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poftscheckloato:

Sraeffnrt a. M. 11686

Erster Blatt

170. Jahrgang

Samstag, 3. Januar 1920

Sichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesten

SwiMngrninddruck u. Verlag: Vrühl'sche Univ.-Such- n. Skinöruderei R. Lange. Zchristleltung, Geschäftsstelle u. Druckerei: §chulstr.7.

liiiHalime von Auzetge» f. die LageHnuuuuer vrS zum Nuchminag vorder ohne jed. P» rinn Nchkeit. Preis für 1 mm höhe für s2hi teilen v.34mm Breite örtli ti 25 ßf, nu-,oä»tS 30 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite SO Pf. Bei Platz- öoifdiriii20e/ A «isctüag. Hauvtschri'tteiter: Aug. Goeg. Perantioortlich für Posit k: Aug. woeq; für deu übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für beit Anzergeuteü: ö. Beck, säinttlch in Sieben.

Auslandsbriefwechsel in deutscher oder ftemder Sprache?

Die Frage, in welcher Sprache der deut­sche Kaufmann in Zukunft seine Briefe nach dem Ausland, besonders nach dem uns bis­her feindlicl)en, senden soll, ist keine neben- sächlick)e, sondern eine, die für die zukünftige Gestaltung unserer weltwirtschaftlichen Be­ziehungen von Wichtigkeit werden kann. Bis zum Kriege war es ziemlich allgemein üblich, Safe der Deutsche im geschäftlichen Verkehr mit dem Ausland in dessen Sprache korrespon­dierte Das mag zum Teil aus der deutschen Liebedienerei gegenüber dem Ausland erklär­lich gewesen sein, hatte aber auch seine prak­tischen Gründe. Wir dürsen doch nicht ver­gessen, dafe namentlich Sie englische, fran­zösische und spanische Sprache weit über ihre Mutterländer hinaus in großen Teilen Ses Erdballs geradezuWeltsprachen" bildeten, und dafe ihr Gebrauch für den deutschen Kauf­mann zur Notwendigkeit wurde, falls er sich nicht ausschalten lassen wollte. Wir müssen also die deutsche Sprachgewandtheit auch als einen Beweis deutscher Anpassungsfähigkeit betrachten, die allerdings was nicht ge­leugnet werden soll, und was sattsam bekannt ist sehr viel zur Sch.ürung des Deutschen­hasses, zur Erregung des Neides auf die beut» scl>c geschäftliche Tüchtigkeit beigetragen hat. Wollen wir in Zukunft alles vermeiden, was irgendwie zur Mißgunst des Auslands gegen­über dem deutschen Geschäftsmann beitragen kann, so wird es ein Gebot der Klugheit wer­den, im brieflichen Verkehr mit dem Aus­land unsere nationale Würde zu wahren, d. h. diesen immer dann in unserer eigenen Sprache abzufassen, wenn das Festhalten an ihr (ein Zeichen geschäftlicher Unklugheit ist. Natürlich wird es nicht ganz leicht sein, hier immer na­tionale und internationale, als mehr psychoe- logische, Erwägungen mit den praktischen Not­wendigkeiten in Einklang zu bringen.

Zur Klärung der ganzen Frage kann das Ergebnis einer kürzlich vomReichsver­band der deutschen Industrie" vor- aenommenen Umfrage dienen. Es ist zunächst lehr bemerkenswert, daß die aus den verschie­densten Jndustriekreisen eingegangenen Ant­worten überwiegend für den Gebrauch der deutschen Sprache im Verkehr mit dem Aus­lande eintreten. Einzelne Firmen teilten mit, daß sie mit ihren Abnehmern und Lieferanten im Ausland nur oder doch möglichst in deut­scher Sprache verkehren würden. Mehrfach kam die Ansicht zum Ausdruck, daß, wenn man auch die ausländischen Firmen nicht veranlassen könnte, in deutscher Sprache zu schreiben, man doch unbedingt deutscherseits daran festhalten müsse, nur in deutscher Sprache zu antworten. Von maßgebenden Verbänden wurde die Ansicht vertreten, daß sich ausländische Firmen durch den Gebrauch der deutschen Sprache seitens deutscher Firmen vom Ab­schluß von Geschäften nicht abhal­ten lassen würden.

