Samstag, 2. Oktober 1920
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Zweites Blatt
ÖL 232
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Der
nuten nach geht.
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den, sie seien aber bereit, mit weiteren gaben zu dienen, wenn es nötig sei.
Kietzener Strafkammer.
Gießen, 1. Oktober 1920.
Schwurgericht.
Gießen, 28. Sept. (Verspätet.)
Schwerer Aufruhr.
Heute routix gegen ^ie Landwirt» Heinrich Roß U., Litowig Wolff mr Konra) Kuhl IV., alle aus Wolf, DerleiikkII, unü ;wa. wegen schweren Aufruhrs. Im November 1919 revidierte mehrere Gendarmeriewachtmeister im Auftrag des Kreisamts Büdingen die Mühle des Müllers König in Wolf, Die Landwirte in 2ML
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Aus Stabt und Lund.
Gießen, den 2. Ott. 1920.
Winterfahrplan kommt einen Tag früher.
fix unb fertig. Alles, bi- $um Rat brr Ruhvarbeiter in Mainz, der Streikbvccherorg<rnisattonen schaffen soll, ist archipret. Der Marsch kann beginnen, der Frankveich endlich in bie gebührende Stellung der kontinentalen Vormacht führen soll, der die französische Macht Über das Ruhrgebiet, Süd- deuiichland, die Tschccho-Slvwakei, Polen, Deutsch- Oesterreich. Ungarn, Rumänien und das Schwarze Meer in lückenlosem Zusammenhang auSdehnt, di« Donau und den Rhein zu französischen Schifffahrtsstraßen, die Kohlen- und Erzlager, die Od» guellen und Getreide kam mern des Kontinents zu Kraftquellen Frankreichs macht. Nur auf England blickt man hier in Paris in mißtrauischer Sorge." Die Grenzbolen fügen bei, daß diese Ausführungen gewissen Kreisen nicht passen wer-
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Krieges mit 4 Zcchren Zuchthaus, weil er in Fliege runisvrm viclsoche Betrügereien verübte, glaubte sich rm März ds. Zs. wegen politischer Betätigung Verfolgt und beschloß, von Gießen zu verschwinden. TRchrschernlich ist ihm der Boden zu heiß geworden, weil er damals in ein Verfahren wegen Hehlerei verwickelt war, wegen dessen er übrigens inzwischen mangels Beweises frei gesprochen worden ist. Um das nötige Reisegeld zu bekommen, versetzteereinigeKleidungs- st ü cke, die ihm zum Um arbeiten übergeben waren und erschwindelte bei einem hiesigen Optiker ein wertvolles Fernglas, unter der Angabe, ein Sani* tätsrat habe ihn mit Ankauf eines solchen beauftragt und sei hier, um es sich anzusehen. Bon dem Sanitätsrat, beim Versatzamt war es nur ein „Student", ist, obwohl G. ihn genau bezeichnete, nichts ermittelt worden, er ist also zur .Klasse der bekannten „Unbekannten" zu rechnen. Weiter kaufte er eine Nähmaschine unter der Bedingung sofortiger Barzahlung. Diese erfolgte nicht, wohl aber wanderte die Maschine ins Pfandhaus. Der Angeklagte verteidigte sich mit großer 8ungenfertigfeit, behauptete, jode Absicht, zu betrügen ober zu unterschlagen, habe ihm fern gelogen, lediglich aus polittscher Not habe er sich vorerst Geld verschaffen müssen, um für einige Zeit zu verschwinden. Wogen je eines Falls der Unterschlagung und des Betrugs erfolgte mangels Beweises Freisprechung; wegen der übrigen Fälle wurde Ä. Verurteilt, und zwar unter Berücksichtigung seiner Vorstrafen unter Versagung mildernder Umstände zu 1 Jahr 4 Monaten Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre.
Drei halbwüchsige Jungen von hier wollten auf Zureden eines angeblichen Matrosen, der wahrsein sich ein Werber für die Fremdenlegion war, zur See gehen, weil er ihnen das Seeleben in den schönsten Farben geschildert hatte. Um Geld zu bekommen, stahlen zwei Don ihnen ihren Dienstherren aus den nachläsiig verwahrten Scheckbuch zwer Scheckfvrmulare, zu dritt füllten sie ein Formular aus, beim Einlösen an der Bank stellte sich aber der Schwindel heraus. Sie wurden jeder zu 2 Wochen G-fänanis verurteilt.
