Nr. 128
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Erstes Blatt
170. Jahrgang
Donnerstag, 3. Juni 1920
GietzenerAilzeiger
General-Anzeiger für Gberhesien
Druck und Verlag- SrShl'fche Univ.-Vuch- und Lteindruckerei R. Lan-e. Zchrlftleiturrg, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7.
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wäge und wähle!
I.
Der 6. Juni bedeutet hoffentlich für das deutsche Volk eine Zeitwende in seinen Schick- salsschlägen! Ein neuer Reichstag wird gewählt, ein neuer Aufmarsch der innerpolitischen Kräfte erfolgt! Es war die höchste Zeit dazu; die Nationalversammlung war int mannigfaltigen Wechsel der politischen Lage, in den erschütternden Wendungen und lieber» raschungen, die wir drinnen und draußen erlebt haben, zu einer verbrauchten und lebloses Körperschaft geworden. Die Stürme der Opposition hatten seit langem ein neues Werden angekündigt, und der Drang nach einer Besserung unseres nationalen Daseins rief mit lauter Stimme nach einer Erneuerung des Parlaments. Die bevorstehende Wahl wird Klarheit darüber schaffen, welche Folgerungen die Gesamtheit unseres Volkes aus den Erlebnissen seit dem 19. Januar 1919 gezogen hat, welcher Umschwung eingetreten ist in den Erwartungen und Forderungen, die jedermann auf dem Herzen hat.
Bei den Wahlen zur Nationalversammlung haben die stürmische Aufwerfung der Schuldfragen, die Anklagen wider die „K r i e g s s ü n d e n " eine ausschlaggebende Rolle gespielt. Auch diesmal können wir an dieser Streitsache nicht vorübergehen. Nur liegen doch alle diese leidenschaftlich umtobten Probleme heute in anderem Lichte, ruhiger und geklärter, vor uns. An WeltanschauungÄ- irrtümern sind wir nicht gescheitert, und das monarchische oder militärische Prinzip kann man ruhig dabei aus dem Spiele lassen. Dagegen steht es fest, daß wir über falsche Einschätzungen und Ueberspannungen gestürzt sind, die beim Mangel staatsmännischer Autoritäten von unserer militärischen Führung hervorgebracht worden sind. Das war ein großes Unglück, ein schweres Verhängnis, das uns über nicht zu blinden Anklagen wider den alten Staat verleiten darf. Man mag gegen diesen aus anderen Gesichtspunkten zu Felde ziehen — es ist aber durchaus denkbar, daß unter dem alten System der Krieg auch hätte gewonnen, oder wenigstens zu einem erträglichen Ende geführt werden können. Von rechtsstehender Seite wird bekanntlich daran festgehalten, daß gerade auch eine zügek- lose und unverantwortlich rücksichtslos arbeitende Opposition wider die Führung das Unheil vergrößert und beschleunigt habe. Wir sind der Meinung, daß bei oer bevorstehenden Wahl mit einem großen Teil dieser alten Streitigkeiten aufgeräumt werden kann. Die diesmaligen Wahlen werden mit anderen Glocken ein* geläutet als init denjenigen, die der Nationalversammlung galten. Die Geschichte hat ja Erfahrungsblätter von allergrößter Tragweite hinzugesügt! Ein großer Teil des Vergangenen erscheint!ia in ganz neuem Lichte! Wir sehen die unseligen Wendungen, die unglaublichsten Enttäuschungen am schwersten auf denjenigen lasten, die das deutsche Staatsgefüge am schroffsten bekämpft und alles Heil vom besseren und erleuchteteren Geiste der anderen Völker erwartet hatten. Die Sonne der „Sieger" brach hervor — aber nun spüren die Gläubigen und Vertrauenden, wie der aufschauende Faust, das „Flammenübermaß", das ihnen da entgegenbringt, und sie kehren sich, „vom Augenschmerz durchdrungen", erschüttert weg. Oder kann eine der Linksparteien noch mit frohen Illusionen für Völkergleichheit im Wahlkampf Stimmung erwecken und Anteilscheine dafür ausgeben? Das Ausland bleibt, wie