ist, das verfügbare Brotgetreide an die ver- sorgungsberecbtigte Bevölkerung abzuliefern, fcfeie der Lorstand in seiner heutigen Sitzung folgenden Beschluß: An die Regierung wird die Forderung gestellt, bis zum 6. Septerw- 6er abends eine Regelung der Bewirtschast- tung der neuen Ernte durch Verhandlungen, mit der freien Bauernschaft der Pfalz im Sinne unserer bisherigen Forderungen (Erhöhung des Grundpreises für Brotgetreide, Freigabe von Hafer und Gerste, Beseitigung von Mahlscheinen und Mühlenzwang) herbeizuführen. Falls die Regierung der Pfalz sich nicht herbeiläßt, dieser letzten Aufforderung nachgukommen, sieht sich die freie Bauerw- schaft der Pfalz gezwungen, unter Ausschaltung der Regierung mit den Bäckern, Mühlen und anderen Verbrauchern über den Abschluß von Lieserungsverträgen zu verhandeln. Die Verhandlungen werden jetzt schon bezirksweise angeknüpft. Im Auftrage des Vorstandes der freien Bauernschaft der Pfalz. Gez.: Wigeers, Hauptgeschäftsführer."
Die Regierung hat darauf der freien Bauernschaft der Pfalz mitgeteilt, daß sie unter keinen Umständen mit ihr in der Angelegenheit verhandeln würde, und die freie Bauernschaft hätte die Folgen ihres Schrittes selbst zu tragen.
An die Kommunalverbände der Pfalz sind strenge Anweisungen ergangen, damit gegen jedes ungerechtfertigte Verwenden des Brotgetreides mit aller Schärfe eingeschritten wird.
Ans dem Reiehe.
Die französischen Sühnefortzerungen.
Berlin, 2. Sept. Das Reichskabinett hat sich auf Grund der gestrigen Äusspnache im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten heute vormittag noch einmal mit den französischen Sühne- sordevunFen beschäftigt. Es kann fein Zweifel darüber bestehen, daß die bestimmt formulierten ersten fünf Forderungen bei der deutschen Reichsregierung aus keinerlei Widerstände stoßen, da auch diese eine Sühne weg«: der Breslauer Vorgänge als berechtigt anerkemct. Dagegen hat sich Reichsminister Dr. Simons in persönlichen Verhandlungen mit dem französischen Botschafter Laurent bemüht, das Verlangen nach einer persön- lichen Entschuldigung des Reichskanzlers durch einen Schritt des Reichsministers des Auswärtigen zu ersetzen, und weiter ist in diesen mündlichen Verhandlungen von Minister Dr. Simons davmrf hin- gcwiesen rvorten, daß die Behauptung, Hauptmann v. Arnim lMbe dem Neichswehrkomnumdo nach seiner Ehrenbezeigung vor der französischen Botschaft das von svanzssischer Seite beanstandete Absingen des Liedes: „Deutschland, Deutschland über- alles" befohlen, den Tatsachen nicht entspricht.
Arbeitenvürrsche an den Reichspräsidenten.
Freudenstadt, 2. Sept. (WB.) Die vereinigten Gewerkschaften sandten zum Reichspräsidenten Ebert eine Abordnung, um ihm die Wünsche der 'hiesigen Arbeiterschaft zum Steuerabzug zu unterbreiten. Reichspräsident Ebrrt erklärte, daß er die Wünsche der Arbeiterschaft nach Erhöhung des existenzfreien Einkommens bzw. prozentualen Herabsetzung des Steuerabzuges der Reichsregierung übermitteln und sie bitten werde, diese Wünsche ernstlich zu prüfen, auch die Wiüniche auf entschiedenere und schnellere Durchführung der Steuergesetze, die die Kapitalisten treffen.
Die Kieler Genossen gegen Noske.
Kiel, 2. Sept. (Wolff.) Die Hauptversammlung des sozialdemokratischen Vereins Gvvß-Kiel beschloß, auf dem kommenden sozialdemokratischen Parteitag in Kussel die AusschließungNvs- k e s aus der Partei zu beantragen und zwar wegen des Don ihm verfaßten Buches „Bon Kiel bis Kapp", das schwere Beleidigimgen der Kieler Genossen enthalte.
