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Verba ndsb-ei'räge gutgeheißen uub -um Schluß eine Entschließung angenommen, in der Dem Erstaunen Ausdruck gegieden wird, daß dos Go frantministerium ein? Verordnung über Die Bilan­zierung Der KriesSaüleihe (Absckp Jumg von 3°,o) erlassen hat, oD.ie mit Der jujirä gen Jnteresseiv- Vertretung DeS Hess, lrardw. Ge gscnscluftswesens vorher eine Aussiwache über D ren Zweckmäß gkeit herbeizusuhren. Ter VerbanDStag legt entschieden Vermabrung dagegen ein.- daß Der Verband &ur Beratung einer Derart LmschneiDenDen Verordnung nick', zu gezogen worden ist. Tann wirb die Tagung geschlossen.

Lebensmittelunruhen.

Der ist schuld an den Wucherpreisen für Obst?

oz. Offenbach, 30. Juni. In einer Ver­sammlung des hiesigen Obst- und Gemüse­händlervereins wurden sehr interessanteMit- Leitungen gemacht. Der am vorigen Dienstag hier versuchte Markt sturm hätte als Hauptschuldige drei eben von auswärts zugereiste Burschen er­geben, die verhaftet wurden. Es scheine, daß sich die Unruhestifter von Ort zu Ort begeben, um bald hier, bald dort solche Putsche mit Hilfe Der soge­nannten Marktsteher einzuleiten. ©in Funke ins Pulversatz der angesammelten Unzufriedenheit, und Raub und Plünderung würden die Folge sein. Weiter hörte man, welche Märchenpreise von den Aufkäufern der Obstweinkelte- r e ien und der Konservenfabriken Den Erzeugern geboten würDen. Diese Industrie zahle jeden Preis unbesehen, da sie ja auch jeden Preis für ihre Ware bekomme. Ein Glas Aepfelwein kostet Deute in Der Wirtschaft bis 2 Mark. Dabei seien Die Aepfel voriges Jahr billig eingekauft. Bei Dem Aepselweiiipreise von 2 Mark kommen heute allein 20 Pf. Kellnergebühr in Betracht, für die man früher fast IV2 Gläser Aepfelwein kaufen konnte. Wenn die Regierung nicht ein Kelter verbot erlasse, so würden wir im Herbst keinen Apfel zu sehen bekommen. Auch die Konservenfabriken müßten beschnitten wer­den, bis der Hausbedarf gedeckt sei Die Schließung der hessischen Grenzen, Ausfuhrverbote ufw. wur­den verlangt. Tie Händler machten kein Hehl dar­aus, welchen Krebsschaden diefließenden O b st st ä n d e" bedeuteten, Die jeDen Preis zahlen können, da sie steuerlich meist gar nicht gefaßt werden können und keinerlei Nebenkosten zu tragen hätten.

Die Obstversorgung der Pfalz.

wz. Neustadt a. H., 26. Juni. Eine Versammlung, bestehend aus dem Wirtschafts­ausschuß, aus den Haupterzeugern von Obst, aus den Händlerverbänden, aus den Kommu­nalverbands-Vertretern, den Eisenbohnver- bänden und den Vertreterinnen des Vereins für Fraueninteressen faßte nach ausgiebiger Aussprache folgende Beschlüsse: 1. Es soll für die Ausfuhr von Obst aus der Pfalz in Mengen von 3 Zentner aufwärts der V e r- sandscheinzwang eingcführt werden. Sollten die Preise entsprechend fallen und die Versorgung gesichert erscheinen, so wird diese Maßnahme wieder aufgehoben. 2. Die land­wirtschaftlichen Organisationen bezeichnen einen Kirschenpreis von 1.50 Mk. das Pfund als angemessen und stellen in Aussicht, .daß sie besonders in ihren Presseorganen auf 'ihre Mitglieder einwirken, daß sie keine höhe­ren Preise nehmen. Diese Beschlüsse sollen der Landesstelle für Gemüse und Obst zur Er­lassung entsprechender Anordnungen und zum Vollzug vorgelegt werden. Der anwesende Vertreter der Landesstelle sagt unverzügliche Erledigung im Sinne der Beschlüsse zu.

