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Ans ymM rind Land.

Gießen, den 2. 9too. 1920.

Herdstlcuchtcn.

In der Zei-schrittDer neue Merkur" lesen mir da? folgend Gedicht von 3?ixholi G. Binding: Schöner ftraHll der Betrug.

Leuchten dem Sterben vertraut. Irl ällermüdestem Flug Faller mit Sonne betaut.

Irrende Dolche des Lichts. Silberne Fesseln der, Lust. Versen beiv"tm Gewichts, heuchelnd Gcblüh ohne Duft.

Vurvnr vergilbt und verascht. Goldener Teppich verfohlt. Tiere vom Schlaf überrascht. Länder vom Tod übermalt.

Wo sich das Leben begrenzt. Altes verhangen von Glanz. Aber wir selber beglänzt schreiten den zaubrischen Tanz hinter der Flöte des Tods, hinter Gestüber des Traums, lackmd der Süße des Brots, jauchzend der Fruchte des Baums.

Ter Himmel im Novembsr.

Der Nebelmonat November ist einer der trübsterr Monate des Jahres, auch deshalb, weil sich in diesem Monate die tägliche Son­nendauer von 91Stunden auf nur 8 Stun­den verringert, denn das Tagesqestirn geht um 1. d. M. 6 Uhr 58 Min. (Ende d. Ml 7 Uhr 49 MinI auf, um wieder 4 Uhr 29 Min. (Ende d. M. 3 Uhr 49 Min.) von uns zu scheiden. Am 23. Mw. nachm. 3 Uhr tritt die Sonne in das Zeichen des Schützen. Am 10. Mv. ereigtret sich eine Sonnenfinsternis (bic zweite in diesem Jahre) und zwar eine ziemlich bedeutende partielle, welche jedoch nur von deutschen Orten westlich der Linie Osnabrück, Wetzlar, Pforzheim kurz vor Un­tergang gesehen werden kann. Am 3. No- -venrber haben wir abnehmenden Mond, am 10. Neum-lmd, am 18. zunehmenden Mond und am 26. November Dollmond. Bon den Planeten ist zu erwähnen: Merkur wird in der letzten Woche morgens im Südosten sicht­bar bis 1 Stunde. Mnus abends im Süd­westen bis l!/< Stunde sichtbar. Mars, Sicht­barkeit zunehmend bis 2 Stunden. Jupiter, Sichtbarkeit zunehmend bis über 4 Stunden. Saturn, Sichtbarkeit wächst von s/4 Stunden bis 31/2 Stunden.

Veranstaltungen.

T i cn5tag: Stadtcheater, 617J Uhr,Ter- ersten Liebe y-Pme Zeit". Kaufmännischer Verein, 71/2 Uhr, Vertrag über Zweck und Ziele der FrtmcncwgMris'lrtwn. (£af6 Leib, 8 Uhr, Konzert und Vorstellung der Medick-Meidinger. Hotel Einhorn, 8 Uhr, Bortrcw:Goethe und Nietzsche als Propheten unserer Ziest". Licht­spielhaus,Vampire, 4. Teck" unkDie Frau im Himmel". Lichtspiele, SelterÄveg,Prinz Kuckuck".

