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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen-

Srveites Blatt

Samstag. 3. Zanuar 1920

HL 2

machen.

Kreis Lauterbach.

Fortsetzung 21.

(Nachdruck verboten.)

** Der Krieg beendet, die Kriegs- wirtschaft bleibt. Eine Verfügung, die mit dem FriebeuSvertrag in Kraft tritt, l-ai der Reichs- rrirtschaftsminisler soeben erlassen. Auch nach der Bttichägung des Krieges bleiben bis auf nxitered in Kraft die Verordnung über die Siäxrstellung von Kriegsbedan vom 26. 9Ijrrü 1917 und 17. Ja­nuar 1918 und die auf Grund dieser Verordnung getroffenen allgemeinen vier Einzcl-anordrmngen, ferner die Verordnung über Druckpapier vom 18. Ltpril 1916. Soweit nicht von dec zuständigen Stelle ausdrücklich anders bestimmt ist oder be­stimmt wird, gilt dasselbe auch für alle .rnoeren kri.gsirinschof'ckichen Benimmungen, Ge etze, V^r- ordnungen, Bebonntmachungen und sonstige Air­ordnungen.

** Zigaretten dürfen nicht teurer verkauft werden, als die aufgedruckten K1ein!»ndclspreise vorschreiben, sonst macht iich ter BerLLuser strafbar, auch wenn er euren höheren Preis für die Ware bezahlt hat. Diese Rechtslage ist in einer Sitzung der Preisprüftmgsstelle Erfurt ausdrücklich fest- gesbeNt morden, von der jetzt das Reichswirtichafts- ministerium.Mitteilung -.nacht. Anlaß lot ein Fall, in dem Zigaretten mit aufgedrucktem Kloinver- kaussprcis von 15 Pf. für das Stück zu 45 Pf. an die Verbraucher verlaust wurden. Tas Publi­kum müsse aber gegen eine derartige Uebervor- teilung geschützt werten. Neuerdings mehren sich f.iiv Falle, daß di- von den Fabrikanten auf-re- vrucklen Kleinv.-rkaufspreise vom handel unwill­kürlich überschritten und nicht beachtet wertem

0eegefpenfter.

Roman von Anny Wothe.

Amcrikieisches Copyright 1918 by Anny Wothe-Mahn, Leipzig

er auch Gewalt über meinen Körper Und meine Seele hätte." , , r

Peter denkt, Ihr habt rhn betrogen."

Die schweren Augenlider der Frau hobm sich kaum merklich und der eigentümliche B.ick ihrer Augen trat ihn ganz seltsam

So, glaubt er das? Vtestercht hat er recht. Aber den anderen der des Nachts in meint Träume kommt, dem das Master aus Haar und Bart läuft Ivie tausend Tränen, den habe ich wirklich betrogen."

Sie lachte gellend auf.

Und nun hat er mich verflucht, mein Haus und mein Kind, und ich kann mit müden Füßen bis ans Ende der Welt wandern und werde immer, immer eine Verfemte s:in."

Ihr übertreibt, Frau Estrid, aus dem Kran- ken sprach Fiebenvahn. Er wird wieder zu sich lommen und man wird vernünftig mir ihm reden, können. Niemand kann doch von einem anderen mehr Gefühl fordern, als er geben kann."

Estrid lächelte wieder so eigen, daß Bent tn tiefster Seele erschrak. Wundervoll sah sie aus in ihrem dunklen Meide, als sie dort still in der Sonne am Fenster saß. imd das Blondhaar sich wie schwere (ssoldseid? um ihr blasses Antlitz mit Öen roten Lippen wob.

vielleicht liebe ich Jngewart Ferks noch immer," stieß sie hervor,wer kann es wissen?

Frau Esttid, tteibt keinen Scherz. Ihr spielt grausam mit Menschenleben. Es ist überhaupt Eure Art, zu spielen," zürnte er. ,Habt Ihr nicht versucht, auch mit mir zu spielen?

(Forietzung pigtj

Nmi, da das graue Strohdach vor ihm auf- tanchte, empfand et .ine Aufgabe als peinlich, die er übernommen.