Daß der Gebrauch der fremden Sprache tm geschäftlichen Auslandsverkehr ein Hin­dernis dafür ist, daß das Ausland die f r ü h e- ren deutschen Angestellten roieSer aufnimmt oder Deutsche überhaupt in seine Länder wieder hereinkommen läßt, ging aus einer aus dem besetzten Gebiet stammenden Antwort hervor. Natürlich wird man, wie von anderer Seite erklärt wurde, Heine oder mittlere Firmen des Auslandes nicht veranlassen können, sich einen deutschen Korrespondenten zu halten. Dieser Hinweis hat aber andererseits auch für die kleineren und mittleren Firmen in Deutschland Be­deutung, die auf oie Anwendung der deutschen Sprache im Auslandsverkehr schon deshalb angewiesen sind, weil die Einstellung fremd­sprachiger Korrespondenten ihnen zu hohe Kosten verursachen würde.

Als bisheriges E r g e b u i s der Umfrage können folgende Grundsätze ausgestellt h>cti>?n:

1. Der gegenwärtige W are n h unger aller Länder macht es der deutschen Erportmdustrre möglich sich bei ihrer Korrespondenz in weitem Umfange der deutschen Sprache zu be­dienen. Ties ist sowohl im a lgcmernen 3nter- esse der internationalen Stellung des Deutsch­tums als im besonderen Jnteres e der im Aus- lanb tätigen Angestellten erwünscht.

2. Wo die Wiederbelebung unseres Auslands­verkehrs, namentlich durch Anknüpfung von Be­ziehungen zu kleineren Auslandsfirmen, kme Korre­spondenz in fremder Sprache nötig macht, wird diese nicht zu umgehen fein.

3. Im übrigen bleibt die Anwendung der deutschen oder einer fremden Sprache Sache des nationalen und geschäftlichen Taktes.

Neue Tätigfeit her Nommuniftrn.

Köln, 3. Jan. Wie der Korrespondent derKöln. Ztg." in Dresden von aut unter­richteter Stelle erfährt, entwickeln oie Kom­munisten seit einiger Zeit in Sachsen, wie roahrscheinlich überall, im Siillen wieder eine regere Tätigkeit, die auf eine geplante Neu­organisation ihrer Propaganda zurückzufüh- ren ist. Die Kommunisten wollen den wirt- schaf l ch n und pjti.if.ljen Umsturz mit Hilfe revolutionärer Betriebsorga ni- sationen, die an Stelle der Betriebsräte treten sollen, für die nächste Zeit vorbereiten. Alle großen Städte sollen in Bezirke einge­teilt werden, an deren Spitze besonders um­sichtige, ausgewählte Bezirksführer stehen. Diese haben die Aufgabe, die Revolutton in ihrem Bezirk zu organisieren und an dem Tage, an dem die Diktatur des Proletariats erklärt wird, die Durchführung aller Maß­nahmen zu überwachen.

Eine IH-Milliarden-Anleihe.

Rotterdam, 2. Jan. (Wolff.)Daily Chronicle" meldet aus Neuyork, daß es LorS Grey geglückt sei, die internationale Riesenanleihe von 13 Milliarden in Amerika zustande zu bringen.

Lloyd George.

London, 3. Jan. (WTB.) Havas. Lloyo George wird heute nach London zurückkehren. Die für Donnerstag nächster Woche beabsichtigte Reise nach Paris wird vermutlich eine Verzögerung erfahren infolge der Unpäßlichkeit des ttalienischen Minister­präsidenten.

Die Unterhandlungen mit den Pole«.