Max I. von Dortmund hatte xn Lauterbach in einem Gasthof, wo er sich einlogiert hatte, einen Schrank erbrochen, Klei de rundeinige t aasend Zigaretten gestohlen und war damit flüchtig gegangen. Bereits am Bahnhof m Gießen wurde ihm fein Raub abgenommen, und er selbst eingesteckt. Er war kurz zuvor erst wegen eines anderen Diebstahls aus dem Gefängnis entlassen worden. Nunmehr erhiell er 8 Monate Ge- Tm9^rige weitere Fälle, die zur Berhandlmw standen, sind ckhne besonderes Interesse.
Ter Winterfahrplan sollte bekanntlich ursprünglich in der gewohnten Weise am 1. Oktober eingeführt werden. Die Einführung wurde aber später zum 25. Oktober in Aussicht genommen. In Wirklichkeit wird der Fahrplan einen Tag früher in Kraft treten. Ter Reichsverkehrsminister hat soeben bestimmt, daß er am 2 4, Oktober in Kraft gesetzt wird. Schon bei der in Aussicht genommenen Verschiebung war die Rücksicht auf die Verhältnisse in den besetzten westlichen Gebieten maßgebend. Frankreich geht nun endgültig nicht am 24., sondern schon in der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober von der westeuropäischen Sommer- reit, die unserer mitteleuropäischen entspricht, auf )ie westeuropäische Zeit über. Die westeuropäische Seit wird bann auch für den Zugverkehr im be* etzten Gebiete maßgebend sein. Im bürgerlichen Verkehr bleibt dagegen die mitteleuropäische Zeit in Geltung. Man wird also dort mit zwei Zeiten zu rechnen haben, die eine Stunde auseinander liegen, an Grenzorten mit einer holländischen Eisenbahnstation sogar mit drei Zeiten. Tie hol- ändischen Eisenbahnen fahren nach der Amster- >amer Zeit, die der westeuropäischen Zett um 20 Minuten vor, der mitteleuropäischen um 40Mi-
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nam, tzat er es nur feinem Hand esten Sdulici und feinem Glück zu verdanken, daß er b:itd>» gekommen ist.
Tank der slofvrt ernfetzenden Tätigkeit der Stnaiverfel rungsbedarden, nement id> des Krimr- nalwochtm isters Äxo rnrumPf, waren btc Vc - bueber, die natürlich ihre sstamen verschwiegen hatten, bereits nach loentgen Tagen hinter SdUofc und Riegel. Köpvet lcugp^te jede Mitwirkung ber der Tat ab und Hieb habet bis zum Schlüsse der Beweisaufnahme. Er legte fein Raubtiergesicht in schein heilige Falten und beteuerte, ote Zeugen müßten sich irren. Nach dem Gutachten des Amtsarztes T-r. Schüppert ist er zwar ein durch Akboholmißbrauch heruntergekommenec Mensch, aber vollkommen geistig geittnb und oer- anttvorilich Seine Bekannten bezeich en ihn alS Herzensvoh und verlogen. Hahn hat vor dem Untei luclungsrichiec ein umsassenttrs YfeständniS abgelegt, das er freilich in der Hauptverdandlung abzuschwächen versuchte. Seine Fwau stel.te ihm ein gutes Zeugnis aus Er hat ein GlaSauge und ist infolge einer Operation an einem Arm halb gelähmt.
Den Geschworenen wurden Fragen vorgelegt nach Mordversuct^ und Raub, bezüglich Hahn auch eine Hilfsfrage nach Beihilfe dazu, ferner eine Frage dec Hehlerei.
Staatsanwalt Dr. Eckert führte aus, ein tückischeres und wheres Verbrachen fei kaum denkbar. Tie Tat fei geradezu ein Schulbeispiel für Mord und Raub. Koppel fei ein überaus gefährlicher Typus aus der Kategorie falscher Biedermänner, die es mit Mcislerschist verstehen, durch glänzend geftridte Leutseligkeit chre Opfer an sich zu locken und auszubauten. Auch Hahn sei bis zu einem gewissen Grade Köppels Opfer. Vvm juristt- schen Standpunkt aus sei Hahn als Mittäter zu betrachten; wenn die Geschworenen ihn nur der Beihilfe schuldig befinden würden, fet vom rein menschlichen Standpunkt aus bogeoen wenig zu sagen: Hahn, der mehr schwach als schlecht sei, könne dann mit einer milderen Strafe davon- Dommcn.