Die Unruhen in Augsburg.
Augsburg, 2. Sept. (WTB.) Rach den end-, gültigen Feststellungen der Polizeibehörde haben die gestrigen Unruhen im ganzen vier Tote gefordert. Ein Resultat über die angeblichen Schüsse »aus den Fenstern einiger Hauser liegt noch nicht vor. Die diesbezüglichen Zeugenvernehmungen dauern an. Die U. S. P. hat, wie der „Volkswille" mitteilt, die Betriebsräte aufgefordert, als Protest den General streik zu proklamieren.
Zusammengehörige Wirtschaftsgebiete.
Aus Hannover ward dieser Tage gemeldet:
Am 26. August d. I. trat der Verkehrsausschuß der „Vereinigung Niedersächsischer Handelskammern^ im Sitzungssaale der Handelskammer Hamwver zusammen und befaßte sich mit der ton der Eisenbahndirektion Hannover auf ministerielle Anordnung in Aussicht genommenen Verseh rscinschränkungen für ten am 25. Oktober in Kraft tretenden Winterfahrplan. .
Bei den Verhandlungen kam einmütig der Wunsch zum Ausdruck, auch in Zukunft die Ver- kehrs wünsche des niedersächsisch«: Wirtschafts- schaftsgebiets der Eisenbahnverwaltung gegenüber
Blinder Haß.
Roman von Alfred Sassen.
(Nachdruck verboten.) Fortsetzung 23.
Gehörten jetzt Rosen in ihre Hand? Nein . . Was würde sie hören müssen? Gewiß Schtveres und Bitteres — sie fühlte es an der dumpfen Qual, in deren Bann sie sich befand . . .
Fräulein Anna ferm mit dem Tee.
Nena aß und trank, was ihr vorgelegt toirroe. Dazwischen antwortete sie aus die Frage der Fr«m- din, wie sich der Verwundete in Davos beftnde —: es geht ihm gut, er iverte bald völlig gesund sein. Auch auf ein paar andere Fragen, nach der Schön- !heft der dortigen Gegend, gab sie Duslbmft, Io gut sie es vermochte.
Plötzlich schob sie jedoch ihre Tasse Zurück, sah die scheinbar so wißbegierige Wirtin fei an und sagte: „So. Ich danke Ihnen für den Tee. Er war mir eine nnrfjdx Erquickung. Nun aber sagen Sie mir, was ich wissen muß/'
Fräulein Reinsdorf kam um den Tisch herum und'setzte sich neben das junge Mädchen auf das Sofa. „Sie haben schm erraten, Kindchen, vitz etwas geschehen ist," begam: sie, „so kann ich mir eüic Einleitung ersparen. Jedes Wort einer solchen würde auch nur die Qual der Erwartu:^ tu Ihnen vertäu gen: . . . Also ich begab mich gestern nach mittag hinüber zu Frau Bovowsky, um zu oer-
gemeinsam zu vertreten. Tie Eisenüahndirektwns Hannover bringt dieser Absicht tolles Verständnis entgegen: es darf angenommen werden, daß auch die andern für Niedersachsen in Frage kommenden Direktionen (Kassel, Magdeburg, Münster) den gleichen Standpunkt einnehmen werden. — Ueber den Zusammenschluß aller Berkehrsinteressenten dürfte bereits in der in nächster Zeit stattfiwenden Herbsttagung der Vereinigung Nieder!ächftscher Handelskammern endgültig beschlossen werden.
So wie hierin das niedersäch|:sche Wirtschaftsgebiet sich in feinen hantelte kümmern als eine wirtschaftliche Etn- heit ordnet, dürste es auch gut sein, wenn die Handelskammern beider Hessen und Nassaus üt gleicher Weise vorgingen, um in den gemeinsamen Fragen auch gemeinsam Vorgehen zu können. Es käme hierbei sowohl Eisenbahnverkehrsweien :n Betracht, namentlich was gemeinsames Handeln gegenüber den Eisenbahndirektionen Kassel, Frankfurt a. M. und Mainz angehl, als auch die immer mehr in den Vordergrund des Wirtschchaftsaufbaus rückenden Fragen der Kraftwasserstraßen, der Stromversorgung, der rationellen Verwendung der hessischen Braunkohlenlager und der übrigen Bodenschätze.
