** Die USP Gießen veranftaltele tm Lause des geftrigm Tages zwei Versammlungen im Cafs Leib. In der Eisenbahnerversammlung des Nachmittags sprach Gewerkschaftssekretär Stephan in längerer Rede über das Thema: „Wir Eisenbahner und die Reichstag sw a hl en". Er führte hierbei u. a. aus, daß die USP. den Wahlkampf nicht führe, um parlamentarische Mandate zu erobern, sondern um die Köpfe zu revolutionieren. Für Sozialisten sei es ein Unding mit einer bürgerlichen Koalition zusammenMarbeiten. Die Demokratie sei nichts anderes als eine Diktatur und in gewissem Sinne nicht besser als das alte Regime. Es sei nötig, bafc das Proletariat sich auf beit Boden des Klassenkampfes stelle bis es die politische Macht erobert habe. — An der Aussprache beteiligten sich Zugführer 23 r ü cf und der Demokrat Eisen- bahnassistcnt Detrse, der Wert darauf legt, teftgeftdlt zu wissen, daß er in der denwkratischen des Vorabends gesagt habe, daß die Beamten, die nicht für eine Koalitionspartei stimmen wollten, wenigstens soviel Ehre besitzen sollten, von dieser Koalitionsregierung „für ihre Putsch- und Agi- lationszwecke" kein Gebatt zu verlangen. Die 23er- mutung, die er im Zusammenhang damit aussprach, daß der Gießener Anzeiger vielleicht nidjt mehr frei seine Meinung äußern könne (er er- wähnte hierbei die Zeitungsankäufe durch Strnnes), richtet sich durch ifore Lächerlichkeit.
Am Abend sprach zunächst Krankenkassenkontrolleur Beckmann ,der sich in der bekannten unabhängigen Weise ausführlich über Kriegsursachen, Kriegs- und Revolutionszeit verbreitete. Er übte dann scharfe Kritik an der Tätigkeit der Nationalversammlung und auch der Haltung der mrhrheüssozialistischen Partei, besonders in Kirchen- und Schulfragen, Steuerfragen. Die direkten Abgaben, wie Versicherungsbeiträge und Einkom- niensteuer würden bald mehr als die Hälfte des Gesamteinkommens betragen. In diesem Zusammenhang sprach der Redner auch über die Stellung der USP. zum sogenannten neuen Militarismus (der mehr Geld verschlinge als das riesige Heer und Marine des Kaisertums) über die tech- nische Nothilfe. Verwaltung und Justiz seien wie vor dem Kriege. Daß Klassenjustiz herrsche, beweise das Urteil im Gießener Landfriedensbruchprvzeß, wobei man die, die den Tumult ^macht hätten, noch nicht einmal gefaßt habe. Der Redner sä-loß mit dem Bekenntnis, daß die USP. der fetzigen Diktatur der Minderheit eine Diktatur der Mehrheit eittgegensetzen wolle als Uebergang zum Sozialismus und titr wahren Demokratie. — Der Vorsitzende des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Robert D i ß m a n n - Stuttgart, ergänzte die Ausführungen des Vorredners. Bemerkenswert ist die Betonung der Wirkung, die alle innerpvlitischen Barhältiifsie auf das Ausland haben sollten. — Zur Aussprache meldete sich niemand.
des Turnvereins 1860, Kaufmann PH Weiß, überreichte dem Vertreter der Stadt ein Gesuch um Schaffung eines Spielplatzes und einen Entwurf des geplanten Spidplatzgesetzes. Beigeordneter Kling sagte im Namen der Stadtverwaltung deren Unterstützung bei der körperlichen Ausbildung der Jugend zu. Mehrere tausend Zuschauer wohnten der Kundgebung bei. Die für den Nachmittag vorgesehenen lokalen Wettkämpfe der vier Vereine mußten ausfallen, da die staalliche Verwaltung den Golfplatz dazu nicht zur Verfügung stellte. Ein Spielplatz-Merkbllttt wurde in großen Mengen verbreitet.
