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A«» Start und Land.

Gieß en, ten 2. Juni 1920.

Neue Reisebrotmarken.

Die bisher eingetretenen und noch bevor- Prhenden außecorventlichen Erhöhungen der Papierpreise zwingen, um eine zu große Belastung der Kommnnalverbande zu vermeiden, zu einer Verkleinerung und damit zu einer Neu­gestaltung der Reisebrotmarken. T.r Reisrbrotmarken neuen Musters w.rden rn teu nächsten Tagen zur Verwendung gelangen. Durch die Einführung der neuen Marken nnrd die Gül­tigkeit der jeyigen nicht berührt. Bis aus werteres gelten daher dir alten und die nnren Marken nebeneinander, doch ist damit zu rechnen, daß in abjehbari-r Zeit die jetzigen Marken außer Geltung geletzt werden. Der ZeitMnkt Wird noch tesondecs mügeteilt werden. Gin Umtausch der alten gegen neue Macken fonn wepen der noch langen Umlausszeit der jetzigen Reisebrotmarken nicht zugelassen werden. .

** Ausgabe von L^äse. ^-cmnerstig, 3 Juni, nriit) in den Verbcujssfe'llen der Mvlöerei Grieb, ^rant.itricr St irße, Schassensiraße u d Linde.-Platz >am die Brzirfe 2, IG und 13 Stä.c ausgegeben. Auf einen Anteil entfallen etwa 100 Gramm (Preis 6,40 Mk. das Psund).

Oeffentl'cher Zettelanschlag in der Stadt Gießen.

Bekanntmachungen, gewerbliche Anzeigen, ö,* seutliche Ank Egung n, insbesondere v»i Belu­stigungen, Versammln?.gen und Au führungrn, so­weit diesol5en nicht den össentlichen Verkehrs­interessen bleuen, dürsen innerhalb der Stritt Gießen und b reu Gemarkung nur an den ovn der Stadt erricht ten Einschlags äulen und ange- brachten Da ein a.'geschlagen teerten, und z.var nur durch die tezu bevcch.iglcn Personen. Die.e be­dürfen hierzu ter Erlaubnis des Polizeiamts Gießen und haben einen aus Namen Imitenccn, Dom Polizeiamt Gießen auSzustellenden Legi- timationsschem bei sich zu sühnen. Im übrigen ist die Anbringung der B kanntmachungen uw. nur mit Zustimmung des Eigentümcrs des tetr. G- bLutes ufte. und unter der Boraus'etzung zulässig, daß die Plakate auf einer vom Polizeiamt Gießen hierzu für Geeignet erklärten Anschlagstoftl be­festigt werten. Tie Bestimmungen beziehen sich nicht auf Veö arntmachunacn. w.lcke von Grund­stückseigentümern oder Mietern ausschließliche in ihrem Pnrxnintevesse an ihren eigenen Grund­stücken, Käufern ©ter Mietsräumen «rusgehängt loder argeldrttigcn werden. Zuwider band ungen so­wie absich liche Bescktüdigung, Be'chmutznng und widerreckt icüe Benutzung der AnschagstaÄn und Säulen, Ab eisien von An'ch eigen von denselb-m, werden unb.'schtet höherer allgemeiner Straf­bestimmungen mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mk. bestraft.

Beranstaltunaen.

Mittwoch, 2. Juni: Aquarium, 8 Uhr, Lauptversammlimg der Elsaß-Lothringer. Licht- spi^haus wie gestern. Licfstspiele, Seltersweg, Kouttesft Doddy" undRosS v. Dornbusch"

* ©inTen der Silbermark. Die Reichsbank hat den Einbaufspreis für Silber­münzen ermäßigt, und zwar für eine Silber­mark auf 3 Papiermark. Abseits der Markt­bewertung soll Feinsilber von den Scheide­anstalten z. Zt. mit wenigüber 500 angekauft werden. Die Kurse des Münzeinkausspreises der Reichsbank bewegten sich also folgender­maßen: bis zum 1. Mai 6Mk., vom 3. bis 8. Mai 5Mk., nach dem 10. Mai 4MT. und seit dem 27. Mai 3 Mk.

