Ur. 28
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170. Jahrgang
Dienstag, 5. Februar 1920
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
Swillmgrrundbnick u. Verlag: Vrühl'fche Unio.-Vuch- u. Zteindruckerei R.Lange. Schriftleitung, Sefchäftrftelle u. Druckerei: Schulftr. 7.
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Lin neuer Kurs in der preußischen Agrarpolitik?
Der Preußische Landwirtschaftsminister Braun machte am 27. Januar in der Preußischen Landesversanimlung Ausführungen, die die lebhafte Zustimmung aller Parteien fanden. „Wir kommen nur Mieder hoch durch das, Mas mir aus eigener Kraft dem eigenen Boden abgewinnen." Dieser Satz bestimmte den Grundton feiner Darlegungen. Die staatliche Agrarpolitik wird nur dann im wohlverstandenen Interesse der Verbraucher geleitet, Menn sie alles tut, um die landwirtschaftliF-e Erzeugung zu heben. Alle Veroronungen bringen uns nicht darüber hinweg, daß die Lebensmittel- knapphcit anhält und noch größer wird; langsam kommen mir an den Punkt, wo Mir im Auslände nichts mehr kaufen können, und bann sind wir ganz auf die Jnlandserzeug- niffe angewiesen. Arbeitskräfte, Düngemittel, Kraftfutter wer^n mit jedem Wirtschaftsjahr weniger. Die Htv a n g s mir t f cha f t, die uns zwar das Durchkommen bis zum heutigen Tage ermöglichte, hat — so sagte der Minister — doch bis xu einem gewissen Grade schon während des Krieges und bis in un- ।ere Tage hinein prod uktionshem- menb gewirkt. Die amtlichen Preise für landwirtscliaftliche Erzeugnisse ermöglichen es dem Landwirt heute nicht mehr, auf seine Rechnung zu kommen. Man kann dem Landwirt nicht zumuten, seine Erzeugnisse für l>/t des Friedenspreises zu liefern, während die notwendigen Anschaffungen die 5- bis tOfachen Preise erfordern.
Der Landwirt muß noch vor der Früh- ■ iahrsbestellung Klarhett darüber haben, un- itc welchen Voraussetzungen er später seine Produkte an den Markt bringen kann. Nur lOemr jetzt die Möglichkeit geschaffen wird, echtzertig Dispositionen zu treffen, kann ein Zinken der landwirtschaftlichen Produktion M Dtrmieben werden.
Der Minister wandte sich auch gegen die kritik, die die Berliner Stadtverordneten- -xrsammlung an die Ernährungspolitik der Regierung getrieben hatte. Besonders ber» «dient die Losung bervorgehoben zu werden, hie er gegenüber dem „unabhängigen" Ruf Hncch Sozialisierung der Landwirtschaft aus- flob: „Jetzt gilt es nicht zu sozialisier ■ rj n , sondern zu pro du zieren !" Zum Schluß wies der Minister darauf hin, daß iirir mehr Arbeiter auf das Land schaffen müßten, toeim wir eine Vermehrung der Le- bensmittelerzeugung erreichen wollen. Es ist V zu wünschen, daß mir diesem Ziele näher kom- nten. Gegenwärtig werden leider noch viele hunderttausende von Arbeitslosen durch die n.«s öffentlichen Mitteln gewährten Unter- iciützungen künstlich in den Städten festgehal- teit, während sie nach volkswirtschaftlichen i^ttvägungen so schnell wie möglich nach den Stätten der Produktion — also aufs Land — verpflanzt werden sollten.
Sie Forderungen der deutschen Landwirtschaft.