— Lich, 2. Juni. Zu einem uns vom Turnverein Lich überstmdten Bericht, den wir Plitz- mangels wegen in der gestrigen Nummer wesentlich kürzen mutzten, teilen wir ergänzend mit, daß dem Turner W. Langsdorf der Ehrenbrief des Mittelrheinkreises verliehen tomrde, der ihm in einer Versammlung des Turnvereins am Sonntag feierlichst überveicht worden ist. Auch die Stadt war bei der Feier durch Bürgermeister Fuhr vertreten, der dem Nestor der hessischen Turnerschaft die Glückwünsche der Stadt über* mittdte.
Vermischter.
Der Millionendiebstahl in der Spandauer Zitadelle.
* Berlin, 1. Juni. (Wolff.) Der Millio- nendiebstahl in der Spandauer Zitadelle, woraus vor Jahresfrist 60 Millionen rumänische Leis gestohlQt worden waren, ist jetzt aufgeklärt. Als Täter wurden vier Mann verhaftet, die damals im Heeresdienst standen und mit der Bewachung des Schch^s betraut waren. Die Verhafteten sind geständig. Drei von den Dieben legten die Beute, wweit fte ihnen nicht schon durch die Verkaufsvermittler wieder abgenommen worden waren, in Grundstücken und Geschäften an, während sie der vierte durch Leichtsinn wieder vergeudete.
Die Ueberschwenmmng in England.
London, 1. Juni. (Wolff.) Bei der Neber- schwemmung von Lauch sind 15 Personen getötet worden. Weitere 15 Personen Iverden vermißt. Ungefähr 1000 Einwohner sind ohne Unterkunft. 30 Häuser sind vollständig zerstört uno etwa 1600 Häuser stark beschädigt. Marr schätzt den (5d>aben auf 250 000 Pfund Sterling.
Turnen, Spiel und Sport.
zi Bad-Nauheim, 31. Mai. Unter rücksichtigung lokaler Verhältnisse konnte der
Be- für
den verschiedensten Enden der Stadt aus in einem Stern- und Stillauf nach den Alicen-Platz und von dort gemeinsam zum Tennis-Caf4. Von Jungen und Mädchen getragene Plakate trugen die Aufschrift- ,Gebt uns Spielplätze?" und „Schafft uns ein Schwimm- und Sonnenbad!" Am Tennis- Cafö sprach der Ehrenvorsitzende des Frankfurter Turnsportverbandes A. Wämser über die Not- roenbigfeit der SpielMtze, und der 1. Vorsitzende
'Zentrums, das hier nur vereinzelte Stimmen aufweist. haben sämtliche Parteien Versammlungen ab» gehalten, einsdne sogar mchrmals. So hielt die Deutsche Volkspartei zwei Versammlungen ab: rednerisch waren für sie tätig Frau Parteisekretärin H üdner (Darmstadt) und Abg. Din - gelbeü (Darmstadt). Auch die Demokraten brachten es zu zwei Versammlungen- für sie sprachen das erste Mal Prof. Fritzsche mth .Ähver Fischer, das nächste Mal ihr erster Kan-
A Bad-Nauheim, 31. Mai. Das Interesse der Wählerschaft ist äußerst gering geworden. Man kann das damit errLärcn, daß fast täglich eine Wahlversammlung stattfand. .Wenn einige Versammlungen dec bürgerlichen Parteien noch einen leidlich guten Besuch hatten, so ist dieser auf die Anwesenheit von Kurgästen zurückzuführen, die sich verhältnismäßig zahlreich einsanden. Die hiesigen Einwohner, die sonst immer ein reges Interesse an den politischen Versammlungen aller Parteien gezeigt, hören sich die Wahlreden nur wenig an. In vergangener Woche sprach zuerst der Reichstagskandidat Prof. Heidebroek(Darmstadt) nur schwach besuchter Versammlung für die Demokratische Partei. Der Redner, der vom Standpunkt seines Berufes als Techniker aus zum Teil ganz neue Ideen in den Wahlkampf trug, bot durchaus sachliche Ausführungen, die auch ungeteilten Beifall fanden. Zn einer Aussprache tarn es nach dem Vortrag nicht. — Besser besucht war eine Versammlung der Deutschen V o l k s p a r t e i, in der der Abg. Din - gel de h (Darmstadt) in nahezu zweistündiger Rede feinen Zuhörern lebhaftes Interesse abzugewinnen verstand. Er führte u. a. aus, daß seine Partei einen Ausgleich des deutfehen Volkes