Einzelbild herunterladen

Nr. |26

Der »lrhener Anzeiger erscheint täglich, nutzer Sonn» und Feiertags.

vrzugLpreis:

Monatlich Mark 3.60, oierteliährlichMartz 10 80 einschließlich des Bestell­gelds ; durch die Post vierteljährlich Mark 9.75 ousschlietzlich Bestellgeld. Fernsprech.Anschlüsse: fürdieSchriftlrilung 112; Verlag,kLeschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Lietzen.

Postscheckkonto:

Zrantsurt a. QI. U686

Erster Blatt

<70. Iahrgang

Dienstag, Juni 1920

GietzenerAnMger

General-Anzeiger für Gberhesien

Vrvck und Verlag: »rSHI'sche Univ.-Vuch- und Steindruckrrei R. Lanze. Schriftleltung, «eschäst,pe»e «nd Vmierei: Schul,Nahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichbeil. Preis für 1 mm höhe für Anzeigend. 34mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf.: für Reklame, Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf Bei Platz- Vorschrift 20°/9 Aufschlag. Hauptschristleüer: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz: für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz: für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

Die Aufgabe der Technu in der neuen deutschen Wirtschaft.

Ohne eine frei sich entfaltende Technik Khtn-eit die materiellen Kulturgüter nur be­schrankten Kreisen zugänglich gemacht werden. Die aus 'hoher Technik beruhende Wirtschaft schafft sich neue Formen der Organisation und Verwaltung in Staat und Gemeinde, im öffentlichen und privaten Leben. Kultur und Technik, Presse und Technik, Industrie und Parlament, Kunst und Technik, das sind Aeußerungen dieses vielgestaltigen Werde- Prozesses, den wir erleben.

In der Organisation der Wirtschaft wird der Techniker seine technischen Fähigkeiten zur Geltung zuj bringen haben, wie der Volks­wirt seine wirtschaftlichen. Hebung der Produktivität ist oberstes Prin­zip, Erkennt nis der Gemein­schaf t s i n te re ss en des Volksgan­zen erste Voraussetzung.

Eine feingegliederte Volkswirtschaft setzt Eine feingegliederte Technikerwirtschaft vor­aus. Der tragende Balken unserer Wirtschaft darf nicht auf Kosten der Spitze verkümmert und geschwächt werden. Die leitende und schöpferische geistige Arbeit darf nicht zu­gunsten der Handarbeit entrechtet werden. Kein öder Materialismus, sondern bewußte Förderung der geistigen Kultur, unserer deut­schen Kulturgüter. Kein künstlicher Gegensatz Mischen Industrie und Technik. Das Ziel muß der organische Aufbau des Sozialstaates sein. Nur wenn kühn schaffender tech­nischer G e i st nicht am Gängelbande juri­stischer Bevormundung und Bureaukratismus ^geführt wird, kann er sich frei entfalten.

Drückend lastet das Joch des Versailler Friedens auf unfern Schultern. Kein Zweifel, Industrie und Technik im weitesten Sinne werden die Hauptbürde dieses Vertrages zu tragen haben. Es ist mit allen Kräften dafür zu sorgen, daß diese Last erträglich bleibt.

Die deutsche Wirtschaft 'bleibt auf den Weltmarkt angewiesen, auch die deutsche Technik braucht den WeltmaE. Der Zusam- menbruch Mitteleuropas würde auch die Vulkanisierung ganz Europas und der übri­gen Welt bedeuten.

Nicht die Masse ent sch erdet für eine Bewegung, sondern die Richtigkeit einer Idee. Mag auch eine Idee anfänglich nur das'Gemeingut weniger fein. Früher oder später gewinnt eine große richtige N>ee Kraft und Verbreitung. Das technische Zeitalter wird nur dann siegen, wenn die in ihnr wirkenden großen Ideen, geläutert und gereinigt von Schlacken, daftehen.