** Einführung des Zweiklassen- fystems auf den Rcichseisenbv hne n. Mit dem 1. Juli 1921 werden auf den Reichs- eisenbahncn nur noch z'.vei Wagenklassen Geltung haben, so daß von diesem Zeitpunkte eine neue Tarifberechnung in Kraft tritt. Es gibt in Zu­kunft nur eine Polsterklasse und eine Holzklasse, ob die Klassentezrichimugen geändert werden, steht nvck nicht sest. Tie eiche Wagen klasse wird be­reits im Laufe dieses Jahres in allen Personen- zügen verschwinden und zunächst nur in Schnell­zügen nod) weiter gefahren werten. AtlmLhlich erhallen abr affe Polsterwagen-Abteile sechs Sitze und Tnertxm als 2. Klasse geführt. Tie Wagen 4. Klasse werten durchweg mit Holzbau km versehen, so daß die offiziellen Stehplätze fort­fallen. Tie alten Wagen werten entsprechend um­gebaut, ohne Trwnmq in Sonderabteile. Neue Wagen werten nur noch in der Art der 3 Wagen» klase gebaut. Tie Ausstattung ter Polstenvag-m soll später wicter in der alten Friedensart durch- gefülwt werten. Eine mit dieser Umgestaltung di­rekt zusammenhängende Etbölmng der Fahrpreis ist vorläufig nicht in dlussicht genommen, doch ist es nicht unmöglich, daß die neue Holzklasft später eine antene Berechnung erfährt, die die Tiffwrn- zen zwischen 3. und 4. Klasse ausgleicht.

** Ein Leim kehr fest ehemalige r ?'^^gsgefangener wird am Sonntag, den 6. und Montag den 7. Juni auf der LiebigShälv veranstaltet werten. TaS Fest, das die Unter­stützung )veiter>ir Kneife gesunden Hot. soll nicht lediglich ein BergnügmigS'est sein, sondern auch den heimgefeinten .Kriegsgefangenen Giesens uno Oberhessens die Möglichkeit geben, sich iwter* Zusehen, und einige frohe Stunden gemeinsam mit Vgrcn alten jtzameraden verleben zu können. Tas Fest ist für die Allgemeinheit zugänglich und zahl­reichstes Erscheinen ist erwünscht. Neben vielen anderen Darbietungen mag besonders auf (yrupven- bilder air5 Gefangenschaft aufnrrrf'am gemacht wer­ben, die von ehemaligen Kriegsgefangenen in chrtr G-Kleidung gestellt werden. Ter Reinertrag des Festes ist 'teilweise für die noch in sibirischer Ge angensckzast b findlichen deutschen Soldaten, der Rest für die Unterstützungsbasse für bedürftige ehe» malrae Knegsgefangene bestimmt. (Näheres über das Programm des Festes trete Anzeige ) Die An- S^^gen ter m sibi i cker Getangensckiaft besr-v- Uchen deutsch-n Solte.rfen nerten gebeten, ite-

eise ivrm Hans Horst, Marburger Straste. zutommen zu lassen.

**Abgabevonrussischen.Kriegs­gefangenen für l andwir tsch aft- It ch tu nd gewerbliche Arbeiten. Auf Grund einer Anweisung des Reichsamtes für Arbeitsvermittlung hat das Verfahren der Zuweisung von Russen ans dem Kriegs­gefangenenlager in Niederzwehren eine Ken­terung erfahren. Die Abgabe erfolgt nur noch nach erfolgter Genehmigung des Landesamtes für Arbeitsnachweis in $)ch\n, dessen ajf. unb Waldeck, und zwar zu den gleichen Lohn- und Arbeitsbedingungen, die auch für deutsche

