Ausgabe 
31.1.1919
 
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Br. 26

Ter tzuchener Jhrjdftt erscheint täglich, außer konniagS. - Beiiauen: GiebenerZamiliinblütter;

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169. Jahrgang

§reiiag, 3\ Januar M9

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Zwillingrrunddruck u. Verlag: Vrühl'sche Univ.-Vuch- u. Zteindruckeret L Lange. Schriftleitung, Seschrftsstelle u. Druckerei: Schulstr 7.

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Vie Wahlergebnisse in Hessen.

Auch in den Parlamenten Preußens und Hessens werden Mehrheiten vorl)errscl)en, die aus Sozialdemokraten unb Demokraten ge­bildet werdeir. Es ist überaus bedauerlich, daß bei den Wahlen zu den Volkskammern ein so großer Prozentsatz von Wahlberechtigten zu kaufe geblieben ist; sonst wäre es wohl gelungen, die sozialdemokratische Welle etwas einzuschränken. Der alte l^essische Landtag setzte sich zusammen aus 8 Sozialdemokraten, 8 Fortschrittlern, 17 Nationalliberalen, neun Zeatrumsabgeordnelen, 15 Bauernbüitdlern unb einem fraktionslosen Abgeordneten. In dec neu gewählten Volkskammer zählen die Sozialdemokraten einschließlich eines Abge­ordneten der Unabhängigen der gewalt­same Radikalismus l-at in Hessen keinen Bo­den 32 Mandate, denen eine schwacl>' Mehrheit der bürgcrlidjcn Gruppe von 38 gegenübersteht.

Die Abgeordneten zur hessischen Volkskammer.

Die gew Hit n Abgeordneten sind:

Sozialdemckratischr Partei: 1. Ministerpräsi­dent Karl Ulrich, Offenbach; 2. Ministerwlli ektor Dr. Heinrich Fulda, Darmstadt; 3. Mitiflerial- direkror Sxrmann Neummm, Offenbach; 4. Mfti- sterialdirektor Georg Naab, Pfungstadt: 5. Bei­geordneter Leonhard öxfnrert, Ofsenbach; 6. Re­dakteur Georg Kaul, Offenbach; 7. Gewerkschafts- bcamter £>cinrid) Delp, Tarnistadt; 8. Bürger- pieistcr-Stellvertreter Georg Jung VI., Rüssels­heim; 9. Beigeordneter Beruh. Adelung, Dtainz; 10. Arbeitersekretär Johann Engelmann, Mainz; 11. Stadtverordneter Wilh. Seel, Mainz; 12. ß!«- schäftssührer Albert Schulte, Worms; 13. Redak­teur Friedrich Betters, Gießen; 14. Gastwirt Ant. Lux, Nieder-Fiorstadt; 15. Landnnrt Friedrich Hartmann, Mühll-ausen; 16. Stadtverordneter Fr. Gruber, Alzep; 17. Stadtverordneter Jak. Eder, Alsfeld: 18. Frau Margarethe Steinhäuser, Offen­bach; 19. Kaufmann unb Stadtverordneter Josef Bauer, Mainz; 20. Redakteur Heinrich Borne­mann, .Darmstadt; 21. Arbeitersekretär Bernhard Rechnen, Worms; 22. Buchdrucker Bruno Wittig, Butzbach; 23. Stadtverordneter Franz Roß IV., Bensheim; 24. Bergmann Heinrich Häuser II., Steinberg bei Gießen; 25. Lcmcrhalter Adam Lang Ü Urberach; 26. . Redakteur Wilhelm Knoblauch, Dannstadt; 27. Gewcrkschaftsbcamtcr Wilhelm Piehler, Mainz; 28. Lagerhalter Jakob Biegi, Osthofen; 29. Parteisekretär Wil Hehn Wid- tnann, Offenbach; 30. Redakteur unb Stadwer- ordneter Bernhard Sclnldbach, Mainz; 31. Frau Anna Nauck, Darmstadt.

Unabhängige: Gewerkschaftsbenmter Alfred Kiel, Gießen.