Paris, 3. Jan. (WTB.) Die Unter­handlungen zwischen den polnischen Delegier­ten unter Leitung von Radek und den deut­schen Delegierten unter Führung des Herrn von Sim so n wurden gestern fcr^gesetz'-. Sie beziehen sich auf die Uebergave der Gewalt in den abzutretenden Gebieten.

Eine Rede de» ungarische« Minister- Präsidenten.

Budapest, 2. Jan. (Wolfs.) Ministerpräsi­dent H u s z a r führte in seiner Antwort auf Die Neujahrsglückwünsche der Mitglieder der christ­lichen Parteien aus, daß da? Land durch zlwi Revo­lutionen und die rumänische Besetzung vollkommen zu Grunde gerichtet worden sei. Der Bolschmvis- mus 'habe die Preßfreiheit gemordet, das Ver­sammlungsrecht aufgehoben und die ersten Männer des Landes in den Kerker geworfen. Die unga­rische Nation werde stch durch die Fürsprache des Auslcnwes für diese Menschen nicht irreleiten las­sen. Niemand werde dem gesetzlichen Richter ent­zogen, ob nun Tschitscherin telegraphiere oder irgend eine andere europäische Macht interveniere. Wenn der bevorstehende Pariser Frieden in Ungarn vier Elsaß-Lothringen und ein Mazedonien schüfe, würde nicht ewiger Friede, sondern ewige Unruhe entstehen. Ungarn bedürfe aber des Friedens und werde ihn schließen. Er werde keinen Putsch weder von links noch von rechts gestatten. Die einzig« Rettung des Landes trae in der Zusammenfassung aller aufbauenden Kräfte. Der Ministerpräsident erklärte schließlich, daß der Gewaltfrieden! nicht vonDauer sein könne, sondern für sämt­liche Völker Europas nur ein Unglück sein werde. Ungarn könne ohne Volksabstimmung nicht auf Ge­biete verzichten, deren Wegnahme es seiner Kultur, Wälder, Erze, des Salzes und der treuesten Bürger beraube.

Eine Rede bei Eröffnung de» indische« Natiooaltongreffe».

Amsterdam . 21. Jan. (Wolff.) Die Times" meldet aus Amritsar, daß bei der Eröffnung des indischen National! on- gresses der Präsident eine Rede hielt, in der er sagte, der Friede in der Welt sei nur teilweise hergestellt, und die 14 Punkte Wilsons seien nur einWehe den Besiegten". Rußland, das den Frieden wolle, lasse man nicht zur Ruhe kommen. Das Los der Türkei hänge in der Schwebe. Irland und Aegyptben müßten die Macht des britischen Reiches fühlen. In Indien sei das Kriegsrecht weiter gehandhabt nwrden, um Furcht in die Herzen des indischm Volkes zu pflanzen, und um etwaige kommende Schwierigkeiten zu vermeiden.

Der erste Paffagierdampfer von Amerika.

Hamburg, 1. Jan. (Wolff.) Der erste Passagierdampfer von Amerika, der 13000-Tonnen-DarnpferMasdschuria", ist von N e u y o r k auf der Elbe angekommen. Wegen seines großen Tiefganges ist er bei Altenbruch vor Anker gegangen. Außer Passa­gieren bringt er Stückgut mit.

Der Verkehr zwischen Calais und Dover.

Paris, 3. Jan. (WTB.) Nach einer Meldung aqß London wird der P a s s a g i e r- vertehr zwischen Calais und Do­ver in der nächsten Woche wieder eröffnet.

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Die Dienstpsticht der Elsaß-Lothringer.

Straßburg, 2. Jan. (WTB.) Eine Ver­fügung des Kriegsministers ruft die Elsa ß-Lo- thringer französischer Abstammung der Jahresklasse 1919 am 1. Januar unter die Fahnen. Diejenigen Elsaß Lothringer dieser Klasse, die auf Grund der Bestimmungen des Friedens­vertrages die französische Nationalität erst noch erwerben müssen, tuen en mit der Klasse 1920 oder am Ende des auf die Inkraftsetzung des Fric- densvertrages folgenden Jahres eingezogen werden.