Berlin, 3. Febr. (WB.) Der Reichs« amsschuß der deutschen Landwrrt- ' 1 .bat in seinen Verhandlungen mit dem
rnchSlmrvchastsministcrium dre Aufhebung ber ■E^T’rS*?t,idxitt von Kartoffeln, Zucker, Fleisch USD BA gesordert. Die Nachricht, daß er mit 8°Ptrun9 durchgedrungen sri. oder toe» n ignens die entscherdend.n S eilen schwrnk nd y» imadjt habe, nct angeblich in bat städtischen ft'r.’i« fen groste Besorgnis hervor. Nach d,m d'm „V o r- itM r t & zugegangenen Informa ionen bestätigt SÄ nicht Jnsbekimdrre fei
& foIfa», dast der Rnchsoat zu der Frage ber Aus- Dejung ter Zwangswirtscha t Ctellung genommen oc’je. Der „Vorwärts" erwartet, daß das R- ichs- iNrtschaftsmii.isterium und alle anderen Stellm >«llauf daraus bedacht sein werden, ben Ford-run- M aus Aufhebung der ZwangSwirtschrit nicht nech^geben.
Wie eine sozialdemokratische Korrespondenz er« Ürt, hat sich die Lage der Getreid-Versorgung tiu der letzten Zeit nrcht gebelfert. Die Soff* nunfl aus eine größere Müfferung infolge der Kärnten hat sich nicht erfüllt. Die un genü- ;ende Bel ieferung der Landwirtschaft Nit Kohlen sei im wesentlichen mit Schuld ni der lang amen 9Ib,ieenmg. Trotzdem euer-
Maßnahmen ergriffen morden seien, um s« Landwirtschaft besser zu beliefern, sei ein: ■rriibterung noch rücht zu verspüren. Jnsolge-- ^en wird eine Herabsetzung der Melstration von ^8 <) Gramm auf 200 Gramm vorüber gelind un» sein. — Vom 9. Februar an soll die Mrtvotwn, tote verschiedene Blätter erfahren ba» ’®, auch vermindert werden.
Beratungen 6es Reid)sfabtnHt$ und der »rtnfi. Kabinetts über den Einheitsstaat.
Bert in, 2. Febr. (WTB.) In einer g e - netnf a men Sitzung des Reichs- rab tne tts und des preußischen Ka bisiet t s wurde über den in der preußischen Landes- tenammlung eingebrachten Antrag wegen derbeiführung des Einheitsstaates
beraten. — Es herrschte Einigkeit darüber, daß die Reichsverfassung eine ausrrich.mx Grundlage dafür gewähre, die eiirheitlid>en Grundl.rgen des Reichs zu erh-a ten und auszubauen Die Besorgnis, namentlich bei den süddeutsrlien Staaten, als ol das Reich beabsichtige, gegen ihren Willen ihre politischen Rechte zu schmälern, wurde da!)er aller i'eits als unbegründet erklärt. Es wurde auch anerkannt, daß bei der notwendigen Dezent r a l i sa t i o n , die in einem Reiche von der Größe Deutsch ünbs, ungeachtet seiner staats- rechtliä-en Konstruktion, immer erordectich sein werde und die nach mancher Richtung vielleicht sogar eine Erweiterung ertragen könne, keine Veranlassung voriiege, die Gebilde der süddeutschen Staaten umzuformen. — Andererseits wurden die Schwi.-rigkeiten, den preußischem Staat in ein dezentra isiertes Reich einzugliedern, nicht verkannt. Aber auch liier versprach man sich Abhilsd nicht in dem unhistorischen Gedanken einer Zerschlagung Preußens, sondern ging davon aus, daß die Entwicklung organisch zu gehen habe, wie denn die Bedeutung des Reiches mit seinen vergrößerten Zuständigkeiten getoadtfep ist und weiter wachsen wird. Tat- üb-rr, daß auf dem Wege der Dezentralisation Preußens weiter gegangen werden muß, mar man sich einig. Man verkannte iveiter nicht, daß sich aus der gemeinfamen Verantwortung, die das Reich und Preu^m für manche großen politischen Ausgaben tränen, Schwierigkeiten ergeben könnten, wie das auch unter der alten Reichs Verfassung immer wieder der Fall war. Es soll deshalb geprüft werden, wie man dieser Schwierigkeiten durch eine engere Fühlungnahme Herr werden kann. Zur weiteren Klärung dieser Fragen wurde ein Unterausschuß aus drei Nridssministern und drei preußischen Ministern gebildet.
Die „gefährdete" Neich-einheit.