Arbeiter Geltung haben. Alle Anträge sind ausschließlich auf den vorgeschriebenen For­mularen an das Landesamt für Arbeitsnach­weis in Frankfurt a. M., Gr. Friedberger Straße 28, zu richten. Die erforderlichen Vor­drucke nebst einem Merkblatt, das die nähe­ren Bedingungen enthält, können kostenlos bei der genannten Stelle sowie bei sämtlichen öffentlichen Arbeitsnachweisen entnommen werden. Eine Genehmigung zur Beschäftigung von russischen Gefangenen kann durch das Landesaml für Arbeitsnachweis nur erteilt werden, falls keine deutschen Arbeiter beschafft werden können. Es empfiehlt sich demnach, zu­nächst bei dem zuständigen Arbeitsnachweis zu versuchen, deutsche Arbeiter zu erhalten.

** DasSiegfried " - Gastspiel des Hessischen Landestheaters am Don­nerstag den 3. Juni beginnt pünkt­lich 6 U h r. Zu spät Kommende können nicht auf Einlaß rechnen. Die Vorstellung endet gegen 11 Uhr. Generalmusikdirektor Direktor Balling ist musikalischer Leiter der Auf­führung.

** Zn r morgigenSiegfried-Aus­führung werden, krir toen öeridTtebcnen Seiten gebeten, auf einige kleine Rücksichtslosigkeiten des Publikums beim letzten Opcrngastsri i 0:5 Landes­theaters hinzuweisen. Da sei zunächst an alle sie Bitt: gerielstet,pünktlich z v kommen. B sonters beim Vorspiel wirkte es geradezu niederdrückeno, weim in den verdunkelten, von den Tönen dos Orckxsters bereits ourchfluteten Theaterraum immer und immer ivieder grelles Tageslicht, Türrngeränsch imb Sitze klappern ihre Diisonan-en hinemwerfen. Das vorzeitige Ausbrechen ist insofern vielleicht etivas berechtigt, als hier meist auswärtige Be- siucl-er in Frage kommen, die an die Abfahrt ihrer Züge gebunden sind. Bei einigem gict'Tt Willen ließe sich die Störung hier ater zum mindesten sehr ver­ringern. Man möge sich tei Beginn des letzten Aktes gleich an die Tür stellen ober aber einen Inhaber eines Eckfitzes bewegm, mit seinem Platz zu tauschen. Wer die letzte ,,Walküre"-Borstellung besucht bat der weiß, wie grausam die Stimmung zerschnitten wurde, weil andauernd ganze Parkcstt- reihen aufstanden, um jemanden durclttzulassen. Es märe sehr schade, wenn man dadurch morgen um den Genuß des berrHeben Wechs IgesMigs zwischm Siegfried und Brünhilte in ter letzten Szene käme.

"* A b c> n n e m e n t s konz e r t e. Infolge der Siegfried"-Ausführung am Donnerstag den 3 Juni muß das erste Abvnnementst'vnzert der Regimentskapelle auf Donnerstag den 10. Juni verlegt werden.

** Diebstahl. In der vergange­nen Nacht wurden hier mittelst Einbruchs ge­stohlen eine größere Anzahl Tafeln Schoko­lade, Marke Reichard, Hiller, Weinberg und Hou lex, sowie etwa 30 Pfund Zucker und 20 Pfund Mehl. Vor Ankauf wird gewarnt.

** Tie Allgemeine Ortskran ken- kasse Gießen weist tenxruf hin, baß durch Beschluß des Obervetticherungsamtes zu Darmstadt den heftichn Krönten k'sen die Befugnis znge- spwchen worden ist, an Stelle von Arzt, Apothefe und Heilmittel eine Barleistung zu gewähren. Sie will von biefer Befugiris vorläufig fernen Gebrauch maeten, da in den Twisten Fällen die Auslagen der K-rsienmitglüder für Arzt, Apothefe und Heil­mittel die zu gemäfmenben Leistungen erheblich übersteigen. Bo^uSetzung bferür sei jedoch, daß tec Kassemnitglfedcr, Mange der -ohne Ver-schulten der Kaste hervorgerufene Streif mit den Ärzten nicht bei gelegt ist, die Aerzte mrr In den dringend­sten Fällen in Anspruch nehmen.