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** Amtli che Person alnachrichten. Ernannt wurden: 1. der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Mainz Amtsgerichtsrat Heinrich Mann zum Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen: 2. der Staatsanwalt bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen Carl Her­mann Schuhmann in Mainz zum Oberamts- rickter bei dem Amtsgericht Reichelsheim i. O.: 3. der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Reichels- heim Ob-rarntsrichter Joseph Gehm zum Amts- aerichtSrat bei dem Amtsgericht Mainz; 4. der S. aarsampalt bei dem Amtsgericht Offenbach am Main Gustav Land mann zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Offenbach a. M.: 5. der Ge- richlsmsessor Arthur Ro de in Mainz zum Staats­anwalt bei dem Am^gericht Mainz: 6. der richtsasftffor Ludwig Fischer in Gießen zum Staatsanwalt bei dem Amtsgericht Offenbach am Main: 7. der Gerichtsassessor Karl Mickler in Lampertheim zum Amtsrichter bei dem Amts­gericht Groß-Gerau: 8. der Gerichtsassessor Dr. Rudolf Ru t b in Gießen zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Dingen; 9. der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Bingen Amtsrichter Karl Mayer zum Amtsrichter fri dem Amtsgericht Mainz. Uebertragen wurde dem Staatsanwalt Ru- dolf Re i tz in Mainz eine Stelle als Staatsanwalt bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen. Durch Eruschließung des Landesamtes für das Bil- dungSiresen wurde der Lehramtsrefevsndar Jo HS. Hoops zu Mainz zum Lehramtsassessor ernannt.

** Das StadttHeater laßt nochmals darauf Hinweisen, daß die heutige Vorstellung Der ersten Liebe goldene Seit" wie künftig alle Operetten aufs ührnn gen, bereits u m 8/? U b r beginnt. Die nächste Einstudierung bringt SchillersDon Carlos" der am Mittwoch den 10. November lauster Abonnement) zum ersten Male in Szene geht.

** Das Backen von Weißbrot für ben Monat November ist dem Bäckermei­ster Ludwig M ü l le r, Bah.'.hosstraß., über­tragen worve i anstelle des in der Bekannt­machung vom Samstag erwähnten Bäcker­meisters Ludwig Bender.

** Der n e u e G e i st e r f e h e r P e r y t Shu (Shu = Schulz') hat gestern abend im Eiichorn-Saale vor erheblich kleinerem Audi torium neue Proben seiner Pseudo-Wissen­schaft geliefert. Er polemisierte gegen unsere Berichterstattung und die Rückständigkeit der deutschen Gelehrten in den übersinnlichen Wis­senschaften. Da er im Auslände den Boden besser für sein Tun und Treiben vorbereitet findet, verstieg er sich dazu, unser nationales Unglück mit diesem T-atbestand in Zusammen­hang zu bringen. Er sagte nämlich, d e r Stiefel des Riesen säße uns setzt im Nacken unb hoffentlich so lange, bis des Deutschen Dünkel und Ueberheblichkeit gebrochen seil Herr Schulz prophezeite im Laufe seines Vor­trages auch, wie lange dieser Stiefel als Ver­geltung für die Verkennung der Spulwisscn- schaften uns nod) im Nacken bleiben müsse. Er erzählte nämlich, er habe aus den Sternen für das nächste. Jahr nichts Gutes gelesen, wäh­rend im Jahre 1927 für Deutschland ein Um­schwung zum Bessern ein treten werde. Es war interessant, den Sterndeuter auch einmal von der Seite zu betrachten, wv er das Strast gericht .für das deutsche Volk für berechtigt und ausdehnungsbedürftig hält. Der gute deutsche Name Schulz ist ihm ja auch nicht vornehm genug er bedurfte des orientalischen Na­mensaufputzes.

** Einheits Pakete der Deutsch- Amerikaner für Deutschland. Nachdem der Hoover Konzern mv der Versendung amerikani­scher Lebensmittel pak tc voran sgc^rngen, hat nun auch daS Central Relief C-ommrtt.ee in Neuhork (unter Lestung von £>eiTn Dr. Vieler) Einhei rS pa?ete geschaffen, ie^an gegen BHahlung d.s CinhestSpresteS 5<nr Verfügung' reheu. Annahrnr- stellen für Bestellungen die er Pale.e sind in Ame­rika das Central Relief in Neuyorck (Committee 118, 16. Street) und tie angeschlvsstnen Zmeig- komitees. Es werten k stre sfood Drafts auS<ge geben. Die atnvrilanifdien Mstgtieder des Komitees madien vielmehr ihre Bestellungen direkt, so daß die Pakete hier in den Wohnungen der Wressaten abgeliefert 'lütiteen. Der Preis der reichhaltigm Pakeie stellt sich etwas billiger, als der Preis anderer, da ohne Gewinn goarlriiet wird, wüh- rend die Hovver>O)ngani'atjvn ihre beträchtlick)en Gkwstme der Kftüerhilft zur Versüßung stellt. Die Nah rur gsmi telpalr! c ^el,en auS^ckckiest ich von un­seren Stammestoerwandten in Ämerilft aus und ihre Zusammensetzrmg erfolg mit liebevoller Rück­sicht auf die vorherrschenden Bedürfnisse der Emp­fänger. Es werden fünf verschiedene Einheitspakede zu 'verschiedenen Einheitspreisen versandt.