erstrebe, eine ruhige Entwicklung auf dem Boden der Verfassung wolle und deshalb alle Gewalt und auch den Kapp-Putsch scharf verurteile. Besonders lag dem Redner die sittliche Gmeuermig unseres Volkes am HcrZen. — In einer Versammlung ber USP. sprach Stadtv. Meier ^Frankfurt), der scharfe Worte gegen die kapitalistische Wettmsschnu.mg sand und an Stelle ber formalen die soziale Demokratie forderte, zu deren Sieg nur eine Diktatur des Proletariats führen könne. — In einer sehr schwach besuchten Versammlung der Mehrheitssozialdemokratie sprach Dr. Quessel (Darmstadt) über die Arbeit der Nationalversammlung, deren Erfolge doch wesentlicher seien, als von gegnerischer Seite anerkannt würde. — Alle Ver- fammlungen verliefen bis jetzt ohne größere Debatten ruhig und würdig, auch die gestrige gut besuchte Werner-Versammlung, von der viele vorher geglaubt hatten, sie würde sich durch Störungen oder gar Sprengungsoersuchen besonders „interessant" gestalten. In der Aussprache wandten sich zwei jüdische Redner gegen den deutsckvölkischen Standpunkt Dr. Werners.
büxrt Pfarrer Morell. Für die Deutschnationalen vzw. Hess. Bauenchund sprach Prof. W e r- ner (Butzbach) während die Unabhängigen Herrn Stephan (Gießen) entsandten. Im allgemeinen verliefen die Versammlungen ruhig und cchne längere Diskussionsreden. Etwas lebhafter gestalteten sich die beiden ,2$erfennm£ujtgen, in denen Abg. Bornemann (Darmstadt) byv. Redakteur Detters (Gießen) den Rednern gegenüber traten. Da beide Versammlungen auch an günftigen Tagen lagen, |im ersten und dritten Feiettage touren sie stark besucht. Den Schluß werden nun die Mehrcheits- sozimisten mit einer Versammlung bilden. Für sie wird der bisherige Abg. Dr. Quessel (Darmstadt) spreck^en.
ck. Gonterskirchen, 29. Mai. Heute sind in der Gastwirtschaft von Ang. Graf eine bau ber Den t sch en Volkspartei einberufene gut besuchte Wahlversammlung statt. Es sprachen Oberamtsrichter Zimmermann und Bürgermeister Ritter-Laubach.
— Münster, 30. Mai. Gestern abend sprach in öffentticher 23crfammIuTig für die Deutsche Volkspartei im Saale des Gastwirts Damer Obercuntsrichter Zimmermann l.Laubach) und Oberlehrer Becker (Darmstadt); die BersamM- Itmg war gut besucht. Den fesselnden, sachlich Haren AusführunMN der beiden Redner folgte starker Beifall.
= Schlüchtern, 1. Juni. Auf der Heimfahrt von einer Wahlversammlung wurden am ©omttag_abenb zwischen Steinau und Schlüchtern auf den S tadtverordnrten Rudolph aus Frankfurt a. M., der im Dienste ter Deutsch-nationalen Bolkspartei tn Steinau eine Wählversammlung ab» gehalten, von bisher nicht ermittdten Personen sechs Revvl verschösse aus urrmittelbirer Nähe abgegeben. Keiner der Schüsse traf.
den 9. Mai vor geschriebene Spielplatz- wcrbetag erst gestern veranstaltet werden. Er geftaltde sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für die Sache der Leibesübungen. Zahlreiche An
gehörige des Sportvereins, des Turnvereins 1860, O G r ü n be r g ,1. Juni. Mit Ausnahme des : des MännerturnVereins und Radfahreroereinigung, " " • . -. r sowie die Schüler der Schulen bewegten sich von
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Durch Beschluß des Oberversicherimgsamtes zu Darmstadt ist den hessischen Krankenkassen gemäß § 370 Ms. 1 der Reichsversichermrgsordnung die Befugnis zugesprochen worden, an Stelle von Arzt, Apotheke und Heilmittel eine Barleistung zu gewähren. , ,
Die unterzeichnete Kasse will von btefer Befugnis vorläufig keinen Gebrauch machen, da in den meisten Fällen ine, Auslagen der Kassenmit- Aivder für Arzt, Apotheke und Heilmittel ' die nach § 370 RBO. zu gewährenden Leistungen erheblich übersteigen.
