Erstes Blatt
Montag, 5. Mai 1920
170. Jahrgang
betragt cm ixe *
an d e Neutralen nicht wahrend des Lfrieges |u&> pciibtert worden ist.
Um das Ausgleichs venrrhven toirtjam zu gestalten, ist burd) den Fri densvertrag von seinem Inkrafttreten ab jede Zählimg und Eiitgegen- ncchine e.ner Zahlung allen beteiligten oerboten, sofern er sich nicht dirch t-i s<^rmüflimg der Au^leichsämter ro'lzi li Tie e Bfimmung fr-ar notivaibifl, weil die le.eilrqtan Staaten für btc Zahlung der vollen SttniDcnLcträge selbst (Garantie übernommen haben Me den Stoa sangehörigen einer d.r vorgewrnnten Staaten geschuldeten Erträge werden zunächst dem ^lusg'esck/s-mt fernes Heanatsüaates von tx?m Ausgleiäsrmt des Gläubigerstaates b.lai'ei. Tie Zälilung an den Gläu- lnger erfolgt durch das AuSg'cidr-.amt seines Hetmatsloa es. Im Rahmen des Fr.edensoertt.ags sielst das Msgleiclrsamt eilten iveitgehenden Rechtsschutz für den Fall vor, daß ein Sclmldner die van einem fremd?.aatlichen Gläubiger angemelveten Ansprüche best-vitet. Können in einem solcl-en Falle sich die beteiligten Aemter und dre Parteien selber nicht gütlich oder im Wege eines Schiedsverfahrens verständigen, so ist in letzter Jnstairz der gemischte Schiedsgerichtshof zur Eittschribung berufen. Der Anmeldung unbegründeter Ansprüche ist dadurch nach Atöglichkeit vorgebeugt, das; von solchen Ansprüchen, die sich als unbegründet erweisen, ein Sttafzins von 5 Proz. erhoberr wirb, ebenso wie umgekehrt Sttafzms das unbegründete Bestteiten irirter Verbindlichkeit zu 'unterbinden sucht. Noch weitergehende Strafbestimmungen sind erlassen, um jbicn unmittelbaren Ausgleich der dem Clearingverfahren unterworfene Schuldner und Gläubiger %u verhindern. Vmi besondevenr Interesse ist für alle Beteiligten, daß das Reich durch weitgehende Zuschüsse dem zur Zahlung in einer fremden Währung Verpflichteten die Begleichung seiner Verbind- lid)keit erleichtert. Wer in deutscher Währung schuldet oder eine Forderung hat, zahlt und erhält vom deutschen Ausgleichsamt grmibsählich in deutscher Währung den Nennbetrag seiner Forderung bzw. zahlt den Nennbetrag seiner Schilden. Sclmldet hingegen ein Deutscher im Ausland einen Betrag in ausländischer Währung, so hat er ihn an das Ausgleichsamt zum Friedenskurs zu zahlen, während das Reich ihn dem fremden Ausgleichsamt zum Tageskurs absührt. Die Differenz trägt das Reidx Umgekehrt hingegen wird von dem deutschen ÄusgleidSamt der Anspruch, den der beutfdfr Gläubiger in ausländischer Währung hat, nicht in dieser, sondern in Reickswährimg unter Umrechnung der Währung ihres Nennbettages zum Tageskurse abgerechnet und ausgezahlt. Dies gilt auch, wenn die Forderung in deutscher und fremder Währung ausgedrückt war, und die Geltendmachung in fremder Währung dem Deutschen nützlicher ist.
