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169. Jahrgang Donnerstag, so. GIwber (9f9

Siebener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Swilltngrnind-niS u.v«!--: SrShffche Umo.-Such- u. Steindreierei R. fange Sd)riftkiteng, ®ef<ftäfts|telle u. Dniderci: Schnlftr. 7.

Die wacht Hostes.

Aoske, der Reichswehrminister, hatte gestern in der Nationalversammlung wieder einen großen Tag. Es wurde über seinen Etat beraten, und babte gab es heftige Oppositionsreden von rechts und von links. Der deulschnationale Abgeordnete v. Gräfe sprach vomJanuskopf" des Reichswehr­ministers und warf Noske vor, in der Hand­habung der Zensur gehe er viel strenger vor, als es jemals während des Krie- ges geschehen sei. Es ist etwas Wahres an dieser Vorhaltung. Wir verstehen nicht recht, warum Noske in Presseangelegenheiten so empfindlich ist. Er hat nicht nur natio­nalistische Organe, sondern auch z. B. die un­abhängigeFreiheit" des öfteren verboten und zwar wegen Veröffentlichungen, die man ruhig auf sich hätte beruhen lassen können. Wenn wirklich Aufreizungen gefährlicher Act und andere strafbare Artikel erscheinen, so ist es Sache 'des Staatsanwalts, einzu­schreiten. Noske liefert mit solcher Hand­habung der Zensur ganz unnützerweise den Unabhängigen viel zu viel Wasser aus deren Parteimühlen. Der Oppositionsrednec der Unabhängigen ging mit den bekannten Angriffen gegen Noske vor. Er sei einVer­räter des Volkes", und wenn er noch lange am Rnder bleibe, so fließe in Deutschland mehr Blut im Bürgerkrieg, als der Krieg 1870/71 gekostet habe. Bei diesem Satze erscholl von den Bänken der radikalen Linken Beifall!

Noske hat es also nicht leicht. Wir geben ihm Recht:In der jetzigen Zeit kann man mit Resolutionen und sentimentaler Gefühlsduselei keine Politik machen." Ein anderer Satz aus seinem Munde ist noch hervorzuheben:Die Spartakisten halten die Regierungstruppen wegen ihrer verringerten Zahl für geschwächt, aber ick habe in den letzten Tagen erst einen Befehl hinausgeheN lassen, je kleiner die Truppe ist, desto schärfer zuzugreifen." In wirren Köpfen spuke noch ter Putschgedanke.

Schließlich wurde Noskes Gehalt von der Nationalversammlung bewilligt, nur die Deutschnationalen und die Unabhängige^ 'stimmten dagegen. Wie verhält es sich nun -nit der in den letzten Tagen in einigen Zei­tungsnotizen, von Aeußerungen verschiede­ner Reichswehroffiziere herrührend, erwähn­ten Putschgefahr? Soll etwa der Jahrestag her Revolution damitgefeiert" werden? Im ..Achtuhr-Abendblatt" erschien dieser Tage folgende Notiz:

Von einer Seite, die mit den Absichten der Radikalen sehr vertraut ist, wird uns versickert, daß Unruhen in Berlin am 7. ober 9. No- r-emler kaum zu erwarten seien, und daß etwaige Besorgnisse völlig unbegründet sind. Es dürsten wohl Versammlungen abgefalten werden, lenen sich mögl cherweise Umzüge in dm Straßen Lnsckrießen wwdm, zu ernsten Unruhen dürfte es aber nicht kommen. Für eine große Aktion scheinen die Kommunisten zur Seit noch nicht r-otbereitet zu sein. Ferner werden sie durch fcie ut ihren Reihen vor einigen Tagen eingetretene Spaltung sehr te rudert. Sie bunten in Berlin auch nicht die Unterstützung der Unabhängigen finden, Lw an einen Umsturz vorläufig nicht benEen und dlrrcbaus die Absicht zu haben scheinen, den 9. No- ^"wer ruhig zu feiern. Dazu kommt noch, daß dreReichskonserenz der Unabhängigen" erst nach dem 9. "Lovember in Leidig stattsintet und es ma# anzunehmen ist, daß sich die Unabhängigen rn Unternehmen stürzen werden, für die sie sich irrcht genügend vorbereitet fabelt. Putsche wünschen nur stch,ganz besonders heftig gebärdende Elemente rn der kommunistischen Partei, von denen sich je­doch die führenden Mitglieder anscheinend nicht be­einflussen lassen."

Dagegen wendet sich mit bitteren Worten btePost":

«n scheint diese Kundmachung, um die ba§8-Uyr-Abendblatt" beneiten könnte, mcht sehr authentisch. Man darf sich zwar jeder Radikalen versehen, aber nicht jeder Kanntet. Schwerlich werden sie irgend jeman- vorher ihre Pläne enthüllen. Es gibt zwei .loszuschlagen: entweder in voller Dtnenthdjfeit, das empfiehlt sich beute nicht mehr, Jber den Schlag in voller Hermlichkeit vorzu- £^en, soweit sie inne gehalten werden kann, 'r l£^llt9 ^rnnrt für Radikale schwerlich in 'Vrag£ Wenn aber andererseits zugegeben wird, l?^^ltschevon sich ganz besonders heftig ge­bärdenden Elementen" gewünscht leerten, so muß aan doch wohl fragen: Können diese Elemente nicht über Nacht die Oberhand bekommen und die Kührung an^sich reißen, wie es ja auch bei bat Ctteiks der Fall ist?"