** Allen Altpensionären und Alt- hinterblicbenen sollen rückwirkend vom 1. April 1920 zu der in Aussicht stehenden Rege­lung bet gesetzlichen Bezüge unb unter späterer Anrechnung auf diese 50 Proz. der bisher zu­ständigen Pension als Vorschuß gezahlt werden.

** Das Telephon Verzeichnis von 19 20, von der v. Münchowsclxn Hof- und Uni- terfitätdbruderet Otto Kindt Wwe. Gießen heraus-' gegeben, entspricht einem bringenben Bedürfnis. Es enthält die Fernsprechanschlüfse der verschie­denen Postdirektionsbezirke nach alphabetischer An­ordnung, wodurch man die Anschaffung der ver­schiedenen Telephonverzeichnisse erspart. Für jeden Geschäftsmann ist das praktisch- Nachschlagebuch sebr zu empfehlen. Näheres ist aus der Anzeige zu ersehen.

** Die So zialdem akratische Par - tei veranstaltet am Donnerstag, 3. Juni abends 8V2 Uhr, im Saale des Hotel Einhorn eine öffentliche Beamten-Versammlung. Es werden Professor Weißgerber und Unterassi­stent Schmulbach sprechen.

Landkreis Gießen.

-in. Langd, 2. Juni. Einem hiesigen Ein- ivvhner wurde in den letzten Tagen durch Einbruch ein größerer Geldbetrag enttarntet. Ein Knecht, der in der letzten Zeit bei dem Bestohlenen bebtenftrt war und jetzt verschwunden ist, ist der Tat dringend verdächtig. Jedenfalls mu'g der Täter mit den örtlichen Verhältnissen vertraut gewesen und den Aufbewahrungsort des Geltes gewußt haben. Die t&mbarmcrie fahntet nach ti>m.

Lollar. 2. Juni. Die Deutsche derno- fratische Partei hält 'beute, Mittivoch, den 2. öinri, im Saalbau zur Linde, eine große ässent- lichc Wählerversammlung ab. in der Reichstagö- 'tanibibat Pfarrer Kore ll sprechen wird. Herr Kvvell ist ein SdHaier Kind.

Kreis Schotten.

la. Gedern, 1. Juni. Bei einem Mann aus Offenbach wurde rn einem Kartvsfelsack das Fleisch eines geschlachteten Kalbes geftmden. Im Rucksack war das Fell verpackt. Da der Betreffend« nicht angab, tnotier das Fleisch war, wurde et vct haftet und dem Amtsgericht Ortenberg vvr- geführt. Einem Herr und einer Dame wurden bei der Durchsuchung 200 Eier und 17 Pfund Butter beschlagnahmt. Sie wollten die Sacten in Hartmannshain gekauft haben. Der Herr bekam nach Feststellung der Namen das für die Nah- nm gemittet verausgabte Geld nritber rurück. Auf der Falnt von Hartmannsbain nad) Gwern konnte Wachtmeister Nau, der obige Sachen scststellte, noch einen Zentner Gerste unb einen geschlachteten HamnTel beschlagnahmen. Das Fleisch kam hier gegen Fleischkarten zum Verkauf, die Ämter und Eier wurden der Ablieferungsstelle zugefübrt.

e. Ulfa, 1. Ium. Die vor einigen Iabren hier errichtete Gestütsstation, btt gerate jetzt mit inxi bcrDorragenben Zuclitbeckbengsten versehen in, beroäört sich im Interesse der Pferdezucht I als eine vorzügliche landwirtschaftliche Ecnricte I tUR0' die von allen Orten der engeren unb wer-

itnirben biet eine Anzahl etwa ein Vietteliahr alte Fohlen zum Preise von 50006000 Mk. ver­kauft, Preise, die allerdings geeignet sind, die Pserdcbesitzer zur Zucht von Jungtieren anzu­eisern.

Kreis Friedberg.