Born Gau Niederhriscn des Hessischen Bokks- bundes wird uns geschrieben:
Bei der Eröffnung dis Kvmmunallandtoges für Hessen am 3. Dezember 1919 Tjkrt es bet preußische l£bertrrä|ibcnt für Dessen und fJiaifau, Herr Tr. Schwandet, für nötig erachtet, auf eine „Vvlkliche Zersplitterung^" als die größte Gefahr für Deutschland hinzuwci'en. Einer -offenen Stellungnahme sich zu entziehen, hat er auf „manch wühlende Strömung" gedeutet, welche das äußerste Unglück zur Folge haben könnte, nämlich das Zusammenfallen des Reiches, mit toelchem unklaren Begriff er augenscheinlich die Zerstörung der Reichseinhit zu bezeichnen versucht lut. Ter Hessische Bolks- bintb sah sich damals nicht veranlaßt, mit solchem rchetvrisckieu Mystizismus in der LeffcnUichkeü sich abzngeben: cs gab wichtigeres zu tun, als auf Stöße aus dem Dunkeln zu reagieren.
Nun aber hat eine Aeußerung, bi? gelegentlich der Einführung des Oberbücgermeifters Scheidemann am 19. Januar 1920 im Kasseler Rathaus Vvn feiten des pveuhischen Regietungspräsidenten für den Bezirk Kafiel, des $>erm Sprtngvrum, gefallen ist, deutlich gezeigt, woher und wohin der Wind weht; sic besagte nämltch, daß gerade in Kassel der Widerstrmd gegen alle Löslösungsbe- stvebung-en Vvn Preußen die deutsche Bareriands- liebe der Stadt bezeugen müsse. Diesem Musterbeispiel Berliner Verdrehungskunst gegenüber kann der hessische Vrlksbund, obgleich gewohnt, preußi- scherseits vor dem Publikum in niedrigster Weise verleumdet zu werden, nicht febtorigen, denn hier wird ihm, im logischen Verfolg der Andeutungen des Herrn Schwandet, oben jener Bvrwu's gemacht, der das einzige, erbärmliche Kompfesmittel der preußischen Regierung wider die Selbstündigkrits- beftrebimgen in den nicht preußischen Gebieten des ehemaligen Königreiches Preußen barfteflt: daß es gegen das Wo bl des deutschen Vaterlandes verstoße, derartige Stile zu verßstgen.
Es verchült sich gerade umgefrbrt. Ohne auf die Vergangenheit zurüdgreisen zu wollen, ist zu sagen, daß das tvvdl des b.mtschen Vaterlandes gi*rabc von der Erreichung dieser. Ziele abhangt. Denn dos Wohl des dcu'schen Vaterlaiches besbeht nach der Meinung des Hel fischen BokTsrnnches nicht im preußischen Fmpnual smus, im republilvni schcn so wenig, wi: ehemals im hohen zollerischen, sondern darin, daß alle deutschen Stämme aus der Grundlage gl icher Rechte und Pflichten zu einem unauflöslichen Derbwide vereinigt werden, weiche feste Einheit aber nur möglich ist, wenn triefen deutschen Stämmen die Tcohvcnbigc innere Freiheü zur Entfaltung ihrer eigentümlichen Kräfte gewährt wird.
Noch vor kurzem ist in bet Preußischen Landes- Versammlung am 13. Tez.-mber 1920 ton einem Desürwotter des Einh-i sstaates betont worden, das; die deutsche Reichseinh-it solange verhindert bleiben werbe, als Preußen in seiner jetzigen Form besteht — einer Form, so muß hinzuge^gt werben, beroi Zustand--kommen 'einerzrit nur durch Rechtsund Friede, sö.üst' perfidester Art und durch Vergießen bcutidxn Bruderblutes mög.ich geworden ist. Der Desjische Volks blind aber erstrebt auf den Wegen des Reckes und der Billigkeit eine Gesundung des beutidjen Vaterlandes, einen Neubau des Reich's, der — wie es in der Denkschrift Kurfürst Friedrich Wilhelms I. heißt, — auf Gerechtigkeit imb wahre Eintracht gegründet, die zerstreuten Glieder wieder vereint —, ein feit geschlossenes Bollwerk gegen auft-n, eine lichere Bürgschaft gegen ümere Vergewaltigung Tas ist in der Tat ein Ziel, das durch Verdächtigungen welcher Art auch immer nicht beschmutzt werden kann.