Die Technik dient der Vervollkommnung der Menschheit. Möge es glingeen, unsere so­ziale Organisation Schritt für Schritt mit der technischen Kultur in Einklang zu bringen.

Keine Verschiebung der Konferenz von §paa.

Mailand, 31.Mai. (WTB.) DerSe° colo" berichtet, daß die alliierten Regierun­gen'nunmehr dahin übereingekommen seien, den Tag der Konferenz von Spa a nicht zu verschieben. Sie wird also endgültig am 21. Juni stattfinden.

Rom, 31. Mai. (WTB.- Nach demMessa- gero" sollen die Verhandlungen der am 21. Juni in Spaa beginnenden Konferenz eine Woche dauern.

Ausweisungen aus Eupen und Malmedy.

Aachen, 31. Mai. (Wolff.) Hier sind gestern 130 Familien, die aus Eupen und Malmedy ausgewiesen worden sind, ein- getroffen, nachdem vor einigen Tagen bereits 300 Familien eingetraffen waren.

Die Angliederung PasenS au Polen.

Breslau, 30.Mai. (Wolff.) Wie ober­schlesische Blätter melden, wird am 1. Juni die endgültige Bereinigung der Polen angegliederten Teile der Provinz Posen mit Kongreßpolen und Galizien er­folgen. Damit sind die Hoffnungen der Pose­ner, in Anbetracht ihrer besonderen kultu­rellen Verhältnisse eine gewisse Autonomie innerhalb des polnischen Äaates zu behalten, endgültig gescheitert. *

Eine amerikanische Anleihe fürArmenien.

Paris, 1. Juni. (WTB.) LautDaily Mail" schlug der amerikanische Senator Hitch- cook vor, Armenien eine Anleihe von 10 Millionen Pfund für den wirtschaftlichen Wiederaufbau zu bewilligen.

*

Die russisch-englischen Handelsbeziehungen.

London, 1. Juni. (WTB.) Krassin hatre gestern die erste Unterredung mit Lloyd

George und hat die Wiederaufnahme derHandelsbeziehungen mit ibm be­sprochen. Lord Curzon, Bonar Law und meh­rere andere englische Sachverständige waren anwesend.

A m st e r d a m, 31. Mai. (WTB.) DasAll- gemeen Handelsblad" meldet aus London, daß zwei Ausschüsse für politische, finanzielle und wirt­schaftliche Fragen mit Krassin verhandeln sol­len. Außerdem wird er mit mehreren Ministern als Vertretern des Gesamtkabinetts Unterredungen haben.

EiftubahnerauSstand in Indien.

Amsterdam, 1. Juni. (WTB.) Bei einem Ausstand auf der Great Indian Peninsular Eisenbahn gab es laut Daily Mail" Unruhen. Die Zahl der Aus­ständigen hat sich auf 20 000 vermehrt.

Eine Enzyklika des Papstes.

Rom, 31. Mai. (WTB.) Der Papst rich­tete an das Episvopat der ganzen Welt eine Enzyklika über die christliche Ver­söhnung und den Frieden. Er ermahnt alle Kinder der Kirche des ganzen Erdkreises, den ehemaligen Streit zu vergessen und an seine Stelle Eintracht und gegenseitige Liebe zu setzen. Der Papst fügt hinzu, daß er allen Feinden der katholischen Kirche verzeiht und keine Gelegenheit außer Acht lassen wolle,. Gutes zu erweisen. Er schließt mit dem Wun­sche, daß alle Christen, würdig dieses Namens, and) denen gegenüber so handeln möchten, die sie im Laufe des Kriegs be­leidigten.

Der deutsche Geschäftsträger in Rom gestorben.

Rom, 31. Mai. (WTB.) Stefani. Der deutsche Geschäftsträger in Rom, v. Her ff, ist Sonntag abend gesüorben.

Die Not der österreichischen Presse.