= Bad-Nauheim, 1. Ium. Tie hfense Einkaufsgenossenschaft hicll gestern atenb ihre Hauptversammlung ab. Aus tem vom Bei­geordneten Älmg ermatteten GeschLstsberichl ist zu erwähnen, daß die MitgliedetzaA 223 mit je 2 Geck ä.lsanteilen die Hast umme ton 223OOJ Mark berrägt. Der Umsatz im abgelausenen Jihr betrug 6 261446 Mk., der Reingewinn nahezu 20 000 Mk.

O Steinfurth, 31. Mai. Tie nördliche Wetterau hatte im Anschluß an die gestrigen Gwitter gestern und auch heute noch stlichaxtiie ganz ergiebigen Regen, ter es den Landwirten er­möglichte, mit dem Setzen der Pflanzen zu be­ginnen.

Starkenburg und Rheinhessen.

I.ro. Tatmstadt, 1. Juni. Die Maul- und Klauenseuche ist in derart bösartiger Form aufgetreten, daß das Kveisaml Darmstate d e Gemarkungsgrenze Arseilgen, D rms'adt (Ma- trazeuweg- und Mesfelet Chau sae bis aus weiteres für jeglichen Per'vnen- und Fuhtwerssrerkehr ver­boten bat, um die Verbreitung der Smche aut das Kabinettgut Kranichstein zu verhindern.

Lkssen-Rassan.

me. Frankfurt a M., 1. Juni. In einigen Läden der Stabt fntb neue Maltakartof­feln zu kaufen. Das Pfunb kostet 1.301.40 Mk., ein Preis, der verhältnismäßig niedrig ist, wenn man bedenkt, daß sich Ländler für deutsch: Schleich- handelskartoffeln im Zentner 8090 Mk. zahlen lassen. .

me. Vom Untermain, 1. Ium. Tte Heuernte ist in vollem Gange. Der Ettrag ist sowohl Quantitativ tote guaHtatio gut und ent­spricht durchaus den Erwartungen. Die Ernte hat drei bis vier Wochen früher wie in normalen Jahren begonnen Korn, Weizen und Roggen Heben in schönster Blüte. Gerste hat abgeblüht unb ausgezeichnet an gesetzt. Die Oe'.saaten stehen selten schön. Wenn nicht unvorhergesehene Zwischenfälle eintreten, ist dieses Jahr mit einer Vollernte zu rechnen.

ha. Weilburg, 2. Juni. Arn 26. unb 27. Mai ds. Is. veranstaltete die Be^irksbauernschaft für Nassau und ben Kreis Wehlar ihren ersten nassMiischen Bauerntag rn Weilburg a. d. L., ber in jeber Beziehung glänzend verlief. In ter Vet- trcteroerfammlung wurden ter allem Wirtschafts-, Produkt io ns- unb Preissragen bespwchen. Nach­mittags 2 Uhr beweg e sich ein großer Zug durch die Stadt Weilburg, an dem annähernd 6000 Bauern und Bäuerinnen teilnäflmen. Trc Be­teiligung aus allen Kreisen des ^Idrssauer Landes war derart, daß der große FesLplatz die Versam­melten kaum fassen tonnte. Hier sprachen u. a. der Vorsitzende der BeztrkÄoauernschäft, Landwirt Karl Hepp-Seelbach: ter Direktor des Deutschen Landbunbes, Kriegs l-eim: Frau Wagner-Wies­baden: ber Geschäftsführer ber Bezirksbauernschaft Kurhessen, Fürst-Marburg; tem Reiffeisenverband Tr. Groß-Esch.

Vie wahibewegung. Die Wahlaussichten.

B t r I i n, 2. Juni. Ober Präsident a. D. Wi n- nig sagt im Roten Tag: Diese Wahlen kön­nen zwar Uebertasckungen bringen, sie werden es aber nicht. Es ist schon richtig, daß am 6. Juni eine Entscheidung fällt, aber so bedeu­

tungsvoll ber Wahltag ist, bedeutungsvoller ist, saß sich die Gewählten über die weitere Entwicke­lung klar werden. Dazu müssen sie die Wpse recken, Hm über den Patteizaun hinweg das Ganz« zu sehen.

