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Nr. \1T Erstes Blatt 170. Jahrgang Mittwoch, 2. Jmi 1920

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Sranffurt °. m. U686 Drud und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steindruckerei H. Lange. Schriftleitung, Geschäftzstelle und Druckerei-. Schulftratze 7. sämtlich in Si-H-N.

Material für Spaa.

Es ist bei den in San Remo gepflogenen Verhandlungen selbst von den in politischen Dingen so unglaublich kurzsichtigen Fran­zosen anerkannt Worten, daß wirtschaftlich Deutschland ohne Kredite, d. h. ohne die Unterstützung der ehemals feindlichen Länder nicht wieder aufleben kann. Man vergißt aber, daß der Wiederaufbau alle jene Kräfte notig hat, deren Zustrvm der Friedensvertrag dem Lande entzieht. Es lohnt sich nun im einzelnen einmal zu übersehen, was die Er­füllung des Friedensvertrages von Ver­sailles wirtschaftlich für Deutschland be- o eiltet.

Was die Urproduktion angeht, so ist durch den Verlust Elsaß-Lothringens in Lothringen das Minette-Gebiet mit seinen vorbildlichen Hüttenwerken und damit vier Fünftel unserer Eisenerzgewinnung an Frantteich verloren gegangen. Die Tatsache, daß Elsaß zu Frank­reich gekommen ist, bedeutet die Durchbre­chung des deutschen Kalimonopols auf dem Weltmarkt. Weiter ist im Westen das Saar­becken mit seiner Kohleupvoduktion und den komplementär verbundenen Industrien auf 15 Jahre in das Eigentum des französischen Staates übergegangen, der damit die Ver­fügung über eine Industrie bekommen hat, >die sich gerade seit dem freiwilligen An­schluß des Saargebietes an Preußen so un­geahnt reich entwickelt hat.

Im Osten bedeutet die noch ausstehende Entscheidung über die Zugehörigkeit Ober­schlesiens die Gefahr des Verlustes von Koh­len, Eisen und Zink, also gerade Derjenigen Rohstoffe, die für unsere Schwerindustrie nach dem Verluste der westlichen Quellen nur noch eben hier soweit gefördert werden können, daß eine notdürftige Aufrechterhaltung Dieser Industrie überhaupt möglich ist.

Während der Verlust Oberschlesiens erst nur noch drohend bevorsteht, aber noch nicht verwirklicht ist, haben wir int Osten und Norden die allerhärtesten Verluste für unsere landwirtschaftliche Versorgung erlitten. Mit Westpreußen, das jetzt den polnischen Korri­dor bildet, geht uns ein ertragreiches Ge­treideland verloren. Posen, heute.der einzig solide Hintergrund der polnischen Republik, lieferte mehr als ein Fünftel der in Deutsch­land vor allem auch zur Viehfütterung ver­brauchten Kartoffeln. Der Anbau von Zucker­rüben in den jetzt verlorenen östlichen Pro­vinzen war so bedeutend, daß Deutschland als einen der wichtigsten seiner Ausfuhrartikel Rübenzucker als Aktivposten seiner Handels- bilanz aufführen konnte. Jetzt aber vermögen wir nicht einmal den eigenen Bedarf gn Zucker im Lande zu decken. Ohne die kleineren Verluste an Ostpreußen und an Belgien zu unterschätzen, ist landwirtschaftlich noch der Verlust Nord-Schleswigs außerordentlich be­dauerlich. Unsere Fleisch- und Milchversor­gung wird dadurch weiter erheblich gefährdet.

Gerade vor dem Kriege hatten unsere Kolonien angefangen, Ueberschüsse zu brin­gen, jetzt sind sie uns restlos verloren ge­gangen. Unsere finanzielle Kraft ist durch Die Beschlagnahme unserer Guthaben im Aus­lande aufs äußerste gefährdet. Finanziell ist es besonders die Entschädigungssumme, die weder in ihren Einzelheiten, noch nach der Gesamtsumme festgestellt ist und dadurch als ein unbekanntes ungeheures Passiv um un­serer Wirtschaftsbilanz das Zutrauen der übrigen Welt zu unserer Kredit- und Produk- tronsfähigkeit hemmen muß.