Wien, 31. Mai. (Wolff.) Die General­versammlung der Bereinigung österreichischer Tageszeitungen nahm einstimmig eine Ent­schließung an, in der es heißt: Die gesamte österreichische Presse ist außerstande, mehr als fünf 'Kronen für ein Kilogramm Zei­tungspapier aus eigener Rechnung zu zahlen. Es muß der Negierung überlassen bleiben, mit den Papierfabriken oie Verhandlungen so zu führen, daß die Zeitungen nicht eine wei­tere Belastung erfahren, welche zum end­gültigen Zusammenbruch der gesamten öster­reichischen Zeitungsindustrie sichren würde.

Ein Haftbefehl gegen Karolyi.

Budapest, 31. Mai. (WTB.) Havas. Der Militärkommandant des Gerichtshofes in Budapest erließ einen Haftbefehl gegen den ehemaligen Präsidenten der ungarischen Volksrepublik Grafen Karolyi, der der Aufreizung zum Morde und des Attentats gegen die nationale Verteidigung ange­klagt ist.

Die Kämpfe in Rußland.

Prag, 31. Mai. (Wolff.) Lschechoslowa- kisches Pressebureau. Dem Moskauer Kriegs­bericht vom 30. Mai zufolge kämpfen die roten Truppen östlich von Wilna noch immer auf der Linie BiziKrivitsche an der Bahn PolozkWarschau bis zum Polik-See. An der Beresina dagegen scheinen vor Minsk )ie roten Truppen bei der Mündung der Uscha auf das linke Ufer der letzteren ge­worfen zu sein. Am östlichen Kiewer Brückenkopf keine Aenderungen. Südlich von Kiew und nordwestlich von Taraschtscha mel­det der Moskauer Bericht mit frischen Kräften unternommene heftige polnische Gegen­angriffe. Der tinte Flügel der roten Armee scheint bereits bis 30 Werst südöstlich von der Station Napnarka an der Bahn Prosl- kurowOdessa vorgedrungen zu sein.

Laut denselben Telegrammen protestierte Tschitscherin bei der österreichi­schen Regierung gegen die Lieferung von Kriegsmaterial an Polen und droht mit Repressalien. Desgleichen erhob Tschi­tscherin auch bei der Tschechoslowakischen Re­gierung wegen der Durchfuhr österreichischen Kriegsmaterials nach Polen Protest.

» I »im»« maaitJMZnrormrn II .1 I r I

Putschgespenster.

Berlin, 1. Juni. In einer Ansprache über Putsch-Vorbereitungen, die General Reinhardt mit einem Mitarbeiter des Tageblatts hatte, kam er zu der Feststellung, daß genügend ü er» fassungstreueTruppenzur Abwehr bereit seien. Der General sagte: Wenn jetzt irgendwo, beispielsweise in Westfalen Truppenteile aufgelöst Herben, so zerstreuen sich selbstverständlich die zur Auslösung kommenden Mannschaften und reisen zu­weilen in kleinen Trupps auch nach Ostpreußen unb ähnlichen Punkten. Das erweckt den An- schein von bestimmten Mannschaftsbewegungen, die an sich aber gar nichts gefahrvolles zu bedeuten haben. Wenn anderswo Putschanschläge torbereitet

werden, so haben die örtlich zuständigen Reichs- wehrkommandos darauf zu achten. Die Brigade D S b e r i tz hat mit der Bekämpfung von Putsch- vorbereüungen nichts zu tun. Sie steht als un­mittelbare Reserve dem Reichswehrminister zur Verfügung und bat dort auszutteten, wo sich Widerstand gegen oie Staatsgewalt zeigt, um Ber- fassungsbrüche zu vereiteln.