** Teuerungszus chläge unpf än d- b a r. Teuerungszusch äge sind impfänbbar. Kriegs­beihilfen und TeuerungSzulagen unterliegen nach einer Bestimmung vom Aiai 1918 nickt der Pfän­dung. Nach einer Mittestung des Reichs Ministers der Justiz ist einstweilen der Standpunkt zu ver­treten, daß dies auch auf die Ter«rungSz!nsckläger des neuen Besoldungsgesetzes anMvenden ist. Diose dienen gegenwärtig lediglich der Ausgleichung der augenblicklichen Teuerung, die durch ben Krieg her­vorgerufen ist und durch den Friedensvertrag noch Wester gesteigert wird. Trotz des Friedensschlusses mutz diese Teuerung als Kriegs ieuerung im Sinne jener Bestimmung angesehen werden. Bei ber heu­tigen wirtschaftlichen Lage und der voraufgegair- genen Entwicklung bis zum Frieden'sckluß "handle es sich um eine einheitliche wirtschaftliche Erschei­nung. Ärdgülttg muß die Frage ober- von den Gerichten entsckneden werden.

** Eine öffentliche Beamten-D er- sammlung am Mittwoch, 3. Nov., im Hotel Einlwrn, in der Bürgermei'^r Gräf- Frankfurt a.M. über die Notwendigkeit des politischen Zu­sammenschlusses der Beamtenschaft sprechen wird, ist von der Sozialdemokratischen Partei einberufen.

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Der Frost.

ß. Aus dem Niddertal, 2. Nov. Die kalte trockene Witterung der letzten Zeit hat einen solchen niedrigen Wasser st and mit sich gebracht, wie er während des heißensten Sommers nicht zu beobachten war. Den Mich- len fehlt daS nötige Wasser, um voll mahlen zu können. Der Boden ist vielfach so trocken, baß die Wintersaat nicht recht aufgehen kamt. Bon den Landwirten wird deshalb baldigst ein ergiebiger Regen gewünscht.

rm .Darmstadt, 1. Nov. Das aus Anlaß des Reformationsfestes für den Sonn­tag früh angesagte Choralblasen vom Stadt­kirchturm mußte schon nach dem ersten Bers unterbrochen werden, da durck) die in der Nacht ein getretene starke Kälte und die scharfe Luft,

Dichter als Verbrecher.