Dem Sfertdbiger Köppels, Rechtsanwalt Peters, war es angesichts der erdrückenden Beweise unmöglich, die Freisprechung seines Klienten zu beantragen. Rechtsanwalt Dr. M euser suchte die Geschworenen davon zu überzeugen, daß Hahn nicht mit Wissen und Willen an der Tat teilgenommen, sich vielmehr nur der Hehlerei schuldig gemacht habe.
Tie Geschworenen bejahen bei Köppel bK* Fragen nach Mordversuch und Raub, bei Hahn die nach Beihilfe dotzu.
Der Staatsanwalt beantragte gegen Köppel die gesetzliche Höchstvafe von 15 Iahren Zuchthaus, zehn Zähren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Es sei bedauerlich, daß das Gesetz nicht die Möglichkeit gebe, den g-.mreingefähttichen Verbrecher auf Lebenszeit ins Zuchthaus zu schicken. Bei Hahn liege bet Fall wesentlich milder: er fei verführt worden unb bereue feine Tat. Fünf Jahre Zuchthaus mit zehn Jahren Ehrverlust würden Her genüge».
Tas Gericht erkannte gegen Koppel dem Antrag des Staatsanwalts entsprechend Bei Hamr ging es über den Antrag hinaus und verurteilte rbn zu 8 Jahren Z ucht haus. Er Ehabe reichlich Zett gehabt, sich die Tat zu überlogen und es hätte nur eines Wortes an Herrmann bedurft, das Verbrechen zu verhüten. Die Geschworenen wollen für Hahn ein Gnadengesuch einreichen, um eine mildere Strafe zu erreichen.
Der Termin gegen Kuchenbecker wegen Raubmordes mußte abgefetzt werden, da eine zu Gunsten des Angeklagten laufende Frist nicht ein- gehalten werden tonnte.
bei denen schon länger eine Erregung gegen die Zwangswirtschaft bestand, wollten btc Revision nutzt dulden: fie rotteten sutz zusammen und zogen, 80 bis 100 Personen stark, zur Mühle, brangen in diese ein und zwangen die Beamten dirrch Drohungen, nne: „Schlagt sie tot! Schlei ihnen die schadet ein! Werft sie hinaus! Schlagt ihnen Die Köpfe ab!" uff. sowie durch Drohungen mit Stöcken, von der Revision abzustrhen uno die Mühle zu verlassen. Sechs von bat Teilnehmern wurden bereits vor einigen Monaten von der hiesigen Strafkammer wegen einfachen Aufruhrs zu je 6Monaten Gefängnis verurteilt. Heute hatten sich die oben genannten drei Angeklagten tot gen qualifizierten Aufruhrs im Sinne des 8 115 Absatz 2 zu verantworten. Sie werden beschuldigt, nicht allein an dem Aufruhr teilgenommen zu haben, sondern auch unter denzenigen gewesen zu sein, welche die Beamten in ihrer Amtsausübung durch Drohungrm bzw. Drohungen mit Gewalt Widerstand geleistet und sie hierdurch genötigt haben, von der ihnen auf getragenen Revision der Mühle Abstand zu nehmen. Es wurden eine Anzahl Zeugen vernommen. Staatsanwalt Justtzrat Weidemann Ührte aus, im Volke habe das Empsinden für Recht unb Ordnung Not gelitten. Wenn auch dieZwangs- wirtschaft für die Landwirte drückend sei, so müsse doch, solange sie einmal bestehe, die Rechtsordnung aufrechter halten werden im Interesse des ganzen Volkes. Gegen diese Rechtsordnung hätten sich die Angeklagten vergangen. Er beantragte, die Angeklagten im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen, den Angeklagte Kuhl aber nur wegen einfachen Aufruhrs, unb ihnen mildernde Umstände zuzu- billigen. Der Verteidiger Mtürat Dr. Jung plädierte auf Freisprechung. Die Geschworenen erkannten die Angeklagten sämtlich schuldig des einfachen Aufruhrs. Der Staatsanwalt beantragte hieraus gegen reden der Angeklagten die Minimal strafe von sechs Monaten Gefängnis. Nach kurzer Beratung erkannte das Gericht dem Antrag entsprechend. *
Gießen, 30. September 1920.