Berlin, 31. Mai. DerVolksfreunü" in Frankfurt anderOder bringt aus angeblich sicheoer Quelle" eine Mittrilung, die vor allem auch der BerlinerVorwärts" am Samstag abend in auffallendem Druck nriebergegefr.it tat. Diese Meldung begegnet in Berlin größter Skepsis unb inan glaubt, daß bei ihr aus Kernen Anzeichen zu viel geftf/offen tont). In der Meldung desBvlks- fveund" fei&t cd:

Die Den tsckrmtionalen und die mit ihnen Ver­bündeten Mil tärputschisten beabsichtigen am 5. oder 6 Juni einen großen Schlag zum Sturz der Republik und zur Berhinderung der Wa hleu zu führen. Das militärische Borgehen sei im Gegensatz zur Märzevoche peinlich orgmn- fiert. Der Ausgangspunkt für den Osten liege un­weit Frankfurt an der Oder. Es sind die Orte Kornheim und Sentsch. Die Führung liege in den Sätcbat von tritt Generälen. Die Ei n - nabmevon Berlin strile v-enBorpom'mtzrn aus erfolgen. Als 'Operatfaw'frff-s sei Greifswald in Au-'sicht genommen. Die Nicderknüpp^lung von MitteldeutsclLarid werde von Hannover aus in die Wege geleitet. In dem Bezirk Franksutt ait Iber Ober stehen 2300 Offiziere in Mannschaft^ 'mri farmen zur Verfügung, die als Sturmtruppe in hervorragender Weise mit Maschinengewehren und ^Handgranaten ausgerüstet find. In Frankfurt an der Oder seien Agenten zur Auw.iÄung von aktivett Unteroffizieren' tätig. Für die Aktion, die Frank­furt an der Oder in die Hände der Putschisten brin­gen soll, gilt als General strckssitz das Gut Nippenze. Die Güter Lossow und Kuirersdorf beherbergen an­geblich die StL>e der Nachrichtei i abt eil trugen. Die Listen zur Verhaftung von Arbettersührern befan­den sich hrreits in den Händen bei Bortruppvfsiziere.

Derlin, 31. Mai. (WTB.) Den Abend­blättern zufolge bezeichnet der Oberpräsident der Provinz Sachsen, & ör ring, in einem Aufruf an die Bevölkerung Behauptung von einem be- vsrslehenden Putschvou links in der Provinz Sachsen als Wahlfchwindcl.

Berlin, 1. Juni. Die an dem März-Ge­neralstreik beteiligten Organisationen traten gestern zu einer Beratung zusammen, in welcher die Ueberzeugung zum Ausdruck kam, daß durch die gegenwärtige Situation die unge­säumte Erfüllung der achten Forderung (Auf­lösung der konterrevolutionären Truppenteile und ihre Erfet-.ung durch repu- blikanisck>e zuverlässige, insbesondere a".s der or­ganisierten Arbeitnehmerschaft zu bildende For- niatümen) verlangt werden muß.

*

Die wölfische Bewegung.

Hannover, 31. Mai. (WB.) Ter Vorstand der deutsch-i,annav^'chen Partei rerö 'fent icht eine Erklärung, nach bet die im Volks-Villen ver­öffentlichten Briefe Ende vorigen Jahres von einem FuniLri b' <chl stammen. Sie mürben im Herbst 1919 geschrieben, als die Gefahr einer Räterepublik in Berlin doohbe und enthalten unver- bindliä« private Äußerungen, dir sich zum Tert widersprechen Der von den Bezirksorganis'ttioncn des ganzen Landes gewck l.e Ausschuß der Partei, dec RepudliLrner w.d Mv^rchisen ums-aßt, I>)t einstimmig folgendes als Ziel der Partei'festgelegt: lieber der Staats form sieht der Partei die Wohl­fahrt des VMes. ©te verurteilt daher den Ver­such der gewaltsamen Wiederherstellung der Mon­archie in Deutschland und Hannover. Nur in Uevereinstimmung mit dem Willen des Volkes kann eine Aenderung der Staatsprm erfolgen.

Aus dem Reiche.

Die LandtagÄvMen in Gocha.

