es notwendig, daß wir unseren Gegnern restlose Klarheit berkhuffen über das, was wir brauchen unb was wir geben "können. Ter bevorstehende mündliche Meinungsaustausch roito, fo hoffen wir sicher, die leider bei unseren Gegnern noch besfehrn"> m Ansichten über unseren mangelnden Willen hffsichtlich einer loyalen Durch- sühntng des Friedens^ r.rages zerstreuen. Wir geben nach Sput in der Hoffnung, daß mit den dortigen Besprechungen eine neue Aera anüingt, in der durch gegenseitiges Verstehen und Würdigung der gegenseitigen Lebeitsmöglichkeiten die Ausführung des Friedensvertrages in die dem allgemeinen Interessen dienenden rizfcigen Bahiten geführt Wito. Tie Erreichung dieses Zieles setzt aber unbebingt voraus, daß alle Hindernisse aus dem Wege geräumt sind, tvelche dem nationalen Empsiitden ledes Volkes, das noch etwas auf sich und seine Ehre hält, tödliche Wunden zu schlagen geeignet sind. Daher hoffe ich daß mit der Räumung des Maingaues nunmehr baldigst der erste Schritt gegenseitiger Ver. rudigung getan wird. Tie dazu notwendigen militirifcben Umgruppierungen werden von uns beftMamigt ausgeführt.
Bon der interalliierten Parlamentarischen HandelStonfercnz.
Paris, 4. Mai. (WTB.) Heute tritt hier die sechste Vollversammlung der interalliierte parlamentarischen Handelskonseren; zusammen. Folgende Staaten werden vertreten lein; Belgien, Brasilien, Finnland, China, England Griechenland. Italien, Japan, Polen, Portugal Rumänien, Süblaimen und die Tschecho-Slowakci. Man wird sich hauptsächlich mit der Valuta frage und mit der Lebensmittelteuerung beschäftigen.
Die Hils-aktion für Mitteleuropa.
Haag, 5. Mai. (WTB.) Der Generalsekretär des Auswärtigen Amtes, Patin und der Cl)ef der Unterabteilung, Everyn, die die Niederlande bei der internationalen Hilfskonjerenz für die verschiedenen Länder Mitteleuwpas, besonders Oesterreichs und Polens, Dertret.-n, sind in Paris angekommen. Die Konferenz ist zu einer Einigung über bie z u machenden Vorschläge für die gesamte Hilfsaktion gekommen. Diese Hilfsaktion wird in der Lieferung von Lebensmitteln und Rohstoffen bestehen. Zur Bezahlung wird jedem Land ein Kredit eröffnet werden. Was die Lieferungen selbst anbelangt, so werden alle Kredite einen Gesamtbetcag bilden, auf den ein allgemeiner Modus Anwendung findet. Die internationale Kommission wird den Verbrauch der Kredite überwachen und sich darüber vergewissern, daß sie möglichst der Bedürftigkeit der interessierten Länder entsprechend verteilt werden.
Der Streif der französischen Eisenbahner.
Paris 4. Mai. (WTB.) Havas. Die Lage auf den verschiedenen Eisenbahnlinien ist ziemlich unverändert. Doch wird vielfach eine allmähliche Wiede rau fnahmc der Arbeit berichtet. Für heute wird die allgemeine Wiederaufnahme der Arbeit erwartet. Bon den Direkttonen der verschiedenen Eisenbahnlinien sind dis Arbeiter unter Androhung der Aussperrung auf» gefordert worden, die Arbeit spätestens heute vormittag wieder aufzunehmen.
Paris, 4. Mai (WTB.) Im gestrigen Kaoi- nettsrat erstattete der Arbeitsminister Bericht über die Sage bei den Eisenbahnen und in den Bergwerken. Er stellte fest, daß alle lebenswichtigen Betriebe leicht in Gang gehalten werden flamtten, da die Mehrzahl der Arbeiter und Beamten auf ihrem Posten blieb unb eine große Menge Freiwilliger mithalf. Nach dem ^ntran- figeant" habe der Minister Maßregeln ms Auge gefaßt, die sich auf die politische Seite der gegenwärtigen Bewegung beziehen.
Paris, 4. Mai. (WTB.) Nach Havasmel- bungen ist bte Arbeitsruhe ber Hafenarbeiter und ber eingeschriebenen Seeleute allgemein bis auf ben unaufschiebbaren Schleppbienst in Marseille.
