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Eietzener Anzeiger (General-Anzeiger für (Dbetljeffen)
Zweites Blatt
m. 206
Donnerstag, 2. September (020
— Wenn Matthäus
weint, statt lackst, er aus
Wcnzeslaus, so viel nach
Fortsetzung 22
(Nachdruck verboten.)
vor allem aber wohl, um dem hm gen Mädchen
- ;
(Fortsetzung solch)
liegenbcn Orten weit verbreitet war, ausgestorben. Auä öxnmhcn und Familiennamen ko-innen und gehen.
Blinder Hatz.
Romau von Alfred Sassen.
Beamten, die für die Angestellten mitbestimmend war in den Ausstand zu treten, ist ausgehoben wor den und es erfolgt nunmehr, wie bei den andren Banken, die tarifmäßig oereinbane Bezablung.
** Bauernregeln für den Septem
6 er. Jst's am 1. September hübsch rein, ivird'o den yanzen Monat sein. — Wie St. Egidi, so ist es vier Wock)en lang. — Ist die Hecht lieber der Galle zu breit, vorn spitz, nimmt girier Winter lange Zeit in Besitz. — Bläst Jakobus uxiöc Wölkchen in die .Höh', sind's Wmterblüten zu vielem Schnee. — Jakobus in sonnenheller (Mc stalt, macht uns die Weihnacht kalt. — Regnel's am Michaelistag, so folgt ein milder Winter nach.
der Haustür. „Erst ein wenig niedersitzen und eine Tasse Tee trinten," gebot sie mit einem Anflug ihrer gewöhnlichen resoluten Art, „berat wird geredet."
Nena tat vorläufig keine Frage mehr, sie sprach auch sonst kein Wort. Sie ließ sich in der Wohnstube von der Freundin Hut iuü> Mantel abneh- men, und während Anna Reinsdorf wieder hinaus-- ging, um den Tee zu bereiten, setzte sie sich wartend auf einen Stuhl am offenen Fenster.
Eine Hand schob sich von draußen herein.
Es war die Hand des Lehrers. Er legte ein paar wundervoll duftende Rosen auf das Fensterbrett imb sagte: „Zum Willkomm."
Er wollte gleich wieder fort gehen, blieb darat aber doch einen Augenblick stehen und meinte mit leichtem Zögern: „Man muß an das Wunver der Rosen, das sich uns alljährlich neu beschert, auch im Leben glauben. So dunkel es auch manchmal scheint — schließlich kommen doch auch wieder Tage, an denen für die schwergeprüftesten Herzen die Sonne ausgeht und süßer Rosendust sie umschmeichelt.
Dillman» über SowjetNuhland.
B e rl i n, 1. Sept. (Wolff.) Zu den Ber öffentlichungen des Abgeordneten D i t t - m a nn in der „Freiheit" über die Zustände in Sowjetrußland bemerkt der „Vorwärts", daß daraus hervorgehe, daß dec Niedergang Sowjetrußlands und das materielle Aussterben der russischen Städte erst von dec bolsche wistischen Revolution datiere. Jetzt sei der Riesenbetrug, der am deutschen Proletariat seit bald zwei Jahren mit der Sowjetherrlichkeit systematisch versucht werde, restlos aufgedeckt.
Die Feststellungen Ditttnanns lausen auf folgende Punkte hinaus: Nur auf dem Fundament der P a s s i v i t ä t und Kulturlosigkeit dec russischen Volksmasse in Stadt und Land konnte diebolschewistischeDikta- tur errichtet werden. Vom 16. Juni bis 15. Juli wurden auf Geheiß außerordentlicher Kommissionen noch 893 Personen erschossen, außer den administrativen E r s ch i e ß u n - gen. Die Pressefreiheit, die Vereins- und Versammlungsfreiheit und die persönliche Freiheit sind für andere als Kommunisten so gut wie aufgehoben. Die Wahlen zu den Sowjetkör- perschaften erfolgen öffentlich. Die geheime Wahl ist verboten. Unbequeme Wahlen werden kassiert. Die allgemeine Wehrpflicht ist wieder eingeführt. Deserteure werden erschossen. Das Wirtschaftsleben ist militarisiert. Arbeiter und Angestellte dürfen nicht streiken, sonst werden sie in Konzentrationslagern zur Arbeit gezwungen. Da das Mitgliedsbuch der kommunistischen Partei als Anwartschaft auf irgendein Amt angesehen wird, drängen sich unausgesetzt zahlreick-e Elemente in die Partei. Von den Mitgliedern der kommunistischen Partei ist der größte Teil in irgendeiner Sowjeteinrichtung angestellt. Nach .der letzten oftiziellen Statistik des Zentral Komitees der Partei waren von den 604 000 Mitgliedern, dte die Partei in ganz Rußland zählt, nur noch 70000, d. h. 11 Prozent, als Arbeiter tätig.