Aber damit sind die Posten der wirt­schaftlichen Verlustliste noch lange nicht zu Ende aufgeführt. Wir sind heute z. B. nicht mehr Herren über unsere Gewässer, unsere Flüsse und unsere Hafen.werden kontrolliert. Fremde Staaten haben Eigentums- und Be­sitztitel auf deutschem Grund und Boden. Es fei nur an den Freihafen für die Tschecho- Slowakei in Hamburg erinnert. Die für un­sere Ernährung so überaus wichtige Hochsee- Fischereiflotte ist unerträglich vermindert. Ebenso haben wir von der für den Transport von Kohle durchaus unentbehrlichen Binnen- Schiffahrts flotte bedeutende Teile ab geb en müssen.

Was nun die Handelsflotte besonders an- aeht, so sind gerade hier die Abgabeverluste für uns geradezu vernichtend. Wir verlieren im Jahre drei Milliarden Mark, die wir früher für uns zur Verfügung gestellten Frachtraum einnahmen. Jetzt müssen, wir die Kosten der Frachten bei der Einfuhr von Rohstoffen und Lebensmitteln in fremder Währung an fremde Staaten mit unserem entwerteten Gelde bezahlen. Die Abgabever- oflichtung betrifft alle Schiffe über 1600 Tonnen Raumgeyalt, die restlos abgeliefert werden müssen. Von den Schiffen zwischen 1000 und 1600 Tonnen müssen wir die Hälfte abliefern. Die Entvölkerung unserer Hafen­städte, die Arbeitslosigkeit von 10000 tüch­

tiger Seeleute und der Zustrom dieser Ar-l beitslosen zu den wirtschaftlich gefährlichen radikalen Parteien sind die Folge.

Die Liste der uns auferlcgten Lasten ist damit immer noch nicht erschöpft. Wir müssen an Frankreich besonders Erzeugnisse liefern, an denen wir selbst die furchtbarste Not leiden. Besonders Kohlen, Holz, Benzol, künst­lichen Dünger, Farbstoffe und Vieh. Allein 140 000 Milchkühe und Zehntausende von Pferden.

Die Entartung der Revolution zu einer Lohnbewegung, Zustände der Anarchie, die nur als Ausfluß sozialer Pathologie, aber nicht als Erscheinungsform bewußter Politik zu werten sind, sind die Folgen der Durch den Friede ns vertrag und durch die vorher­gehende Blockade zerstörten Kraft der deut­schen Bevölkerung.

Es ist nun selbstverständlich, daß eine Besserung der deutsch-französischen Beziehun­gen durch Neuregelung der Wirtschafts fragen, insbesondere der Kohlenablieferungspflicht, erreicht werden kann. Eine Erleichterung der übrigen Bedingungen muß sich mit dtatwen- digkeit anschließen. Voraussetzung für alle diese zu erstrebenden Ziele ist aber eine solche Höchstleistung der deutschen Industrie, die bei der Fortdauer der sozialen Kämpfe nicht er­reicht werden kann. Besser die Sozialisierung des Bankerotts, noch irgendwelche innerpoli­tischen Umivälzungen können diejenigen welt­wirtschaftlichen Erfolge haben, welche eine kluge Diplomatie erzielen tarnt und erzielen muß, wenn sie die Möglichkeit hat, sich aus den durch die Tat erwiesenen Arbeitswillen des Volkes zu berufen.

' Iliiw-nrmiwm

Die Beseitigung der allgemeinen Wehrpflicht.

Berlin, 1. Juni. (Molff.) Die Tatsache, tertz "bisher noch kein Ausfü'hcungsgesetz zur Besm- tigung dec allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland erlassen ist, hu in verschiedenen Kreisen zu Miß­deutungen Anlaß gegeben. Nach Mittilung ron unterrichtetLi Seite tastimmt Artikel 173 des Friede isoertrages, daß die allgemeine Btehrpffützt llbzufchasfei'. ist. Tie Na.ionalverammluug nahm den Vertrug an. Damit ist die Beseitigung verallgemeinern Wehrpflicht rechtlicv durch geführt und sind ibr e.itgr genstehende Bestimmungen aus früherer Zeit crust'er Kraft ge­setzt. Ei: es [«Unteren Ausü'stungsgc <os Ix da f es 'hierzu also nicht mdyr. Auch in dem vorliegenden Falle zeigt sich, daß alle Verdächtigungen, Deutschland zögere plamnäßig die Durchührrmg dec militärischen Bestimmungen des Friedens- Vertrages hinaus, haltlos sind.

Das Waffentragca der Reichswehr.

Berlin, 1. Juni. (WPB.) Wie wir er­fahren, wird das Reichswehrministerium einen Be­fehl erlassen, wonach beurlaubte Unteroffiziere und Mannsck-aften bienftlicfye Schuß- und Wurswaffen (Handgranaten) nickst mit sich führen dürfen.