Zentrum: 1. Geheime Justiz rat Dr. Adam Joseph Schmitt, Mainz; 2. Ministerialdirektor Otto von Brentaiw di Tremezzo, Darmstadt; 3. Stadtrechner Philipp liebel II., Dieburg; 4. Gc- werkschastssekretär Georg Scherer, ^Offenbach; 5. Lehrer Joseph Schorn, Mainz; 6. Weinhändler Heinrich Wendelin Soherr, Bingen; 7. General­sekretär Joh. Plftlipp Hofmann, Lorsch; 8. Rechts­anwalt Theodor Schröder, Friedberg; 9. Pro­zessor Georg Lenhart, Bensheim; 10. Frau Pro­fessor Else Hattemer, Darmstadt; 11. Packer Karl Michael Olesser, Groß-Stemhcim; 12. Arbeiter- sekretür Wilhelin Knoll, Mainz; 13. Neckpmngs- rat Valentin Herbert, Darmstadt.

Demokratische Partei: 1. Ministerialdirektor Konrad Henrich, Darmstadt; 2. Justizrat Heinrich Reh, Alsfeld; 3. Ministerialdirektor Professor Dr. Otto Ur. stadt, Ließen; 4. Direktor Dr. Reinhard Strecker, Friedberg; 5. Geh. Kirchenrat Professor l). Eck, Gießen; 6. Lehrer Julius Räber, Mainz; 7. Frau Karoline Balser, Darmstadt; 8. Rechtsanwalt Johann Schreiber, Ober-Ingelheim; 9 Fabrikant Eugen Feistmann, Offenbach; 10. Rechtsanwalt Theodor Windisch, Michel­stadt. 11. Recht anwalt Dr. Fritz Alex. Pagenstecher, Mainz; 12. Buchdruckereibesitzer Karl Damm, Fried­berg; 13. Fabrikant Dr. Georg Büchner, Darmstadt.

Deutsche Volkspartei: 1. Oberstaatsanwalt Rudolf Wünzcr, Darmstadt; 2. Bürgermeister und LandwirtMoritzHahn, Heßloch (Rheinh ); 3.Fabrikant Adolf Klingspor, Gießen; 4. Rechtsanwalt Reg.-Ass. a. D. Eduard Dingeldey, Darmstadt; 5. Rechtsanwalt Dr Arthur Osann, Darmstadt; 6. Frau Obersteuer. Kontrolleurs-Witwe Else Bierau, Darmstadt; 7. Ober­bürgermeister Heinrich Köhler, Worms.

Hessische Dolkspartei: 1. Mühlenbesitzer Heinrich Brauer, Ober-Osteiden; 2. Landwirt Wilhelm Fenchel, Oberhörgern; 3. Landwirt Dr. Dehlinger, Weilerhof bei Wolsskehlen; 4. Prof. D. Dr. Wilhelm Diehl, Friedberg; 5. Landwirt Wilhelm Dorsch IL, Wölfersheim.

Die Zusammensetzung der hessischen Volkskammer nach Berufsständen.

3« der verfassunggebenden Volkskammer sitzen 5 Frauen (Hausfrauen ohne Beruf), je eine bei den Demokraten, deutschen Dolkspartei, Sozialdemokraten und Zentrum. - Wie üblich in den Parlamenten, sind auch in der Volkskammer die Rechtsanwälte stark vertreten: 11 (4 Demokraten, je 3 bei der deut­schen Dolkspartei und dem Zentrum, 1 bei der So­zialdemokratie). W chtig für die Erörterung der Tren- nung oon Staat und Kir-e ist die Zugehörigkeit zweier ecang. Theologen (Hochschullehrer), deren einer sich der demokr., der andere der Hess Volkspartei angeschlossen hat. Das Zentrum hat merkwürdigerweise keinen katho­lischen Geistlichen auszuweisen. Dem Oberlehrerstand gehören 3 (2 Demokraten, 1 Ientrumsmann) und dem Dolksschullehrerstand 2 (1 Demokrat und 1 Ien­trumsmann) an, ferner ist Derlret|Wl höherer Richter- (MMuXex (Deutsche Dolkspartei), i mittlerer und ein