Als fürchte er, schon zuviel fyefagt zu ta&n, allem aber wähl, um dem iimacn |«
keine Zeit zu lassen, -auf ihre frühere Frage zu rückzukommen, verschwand er eilig zwischen temen bunt- leuchtenden, von Wohlgeruch ^ingehülltm Decken.
Rena sch ihm starr nach. Dann berieten sich ihre Augen jntt dem gleiches Ausdruck trat ö*e ihr geschenkten Blumen. Sie wollte sie an hrtj nehmen, zog aber die Hand plctzhch wilder zurück, ohne die schimmernde Pracht berührt zu haben.
Philippi und Jakobi. — Bringt St. Michel Regen, Farm man int Winter den Pelz anlcgcn. — Herbsl- gewilter bringen Schnee, doch dem nächsten Jahr kein Weh. — An Septemberregen für Saaten und Reben ist dem Bauer gelegen. — Sind Zugvögel nach Michaelis noch hier, haben bis Weihnachten lind Wetter wir. -- In vielem Herbstes- nebcl seh ein Zeichen von viel Winterschnee. — Späte Rosen im Garten, schöner Herbst, und der Winter läßt ivarten. — September-Gewitter sind Vorläufer von starkem Wind. — St. Michels- Wein wird Herren-Wein sein, St. Gallus-Wein ist Bauern-Wein. — Jst's am Egidientage schön, dann wird auch gut der Herbst bestehn. — Septemberdonner prophezeit, vielen Schnee zur Wrifr- nachtszeit. — Was der August nicht kocht, wird der September nicht braten.
Landkreis Gießen.
X Wieseck, 31. Aug. Die heutige zweite Bürgerversammlung nach dem Stieg wieder unter Vorsitz des Lokomotivführers Hammel, 'wie die erste zahlreich bejncht, hörte ein Referat des Vorsitzenden über die Frage der Belieferung mit Brot und Mehl unter starker Anlehnung an den Abgeordneten Fenchel: der Bauernstand sei nicht organisationsreif und dulde es, daß der /.Reformbund deutscher Großagrarier" mit dem Kommunalverband unter einer Decke stecke. Ein Abbau der Preise solle durch Vereinfachung des Beamtenapparats erreicht werden. An die Einwohner solle die Frucht verteilt werden, wodurch jeder die Beschaffung eines besseren Brotes für sich in der Hand hat. Der Bauernstand solle oie Worte „Wucher" und „Schleichhandel" aus seinem Lexi- lbn streichen: gegen beide solle der Kommunalverband energisch .vorgehen. Alsdann berichtet Adam Kümmel über die Gießener Versammlung im Felsenkeller und ermuntert zu einer Einigung zwischen Arbeiter- und Bauernschaft. Leib sieht nicht ein, warum man Fenchel zuziehen will und Oßwald wünscht ein Referat von Fenchel selbst, Weller wünscht »mehr Rücksicht auf die Stadt. Bürgermeister S ch o m be r ist für Verteilung des Mehls, da die Verteilung der Frucht dem Verbraucher zu große llmstände verursache. Benner will „Glnchheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt" und bemängelt, daß diese Gleichheit beim $kot noch nicht erreicht, ist aber kritisch gegen Fenchel. Pfarrer Sa 11ler warnt vor Ungerechtigkeiten und Uebertreibungen, wie sie besonders der Reformbund erfahren. Eine Entschließung dahingehend, daß an Verbraucher und Versorgungs- herechtigte durch das Landesemährungsamt das gleich Mehl verteilt wird, da der derzeitige Unterschied jeder Gerechtigkeit Hohn spreche, wird fallen- igelassen und zwei Delegierten Lang (Erzeuger) und Kümmel (Verbraucher) Vollmacht erteilt zur Teilnahme an den in dieser Sache geplanten Schritten der Kreisgemeinden. Angenommen wird noch ein Antrag Vogelhöfer, daß in dem Kommunal- verband Verbraucher und Sr^uger Sitz und Stimme haben und wurde die Versammlung um 12 Uhr geschlossen, nachdem auch die Wasserfrage angeschnitten und von Bürgermeister Schomber beanfroortet worben war. Der Interpellant Handlose berührte auch den Zustand des „Kohlwegs" (Möferstraße) und Benner rügte, daß nach ber Ansicht ber Majorität des Gemeinderats Notstandsarbeiten nicht vorliegen sollten. Die Versammlung wollte unpolitisch sein, zeugte aber an vielen Stellen von der Macht parteipolitischer Schlagworte.