Der Termin für Spaa.

Paris, 1. Juni. (WTB.) Der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph versichert trotz aller gegenteiligen Behauptungen, die Konferenz von Spaa werde jedenfalls auf den Monat Juli vers choben.

Danzig.

Danzig, 1. Ium. (Wolff.) Ter Oterlvm- missar berief die verfassungsgebende Ver­sammlung für die künftige freie Stadt Dan­zig für den 14. Juni nach dein Lantesausschutz ein.

Strafverfahren gegen deutsche Offiziere.

Paris, 1. Juni. (WB.) Havas meldet aus Lille: Tie Kriegsgerichte erhielten Besch, ein Strafverfahren gechu etwa 50 deutsche Offiziere einyileiten wegen Mißhand ungen, Diebstahl und Plüttdenrngen, deren sie ttch währen dec Okku­pation schuldig gemacht haben foften. Die An ge­schuldigten würden wohl in Abweercheit abgeur- te.lt inerten. Unter den Beschä digen sollen sich auch General Sixt von Arnim und Oberst BLumen- rcuter befinden.

*

Ungarns FriedenSnnterzeichnung.

Budapest, 1. Juni. (Ungar. Korr.-Bur.) Ter Kriegsminister (Seneca! Soos hat Den Auf- Dag, Den Frieden zu unterzeichnen, nietet gelegt. Der Münster rat entsendet nun Dr. August R o - narb, Volkswrchsahrtsminister, und den Geiand- tar Alfred Trasche-Larns zur Unterzeichnung.

Oesterreich sott hungern.

Wien, 1. Juni. (WTB.) Die Reichs- post meldet: Die Entente erhob gegen die ge­plante Erhöhung der K o p f b r o t m e n g e in Oesterreich V o r st e l l u n g e n, da diese Moh­regel von ihrem guten Willen abhänge, sie aber nicht befragt worden sei, zumal auch die Weltversorgung mit Brotgetreide eine solche Erhöhung nicht begünstige.

Deschanel wieder hergestellt.

Paris, 1. Juni. (WB0 Havas. Der Mi­ni ft e r r a t versammelte sich heute vormittag unter dem Vorsitze teH Präsident«» Deschanel im Elyste.

Deschanel dankte den Mitgliedern der Regierung für die khm befc'ug-en Sympkhien. Ministerpräsi­dent Miller-rnÖ ixricherte dem Prä rtenten die Er­gebenheit ter Regierung und betonte, daß sein: «Kollegen sich ter Freude des ganzen Landes darüber anschließen, daß eine kurze Ethoiungsz it von eini­gen Wochen genüge, um die Folgen des Unfalles vollkommen zu überwinten.

Die Verhandlungen mit Sowjetrutzlaud.

Paris, 1. Ium. (WB.) Nach den Morgen­blättern ließ die französische Regierung, ter eng­lischen gestern eine Note überreichen, in der ste mlseinantersetzt, warum sie sich durch ihren Bot­schafter bet den Verhandlungen, die in London mit dem Vertreter ter Siowjet-Republrt Krassin, geführt werden, nicht vertreten kffsen kann.

Rußland» AnSfuhrmöglichkeiten.

Berlin, 2. Juni. DemVorwärts" wird aus Wien berichtet: Dem Kreisarbeiterrat über­brachte ein aus Rußland -urückgetehrter Kriegs­gefangener die Grüße eines Kameraden. Da er für die Wiederaufnahme der Handels­beziehungen mit Rußland eintrat, wurde Aufschluß über die Verhandlungen gegeben, die seinerzeit in Rußland und London mit russi­schen Genossenschaften geführt wurden. Die Russen hätten gar keine Zusage machen können, wirtlich etwas zu liefern. Deutsch-Oesterreich könne feine drei Wochen von dem leben, was Rußland schicken würde, selbst wenn es Lokomotiven und Wagen hätte.

Die Zustände in Petersburg.

Kopenhagen, 1.Juni. (WTB.) Ber- lingske Tidende meldet aus Helsingfors: Der Generalbevollmächtigte des r u ssisch e n Rten Kreuzes, Professor Hermann Zeid­ler, fordert das Rote Kreuz in allen Ländern auf, eine internationale sanitäre techni­sch eAbordnungnachPetersburg zu entsenden. Er gibt eine ergreifende Schilde­rung der furchtbaren Zustände in Petersburg und schlägt ein internationales Einschreiten dagegen vor.

Die bolschewistische Gefahr.