Millcrand an die französischen Arbeiter-
Paris, 3. Mai. (WTB.t Millerand äußerte sich einem Vertreter der Agentur HavaS gegenüber, das siegreiche Frankreich müsse arbeiten, um zu erzeugen. Diejenigen, die von Verstaatlichung reden, sind unfähig, eine klare und praktische Formel aufzustellen. Die Regierung werde getreu ihren Versprechungen bei der Wiederaufnahme der Kammersitzungen einen Gesetzentwurf einbringen betreffend die Reorgani- sation der Eisenbahnnetze. Tie öffentliche Meit- nung stehe vollständig feindlich der Agitation gegenüber, wie sie durch den Aufruf zum Streik geschaffen wurde, der nur den einzigen Zweck verfolge, eine revolutionäre Bewegung vorzubereiten. Die Negierung vertraue auf den Patriotismus und den guten Willen der Arbeiter, um verbrecherische Anschläge zu vermeiden. Sie werde ihre Pflicht erfüllen, die Ordnung aufrecht erhalten und den Schutz der Arbeiter sichern.
Schwere Zusammenstötze mit Öen Polen in Gberschlesien.
Beuthen, 2. Mai. lWTB.) Heute f an Den in ganz Oberschleiien anläßlich des wlniichcn Nationalfeiertags große vo I ui sche Te - mo nstrationsumzüge mit ro'nn|d>?n r)ahnen und Abziehen statt. Auch Sallenoibatcn m Uniform nahmen in größer Anzahl an ben Umzügen teil. In Ratibor zogen einige Tarnend Dolen, fast durchweg vom Land, darunter auch SDallerioIbaten in Uni’ornt, mit polnischen Falnm und ^lbzeichen durch die Sttasxn xie deutsche Bevölkerung ist durch das provozierende Verhalten auis tiefste verletzt und ver engte die Entfernung der polnischen Hoh.'stsabzerchm, gestützt auf die Verordnung der interal.i arten Kommission in Oppeln, die das Tragen von Hoheitsabzeid. n der beiden beteiligten Staaten in Ob rschlei'v.n verbietet. Die Polen widersetzten sich diesem Ver
Uebertritt demokratischer Zührer zur deutschen volkrpartei.
Eine Anzahl führender demokratischer fBerföit> lidtf eiten der Reichs Hauptstadt hat ihren Beitritt zur Deutschen Volkspartei vollzogen. In Verbindung damit steht folgender Briefwechsel:
„An den Vorstand der Deutschen Volkspartei. Im Austtage einer liberalen Gruppe der Deitt- fd>cn Demokratischen Partei beehren wir uns, mit der Bitte um Rückäußerung folgendes zu über- Mitteln: Wir fühlen uns in unserem Gewissen ver- pflichot, aus dec Temokralisdxn Partei auszu- sdreiden. Tie Erwartung, daß die Partei sich als Bahnbred-erin einer stetigen freiheitliche Entwicklung, als Schutzwall der Ordnung und Staatsautorität erweisen iverdc, hat sich nicht erfüllt. Tie Haltung der parlamentarischen Bertre- tung der Partei bei bedemsamcn Gesetzes Vorlagen bat in weiten Parteikreisen Unmut und Mißstimmung hervorgerufen. Die Partei 'bat Klarheit in den Zielen, Festigkeit in der Haltung und Entschio- dcnhcil in der Wahrung von LebensintcrZscn des enverbstätiaen Bürgertums nur zu oft vermissen lassen. Tie Zustimmung der Partei zur Ausrufung des Generalstreiks bat die schwersten grundsätzlichsten Bedenken gcivedt. Die Annenduug des Generalstreiks im politischen Kampfe führt letzten Endes zur Vernid>tung des Staats- und Kulturlebens. Nachdem der Parteiausschuß einstimmig die allgemeine Arbeitseinstellung gebilligt hat, sehen itär uns zum Austritt auS bet demokratischen Partei genötigt.