Der anffehcnerregcnde Fall des Dichtns Georg Kaiser, der wegen ihm zur Last gelegten Ver­brechen verhaftet worden ist, läßt die seit Lombroso so viel behandelte Frage wieder austauchen, ob der geniale Mensch als anormale Erscheinung außer- halb der Gesellschaft steht und mit anbern Maß­stäben gcmi cti roeOm muß, als der gewölmliche Staatsbürger. Erst kurz vorher zeigten die Bilver­fälsch ungen der bcgabien Dichterin Lena Christ, wie leicht die ungebäntrigte Phantasie des Künstlers die Schranken des Gesetzes übersprin-gt. und ihr Selbst- mord war nur der tragische Ausgang ans einem Konflikt, der in dm tiefften Tiefen des Unbewußten ttermif.rt war. Aus dem Werk des Dichters Kaiser, daß unS iu jeder Gestalt die Begabung dieses Men- schensckstpf^rs offenbart, führen zahllose Fäden in icnc Sphäre des Uebermcmscheu. der sich ''ein eigenes Recht setzt, und der Psychologe begrnft die verhäng srollc Dcrmrschung vmi Wirklichkeit und Traum, durch die forcier Dichter Dinge getan, die der Richter oielleickr stteng ahnden muß. Der größte Lcbcnsmeitzer Goethe, dessen Dasein in der Bändigung des Willens vorbildlich ist, hat doch von sich gc*ag£, es gäbe fein Verbrechen daS ihm fremd gone en wäre imb das er nick, hätte roll- bringen können. AuS dunklem Urgtunfoe der Leid 1 schäft, auS dem nachtwrndlenich sichere.,- Bcrstei ->,1 fremder Gesühle und seltsamster W^s nsittni ü.i .t die Kunst in das Helle Reich des Verstandes empor,

wohl dem, dem es von einem gütigen Geschick gegeben ist, diese Grenzen stets streng zu scheiden und nie in sein Leben hinübergreifen zu lassen, was rm Tickten Gestalt geworden. Jedes Genie steht der Well fremd gegenüber, und au5 diesem Zu­sammenprall seiner inneren)öpsung mit der äußeren Wirklichkeit ergeben sich Konflikte, die vor den dürren Paragraphen des Strafgesetzbuches nicht immer Halt macfien. Zahlreich ist die Sckmr der Künstler und Dich er, zahlreich i stdie Schar der Dichter, die mit ihrem Tun bei der öffentlichen Meinung Anstoß erregten und eS manchmal nur dem Zufall zu danken hatten, wenn sie der Bc- strasung entgingen. Der französisch: Dichter Ver­laine, dem dieses Glück nicht Geschieden war, sondern der öfters init den Gerichten Bekanntschaft gemacht hat und ein häufiger Gast der Gefängnisse war, hat diese Klasse der Schicksalsgenossen die pvLtes maudits" genannt und den langm Zug mefer in Untat und Zügellosigkeit schwankenden Gestalten vor uns herausb:schworen.

Im Mittelalter, loj der Dichter orelsach al5 fabr.mfoer Sänger" mit den Bagabuni«! und Gcäckttten zusammen lebte, finden wir eine ganze Anzahl B rbrecher unter den P-eam. Da ist der gr.>n Lpiiker Fran e oiS V r'l-.'n, der eu e ;3eift<nrq Miiglreb erner Rällberbrande ;var und nur mit knapp r N.tt dem Galgen entging Mir ivi'- dem Holm lat er von sichren Un:.:te.i erzählt.! brtü^n Mn ttalimiid^ei Ge p ]c Cecro Ango -

die eine Temperatur von 8 Grad erzeugt halte, die Instrumente versagten; die^Klap- len bzw. -Beutilie waren fest gefroren, so daß ein Weiterspielen urmuöglich Ivar.

3 Bom TaunuS, 31. Ct. Zahlreiche kleiner? Ge i ysbäche von »jerrug rem Gestille waren heute bereits von '.wer Eisdecke überzogen. Wafscr.ümM auf Wiesen waren zum Teil schon p i.ari1 ytgeVrjrm, patz an utandfen Orten die Kinder heu.e ieitil5 Schlittschuhe liefen. Das dürste für (Siü-e Oktober i'och eine Selvrnheit sein.

fd. Mainz, 1. Nov. Der Stand des R h e i n w a s s e r s ist infolge der anhalten- uen starken Frostwitterung derart gesunken, wie er seit Jahren nicht beobachtet mürbe. Die Wellen bespülen nicht einmal mehr die großen Treppen der Uferanlagen am Fischertor. Die Schiffahrt kann nur mit großer Mühe aufrecht erhalten werden.