unterer Verkehrsbeamter (beide beim Zentrum). An Berufsgemeindebeamten sind 5 gewählt, und zwar 1 Oberbürgermeister, 3 Beigeordnete und 1 Stadt­sekretär (2 Sozialdemokraten, 2 Demokraten, 1 Deutsche Dolkspartei und 1 Zentrum). Die Presse ist sehr stark vertreten durch 5 Red kteure (sämtl. Sozialdemokr.) und 1 Verleger (Demokrat). Parteibeamte zäh!t die Kammer 10 (6 Soziald., 3 Jenttum und 1 Unabh.). Privatangestellte 3 (Soziald.), Arbeiter 3 (Soziald.), Industrielle 3 (2 Demokr, 1 Deut che Volksp.), ein Buchdruckereibesitzer (Demokr.), lWeinhändler(Ientr.), 1 Gastwirt (Sozia d.), 1 Kaufmann (Soziald.), Land­wirte 6 (4 Hess. Volksp., 1 Deutsche Volksp., ein Soziald ). Bei 5 Abgeordneten (Soziald.) ist nur die Eigenschaft als Stadtoerordneier oder stellv. Bürger­meister ohne nähere Derufsbezeichnung angegeben.

Von den neu gewählten Abgg. zur Hessischen Da kskammer gehörten der letztenZweitenKammer an d e sozialdemokr. Abgg. Ulrich, Dr. Fulda, Raab, Adelung, Eißnert und Neumann, vom Jenttum die Abgg. Dr. Schmitt, o. Brentano, Uebel, Soherr, Schorn und Hofmann, von der demokratischen Partei Henrich, Reh, Urstadt und Damm (Pagenstecher ge hörte während einer früheren Sitzungsperiode der nationpniberalen F aktion an), von der deutschen Dolkspartei Dr. Osann und Köhler (Wünzer mußte während des Krieges wegen Beförderung sein Man­dat niederlegen und wurde nicht wieder aufgestellt), von der Höfischen Dolkspartei die Abgg. Brauer, Fenchel, Dorsch und Dr. Dehlinger.

Das nut Preußen.

Berlin, 30. Jan. (WTB.) Die preußische Regierung beröifentl;d)t folge ibs:

Bereits in unserer Bela intmackimg vom 10. Dezember v I. ist daraus hiugewiesen, daß die künftige staa'Lcechtl ch? Gestattung Preußens durch bic prcußi'cbe verfassunggebende Versammlung be­stimmt werde und daß allen Versuche.!, D.ile von Preußen losKureißen, mit Nachdruck eutgegenzu- treten fei. An diesem Sta.rdpu.cklc hat cäe.sch,^ Negierung gelezcillich der stattgehabteu Berhand- lungen über die neue deutsche Rrichsverfaslung in vollem Umsange jestgeha.teu. Indem wir dreseö zur allgemeinen Kenntnis bringen, geben wir er­neut der Erwartung Ausdruck, daß die Behörden allen anders gerichteten Bestrebungen nachdrück­lichst emgegentreten roerben.

Grotz-Heffen.

Die Bewegung zur Errichtung eines Bundes- stacttes Groß-Hessen zieht in Oberheffen weitere Kreise. Am vergangenen Sonntag, 26. d. Mts., fand in Alsfeld eine Versammlung von Angehörigen aller Stände und Berufe statt, in der Assessor Ploch das Thema eingehend behandelte. Er legte seinem Vortrage folgende Gedanken zugrunde:

1. Strengste Erhaltung der Einheit des Deutschen Reiches, wenn möglich mit Anschluß Deutsch-Oesterreichs.

2. Zusammenhalt des bisherigen Großherzogtums Heffen unter der Erwartung, daß die beiden anderen glücklicher gelegenen Provinzen die Interessen der gerade hierbei stark interessierten Teile der Provinz Oberheffen sorgfältig prüfen.