In der Germania wird gesagt: Ms zum heutigen Tag stehen noch hinter ter Regierung bret­irierte! aller Volksvertreter und damit nach Aus­weis des ansugdxmten Ergebnisses der National­wahlen vom vorigen Jahre breiDterteT>bivr Wähler­schaft. Mag immerhin dieses Wahlergebnis am nächsten Sonntag eine Korrektur erfahren, es ist eine unglaubliche Uebertreibung zu behaupten, daß statt des deutschen Volkes ein Milcher hei tsteil desselben die Regierung in der Hand hält. Ergibt die Reichstagswahl eine erhcvliche Vetänterung der Parteistärken, so wich selbstverständlich die Regie- rungsbildung tem sich anpassen müssen. Die Rechte scher irrt, wenn sie meint, ihrerseits aus der Ver­tretung der Dtejvrertelmehvhnt des deutschen Vol­kes eine Minderheit machen zu können.

Die Landtagswahlen in Gotha.

Gotha, 1. Juni. iWTB.l Nach dem nun» mshr voUsländig vorliegenden Ergebnis der Go­thaer Landtagswahlen erhielten die Deutsche Volkspattei 12 889, die Teutsch-na. tonale Volks­pattei 4149, ter Bauernbund 21 717, die Deutsche demokratische Partei 7835, die Mehrheitssozial- temofratie 4087, die Urabljängiae Spieltemiotnitte 38 987 Srimmen. Danach entfallen cuftrie Deutsche Volkspattei 3, die Teutschnattonalen 1, Bauern­bund 5, Demokraten 1, M^hvheitsfazUrlisten keinem. Unabhängige So- ialdenio traten 9 Sitze.

Listrnverbinbung.

Folgente MrbindmigSfr^ärungen sind 00m Berbandsitel'lausschutz zuzelas^en worden:

Kceiswahloorichtog Nr. 1 (Kennwnft: Unab­hängige So-zialdemokvlrrii'che Partei), nrrtbemShrtd» roallVorschlag der Unabhängigen Soziachemokra- ttschen Partei im 21. Wahlkreis, beginnend mit dem Namen Robert Tißmann in Frankfurt a. M ;

Äre^swahlterft^ag Nr. 2 Kennwort: Sozial­demokratische Partei jMehpheitsparteij des Frn- stoots H« sen, Karl Ulrich, Staatsprä'id-nt), mit tem Kreiswahlvorschlag ter Sozialdemokratischen Partei (Mehrheit-Partei) im 21. Wahlkreis, be» gmenb mit dem Namen Philipp Scheite mann in

KreiswahlVorschlag Nr 3 Kennwort: Kommu­nistische Partei Tod ch'ands Srartakusb-mto), mit tem KreiSw>icck'.vr'chlag ter Kvmmunistisck>m Partei Teutschlands (Spartakusbund', im 21. Wtlri- kl-eiS, tegimtaib mit dem Namen Slara Zetkin, Schriftstellerin in Wikhelmshöhe-Siüenbnch bei Stuttgart:

Kreiswahlvorschlag Nr. 4 lKennwort: Teutj'dx Bvlksvartei), mit tem Krrisnxll-lvorsckstag ter Tratschen Bolkspartn im 21. Wohlliris, begin­nend mit dem Namen Dr. Jacob Ri«per. Geheim.-r Justizrat. UnireriitätSpnv'essor, Berlin:

KreiSwahlvorschlag Nr. 5 (Kennwort: Zen­trumspartei', mit tem Kreiswahlvorschlag ber Zen­trum Spartei im 21. Wähkkreife, beginnend mit tem Namen Jean Albert Schwor;. Mitglieo ter Nationalversammlung, Frankfurt a. M.;

KreiSwcchlvorschlag Nr. 6 (Sfeimtojrt: Deuticpe deawkrarifche Partei Lesiev-Tarmstot^), nrit tem

Kreiswahloarschl ag der Teutidrn tencokrati scheu Partei im 21. Wahlkreise, beginnend mit tem Namen Walter Schücking, Mofessor, Marburg:

KreiSTvahlovrschlag Nr. 7 (Kennwort: Ein- gungsliste te*r Des ischen Bo kspar.ee und des sischen Bauernbunb s , mit tem .Kreiswal lvvrschag ter TeutichnatZonalen Bolkspartei im 21. D chl- kreise, tegünemb mit tem Namen Staatsminist-r a. D Dr. Karl Helsferich, Berlin-Wilmersdorf.