Landkreis Gießen.

-M. Langd, 1. Nov. Ende vergangener Woche statteten Einbrecher hier wieder einen nächtlichen Besuch ab. Sie drangen bei einem Kaufmann ein, stahlen ein Fahrrad, eine Geige, eine silberne Uhr und verschiedenes andere. Jedenfalls siel ihnen auch Geld in die .Hände. In bei gleichen Nacht drangen sie auch in das Backhaus ein und entwendeten eine An­zahl Brote und Mehl. Als sie dann bei einem Gastwirt einsteigen wollten, wurden sie be­merkt und mußten die Flucht ergreifen. Sicher handelt es sich in den drei Fällen um ein und dieselbe Bande, von der man bis jetzt keine Spur hat.

tt. Treis a. o. L., 1. Nov. Das Fest per goldenen Hochzeit begingen gefern bei völ­liger körperlicher und geistiger Frische die Ehe­leute Johann Kvnrcw O p p c r und Äffabethe geb. Leitner. Das Jubelpaar stellt rm 71. bzw. 72. Lebensjahre. Auch hier sind, wie in Beuern, von einer Firma Bang u. Eo., Frankfurt a M., Gesang- und Gebetbücher <ycgrn .Anzahlung von 10 Mark alyesetzt wvrden, wobei der Reisende den Seiden vvrspieg. lte, vom Pfarrer oder Lehrer geschickt worden zu sein, was der Wahrheit nicht /ntiprach.

s. Bersrod, 1. Gestern fand in Reis- kirchm derSangertagdes Chatriasängerbundes flait, der die Vereine unserer Umgegend zur Pflege deS Volksliedes zusammensatzt. Der Bund mutzte seine Tätigkeit während des Krieges vollständig einstellen, jetzt aber regt sich wieder frisches Leben in ihm, wie die Verhmrdlungen unzweifelhaft reig- tcn. Aus ihnen sei folgendes hervvrgehoben. Alle Beiträge werdm ums Fünffach: erhöht. In 1921 soll ein Bundesfest in Bersrod, dessen Verern damit seine vor 25 Jahren er folgte Gründung feiert, ab* gehalten werden. In Anbetracht der trüben toirt* ichastlichen Lage unseres Volkes soll es im kleinen Rahmten, ohne jeglich? Beimischung von Jahr­marktstrubel, nur der Pflege des wurzelechten Volksliedes dienen. Als Massenchöre wurden be­stimmt: Wo ein Altar steht, und dasChatten- lied", das den alten Chattengau unb feine Be­wohner preist. Die Borstandswahl ergab die Wieder­wahl deS Vorsitzenden Lehrer Woks von Bersrod, des Rechners Bürgermeister Nveb von Hattenrod und des Beisitzers Beigoordnet. Ovper von Etttngö- Hausen. Neu gewählt wurden: Krug-Saasen zum Schriftführer und Lehrer Rausch-Reiskirchen als Beisitzer. Der Gesangverein Reiskirchen umrahmte die harmonisch verlaufene Tagung durch exakt norgetragene BolkSliÄ>er.

Kreis Schotten.

Unfichecheit im Vogelsberg.