Die Heimkehr der Kriegsgefangenen aus Japan.

Berlin, 2. Jan. (WB.) Nach einer von der schweizerischen Ge andtschaft in Tokio eingegan­genen Meldung hat der erste Heimschas- sungstransport der Kriegsgefange­ne n a u s I a p a n am 28. 12. auf dem Dampfer Kifuku Maru" Kobe verlassen. An Bord befin­den sich 43 Offiziere, 72 Portepee-Unteroffiziere und 826 Unteroffiziere und Mannschaften; ins­gesamt 9 4 1 Mann. Der Transport, dessen Führer Kapitän z. S. Bollerthun ist, um­faßt die Melwzohl der Kriegsgefangenen aus den Lagern von Narashino und Aonvgahara, darunter die österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen. Dre Reise, auf der Tsingtau, Singapore, Sabang und Port Said angelaufen werden sollen, wird unge­fähr 60 Tage dauern.

Uns dem besetzten Gebiet.

Pässe für das besetzte Gebiet. (

Im Publikum sind in der letzten Zeit lebhafte Klagen über das lange Warten bei Beschaffung von Pässen für das besetzte Ge­biet laut geworden. Tatsächlich ist in dieser Beziehung gegen früher eine Verschlechterung eingetreten. Aber die Schuld trifft nicht etwa das Zivilkommissariat, Sas den Antragstel­lern in jeder Beziehung entaegenzukvmmen besttebt ist, sondern in erster Linie oie f r a n- zösischen Stellen. Das Visieren der Pässe durch die Franzosen erfolgt feit län­gerer Zeit in Mainz. Bei der großen Nach­frage nach Pässen fmo die oorhgen tgiitriay hingen unzulänglich; in Erwartung der end­gültigen Friede ns ra tifi kation hat man be­reits mit dem Abbau begonnen, die Arbetts- kräfte reichen zur Bewältigung des Dienstes nicht auS, Verwechslungen und Verzögerungen sind Sie Folge. Hierzu kommen persönliche Verstimmungen franzö­sischer Stellen über eine in der Öffentlichkeit besprochene Angelegenheit. Wie das Zivil­kommissariat mitteilt, ist zu erwarten, dafe alle diese Schwierigkeiten mit dem Aus­tausch der Ratifikationsurkunden, die nach neueren Mitteilungen am 12. Januar erfol­gen soll, beseitigt sind. Mit dem Eintritt des Friedens soll das Pafewesen für das besetzte Gebiet insoweit aufgehoben werden, dafe das französische Visum fortfallen und ein ein­facher deutscher Pafe als Reiseausweis genügen wird. Ausgenommen ist das Saar­gebiet, für das die Einreiseerlaubnis nach wie vor sehr schwer zu erlangen sein wird.

Wiesbaden, 31. Dez. (Wolff.) Die französische Militärbehörde verhaftete den E>ewerbcschullehrer Hölgel, weil er Ober­schlesier aufforderte, in ihrer Heimat an der Abstimmung teilzunehmen. In verschiedenen Wohnungen von Oberschle'iem wurden Haus­suchungen vorgenommen, hauptsächlich wurde nach den Mitgliederlisten des Vereins der Oberschlesier gesucht. Einige Schriftstücke wur­den beschlagnahmt.

Briefe Wilhelms II. an den Zaren Kitolaus.

DieVossische Zeitung" veröffentlicht Briefe Wilhelms II. an den Zaren Nikolaus. Wir entnehmen einem der interessantesten dieser Briefe folgendes:

.Jagdhaus Rom inten, 26. Sept. 1895. Lieber Niki!