Der Kampf gegen die Zwangswirtschaft.

dz. Aus der Pfalz, 26. Juni. Die freie Bauernschaft, Gruppe Pfalz, hat ^folgenden Beschluß gefaßt:Da wir auf unser "Schreiben vom 29. Mai an den Pfälzer Wirtschaftsausschuß betreffs Regelung der Schlachtvieh bewirt schaftung bis­her ohne Nachricht geblieben sind, so be- betrachten wir von heute an die Zwangs­bewirtschaftung des Schlachtviehes als auf­gehoben. Sollte gegen dementsprechend han­delnde Metzger in irgend welcher Weise vor- gegangen werden, so werden alle Landwirte geschlossen für sie eintreten."

¥

Köln, 30. Juni. Infolge der gegen die Lebensmittelwucherer Durchgeführten scharfen Maß­nahmen blieben die Obsterzeuger Dem Kölner Markte fern und schoben die O b stsend u n g en in Das Industriegebiet ab. Von den Ver­tretern Der Gewerkschaften sind nunmehr entschie­dene Schritte bei Den zuständigen Behöicken unter­nommen worden, um die Wagengestellung zu diesem Versand einzustellen oder die>ingung daran zu knüpfen, daß ein Teil zur Beförderung von Obst nach Köln verwandt wird. Die Eisenbahnbeamten sind entschieden gewillt, von Dem Mittel der Selbsthilfe Gebrauch zu machen.

Berlin, 30. Juni. (Wolff.) Nach Den Morgenblättern zog gestern ein Trupp von einigen Hunde-1 Männern und Frauen vor das Ministe­rium für Ernährung, um gegen Die Teue­rung zu demonstrieren. Minister Hermes emp­fing eine Abordnung und erläuterte die Lebens­mittellage und machte sie mit Den Bestrebungen zur Senkung Der Preise bekannt, worauf Die Abord­nung die Demonstranten über Die Ausführungen des Ministers unterrichtete. Der Zug entfernte sich darauf ruhig.

Lübeck, 30. Ium. (WTB.) Nachdem die Obst- und Gemüsehändler gezwungen waren, Die Waren zu billigeren Preisen abzugeben, brachen hier schwere Unruhen aus. Plündernde Men­gen durchzogen die Straßen: sie hatten es nament­lich auf die Warenhäuser und Schuhwarengeschäfte abgesehen. Es wurde viel geraubt. Als die Sicher­heitspolizei auf die Menge feuerte, erwiderte diese das Feuer. Bisher steht fest, daß zwei Sicherlieits- beamt: erheb ich rerwundet wur.en. Aus der Menge sollen verschiedene getroffen worden sein. Die Un­ruhen Dauern an.

Kus dem besetzten Gebiet.

= Mainz, 30. Juni. Die interalli­ierte Rheinlandkommission hat entschieden, daß Sclbftschüsse, die zur Vernichtung von Raubzeug dienen, und Selbstschüsse zum Schutze von Privatgrundstücken verboten sind Hingegen können Warnungssignale für Jag­den und Parks erlaubt werden.

kostet vom

L. U. Jahresfeier der Universi-

Benas unö neöafflon des «Wer Meige».

der

Durch wiederholte Mahnungen sind verhältnismäßig hohe Kost

8 Uhr.

die für die Stadt

Wohl und Wehe des ganzen scheiden.

DerGießener Anzeiger"

1. Juli ab:

Hochschrrlnachrichten.

Leipzig, 30. Juni. (WB.) Geheimrat, Flechszig, Leiter Der Leipziger Nervenklrnik, tritt, wie dasLeipziger Tageblatt" erfährt, mit Abschluß des SommersemestiLrs in den Ruhestand. Als sein Nachfolger soll Geheimrat Bunke cnrs Breslau berufen werden.

** Vom Elektrizitätswerk. Ein Teil der Stromabnehmer hat die bei der Zählerablesung fälligen Stromgelder bisher recht unpünktlich be­zahlt, vielfach erst nach erfolgter Stromentziehuntg.

Und Botengänge

Die Lage

zu verfolgen, ist für jeden Deutschen heute wichtiger wie je. Abgesehen davon, daß eine neue Regierung Die Geschicke des Reiches zu leiten begonnen hat, werden in beit nächsten Tagen die Verhandlungen in Spaa ausgenommen, die darüber ent­scheiden, ob der Friedensvertrag gemildert oder in seiner ganzen Härte bestehen bleiben soll.