Der Mittellandkanal.
Berlin, 2. Sept. (Wolff.) Im Ausschuß der preußischen Landesversanrmlung für den Mittellandkanal wurden die fünf vorgeschlagenen Linienführungen eingehend besprochen. Der Kampf drehte ^sich hauptsächlich um die Mittellinie und die Südlinie. Eine Mehrheit der Parteien für die eine oder andere Linie ist noch nicht zu ep* kennen. In den nächsten Tagen nimmt der Ausschuß eine Besichtigungsreise vor.
Au» Hessen.
rm. Darmstadt, 2. Sept. Der Abg. Lux (Soz.) hat an die V o l k s k a m m e r einen dringlichen Antrag eingereicht, in welchem die Regierung ersucht werden loll, alsbald ein Landesviehseuchengesetz vorzulegen, nach welchem sämtliches Klauenvieh versichert sein muß. U. a. sollen auch die Gelder der Viehhandelsverbände hierbei geeignete Verwendung finden.
Die Zusammenstöße in zranffmt.
fd. Frankfurt a. M., 2. Sept. In einer stark besuchten Versammlung nahm das Gewerkschaftskartell Stellung zu dem dlntvage ter Gewerkschaften auf Eintritt in den Generalstreik. Tie Vertreter lehnten mit 83 gegen 20 Stimmen den Generalstreik ab. Geschlossen für den Streik stimmten nur die Metallarbeiter. Tie Eisenbahner entschieden sich mit 3 Stimmen für ten Streik und mit 2 Stimmen dagegen. Gegen den Generalstreik stimmten neben anderen die Delegierten der Gemeindearbeiter, Bauarbeiter, Lederarbeiter, Handlungsgehilfen und Gastwirtsgehilfen. Mitbestimmend für die Ablehnung des Streiks war eine telephonische Mitteilung des Oberbürgermeisters, nach der das Reich für die Erwerbslosen 35 Millionen Mark bewilligt hat, die auf das Reich verteilt werden sollen. Frankfurt wird aus seinen eigenen Mitteln noch 21/8 Mill. Mark zuschießen. D:e Gelter sollen zur Beschaffung von Heizmaterial, Kleidungsstücken und als bare Beihilfen, nach genauer Prüfung an solche Erwerbslose gegeben werden, die langer als 20 Wochen außer Arbeit sind. Es kam in der Debatte zum Ausdruck, daß der Generalstreik das letzte Mittel bleiben müsse und daß außerdem gegenwärtig, bei den zum Teil mit großer Verkürzung Arbeitenden fein Streikwille vorhanden sei, so daß es mehr als fraglich sei, den Streik durchfuhren zu können. Ein Antrag der Mehrheitssozialisten, den Ertrag einer Arbeitsstunde den Erwerbslosen zur Verfügung zu stellen, wurde von einem Unabhängigen dahin erweitert, daß die gleiche Summe im BerhÄtnis ihrer Arbeiter, von den Unternehmern an das Arbeitsamt ab geliefert und die Bert ilung nach genauen Richtlinien von einer gemischte:: Kommission vorgenommen werten solle. Dieser Antrag wird sofott in Angriff genommen, genau durchteraten und in der nächsten Gewerkschaftsversammlung zur Abstimmung gebracht werden. Tas Gewerkschaftskartell gab ferner ungeteilten Sympathie für die Erwerbslosen Ausdruck. Eine Kommission wird sofort morgen mit ter Stadtverwaltung in Verbindung treten, um die Forderung ter Erwerbslosen nachdrücklich zu unterstützen, vor allem ater auf die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit zu bringen. Weiter wird die Kommission sich ebenfalls sofort mit dem Polizeipräsidenten in Verbindung setzen, um eine restlose Aufklärung der blutigen Vorgänge am Mittwoch herbeizuführen.