es gewesen ist. Unsere Hauptregierungspartei in bpr Gegenwart, die Sozialdemokratie, iftlim Kreise der Völker völlig isoliert in ihrem Streben nach Verwirklichung des Erfurter Programms. Die großen demokratischen Ideale für Völkerversöhnung sind in der Atmosphäre der letzten Zeit stark verblaßt. Nein, es gilt, alte Irrtümer abzulegen, neu sich aufzuraffen, in nationaler Selbstbesinnung! Das ist die ersteErneuerungsforderungbeider bevorstehenden Abstimmung. Nicht Rückkehr zum Militarismus ist die Parole; der Versailler Friede ist kein Stück Papier, das von uns willkürlich zerrissen werden kann. Wir haben uns aber zu besinnen auf die eigne Leistungsfähigkeit, auf eignes Wollen und Handeln. Sonst gibt es keine Gnade für uns. Wie wollten wir anders auf die Vernunft unserer erbittertsten Gegner, der Franzosen, wirken, als in starkem Willen zu nationaler Kraft und Einheit! Ein weiterhin gelähmtes, zerfallendes Reich würde die Machtgier des Erbfeindes immer stärker reizen. Mrt nationaler Se'.bsterhaltungspolitik muß unser Bestreben einsetzen, den Gewaltfriedensvertrag zu revidieren, das Unrecht der Abtrennung deutscher Volksgenossen und deutscher Landesteile wieder gutzumachen. Diese Notwendigkeit steht freilich .in keinem Könner mit dem
Erfurter Programm. Aber wo sie — ohne nationalistisches Uebermaß im Verweilen bei Erledigtem, Unmöglichem — unzweideutig und würdig betont wird, da kann man bei der Wahl Vertrauen gewinnen und weiterprüfen. Unsere auswärtige Politik bedarf einer grundsätzlichen Erneuerung. Sie sollte kein Schwelgen in Phrasen und Theorien gestatten, durste nie uno nimmer in parteipolitischer Jacke oder Mütze sich präsentieren, sondern sie hätte in steter Wachsamkeit die gegebenen Tatsachen auszuwerten und zu nützen, unablässig den charakterfesten Kampf um Recht und Gerechtigkeit zu führen. Denn noch lange Jahre bleiben wir leider in der Rolle der Besiegten, mühselig Beladenen und Mißhandelten. . .
Bei dieser Sachlage mangeln also einer international-sozialdemokratischen Praxis in Deutschland alle Boraussetzungen. Keine Hand des Entgegenkommens und Gleichstrebens streckt sich ihr aus dem Auslande entgegen. Soll unser geschundenes Vaterland nun das Probiermodell für phantastische Weltverbesserung sein? Unser Staat voll Armut und bitterer Not? Wie steigern wir unsere Arbeit und Wirtschaft, wie vermeiden wir alle Vergeudung von Kraft beim Wiederaufbau — das ist die Hauptftage, von der unter aller Wohlergehen abhängt! Die sozialdemokratische Partei hat es in ihrer „klassischen Periode" wohl selbst oft genug gefühlt, wie ihrem Programm durch die Ereignisse der Boden entzogen worden ist. Aber auch hie Programme der Unabhängigen und Kommunisten entbehren, in diesen Zusammenhängen betrachtet, völlig der Aussichten, eine neue Welt und neue Menschen zu schaffen. Selbst wenn die radikale Linke in Deutschland gegenüber der Mehrheitssozialdemokratie, von der viele Enttäuschte abwandern, bei dieser Wahl eine Stärkung erfährt, fristet sie, weltpolitisch oder international betrachtet, dennoch ein höchst kümmerliches Dasein. Der russische Bolschewismus stellt sich als verfehltes Experiment heraus, und die kommunistischen Ansätze, die bei anderen Völkern hier und da zum Vorschein gekommen sind, waren mir aus momentanen wirtschaftlichen Beklemmungen ermaßen, aber nicht von einer welterobernden Jdeenflut getragen. Welche Folgen und Einwirkungen die radikal- materialistische Bewegung in Deutschland bereits gezeigt hat, wird sich erweisen, wenn wir in einem weiteren Aufsatz zu einer Prüfung unseres feit den letzten Wahlen laufenden innerpolitischen Kurses übergehen.