Gerade für die Konferenz von Spaa hat sich der Gießener Anzeiger eine S 0 n d e r b e r i ch t e r st a t t u n g gesichert, die es ihm ermöglichen wird, seine Leser schnell und zuverlässig über die Ergebnisse zu unterrichten.

Wer es daher verabsäumt hat, rechtzeitig sein Abonnement zu erneuern, der hole dies umgehend nach. Jeder Deutsche muß

Kämpfend für Kaiser und Reich, nahm Gott Euch die irdische Sonne,

Jetzt vom Irdischen frei, strahlt Euch sein ewiges

Heilig Die Stätte, Die Ihr durch Mutige Opfer geweiht 'habt

Dreimal heilig für uns durch das Opfer des Danks."

Veranstaltungen.

Donnerstag, 1. Juli: Cafe Leib, 5Uhr, DemLnstrationsversammlung der Bauarbeiter. Felsenkller, 8 Uhr, Bürgerversammlung. Post- keller, 8 Uhr, Versammlung Der abstimmungs­berechtigten Oberschlesier. (Safe Leib, 8 Uhr, Eröffnungsvorstellung Sternau-Haase. Hotel Einhorn, 8V2 Uhr, Gastspiel Paul Buchwalb. Lichtspieltheater wie gestern.

[1 Marburg, 29. Juni. Eine Versammlung . . Staats- und Gemeindearbeiter erhob in zwei Entschließungen Einspruch gegen denlOprozen- Ligen Lohnabzug.

die Verhandlungen verfolgen, die über das Volkes ent-

monatlich

An Bezugspreis: Mk. 3.60 .

An Trägcrlohn: Mk. O.65 .

Summe: Mk. 4.25 .

Bei Abholung an den monatlich

An Bezugspreis: Mk. 3.60 .

An Abholegebühr: Mk. O.3O .

Summe: Mk. 3.90 .

.... .. jten erwachsen. In

Zukunft müssen Die durch Unpünktlichkeit der Stromabnehmer entstehenden Kosten den Säumigem

zur Last gelegt werden.

** Die P flegegeldsätze in Der Landes-Heil- und P fle geanstalt sind mit Wirkung vorn 1. Juli wie folgt erhöht worden: In Der e r jlen Klasse: für Hessen 2030 Mk. täglich, für Nichthessen 3050 Mk. täglich (in be­sonderen Fällen kann ein höheres Pflegegeld in Ansatz kommen). In Der zweiten K<lasse: für Hessen 1015 Mk .täglich, für Nichthessen 15 bis 25 Mk. täglich. In Der dritten Klasse: für selbstzahlende Hessen 59 Mk. täglich, für hessische Armenverbände 7 Mk .täglich, für sonstige Für­sorgeverbände 9 Mk. täglich.

** Das Musiklehrer-Examen mit Note 1 bestand am Frankfurter .Konservatorium Der blinde Sohn des Gastwirts Freund (,^Jns Lotzes und zwar als einziger von 17 Kan­didaten.

** Gastspiel Buchwald. In Der sechsten Spielfolge (Freitag bis Sonntag) gastiert Frau Martha Winkler-Buchwald vom ehemaligen Fürstlichen - Theater in Gera in Den Einaktern Dir wie mir" von Ranbolf untD imErn Aben­teuer im Witwenverein"" von ReicharDt. Bei un­günstiger Witterung finden Sonntag nachmittags, 4 Uhr beginnend, ebenfalls Vorstellungen statt.

** Städt. Seefischm arkt. Der Verkauf von Kabeljau, Seelachs, Seehecht, Schellsisch und Rotbarsch beginnt erst morgen, Freitag, um

, , Zur Belieferung der Kohlen-

k arten sinb freigegeben auf Die Haushai tun gs- karte Nr 1 5 Zentner Kohlen ober oDer w Ztr. Braunkohlen: Die Zusatzkarte Nr. 1 und 2 Ae 1 Ztr. Kohlen oder Koks ober doppelte Menge Braunkohlen und die Kteinhcmbwerkerkartz Rr 1 ünD 2 je 3 Ztr. Kohlen oder Koks oder dopvelte Menge Braunkohlen.