Mordversuch und schwerer Raub.
Rascher als sich dies gewöhnlich ermöglichen läßt, sand am letzten Sitzungstaq eine schwere Bluttat ihre Sühne. Der 54zährige Gelegenheitsarbeiter Johannes Köppel unb her 25jähr. Sdfloffer Zatob Hahn, beide von Kilianstädten, waren eines gemeinschaftlich begangenen Mordversuchs unb schweren Raubs angeklagt. Den Vorsitz führte wieder Lanbgerichcsrat Trüm- p e r t, die Anklage vertrat Staatsanwalt Dr. Eckert, verteidigt wurden die Angeklagten durch die Rechtsanwälte Peters unb Dr. Meuser. Tie Beweisaufnahme ergab ein klares, bis in die letzten Einzelheiten abgerundetes Bild der scheußlichen Tat. Am 25. August war der Kellner Phil. Herrmannrn Frankfurt mit Köttoel und Hahn, die sich schon von früher her konnten, zusammengetroffen. Mtt den Worten, „Sie suchen wohl auch etwas," machte sich Wppel an Herrmann heran, knüpfte ein Gespräch mit ihm an und schlug ihm eine gemeinsame Fahrt in Köppels angebliche Heimat in der Nähe von Friedberg vor, wo Herrmann Lebensrnittel, auch Silber kaufen könne Er solle ordentlich Geld mitbringen und am nächsten Tag nxebertontmen. Herrmann, der die beiden für biedere Bauersleute ffedt, war einverstanden. Ws er toeggetyrngen war, entwickelte Koppel den Plan, den „Silberschiebeick' an eine einsame Stelle zu locken, ihn totzuschlagen und ihm sein Geld abzundhmen. Hahn zögerte zuerst, erklärte aber, er werde vielleicht mitmachen. Am nächsten Tag trafen die drei um Mittag an der KonsLblerwache wieder zusammen. In einem unbewachten Augenblick fetzte Köppel seinem Genossen nochmals auseinander, wie die Sache gemacht werben sollte. Um Herrmann ettrzulullen und in Sicherheit zu wiegen, solle Hahn mit ihm vvrausgehen, Köppel wolle Herrmann von hinten mit seinem dicken Stock auf den Kopf schmeißen, wenn er tot sei, zapple er nicht mehr. Der Raub solle geteilt weiden. Hahn war darntt einverstanden und die Fahrt narb Friedberg wurde angetreten Unterwegs biederte sich Köppel mit dem arglosen Herrmann derart an, daß Duzbrüderschaft gemacht wurde. Da die Bluttat nicht vor Eintritt der Dunkelheit auSgeführt werden tonnte, wurde Herrmann in Friedberg zunächst längere Zett hinget l ten — man ging in zwei Wirtschaften und trank etwas Apfelwein und Bier. Gegen sieben U'hr machte man sich auf den Weg nach Melbach. Hahn ging mit Herrmann voraus: Köppel blieb etwas zurück und tat, als tontme er nicht recht mit. Er trug einen benadartiaen Knotenslock. Ws sie bei Einbruch der Dunkelheit an einen Feldweg gekommen waren, in den ein gebogen werden sollte, will .Hahn za Köppel gesagt- haben, er solle es sein kiffen, es hqibe keinen Wert. Köppel erwiderte schroff: ,Halts Maul, fort, fort!" .Herrmann, der aus TaLgefühl. beiseite getreten war, meinte treuherzig: Jetzt sei er doch allein bei ihnen, da brauchten sie doch nicht heimlich zu tun. Run ging es auf dem Feldweg weiter, Herrmann mit Hahn, der sich barüber klar war, baß bie Tat jetzt geschehen solle, voraus, Köppel hinterdrein. Plötzlich erhielt Herrmann einem furchtbaren Schlag auf ben Kopf und brach sofort ohnmächtig zusammen, blieb aber bei Besinnung. Er hörte, wie Hahn jammerte: „Ach Gott, ach Gott, das hätten wir nicht tun sollen!" Köppel rief, er schlage so lange drauf, bis Herrmann ganz tot fei, unb schlug weiter auf fein Opfer ein. Schon von der Gewalt des ersten Hiebes war der Sto ck i nzwe i Teile zerbrochen. Hstrnmnn tat bas klügste, was er in dieser verzweifelten Lage tun tonnte, er lag regungslos da unb stellte sich tot. Köppel durchsuchte ihm die Taschen unb raubte ihn aus: einen go(baten Ring zog er ihm vom Finger. Tann fühlte er ihm ben Puls — glücklicherweise an der falschen Seite — und erklärte befriedigt: „Der läuft uns nicht mehr nach." Daraus wurde Herrmann m einen Dickwurzacker geschleift und aufs Gesicht gelegt Tas Paar entfernte sich unb im Bahnhof von 3tieb&erg wurde das Geld ge* zäUt Es waren 120 Mk, von denen Hahn 40 Mk. erhielt, die er als wohlverdienten Antett an der Beate annahm. Köppel war über den geringen Betrag ungehalten und schimpfte, der Silberschieber habe sie „mack-en wollen". Er forderte Hahn auf, nochmals an die Mordstelle zu gehen: er habe vergesfen, auch die Weste zu durchsuchen. Hahn machte aber nicht mehr mit Nach der Tor batte ihm Köppel gesagt, wenn fein Stock vSen könne, könne er was erzählen.