Wir ,-rwägen ein Z u sa mmeng ehen mit der deutschen Volkspartei. Im Wahtaufrus bezeid)- nct sich die deutsch Volkspartei als eine liberale Bürger- und Arbeiterpartei, die die Versöhnung f>cr Stäube, den Wiederaufbau des Staats- und Wirtschaftslebens und die Zusammenfassung aller ausbauenden .strafte ersttebl. Diesen Zielen wollen auch wir dienen. Wir wollen den Wiederaufbau auf dem Boden der in Weimar beschlossenen Verfassung und setzen voraus, daß die deutsche Volkspartei bereit ist, jeglichen Versuch, die Verfassung gewaltsam zu ändern, mit Entschlossenheit abzuwehren."
Ter Brief beschäftigt sich dann mit weiteren Zielen der unterzeichneten Schreiber. Dann heißt es koeitcr: „Wir halten ein freudiges Bekenntnis zum nationalen Gedanken für geboten. Ohne ein starkes, alle Volksschichten burd'bringenbeä Bewußtsein nationaler Zusammengehörigkeit ist eine Selbstregierung des Volkes nicht durchführbar. Die Erhaltung der Neichsein- hei t ist oberstes Gebot. Unter Abiveisung nationalistischer und chauvinistischer Tendenzen wollen wir mitarbeiten an der nationalen Wiederaufrich- lung unseres Volkes. Was jetzt not tut, ist die Schaffung einer großen, von freiheitlichen Ideen beseiten, vorn starken ■nationalen Empfinden durch- Blühten liberalen Partei, die alle auf dem Boden der Verfassung stehenden zur Mitarbeit am Wiederaufbau btereiten Volkskräfte zusammenfaßt zu rastloser opferfreudiger Arbeit, abhold unfruchtbarem Parleig.zänk, im Geiste sozialer Versöhnung aber zugleich erfüllt mit dem uner- schütterlichcm Willen, die Rechte und Lebensmög-
4. die n ährend dös Krieges sällig.n, an die An e- wrigen einer ter värtrag'chlietze..den Märt- zahl- varen stapilalbettä.ch, bie den Gegenwert d?r von ^ner gcgnmfd'cn Madst ausgegebenen W.ne bar ’reBeii, roxrn bie Zahlung eiws solchen KapiZ'.- vetrages an bie Angehörigen dieser Macht oder
langen, und cs kam zu heftige» blutigen' Z u sa m in e n sl ö ßcn. "üluf beiden Seiten gab cs eine große Anzahl Toter lytb Verletz'.er. Tie Polen verunstalteten vor dem Sitz der Kommission eine .thrnbgebintg, die damit endete, daß die Polen die verboteueriveise geführten Fahnen und Abzeichen ablicfern mußten. Die Bevölkerung Rattbors, insbesondere . audi die Arbeiterschaft, fühlt fid> durch das anmaßende Verhalten der Polen schwr bedroht. In b.T Stadl lwrrscht außerordentliche Ei regung. In Oppeln, wo bie Polen ebenfalls enten Umzug geplant hatten, besetzte die Bevölkerung die Zugangsstraßen zur Stadt, um diesen Umzug zu verhindern. Als die Polen am Nachmittag an* rückten, tarn es am Laubgerichtsgebäud.' zu Hefti" gen Zusammenstößen Die Polen wurden in bie Fluclst geschlagen. Bis jetzt wurden ein Toter und yihlrcitbe Verwundete gemeldet. Mehrere Ve» Haftungen wurden vorgenommen.
2lu* Sem Reiche.
Ein Zommunalisierungsqesetz.
Berlin, 30. April. (WTB.) Dem Reichs- rat wurde der Entwurf eines Gesetzes über die Kommunalisierung von Wirtschafts betrieben nebst einer Begründung vom Reichsministerium des Innern wrgeltxjt.
Eine Christliche Volkspartei im Rheinland.
Berlin, 3. Mai. Eine Christliche Volkspartei im Rheinland ist, wie der „Berl. Lokalanz." meldet, nach dem Muster der Bayerischen Volkspartei gegründet worden. Provisorischer Vorsitzender ist der Wlner Hochschulprosessor Dr. Teermann.