** Der Vere in ber Deutschen Volks- Partei unb bit Jugenbgruppe veran­stalteten am Dienstag übend auf der Liebigshöhe einen Familienabend, der außerordentlich gut" be­sucht war und als äußerst woylgelungen bezeichnet werden kann. Einleitend begrüßte Landgerichts, at Schudt die Gäste. Im Mittelpunkt des Äöen.^s stand die Rede des Universitätsprofessors Dr> Big euer, der sich zunächst mit scharfen Worten gegen die leider sehr starke Partei der Haltlosen, Wankelmütigen unb Feigen die -Partei ber Nichtwähler toanbte. Er entwarf ein kurzes Bild der jetzigen Regierung, in deren Zusammensetzung er zwar einen guten Schritt vorwärts sah: aber, er warnte davor, wie gewisse andere Parteien große Siegesfeiern zu veranstalten. Er forderte auf, in ernster Mitarbeit an dem Wiederaufbau des Vaterlandes mitzuwirken. Die von echt vaterländi- scheni Geist getragene Rede klang aus in einem Hoch auf Deutschland, worauf die Versammlung die Nationalhymne anstimmte. Für Abwechselung sorgte die Jugendgruppe, die durch musikalische Darbietungen imb durch zwei kleine wohlgelungen« Aufführungen zeigte, daß sie außer ernster poltti, scher Arbeit auch auf diesen Gebieten gutes zr leisten vermochte. Zum Schlüsse fand sich du Jugend zu einem kleinen Tänzchen zusammen.

** Der Landwirts chaftliche Lokal- verern Gießen ladet seine Mitglieder auf Freitag beit 2. Juli, nachmittags 6 Uhr, zu einer Besprechung im Hotel Schütz ein. Siehe An­zeigenteil.

** Die Zusammenkunft ber freien Bauern schulgemeinben auf bem Offen­heimer Wäldchen ist ber weiteren Ausbreitung ber Maul- unb Klauenseuche unb ber bamit ver- bunbenen Gefahr brr Verschleppung wegen bis auf weiteres verschoben.

Kreis Alsfeld.

Gegen die Brennholzrationierung.

X Alsfelb, 30. Juni. Der Kreis t ag bes Kreises Alsfelb beschloß einstimmig in seiner orbentlichen Sitzung am 26. Juni l. Fs. auf Antrag des Kreis t agsmit g Liedes Bürger­meisters Dr. Völsing eine Eingabe an Die Regierung yu richten, in welcher Die Aus­hebung der Rationierung des Brennholzes bean­tragt wird. Da diese Art der Zwangswirtschaft als versehlt anzusehen sei. Denselben Beschluß faßte auch vor kurzem der Kreistag des Kreises Schotten. Das neue Kreisbubget weist eine beduetend: Er­höhung der Kreisumlagen auf.

Kreis Lauterbach.

np. Stockhausen, 30. Juni. Die fefcon monatelang anhaltende Trockenheit hat Die Seen ausgetrocknet; auch der Flußlauf ist ohne Wasser. Das hiesige Eisen ft ein berg- werk kann dadurch die Eisensteine nicht waschen und führt sie. her Wäsche bei Ilsdorf zu. Auch bei Sellnrod ist der Bachlauf aus-ge- trochiet. Die kleinen Ortsmühlen an diesen Bächen stehen still. Das ist umso unangenehmer, als jetzt die neue Wintersamenernte heimgefahren wordm ist. Mit bem Austrocknen der Flußbette wirb auch der Fischbestand, darunter manchmal Forellen, ver­nichtet.

Starkenburg und Rheinhessen.

oz. Offenbach, 30. Juni. Die Tochter eines fleißigen Geschäftsmannes hatte ein Verhältnis imb das Mädchen glaubte an Weihnachten, baß es Verlobung feiern werbe. Von welcher Ent­täuschung würbe sie aber ergriffen, als sie an bai Feiertagen las, baß sich ihr Zukünftiger mit einet Andern vermählt hattH. Das Mädchen wurde tob­süchtig unb kam in die Irrenanstalt, aus ber es foäter wieder entlassen wurde. Vor kurzem be- gegnete ihr nun auf ber Straße ber Treulose und die Unglückliche verfiel ob bes Einblicks toiebeam m geistige Umnachtung unb mußte abermals in br Irrenanstalt verbracht werden, wo sich jetzt ergaj, daß ihr Zustanh unheilbar ist. Die Schwester bei Aermsten würbe von der Grippe befallen und stark nach zwei Tagen und nun hat Der Vater einen schweren Unfall erlitten, der ihn für lange Zeit arbeitsunfähig macht.