h. Aus dem Vogelsberg wird uns ae- schriebm: Die öffentlicheUusicherheittm südlichen Teil des Vogelsbergs hat einen bedenk­lichen Umfang angenommen. Erft neulich imtrix ein Burkbardser Marrn in der Dunkelheit im Wald unweit Gedern von Unbekannten angehalten, die ihn, als sie sahen, daß er nichts Angreffliches bei sich führte, weiter fahren ließen. Jetzt ist mm der Landwirt Teufel von Busenborn, der auswärts eine Brockmaschine geholt hatte, auf der Landsttaße »wi­schen Sichenhauseil und Breungeshain, unweit des Sauborn, mit seinem Fuhrtverk von zwei Kerlen a n g e f a 11 e n worden. Nur ferner Geistesgeg-'n- toart ist e5 zu danken, daß er sich der Beiden ent­ledigen tonnte. Die Bevölkerung der ganzen Gegend ist in großer Brunruhigümg über solche Vorkomm­nisse, umsomehr als Grund zur Annahme besteht, daß der in Sichenhausen verhaftete Einbrecher, dw sich Start Moser neunen soll, sich hier wieder her­umtreibt. Der Bursche war wegen verschiedene: FahrvaddLbstähle verhaf et worden, ins Orten- beiger Gefängnis eingeliefert und dort bei b?m Gang zur Vorführung vor das Amtsgericht ent­wichen. Danach wollen ihn Leute, die ihn kennen, ttriebet in Sichenhausen und Kvulstos beobachtet Haden. Auch deuten die anbaitcnrben Nnbruc^-- diebstählc im Eicheltal und der ganzen weiteren Umgegend darauf hin, daß der Einbrecher, der fick selber deZ Fahrrads bedient, den ganzen Umkreis unlieber macht. Man vermutet auch, bafc der bruch in die Ortenderger BalmhosZgüterhalle von ihm herrührt. Die Gendarmerie hat bereits um- fangtriche Nachforschungen angestellt, tonnte aber bisher des verschmitzten Diebes nicht habhaft Wet­

li e r i, her selbst vor der Gotteslästerung in feiner frommen Zeit nicht zurücksckreckte. Ten berühmtenNevolverjourualisten" der Reimissance Pietra Arctino hat man denFürsten der Diebe" genannt, weck er mit seinen literarischen Erprnssermethoden den Großen das Geld besser aus der T-ische pg als jeder Langsinger. Die Sttrrm- und DiMig-Tick^er ter englischen Dichtung jur Zeit bjr Königin Elisabeth, diese düster leuchten- ben Jrrsternr, die Ke evm;e Shakespeare um­geben, sind rbensalls vielfach mit der Öbrigtoir zufam m nee raten; man bente nur an Christo­pher Marlow, der nach einem wüsten Leben mit 30 Jahrnn in einem Duell siel. Die Mauern der Gefängnissc haben die ftlagen und bk un- fücrWicf«n Worrc vie'er Dichter vernommen. Der schönste Rairian irr Weltliteratur, derDon Oui- xvte" des Cervantes, ist T. im Gefängnis entstanden, und sein portugiesischer Genosse m Ap.rU, Ca moens, der Sänger der , Lusi<cken", hat ebenfalls gesessen. Meistens nxir eS daS Sckiuld- !> fäng2ii5, in dem die in Schulden verstrickten Tickt-ihre Tage verbrachten. Dem würdigen Rachfah-vru dsS CervMrteS, den Dichter b?s ,,Drnn Jones, Fielding, blieb dies Loö nicht er» spart, und der )5egrinrb7r der M-oralischai W-ochensckri'ten", der stets fröhliche Steele, hatte sein Heim hinter deneisernen Gar- oiircn" au^gcidi^gat TaSlitevarffche te» brechen der Fälstlmng" liegt dem Dichter nahe, unb roain es auch nicht immer juristisch zu fassen

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und fürcklderlich zugerichtet worden war.

gn. Fulda, 31. Okt. In dem simachbarto Rhöndor^ Daklvrda erplod ierte gesternatai die Apparattarbidlampe ernes Wander- iu 1 H Di: umh.nfliegenden Epplosr teile lurck-schniL^ A dem Besitzer Grösch ine Schänder, p ditz ernt g Verblutung etnhxrt, die den Dod herbeisülrrde. - "i Großfeuer äscherte gestern in dem bererrty barten Dar ft Maberzell die Scheunen und Mv schaftsgebäuLe der Landwirte Wiegand mkd Fl» düng vollständig ein. Sehr große Crntevorrü V und landwirffchaftlickre Masclcknen svrd mitvei-

Märkte.