Die russisch-emlischen lvirlschciftr- oerhändlsügen.
Amsterdam, 3. Juni. (WTB.) Der „Daily Mail" zufolge erhielt Kvaf'in die Erlaubnis, ein russisches Ha ndels bureau zu errichten, oas mit dem Antt für überseeischen Handel zusammenarbeiten wird. Tie „Daily Mail" schreibt ferner, eine sehr zuständige Persönlichkeit habe sich gestern dahin geäußert, Krassin habe beit Auftrag, in England auf alle Fälle und yi jeder Bedingung die Lieferimg von Eisenbahn material, landwirtschaftlichen Maschinen und Textilwaren abzuschließen. Tas Matt fügt 'hinHu, e-3 'habe Grund zu der Annahme, daß der Entschluß Lloyd Gorrg.es, die Handelsbeziehungen zu Rußland zu eröffnen, in Widerpsruch zu den RatschÜÄ'M sttthch die ihm von anderen Mitgliedern des Kabinetts gegeben wurden. Endlich will die „Daily Mail" in Erfahrung gebracht haben, daß Koassin vor seiner Ankunft in ämtfon folgenden Beding un- gen zugestimmt fj.ibe: Sofortige Freilassung der englisckien Gesangeneit in Rußland, Verzicht auf . Propaganda und Intrigen in Indien, PalMna, Penten ufw., Verdickst auf jede weitere Einmischung in die Verhältnisse des nahen Ostens. Im eng* lischst Unterstufe sagte gestern ht Erwiderung der Frage eines liberalen Abgeordneten der Erste Lord der Admiralität, es sei nicht richtig, daß sich England im Kriege mit Sowjetru schind befinde. Borsichtsnvabua'stnen zum Schlitze der von den Ättnerten geschützten Plätze bedeuteten noch feinen Kriegszustand.
Haag, 2. Juni. (WTB.) Nach einer Meldung aus London sott im Laufe der WvckM eine zweite Zusammenkunft des englischen Kabinetts mit Krassin stattfinden.
London. 3. Juni. (WTB.i Reuter echIhrt, daß die Vertreter der anderen Alliierten neben den Vertretern Großbritanniens an den BetchEungen mit Krassin teilgenentmen haben. Geldsendungen von Rustl.md kommen nicht in Frage, vielmehr ist das grintd'iLtzliche Ziel der Austauschhan- bei mit Warm.
Rußland» Liefern,rgsmöglichkeit.
Amsterdam, 2. Juni. (Wolff.) Dem Londoner „Star" zufolge erklärte Krassin bei einer Unterredung mit Lloyd George, daß die Getreidebe stände in Rußland nicht übermäßig hoch seien, daß Rußland aber eine große Menge Torf, Flachs, Häute und verschiedene andere Rohstoffe liefern könne. Nach dem „Star" sprach Lloyd George Krasftu gegenüber seine Bereitwil
ligkeit aus, Rußland aus den gegenwärtigen Schwierigkeiten zu helfen. — Im Unterhaus wurde gestern von der Regierung erklärt, daß,-übcr die Besprechungen mit Krassin amtlich noch nichts mitgeteilt werden könnte.
Frankreich gegen die russisch-englischen Verhandlungen.