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Die Besetzung deutscher poften im Airslande.
Berlin, 2. Febr. (Wolfs.) Zu der Meldung, daß die italienische Rsgienmg der Wahl des bisherigen deutschen Gesandten in Stockholm Lucius zum Vertreter des Deutschen Reiches in Rom
nicht gu ftimmc, schreibt die „Deutsche Allg. Zeitung": Die Meldung ist materiell richtig, bu italienische Regierung ließ tatsächlich in Berlin mitteilen, daß ihr Lucius wertig angenehm wäre luläßlich dieses neuen Falles kommen einig c lat ter auf de Absa ge Spaniens zurück unc greifen wiederum dus Auswärtige Amt an, weck es die Agrements für die neuen Vertreter nick/ twrher einholte. Diese Borwürfe sind unbegrün et, denn für einen Geschäftsträger wird na di ■iblomatifdxm Brauch kein Agrement eingeholt Tic Nvtiveirdigkeit besteht nur für die drei obersten Klassen der Diplomaten, Botschafter, Gesandte unb Ministcroesidenten. Der Gesck-äftsträger ist ledig lich bei den fremden Ministerien beglaubigt, nicht über bei den Staatsoberhäuptern.
Die Räumung im Osten.
Berlin, 2. Febr. (WTB.) Tas Abtretungsgebiet von West Preußen ist gestern geräumt ivorben. Tas Abtretungsgebiet ist bis dicht nördlich von Berent von den Pcsten besetzt. Jrn Ab- Üimrnungsgebiet von Westpreußen wurde die Zone mit Teuljch-Ei)lau am 31. Jarruar auf gegeben.
In Oberschlesien ist seit dem 31. Jan. die Zone Pleß-Nicolai und seit dem 1. Februar ine Sone Königslü te—Kattowitz von der Entente besetzt. Tie genannte Zone wurde um 10 Uhr vormittags geräumt und um 10 Uhr vormittags trafen die Entente truppen ein. Tie Zone Beutlen —Tarnowitz—Gcvrgenburg wurde lxute morgen 7 Ul/T geräumt. In Wetz befindet lich der Stab der sranzösi cl-eu 46. Jnftviteue Divi ion. Dre V r- li ri'irng nach Ostpreußen ist seit heute vormittag volljiäirdig unterbrod/en.
Ter Abrug der d-urtfchen Truppen in den zu räumen.cn Ee kielt West pre ußens ist üb'r- all, tvie der „Berl^Lotzcka.uz." mriikt, mit einer Erklärung des treuen Gelöbnisses verdeutschen Einwohnerschaft verlanden gewesen. In der al.en Ordensstadt sJJtariiunirg fielen die Worte: Unsere Waffe belicht jetzt im fefbm Sufaw- merth?! en! In der kommenden Vot ISabsriminu»g wird die Bevölkerung einmütig bezeugen, daß sie deutsch ist und deutsch blriben wird. In der N v r d- m a r k ist die Öallung der Besatzungstrup- p e n, laut „Berl. ÜoKalanz ", nichts weniger als rinwandfrri.
Die pariser Boischasterkonserenz gegen eine Dynastie Habsburg in Ungarn.