Herrmann wurde am folgenden Tage in das Bürgerhospital m Frischem eingeliefert Er hatte am Kops dreizehn schwere Wunden, und nach ban Gutochte» der Haspirol-Lerzttn, Frl. Dr. Leicht-
♦* Aus dem Stabt t beaterbureau. Ms Eröfstnrngsvorstellung ist das historische Lustspiel von Presber und Stein „Ltselvtt von der Pfalz" gewählt warben, da der ursprüng- liche Plan, „Götz von Berlichingen" als Eröffnungsvorstellung herauszubringen, sich aus technischen Gründen nttht bewerkstelligen lictz. „Liselott", die bekannte pfälzische Prinzessin, sagt in dem hübsch auf gehaarten Lustspiel den Franzofen am Hofe des Sonnenkönigs so manche Wahrheiten, bie geradezu aktuell wirken. Tas Stück ist Denn auch überall, so auch im Landestheater Darm stabt und KurhauSttxater Bad-Nauheim, mtt getobtu jubelndem Beifall ausgenommen worden. Erwähnt fei auch, daß sowohl in sMiischer Bezfehung, als auch in der sonstigen Ausstattung, namentlich an Kostümen, bie Aufführung Sehenswertes bieten wird. Die Spielleitung hat Direktor Stetngoctter. — Ms 1. Mtttwochs-Monncments^Vorftell ung wird Grillparzers „Mebea" gegeben, mit Frl. von Bvandek, unserer neuen Heroine, in der Titelrolle. — Ter Freitag bringt im Freitag-Abonnement den neuen Einakter-Eh Aus von Curt Goetz „Mena geriet
** Literarische Gesellschaft. Armin T. Wegner, der Soraita-wrodym. 5 Uhr in der Aula — am ersten Autorenabend des diesjährigen Winterprogramms der Literarischen Gesellschaft — aus seinen Werken vorlefen wird, hat unter dem Titel: „Musik der Zeit" ein sehr reichhalttges Programm aufgestellt. Wegner am Vortragtisch zu sehen, ist schon ein Erlebnis für sich: ein fast knabenhafter Kopf, freien Blicks. Er spricht ferne Verse meist aus dem Gedächtnis, sie mit spärlichen Gesten begleitend, im landläufigen Sinn des Wortes unpathetisch, doch voll wirklichen Pathos, da, wo die Stimme sich zu volltönendem Slang erhebt. Da wuchtet das Wort aus seinem Munde, es dröhnt durch den Saal, roerat er, ein fanatischer Ankläger und Bekenner zugleich, die Sünden der Welt peißelt: er lockt süß und voll Glut bei seinen Liebesliedern. — Sein vielseitig msammengestellteS Programm für den morgigen Abetto, das uns in das Schaffen und Wirken des jungen Dichters gewahren torrb, kann nur jedem der Besuch des künstlerisch genußreichen Abends warm empfohlen werden. 'NLHeues siehe Anzeige^
*♦ Hoteldieb stahl. Am 30. September wurde in Gießen aus einem Hotelzimmer ein dunkler, gut erhaltener Anzug, ein Hemd, zwei Nachthemden und mehrere Taschentücher entwendet. Tie Hemden waren mtt S. R. gezeichnet. Vor Ankauf wird gewarnt. , . _
♦* Die Maul- und Kleuenseu che ist in Gießen in folgenden Gehöften amtlich "feft- aestellt worden: 1. Schiffenberger Weg 52, 2. Schif- f en berget Weg Nr. 60, 3. Neustadt Nr. 57. Die Sperrmaßregeln sind angeordnet.