Ploch behandelte dann u. a. die Frage in finan- zieller Hinsicht und bemerkte, daß sich die Lasten der Staatsverwaltung auf mindestens die dreifache Be­völkerungszahl oert ilen würden, was sicher ein aus- schlaggeb ndes Moment sei für die kommenden schweren Zeiten. Die direkte und indirekte Steuerkraft würde durch den Hinzutritt g öfter Städte (er wies auf Frankfurt, Wiesbaden, Kassel usw. hin) trotz erhöhter Mehrausgaben ohne Häherbelastung der hinzutreten­den Gebiete gehoben. Was die Derkehrsvolilik be­treffe, so erinnerte er daran, daß Preußen seiner­zeit die Ertragsfähigkeil der hessischen, besonders der oberhessischen, Bahnen durch Umleitung des Verkehrs auf preußische Strecken herabdrückte, um sie schließlich selbst ohne erhebliche Opfer zu Übernehmen. - In wirtschaftlicher Hinsicht sei Oberheffen durch sein geogra­phische Lage gewiffermaßen ein Fremdkörper in einem wirtschaftlich aufs engste mit ihm verbundenen Gebiet, und seine Beziehungen zu den übrigen Nachbargebieten würden durch die unnatürlichen Grenzen empfindlich erschwert. In seinen weiteren Darlegungen trat Ploch den Einwendungen entgegen, daß mit der Schaffung lebenskräftiger Staatsgebilöe eine Zer­stückelung Dreuftens erreicht werde und betonte gleichzeitig, daß die bisherige Vormachtstellung Preu­ßens der Grund der chronisch gewordenen Reichs- oerdroffenheit gewesen sei. Gerade durch die Schaffung Groß-Hessens und Groß-Thüringens nebst Sachsen als mitteldeutsche Staaten und Bayern, Baden, Württemberg als süddeutsche würde der Reichsgedanke eine kräftige Förderung erfahren - Die Frage der Uni­versitäten bezeichnete der Redner zunächst als unter­geordnet, die Hauptfrage sei die des Zusammenschluffes. Heffen-Darmstadt und Kurheffen würden ihre Uni­versitäten Gießen und Marburg erha'ten können; auch über die künftige Haupt stadt Groß-Heffens werde eine Einigung ohne Schwierigkeit zu erwarten sein. Persönlich liege ihm das Wohl Darmstad s am Her­zen, und es den sich Wege finden, Darmstadt einiger­maßen zu entschädigen. Durch die bestimmt erfolgende Bildung eines Staates Groß - Thüringen würden mindestens 9 Kleinstaaten verschwinden und dadurch werde das Großherzogtum Hessen an eine der letzten Stellen rücken, bzw. zu politischer Einflußlosigkeit und wirtschaftlicher Abhängigkeit verurteilt werden. W nn wir schon früher ein Groß-Thüringen und Groß- Hessen gehabt hätten, wären die Gegensätze zwischen Nord und Süd gemildert worden. - Nach der Aus­sprache, die sich an die Versammlung anschloß, erfolgte die Gründung einer Ortsgruppe Alsfeld des Hes­sischen Dolksbundes, der wahrscheinlich bald weitere Zusammenschlüsse in den umliegenden Städten folgen werden.

Eine EntslLlitßilnq der Handelskammer Wetzlar.

Wetzlar, 30. Jan. Angesichts der im Entwurf der n"uen Reichsoerfassung vorgesehenen Neugliede­