Hessen-Nassau.

Der Steuerabzug vom Lohn.

MK. 0.90

Mk. 11.70

vierteljährlich

Mk. 10.80

Mk. 1.95

Mk. 12.75

Abholestellen:

Jahresfeier. Nach einem einleitenden Musik­stück tru-g der akademische Gesangverein den Chor aus Josua,Für Gottes Huld tön' un­ser Sieb", vor. Der Rektor, Professor Dr. Kalbfleisch behanbelte in seiner Festrede bete das Ergebnis ber Preisaufgaben, auf das Thema:Ueber die Demokratie imUrteilgriechischcrDenke r". Hier­auf erstattete er den Jahresbericht unb verkün- das wir morgen zurückkommen. Mit dem Chor aus dem MessiasHalleluja" unb einem Mu­sikstück erreichte die Feier ihr Enbe. Von 5 Uhr ab findet gesellige Zusammenkunft im Philosophenwalb statt. Abenbs Kommers ber Studentenschaft daselbst.

** Abstirnrnung in Ost- und Weft- preußen. Die polnische Regierung fordert von den Abstimmungsberechtigten bei Benutzung der Abstimmungs^ondcrzüge zur Fahrt durch denpolnischen Korridor"" nach Ost- unb West- Preußen neben Dem von Der zuständigen Kommission ausgestellten Mstimmungsausweis einen Personal­ausweis mit Lichtbild. Die Kreisämter sind ange­wiesen, alle unter Vorlegung des Abstimmungsaus­weises beantragten Personalausweise unverzüglich gebührenfrei mit einmonatiger Geltungsdauer aus- zustellen. Bei Benutzung von Zügen des öffent­lichen Ver^hrs durch denpolnischen Korridor"" ist Paß unb polnisches Visum erforberlich. Die Interalliierte Kommission für Regierung imb Volksabstimmung erläßt gemäß Art. 96 unb 97 bes -Versailler Vertrages vom 28. Juni 1919 unb ihrer Verorbnung vom 23. April 1920 Nr. 16, im Einvernehmen mit ber Interalliierten Volks­abstimmungskommission zu Allenstein solgenbe Ver­orbnung: Für bie Grenzüberschreitung bzw. ben Aufenthalt von Marienwerder in das Allensteiner Volksabstimmraigsgebiet und umgekehrt genügt der Sichtvermerk einer der beiden Abstimmungskom- mifhonen. Erlassen zu Marienwerder, den 28. Mai 1920.

** Ueber die Reichsschulkvnferenz in Berlin sprach gestern abend in der Neuen Aula Professor D. Schian in längeren, interessanten Ausführungen. Der Redner wird sich in einer der nächsten Nummern unseres Blattes in einem besonderen Artikel, aut den wir unsere Leser schon heute Hinweisen, mit dem gleichen Thema befassen.

** Der gestrige Regen brachte nach langer Trockenheit mit feiner Niederschlagsmenge von 11,5 Millimeter leider noch immer nicht den erwünschten durchdringenden und langanbauernden Landregen, den imfere Landwirtschaft sehnlichst herbeiwünscht.

** Gartenhaus-Diebstähle. In der Nacht zum 30. Juni wurden verschiedene Gartenhäuschen erbrochen und folgende Ge­genstände entwendet: 3 Schürzen, darunter eine Kleiderschürze, eine gestrickte Golfjacke, rot mit schwarz, ein Paar Militärschnürschuhe, und ein Paar Halbschuhe, eine Drahtzange, eine graue Mütze unb ein Gummihut, ein Haarbesen unb ein kleiner Spiegel.

Schweres Automobil-Unglück.