Paris, 4. Mai. (WTB.) In ben Gruben von Brie wirb wieber in vollem Umfange gearbeitet. In einigen Bezirken jedoch ruht bie Arbeit vollständig. Nach dem „Populaire" ist ber Generalrat Delagvange vorn Eisenbahner verband ber Paris-Orleans-Gesellschast verhaftet worben.
P a r i s, 4. Mai. (WTB.) Die Tagung der Zentralräte wurde heute eröffnet. Bon säst überallher liegen laut Haoas Berichte unb Adressen vor, in denen bie Regierung zu ihrem Vorgehen zum Schutze ber Arbeitsfreiheit und zur Sicherung der Emälpung der Dank ausgesprochen wird. Tie Regierung könne ber Unterstützung der Mehrheit des Volkes im Kampfe gegen die die Sicherheit des Landes gefährdenden Ruhestörer sicher fein.
Rußland und Palen.
Amsterdam, 3. Mai. (Wolff ) Englischen Blättern zugige richtete die Sowjetregierung einen Aufruf an die Arbeiter, Landleute und roten Soldaten, worin es heißt: „Sowjetrußlanb, welches Denikin, fibltfd»aT und Judenitsch besiegt hat, ist imstande, mit Feuer und Stahl den Polen und denen, die hinter ihnen stellen, zu beweisen, daß die Zeit, wo die russische arbeitende Bevölkerung wehrlos war, zu Ende ist. Ihr könnt den polnischen Kapitalisten und Grvßgrundbe'itzern einen solchen Scklag versetzen, daß sein Echo in den Straßen aller Hauptstädte ber Writ widerhallt."
Amsterdam, 3. Mai. (Wolff.) Wie bas Reutersche Bureau aus Warschau melbet, haben die Pölen bei ihrem Sieg über bie 12. bolschewistische Armee 15 000 Gefangene gemacht.
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Die spanische Minifterkrise.
Madrid, 4. Mai. (WTB.) Ter König leitete gestern Beratungen zur Lösung der Ministerkrise ein. In politischen Kreisen ist man für bie Fortsetzung einer konservativen Politik unter Zusammenfassung aller konservativen Elemente mit Salazar oder Dato an ber Spitze. Maura erklärte sich gleichfalls für einen konservativen Block, um eine starke energische Regierung zu bilden, die das Land retten könne.
Ter Wohnsitz des ehemaligen Kaisers.
Rotterdam, 3. Mai. (WB.) Nach dem „Nienwe Courant" Hebelt ber vormalige deutsche Kaiser am 12. Mai von Amerongen nach feinem neuen Wohnsitz, Haus Doorn, über.
Au» öcm Ueiche.
Der Rcichöwahllciler.
B e r l i n, 3. Mai. (WTB.) Das Reichsministerium des Innern ernannte zu feinem Wahlleiter ben Präsidenten des Statistischen Reichsamtes Delbrück, unb zu seinem Stellvertreter das Mitglied des Statistischen Reichsamtes Geh. Regierungsrat Dr. Tenius. Die Geschäftsräume des Reichswahlleitersbefinden sich: Berlin, Lützownser 6/8.
Eine Sitzung des RcichSlohleurateS.
Berlin, 3. Mai. (Wolff.) Am 11. und 12. d. M. findet in Berlin bie Sitzung des ReichSkohlenrates statt, bie voraussichtlich eine eingehenbe Erörterung bet Kohlenwirtschaft bringen w irb. Insbesondere stehen Brennsboffverkaufspreise unb Handel^' nutzen zur Beratung.
Ein politischer Mord?
Münster, Z. Mai. (WTB.) Freiherr v. Westerholt-Gysenberg auf Schloß Sythen bei Haltern, der heute vor dem Kriegsgericht in Münster als Zeuge gegen den iDegen Plünderung des Schlosses Sythen ara geklagten Rotgardisten Susan auftreten sollte, wurde, wie der Münsterische Aw zeiget meldet, heute morgen etwa eine Stunde» von Sythen entfernt im Freien ermordet auf gefunden. Bereits vor einiger Zeit war angekündigt worden, daß ein Preis von 20000 Mk. von der roten Armee auf seinen Kops ausgesetzt sei.
Au» Hessen.
Eine'Konferenz über die Angelegenheiten des besetzten Hessens.