Frankfurt a. M., 2. Sept. (Wolff.) Von den bei den gestrigen Kundgebungen der Arbeitslosen Schwerverletzten sind inzwischen fünf, darunter eine Frau, im Krankenhaus gestorben. Gestern abend wurde ein weiterer Waffenladeu in der Fahrgasse ausgeplündert. Mehrere Rädelsführer wurden verhaftet. In das Kvanfenhaus finb ferner vier Schwer- unb acht Leichtverletzte eingeliefert worden.
suchen, in Ihrer Sache, liebes Kind, ein Wort zum Guten zu reten. Was ich sagte, weiß ich kaum noch, — es ist auch belanglos, dem Unglück gegenüber, das sich ereignet hat —"
„Ein Unglück —" sprach Rena tonlos nach.
Tas alte Fräulein griff nach ten Händen des jungen Mädchens, dann na'hm sie einen Anlauf und fuhr entschtosfen fort: „Der Unterredung wohnte auch Ihr Vetter Oskar bei. Stun:m schritt er unablässig im Zimmer auf und meter — em paarmal war's wohl, als wollte er eine Bemerkung dazwischen werfen — allein er wandte sich immer wieder ab und murmelte ein paar unverständliche Laute in sich hinein. Da plötzlich eine zuckende Bewegung in seinem Körper — er griff mit der Hand nach dem 'Mund', preßte mit entsetzter Gebärde das Taschentucb an die Lippen — vergebens — ein Blutsttom brach hervor —"
„Nein!" schrie Rena in marferschüttemtem Tone aus. „Himmlische Barm'herzigfeit — das — das —"
Das alte Fräulein folgte dem jungen Mädchen, das sich, wie sortgestoßm, ein paar Schritte vom Sofa entfernt hatte, und wollte den bebenden jungen Körper mit tröstendem Zuspruch an fjcb ziehen Rena wehrte jedoch mit beiten Häitten ab Bis zur Wand wich sie zurück — in einem Winkel zwcschen dem Ofen und einem © thron f stand sie eingeklemmt — aus ter halben Dämmerung
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 3. Sept. 1920.
Veranstaltungen.
Freitag: Hotel Einhorn, 7 Uhr, Gießener Waldbühne, Komtesse Guckeri. — Caf6 Leib, 8 Uhr, Konzert und Vorstellung der Medick-Meidincser. — Lichtspielhaus, „Darwin". — Lichtspiele Seltersweg, wie geifern.
** A mtl iche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 26. August der Studien rot am Landsraf-Ludwigs-Gymnasmm und außeretats- mäßige außerordentliche Professor bei ter theologischen Fakultät ter Landes-Universität Gceßen D. Dr. Freiherr August v. Gall zu Gießen zum ordentlichen Honorarprofessor bei ter gleichen Fakultät. — 3n den stttrhestand versetzt wurde am 23. August der Kreis-Oterwachtmeisfer Ludwig Schumacher auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste mit SBir&mg vorn 1. September 1920 an. — In den Ruhestand versetzt wurde der Rangiermeister Christoph Friesenecker in Nackenheim vom 1. September d. I. an. — Ernannt imtrte am 26. August ter Privatdozent der Landwirtschaft Dr. Mols Richard Walther zu Gießen zim außeretatsmäßigen außerordentlichen Professor an ter Landes-Universität Gießen.
** Aus dem Stadttheaterbureau. Wir wollen nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß „Die P Uppen fee" am Dienstag, den 7., nachmittags 3V» Uhr, das letzte Kindermärchen ist, das vor Weihnachten zur Ausführung kommt.
** Milchlieferung. Infolge ungenügender Belieferung der Stadt Gießen mit Milch kann für Samstag den 4. September 19 20 auf die auf V- Liter lau- tendenMilchmarkenkeineMilch geliefert werden.
** Die Bersorgungs berechtigt en von den Gemeinden des Landkreises Gießen sind für Sonntag den 5. September, nachmtttags 2\'2 Uhr, zu einer Delegiertenversammlung aus dem Felsenfeller zu Gießen eingelaten. Siehe Anzeigenteil.
** Gießener Wald bühne. tu mals auf die heute abend 7 Uhr im „Einhorn" beginnende Wo hltäligkeits Vorstellung ter Waldbühne aufmerksam. Die Aufführung des Lustspieles „Komtesse Guckerl" in Kostümen der Bfeoer- meierzeit ist, wie wir erfahren, liebevoll cingeübt, so daß ein genußreicher Abend in Aussicht gestellt werten kann. Ter Ertrag ist für die obevhessifchen Kriegsblinden bestimmt.