s. W e i t e r s h a i n, 30. Aug. Billiges Holz konnte man dieser Tage bei den in den Rabenau- schen Waldungen erfolgten Holzversteigerungen haben. Zur Versteigerung standen Reisige und Stöcke verschiedener Holzart, welche zur Rationierung vorgesehen und aus verschiedenen Gründen nicht ab genommen wurden. Die Preise deckten vielfach nicht einmal den Holzhauerlohn und waren mitunter niedriger als in Friedenszeit.
Kreis Blwingen.
h. Kohden, 1. Sept. Am Dienstag, den 31. August würbe ein Mann begraben, der auf traurige Weise ums Leben kam. Der im 79. Le- bensjcchre stch.mde Landwirt Zell ftel in voriger Woche beim Birnenabflücken vom Baum, infolgedessen er am Sonntag verschied. Mit chrn ift der Name Zell, der früher in Nidda und den um-
dem Wein oft Essig macht. — Ein Herbst, der warm und klar, ift gut fürs nächste Jahr. — So viel Fröste vor t
Nein, nein, feine Selbsttäuschungen Hervorrufen und sich ihnen hingeben! Sie brauchte ja nur die Augen vorwärts zu richten, all dem Schweren entgegen, das sie daheim erwartete, um in den rosenroten Wolken, die vor ihr Heraufziehen wollten, trügerische Zeichen zu erkennen . . .
Die lange Reise neigte sich ihrem Ende zu. Rena atmete wieder die Luft des ihr zur zweiten Heimat gewordenen Saaltals . . . Wer würde sie mir 'der Station Göschwitz empfangen? Anna Reinsdorf gewiß, die hatte sie ja brieflich darum gebeten.
Aber vielleicht nxrr auch Oskar Borowsky da.
Als der Zug in die Station cinfubr, spähte Rena, ehe sie dem Wagen entstieg, vorsichtig auf den Bahnsteig hinaus.
Gott sei Tank, nein, der Vetter war nicht zu scheu — nur Anna Reinsdorf stand da, ihr zur Seite ein halbwüchsiger Junge, den sie wohl zum fragen des Gepäcks mitgebracht hatte.
Das fange Mädchen atmete auf. Die halb: Wegstunde bis nach Lobeda, allein mit der älteren tfreunbin, deuchte ihr wie em Geschenk. Sie um- armte Anna Reinsdorf, als ob sie nicht Tage, sondern Jahre von ihr getrennt gewesen wäre.
Tann flogen ihre Blick.' über die weithin sich dehEiden Wiesen und die eaale hinüber zu den Lachern des Städtchens. Der massige, grimbe»
Kreis Lauterbach.
z. Grebenhain, 31. Aug. Tie hiesige ' Gendarmerie beschlagnahmte gestern nach- ' mittag bei einem Reisenden am hiesigen Bahnhof } eine größere schvarz lackierte Kanne mit gewölbtem Teckel, welche ebenfalls mit einem Boden « und Berschlus versehen war und die 80 Psuiw . . Rindfleisch enthielt. Im Teckel belauben sich noch ca. 2 Liter Speiseöl. Sicher rührt das Fleisch I von einer Schwarzschlachtung her. Ein wahrer ' Krebsschaden für die gering be mit retten Eimvohn« » sind die Sommerfrischler, Hamsterer und Schieber, ! die seit Anfang Diai Lebensmittel, Mehl, Brot, | Butter, Eier imb Fleisch auf Baufen und verschicken, f So wurden porige Woche eine Menge Pafete, welche diese Sackxm enthielten und alle Iffec auf- |
Aus Hessen.