Er rührte den blankgeputzten Messingklop-er an der grünen Tür des Hauses mit fester Hand. Wibfe Wedderken öffnete selbst.

Mit allen Zeichen des SchrecLns starrte sie dem Kapitän ins Gesicht und nötigte ihn dann ver­legen in die Küche.

,Jhr kommt von Peter Bonfen?" fragte fie gdxiftt, und etwas wie Kampflust groTLte in ihrer Stimme

.Nein, Frau Weddcrfen, pvn Eurer Tochter Sölve komme ich, aus W." . 3

Sölve in List? .Was ist denn m das Lüste gefahren?" , .

Sie hat mit mir Jngewart Ferks za feiner Mutter gebracht und will dort bleiben und beide pflegen. Ihr sollt ihr nicht böse sein, es sei ihre Pflicht, sie könne nicht anders."

Wibke Weddcrken sank vernichtet tn einm Stuhl und barg den Lvpf mit dem starren, grauen Haar in bribc Hände.

Auch das noch," stöhnte sie aut.Ist denn alles verhext? Kenne.ick denn meine eigenen Km- ners nicht mehr? Schaut her," sagt- sie, di- Tür zur Wohnstube ausstoßend,da sitzt auch eine, die ich nicht verstehe .und die mir weder Rede noch Antwort It^t. Aersticht Zhr Euer Heil.De

fort, als Bent unschlüssig schroiea.Ihr könnt es natürlich nicht sas en. Laßt es Euch von Eurem tugenbiamen Bruder erklären."

Estrid," bat der Kapitän warm und griff nach der Hand der jungen Frau, die ihr lässig im Schoße lag, .,0ertraut mir doch. Was ist Euch geschehen? Vielleicht kann ich Euch helfen."

Mir kann niemand Helsen. Wisst Ihr noch, als wir von denSegespensterp" sprachen? Nun sind sie da und ziehen mich unrettbar in die Tiefe."

Ihr dürst nicht an solchen Unfug glauben, Estrü>. Es irrirb sich alles auf klären. Peter ist ein Mann, mit dem sich reden läßt."

Estrid lachte höhnisch auf.

Ans dem Haust hat er mich gewiesen, rot? eine Dirne, bloß weil ich ihm verschivirg, daß ich vor ihm Jngewart Ferks geliebt. Und dann, als Peter Hörde, daß er auch damit seinem $Vini>? die Heimat nahm, ehe es geborm, hat er mich eingefperrt roie eine G?fangene. Da bin ich ent- ftohen. D.s Nachts über, die Heide ach Batt, es war schrecklich! Ich fürchtete mich so lehr,' sie sah sich scheu in der Stube um,und mußte immer nxiter. Wie zerschlagen bin ich nod> heute.

Bent war erschüttert von dem wehen Ton d?r Frau, btc sonst falt stets mit leisem -spott oder gar selbstsicher zu ihm gesprochen hatte, als lieg die ganze Welt ihr zu Füßen. _

Es wird sich alles auröarxm, Fr«i Schwä­gerin,JR müßt unbedingt zurück tn den Gottes- foog, Ihr begebt Euch aller Rechte, wenn Ihr einfach davonstmit."

Rechte? Wer fragt darnach? Ich roll! gar kein Recht Nur frei will ich sein, frei von dem Mann, der meint, daß, weil er mich geheiratet.

Q Schlitz, 1. Jan. Der Turnverein veranstaltete heute nachmittag eine stark besuchte Weihnachtsfeier für Jngend und Erwachsene. Em ansprechend zusammeng.stclltes Programm bot viel des Unterhaltenden, ©qonbercn AnNang fand das WeihnachtsmärchenChristkindckien im Walde". 3um 150. Geburtstag Ernst Moritz Anldts fand in der Stadtkirche ein G e d ä cht n i s g o t11ß * dienst statt, bei dem Obetpsarr.r Knodt über die Bedeutung des deutsch-evanmlisch.'n Glaubens und Freiheitshelden für unsere Zeit sprach.. (Eine -würdige Weihnachtsfeier hat kürzlich der Bolksbund zum Schutze der deutsch m Kriegs- gegangenen für die bis jetzt aus der Gefangenschaft