*♦ Der Bauersche Gesangverein veranstaltet Sonntag, den 19. Sept., abends 5 Uhr, in ter neuen Aula der Universität ein Wohl- tätigkeits-Kvnzert. Der Reinertrag ist zur Schuhbeschaffung für arme Kinder der hiesigen Volksschule bestimmt. Ihre Mitwirkung l-aben zu- gefagt: Kvnzertsänger H. Müller aus Marburg und Pianist I. Hahn aus Gießen. Der Verein wird verschißene Kunstchöre von Abt, Hegar und Cuvti, sowie Volkslieder aus dem 15., 17. und 19. Jahrlstutoert singen. In Anbetracht des guten Zwecks sei der Besuch des Konzerts Freunden des Gesangs bestens empföhlen.
** Der Verein Hessischer Justi»- fetretäre hielt am 28. August zu Frankfurt a. Main seine diesjährige Hauptversammlung, die aus allen Teilen Hessens außerordentlich gut besucht war, ab. Ter Vorsitzende, Oberlantesgerichts- fefretär Koch, begrüßte besonders warm die feit 1913 zum ersten Male wieder anwesenden Kollegen des besetzten Gebiets. Er sprach ihnen den Dank des gemeinsamen Vaterlandes und besonders der Beamtenschaft für ihr tveudeutsches Verhalten aus, das umso höher angeschlagen werden müßte, als die Gefahr für eine vaterländische Gesinnung, wie das schandwürdige Urteil int Mainzer Spiv- nagepvozeß zeige, nicht gering sei. Seine Worbe gipfelten in der Aufforderung, die an tnc Beamten des besetzten Gebiets seitens ter Entente gestellten Zumutungen, Verrat am Vaterland an ten eigenen Kollegen zu üben, einmütig zurückzuweisen. Dte reichhaltige Tag 'sordnuirg löste zu den wichltg- ften Punkten, B?soldungsresiorm, Amtsbezeichnung, Neuorganisatton ter Ätstizbehörten und Arbeitszeit der Staatsbeamten, eine lebhafte Aussprache aus, die in zum Teil recht scharf gehaltenen Entschließungen ihren Ausdruck fanden. Der Vorstand wurde einstimmig wtetergewahlt.
** Karlcheu Vortrag. Der Kaufmännische Verein, Ortsgewerbeverein, eröffnete am Mittwoch Abend in der Neuen Aula feine diesjährige!: Vortragsabende durch den bekannten Humoristen der Münchener Jugend, Karl E t t l i n g e r, der bereits im Februar im Auftrag des Buntes zur Pflege für Literatur und Musik am gleichen Vortiags- tifchc las. Das Karlchen fand -diesmal ein noch weit zahlreicheres und beifallwilligeres Publikum, das den witzigen Satiren mit gespannter Ausineik- f am feit folgte, zumal wenn sie groteske Zeiteiftchei- nungen, wie die Tcmzwut, veralberten. Ueber das Wesen feiner Satire und ferne Vortragsart ist dem damaligen Berichte nichts hinzuzufügen. Man wird das Karlchen immer gerne hören, allein fchon ter vergnügten Gesichter und des gesunde:: Lachens wil-
dieses Winkels leuchtete ihr Gesicht gefpensterhaft fahl hervor.
„Er ist aber nicht tot —" fatn es würgend aus ihrer Kehle, „nicht wahr, er ist nicht tot —?! Tas darf — das soll nicht fein!"
In leisem Ton, durchzittert von unendlichem Herzensanteil, aber bestimmt und tapfer sagte Fräulein Anna auch das letzte Wort, das noch gesagt werten mußte: „In der vergangenen Nacht ist er gestorben."
Kein Laut von den Lippen des jungen Mädchens verriet die Wirkung, die dieser Sclstvert streich auf 'sie hervorgebracht. Sie wandte sich nur langsam um und kehrte das Gesicht der Wand zu-.
So stand sie mm eine ganze Weile, ohne s:ch zu rühren — nidjt einmal ein Beben durchflog ihren schlanken Körper — es war, als leien ihre Glieder selbst im Tod erstarrt, von desien unbarmherziger Macht eben ein so trostloses Wort an ihr Ohr geschlagen.