Paris, 2. Febr (WTB.) 5>was. Tie B o t- scha ster kon ferenz nahm in ihrer Sitzung am 9J?ontag twrntiltag folgende Resolution an, die der ungarischen Regieruni, soivie den Regierungen ber Tschocho-isliowitkei, von Rumänien, Polen, Jngo-<slavien und Oesterreich notifiziert wurde:
Tie hauptsächlichsten allii rten Mächte halten dafür, rin formelles Tementt erlaffen zu müssen gegenüber Gerüch en, die verbreitet wurden, und Oie geeignet sind, die öffentliche Meinung zu verwirren. Man untersteUle den Mäck)ten, als seien sie bereit, die Wiedereinsetzung der Dynastie Habsburg auf den ungarifchen Tttvon an» zucrkennen oder zu begrüßen. Tie hauptsächlichsten alliierten Mächte sind der Meinung, daß die Wiederherstellung einer Dynastie, welche in den Augen ihrer Untertanen ein System der Unterdrückung der anderen Rassen Kraft des Bündnisses mit Deutschland verkörpert, unvereinbar wäre sowohl mit den Prinzipien, für die gekämpft wurde, als auch mit dem Ergebnis des Krieges, welches die Befreiung der vorher unterjochten Völker bewirke. Es steht nicht in der Absicht noch kann es die Pflicht der hauptsächlichsten alliierten Machte sein, in die inneren Angelegenheiten Ungarns einzuareifen, oder dem ungarischen Volk die Form der Regierung oder der Verfassung vorzufchreilen. die es sich geben soll Dagegen Fömrn die alliierten Mächte nicht zu geben. daßdieWiedereinsetzungdes Dauses Habsburg als eine Angelegenheit betrachtet wird, die lediglich die ungarische Nation betrifft. Sie erklären daher durch Ge--enwärtiges, daß eine derartige Wiedeicherftellung im Gegensatz tünde zu den Grundlagen der Firedensbedingungeu und weder anerkannt noch geduldet werden würde.
Die Auöliesernngtzliste.
Köln, 3. Febr. (WTB.) Der „Köln. Zeitung" wird aus Berlin berichtet: Die in der Presse auftauchenden Meldungen über den Inhalt der L i e f e r u n g s l i ste und über den Termin ihrer Ueberrrichung werden an amtlicher deutscher Stelle als bloße Kombinationen bezeichnet, lieber den Inhalt liegen zuverlässige Nachrichten noch nicht vor. Ihre Ueberreichung wird vermutlich erst Ende der Woche erfolgen, wahrscheinlich aber erst am 10. Februar, dem nächsten nach dem Friedensvertrag möglichen Termin.
Die Aritik der Zriedenrvertrager in Amerika.
Washington, 2. Febr. (WB/> Havos. Die republikanischen Führer befch'ovn, sich mit den Demokraten dahin zu verständigen, den Friedensvertrag in der kommenden Woche neuerritgs in öffentlicher Sitzung zu diskutieren.
Amsterdam-, 2. Fehr. (Wolff.) Wie ber „Telegraas" aus London meldet, besprechen die englischen Blätter das Schreiben des amerika- niichcm Schatzsekretärs, in dem et zum Ausdruck bringt, daß Amerika ke.i ne Kredite gewahren wird, in bitterem enttäuschten Tone.
„Daily Chronicle" schreibt: Wir hoffen, daß dies nicht das letzte Wort ist. Wenn es trotz
dem das letzte Wort fein sollte, dann muß eine nternationale Finanzkonferenz trotzdem ftattfin» xn. In diesem Falle würbe es ihre Hauptauf- jafce sein, die Mttel zu finden, um Europa trt Jtc Lage zu fetzen, ohne amerikanische Erzeugnisse auszukommcn.
Wie das ,,Allgemecn Handelsblad" meldet, hielt der britifdK Handelsminister Sir Auckland Geddes vor der Handelskammer in Plymouth eine Rede, in der er sagte, daß dir Völker voneinander abhängen und nicht unabhängig seien. So lange Europa sich nicht aus dre Beine stelle, könne in Handel und Industrie keine Stabilität erwartet werden. Gebdes warnte die Zuhörer vor Haß unb Neid gegen andere Völker und sagte, in England müsse man mit dem Erreichten zufrieden sein Die Feinde Englands seien zu Boden geschlagen, gebrochen und erniedrigt: In seinen Darlegungen über Ausfuhr und Kredit wies Geddes auf die VerfuckZe hin, die jetzt unternommen würden, um bte Wirtschaft Europas wieder aufzurichten. So lange aber in Rußland keine geregelten Zu stände seien, könne Europa sein wirtschaftliches Gleichgewicht nicht zurückerhalten. Geddes schloß, die augenblickliche Handelspolitik bet Regierung sei, den Ausfuhr- Ijanbcl Englands so kräftig wie nü'ilkf) zu fördern.
«eine englische Anleihe in Amerika.