Wer gibt Auskunft über Auswanderung? Tas Reichs-Auswanderungs imt unterhalt eine Hauptauskunftsstelle tti Berlin. Zweigstellen gibt es in Bielefeld, Breslau, Duisburg, Tüffeldorf, ElberfÄd, (Erfurt, Essen. Frankfurt a. M., Halle, Hannover, Kiel, Magdeburg, Stettin, Witzenhaufen und Kökn.
Kreis Friedberg.
*♦ Bad-Nauheim, 2. Oll. Mtt dem 30. September schloß die offizielle Sommer- kutze11, jedoch geht der K ur bet rieb wahrend des ganzen Winters weiter. Für die Winterkurzett ist die K u r a b g a b e. bedeutend ermäßigt. Bad-Nauheim bietet auch tm Herbst unb Winter schöne landschaftliche Reize und ango nehmt; Unterhaltungen, fe daß eine Herbst- ober Dinterkur jedem HeilungS- und Erholungsbedürftigen zu empfehlen ist.
,,$ra»freid) auf dem Sprung“.
Unter diesem Titel erhalten oie G r e n z - ' 5,ten aus Paris von einer Seite, die als durchaus vertrauenswürdig bezeichnet wird ] •jib her man die Verantwortung überlassen . Haufe, Ausführungen, die sich zum Teil mit tan decken, was in Berlin schon feit Wochen < in mehr oder minder versteckter Form umgeht.
,r Pariser Gewährsmann meint, bie fränkische Politik von heute hege An^st vor dem । ifbcrerroachenben Deutschland; bie heute in rianfreüf) maßgebenden Kreise seien von der
-chsucht Deutschlands felsenfest überzeugt. :s Wort ihres eigenen Staatsmannes: Im- . cr daran denken, niemals davon sprechen, 1 i ihrem nationalistischen Jdeenkreis eine 1 «lbstverständlichkeit. Der Gedanke einer glichen Verständigung, der dem verge- -Ingsfreudigen und anbiederungsbeflissenen rutschen ja so naheliege, habe durchaus kei-
B-rt Platz in der Gedankenwelt des Romanen, , • n kein Streben selbstverständlicher er- »nne als das, für erlittene Unbill Rache zu - Jmcn. So suggeriere sich Frankreich in das , zhuntüchtige deutsche Volk bie eigene Seele | fnein unb glaube es nur von dem einen Seh- - ji erfüllt: Äug' um Auge, Zahn um Zahn! Somit sei die ganze französische Politik eigent- :ch kristallisiert um das Problem ber bau» • rnben Niederhaltung Deutschen ds. Frankreich habe sich zunächst Ruß- ; :nbs zu bedienen versucht, indem es die kom- nrnden Männer Rußlands unterstütze und sich in ewigem Dank verpflichte. Aber die Abspev- niltg Deutschlands von Rußland sei nur ein Jmroeg; ber gerade Weg sei, Deutschland vol-
s zu vernichten, solange Frankreich noch fit dazu habe, d. h. die Einheit des Deutschen sichs zu zerstören, um sie nie wieder zuzu- ssen. Die Auslösung des Reichsganzen allein nnc dem französischen Volk den Alpdruck der ätschen Revanche nehmen, nur in einer kalranisierung Deutschlands, wo- ki der Süden mit Deutschösterreich eine fränkische Kolonie unter dem Namen Donau- fueration und möglichst unter dem Zepter «nes Habsburgers werden dürfte, erblicke (lankreich die Gewähr für den ungestörten esitz des Gewonnenen. Je mehr das Ver- iltnis zu den bisherigen Verbündeten sich ibkühle, desto intensiver mahnten diese Genien die französische Politik zu Tat, ehe es spät geworden sei. Eine Besetzung des gaw- n Deutschen Reiches, wie harmlose Leute in utschland meinten, sei nicht notwendig; b e r s ch l e s i e n in polnischen, das S a a r - ebiet in französischen Händen, genüge es, eich noch das Ruhr gebiet zu besetzen, um eutschland in die Willenlosigkeit eines Hpv- lisierten zu