Tie alte Jungfer, die sonst nicht so leicht ten Kopf verlor, fühlte sich der stummen Größe dieses Schinerzes gegenüber hilflos.
Auch sie stand wie gefesselt an ihrem Platz — sie »tollte zu der Aermsten hingehen und femnfe hoch nicht fort — wie vor einer Mutter stand f:e, die sie abtrennte von dem Winke., in dem das junge Mädchen ihrer Verzweiflung erlegen zu sein schien.
„Rena — Rena — Sie müssen sich fasten —"
len, von denen auch her trübseligste Zuhörer an* geftedt wird.
** Die Medick-Mei drn gersche bayerische Musik- und Poftengefellfaaft bringt ab kommenden Sonntag ein vollständig neues Programm. Was die Truppe bieten will ist fjarm# tote, aber sehr humorvolle Unterhaltung, und mer diese sucht, wird im (Saf6 Leib feine Ansprüche voll befriedigt ftnden.
** Die Deutsche Gemeinschaftsbewegung hat sich in ten letzten Jahren gewaltig ausgedehnt. Es gibt feine Provinz, in der sie nicht Fuß gefaßt hat. Auch in £) ter teilen sind in über 60 Orten kleinere und größere Gemeinschaften, welche zu einem obertefiiidrn Verband zusammeng'sc^o'sm sind. Dieser Verband feiert am (Sonntag ten 5. September, nachm. ^«3 Uhr, im Philosovhenwald sein jährliches Jugend- und Posaunenfest. (Siehe Wrzeige.) Wer sich gerne über Zweck und Ziel dieser Bewegmrg orientiert, ist herzlich für Sonntag eingeladen. Etwa 12 bis 15 Posaunen- und Gesangchöre werten mitwirken.
** Im Lichtspielhaus wird ein sechs- aktiges Drama „Darwin" gegeben, das ten etwa allzu populären Untertitel „Die-Abstammung des Menschen vom Affen" führt. Im wefentlichen aber bleibt ein an packenden Szenen reiches Kino stück, in dem die „Mfsenschaft" wie sie die Verfasser verstehen, nur im Traumbilte eine Rolle spielt. Ein unzivilisiertes schwarzes Weib und eine hochkultivierte Weiße stehen im Kampf um Leib und Seele eines zum Naturforscher gewordenen Geistlichen. Während er bei einem Negeraufftand verwundet, auf dem Krankenlager in Fiebervisiocken die Urgeschichte des Menschen durchlebt, wird ter Konflikt ohne fern Zutun gelöst; die Schwarze a> fttcht die Weiße, die er liebt, und wenn der „Äbb6" will, kann er wieder ins Kloster zurück gehen.
** Jubiläum. Nächsten Sonntag fmn Ernst Ruckelshausen aus (Steinber g auf eine 25jährige Tätigkeit als Sonntagsfellner tm Forstgarten zurückbtzicken.
Landkreis Gießen.
** Lollar, 2. Sept. Die zur HvlzmWe gehörige Lumdabrücke, die das Hochwasser am 11. Januar ds. Is. zerstörte, hat Mühlew« besitzer Christ unter Leitung ter ÄllturInspektion Gießen durch Lollarer Hand Werfer mietet aufbauen lassen. Ter Verkehr geht wieder, wie früher, von der Kreissttaße Lollar—Daubringen aus über die her gestellte Brücke zur Holzmühle.
Kreis Büdingen.
h. Nidda, 2. Sept. Bahnhofsvorsteher i. R. Hammel feierte heute am Sedantage in seltener Rüstigkeit feinen 80. Geburtstag. Der Jnbüiar trat in jungen Jähren beim hessischen Arttllerte- korps ein, machte die Kriege hon 1866 und 1870/71 mit unb trat bim: in den Dienst ter Otel-hessische: Bahn. Nach ferner Pensionierung widmete er ferne Arbeitskraft :m letzten Kriege selbstlos ter Verwaltung des Lazarettes, dem Roten Kreuz, dem Kriegerverein, dem Veteranenverband Nü>da, teni Kasino, dem V. H.-C.