Paris, 2. Juni. (Wolffs „Ocuöre" bchrup- tet, daß Ministerpra idcnt Millerand nicht bte russisch-englischen Vrrl.'arLcungm billige. Lloyd George habe auf eigene Jni.'iattve gehandelt, als er dm Vertreter von Sowiei-Rußland empfing. In Paris aber fei-'man der Ansicht, daß alle Entschließungen der Attiierten inbetreff Rußlands nach gemeinsamem Einverständnis er- folgen müßten. Lloyd George habe Kvassin empfangen, bevor die Airtwort der sranzö r'ck-en Regien mg über die Verhandlungen mit den bolschc- wistiscAn Vertretern erfolgt fei. Als bte Antwort Mttlevands durch den Botschafter Paul Cambon nach der Downing (Street übe bracht worden sei, sei bte russisch-britische Konferenz schon im Gange gewesen.
KriegSgewinuabgabe in England.
Am st er da m, 1. Juni. (WTB.) Laut Reuter hofft Chamberlain, in einigen Tagen im Unter» baust die Entscheidung der Regierung bezüglich der Abgaben auf die im Kriege gewonnenen V er mögen zu geben. Laut „Daily Chrvnicle" wird das Kabinett die Abgabe für unzweckmäßig erklären.
Die englischen Truppen im Osten.
Amsterdam, 2. Juni. (WTB.) Int englischen Unterhaus teilte der Vertreter des Kriegs- wnts mit, in Polen befänden sich keine englischer: Truppen, dagegen ständen im Allen st einer Abstimmungsgebiet und in Danzig je ein Bataillon, zusammen uitgchShr 1500 Mann. Man /hoffe, daß das Allensteiner Bataillon bald nach Whältung der Abstimmung tfirt 15. Juli zurückgezogen loerben könne. Dagegen sei es gegenwärtig nicht möglich zu sagen, warnt das Besatzungsbataillon von Danzig nach England zurückkehren werde. Der Vertreter des Schatzamts teilte in Erwiderung einer Anfrage mit, daß für den Unterhalt d er Besatzungstruppen in Deutschland deutsche Lieferungen im Werte von ungefähr 4 Millionen Pfund Sterling erfolgt feien. Die englischen Ersatz- cmsprüchc betragen Ende Mai 1920 noch etwa 45 Millionen Pfund, wozu für den Rest des Finanz- jabres 1920/21 schätzungsweise noch 2 750 000 Pfund Sterling kommen wurden.
Die Kämpfe der Polen.
Kopenhagen, 2. Juni. (Wolff.) Einem Telegramm aird Warschau zu'o'ge wird oon der bolschewistichen Front gemellxtt: Die Niederlage, die die Bolschewisten in Weißrußland erlitten haben, hat ihre Offensive zum Stehen gebracht. Alle Versuche des FeüideS, weiter gegen Südwesten vorzurücüen, sind ge cheiteet. An der B e r e s i n a hat der Feind eine neue große Niederlage erlitten, diesmal nördlich von Bobruschk, wo die polnische Kavallerie ein russisck)es Kavallerie-Regiment umringte und gegangen nahm und dabei große Mengen Kriegsmaterial erbeutet:. Es bestätigt stich, daß die B-olschotvisten dce Fne-- de:rsoechanstlir-igen mit Lettland zum Anlaß nahmen, um an der lettischen Front östlich von Tünaburg einen Ueberrumpelungsversuch zu machen. Sie wurden jedoch van ben Letten zurückgeworfen und erlitten große Verluste.
Persischer Hilferuf an den Völkerbund.
Paris, 2. Juni. (Wolff.) Wie die Morgenblätter melden, hat sich die persische Regierung an den Völkerbund gewandt tvegen der Besetzung von Euseli durch die wle Armee. Ter Minister für auswärtige Angelegenheiten, Prinz Firoux, der sich augenblicklich in London mrp hält, verlangt den Schutz des Völkerbundes auf Grund des Artikels II des Statuts.
Erfolge der Nationalisten in der Türkei.
Konstantinopel, 2. Juni. (WTB.) Havasreutcr. Die nationalistifchenStreit-- k r ä f t e erzielten überall Vorteile über die Regierungstruppen. Einem Gerücht zufolge wird zwischen der Regierung und den Anhängern Kemals durch eine Mittelsperson verhandelt.