lieber die Kosten der sozialen Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenen- fürsorge
im Freistaate Hessen ist der Volkskammer nunmehr eine Regierungsvorlage zugegangen. Es werden nach der beigefügten Aufstellung mit deu im Hauptvoraitschlage bereits vorgesehenen 68550 Mk. persönlich? und sachliche Ausgaben der Hauptfürsorgestellen und der 5 Nebenstellen zusammen 673 910 Mk. angefordert. In der Begründung wird mügetrilt, daß nach dem Reichs- Gesetz vom 5. Mai d. I. die Kosten der sozialen ?vürforge von dem Reich unter Mitlvirkung der Länder und der Selbstverwaltungstorper, Kreise und Gemeinden derart getragen werden, daß das Reich, abgesehen von den Kosten der Zeittral- stelle, die es allein trägt, vier Fünftel der sämt- licheit, jedeut Land entstehenden Kosten nach Der noch zu erwartenden Aussührungsvorschrift übernimmt, während das Land und seine Selbstverwaltungskörper mit je . einem Zehntel dieser Kosten belastet werden. Tie materiellen Ausgaben für die Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenenfürsorge sollen für Hessen etiva 3 600 000 Mk. betragen, so daß das Land mit 360 000 Mk. hierfür auf» zukommen hat. Tie Teckung soll aus Beständen der Hauptstaatskasse, die zur Verfügung stehen, erfolgen. Jrn Falle sich der Zusammentritt des Finanzausschusses noch längere Zeit verzögern sollte, möge die Beschlußfassung durch Umfrage bei den Mitgliedern des Ausschusses erwogen werden.
licherweise bringt infolgedessen die Oeffentlichkeit den Sammlungen wachsendes Interesse entgegen, was sich auch in mannigfachen Gk'fdxrnfen äußert, auf die das Museum jetzt besonders angewiesen ist, da eigene Mittel für Ankäufe kaum zur Verfügung stehen. Seit 1. April wurde das 9)hiieum von etwa 5000 Personen aus allen Bevölkerungskreiien bt- sichtigt, darunter zahlreiche Sckulllafieii, Lehrer kollegien, Seminare, Geschichts- und Volksbildunas vereine, denen nach rechtzeitiger 'JLranelbung (bei freiem Eintritt) meist sachkundige Führung gestellt werden konnte.
** Gießener Waldbühne. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß die morgige Aufführung von Komtesse Gucker! nicht im Freien, sondern im Festsaal des Hotels Einhorn ftattfinbet.
** Tie Baustoff-Beratungsstelle für Hessen, Sitz in Frankfurt a. M., teilt mit: Tie immer noch steigenden Schwierigkeiten in der Baustoffbeschafsung und vor allem die ungesunden Preissteigerungen haben für das gesamte Bauwesen nahezu katastrophale Verhältnisse frerberi geführt. An vielen Orten mußte trotz reichlicher Zuschüsse mts öffentlichen Mitteln die Bautätigkeit eingestellt werden. Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit werden dadurch von Tag zu Tag größer. Ter Baustofs-Besck)affungsstelle für Hessen ist neuerdings eine Baustoff-Beratungsstelle ungegliedert worden. Sie hat die Aufgabe, zwischen Erzeuger und Verbraucher zu vermitteln, um dadurch die Materialpreise auf eine normale Basis zurückzuführen und den Bauluftigen günstige Be- zugsmiellen namhaft zu machen. Weiterlstn hat sie die Aufgabe, Baulustige bei der Verwendung von Baustoffen, insbesondere von Ersatzbaustofsen, zu beraten, sie über die gesetzlichen Bauerleichterungen, Einführung der Baunormen und über ,bie Gewährung von Zuschüssen aufzuklären. Tie Sprechstunden der Bauberatungsstelle sind in Frankfurt a.M., Obermainstraße 51, Tiens tags und Freitags von 10—12 Uhr vormittags. Telephon Hansa 7734.