versetzen. Wer nicht gehorche, fotmme .Kohlensperre, bas bedeute la- «nenhaftes. Anwachsen der Arbeitslosigkeit, Ktocfcii des Verkehrs der Lebensmittelbelie- ung der Städte, Hungersnot, Krawall, >aos. Um aber diesen letzten Schritt zu tun, es notwendig, einen äußerlich unanfechü- ren Anlaß zu haben, nicht nur vor dem Itforum im allgemeinen, sondern auch vor in Bundesbruder England im besonderen, fe müsse schon ein recht gewichtiger Grund eichaffen werden mit einer Sensation, die Widerreden von vornherein abschneide. Diesen Ilan entwickelt der Gewährsmann ber Grenzten wie folgt:
„Ter Friedensvertray von Versailles bietet terfür ja zahlreiche mit Li?be ersonnenen Möglichem. Nun ist abjr sehr störend, daß Dr. Simons «wer roiebrr im letzten Moment die fein angelcg- tn Pläne durchkreuzt. Da hat man mit viel Auf- Mitb die oberschlesische Kohlenförderung in Un> totumg bringen lafsen, um Deutschland Bertvags- biich bei der Kohlenlieferung auszunötigen. Schon irb sestgestellt, daß ja Herr Lloyd George Stö- ^ngeu in Oderschiesien als vis major anerkannt hbt. UeberlMipt macht cs nervös, daß in England kn Simons nicht ungern gesehen ist. Die Stel- |uig Englands DeutsHand gegenüber geht nach
ösischer Auffassung viel zu wett über das aus, was Herr Millcrand unter wohlwollender lihigung versteht. Diese Entwicklung muß abQe» tten werden, und zwar baldigst. Wer weiß, e lange die Möglichkeit zur Realisierung der ' ilderten vitalen Projekte noch besteht. Spä-
s im November 1920 soll das Ruhrgebiet t fern, das sei der äußerste Termin, munkeln ihtc in Paris. Um aber nicht in letzter wieder Mötzlich über einen unerwarteten Düppel zu stolpern, muß erst „die Schlange imons" weg. Herrn Burzew ist der ehrenvolle lufnrag zuteil geworbm, diesen Ministersturz !>rchzuführen. Einmal ist es günstig, einen Nicht- ’-cnjoien vorzuschiebm, und dann muß natürlich £ wirksamste Strick, der für Herrn Simons ge- tcht worden kann, ber fein, ihn als verkapptcft klichewiken zu entlarven. Dem gilt ja schon seit rxhen und Monaten das heiße Bemühen der szilmzösischcii Milttärmission in Berlin. Leider ohne ” klfolg, trotzdem man so tüchtige Kräfte dorthin idürft hat unb den Franken rollen ließ. Mer es JU gelingen, denn bann muß auch England vcr- «snmen. wenn man womöglich nacl)wcisen könnte, kß Simons Enwer Pascha nach Moskau lefchmuggclt hat, um bie Brandfackel nach toien zu ichleudern. Was der eignen Militär- yjion bisher nicht gelang, sollte nun HerrBurzew kNuch-n. Er kann flch vielleicht leichter anbiedern, dvi sich jr nach Lage als Bolschävik ober als -marchist einführen. Mitte September ist Herr Mzew triuniphierend nach Paris zurückgekom- und hat Dokumente mitgebvacht, die er durch «sechung von einer deutschen Behörde erhalten und die die verbracherischen Pläne Deutsch- und Räterußlands entlarven. Hoffentlich hat ^rr Burzew feine ad usum delphini angefertigten -tten erwischt. Auch eine sehr bekannte Berliner Wtlicbc Zeitung ist durch Burzew mtt aewich- ^«iMltteln, zum Sprachrohr gewonnen für die A^mehr einsetzende Fehde gegen den Meißner 'id daß England nicht hinter ® shilifien kommt, barm geht es hoffentlich in v^tter Stunde noch nach 2Sunsch. Der Be- itft»ungsplan jür das Ruhrgebiet ist
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