Das Wahre wird wohl in der Mitte lie­gen. Noske wurde das Gehalt bewilligt, und brr müssen ihm nun vertrauen, daß er auch vrrklich auf der Wacht bleibt. Hoffentlich bewährt er sich immer mehr als unpoli­tischer Reichswehrminister, der sich einzig allein darauf beschränkt, gegen Ruhe- Mrungen vorzugehen!

Reueinkilung der preußischen Provinzen.

Berlin, 29. Okt. (Wolff.) LautVorwärts" stimmte das preußische Staatsministerium folgender Neueinteilung der preußischen Provinzen zu, die nach der Ratifikation des FriedensverNages in Kraft tritt: Die östlich der Weichsel liegenden bis­herigen Gebiete Westpreußens fallen an Ostpreußen, zu Schlesien fallen der Kreis Fraustadt einschließlich einiger Gemeinden des Kreises Bomst, zu Pommern füllen die Kreise Neustadt, Schlochau, Flatow, Deutsch- Krone, Filehn^, Schneidemühl, Kalmar und Czarnikau, zu Brandenburg fallen die Kreise Schwerin (Warthe),Meseritz undBomst (letzterer soweit ernichtzu Schlesien gehört). Don Brandenburg losgelöst wird als besondere Provinz der ganze Bezirk des neuen Groß-Berlin, sobald dieser genau feststeht Sachsen erhält den Kreis Jhlfeld (bisher Hannover), Hannover Kreis und Grafschaft Schaumburg und eini;> Gemeinden des Kreises Hofgeismar (bisher Hessen-Nassau). Die Provinz H es s e n umfaßt das bisherige Gebiet des Bezirksverbandes Kaffe! unter Abtretung der obengenannten Teile an Hannover, die Provinz Nassau umfaßt das bisherige Gebiet des Bezirksverbandes Wiesbaden sowie das Gebiet des Kreises Wetzlar, das die Rheinprovinz abtritt. Zu Schleswig-Holstein tritt Kreis und Herzogtum Lauen- bürg.

Au; Lzermn; Erinnerungen.

= Berlin, 29. Okt. (W. B.) Die österreichischen Sonderfriedensbestrebungen bespricht Graf Czernin in derVossischen Zeitung". Er gibt dort in seinen Erinnerungen einen Brief wieder, den er im November 1917 an einen Freund richtete, in dem es heißt:

Gestern wurde wieder von einer Seite,- die du erraten wirst, der Versuch gemacht, mir die Vorteile eines Separatfriedens zu erklären. Ich habe mit dem Kaiser darüber gesprochen und ihm gesagt, daß dies die Art eines Mannes wäre, welcher sich aus Angst vor dem Tode erschießt. Ich könne es nicht machen, sei aber gerne bereit, unter irgend einem Motto zu gehen. Gewiß werde er dann Männer finden, die das zu versuchen bereit seien. Die Lon­doner Konferenz beschloß die Aufteilring der Monarchie, daran kann auch ein Separatfriede nichts mehr ändern. Die Rumänen, Serben und Italiener erhalten riesige Stücke, Triest geht ver- loren und der Rest zerfällt in einzelne Staaten. Der Kontakt zwischen den Staaten wird ein sehr geringer sein, mit anderen Worten, ein Separat­friede hat das Resultat, daß die verstümmelte Monarchie dann zerstückelt wird, bis wir aber zu diesem Resultate kommen, müssen wir weiterkämpfen und zwar gegen Deutschland, welches natürlich sofort mit Rußland Frieden schließen und die Monarchie besetzen wird. Die deutschen Generale werden nicht so dumm sein, zu warten, bis die Entente über Oesterreich nach Deutschland fällt, sondern dafür sorgen, das Oesterreich zum Kriegs- schauplatz wird. Wir beenden damit also den Krieg nicht, wir wechseln blos den Gegner und liefern ein­zelne bishernochverschonteProvinzen,soTirol und Böh­men der Kriegsfurie aus, um schließlich doch zertrüm­mert zu werden. Ans der anderen Seite können wir viel- leicht in einigen Monaten einen allgemeinen-zusammen mit Deutschland - erttäglichen Derständigungsfrieden haben, wenn die deutsche Offensive gelingt. Der Kaiser verhielt sich sehr schweigend. Ich fuhr fort: Wir gewinnen dabei nichts bei der Entente, verlieren aber immer an Derttauen in Berlin. Wenn man zum Feinde übergehen will, so möge man es machen. Aber fortwährend Verrat pas­sieren, ohne ihn durchzufahren, kann ich nicht für eine kluge Politik halten. Ich glaube, daß wir einen erträglichen Derständigungs­frieden erreichen. Wir werdei etwas an Italien verlieren und natürlich nichts anderes dafür gewinnen. Wir werden ferner die gesamte Struktur der Monarchie ändern müffen. Es ist mir allerdings noch unklar, wie man das gegen Ungarn und Deutsche wird machen können. Aber ich hoffe, wir werden den Krieg überleben.