Berlin, 2. Juni. In terKren-Zei­tung" wird die Möglichkeit besprachen, daß die Bvlschewiki Pk-len nietertoerfcn und bann Deutschland bebretien. Im an5toatiigrn Ausschuß des baperifchen Landöascs $Ube ter Ver­treter ter Regierung mitgeteitt, daß ine Reichs- cegierung etwas arckhentisches nicht wisse,, hingegen die Frage eines bolschewistischen Angriffes mit einem Optimismus betrachte, Den die baye­risch Regierung nicht teile. Man tue in Deutsch­land jederrstllls Igut, mit ter Möglichkeit $u redxnat, daß die Bolsckxwin tiortvringeii und an ter Hoff­nung und Absicht in russischen und in deutschen Kommunistenkreisen sei nicht zu ztweifÄn, daß Die Verbindung eines russischen Angriffs und deutscher Putsche etwa im Stillt ^gebiet ober in Mitteldeutsch­land den Sieg des BolschÄnismus in Ost- und Mitteleuropa endgültig 'fcrbeirü'fct. Bis jetzt sei aber kein Anlaß zur Nervosität und wn wirklich großen Ersolgen ter Slstvjetarmee sei keine Rete.

Die Kämpfe der Polen.

Kopenhagen, 1. Juni. (Wolff.) Nach einem Telegramm aus Warschau mclDet ter p o l- n i f d) e General stab: Längs ter Eistmbättr- linic von Pvlozk in ter Rich ung nach Siidwesten werden die Aiupüffe ter Bvlfckvwisten schtvächer infolge ter erlittenen großen Verluste und ihres Mangels an Proviant unb Kriegsmaterial. Ein neuer Versuch der Bolschewisten, die Beresina zwi- sck-en Borrisow kynb Bo brüsk zu überschreiten, ist gescheitert. Zwei Jnsmrtertedivisivnen und eine Kavaileriedivlsivn, denen es gelungen war, das Westufer des Flusses zu erreichen, wurden bei Satbfjnce umringt und vernichtet. Wir machten über 2000 Gefangene. Ter Rest ter bolschewisti- sckren Truppen f uete in wildester Panik über die Beresina zurück. Beim Dnjester haben wir mit dem uTrainrfdien Heer affe Angriffe abgeschlagen und einen fräf- igen Gegenangriff eingcleii-et, wobei wir die Stötee Ai te>kr zvky und Obodowka ein nähmen.

Wien, 2. Junü (WTB^) Amtlich wird gegen» über den int In- und Ausland verbreiteten Ge­rüchten über Waffenlieferungen nach Polen festgestellt, daß seit Mmtaten aus staatlichen Be­statten keinerlei Lieferungm an Waffen und Muni- twn an Polen getätigt wurden.

Mailand, 1. Juni. (Wolff.) Aus Triest wird demCorrieve bella Sera" berichtet, daß sich im Hafen ein weiterer Zwischenfall wegen des Transportes von Kriegsmaterial nach Polen ereignet hat. Im Bahnhof von San Andren befan­den sich einige nach Polen bestimmte mit Spreng­stoff beladene Wagen. Die Arbeitskammer ließ je­doch die Wagen nicht weiterfahren, sondern ver­fügte die Austadtrtig des KriegÄnaterials, weich's in die Magazine ter Artillerieverwaltung gebracht wurde.

Unruhen in Tripolis.

Amsterdam, 1. Juni. (Wolff.) Den eng­lischen Blättern zufolge wurden in Tripolis mehrere Europäer von Ara'aent gefangen genom­men und jvrtgeschleppt. Die Araber verlangten Lösegeld.

Putschgespenster.

Stettin, 1. Juni. (WTB.) Der Oberpräsi- tent der Provinz Pommern und ter Befehlshaber des Wehrkreiskommandos 2 erlassen eine Kund­gebung an die Bevölkerung Pommerns, in der es u, a. heißt: Die durch Putschgerüchte ver­

ursache Erreyung und das so entstandene gegenseitige Mißtrauen, das die Ruhe und Ordnung in der Provinz gefährdet, geben Echten Anlaß zu Befürchtungen. Sie bitten um das Ver­trauen, daß sie die Verfassung und die ver­fassungsmäßige Regierung gegen jeden Angriff schützen werten. Die nötigen Machmittel seien vorhanden und würden voraussichiich angewandt, auch um die Wahlhandlung am 6. Juni vor jeder Störung zu schützen, so daß der unverfalschte Wllle des Volkes rein zum Ausdruck komme.

Aus dem Reiche«

v. Lüttwitz.