Die Maifeiern.
Berlin, 3. Mai. Die Maifeiern sind überall im Reiche ohne besondere Zwi- schensälle verlaufen.
Eisenbahn-Plünderungen. ,
Breslau, 1. Mai. (WB.) Der lieber* wachungsabteilung bei der hiesigen Eisen- bahndircktion gelang es im Verein mit der Ortspolizeibehörde in Reukirch bei Breslau Diebstähle größeren Umfangs aufzudecken. ES handelt sich um band en- mäßige Plunderungen der zwischen Spi) chb orn uitb Ncnkirch fahrend e n Z ü g e. Bisher sind drei Eisenbahn ■ bedienstete verhaftet An den Plünderungen sind außerdem beteiligt bzw. durch Hehlerei mitschuldig ein Schrankenwärter und sechs Privatpersonen.
Nr. 103
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Vie Tätigkeit des Reichsausaleichsamts. Tas Reichsausgleichsamt, Zweigstelle Frankfurt a M., schreibt uns:
In diesen Tagen tritt ein Amt in Funktion, das sich mit bet Ausfüllung einer ber schsviengst en und zu vielen Zwiieln Anlaß gebenden Materie d S FriedenSvertrogs zu beschäftigen hat. Es handelt sich Mbei um ein Gebiet, das tn besonders starkem Matze bie Jntercs en von Privatpersonen und inlänbffckm Erwerbsge'ellsdiasten berührt. Nad) den 3Miimmungen des Fried, ns- Vertrags stand es b?n alliierten und assoziierten feinblidwn Mächten frei, sich binnen einem Monat nad) Ratifikation des Fr'edensvertrags darüber sck.lüssig zu werden, ob sic ihren Staatsangehörigen de Regelung nxd)fe.,f’itiger An'vrüde und Br- binblid.feiten mit deut'chen Staatsangehörigen e bst überlassen vdr be Vornahme bie'e? Ausgleichs b;ird) amtlidie Sieben der beiCLtgten Staaten vorziehen. Tcutschl ich selbst hat auf bie'e Entsdici- bung der feindlichen Staaten uad> dem Friedens- dertrag feinen Einfluß gehabt. Es haben nun* rnchr
1. Gwßbrstannien einschließlich Australien, Neuseeland, Neufundland, Indien sowie einschließ- lid) aller Dominions, Kolonien und Protektorate, außer Südafrika und Aegypten,
. 2. Fran kreid) für sich und seine Kolonien und Ohytcfturatc,
3. Belgien einschließlich! des Kongostaates,
4. Italien,
5. Siam
erklärt, daß sie den Ausgleich burd) Clearing- Aemter vorzunehmen wünschen. Für den Ausgleich mit diesen Ländern hat deshalb Teutschland die entsprechenden amtlichen Stellen errichten müssen für deren Tätigkeitsgebiet und Verfahren ein besonderes RcichsanSgleichsgesetz eingehende Bestimmungen teils materieller, teils formeller Natur gibt. Di« Zentrale unter dem Namen ReichSauS- glcichsamt ist in Berlin errichtet, außerdem find an 15 wichtigen Stellen des Reichs Zweigstellen vorgesehen, welchen ein bestimmter Bezirk zur Bearbeitung zugewiesen ist. Diese von dem Neichs- miniftfrium für Wiederaufbau im Einvernehmew mit der Landesregierung geschaffenen Zweigstellen treten nicht in unmittelbaren Geschäftsverkehr mit den Äusgleichsämtern der bisher fcind- licyen Staaien, vcelmelw muß gemäß den Bestimmungen des Friedensverttages die Abrechmmg mit den Ausgleichsämteni des Lkuslandes der Zentral- steUe überlatzen bleiben. Auch in Frankfurt a. M. ist eine Zweigstelle