** 10 Pfennig kostet das Telepho­nieren. Die Oberpastdirektion Frankfutt a. M. schreibt: In Fernsvrechtcilnebmerfreifen besteht, wie sich aus Klagen Dritter ergibt, noch vielfach Un Qarbcit darüber, ob und inwieweit sie bei Be­nutzung ihrer- Anschlusses durch Dritte zu ttftsprächen mit anderen Teilnehmern desselben Netzes sich Gesprächsgebühren erstatten lassen dürfen. Im Interesse der 'Allgemeinheit sei desl-alb daraus hnigewresen, daß auch Teil­nehmer, welche die Pauschgebühr zahlen, berechtigt sind, die m Rede stehende Benutzung unentgeltlich zu gestatten, wahrend die Teilnehmer, die die dtesprächsgebuln cntacbUm, sich von Dritten letztere, das sind 10 Pf. für jede Verbindung, er­statten lassen dürfen. Die Erhebung einer Ver­gütung auch in der Form einer Entschädigung iür die Her gäbe des Raumes, eines Anteils an der 'Lausch- oder Grundgebühr oder in anderer Farm ist unstatthaft.

** Die Behandlung unserer Ge-, sangcnen in Frankreich. Wir erholten nochmals einen Brief, der über diehumane" Behandlung unserer Gefangenen Auskunft gibt: Man könnte sich lieber umbringen, als noch V? Jahr hier fein. A. R. ist einmal ausgerückt, wieder eingcfangen worden und in die Straf- kompagnie getommen. Mein lieber R., Du wirst ftaimen, wenn Du hörtest, wie es denen gebt. (Ich kann es Dir nicht alle schreiben. Hier 1)01 es auch schon Fußtritte und Kolben stoße genug gegeben. Ein Dolmetscher von uns ist kürzlich bei der Arbeit erschossen worden. Denke an, wo schon bald ein Jahr Friede ist. In unserer Baracke regnet es fast überall durch, nur nicht auf unsere Pritschen, weil wir uns kunstgerecht Weib blech unter der Decke angebracht haben. Dafür ist aber im Gang die rcinfte Traufe. Die ganze Woche wird bei Wind und Wetter gearbeitet. Im vollsten Regen stehen wir draußen und hacken Sterne auf einer Straße Des Sonntags muß

sprechend den wechselnden wirtschaftlichen ^dürf- nissen Verwendung finden. Eine Strafverfolgung wird auch dann eintreten, wenn versucht werden sollte, für ein noch angeblich im Besitze des An­tragstellers befindliches Kraftfahrzeug Betriebsstoff zu erlangen, dessen Veräußerung der Behörde jedoch nicht alsbald gemeldet wurde, denn Betriebsstoff fanii nur unter der bestimmten Voraussetzung frei- gegeben werde«, daß das betreffende Kraftfahrzeug rechtmäßig im Verkehr zugelassen ist

Durch die derzeitigen wirtschaftlichen Verhält­nisse in Deutschland und den Forderungen der aus­ländischen Lieferwerke wird es leider unvermeid­lich sein, einen Preisausgl ich für die gesamte Ein­fuhrware herbeizuführen. Um hier für den Freistaat Hessen regulierend zu wirken, wird die Hauptver- teilungsstelle in Darmstadt die Zuteilung ent­sprechend ter wirtschaftlichen Llisttinssfähigkeit des Antragstellers bei der monatlichen Zuteilung von Bcttiebsswff berücksichtigen.

Das hilsswerk für die österreichischen Linder.

Im alten Palais in der Wilheiminew- straße laufen die Fäden zusammen, die sich über das ganze Hessenland erstrecken, von deren sachgemäßer Führung das Wohl und . Wehe unendlich vieler Kinder abhängt, die ohne unsere Hilfe dem Hungertode verfallen sind. Die Not in Wien steigt mit jedem Tage und wir müssen alles daran setzen müssen die letzte Scheibe Brot brüderlich teilen, um den Deutschen in Oesterreich Hilfe in ihren schwersten Stunden zu bringen. Attfruse sind nun genügend erlassen worden, jetzt handelt cs sich darum, selbst Hand anzulegen, damit wir vor unserem Gewissen bestehen können.