Gtttzener Wocherrnmrkt.

Gießen, 2. Nov. Au( dem heutigen markt kostzte: Butter,Marg., Pünd 15 Mk,LH Stück 85 Ps., Hühner Stück 1421 Mk., Latt^o Stück 1421 Mk., Enten Stück 21 Mk., ©in Pfund 810 Mk., Ochftnfleisch P u^ck 12 3RL Knh- und Rindfteisch Pfund 12 Mk., SäIvmu- fteisch Pfund 16 Mk., ütt bfleisch Psuick 12 M, Hammelsteisch Pfund 12 Mk., Milch Li er 2 Kl. KartoffÄn 50 Stil» 30 Mk., Weißkraut Ztr. 20 Wirsing Ztr. 30 Mk., Rotkraut Ztr. 30 MH ZvoÄvaben Pfund 20 Ps., Sellerie Stitf 50 Vf.

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ist und häufig nur zum Spaß an gewendet tmnrk so gibt es doch berühmte Fälle der Art, dir.il Bermögensvor teilen aus genutzt wurden, wie phersonsOssian" und deS jungen Chasterck" Dichtungen, die er für Arb.iten mittelalterlid^ Mönche ausgab. Voltaires schmutzigk G^l- geschäfte wurden nicht feiten zu richtigen BetttM crien, und wenn er nicht die Bekanntschaft He Pveutzischen Gerichte gemacht hat, so oerdauktr e daS nur seinem königlichen Freunde Frieirnä dem Großen. DaS stärkste (Siegenhüb su di«m uitermüMicben Geldzusammenrasfer ist der gmb Spekulant Balzac, der sich in Ricsmschulden ftüi/'d und von seinen Gläubigern hart bckrängt wm^ Der große schwedische Dichter Alm qu ist mm" wegen Wechsilsälschungen flüchten unb stand urltc dem Verdacht, einen Giftmord begangen zu harttn Als er geächtet in einem Boern er Hospital stcnl ging mit ihnr daS Dunkel feiner V.-rbrechen um1 geklärt zu Grabe. Bekannt find die Derbrethen moi Verlaine und OScar Wilde, um betaei' willen beide schwere FreiheirSstraftn verbüst» Andere Dicker cd fei etwa an Günther, Sry Grabbe usw. erinnert habm in ihrem an Wir rangen und Berirrnngen reichen Leben manche^c begangen, was an Verbrechen streift aber eS trtün unrecht, diese tmgliküidien Genies für aleS ter- antwortlich zu machen, wozu sie der Dämon ih«i Künstlertums trieb.

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den Auffallend ist. daß der Bursche sich mrgesch»- unter dem Schutze der Nackst zeig«: tonn. Man fragt sich, ob es sich nicht um das Haitpt sesiE' iablrtidje Helfershelfer bentzenden B^noe l.a ibrl^ die von hier aus ihre Stteifzüge unternimmt &n Aushebung der SchttcpfwckLl des Ticbes wäre c im Interesse der öffentttchcn Sick>erhnt von grützt i gtomraifoigtoit, wenn die gelinge Zahl der vorhan­denen Gcndai-men durch Hilfe von autzerl-alo ver­stärkt würde, damit formen auf die Dmicr mcholt baren Verhältniffen Eiichalt geboten werden ta.<n

e. Schotten, 2. Nov. Für den Wsitte 1920/21 sind von dem hiesigen V o 1 ks b i l dungsverein nachftel?ende Vortt äge vor gesehen: Die neue Reichsverfassung (Ob.wamts richter Brill); Enttmcklnng klassische: Ävmpo sitionsformen (Oberlehrer Buß); Die Atom