eingerichtet. Sie wird, fobald genügend Räume zur Verfügung stehen, und die ben AnmeldungSpflichtigcn zu überlassenden Formulare emgerroffen sind, durch die Presse zweckdienliche Mitteilungen über den Geschäftskreis und ihre einzelnen Befugnisse nm dien. Was Die örtliche Zuständigkeit an Unit, so ist das Ausgleichsamt Frankfurt für die breupifdx Provinz HcfscivNassau außer den vor dem 6. April 1920 besetzten Teilen, ferner die Kreise Sd;malkalden imb Rinteln sowie D<tz- lar, außerdem das elvmalige Großherzogtum Hessen mit Ausnahme des vor dem 6. April 1920 besetzten Gebietes' und Waldeck-Arolsen bestimmt. Diese örtliche Abgrenzung ist wegen der Anmeldim- ften von Forderungen Deutscher an Staatsange- (rörige der dem Clearing-Berfahren beigetretenen Auslaudsstaaten wesentlich. Deutsd>e haben alle unter Art. 296 Nr. 1—4 und Art. 72 des Fricdens- vcrlrags sallenden <yorbcnnigen an Ausländer, so weit sic wie vorstehend gesagt, buidt Vermittlung der AusgleidMmter zu regeln sind, bei dem Ausgleich samt an zu melden. Dem Reid)Sministcr, für Wicberaufvaii steht die Beftignis zu. die Verpslich-- tung zur Anmeldung and) auf die Schulden Tonischer im gleichen Rahmen auSzubehncn. Tie Anmeldung bat bei demjenigen Amt zu erfolgen, in idosen Bezirk der Anmeldepflichtige ferne gcn>erb- Iii\c Niederlassung, in Ermangelung einer selchen iciivn Wohnsitz, tu Ermangelung eines )old?cn feilten Aufenthalt hat. Ist zur Zeit der Anmelduw) weder Wohnsitz noch geroerblidie Nieberlaffung noch Aufenthalt innerhalb Teutfcklanbs gegeben, io ist das Rcichsausgleichsamt in Berlin zuständig. Bet juriftifdim Personen und Ettverbsgefellfchaficit ent* scheibet der Sitz der Firma. Filialen, die bereits vor dem Jttica selbstLndige AuslandSgesd)äfte gemacht haben, sind bered)tigl, bei der für sie zuständigen Zweigstelle aitzumeld.m. lieber die Anmeldungen n*erben itod) nähere Bekanntmachungen ergefen müssen. 9iad) ben Bestimmungen des FriedeiiSverttages sind anmelbepslidstig:
1. bie vor dem Krieg fällig gewordeneit Ansprüche an einen Staatsangehörigen der hier ,n ^etradit kommenden Staaten, der int Hoheitsgebiet dieses Staates wohnt. In Frankreich an- fäffiqc Belgier sind lote Franzosen, in Bi". t:n an fällige Franzosen für das Ansgleichsvec a'oren tote Belgier zu behandeln,
2. während des Krieges fällig gewordene Ansprüche an einen Staatsangehörigen der beteiligten Mächte ans Geschäften ober Verträgen, b.frcn Ausführung ganz ober teilweise infolge der .Kriegserklärung ausgesetzt worden ist, z. B. der Kaufpreis auS einer Lieferung an einen in England wohnenden Engländer, die am 15. Huli 1911 bewirkt nnrrbe und vereinbarungsgemäß am 15. Oktober bezahlt werden follte, _ ... .
3. die vor ober während des Krieges fällig gewordenen Ansprüche au5 Zinsen von Ltaats- vapiercn, es sei destn, daß der betreffende Staat ! die Auszahlung audf an seine eigenen Angehörigen »der an Neutrale während des Krieges cmS- geletzt Imt, /
Zur bevorstehenden Konferenz in $pao.