Washington, 3 Febr. (WTB.) In Ab- tooscnhrit des Viscount Grey übergab ter englische Geschäftsträger Lindley dem Staatssekretär eine Erklärung feiner Regierung, in der kategorisch er- lläct wird, daß Gruß-Bmonnien keineswegs d i e A b s i ch t habe, eine neueAnleiheinden Vereinigten Staaten auszunehmeir, sondern lebhaft wünsche, feine Verpf id>:ungen in bie» fern Lande zu vermindern Ein gc-wiiles Mißverständnis sei dadurch entstanden, baß die Presse der beiden Länder meldete, Gvoß-Brilannien habe gewisse Mächte, insbesondere die Vereinigten Staaten eingeladen mitzuwirken, um die Leiden der ntäfc vcnd des Krieges verwüsteten Länder zu mildern. Daraus ergebe sich naturgemäß, daß GmgLmb bar«* auf verzichte, für feine eigene Rechnung bei bat Vetemtgton Stauten Anleihen aufzunehmat,
Belgische Finanzpolitik.
Brüssel, 3. Febr. Laut „Sotr" hat ber König eine Verordnung unterzeichnet, bie am Dienstag im Amtsblatt erscheint, danach wird ber Handel mit fremden Devisen unb Zinsen verboten, sofern ihm nicht effektive Gefchäfke zugrunde liegen. Die Waren- und Börsenagenten werden verpflic^ tet, ein Register zu sichren, in das die vollzogenen Geschäfte einzutragen sind. Auch die Aufträge, die von Belgien aus zum Verkauf von Franken und Franken-Devijen im Ausland gegen fremde Zinsen oder Devisen gegeben werden, sind einzutragen.
Au» -em Ueiche.
Aus der prenßischcu Landksversammluug.
Berlin, 2. Febr. (WTB.) In der preuß^ scheu Landesversammlung wurde nach weiterer Besprechung der Antrag der Unabhängigen auf Aushebung des Belagerungszustandes gegen bie Stimmen dieser Partei abgelehnt.
Ein Eiscubahnerstreik in Böhmen und Sachsen.
Reichenberg (Böhmen), 3. Febr. (WTB.) Die gesamte Arbeiterschaft bet Eisen- bahnwetkstätte, Magazine un> Bahn« Verwaltung ist in den Streik getreten. Die Beamten und Unterbeamten erklärten sich mit den Arbeitern solidarisch. Tas Fahrpersonal hat sich bis jetzt dem Streik noch nicht angeschlossen. Der Grund zu dem Streik liegt in ber Nichtbewilligung der Fordernng-n der Arbeitet nach besseret Zuweisung von Kohlen und Lebensmitteln. Bon dem Streik wird bie Linie Zittau- Re i chen be r g nicht berührt, da diese unter sächsischer Leitung steht.
Berlin, 3. Febr. Nach einer Meldung des „Berl. Lokalanz." aus Dresden sind in Zwickau die Arbeiter det dortigen Eisenbahnwerkstätte und der Eisenbal-nverwaltung in den Ausstand getreten.
Abgeordneter Möller-Fulda.
Fulda, 2. Febr. (Wolff.) Der Abg. Müller-Fulda hat wegen Altersbeschwerden sein Mandat zur Nationalversammlung nrebergelegt.
Au» L-cssen.
Auttag auf Errichtung eines BollgynnmfimuS in Bingeu.
rm. Darmstadt, 31. Jan. D« Abgy. So« Herr und Gen. (Z.) Hadar zur Errichtung eines Bollgymnasrums in Bingen ber hessischen Volkskammer einen Antrag ringereicht, in welchem sie aussichren, daß die A^aljchule und das Progymnasium in Bingen entsprechend ihrer seitherigen Organisation ausgebaut werden könnten. Das Bedürfnis hierzu liege schon seit Jahren vor. Tas Gebäude, das von ber Stadt vor einigen Jahren mit hohem Kostenaufwand errichtet wurde, ist vorsorglich für den Ausbau der Dollanstalt vorgesehen Bon der Gesamtschül -rzatL Vvn 3 9 sind 318 Hessen. Es wird weiter auf eine an das Landesamt für dos Bildungswesen gegangene Denkschrift Dem wiesen.