rung des Deutschen Reiches und der daraus voraus- sichtlich' sich ergebenden Grenzverschiebungen der ein- zelnen Staaten bzw. Selbstverwaltungskörper hat die Handelskammer Wetzlar wiederholt die Losttennung des Kreises Wetzlar oon der Rheinprovinz in Er­wägung gezogen und ist dabei zu der Ueberzeugung gelangt, daß der Kreis eine wirtschaftliche und kul­turelle Einheit mH dem Gebiet der umgebenden Pro­vinz Heffen-Naffau bildet und daß demnach der An­schluß des Kreises Wetzlar an die Verwaltung jener Gebiete eine Lebens- und Entwicklungsnotwendigkeit für ihn bildet. Es wird somit in erster Linie eine Vereinigung des Kreises Wetzlar mit Hessen-Nassau in der neuen Reichsverfaffunq oorzusehen sein. Für den Fkll, daß aus der preußi­schen Provinz Heffcn-Naffau und dem Grofther - zogt um Hessen eine neue Republik gebil­det wird, spricht sich die Handelskammer auch f Ü r den Anschluß des Kreises Wetzlar an diese aus. Sie kann dagegen einen etwaigen An­schluß der naffauischen Landesteile und somit auch des Kreises Wetzlar an eine künftige Republik Rheinland nicht gutfte.ften, da völkische und wirtschaftliche Eigen- art sie nicht darauf Hinweisen und ihr - wenn ein­mal die Errichtung besonderer Republiken mittleren Umfangs von der Nationalversammlung beschloßen wird - die Schaffung einer eigenen Republik Heffen einschließlich Nassau und Wetzlar als eines Uebergangs« gliebes zwischen Nord- und Süddeutschland geboten erscheint." - Allem voran stellt die Handelskammer die Wahrung der Einheit des Deutschen Reiches und wird Abtrennungsbestrebungen irgend­welcher Att aus das schärfste bekämpfen.

Tie Vorbereitungen für die Weimarer Tagung.

Weimar, 30. Jan. (WTB.) Die Er­nähr u n g s f r a g e für die während der Nationalversammlung in Weimarbe- rusiich arnvefertbeii Personen ist insoweit ge­regelt, als v-om 2. Febritar an ein txereinfad)? des Kartensystem eilt geführt wird. Die An- fomlnerrden erhalten für die erste Woche ein $xftd)cn, iporht für jeden Tag Belegtarte ftir ein Frühstück, ein Mittagessen urtb ein Mrendbrot enthalten sind. Die Preise für die einzelnen Mahlzeiten sind in allen Gasthöfen und Restaurants behördlich festgesetzt. Alle Eintreffellden haben ihre Brot-, Fleisch- und Zuckermarkcn mitznbringen. Das gilt auch für Selbstversorger, soivie auch für die Ab- geordireten, Regrerungsv-ertiecer usw.

Der Rücktritt dcS Generals v. Winterfeldt.

Berlin, 30. Jan (WTB.) General v. Winterfeldt fand sich, wie diePolitisch Parlainentarischn Naclfttichten" melden, nicht berent, seine Demission zurückzu- nehnren.

General v. Winterfeldt hat an Staatssekretär Erzberger ein Telegramm gerichtet, in dem er sagt, nicht Zwistigkeiten im eigenen Lager, sondern ledig­lich das Verhalten des Gegners bestimmen se'nen Rücktritt. Er werde noch Uebcrgabe der Geschälte in Spaa in einigen Tagen in Berl.n sein und als­dann nündlich Bericht erstatten.

Die Pause in den Pariser Verhandlungen.

Paris, 30. Jan (WTB.) Es bestätigt sich, daß Wilson F-rankreich am 15. Fe­bruar verlassen wird, um sich nach Amerika zu begeben und dort der Sitzung des Avngresses am 4. März lieizuwohnen. Sein Äufentyalt in den Bereinigten Staaten soll nur einige Tage dauern, dann wird Wilson nach Frankreich zurück kehren. Während der Mwesenhcit Mlsotis in Paris, die nicht mehr als drei Wochen dauern dürfte, werden auch Lloyd George und Orlando in ihre Länder zurückkehren, um dort ihre Auf­gaben als Leiter der RegicruTtg zu erfüllen. In diesem Zeitraum werben die Arbeiten in den Kvmmiftionen fortdauern.

Die Anwendung von Daumenschrauben durch die Franzosen.