Zur bevorstehenden Zusammenkunft in Sp a a sd>reibt ein Diplomat in der „D euts che n Allgemeinen Zeitun g u. a.: Wenn bie Konferenz der Hauptsache, nämlich der Frage nad) dem Umfang der von Deutschland zu leistenden Entschädigung, aus dem Wege gehen sollte, so wäre die Konferenz wertlos, selbst irenn sich im Lause der Unterhaltung heiaus- stellen sollte, daß die von den verschiedensten Seiten genannten Summen Phantasie sind und die deutsche Zahlmigssähigkett zimädist eine Hoffnung auf die Zukunft ist. Selbst nxitn diese Erkenntnis in ge- fäf)rlid)cr Weise ernüddemb wirken sollte, ist bie ses Ergebnis notnxmbi.i unb erwünscht. Einmal muß man )id) vor allem in Frankreich baruber klar iverben, was denn der Sieg über Deutsdstand eiu- gebracht habe, und wie sein Crttägnis zu realisieren sei. Man muß dort sehen, daß der Sieg fei'. 4? diente bringt, die man nach Belieben her ab- unb heraussetzen kann, sondern der Sieg ledi.lich bas Redst unb bie MöglidKeit bietet, unter günstiger Bevorvechtung mit ben Besiegten zusammen zu arbeiten.
Lloyd Georges neueste Nede.
Amstcrbam, 1. Mai. (Wolff.) Reuter zufolge sagte L l o y b G e o r g c in seiner Rebe noch: Die Alliierten müssen sich unbedingte Klarheit über die Lage in Deutsd^and verschafsen. Wir müssen dafür sorgen, daß Geschütze und Flugzeuge entsprechend dem Frickiensvei ttagc a u s g e I i e - liefert werden. Wir können nicht zulassen, baß diese furditbaren Waffen in Teutschland liegen bleiben. Mit den Gewehren ist bie Sache sdvvieriger, aber sie sinb nicht so gefähckich wie bie Waffen ber Invasion. Bei ben Aussühmngen über bie Verteilung der Mandate im jDrient erwähnte Lloyd George noch, daß Mesopotamien ein» schließlich Mo ssul England zugewie- s e n ist und baß mit Frankreich ein Abkommen über bie Verteilung bes in Mossul gewonnenen Ocles abgescsilosien ist. .
A m st e r d a m, 2. Mai. (WTA ) Nach englischen Blättern ist aus berRedeLlovdGcor- ges über San Remo nadizutragen, daß Mille-- rand's und seiner Mitarbeiter Erklärung, daß die große Mehrtest des französischen Valles genau Nne das cnglii'die Volk eine Politik der Annexion ablehne, in das der bcuti'den Regierung über'anbtc Dokument eingesügt worben fei. lieber die Zusammenkunft in Spaa sagte Lloyd George: Bisher sstid die Erörterungen über die 2lus- fübrung des FricHensvertrages durch einen dlotenwedpel und von einer großen Anzahl von Monunifiionen unb Kommissionären ge- hibrt worden, die — gleich den Jungfrauen un Gleichnis — teils klug, teils töricht sind, da sie radu immer Sick-erhei: dMr bietm, daß :ie Vertändlungen in liebercinfiimmuag mit der rom Oberscen Rat besdstoffenen Politik geführt loerbeit. Test alb haben wir es für notwendig gei.allen, daß die leitenden Staatsmänner der Mirrten unb Teutfdilands sich persönlich treten, um die Lage llarzustellen. Zur Lage in Deutsd)lond wiederholte