Gotha, 31. Mai. (Wolff.) Bei dm gestrigen Wahlen zum Gothaer Landtage erhie-- ten die unabhängige svzialbemoklxrtiiche Partn 30 700, der Bauernbund 17 141, bie Teutsch-Nttio- iralen 3517, die Deutsche Doffspcrtei 10 960, di, Demokraten 6973, die Mehrleffssozi1ii en 3553 Stimmen. 30 Ort'ch.ften f>5en noch aus. Es werden voraus ichüi^y crlalten: Tie Unabhängi­gen 8 ober 9, der Baciembund 5 ocer 6, die Deutsche BolkSpartei 3, die Teuchchn.ationalen 1, fre Demokraten 1, die Mehrh itssazialisten 1 Sitz. Tie deutsche Bol Aparter hat ihre Sttmmenz-ahl verdoppelt, während die Teutschnatianalen zu Gunsten des Bauernbundes die Hälfte der Stim­men verloren. Die bisherige Mehrheit der unab­hängigen So?,i:ldemakva-ie ist damit gesprengt.

Bei der vorigen Wahl hatten die Unabl^Lngigen 43 000, die Mehchilsso»it!temvkoaten 7800, die Demokraten 18100, die Rechtsstehenden einschl. Bauernbund, die Listeuverbiudung hatten, 16 400 Stimmen.

Ein RegiernngSdemeuti.

Berlin, 31. Mar. (WB.) Amtlich. In seiner Rede in Hannover stellte der frühere Staatsminister D e l f f e r i ch und wach ihm zahlreiche Redner bei Teutsch-mttioivalen Bolkspartci, als letz'er der frü­here Staatsminister Tr. He r g t--München die Betauptung auf, dry die Entente nehm dem in­zwischen >tm erf.m b ue.i Friedens-ert ar noch einen zweiten, nx'tiud milderen in Vorbereitung harte. Dieser letztere hätte u. a. die Besetzung im Westen nur auf achtzehn Monate und keiner­lei Besitzergreifung des Saarg biels vorge- ehen. Helfferich gcch als Quelle dieser Neuigkeit das Mitglied des Ministeriums Cle- menceau, T ar dien an. Es wird hiermit fest­

gestellt, daß keinerlei PMikativnen, weder von Tardieu noch von einem anderen Mitglied eines Ententeministeriums existieren, in denen das Mär­chen von einem solchen zweiten Friedens vertrag erzählt wird, daß also die ganze abenteuerliche Geschichte in das Reich der Wahlfaheln gehört. Wie diejenigen zu beurteilen sind, die auf diesem bitterernsten Gebiet mit Erfindungen arbeiten und solck-en Schwindel weiterverbreiten, sei dem Urteil eines jeden Einzelnen überlassen.

Der ReichsMhrminister in Breslau.

B r e s l a u, 31. Mai. (Priv.-Tel.) Laut B. Z." begab sich Reichswehrminister Dr. G e ß l e r nach Breslau, um sich auch von den schlesischen Verhältnissen einen persön­lichen Eindruck zu verschaffen.

Neureselung des deutschen Güterverkehrs.

B e r l i n, 31. Mai. (Wolff.) Im Reichs­verkehrsministerium fand heute eine Besprech­ung statt, in der vorbereitende Maßnahmen für die.N e u r e g e l u n g und Leitung des ge­samten deutschen Güterverkehrs nach dem Gesichtspunkte des betrieblich und wirt­schaftlich vorteilhaftesten Weges getroffen wurden. Die Durchführung der umfangreichen Arbeiten soll in jeder Weise beschleunigt wer­den. Die aus einem früheren Wettbewerb der Länder hervorgegangenen Leitungswege sollen baldmöglichst beseitigt werden, soweit sie betriebliche Erschwernisse und unwirtschaftliche Umwege zur Folge hatten.

Deutscher Reichssiedlertag.

Berlin, 1.Juni. Auf dem gestern in Dresden zum Abschluß gekommenen Deut­schen Reichssiedler tag wurde beschlos­sen, daß die vier gebitoeten Ausschüsse mit den Reichs- und Staatsbehörden verhanvetn und die Ergebnisse dem zweiten Deutschen Siedlertag vorlegen s-ollen, der voraussichtlich im August d. I. in Leipzig zusammentreten wird.

Aus dem besetzten Neblet Ein Wechsel des amerikanischen Oberbefehlshabers in Koblenz. Paris, 1. Juni. (WTB.) Nach einer Havasmeldung aus Mainz wird der von sei­nem Posten zurückgetretene Vertreter Ameri­kas in der interalliierten Oberkommission in Koblenz, Neyes, durch den Oberbefehlsha­ber der amerikanischen Besatzungstruppen, General A l l e y, ersetzt.

Französische Justiz.

Ludwigshafen a. Rh., 31. Mai. (Wolff.) Der in der Badischen Anilin- und Sodafabrik beschäftigte Ingenieur Imhoff, der den Krieg zuletzt als Hauptmann mitz- machte und der unlängst von den Franzosen verhaftet wurde, ist wegen Diebstahls von Hausgegenständen in Frankreich zu 16 Jahren Zwangsarbeit veru rtei lt worden. Bei einer Haussuchung sollen bei ihm gestohlene Gegenstände gefunden worden sein.

hl. Griesheim, 31. Mai. Von den französischen Besatzungstruppen wird in den hiesigen und den benachbarten Jngdbezirten der Gemeinden Wolfskehlen und Goddelau unberechtigt die Jagd ausgeübt. Kein Tier ist vor ihnen sicher, selbst tragendes Rehwild, tragende Hasen und brütende Fa­sanen werden wahllos abyeschossen. Die Jagd ist dadurch aus Jahre hinaus gänzlich rui­niert.

Ein französisches HeSenstück in Eaub a. Rh.

Am Freitag, 7. Mai, gegen 2 Uhr nachmitt-ags, landeten in dem MotorbootElisabeth Barbara" twn Kostheim ein Offizier und etwa 35 Mann des 26. französischen Jnfanterie-Reaiments und ein Matrose in der zum Kreise St. Goarshausen ge- Origen Stadt CauV. die int unbesetzten Gebiet des Deutschen Reiches liegt. Die widerrechtlich ge- tanfrtc Truppe versammelte sich amBlücherdent'- inal". wo der Offizier eine Rede hielt, die von den Monnschasten sichtbar freudigst ausgenommen wor­den ist. Sie klang aus in der Forderung, das Denk­mal in unflätiger Weise zu beschmutzen, und ,vic auf ein Kommando bildeten die französischen Sol­daten einen Kreis um das Denkmal und folgten der Aufforderung. Der Vorfall hatte eine kleine Men­schenansammlung zur Folge unb mir dein ruhigen und friomiencn Eingreifen zweier Wachtmeister ist es zu danken, daß das herausfordernde Verhalten der Soldaten und ihres Führers nicht zu blutigen Zusammenstößen mit dem Volke führte. Die fteredv tigte Empörung des Publikums erwiderte der fran zösifche Offizier durch Drohmigen mit dem schuß- ertigen Revolver und in dem er einzelnen Personsn in nicht mißzuk-Tstehender Weise mit der R-itgerte vor dem Gesicht herumfuchtclte. Seimi Abfahren über den Rhein schrie er der MengeSchweine­bande" entgegen.

Schieberverhaftungen in Köln.

. Köln, 1. Juni. (WTB.) Gestern nach mittag wurden auf dem Heumarkt und in den umliegenden Straßen einige hundert Personen von hier und auswärts, auch Frauen, von der städtischen und englischen Polizei wegen Verdachts der Schie­berei und des Schleichhandels ver­haftet uni) auf sieben englischen Lastautos nach dem Polizeipräsidium gebracht.