Be r l in 30. Jan. (WTB.) Wiederholt mußte während des Krieg-s auf die schäicd^ichc Gepflozen- hctt der FranzM-en hnt^oätzen werden, sirebende deutsche Kriegsgefangene iw:cb Anlegen vo.i Daumenschrauben zu auä.en. Diese an die FÄtern des Drittel alters erinnernde! grausame Marter nxrr zwar in den französischuc Kolonien stets beliebt, itxtrbe aber jetzt im Welt­kriege zum Hohne aller Kultur in zahl­reichen Fällen d^it'chen Krügsgesangenen gegen­über an genta ni>t. Der fotge.tde amtliche Bericht eines neutralen Delegierten gibt .über die neue Pölkerrcch sierletzung dieser Art Äufschtuß.

Dem Soldaten W. Sch. vom Haup.derot Gar- ftlagne wurden im Ium 1917 auf Kommando in Mal-Roche bei Rem»es Daumenschrauben durch Gendarmen angelegt, als er sich w-igerte, in die Gefängniszelle ei^zritteten. Die Daumenschrauben, heißt es in dem Bericht, waren nicht sehr stark arg-exogen, lo daß er in Ser Zelle ohne Schwierig­keiten die Daumen herausüri-en konnte. Später hcu Der Feldivebel des Kommandos ihm die Daumen­schrauben nneder angelegt u:ti> zivar derart, daß er die Schrauben fest an.wg, währettd der Gendarm ihm sagte, das; cs n:d)t nötig wäre, die Schrau­ben fest anzuziehrn. So waren die Daumenschrmt- ben sehr stark angtgogeri und sie wurden toahrend 12 Sttmdan bribehaltM. Ter Schmerz war sehr groß unb die Daumc.» waren angeschivollen und wund. Die Blasen brauchen Wochen zur Heilung. v :tzt zeigen dre DWUWl des keine SW von

den Daumenschrauben mehr, auch keftte Narl'en. Der Bericht schließt mit den Worten: Sch wollt» nicht in die Zelle ein treten und hat Wsterstanü geleistet, weil er die Zelle schlecht gelüftet uitb inu» hygienisch fand. Er erklärte, man solle ihn in eine andere Zelle bringen. Wegen Anwendung von Daumenschraube.! gegen die deutschen Kriegsgefan­genen hat auf Grund des vorliegenden Berichtes ne deutsche Negierung Einspruch bei der französi­schen Regierung erhoben und um strenge Bestra­fung der Schnldigeir ersucht.

Die Ansprüche der Polen nnd Tschechen.

Paris, 30. Jan. (WTB.) Havos. Das mftee der Großmächte hielt ant Mitttvoch ztvei' Sitzungen ab, die den polnischen unb. ts che cho-slowakischen Fragen gnvdmet. wurden. Der polnische Delegierte D m o w s l i ivar- ringeladen worden, einen allgemeinen Ucberblick über die Lage Polens zu gc'jcn. Er führte aus, daß cs an Leuten, Munition uiti> Material mangele. Für das Land sei es eine Notwe.rdigleit, gan- freiüberdieBahnlinieThorn Dan- z i g verfügen zu können. W-rs^die territo­rialen Forderungen Polens anbetr fft, so erklärte er, daß Polen wieder das Gebiet haben müsse, ixrsl' ihm vor der Teilung Polens zukam, rinschließlich. Posen Proviicz ünd Stadt, Thorn und den freien Zugang zum Meere mit Danzig sowie einen Ge- bie.sstreifen zur Sicherung der Verbrndnngckwege..

B e ne sch äußerte sich vom S-andpunkt der Tschecho-Slowakci aus. Ain 5. Januar wurde Mischen Polen und der TfcheckV-Slowa.'e! ein Ab­kommen über die provisvrisch: Festl^g:rng der Gren­zen getroffen, aber am 24. Januar finb die Tschecho-Slowaken in den Bezirk von Teschen rin gedrungen und haben die polnisch n Truppen-- teile zurückgedrängt. Der Kon seren ^-A,.§ chnß er­klärte für wichtig, daß diese Vorgänge au.hörtev unb schlug zu dreiem Zweck die Besntzung der bo treffenden Zone durch alliierte Trup enteile vor. Die an dieser Frage iirteressierien Delegationen erklärten sich mit diesem Vorschläge dnöcriUtkbcu

Ein englischer Gesetzentwnrf z«r Verhinderung deutscher Einwanderung.