Es lvird unsere Leser interessieren, wie die Organisation in Hessen gehandhabt wird.

Die Durchführung des Hilfswerks für Hessen liegt in den Händen der R e i ch s z e n - träfe für Heimatdienst (Landesabt. Hessen) mit ihrem Sitz in Darmstadt, Wil- helminenstr. (Altes Palais). Unter ihrer Lei­tung, Verantwortung und Adresse steht das Unternehmen.

Zur Vermeidung jeder Zersplitterung steht dieser Zentrale ein

Landes-Ausschuß zur Seite, dem neben einem Vertreter der Landesabteilung ein Vertreter des Landes­ernährungsamtes, ein Vertreter des stäoti- schen Jugendamts Darmstadt als Sachver­ständiger, ein Arzt, Vertreterinnen von Frauenvereinen, der öffentlichen und privw- len Fürsorge-Organisationen, der konfessio­nellen Verbände, der Gewerkschaften, und die weiblichen Landtagsabgeordneten angehören. Zur Bewältigung seiner Aufgaben glie­dert sich der Landesausschuß 1. in einen Ve r- teilungs - (Arbeits-) Ausschuß, 2. in Pflege- (Orts- oder Bezirks-) Ausschüsse.

Jeder Ausschuß konstituiert sich selbst und trägt für seine Aufgaben die Verantwortung, lieber die ihm zur Verfügung gestellten Geld­mittel hat er Buch zu führen und Rechnung zu legen.

Aufgabe des Verteilungs-Aus- sch u s s e s ist es, in Verbindung mit der Lan­desabteilung den Schriftverkehr mit Oester­reich zu pflegen, an allen Orten des Hessen landes, von denen genügend Anmeldungen eingehen, Pflege- (Orts- oder Bezirks-)Aus- schüsse ins Leben zu rufen, mit ihnen in steter Fühlung zu bleiben, ihre Arbeiten und die Pflegestellen zu überwachen und die Derlei- teilung der Kinder in die einzelnen Städte und Ortschaften, aus denen Anmeldungen vor­liegen, vorzunehmen. An Orten, von denen nur vereinzelte Anmeldungen eingelaufen sind, werden statt der Ortsausschüsse Vcr- trauenspersonen deren Aufgaben erfüllen kön­nen. Die erforderlichen Geldmittel hat er zu­nächst auf dem Wege freier Liebestätigkeit aufzubringen und über sie zu verfügen. Er sorgt auch für die Schaffung eines Durch­gangslagers in Darmstadt, dem ein Arzt als Leiter vorsteht, und in dem alle für Hessen bestimmten Kinder beim Eintreffen zunächst Aufnahme finden und ärztlich unter­sucht werden. Gesunde Kinder werden von hier aus sofort ihren Pflegestellen überwiesen, kranke Kinder dem Krankenhaus überliefert. Gegen Krankheit und Unfall tritt Versiche­rung ein.

DiePflege-(Orts-,Bezirks-) Ausschüsse

leisten die Arbeiten innerhalb ihrer Gemein­den bzw. Bezirke. Sie werben Pflegestellen, prüfen diese auf ihre Eignung, insbesondere die Wohnung-, Ernährungs-, Gesundheits- itnb sonstigen Verhältnisse der betr. Familie, und erfüllen nach Möglichkeit die Wünsche der Pflegesdellen inbezug auf Alter, Geschlecht und Konfession der Kinder. Sie haben in erster Linie die richtige Verpflegung und Erziehung der Kinder zu überwachen, etwaige Mißstände zu beseitigen und von jedem vorgefundenen gröberen Mißstand oder jeder schwere­ren Erkrankung des Kindes alsbald dem Ver­teilungs-Ausschuß Kenntnis zu geben. Den Briefvertehr zwischen den Kindern und ihren Eltern erhalten diese Ausschüsse auf-

good iut Holt röpt, Friegb en goode Antwort)," heißt es zwar, doch hur schweigt alles."