** Postsendungen n ach Polen. Wie erst jetzt bekannt geworden ist, hat die polnische Postdirektion in Posen vor einiger Zeit ihre Postauskalten angewiesen, alle vom Ausland, also auch von Deutschland eingehenden Postsendungen, bei denen Bestimmungsort und Straße nicht polnisch angegeben sirtd, als unbestellbar zu behandeln. Seitdem gelangen zahlreiche nach Orten in der früheren Provinz Posen gerichtete Postsendungen mit dem polnischen Vermerk, daß der Ort unbekannt sei, nach Deutschland zurück. Briese nach Posen müssen demnach, wenn sie den Empfänger erreichen sollen, die Bezeichnung „Poznan" tragen. Wegen Aenderung der Anordnung sind sofort Schritte eingeleitet worden. Zunächst aber ist cs aus Gründen der unausgehaltenen Ab.vick- lung des Verkehrs nicht zu umgehen, daß die Absender bei Postsendungen nach dec früheren Provinz Posen den Ortsnamen und die Straße in der polnischen Bezeichnung angeben und als Bestimmungsland die Angabe „Polen" beifügen.
** Falsch deklarier te Frachten. Der Reichsverkehrsminister hat die Eisenbahndirektiorten angewiesen, von jetzt ab alle Sendungen, die durch Verfrach.er au'geliesert wurden, denen ialsche Te- flanation von Frachten nachgeitnefen wurde, grundsätzlich (durch Oesfnen der Verpackungen und dergleichen) daraufhin prüfen zu lassen, ob der Inhalt der Sendung mit den Eingaben im Frachtbrief übereinstimmt. Tie seit jeher bestehende Vorschrift, daß Tienststellen sich von der Uebercin- ftimmung der Angaben im Frachtbrief .mit dem Inhalt der Sendung zu überzeugen haben, wenn der Verdacht einer falschen Tellavation besteht, wurde erneut eingeschärft.
** W ie spare ich Porto? Die überaus hohen Postgebühren nötigen mehr als bisher zur Sparsamkeit. Eine tägliche Erfahrung ist es aber, das vielfach noch zuviel Porto aufgcwendet und die Ermäßigungen nicht benutzt werden, die der Tarif der Reichspost möglich macht. Drucksachen werden oft in verschlossenem Briefumschlag statt offen verschickt. Dann wird nach wie vor von der Einrichtung der Geschäftspapiere wenig Gebrauch gemacht. Sie sind aber jetzt billiger, sobald sie das Gewicht von 20 Gramm überschrciten. Als Geschäftspapiere zugelassen werden alle Schriftstücke und Urkunden, die nicht die Eigenschaft einer eigentlichen und persönlichen Mitteilung haben, wie Prozeßakten, Frachtbriefe, Ladescheine, Rechnungen, Quittungen, offene Briefe und Postkarten, wenn sie ihren ursprünglichen Zweck erfüllt haben, Urschriften von Werken und Zeitungen, Schwüler arbeiten, Lohn-, Dienst- oder Arbeitsbücher usw. Auch die neue Einrichtung der Päckchen wird nicht genügend beachtet. Sie kosten bis zum Gewicht von 1 Kilogramm 1 Mk., müssen aber dte Aufschrift „Päckchen" tragen.
** Bankstreik. Wie uns der „Deutsche Bankbeamten-Verein, Zweigverein Gießen" mitteilt ist der bei dem Bankhause Josef Herz, Gießen, ausgebrochene Streik seit Dienstag, den 31. August ds. Js., nach Beseitigung der ftrittigen Punkte, beigelegt. Tie Kündigung eines älteren
gegeben waren, in Frankfurt lxschlapnahmt.
5. Vai tshain, 31. Aug Jetzt ist schon ein Jahr verstossen seitdem dem Ändwirt Henning von Wrid-Moos in einer Nacht zwei mert • volle Pferde aus dem Stall gestohlen nntrben. Alle Ermittlungen sind bis jetzt erfolglos gewesen^ Vor etwa 14 Tagen wurden lern Landwirt Schuchard von frier in einer Nacht l1/» Fuder Weizen, ivelcher im Felde auf Haufen stand, gt^ stöhlen. Auch hier fehlt von den Tätern bis jetzt iede Spur. Es liegt die .Vermutung nate, day orts- und lokalkundige Personen mit diesen Diebstählen in Verbindung stehen.
z. Aus dem Vogelsberg 1. Sept. Tie Ernte ist beendet. Storn und Weizen sind, raenn auck nicht ganz gut, dock Mittelmäßig ausgefallen, Daser ebensalls, dagegen ist Gerste ganz kurz geblieben. Schöne Sommersamen-Felder sind noch einzuemten.