Voraussetzwra hierfür ist jedoch, daß die Kassenmitglieder, solange der ohne Verschuldender Kasse hervvrgeruseneStreik mit den Aerzten nicht beigelegt ist, die Aerzbe nur in den dringendsten Fällen in Anspruch nehmen.
Während des Streikes berechnen die Merzte für eine Konsultation 8—16 Mk. und für einen Besuch 12—82 Mk. Hierbei weigern sich dieselben, den Kassenmitgliedern im Falle der Erwerbsunfähigkeit einen Krankenschein anszustelldn und erschweren somit den Bezug des zum Lebensunterhalt notwendigen Krankengeldes, ja machen solches in manchen Fällen unmöglich.
Die Kasse ist jedoch bemüht, in weitsebendstrm Maße den Erwerbsunfähigen entgegenKukommsn, damit sie in den Genuß des Krankengeldes tomracn.
Gießen, den 2. Juni 1920. 6113V
Allgemeine Ortskrankenkasse «ttetzen.
MM M 31. MM 1919.
(1. Stückjahr.)
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An Bank- und Sparkasteu-Guchaben. . 47 713.72 „ Kasfemwrrat ..... 510.-
„ Inventar......... 18.40
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Passiv« JC
P<r Geschäftsguthaben der Mitglieder 47 120. -
Reservefonds........ 510.-
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An Geschäftsunkosten....... 589.90
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1 202.02
Haben.
Per Zinsen aus belegten Kapitalien 602.02
„ Sonstige Einnahmen..... 600.-
1202.02
Mitgliederzahl bei Gründung......132
Zugang pro 1919..........H
Abgang pro 1919.........j____2
Stand der Mitglieder am 1. Januar 1920 . 143
Die Haftsumme beträgt pro Mitglied .M 1 000. - Stand der Haftsumme Ende 1919 . .* 143 000. -
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Ortsgruppe Gießen
Donnerstag, 3. Juni 1920, in der Neuen Aula: Vortrag des Herrn Dr.Vetter-Nidda „Deutsches fDlksiumin Sißbenbürgen“ mit Lichtbildern.
Beginn 8 Uhr. 5933D Eintritt frei.
Kriegsgesmigenen- Heimkehrfest!
mk.msr.MiM ms sei »Wt veranstaltet von der leMisominlguns ehmafig. firiegsgefangtBtt unter Mitwirkung der Kapelle des R.-ll.-Rgts. 36 (Leitung: Herr Obermusikmeister W. L ö b e r).
Sonntag den 6. Juni:
Kassenöffnung 2 Uhr Beginn 3 Uhl
Nachmittags 3-5*/, Uhr: Konzett der gesamten Re. gimentskapelle auf der Terrasse.
Nachmittags 3V, Uhr: Festtede.
M 51/, Uhr: Tanz im Saal und im Freien.
Abends 9 Uhr: Schauturnen: Barren und Neck.
„ 10 Uhr: Lebende Bilder aus Gefangenschaft.
„ 11 Uhr: Lampion-Polonaise.
Toindola. Iuxplatz.
Wontag den 7. Innl:
Kassenöffnung 3 Uhr Beginn 4 Uhr
Ab 4 Uhr: Tanz; 5 Uhr: Kinderpolonaise. 6087
Volks- und Kinderbelustigungen.
Verlosung. Eintrittspreise: Iuxplatz.
Dauerkarte 3 Mark, dazu 1 Beikarte 1 Mark, Tageskarte 2 Mark.
Vorverkauf: Oberhesfisches Korbwarenhaus, Schul straße und Frankfutter Straße 19, Dusche Musik- Haus, Iigarrenhandluug Horst, Marburger Str. 27.
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Von morgen ab jeden Donnerstag
großer Waffeltag
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Es ladet freundl. ein H. Dechert.