Amsterdam, 29. Jan. Da- 4Liiymeae Handelsblad" meldet: Der poetische Dtüu^d-?.ter derDaily Mai!" schreibt: Der neue ©tofJLefzen tär des Innern, Shor11, ifit damit be-ichäftsttt, eine Gesetzesvorlage oorxuberriten, durch ,>ie di» Einwanderung Deutscher nach @ng*1 land nach dem Friedens chluß verhiitocrt werveu fall, da düjenigen Befugccisse der Rccherung über den frindlichen Untertanen nut dem Kriegs aufhören.

Bon den russischen Bolschewisten.

Paris 30. Jan. (WTB) DasEcho de ris" meldet aus Stockholm, daß T r o tz k i in einem' Telegramm an seine Truppen erklärte, daß das Anerbieten der Alliierten, auf ben Piftrzen-JnseLr zu einer Konferenz zusammeuzukommen ein Zeichen der S ch w ä ch e sei. Er fordert seine $ nip­pen in dem Telegramm auf, ihre Anstvengungeni^ zur Niederwerfung der Welt-Bourgeoisie zu Der- doppeln.

London, 30. Jan. (WTB.) Die 3., 4. itab, 5. bolschewistische Armee sollen hei Perm völlig geschlagen worden sein.

Aus dem Aeiche.

Die Beratungen der einzelstaatlichen Ftnanz» Minister.

Berlin, 30. Ian. (W. B.) Die in Weimar be­gonnenen Verhandlungen des Reichsschatzsekre­tärs mit den einzelstaatlichen Finanzministern sind fortgesetzt und zu Ende gesührt worden. Sie er­geben eine völlige Ueb ereinfti mmung dahin, daß die Deckung der dringenden Bedürfniffe des Reiches allem anderen ooranzugehen habe, daß aber in dem hierdurch gezogenen Rahmen den Einzelstaaten dis zur Erfüllung ihrer wichtigen Kulturaufgaben not­wendige finanzielle Bewegungsfreiheit zu er»- halten sei. Unter diesen Gesichtspunkten wurde das gesamte Gebiet der Finanzen in seiner Bedeutung für das Reich, den Staat und die (Bemei. de einer eingehenden Erörterung unterzogen. Die vertrauliche und unverbindliche Aussprache war so reich an Auf­klärungen und Anregungen, daft von den Teilnehmern der Wunsch nach häufigerer Wiederholung solch« Veranstaltungen sehr lebhaft geäußert wurde. Das Reichsschatzamt sa g t e die Erfüllung dieses Wunsches zu.

RkfficrnnffStrupxen für Bremcn!

Berlin, 30. Ian. (WTB.) Die Reichs- regierung hat sich zur Wiederherstellung geordneter Zustände in Bremen genötigt gesehen, eine Truppenabteilung dorthin 3 u entsenden. Die ersten Truppenzüge tiefe« bereits in Bremen ein. Die Ltärke bei für sonstig« Zwecke bereitgestellten Truppen erfährt infolge des starken Zustroms von Freiwilligen keine Ver­minderung.

Ans Württembrrg.

Stuttgart, 30. Ian. (WTB.) Die ter» fassunggebende Landesoersammlung nahm in der gestrigen Sitzung mit 102 gegen 24 Stimmen einen Antrag der Deutsch - demokratischen Pattei, des Zentrums und der Sozialdemokraten aiC worin die provisorische Regierung, die' ihre Aemter zur Verfügung gestellt hatte, beauftragt' wird, ih^e Geschäfte w e i t e r z u f ü h r.e n.

Ncncs laadwirtschafllichtS Nutzland.

Berlin, 30. Jan. ImVorwärts" wird unter der UeberschriftWas jetzt getan werdyß