Beuthen, 1. Juni. (WTB.) Der Volkswille in Gleiwitz meldet, General von Lütttvitz halte sich seit elf Tagen in Uschütz, Kreis Rosenberg, bei Freiherrn v. Scherr- Thoß auf.

KriegSgefangenen-AuStauschverhand- lungen.

Berlin, 1. Juni. (WTB.) Die Ver­handlungen über den Kriegsgefange­nenaustausch zwischen dem Spezialbe­vollmächtigten der ungarischen Regierung Dr. Jungerth und dem Bevollmächtigten der russi­schen und ukrainischen Sowjetregierung, Lit­winow, wurden am 30. Mai in Kopenhagen günstig abgeschlossen. Die getroffenen Verein­barungen werden zur Genehmigung ihren Re­gierungen vorgelegt.

Die Höhe der Kohlensteuer.

Berlin, 1. Juni. (WTB.) Die Mel­dung, daß der bisherige Satz der Kohlerb- steuer von 20 Prozent auf mindestens 30 er­höht würde, ist unzutreffend. Es wird dem Reichstag nach seinem Zusammentritt aller­dings eine Vorlage über die Kohlensteuer zu­gehen, die zu dem am 31. Juli ablaufenden Kohlensteuergesetz Stellung zu nehmen haben wird.

Erhöhung der LebenSverficherungS- prämie.

Berlin, 2. Juni. Nach verschiedenen Blat­tern verhandeln Die deutschen Lebensver­sicherungsgesellschaften mit dem Reichs- ausffchtsamt, um dessen Genehmigung zur Er- höhtmg der Prämien wegen der Steigerung ter Unkosten zu erhalten.

Der Rechtsweg bei WohnungSbeschlag- nahme.

Berlin, 1. Juni. (Wolff.) Die wiederhvtt aufgeworfene Frage ob auf Grund der Woh- nungsmangelvervrdnung die von den Gemeinde­behörden ergriffenen Maßnahmen zur Beseitigung des Wolmungsmangels (Wvhnungsrattonierflmg und Wohnungsbeschlagnahme) durch Anrufen ter ordentlichen Gerichte angefochten werten könnten, ist nunmehr von einem Gerichtshof zur Entschei­dung ter Kornpetenzkonflikte durch ein am 29. Mai in Sachen der Wohnungsbeschlagnahme in Northeim (Hannover) ergangenes Urteil dahin entschieden Worten, daß ter Rechtsweg für unzulässig erklärt wird. Damtt ist auch in dieser Richtung bezüglich ter Wohnungsbeschlag­nahme Klarheit geschaffen worden.

Der MainDonau-Kanal.

München, 2. Juni. (WTB.) In der Sitzung des Finanzausschusses wurde die Re­gierungsvorlage angenommen, wonach der zur Fortführung der Mainkanalisierung genehmigte Kredit von 75 Millionen auf die Vorarbeiten einer Großschiffahrtsstraße von Wernfeld bis Nürnberg, den Ausbau der Donau von Kehlheim bis Regensburg und von Passau bis zur Reichsgrenze einschließlich der Wasserkraftausnutzung ausgedehnt wird. Ebenso wurde ein Antrag Held (Bayr. Volks­partei) angenommen, drei Millionen Mark für Propaganda zu verwenden.

> Landarbeiterstreik.

Magdeburg,1. Juni. (WTB.) Die Landarbeiter des Kreises Neuhaidensleben feiern; sie fordern Lohnverdoppelung. Die Notstandsarbeiten werden nur teilweise aus­geführt. ____

Ans Hessen.

Die Loshalzabgabe.

rm. Darmstadt, 1. Juni. Zur Los­holzabgabe hat der Abg. R e h bei der Volks­kammer einen Antrag ein gereicht, nach welchem die Regierung ersucht werden soll, das Regulativ für die Losholzabgabe aus den Domanialwaldun- gen den neuzeitlichen Verhältnissen entsprechend abzuändern. In der Begründung weist ter An­tragsteller auf das veraltete Regulatw und ferner darauf hin, daß er sck)vn im April 1919 die Revision angeregt habe. Derselbe Abgeordnete be­antragt seine schm im November 1918 mit seiner Fraktion an die Regierung gerichtete Anfrage bett, die Zuteilung von Nutzholz an Gewerbetrei­bende auf die nächste Tagesordnung des Land­tags zu fetzen, damit den Handwerkern größere 9Jtengen Nutzholz unter Herabsetzung der Preis­erhöhung und Stundung des Kaufpreises berate folgt werte.