er: Nack den Berichten englischer Offiziere berrid)! in Teutsdiland Hungersnot. In mnndien Lande:- teilen erhalle die Bevölkerung nur ein Drittel der zur Erhaltung des Lebens nonvenbcgen .Kalorien. Tie SSefrölTcaurg lebe ausfdüießlid) von Pflanzen- flol't und nod) dazu von solcher ohne Mchrwert. Hier liege bie HaupffduvierigÜest bei beutfdKii Regierung lieber ben j-app-Puffd) sagte er: Englische Offiziere haben mir and) die Einmarsd>- ttuppen in Berlin gefd)ilbert. Es itxtreu nur etwa 3000 bis 4000 Mann Sie enoarteten, daß man ihnen als Befreiern zuful>eln werde. 91ad) ganz kurzer Zeit sind diese bedauernswerten Vieiffdxm inne geiwröen, daß Teutschland nichts mehr inst dem Militarismus zu tun (xiben wolle, und daß die gesamte Bevölkerung, nicht nur die ?lrbester, sondern auch ber Mittelstand intb viele Angehörige des allen Adels, gegen sie seien. Tie Wiedergutmachung, sagte Lkiyd George, werde möglich, sobald Tcuttsdiland nicht mehr hungere. Es I>abc eine BdvöGerung von 60 bis 70 Millionen rntcllv» genfer und sehr gcschickler Menschen, darunter geübte $>anbhöerter und Leute, die alle Stfmftt ber Werterzeugung beherrschen. Deuffd>lMid werde sid) erholen. Jetzt wolle man von Deutschland wissen, wie es seine Verpfliditungen erfüllen wolle. Wir hatten, sagte er, am 28. Juni 1919 vorgeschlagen, Teutsdiland solle den Sd^dcn selbst abschätzen unb den Betrag der Wiedergutmachung Vorschlägen. Unsere Besdvverde ist, daß Deutschland feinen Schritt dazu getan hat. Es hat auch ttotz unseres Vorschlages niemanden nadi ben vawüsteten Gebieten gesandt, um den Schaden selbst zu berechnen. Ich möchte recht tl<rr zum Ausdruck bringen, daß di e deutschen Delegierten mit einem bestimmtenVorschlagenachSpaatom- men müssen. Wenn sie Boni men als Leute, die auf der Grundlage des Fricäiensverttages gesdiäft- lid) verhandeln wollen, so dürfen sie sicher sein, daß alle ihre BorMäge eine ehrliche, unparlciisdie unb gerechte Erwägung finden ipercEii.
Sonderbare FriedcnSstimmen auü Amerika.
Paris, 1. Mai. (Wolff.) Nach einer Wa- shrngboner Havasmeldung brachte die Se- natskominission für Auswärtiges im Senat einen Gesetzentwurf ein, der die Beendigung des Kriegszustandes zwischen den Vereinigten Staaten einerseits und D e u t s ch l a n d u n d O e st e r- reich andererseits vorsieht. Dieser Entschließung haben die republikanischen Senatoren der Kommission zugestimmt, die Denio- kraten erklärten sich dagegen. In der Kommission für Auswärtiges für das Repräsentantenhaus ist eine gleichartige Entschließung in Vorbereitung, die aber Teutschland ausschließt. Der Beschluß der Kommission des Senats unterdrückt die Bestimmung, daß Deutschland binnen 18 Stunden a 11 e Bedingungen annehmen m u ß, und ferner die Strafe für Verletzungen des Friedensvertrages. In der Entschließung des Repräsentantenhauses sind diese beiden Punkte dabei beibehalten.
Tie Brüsseler .Konferenz verschoben.
Paris, 30. April. (WTB.) Wie die Abcnb- blättcr mittcilen, wird die internationale Finanzkonferenz, die vorn Völkerbund für Ende Mai nad) Brüssel cinberufen werben sollte, infolge ber Zusammenkunft in Spaa verschoben werben.
JK’JklJF’ EK) Afr zftt. ysj/’ a. Annahme von Anzeigen
WI W für bie lagesnummer bis
GietzenerAnzelger
V\ j ■ Vorschrift 20°. Aufschlag.
f)auptfd)riftküei VI uq
General-Anzeiger für Gberheffen MH
Druck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Sleindruckerei R. Lange. Zchriflleilung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulftrahe 7. ssmüich in Gießen.