Sie schloß hinter Bent Bv.ifen die Tür und hockte s.ch wieder auf den Küchen,ttchl an dem Herd, das Gesicht in die Hände vergraben, und rührte sich nicht. _ ,___

Der Kapitän aber stand aus der Schwelle be-5 Wohnzimmers und starrte rfmt die blonde Fr.ru, die an dem niederen Fenster saß und Slxx oiö Watt schaute. . ,

Sie wandte, als die Tür klappte, fernen Muk, nur als Bent Bonfen mit schönerer StimmeGoo- ben Dag" sagte, fuhr sie erschreckt zusammen und sah staunend zu ihm auf.

Was wollt Ihr hier?" herrschte sie ibn an. Man soll mich zufrieden lassen, sagt das Eurem «Brnbcr **

Maßlos erstaunte Bent über sttne Schwägerin.

Ich oerstebe Euch gar nicht, o-rau Eittw, Peter hat mir feinen An trag litt Euch gegom. Ich komme soeben von List. Enrc Schweller und ich haben den Kranken dorthin gebracht. Es war p Euer Wunsch, daß er aus dem Hanse lam.

Es kann mir vollständig gleich sein, wer im Gottcskoog wohnt, ob Schiffbrüchige oder andere Wahnsinnige."

Frau Estrid," neT Bent, ganz nahe zu seiner Schwägerin tretend,befinM Euch, Ihr seid wohl franf?" , / ,

Jfranf?" lachte sie auf,nein, ganz gesund bin ich. Seht mich nid* an, als zwecselt Ihr an meinem Verstände. Nein, guckt mich nur recht an, so wie ich, sieht eine Frau aus, die man einfach hinausqestoßcn hat aus dem Haipe des Mannes, der gelobte, sie zu schützen und zu lieben.

WaS stcht Ihr denn fo iteif da?" fuhr sic

man Wäsche waschen, Holz (>0len und Drahtverhau bauen. Ein Stacheldrahl ist um unser Saget, so hast Du noch nichts gesehen. Du kannst Dir kaum denken, mit welchen Gedanken >vir morgens um 5 Uhr aussteden und des Abends um 9 Uhr schlafen gehen. In der Hölle kann ich mir eS nicht schlimmer vorstellen. Ich kann Dir nur sagen, solche Tage hat es in bet Front nicht gegeben. Meine Uhr ist schon im ersten Sammel­lager verschwunden. Ich befam sie nach Rekla­mation mit der Hundepeitsche bezahlt. Das waren die ersten Freuden der Gesangenschaft."

Landkreis Gießen.

X Wieseck, 31. Dez. Tie Vorlesungen und Hebungen an unserer Volkshochschule gehen nächste Woche weitet. Lehrer Müller nimmt ans Wunsch seiner Höret zu Deutsch auch Rechnen: Montag den 5. Januar. Pfarrer Sattler behandelt in der zweiten Stunde über Soz lalethik daS Kapitel: Arbeit, nachdem in der ersten Familie und Ehe besprochen worden war: Mittwoch den 7. Januar. Die Vorlesung über Sozialgesetzgebung von Berufs- genvssenschaftssekretär Kirchner an Stelle des verhinderten Gewerkschaftsbeamten Becker beginnt am Freitag den 9. Januar. Sie wurde vor den Ferien infolge Erkrankung des Referenten durch eine in letzter Stunde angesetzte Lektüre und Be­sprechung zweier Kapitel aus Göhres Schrift Drei Monate Fabrikarbeiter und Handwerks^ bursck>e" in einer alle Teilnehmer befriebigenben Weise eingeleitet. Die drei ersten Kurse von Archi­tekt S e n ß s e l d e r, Schwester Lisa T r 2 m m - ler und Dr. Werner zeigten in bat zweiten Stunden eine erfreulich.' Steigerung der Hörer- sck>ar. Es darf dies auch für die drei letzten Kurfs erwartet roeröen, zumal ein Hinderungsgrund bei Dielen Vcreinsmitgliedern durch Theater proben jetzt in Wegfall gekommen ist. Leute, die, wie sie, aut mancher Vereinsbühne in der Silvesternacht etwas zur Pflege des Heimatsinns geleistet, können wir gerade in der Volkshochschule brauchen. Andrerseits wird es Sache der Volkslwchschule sein, zu versuchen, neben eigner Bühnenarbeit gutes Spiel hiesiger 9kreine in Wiederholungen für die ganze Gemeinde fruchtbar zu

recht, wie sie auch den Eltern auf Wunsch Mitteilungen über das Ergehen und die Füh­rung ihres Kindes jederzeit zu machen haben.