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Lauch Stück 25 Pf., Spinat Psund 1 Mk., gelb Rüben Pfund 40 Pf., rote Mben Pfund 30 Vf. Zwiebeln Ztr. 110 Mk , Aep el Ztt 80 -90 4"!l Birnen Ztr. 8090 Mk , Nüsse 100 Stück V Mark, Tomaten Pfund 1 Mk. Blumentohl 1,503,00 Mk., Buttcrkohl P und 60 Pf., divien Stück 6080 Ps., R^s<uckolü Pfund 1 bis 1,50 Mk.

fanb. Dem energischen und raschen ©ngreifen dv Z>euerwehr ist es zu banfen, daß ein weiteres Um sichgreiftn des Scha^ense e s verhnrdei.1 wette tonnte. Man nimmt an, daß bet Brand durch eiir schadhafte Stelle des Schornsteins ettftarben ist.

)( Marburg, 31. Okt Am Men Tu« Michen sich hier Einbrecher in zroei Ad mmgm und entwendeten Ta'elsilber und SckMu» fackln sowie eine Anzahl ftlei'mngs'ü.ft. Z»v Fortschafftn des Tiebesguts (a .utzÄm sie x.jte gdb _ Segeltuchtascke und einen Pappkarron. In te hiesigen Klmik ftarb ein junger^er aus R» ik kfll.|p h nertsHausen, der in daS Mülsiengettiebe gerate / u b 0

Kreis Friedberg.

O Friedberg, 1. Nov. Der Ausschul für Volksbildung, der sich auf Anrcyun, der Stadtvettoaldmg tonstttuiert, beginnt Li diese Woche mit feiner vrakrischen Tütigöett. Es sitt 7 Vortragsreihen für den Winter vorge el)cn, urt zwar werden sprechen: Ti ektvr Philipps Ile Stenern u. Drangpnnode mit üeltüre von ,Kaded und Liebe". Pros. Keller überEinführung in bi bildende Kirnst". Prof. Dr. Vvgrl überWas ü und was soll eine Weltanschauung?" Pros Blecher überAus der Vor- und FrühyeschiclÄ unserer Heimat". Prof. Dr. Schäfer ülerNatt wissenschafttiche W irtscha'tsftogm". Olerlehre Weckerling überFranzösisckre Revolution, ihn Führer unb Grundgedanken". Dr. Weiner üle Deutsches Mrtschcfftsleben in Vergangenheit urt Gegenwart". In einem Aufruf spriclst der schuß für Volksbildung die Bitte aus, daß möglichj aus allen Kreisen der Bevölkerung seinen Liv' richtungen Teilnahme cntg.'gengebrach-t werde. L wolle der Gesamtheft bieiien und sehe in gemein, samem Fleitze zur Arbeit der verschi denen Bcruj! und sozialen Schichten ein wesentliches und nfij. lickes Moment Mm Ausgleiche noch be''.ehew> Gegensätze innerhalb unserer Volksg-nossen.

Hesskn^Nnsiau.

X Hanau, 1. Nov. In dem Tacklstuhst bti in der Nürub.-rger St a> teseg ne i Hubertscla Grundstücks, wo sich bi? Verlaus-?-- ri d Lag.rrrt.im der Manusakturrvareuffrma Cail Sia>l & Söh«, sowie der Elrktrizi ätsfirma Vechtel NaM. Le t.- den, brach Henle früh Feuer az'i, das in te. trockenen CftLAk deZ a'ten Laus-.s u b auch n sonstigen kickst Lrcmbaren Stoffen reich? Nahrur;

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iheorie (Oberlehrer Prof. Hahn); Soziale Be wegnngcn und Theorien (Realehrer Hitz); Ti |1 Ausdehnung des oauffchen Sprachgebiets (Leh? || amtsassessor Hoffe rber th)' Tas Lebenswe: W Richard Wagners (Büra-rrmstr. Menget); Aül W terabmbe (Schwefter 5bma Schne ll); Eir.ft M Kapitel aus der Astronomie (Obettehrer Ti $ Stohr); Orts- und Jamichmnamcn (Oberlehre Dr. Weiß).