Die oben .nväi/n en Kre'sw..hl orsch.'äge aus dem 22. Wahlkcei e Hcs'en-Tarrn ( ad: baten ftch den bekannten Reickiswallvorschlügen der betref­fenden Partei an geschlossen.

Von der Kommunistischen Partei Deutsch lands (Spanakus-Dund).

Tie Zahl ter zur Reichs t ags wo b l von der K. P. D. (Spattakus-Dund) in dem Reichs- wahlrorsch.'ag und 24 Listen ausgestellten Kandi­daten beträgl 291. Wenn man ater die in vielen Listen immer mietet fetarnben Namen, die haupt­sächlich dem Neick'sw.ihlvvrschlag entnommen sine, nur einmal berücksichtigt, so ermäßigt..sich die Zahl der Kandidaten aus 158. Unter triefen 158 Kan­didaten befinden sich 10 Frauen, von denen Klara Zetkin aus allen Listen außer Pommern und Rvsi Wolfstein- Karlsruhe auf 9 Listen er­scheint. Der Rvi ck>swa hlvorschlag Äbst enthält drei Frauen als Kandidaten, und zwar außer bet un- r»ermeidlichen Klara Zetkin noch Rosi Wolfffekn- Karlsrul:« unb Ines Mai-Bcrlin. Der Wahl- kieisverband Rheinland-Süd hat den Reilhswiyt- vorschlag ohne jeb: Aenterung übernommen, toäte reich sonst die süd- und nxfLteut;d)en W lstlkvns- rerbänbe außer den immer wieder keimend m Namm wie Zetkin und Levi eigene Kandidaten aujgefteüt haben.

** Wahlscheine für Ktiegsver- s e h 11 c. Einen Wahlschein erhält nach der Reichs- wahlvrdnung auch ein eingetragener Wähler, der infolge eines körperlichen Leitens ober Gebrechens in seiner Bewegungsfahigkeit behindert ist. Er kann damit seine Stimme m einem beliebigen Wahlbezirk ohne Eintragung in die dortige Wäh­lerliste ober Wahlkartei abgeben. Diese Vergünsti­gung kommt nach einer Mitteilung des Reichs­arbeitsministeriums auch ben Kriegsversehrten zu, die in ihrer Bewegungsfähigkeit gehemmt sind. Zur 21usftellimg des Wahlscheines ist die Ge- meindebehörbe tes bisherigen Wohrwrts zuständig. Sie kann verlangen, baß ber Grund zur Ausstel^ tung tes Wahlscheines glaubhaft gemacht wird.

** Professor S chian in Düsseldorf. DieKölnische Leitung" leitet dem Bericht über ferne Düsseldorfer Wahlversammlung mit folgen- tem Worten ein:Eine der packendsten und in- haltsreickisten Wahlreden in dieser rcbercidxm Wahl- Kett hielt gestern in einer Versammlung ter Deut- fthen Bolkspanei b r Uni er ttätsp.o'e sor Dr. Schian aus Gießen über Sein unb Nichtsein des deutsche!: Volkes....."