Konstan tinopel, 3. Juni. (WTB.) Die Nationalisten haben Butt und Adabazar besetzt und nähern ffch Jsmid und Ehemdek. Sie sind st bereits im Besitz der ganzen Küste südttch des Meerbusens von Jsmid. __
Amsterdam, 2 Juni. (WTB.) Die Tiwes meldet aus Konstantinopel. daß die türffsche Regierung mit Rücksicht auf die allgemeine Ein helft gefeit der öffentlichen Rdeinung l^zügttch des Fri-e- densvertrages beschlossen hat, den Feldzug gegen die Nationalisten nicht weiter fort-' zuse tzen. Es ist nicht betont, ob ein Abkommen ftesckFosscn wurde, jedenfalls ruhen aber beidersetts bte Waffen.
Die Bedingungen für Oesterreichs Entcntekredite.
Wien, 2. Juni. (WTB.) Im Finanzausschuß teilte Staatskanzler Renner die Note der Pariser Reparationskommission über die Oesterreich zu gewährende Kredithilfe mit. Danach wird die österreichische Negierung ermächtigt werden, gemäß den Instruktionen der Reparationskommission unter Kontrolle der österreichischen Sektion Schatzscheine zu emittieren, für die der gesamte Besitz und alle Einnahmequellen Oesterreich an erster Stelle haften werden. Diese Haftung wird allen Reparatwuöverpjlichtungen
vorausgehen. Ein Teil der Schatzscheine wird zur Konvertierung der der österreichischen Regierung seit dem 3. November 1918 gewährten alliierten und neutralen Kredithilfe den betreffenben Regierungen gegen Rückstellung aller Verpflichtungs- urkunden und aktiven Garantien übergeben werden. Den zweiten Teil der Sckiatzscbeine wird die österreichisck>e Regierung den verbündeten und neutralen Regierungen für die Kredite übermitteln, die gegenwärtig der österreichischen Regierung gewährt werden. Diese Kredite bestehen in Darlehen von 200 OCX) Tonnen Mehl durch die Vereinigten Staaten und in stiahrungsmittel- unb Rohstoff-Krediten, über die noch verhandelt wird. Solche Schatzscheine iverden auch mit Zustimmung der Reparationskommission für allfällige neue Kredite gegeben werden. Die Schatz- scheine werden am 1. Januar 1925 im Gelde des Gläubigerlandes zurückzahlbar und mit 6 Prozent verzinsbar fein. Die freigegebenen Aktien werden von der österreichischen Sektion kontrolliert werden. Wenn es die Reparationskommission verlangt, werden Monopole, Kunstgegenstände und der Besitz des ehemaligen Kaiser hau, es, über die die österreichische Regierung verfügt, ebenso wie die flüssig gemachten Aktiven der österreichischen Regierung von der österreichischen Sektton der Reparationskommission nach Maßgabe ihrer Verfügbarkeit kontrolliert und verwertet werden, um Oesterreich die Lieferung der notwendigen Lebensrnittel, Kohlen und Rdymateriattcn gemäß Artikel 181 o- s St. ©er meiner Vertrages zu sichern und dann die Reparationsverpslichtungen wahrnmebmen. Der „Staatsanzeiger" bemerkt hierzu: Wir rönnen nicht anders, als den attiierten Mächten dafür dankbar sein, daß sie uns eine solc^ Kredtthilfe gewähren und dem Wiederherstellungs- und Wiederau fbau- kcedit das Vorzugsrecht vor den Reparationskosten eiiu-äumen.
Ein Protest Bulgariens gegen die Besetzung Thraziens.
Amsterdam, 2. Juni. (Wolff.) Der Korrespondent der „Times" meldet aus Sofia, daß die bulgarische Regierung eine Note an die Entente gerichtet habe, in der sie gegen die Besetzung Th r a z i e n s durch griechische Truppen protestiere.