Bedingungen für die Aufnahme in die P f le ge fte l le n.

Die Aufnahme der Kinder hat gründ- : sätzlich unentgeltlich zu erfolgen.

Uebenviesen werden nurgesunde Kin- ; der. Erkranken Kinder, so ist sofort der nächst erreichbare Arzt zuzuziehcn, der sie nötigend falls dem nüchstgelegenen Krankenhaus über­weist. Kosten für ärztliche Behandlung und Verpflegmtg im Krankenhaus entstehen den Pflegeeltern nicht.

Mit Kleidung sind die Kinder aus­gestattet. Soweit Bekleidungsstücke noch dringend nötig sind, werden solche von dem zuständigen PflegeauSschuß kostenlos beschafft werden, sobald er sich von der dringenden Not- wettdigkeit überzeugt hat. Der allgemeine Mangel an Kleidungsstücken und die enorm l/ohen Anschaffun^skosten sind bei der Prü­fung der Notwendigkeit wesentlich in Betracht zu ziehen.

Während ihres Aufenthalts in Deutsch­land haben schulpflichtige Kinder die Schule zu bcsuckien, soweit nicht der Arzt Kinder vom Schulbesuch befreit. Die Ueberweisung in die Schulen erfolgt durch die Pflege-Aus­schüsse, die bei der Bestimmung der Schule nwglichst Rücksicht auf die seitherige Schule, die das Kind besucht hat, zu nehmeu haben. Schulgeld und Aufwendungen für Schuluten­silien entstehen den Pflegeeltern nicht. Es wird erwartet, daß sich die zuständigen Stellen durch Gewährung von Freistellen aktiv an dem Hilfswerk beteiligen.

lieber dieDauerdesAufenthalts der Kinder in Deutschland kann im voraus nichts bestimmt werden. Länger als V2Jahr wird der Aufenthalt wohl nicht dauern. Die Pflegeeltern haben sich auf diese Dauer zu verpflichten.

Um das Risiko, das übernommen wird, auf das geringste Maß zu beschränken, können nur Pflcgestellen berücksichtigt werden, die in der Lage sind, für die Kinder gut zu sorgen und bei denen man das Zutrauen haben kann, daß sie es auch wirklich tun. Deshalb werden alle Anmeldungen von Pflegestellen peinlich genau zu prüsen sein. Vorgedruckte Anmeloe- Formutare mit Prüfungs-Vermerk sind ourch die Pflegeausschüsse dem VerteilU7rgsattssck) einzureichen.

Für die E r n ä h r u n g der Kinder ist bei den zuständigen Ortsstellen die Abgabe der Le­bensmittelmarken zu beantragen.

Der gesamte Briefverkchristzu füh­ren unter der Bezeichnung:Hilsswerk für die Wiener Kinder."

In Darmstadt liegen etwa 500 An => Meldungen von Familien, die ein Kind aufnehmen wollen, vor. Wann der erste Transport Oesterreich verläßt, ist noch nicht festgesetzt, jedenfalls wird die erste Januar­hälfte noch vorübergehen. In der Zeit vom 1.10. Januar werden Mitglieder unseres Landesausschusses nach Wie:: fahren, um dort mündlich mit den zuständigen Behörden zu verhandeln und evtl, den ersten Transport gleich mitzübringen.