Kreis Lauterbach.
rr. Schlitz, 2. Sept. Ein gräßlicher Unglücksfall trug sich am Mittwoch abend im nahen Frau-Rombach zu. In einem unbewachten Augenblick geriet das 6jährige Töchterchen des Landwirts Sauerwein in ter dortigen Mühle tn eine Transmission, wobei es tetxtrtfge Verletzungen erlitt, daß ter Tod augenblicklich eintrat. — Hier ist ein Kons umverein im Entstehen begriffen, dem schon über 300 Mitglieder, meistens Arbeiter, bei getreten sind; er hat Anschluß gefunden an den Konsumverein Hersfeld. Auch die L.okalfrage, welche zunächst die größten Schwierigkeiten machte, ist nunmehr gelöst.
Kreis Schotten.
x Ul richstein, 1. Sept. Eine vom h:e- sigeii Kirchenvorfl and durchgeführte Sammlung zugunsten einer neuen Glocke ergab die Summe von rui:d 21 500 Mk. Die zur Zeit in Amerika ansässigen Söhn^ unb Töchter Ulrichsteins, ohne Unterschied des Bekenntnisfes, haben in hervor- cagenterh Maße zu dem schönen Ergebnis beigetragen. Aus allen Briefen bieferAuslanddeutschen leuchtet die Liebe und Anhäneftichkeit zum alten Vcrterlante und zum Heimotstädtchen auf den Höhen des Vogelsber^es hervor. — Die neue Glocke ist nunmehr be: der Firma Franz Schilling Söhne zu Apolda in Auftrag gegeben worden.
Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Dar rn st-adt, 1. Sept. Der 52. Ver< bandsta g b er Erwerbs- und Wirtschaftsgenossen schäften für die Provinzen Starkenburg und Oteihessen wurde heute nach- initlag von Verbmdsdireftor Sfein tm Fürsten- sail eröffnet f und zunächst eine Reihe geschäftlicher Fragen erledigt. Die Rechnung für 1920 werd genehmigt und der Verbcrndsdireftor entlastet. Ter Verbanbsrevisor G. Seibert-Wiesbaden inü) sein Stellvertreter Direktor Habickch-Darmstadt werdea wietergewählt. Tie Beiträge werven bim ten 'heutigen Verhältnissen entsprechend nicht unwesentlich erhöht; ter Dovanschiig für *180/21 findet Annahme unb erftatfet ter Verbandrevisor Bericht über die ausgeführten Revisionen. Es scht'vtz sich eine Ausspva^che an.
rm. Lamper theintz 2. Sept. Ver- schwunden ist seit letzten Samstag bfe 60 Jahn alle Ehefrau tes Landwirts G. A. Griesheimer L rief sie endlich, aber ihr Ton dünkte fic selbst schattenhaft intb wirkungslos, und noch einmal* „Rena — liete Rena —"
Ta regte sich das junge Mädchen. Sie kehrte sich von der Wand ab, kam heraus aus ih«m Schmerzensgefängnis, ten: Winkel.
„Ja — ja," sagte sie mechanisch, „ja — ich höre —"
Mit herzzerreißentem Ausdruck, der sich ^er in ten Grenzen einer wtoezwinglichen müden Starrheit hielt, nickte sie ter älteren Freundin zu und ftihr fort: „Ich trage die Schuld an feinem Tod — ich — ich — — weil ich fortging — dahin — zu dem andern. Daran ist er gestorben — darin —"
Anna Reinsdorf chatte vvrausgesehen, daß dis junge Mädchen sich diesen vernichtenden BorwuN nicht ersparen würde. Nun sie aber die Selbstbezichtigung vernahm, in einem so unbeschrrib- lichen Ton gesprochen, erschrak sie doch.
Siechob^beite Hände und riet: „Ater Kmd, Kind, wie können Sie so etwas sagen!"
„Ich trage die Schuld daran —"
„Tas ist ja nicht wahr! Sie hmrtetten, rote Sie mußten! Daß Sie jene Reise antraten, war ein Geb-! dm Sie sich nicht entziehen tonnten, ohne die L .ichten gegen Ihr innerstes und wahrstes Gefühl zu r-cr(efoen."
(Fortsetzung folg:.