---Die Entwicklung im fernen Osten, besonders die von dort kommende Geiahr für Europa und unfern christlichen Glauben ist eine Angelegenheit, die mir stets sehr am Herzen ge­legen hat, seitdem wir unfern ersten Schritt un Frühjahr gemeinschastlich unternommen haben. Meine Gedanken verdichten sich schließlich zu einer bestimmten Form und ich habe diese zu Papier gebracht Ich habe die Skizze mit einem Künst­ler einem Zeichner ersten Ranges aus­gearbeitet und nachdem sie fertig war, für die Oeffentlichkeit eine Radierung Herstellen lassen. Besonderer Nachdruck ist auf den verelmgten Widerstand aller europäischen Mächte gelegt, der ebenso notwendig ist gegen unsere gemeinsamen inneren Feinde: Anarchismus, Republ ikamsnrus, Nihilismus. . ~ . . . . . a

Mitten in diese friedlrche ^atigfctt und das ruhige Jagdvergnügen fiel die erstaunliche Nach­richt, die td) aus Paris erhielt, daß das Bud­getkomitee der französischen Depu- tiertenkammer bei der Debatte über das Militärbudget beantragt hat, das 19. Korps

(Algier und Tunis) heimzuberufen und ein neues kontinentales Kor^ an meiner Westgrcn;e zu bilden. Diese Adberuiung ist nur einmal zuvor erfolgt im Jahre 18 70, als Frankreich mit uns Krieg führte. Ein solches Projekt im tiefsten Frie­den har Deutschland wie ein Tonnerschlag getroffen und ein tiefes Gefühl der Beunruhigung hervor­gerufen ....

Dieses Gefühl der Beunruhigung ist noch mehr vertieft tvorden durch die Tatiacl»e, daß dieser Antrag öffentlich bekannt wurde im Augenblick, als Fürst Lobawow und General Dragomirow offiziell der Revue der französischenGrerrz- armee" an der lothringischen Grenze unter dem frenetischen Jubel der Grenzbevölkerung bei- gewohnt hatten. Diese Armee ist, wie die sranzösi- fcbeir Zeitungen uns seit Wochen erzählen, für den ersten Vorstoß aufunser Grenz-- land" im Revanchekrieg bestimmt. Es ist schon vier Korps stark gegen meine zivei (XV. und XVI.). Das in Aussicht genommene neue Korps würde die ohnehin ülrerstarken französischen Streitkräfte auf fünf Korps erhöhen und bietet eine Bedrohung sowie eine ernstliche Gefahr für mein Land.

Natürlich yruß ich daranfl-in jetzt anfangen, die Sack>e ernst zu nehmen, denn dieses Ereignis, das sich in dein Augenblick vollzielst, da Deine Offiziere dekoriert werden und Lobanow gefeiert wird (der damalige russische Außenminister Fürst Lobanow Rostowski hatte 1895 in Paris einer Parade beigewphnt und war dort auffallend ge­feiert worden. Der Berichterstatter), während meinem Attache nicht übermäßig freundliche Be­merkungen zu Ohren kommen, hat hier dem Volk Unruhe verursacht unö den Dingen ein häßliches Aussehen verliehen, als ob es Rußland lieb wäre, wenn Frankreich offensiv gegen Deutschland vorginge mit der Hoffnung auf Hilfe von Erstgenanntem. Eine so ernste Ge­fahr wird mich veranlassen, mein« Armee stark zu vermehren, damit ich in d^r Lage bin, es mit einem so schrecklichen Ueber- Sicht aufzunehmen. So schwer uns auch die mzielle Lafc bedrücken würde, mein Volk würde nicht einen Augenblick zögern, Gewähr für feine Sicherheit zu Leisten, falls dies notwendrg werden sollte. Ich roelfe genau, daß Du persönlich nicht im Traume daran denkst, uns anzugreifen, Du darfst Dich a&r mcht wundern wenn die euro- pchschcn Mäc^üe darüber beunruhigt sind, daß die Amvefenheit Deiner hohen Offiziere und hohen Beamten in amtlicher Eigenschaft in Frankreich die leichtentzündlichen Franzosen zur Deißglüh- Hitze entfacht und die Sache des Chauvinismus und der Revanche kräftigt.