** Der Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Gießen, veranstaltete gestern im Saale tes Hotel Einhorn eine öffentliche Versammlung, um den landläufigen antisemttischen Bebaupttlngen entgegenzutreten. Die Versammlung hatte einen ungeheuren Zudrang, so daß viele Hunderte keinen Zuttttt mehr sanden und der Eingang polizeilich gesperrt wurde. Redner tes Abends war Rabbiner Dr. Jacob- Dortmund, der über das Thema: Judentum und Revolution" sprach. Er erflärte ausdrücklich, daß seine Rede trotz ber dicht bevorstehenden Wahl keine Rede für ober gegen eine Partei fein werte, sondern vielmehr dazu beitragen solle, den Wahlkampf durch Aus- fdxibung gewisser Schlagworte zu entgiften. Ein solches Schlagwort sei das Wort:Die Revolu­tion ist ter Stern Judas". Er referierte zu^ nädrft über die antisemitischen Folgerungen, die an diesem erfundenen Ausspruch, ter von jüdi­scher Seite nie getan worden ist, geknüpft werden und legte in objektiver Weise dar, daß das Juden­tum revolutionäre und gewalttätige AenderunbM ter Staatsverfassung nicht lehre, sondern viel­mehr sttengen Gesetzcsgehorsam. Sodann ging er auf die Beteiligung von Juden an revolutionären Bestrebungen em. Er zeigte, daß die antisemitischen Behauptungen an ungeheurer Uebertreibung litten unb brachte auch eine ganze Reihe von Tat­sachen und Zahlen, die mit antisemitischen Un­wahrheiten aufräumen sollten. Er wies nach, daß die Beteiligung der Juten am Kriege genau ihrer Bevölkerungsziffer entspreche. Der fünfte Teil aller deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens habe am Kriege teilgenvrnmen. Die Zahl ter Gefallenen entsprecte im Durchschnitt ter des teutfdxn Vol­kes und sei zum Teil noch höher. Auch die Be­teiligung der Inden an Kriegsgesellschaften von Juten entspreche genau ihrer Beteiligung im Han­tel überhaupt, nämlich 1011 Proz. In der Re" gierung jeien aber keine 5080 Prvz., sondern nicht einmal 1, ja nicht einmal V10 Prvz., wie sich jedermann aus dem Adreßbuch überzeugen könne. Der Redner ging dann noch auf die psycho­logischen Voraussetzungen tes Antisemitismus ein unb schloß mit einem Aufruf an die anständigen Elemente ter konservativen Partei, dem Anti­semitismus mit aller Entschiedenheit eine Absage zu erteilen, wie dies bereits verschiedene hervor­ragende konservative Politiker getan hätten. Der Antisemitismus nertriene überhcmpt nicht den Na­men einer Partei, da er nicht Ueberzeuaung, son­dern nur Personen bekämpft. Die wohldurchbachte Rete fanb bei tem überwiegenden Teil der Ver­sammlung stärksten Beifall, während ein anderer Teil vom ersten Wort des Redners an Wider­spruch erhob, so daß der nervös gewordene Haupt­redner wie die Diskussionsredner sich zu prvvo- aierenben Aeußerungen hinreißen ließen. Infolge­dessen artete die Versammlung vielfach zu foldjcm Radau aus, daß minutenlang weder ter Haupt­redner noch die Diskussionsredner zu Wotte kom­men konnten. Bedauerlich ist, daß sich an dem Lärm insbesondere eine große Schar von Stu­denten, unreifen Burschen unb Schülern beteiligten. In ter Diskussion traten eine Reihe von Red­ner aus, von denen z. B. ein Vizeicldw.-tel Ritzel, ein Leutn. a. D. Durst, Oberl. Dr. Lenz, Bar- Ktzrnter des deutsch-völkischen Schutz- unb Trutz- bundos, sowie fhib. Krämer den antisemitischen Standpunft vertraten. T>er letzte der Diskussions- rebner, Stadtv. Otter (U.S.P.) erregte derartigen Widerspruch, daß dft Versammlung unter un­geheurem Tumult gesprengt zu werden schien. Dem Hauptredner des Abends gelang es schLietzlich doch bas Schlußwort zu sprechen, in tem er allen Dis­kussionsrednern in längeren Ausführungen ent* «gentrat und besonders die akademische Jugend zur triibimg eines eigenen Urteils durch gründliches Studium der Literatur für und wider ten Anti­semitismus aufforbfrtt.