O Aus dem Schlitzer Land, 1. Sept. Nachdem Bürgermeister Johannes Enrich in Heller^fraufen sein Amt aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt hat, sand am Sonntag die Neuwahl statt. Mehrere Kandidaten touren ausgestellt Tie meisten Stimmen erhielten Konrad Eurich (21; und Joh. Becker, so daß zwischen beiden Stichwahl stattsinden muß. — In Qu eck ist nach öjäfrriger russischer Gefangenschaft Adam Trän- k e r zurückgekehrt. Seil 5 Jahren halten die Angehörigen keine Nachricht mehr von ihm erhalten. Die Gemeinde veranstaltete für den Totgeglaubten eine würdige Begrüßungsfeier. — Tur(6 die Maul- und Klauenseuche, die auch im Schlitzerland um sich greift, hat in Bernshausen ein Landwirt innerhalb zweier Tage drei Stück Großvieh verloren. — Tie S chw alben haben allenthalben schon die Abreise nach dem Süden angetreten.
Kreis Wetzlar.
ra. Atzbach. 1. Sept. Aus ihrer nächtlichen Turchreise wurden hier zwei junge Burschen festgenommen, in denen man die Einbrecher vermutet, die in jüngster Zeit unsere Betvohuer so fefrr beunruhigt haben. Im nahen Pfarrhause zu Torlar haben sie in derselben Nacht Mundvorräte gestohlen, die sie mit srch führten. Tie beiden Täter sind kürzlich aus der Reichswehr entlüften worden und versuchten mm auf diesem Wege ihren Unterhalt zu erwerben.
ra. Wetzlar, 1. Sept. In der Ersatzwahl zumKreistag wurde für den verzogenen Kaufmann I. Heymamr Bürgermeister Ziegler zu Braunfels zum Mitglied des Kreistags gewühlt und bestätigt.
Hessen-Nassau.
ra. Biedenkopf, 31. Aug. Der Haushaltsplan der Stadt Biedenkopf für 1920 schließt in Einnahme und Ausaabe mit 1 149 411.44 Mk. ab, also mit einer Zahl, wie sie das Rechnungswesen unserer Stadt niemals! gesehen hat. Die Zahlen sind gestiegen zu einer nie geahnten Höhe, ohne für den Wohlstand des Einzelnen wie der Gesamtheit als Gradmesser dienen zu fönnen.
ra. Biedenkopf,!. Sept. Biedenkopf hat einen unermeßlichen Reichtum in seinen ausgedehnten Waldungen. Nach der neuesten Zusammenstellung wurden im letzten Jahr aus Holz 516 714 Mark gelöst, dos sind rund 114 Proz. mehr als im Vorja-br. Demgegenüber stehen allerdings auch entsprechend höhere Ausgaben für die Holzfällung, die eine fcofre von fast 100 000 Mark erreicht hatten. Tie Nettoeinnahme des Titels Forstverwaltung ergab die Summe wn 355 770 Mark.
ra. Aus Nassau, 31. Aug. Arn letzten Sonntag fanden auf dem Festplatze „Im Brühl" die nassauischen Fe st spiele statt. Die Leistungen im Lausen, Hoch-, Weit- und Stabhochsprung, Schleuderball, Weitwurf, Diskuswerfen, Kugelstoßen sind als hervorragend zu bezeichnen. Großes Interesse erweckten die Kämpfe um den Wanderpreis des Grafen von Groeben im Faustball, den der Sportverein Braubach geaann. Tie Preisverteilung wurde durch eine gediegene Rede des Pfarrers Moser eingeleitet.
melte ein paar Worte und wandte sich hastig der Richtung zu, in der das ,plte Schloß" lag.
Ta aber hielt sie Anna Reinsdorf auf.