Oberursel , 30. Juni. Dienstag früh 1 Uhr stieß in ber Nähe von Weißkirchen an ber Stelle, wo vor sieben Jahren der bekannte Volks­wirtschaftler Dr. Schaapper (Frankfurt a. M.) mit feinem Automobil tödlich verunglückte, ein von ber Hohemark kommenber Kraftwagen mit einem Bauern fuhrwerk aus Harfe zufarnrnen. Der Kraft­wagen überschlug sich und begrub Die vier In­sassen unter sich. Ter Besitzer Des Kraftwagens, Der Kaufmann Emil Ritz aus Frankfurt, wurDe leichter verletzt, feine Frau erlitt schwere inner? Verletzungen und wurde dein städtischen Kranken­hause in Frankfurt a. M. zugeführt, wo sie noch besinnungslos darniederliegt. Der Kraftwagen­führer erlitt leichte Hautabschürfungen, während ein Freund des Ritz, bet Diplomengenieur S ch r ö- ber aus Dortmunb, so schwer verletzt nnrrbe, baß er nach wenigen Augenblicken verstarb.

[1 Biedenkopf, 29. Juni. Im nahenDorft Wallau wurde die 15jährige Tochter der Witwc Eckel im Walde beim Holzholen von einem ins Rollen gekommenen Baumstamm totgedrückt.

Hcsscn-Nafsau.

Rm. Fellingshausen, 30. Juni. Di, hiesige Schule, bie schon seit Jahren über 180 Ander zählt, hat vor kurzer Zeit Den 3. Lehre, erhalten. Tie Stelle würbe von Herrn Lehrer Zollmann besetzt.

Arrr Stabt tiitb Caitb.

Gießen, ben 1. Juli 1920.

Das Recht der Toten.

Von Dr. H. Schneider-Gießen.

Uebcrall in Deutschland iverden in ben letzt- vergangenen Monaten bie HilfsVereinigungen, die der Kriegsfürsorge unb bet Linberung bes Kriegs­leibes gebient hatten, fast unbemerkt für bie Oessentlicksteit aufgelöst ober an amtliche Stellen bei Staates oder ber Stabte angegliebert. Als letzte von Den vielen Kräften, bie ber Krieg geweckt, kön­nen nun auch bie Werke ber Menschenliebe, bie bie in freiwilliger Hilfsbereitsck>ast sich ber zer­stören ben Macht des Krieges entgegenzustellen ver­sucht hatten, einen gewissen Abschluß ihrer Wirk­samkeit herbeisühren. Auch in unserer Stabt ha­ben bie Vereinigungen freiwilliger Liebestätigkeit gegen Das Kriegsleib jeher Art ihre Arbeit in diesem Sinne aus ben Hänben gelegt. Eine Rück­schau über biete 6jährige Geschichte opferwilligster Hingabe aller Kreise bet Bevölkerung muß auf einen anderen Zeitpunkt verschoben werben. Heute sollen bie Gebauten auf eine letzte Aufgabe, eine Ehrenpflicht ber Gesamtheit, gelenkt werben, bie in bem gleichen Vtaße allen zur Ehre gereichen wirb, als sie bie Ehre bes Dankes vollbringen. Unsere Toten verlangen ihr Recht, bas Recht, bie Stätte ihrer Ruhe mit liebender Fürsorge zu pfle­gen, wo imb soweit wir nur immer bazu imstande sind. Mit dem Einsetzen des Bestens was sie hatten, sind unsere Toten im Glauben an bie Zukunft ihres Volkes in ben Kamps gezogen unb mit Ehr­furcht stehen wir vor ihren Gräbern, ba sie bieten Glauben mit bem Opfer des Lebens besiegelt haben. Was sie an Treue im Dienst ber Liebe zur Heimat imb Vaterland geleistet haben, muß in uns bie Treue wecken, burch bie Psbege ihres Grabes auch äußerlich zum Ausdruck zu bringen, baß unser Gedenken unb unsere Dankbarkeit an sie keine leeren Worte sinb. Ihr Schicksal 'bat sie über bas gewöhnliche Dasein emporgehoben, indem sie in der Hingabe für die anbern unauslöschlich in bas Herz des Volkes sich eingegraben haben. Ihr Tob ist nicht bas jähe Ende, er ist bie Pforte zum zum herrlichsten Ruhm, die golbene Pforte zu einem höheren Sein, beratniemanb hat größere Liebe, als haft et sein Leben läßt für seins Freunde"". Ter Wracke rat diese Unsterblichkeit, wenn er nicht burch frefonbere religiöse Erfahrun­gen noch vertiefter ist, vermag allein bie Menschen, bie zurückgeblieben sind, an bem Abgrund ber Ver­zweiflung voruberzusühren, vermag allein, bas sonst unerträgliche Leib zu lindern. Stark unb ge- funb in ber Blüte ihrer Kraft waren Millionen von Männern in ben Krieg gezogen unb Millio­nen kehren nicht loieber zurück. Nichts ist ihren Lieben geblieben daheim, als die Erinnerung und bas Grab in ber Ferne. Dort aber stehen bie Ge­fallenen vor unfetm geistigen Auge nicht als bie Toten, taubem die .Lebendigen, mit betten wir durch alles, was uns ian ihnen lieb war, raif ewig ver­bunden sind. Und nur barat wirb bie Wunde, die bas Herz burch ben Verlust empfing, ber Heilung näher kommen, wenn bie innige Siebe, mit ber bie Trauemben bie letzte Ruhestätte in ihren Gedanken umschließen von ber leisen Hoffnung getragen wirb, bieses Grab einmal sehen zu können oder es wenig­stens gepflegt zu wissen. Wie oft am Tage, wie oft in Der Nächten wandern Die GeDanken hinaus in bie Ferne und suchen das einzige sichtbare Unter­pfand in Der Nacht Des LeiDes, wie Den müden nächtlichen Wanderer ein schwall^r ferner Licht­schimmer grüßt. Dies war auch die Meinung Des eDlen Schweizers Alfred Ney, als er obige GeDanken zum ÄusDruck brachte und zu Dein Schluß kam, Daß Den Toten ihr Recht ge­ben, Den um sie TrauernDen Trost geben heißt. Der große, scharfe WiDerspruch, ber bariu bestand, daß durch ben Krieg Der Einzelne Durch bie Macht ber Staatsibee zur Bedeutungslosigkeit herabgedrückt würbe, bem persönlichen Leib gegen­über jeboch bas Opfer für bie Allgemeinheit feinen ausreichenben Trost gewähren kann, wirb versöhnt burch die Ehrung bes Einzelnen burch die Gesamt­heit. Staat und Volk haben in gleicher Weise das Vertrauen ber burch einen Verlust betroffenen Bürger zu gewinnen unb ^u befestigen, wenn sie ben Toten für eine tnürbige Ruhestätte sorgen. Darüber hinaus werben sich bann auch von ber Tatsache ber gemeinsamen Trauer um bie Gefalle­nen enblich für bie verirrten unb gequälten Völker die Wege finden lassen, Die sie zur Versöhnung führen. Jetzt, wo wir noch überall Den Haß spüren müssen, vertrauen wir Darauf. Daß Die stillen Pfade, Die von Gräbern kommen und zu Gräbern geben, einmal die Grenzen öffnen loerhett, baß ein Volk bas anbere als Gast zu ben Stätten geleitet, wo bie Wsallenen nach hartem Kampfe ruhen. Dann wird ein versöhnliches Herz, wenn