Gründung einer grünen Internationale.
Köln, 2. Juni. (WTB.) Wie der bayerische Bauernftchrer Dr. Heim hier in einer Versammlung der christtichen Volkspartei mitteilte, sind bei den sämtlichen vereinigten Bauernvereinen Deutschlands, Oesterreichs, Ungarns, Belgiens, Hollands, Schwedens, Norwegens Vorbereitungen zur Schaffung einer „grünen Internationale" für die gesamte Landwirtschaftswelt mit dem Sitz im H aagin die Wege geleitet. Am 6.x Juli findet in Passau eine Besprechung cer deutschen, österreichischen, ungarischen, bulgarischen und rumänischen Bauernführer in dieser Änge-q legenheit statt.---
püsichgerüchte.
Berlin, 2. Juni. (WB.) Das „Berl. blatt" veröffentlicht unter der Ueterschrift: „Ansammlung von reaktionären Putsch- truppen vor Berlin" Nachrichten, uad) denen in einigen Borurten Berlins dte befebl5ioti>nge Ansammlung von Truppen fest gestellt intb be- haupiet wird, daß in der Nähe von Erkner und der I-angschleuft, ferner in Fürstenwalde und Potsdam sL-deut'che Truppen, (e onberS auch solche bayerischer Kontirrgente, eingerüSt seien.
Amtlich wird feftgefteftt, daß alle diese Behauptungen in vollem Umfang unbegründet sind. Es befinden sich im ganzen Bmmkoerse .ron Berlin keinerlei Truppen, die nicht bcses.lsgemLß sich dort auszühalten haben. Wenn im beson- beten behauptet wird, daß der Bürgerm<i-ter von Fürstemv^ld: vergeblich dagegen protestierte, daß die Kranketchauser bte er Siadt geräumt würden, anscheinend imt mit Truppen belegt zu n-crden, so sei amtlich festgestellt, daß der Bürgermeister auf das entschiedenste erklärt hat, daß an dieser Be- Ixrupttmg auch nicht ein wahres Wort ist. Die um Berlin liegenden Truppen stehen geschlossen hinter ihren Zillwem, die erst vor wenigen Tagen mit Nachdruck erttarten, sich unter allen Umständen der verfassungsmäßigen Regiermig gegen fe?cir emxiigen Pitt'chvcruch zur Verfügung ju halten. Wenn schließlich behauptet wird, daß Prinz August Wilhelm in Potsdam die Führung der angeblichen pntschistisch/en Truppen übernommen hat, ton mite geteilt werden, daß Prinz August Willelm sich zur Zeit nicht in Potsdam aushalt, sich vrelmehr auf Reisen bcfMxt.
Hannover, 1. Juni. Auf Veranlassung der Regierungskommiffars Seinert in Hannover ist am Montag durch die Sicherheitspolttei ein deutsch- hannoversches Waffendepot in Hannover-Wülfel aufgehoben roorben. Der Laichwirt Nieschlag, Mckglied der Deutsch- hannoverschen Partei, batte im Aufttag der Hmi- noverschen Legion Gewehre und Munition versteckt gehalten. Die Polizei hat 197 Gewehre, 190 Seitengewehre und 10000 Schuß Munition auf- gesunden.
Berlin, 3. Juni. Verschiedene Wätter führen aus einer Versammlung der Unabhängigen in Trebbin, Kreis Tettow, an, D ä u m i g habe gesagt, daß es notwendig zum Kampfe aus der Straße kommen müsse, wenn die Wahlen, nicht nach Wunsch ausfielen. Das Proletariat müsse sich fein Recht mit Gewalt holen.
Berlin, 3. Ium. Aus Magdeburg wird dem „Vorwärts" gemeldet, daß in A tengrabow seitens eines Freikorps ein ^großer Holzstoß angezündet unb eine Menge Strohpuppen, u. a. auch eine solche, die Scheidemann durfte'tt . verbrannt wurden»