Darmstadt, 3. Mai. (WB.) Ueber Ange- legcittxiten des besetzten hessischen Gebiets touröc heule int Staatsmiuiüerium unter dem Borsttze des Staatsministers Ulrich eine Verhandlung aügtoaltcn, an der Reichsminister Dr. David, Reicksvommissar Starck, UnterstaatssekretLr Tr. Hirsch co.n Rei.lSto rt ch f sn i t errmn, MLnff o- rialdirckwr Dr. Schreyrr, bie Geh. Dtegierung&rätc Graf srbtfnumn vom Reichsmriiisterium b. Inn. und Klemm vom Reichs.ruähruugsamt fellnaHnteu. Die Mitglieds des l:e siechen Gesumtmrniscriums waren vollzäl.'llg er'ch^meu, ber Land sillmmissar für bie befehlen he.iisck-en Gebiete Geheimrat B'st unb bie zuständigen Ministerialreserent.n. Für bie Reichstem rung ergriff Stamsmiittster Tr. David oas Wort und führte aus, t<e Regierung habe vollstes Verständnis für die Schwierigkeiten, in denen sich die Seüölleiung ber beetzten Gebiet-: befände. Diese Sage wird für bie Reg ierung stets ein Gegenstand besonderer Sorge sein, in ber festen Absicht, zu helfen, wo es irgend möglich ist. Rein äußerlich kommt dies auch schon darin zum Ausdruck, daß bei ben heutigen Verhandlungen bte Vertreter aller in Fra-ie kommend.,! Zweige vertreten seren. Tte Reicksregierung hätte sckon früher btete Besprechungen iwrgenommen, wenn sie nicht durch die po i ischen Un emehmungen, di' ?,um Kipp-Pnffch führten, fortgesetzt bar an verhindert worden wäre. Die VerhaMi'ngen erstreckten sich rnsbesondere aus Fragen der Rcauisitiv'n, Einguar- tierungslasten und außerotoentliche Inanspruchnahme vvn Gebäuden, sowie aus Wünsche wirtschaf'lichcr Art wie Koh le n- lieferu ng und Etnährungsmöglrch- feiten, sowie die Ablieferung van Dreh, und nicht zuletzt waren es Fragen allgemeiner Natur unb die Absonderungsbe st re- bun ge n. Wie aus dm Darlegungen des Rrichs- kommissars Starck kervargehr, we-den in Koblenz bei cl cn auftauchenden Konflikten stets -htgelienre Berbandlungen geführt unb zumeist auch einigermaßen zurried^nstellendc Lö'ungen gefunden. Reic^minister Dr. David versickerte zum Schluß ber Derlxindlung-m, die sich bis in bte Abendstunden ausbelmten, nochmals, datz die ge'amten gütigen Verhängungen von ihm bei ber Reichste sterung atm Gegensta d be onberer Beratungen des Kabinetts gemacht tourten, denn das R tu) könne nickst besteben, wenn ciraelne LandTst.'ile wolle den und umyflefcrt. Die Beratung ber ein» zÄnen Fragen toito morgen in .Mainz fortgesetzt.
Aushebung de» Belagerungszustandes im alten Brückenkopf Mainz.
Mainz, 3. Mai. (Wolff.) Der Oberbefehlshaber der Rheinarmee, General D e g o u 11 e, erläßt eine Bekanntmachung, wonach an fesichts bet allgemeinen Lage unb ber ausgezeichneten Haltung ber Bevölkerung seit dem 6. AprU nemäft Entscheidung bet interalliierten Kommisiion für bie besetzten Rheinlanbe ber Belagerungs- zustanb in den früher besetzten Gebieten des Brückenkopfes Mainz, wo er burch Be» orbnung vom 6. April verhängt worben war, aufgehoben wirb, nämlich in bm Bezirken Höchst, Königsfein, Groß-G-rau, Langenschwolbach unb Wiesbaden-Stadt unb Land. Ferner treten bie auf Grund des Belagerungszustandes an gebraten Strafbestimmungen außer Kraft, beide mit Wirkung vom 2. Mai mittags an. Für die neu besetzten Gebiete des Brückenkopfes Mainz tritt eine Aenberung der Bestimmungen vom 6. April imb der späteren Anordnungen nicht ein.
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Mainz, 3. Mai. (Wolff.) In einer Ber- treterfjnferens der Sozialdemokratischen Partei wurde als Kandidat für die kommenden Rrichstagswahlen ber bisherige Abgeordnete Minister Tr. David ausgestellt.