warme Jahreszeit, nur in Spezialpack treffen, so daß nur lebenbfrische Fische m ,Ver kauf kommen.

Vierteljahr! d) S. U. Jahresfeier ber UntverN- . . Mk. 10.10 l ä t. Die Universität beging heute in her­kömmlicher Weise in ber Neuen Aula ihre

es ifoeu behütet und gepflegte Gräber vor sich sieht, bestimmten Zusenbungen, mit Rücksicht aut Die heim lehren, unD roieber ben Mut haben, andie warme Jahreszeit, nur in Spezialpackungen ein» Liebe zu glauben, die der Ursprung, der Zweck mid das Ziel dieser Welt ist. Daß wir uns zu diesem Glauben bekennen und endlich unser Leben von ihm führen lassen, das ist bas Vermächtnis unb ber Segen ber Gefallenen."

Demnächst wird der Volksbund für Trntsche Kriegs grabe r-Fürs orge auch in unserer Stadt an die Oeffentlichkeit herantreten mit der Aunorde- rung, ihn bei seinem großen Ziel zu unterstützen, und wir sind überzeugt, daß bann jeher cni§ feine tun wirb, mitzuhelfen, .unfern Toten ihr Recht zu geben: bas Recht auf eine würbige Ruhestätte Denn ber Dichter, ber über ben HelbenMebbof von St. Charles bei Sed-au das Wart setzte, hat mis alten aus bem Herzen gesprochen: