Nr. |26
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Erster Blatt
<70. Iahrgang
Dienstag, Juni 1920
GietzenerAnMger
General-Anzeiger für Gberhesien
Vrvck und Verlag: »rSHI'sche Univ.-Vuch- und Steindruckrrei R. Lanze. Schriftleltung, «eschäst,pe»e «nd Vmierei: Schul,Nahe 7.
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Die Aufgabe der Technu in der neuen deutschen Wirtschaft.
Ohne eine frei sich entfaltende Technik Khtn-eit die materiellen Kulturgüter nur beschrankten Kreisen zugänglich gemacht werden. Die aus 'hoher Technik beruhende Wirtschaft schafft sich neue Formen der Organisation und Verwaltung in Staat und Gemeinde, im öffentlichen und privaten Leben. Kultur und Technik, Presse und Technik, Industrie und Parlament, Kunst und Technik, das sind Aeußerungen dieses vielgestaltigen Werde- Prozesses, den wir erleben.
In der Organisation der Wirtschaft wird der Techniker seine technischen Fähigkeiten zur Geltung zuj bringen haben, wie der Volkswirt seine wirtschaftlichen. Hebung der Produktivität ist oberstes Prinzip, Erkennt nis der Gemeinschaf t s i n te re ss en des Volksganzen erste Voraussetzung.
Eine feingegliederte Volkswirtschaft setzt Eine feingegliederte Technikerwirtschaft voraus. Der tragende Balken unserer Wirtschaft darf nicht auf Kosten der Spitze verkümmert und geschwächt werden. Die leitende und schöpferische geistige Arbeit darf nicht zugunsten der Handarbeit entrechtet werden. Kein öder Materialismus, sondern bewußte Förderung der geistigen Kultur, unserer deutschen Kulturgüter. Kein künstlicher Gegensatz Mischen Industrie und Technik. Das Ziel muß der organische Aufbau des Sozialstaates sein. Nur wenn kühn schaffender technischer G e i st nicht am Gängelbande juristischer Bevormundung und Bureaukratismus ^geführt wird, kann er sich frei entfalten.
Drückend lastet das Joch des Versailler Friedens auf unfern Schultern. Kein Zweifel, Industrie und Technik im weitesten Sinne werden die Hauptbürde dieses Vertrages zu tragen haben. Es ist mit allen Kräften dafür zu sorgen, daß diese Last erträglich bleibt.
Die deutsche Wirtschaft 'bleibt auf den Weltmarkt angewiesen, auch die deutsche Technik braucht den WeltmaE. Der Zusam- menbruch Mitteleuropas würde auch die Vulkanisierung ganz Europas und der übrigen Welt bedeuten.
Nicht die Masse ent sch erdet für eine Bewegung, sondern die Richtigkeit einer Idee. Mag auch eine Idee anfänglich nur das'Gemeingut weniger fein. Früher oder später gewinnt eine große richtige N>ee Kraft und Verbreitung. Das technische Zeitalter wird nur dann siegen, wenn die in ihnr wirkenden großen Ideen, geläutert und gereinigt von Schlacken, daftehen.
Die Technik dient der Vervollkommnung der Menschheit. Möge es glingeen, unsere soziale Organisation Schritt für Schritt mit der technischen Kultur in Einklang zu bringen.
Keine Verschiebung der Konferenz von §paa.
Mailand, 31.Mai. (WTB.) Der „Se° colo" berichtet, daß die alliierten Regierungen'nunmehr dahin übereingekommen seien, den Tag der Konferenz von Spa a nicht zu verschieben. Sie wird also endgültig am 21. Juni stattfinden.
Rom, 31. Mai. (WTB.- Nach dem „Messa- gero" sollen die Verhandlungen der am 21. Juni in Spaa beginnenden Konferenz eine Woche dauern.
Ausweisungen aus Eupen und Malmedy.
Aachen, 31. Mai. (Wolff.) Hier sind gestern 130 Familien, die aus Eupen und Malmedy ausgewiesen worden sind, ein- getroffen, nachdem vor einigen Tagen bereits 300 Familien eingetraffen waren.
Die Angliederung PasenS au Polen.
Breslau, 30.Mai. (Wolff.) Wie oberschlesische Blätter melden, wird am 1. Juni die endgültige Bereinigung der Polen angegliederten Teile der Provinz Posen mit Kongreßpolen und Galizien erfolgen. Damit sind die Hoffnungen der Posener, in Anbetracht ihrer besonderen kulturellen Verhältnisse eine gewisse Autonomie innerhalb des polnischen Äaates zu behalten, endgültig gescheitert. *
Eine amerikanische Anleihe fürArmenien.
Paris, 1. Juni. (WTB.) Laut „Daily Mail" schlug der amerikanische Senator Hitch- cook vor, Armenien eine Anleihe von 10 Millionen Pfund für den wirtschaftlichen Wiederaufbau zu bewilligen.
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Die russisch-englischen Handelsbeziehungen.
London, 1. Juni. (WTB.) Krassin hatre gestern die erste Unterredung mit Lloyd
George und hat die Wiederaufnahme derHandelsbeziehungen mit ibm besprochen. Lord Curzon, Bonar Law und mehrere andere englische Sachverständige waren anwesend.
A m st e r d a m, 31. Mai. (WTB.) Das „All- gemeen Handelsblad" meldet aus London, daß zwei Ausschüsse für politische, finanzielle und wirtschaftliche Fragen mit Krassin verhandeln sollen. Außerdem wird er mit mehreren Ministern als Vertretern des Gesamtkabinetts Unterredungen haben.
EiftubahnerauSstand in Indien.
Amsterdam, 1. Juni. (WTB.) Bei einem Ausstand auf der Great Indian Peninsular Eisenbahn gab es laut „Daily Mail" Unruhen. Die Zahl der Ausständigen hat sich auf 20 000 vermehrt.
Eine Enzyklika des Papstes.
Rom, 31. Mai. (WTB.) Der Papst richtete an das Episvopat der ganzen Welt eine Enzyklika über die christliche Versöhnung und den Frieden. Er ermahnt alle Kinder der Kirche des ganzen Erdkreises, den ehemaligen Streit zu vergessen und an seine Stelle Eintracht und gegenseitige Liebe zu setzen. Der Papst fügt hinzu, daß er allen Feinden der katholischen Kirche verzeiht und keine Gelegenheit außer Acht lassen wolle,. Gutes zu erweisen. Er schließt mit dem Wunsche, daß alle Christen, würdig dieses Namens, and) denen gegenüber so handeln möchten, die sie im Laufe des Kriegs beleidigten.
Der deutsche Geschäftsträger in Rom gestorben.
Rom, 31. Mai. (WTB.) Stefani. Der deutsche Geschäftsträger in Rom, v. Her ff, ist Sonntag abend gesüorben.
Die Not der österreichischen Presse.
Wien, 31. Mai. (Wolff.) Die Generalversammlung der Bereinigung österreichischer Tageszeitungen nahm einstimmig eine Entschließung an, in der es heißt: Die gesamte österreichische Presse ist außerstande, mehr als fünf 'Kronen für ein Kilogramm Zeitungspapier aus eigener Rechnung zu zahlen. Es muß der Negierung überlassen bleiben, mit den Papierfabriken oie Verhandlungen so zu führen, daß die Zeitungen nicht eine weitere Belastung erfahren, welche zum endgültigen Zusammenbruch der gesamten österreichischen Zeitungsindustrie sichren würde.
Ein Haftbefehl gegen Karolyi.
Budapest, 31. Mai. (WTB.) Havas. Der Militärkommandant des Gerichtshofes in Budapest erließ einen Haftbefehl gegen den ehemaligen Präsidenten der ungarischen Volksrepublik Grafen Karolyi, der der Aufreizung zum Morde und des Attentats gegen die nationale Verteidigung angeklagt ist.
Die Kämpfe in Rußland.
Prag, 31. Mai. (Wolff.) Lschechoslowa- kisches Pressebureau. Dem Moskauer Kriegsbericht vom 30. Mai zufolge kämpfen die roten Truppen östlich von Wilna noch immer auf der Linie Bizi—Krivitsche an der Bahn Polozk—Warschau bis zum Polik-See. An der Beresina dagegen scheinen vor Minsk )ie roten Truppen bei der Mündung der Uscha auf das linke Ufer der letzteren geworfen zu sein. Am östlichen Kiewer Brückenkopf keine Aenderungen. Südlich von Kiew und nordwestlich von Taraschtscha meldet der Moskauer Bericht mit frischen Kräften unternommene heftige polnische Gegenangriffe. Der tinte Flügel der roten Armee scheint bereits bis 30 Werst südöstlich von der Station Napnarka an der Bahn Prosl- kurow—Odessa vorgedrungen zu sein.
Laut denselben Telegrammen protestierte Tschitscherin bei der österreichischen Regierung gegen die Lieferung von Kriegsmaterial an Polen und droht mit Repressalien. Desgleichen erhob Tschitscherin auch bei der Tschechoslowakischen Regierung wegen der Durchfuhr österreichischen Kriegsmaterials nach Polen Protest.
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Putschgespenster.
Berlin, 1. Juni. In einer Ansprache über Putsch-Vorbereitungen, die General Reinhardt mit einem Mitarbeiter des Tageblatts hatte, kam er zu der Feststellung, daß genügend ü er» fassungstreueTruppenzur Abwehr bereit seien. Der General sagte: Wenn jetzt irgendwo, beispielsweise in Westfalen Truppenteile aufgelöst Herben, so zerstreuen sich selbstverständlich die zur Auslösung kommenden Mannschaften und reisen zuweilen in kleinen Trupps auch nach Ostpreußen unb ähnlichen Punkten. Das erweckt den An- schein von bestimmten Mannschaftsbewegungen, die an sich aber gar nichts gefahrvolles zu bedeuten haben. Wenn anderswo Putschanschläge torbereitet
werden, so haben die örtlich zuständigen Reichs- wehrkommandos darauf zu achten. Die Brigade D S b e r i tz hat mit der Bekämpfung von Putsch- vorbereüungen nichts zu tun. Sie steht als unmittelbare Reserve dem Reichswehrminister zur Verfügung und bat dort auszutteten, wo sich Widerstand gegen oie Staatsgewalt zeigt, um Ber- fassungsbrüche zu vereiteln.
Berlin, 31. Mai. Der „Volksfreunü" in Frankfurt anderOder bringt aus angeblich „sicheoer Quelle" eine Mittrilung, die vor allem auch der Berliner „Vorwärts" am Samstag abend in auffallendem Druck nriebergegefr.it tat. Diese Meldung begegnet in Berlin größter Skepsis unb inan glaubt, daß bei ihr aus Kernen Anzeichen zu viel geftf/offen tont). In der Meldung des „Bvlks- fveund" fei&t cd:
Die Den tsckrmtionalen und die mit ihnen Verbündeten Mil tärputschisten beabsichtigen am 5. oder 6 Juni einen großen Schlag zum Sturz der Republik und zur Berhinderung der Wa hleu zu führen. Das militärische Borgehen sei im Gegensatz zur Märzevoche peinlich orgmn- fiert. Der Ausgangspunkt für den Osten liege unweit Frankfurt an der Oder. Es sind die Orte Kornheim und Sentsch. Die Führung liege in den Sätcbat von tritt Generälen. Die Ei n - nabmevon Berlin strile v-enBorpom'mtzrn aus erfolgen. Als 'Operatfaw'frff-s sei Greifswald in Au-'sicht genommen. Die Nicderknüpp^lung von MitteldeutsclLarid werde von Hannover aus in die Wege geleitet. In dem Bezirk Franksutt ait Iber Ober stehen 2300 Offiziere in Mannschaft^ 'mri farmen zur Verfügung, die als Sturmtruppe in hervorragender Weise mit Maschinengewehren und ^Handgranaten ausgerüstet find. In Frankfurt an der Oder seien Agenten zur Auw.iÄung von aktivett Unteroffizieren' tätig. Für die Aktion, die Frankfurt an der Oder in die Hände der Putschisten bringen soll, gilt als General strckssitz das Gut Nippenze. Die Güter Lossow und Kuirersdorf beherbergen angeblich die StL>e der Nachrichtei i abt eil trugen. Die Listen zur Verhaftung von Arbettersührern befanden sich hrreits in den Händen bei Bortruppvfsiziere.
Derlin, 31. Mai. (WTB.) Den Abendblättern zufolge bezeichnet der Oberpräsident der Provinz Sachsen, & ör ring, in einem Aufruf an die Bevölkerung Behauptung von einem be- vsrslehenden Putschvou links in der Provinz Sachsen als Wahlfchwindcl.
Berlin, 1. Juni. Die an dem März-Generalstreik beteiligten Organisationen traten gestern zu einer Beratung zusammen, in welcher die Ueberzeugung zum Ausdruck kam, daß durch die gegenwärtige Situation die ungesäumte Erfüllung der achten Forderung (Auflösung der konterrevolutionären Truppenteile und ihre Erfet-.ung durch repu- blikanisck>e zuverlässige, insbesondere a".s der organisierten Arbeitnehmerschaft zu bildende For- niatümen) verlangt werden muß.
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Die wölfische Bewegung.
Hannover, 31. Mai. (WB.) Ter Vorstand der deutsch-i,annav^'chen Partei rerö 'fent icht eine Erklärung, nach bet die im Volks-Villen veröffentlichten Briefe Ende vorigen Jahres von einem FuniLri b' <chl stammen. Sie mürben im Herbst 1919 geschrieben, als die Gefahr einer Räterepublik in Berlin doohbe und enthalten unver- bindliä« private Äußerungen, dir sich zum Tert widersprechen Der von den Bezirksorganis'ttioncn des ganzen Landes gewck l.e Ausschuß der Partei, dec RepudliLrner w.d Mv^rchisen ums-aßt, I>)t einstimmig folgendes als Ziel der Partei'festgelegt: lieber der Staats form sieht der Partei die Wohlfahrt des VMes. ©te verurteilt daher den Versuch der gewaltsamen Wiederherstellung der Monarchie in Deutschland und Hannover. Nur in Uevereinstimmung mit dem Willen des Volkes kann eine Aenderung der Staatsprm erfolgen.
Aus dem Reiche.
Die LandtagÄvMen in Gocha.
Gotha, 31. Mai. (Wolff.) Bei dm gestrigen Wahlen zum Gothaer Landtage erhie-- ten die unabhängige svzialbemoklxrtiiche Partn 30 700, der Bauernbund 17 141, bie Teutsch-Nttio- iralen 3517, die Deutsche Doffspcrtei 10 960, di, Demokraten 6973, die Mehrleffssozi1ii en 3553 Stimmen. 30 Ort'ch.ften f>5en noch aus. Es werden voraus ichüi^y crlalten: Tie Unabhängigen 8 ober 9, der Baciembund 5 ocer 6, die Deutsche BolkSpartei 3, die Teuchchn.ationalen 1, fre Demokraten 1, die Mehrh itssazialisten 1 Sitz. Tie deutsche Bol Aparter hat ihre Sttmmenz-ahl verdoppelt, während die Teutschnatianalen zu Gunsten des Bauernbundes die Hälfte der Stimmen verloren. Die bisherige Mehrheit der unabhängigen So?,i:ldemakva-ie ist damit gesprengt.
Bei der vorigen Wahl hatten die Unabl^Lngigen 43 000, die Mehchilsso»it!temvkoaten 7800, die Demokraten 18100, die Rechtsstehenden einschl. Bauernbund, die Listeuverbiudung hatten, 16 400 Stimmen.
Ein RegiernngSdemeuti.
Berlin, 31. Mar. (WB.) Amtlich. In seiner Rede in Hannover stellte der frühere Staatsminister D e l f f e r i ch und wach ihm zahlreiche Redner bei Teutsch-mttioivalen Bolkspartci, als letz'er der frühere Staatsminister Tr. He r g t--München die Betauptung auf, dry die Entente nehm dem inzwischen >tm erf.m b ue.i Friedens-ert ar noch einen zweiten, nx'tiud milderen in Vorbereitung harte. Dieser letztere hätte u. a. die Besetzung im Westen nur auf achtzehn Monate und keinerlei Besitzergreifung des Saarg biels vorge- ehen. Helfferich gcch als Quelle dieser Neuigkeit das Mitglied des Ministeriums Cle- menceau, T ar dien an. Es wird hiermit fest
gestellt, daß keinerlei PMikativnen, weder von Tardieu noch von einem anderen Mitglied eines Ententeministeriums existieren, in denen das Märchen von einem solchen zweiten Friedens vertrag erzählt wird, daß also die ganze abenteuerliche Geschichte in das Reich der Wahlfaheln gehört. Wie diejenigen zu beurteilen sind, die auf diesem bitterernsten Gebiet mit Erfindungen arbeiten und solck-en Schwindel weiterverbreiten, sei dem Urteil eines jeden Einzelnen überlassen.
Der ReichsMhrminister in Breslau.
B r e s l a u, 31. Mai. (Priv.-Tel.) Laut „B. Z." begab sich Reichswehrminister Dr. G e ß l e r nach Breslau, um sich auch von den schlesischen Verhältnissen einen persönlichen Eindruck zu verschaffen.
Neureselung des deutschen Güterverkehrs.
B e r l i n, 31. Mai. (Wolff.) Im Reichsverkehrsministerium fand heute eine Besprechung statt, in der vorbereitende Maßnahmen für die.N e u r e g e l u n g und Leitung des gesamten deutschen Güterverkehrs nach dem Gesichtspunkte des betrieblich und wirtschaftlich vorteilhaftesten Weges getroffen wurden. Die Durchführung der umfangreichen Arbeiten soll in jeder Weise beschleunigt werden. Die aus einem früheren Wettbewerb der Länder hervorgegangenen Leitungswege sollen baldmöglichst beseitigt werden, soweit sie betriebliche Erschwernisse und unwirtschaftliche Umwege zur Folge hatten.
Deutscher Reichssiedlertag.
Berlin, 1.Juni. Auf dem gestern in Dresden zum Abschluß gekommenen Deutschen Reichssiedler tag wurde beschlossen, daß die vier gebitoeten Ausschüsse mit den Reichs- und Staatsbehörden verhanvetn und die Ergebnisse dem zweiten Deutschen Siedlertag vorlegen s-ollen, der voraussichtlich im August d. I. in Leipzig zusammentreten wird.
Aus dem besetzten Neblet Ein Wechsel des amerikanischen Oberbefehlshabers in Koblenz. Paris, 1. Juni. (WTB.) Nach einer Havasmeldung aus Mainz wird der von seinem Posten zurückgetretene Vertreter Amerikas in der interalliierten Oberkommission in Koblenz, Neyes, durch den Oberbefehlshaber der amerikanischen Besatzungstruppen, General A l l e y, ersetzt.
Französische Justiz.
Ludwigshafen a. Rh., 31. Mai. (Wolff.) Der in der Badischen Anilin- und Sodafabrik beschäftigte Ingenieur Imhoff, der den Krieg zuletzt als Hauptmann mitz- machte und der unlängst von den Franzosen verhaftet wurde, ist wegen Diebstahls von Hausgegenständen in Frankreich zu 16 Jahren Zwangsarbeit veru rtei lt worden. Bei einer Haussuchung sollen bei ihm gestohlene Gegenstände gefunden worden sein.
hl. Griesheim, 31. Mai. Von den französischen Besatzungstruppen wird in den hiesigen und den benachbarten Jngdbezirten der Gemeinden Wolfskehlen und Goddelau unberechtigt die Jagd ausgeübt. Kein Tier ist vor ihnen sicher, selbst tragendes Rehwild, tragende Hasen und brütende Fasanen werden wahllos abyeschossen. Die Jagd ist dadurch aus Jahre hinaus gänzlich ruiniert.
Ein französisches HeSenstück in Eaub a. Rh.
Am Freitag, 7. Mai, gegen 2 Uhr nachmitt-ags, landeten in dem Motorboot „Elisabeth Barbara" twn Kostheim ein Offizier und etwa 35 Mann des 26. französischen Jnfanterie-Reaiments und ein Matrose in der zum Kreise St. Goarshausen ge- Origen Stadt CauV. die int unbesetzten Gebiet des Deutschen Reiches liegt. Die widerrechtlich ge- tanfrtc Truppe versammelte sich am „Blücherdent'- inal". wo der Offizier eine Rede hielt, die von den Monnschasten sichtbar freudigst ausgenommen worden ist. Sie klang aus in der Forderung, das Denkmal in unflätiger Weise zu beschmutzen, und ,vic auf ein Kommando bildeten die französischen Soldaten einen Kreis um das Denkmal und folgten der Aufforderung. Der Vorfall hatte eine kleine Menschenansammlung zur Folge unb mir dein ruhigen und friomiencn Eingreifen zweier Wachtmeister ist es zu danken, daß das herausfordernde Verhalten der Soldaten und ihres Führers nicht zu blutigen Zusammenstößen mit dem Volke führte. Die fteredv tigte Empörung des Publikums erwiderte der fran zösifche Offizier durch Drohmigen mit dem schuß- ertigen Revolver und in dem er einzelnen Personsn in nicht mißzuk-Tstehender Weise mit der R-itgerte vor dem Gesicht herumfuchtclte. Seimi Abfahren über den Rhein schrie er der Menge „Schweinebande" entgegen.
Schieberverhaftungen in Köln.
. Köln, 1. Juni. (WTB.) Gestern nach mittag wurden auf dem Heumarkt und in den umliegenden Straßen einige hundert Personen von hier und auswärts, auch Frauen, von der städtischen und englischen Polizei wegen Verdachts der Schieberei und des Schleichhandels verhaftet uni) auf sieben englischen Lastautos nach dem Polizeipräsidium gebracht.