„Nein, nein, Kindchen! Erst kommen Sre mit zu uns! Ich braue Ihnen geschwind eine Tafts Tee. Die wird Ihnen gut tun. Ich möchte wellen, daß' Sie aus der langen Reise den Teil des inneren Menschen, der nach Speise und Trank schreit, strch- lich vernachlässigt haben."
Rena lächelte mit blassem Mund ein wenig und ließ sich mitziehen. Noch eine kurze Frist!
In dem hübschen Vorgarten -um Lehrerhäus- chen stießen sie auf Annas Bruder, ber zwischen den Rosenbüschen beschäftigt war.
Er kam frerbei und reichte Rena die Hand, und diese Hand wollte sich von den schlanken Mädchen fingern gar nickt wieder loslösen. Wie ein Festhalten in unsäglichem Erbarmen war das. Dieses Erbarmen stieg auch in seinen gütigen, etwas müden Zügen auf. Dabei konnte er fern Wort sprechen, so groß war seine Erregung.
Betroffen sah ihn das junge Mädchen an.
Von seinem Gesicht glitten ihre Augen zu dem der alten Jungfer hinüber, und da fing jte ein Zeichen auf, das Anna dem Bruder gerade gab, wahrscheinlich ein Zeichen, vorsichtig zu sein.
Rena empfand es wie einen harten Schlag aus das Herz. Dennoch fragte sie unnatürlich ruhig, nur mit seltsam rauher Stimme: „Was in denn —? Soll mir etwas verheimlicht werden? Tas wäre doch zwecklos. „Drüben" toürbe ich dann ja doch alles erfahren —"
Anna Reinsdors drängte sie über die Schwelle
wucherte Turm des „alten Schlosses" ragte hoch darüber 'hinaus — in seinem Sckxllten mußte sie nun wieder wohnen, darin einhergehen neben der starren Blinden und ihrem leidenschaftlichen, kranken Sohn! Wo toar das Gefühl hin, das sie noch vor kurzem mit warmer Zugehörigkeit zu diesen beiden und den alten Mauern erfüllt hatte —?
Zerstoben, verweht — sie fürchtete, auf immer. Nur das Pflichtgefühl trieb sie dahin zurück und hielt sie an unzerreißbare Fessel fest.
In derlei Gedanken Der fünfen, entging ihr ganz, daß das Gesicht von Anna sKeinsdors grau und überwacht aussah, daß es dann und wann bang und schmerzlich um ihre Mundwinkel zuckte.
Freilich bot die alte Jungfer sichtlich alle Kraft auf, um dem jungen Mädchen diese verräterischen Zeichen vorzuenthalten.
Sie plaudert?scheinbar unbefangen von Max. der am Sonntag Morgen natürlich gleich zu ihnen hin gestürzt fei, um sich zu befragen, warum die Schwester so plötzlich habe verreisen müssen, während der Vetter ganz unertoartet aus der Schweiz zurückgekehrt sei. Tie Tante hatte ihm nur bie raufte Tatsache mitgeteilt, nichts sonst.
Auch sie habe ihm ja natürlich nicht titel mehr sagen können, habe es jedoch einzurichten gewußt, daß er so ziemlich den ganzen Tag im Lehrer Hause geblieben sei, wo ihm, bet botmnjch.-n Studien mit ihrem Bruder, die langen Stunden ohne seine geliebte Rena weniger schwer aus 'bte Seele gefallen wären.
Die ersten Häuser des Städtckens ivaren erreicht. Rena drückte die Hand per Freundin, mur-
Aus Statt rind Land.
Gießen, den 2. Sept. 1920.
** Das Oberhessische Museum und die Gailschen Sammlungen haben seit dem letzten Bericht wieder manchen Zuwachs zu verzeichnen. Erfolgreiche Ausgrabungen frohen die Bestände vermehrt, und infolge gütiger Stiftungen konnten auch die übrigen Abteilungen durch glück- hefre Erwerbungen bereichert werden; hervorgehoben seien frier nur ztvei eigenhändige Briefe des berühmten Kupferstechers I. G. Wille von der Obermühle bet SRobfreint a. d. Bieber. Zur Zeit ist man mit der Vervollständigung der erklärenden Beischristen beschäftigt und man ist insbesondere bemüht, die hochbedeutsame Artsgrabungs- ableilung mehr und mehr dem Berstänonis auch des breiteren Publikumes zu erschließen. Ersreu-
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