Gott weitz, daß ich alles, was in meiner Macht liegt, getan habe, um den euwpöischen Frieden! aufrecht zu ^halten, aber wenn Frankreich, offen oder heimlich auf diese Art ermutigt, roeitcr mitten im Ftteden alle Regeln internationaler Höflichkeit und des Friedens verletzt, dann wirst Du Dich, mein liebster Niki, eines schönen Tages irolcns volens plötzlich in den schrecklichsten Krieg ver­wickelt sehen, den Europa je erlebt hat, einen Krieg, für den die Masse und die Geschichte viel­leicht Dich als den Urheber verantwortlich machen werden. BiLte sei nicht ärgerlich, wenn ich Dich vielleicht ganz unabsichtlich verletzt, aber ich halte es für mehti? Pflicht gegenüber unseren beiden Lmi- dern und gegenüber Dir als meinem Freunde offen zu schreiben:, da die Abgeschlossenheit und Zurück- gezogeriheitz. welche Dir durch die tiefe Trauer auf­erlegt sind, es Dir unmöglich machen, unter Men­schen zu ge'hen und im Einzelnen dem zu folgen, was sich hinter den Kulissen abspielt. Ich habe einige Erfahrungen in der Politik und sehe gewisse unverkennbare Anzeichen, deshalb eile ich zu Dir mein Freund, um i m N a m e n d e s en r o- päische» Friedens ernstlich iu m ah­nen: wenn Du auf Gedeih und Verderben mit den Franzosen verbündet bist, gut, dann rufe diese verdammtest Schufte zur Ordnung und heiße stillsitzen, wenn nicht, dann lasse Dnne Leute, die nach si:ankreich gehen, den Franzosen nicht den Glauben beibringen, Du seist ihr Verbündeter, lasse sie nicht rücksichtslos machen und ihnen ine Köpfe verdrchen, bis sie sie verlieren, und wir in Europa anstatt für Europa gegen den Osten Kämpfen müssen. Denke an die furchtbare Verantwortung für das entsetzliche Blutvergießen?

Nun lebe wvhl liebster Niki, meine besten Grüße an die liebe Mir. Ich bin wie immer Dein ergebenster und aufrichtiger Freund und Vetter

Willy.

I» einem weiteren, von derVossischen Zeitung" veröffentlichten Brief schreibt der Kaffer in einer Betrachtung über die fran­zösische Frage:

Neues Palais, Potsdam, 25. Okt. 1895.

Liebster Nir!

Dir mit Freude begrüßte unerwartete An­kunft CnM Michaels, bet eben bei uns frühstückte, gibt mir eine angenehme Gelegenheit, Dir warm für Deinen freundlichen von Moltke nritgebrach­ten Brief zu danken. Er ist noch ganz erfüllt von all Deiner Güte und hingerissen Don Deiner gan­zen Persönlichkeit und Deinem Wesen. Derne An­sichten über die Presse im allgemeinen sind genau tiefetbnt wie die meinigen. Sie hat viel Schaden getan 'und tut es noch dauernd, und wir müffen sehr vLcl Tück, Lüge und Unsinn ertragen, doch der Einfluß, den fit horrrbile bictu hat, muß nach dem ?jolksgeist der verschiedenen Ra sen, tn dem sie erzogen werden, und tn dem sie die Zeitungen lesen, beurteilt werden. Derne und meine Unter­tanen sind langsamer im Denken, nüchterner und ruhiger in ihren Urteilen als zum Beijptel die -iichen Völker oder die Franzosen. Tw romrsche und gcfflffche Rasse sind leichter zu erregen, ichncller berät, Schlüsse zu ziehen und, wenn sie erst exxv»