Sammlung in Gießen

Zum Besten des Hilsswerks für die österreichi­schen Kinder hat bereits vor Weihnachten auch derGießener Anzeiger" eine Sammlung cingelcitct und eine Liste in der Geschäftsstelle aufgelegt. Leider sind die Zeickmungen nicht in dem Älaßc erfolgt, wie sie erwartet werden mußten Der Gcsamtb.trag erreicht noch nicht die Sunlmc von 3000 Mk. Wir lassen nachstel^end die Liste der Zeickmer folgen unb hoffen damit einen An­stoß zu erneutem Opferwillen zu geben.

Lilli Lipper 100 Mk., Armand und Eleonore Lipper 100 Mk., Verein der Sabarinbuftriellen von Gießen und Umgegend E. V. 2000 Mk., M. unb A. Tasche 10 Mk., Ungenannt 5 Mk., M. unb O.B. 10 Mk.. Ehr. Georg 10 Mk..

. W. Hanfel 20 Mk., Carl Horn 50 Mk., G. Sch 5 Mk., Bratfisch, Ludwig 50 Mk., Verleger R. Longe 300 Mk., Ungenannt 3 Mk., Prätorius Mk., Frau Oberlehrer Sckimidt 10 Ml., Johs

1 Lenz 10 Mk., Ungenannt 5 Mk. G. D. 5 Mk.. Ungenannt 2 Mk., Lehrer Schweitzer, Dbenbaufeu

5 Mk., F. Bender L Co. 100 Mt. Zusammen > 2820 Mk.

A«r Statt «nd Land.

Gießen, den 3. Jan. 1920.

RuhrFrankfurt über Gießen.

2»e Verbindung des rhrrn- unb westfälisch-u Jnd-ristticaebittes mit Frankfurt a. M. und Süd- bcutkükmo nimmt -vust seinen natürlichen Weg Ling-3 des Rlieins, der jetzt wegen der Besetzung den meisten Rcisetrbcn »'rschlossen ist. Tie Eisern bohnverwallung hat deshalb Lin-gif V--Züge zwi­schen Duisburg und Frankfurt über Gießen ein­gelegt, die das besetzte Gebiet nicht berühren. Sic, geben von Duisburg 7,16 nachm., von Frankfttri 2,00 Uhr. Derdbtcrnng ist aber to groß, daß sic dem Bedürfnis nicht genügen. Der Minister der öffeMlicheti Arbeiten bat deshalb jetzt, wie aus Elberfeld berichtet wird, genehmigt, daß ein zweites D-Zugpaar auf ti^ent Wege ausgenom­men wird, lveirn die notigen Sohlen und Loko- irwttven zur Verfügung stehen unb der Güterver­kehr dadurch nicht behindcrt wird. Tiefe Züge geben von Duisburg etioa 4,00 nachm., von Essen 4,31 und (mb in Gießen 10,05, in Frankfurt 11,57; ab Frankfurt 7,20 vorm., von Gießen 9,01, an Bochum 1,31, an Tuisburg nach 2 Uhr. Diese Veriim-mg zwi'chen Ruhr, Wupper unb SüddeMschimd nxrb ohne Zweifel baß) zur Ver­fügung stehen.

Benzi«.

Die G^lrerbeinspektion Darmftabt Hauptverrei- lungsstelle von Betriebsstoff für Verkehrsztvecke niad)t darauf aufmerksam, baß es irn eigenften unb allgemeinen Interesse des Auftragstellers liegt, daß der von der oben genannten Stelle freigegebene Betriebsstoff umgehend, b. h. sofort bei der Be­triebsstoff iieremben Firma bestellt wirb, andern- alls über die freigegebene Menge zu Gunsten an­derer Auttagstell-er verfügt roerbeit muß. Die Kon­trolle hat in einigen Fällen ergeben, daß erheb­liche Uebermengat zur Freigabe beantragt wur­den, und baß aitch von einigen Firmen trotz des Antrages Bettiebsstosf zum Verkauf angeboten wirb. Es wirb beshalb barauf hingewiesen, baß Belieferungen in solchen Fällen unterbleiben wer­ben, b-w. Strasanttag wegen mrzulässiger Weiter- verwendung bes freigegedenen Betriebsstoffes er­folgt. Das bern Freistaat Hessen zur Verfügung geiiellte Kontingent kann baber nur jeweilig att-