Die Kämpfe in Rußland.

Amsterdam, 29. Okt. (Wolff.) Nach englischen Blättern berichtet der Ehef der britischen Militär» Kommission bei Denikin vom 24. Okt., daß auf der 700 Meilen langen Front von Iarizin bis Kiew heftige Kämpfe entbrannt sind, und daß Denikin in der Richtung auf Moskau neue Fortschritte erzielte. - General Wrängel steht 30 Meilen nördlich und 50 Meilen nordwestlich von Zarizin. Zwischen Iarizin und Woronosch sei die Don-Armee auf einer Front von 120 Meilen in den letzten Tagen bis auf 55 Meilen vorgerückt. Am 23. Oktober wurde der wich­tige Bahnknotenpunkt Pelete (230 Meilen südöstlich von Moskau) genommen. - Die Bolschewisten melden unterm 26. Oktober die Einnahme von Woronesch. - Einer drahtlosen Meldung zufolge wurde General Stankewitsch, ein Offizier des alten Regimes, der im bolschewistischen Heer Dienste tut, von den Truppen Denikins gefangen genommen, kriegsgerichtlich ver­urteilt und durch den Sttang hingerichtet.

Amsterdam, 29. Oktbr. (W.B) Laut Preß, bureau Radio meldet dieNow Perk Tribüne" aus London, daß Großbritannien Kollfchak seine Unterstützung entzieht.

Helsingf ors, 29. DKL (Wolff.) An der Nord- Westfront errangen die Bolschewisten erheb Iche (Er­folge. Judenitsch gibt den Verlust Krasnoja Selos zu, während die Boffchewisten die Wiedereinnahme Gatschinas behaupten. Der Stab Iudenitschs solli nach Jamburg übersiedelt sein. Der Kampfwert! der boffchewisttschen Truppen soll vorzüglich fein. Die I Boffchewisten zogen alle verfügbaren Truppen aus

Karelien und Archangelsk heran und bereiten angeblich einen entscheidenden Schlag vor. Die eng= "sch* Flotte bombardierte erneut Krasnoje Gorka.

Die Stimmung in Amerika.

Amsterdam, 29. Okt. (WB.) Reuter meldet aus Newyork, daß der oberste Gerichts­hof die Aufführung von Opern in deutscher Sprache untersagt hat.

Brafilien und der Friedensvertrag.

D e r s a i l l e s, 29. OKt. (Wolff.) Nach Mel­dung aus Brasilien prüft die dortige Kammer jetzt den Friedensvertrag von Versailles. Sic ist der Ratifizierung günstig gesinnt mit Ausnahme des­jenigen Teils, der die Aburteilung Kaiser Wil­helms verlangt, gegen die sich der Berichterstatter aussprach. Die Kammer beschloß, daß man nur die Fragen erörtern wolle, die Brasilien detteffen.

Deutsch-italienischer Handelsverkehr.

B e r n, 29. Okt. (Wolff.) Nach einem_Berich desSecolo" hat die Generalzollkommission die ungehinderte Einfuhr der durch königliches Dekret vom 24. Juli 1919 zugesagten deut­schen Waren nach Italien angeordnet, da schon seit längerer Zeit infolge mangelnder Instruktionen der italienischen Zollbehörden größere Mengen an der Grenze liegen. Secolo" bemerkt dazu, daß das Inkrafttreten der bereits bekannten Zollzuschläge noch nich verfügt ist. Für die auf den italienischen Listen A und B aufgeführten Waren, die hauptsächlich für die deutsche Eilifuhr nach Italien in Betracht kommen, muß also nac wie vor die Einfuhrbewilligung in Rom nachgesucht werden.

Fiume. *

Bern, 29. Okt. (Wolff.) Nach einer Pariser Meldung desSecolo" hat Polk bei der lieber, reichung der ungünstigen amerikanischen Note an Titto ni erklärt, Amerika könne die iialieni- schen Vorschläge über Fiume nicht annehmen; dies bedeute aber nicht den Abbruch der Verhand­lungen. Obwohl Tittoni am Ende seiner Nachgiebig­keit sei, habe er die Aufforderung auf Fortsetzung der Verhandlungen nicht abgelehnt, er werde jedoch nach Kenntnisnahme der äußersten amerikanischen Konzessionen nach Rom zurückkehren und die Ent­scheidung in die Hände der Regierung legen.

In einem Artikel derTribüne" wird die Re­gierung aufgefordert, sich dem Willen Wiffons zu unterwerfen, jedoch würde dann die italienische Friedensdelegatton die Konferenz verlassen. Nach Aeußerungen desMeffaggero" scheint die Regierung nicht mehr auf neue Vorschläge der Verbündeten zu warten.

Papiermangel in Wien.

Wien, 29. Oktbr. (Wolff) Wegen Papier- mangels dürfen die Wiener Tageszeitungen bis zum 8 November täglich nur zweimal zwei Textseiten umfassen.

Syrien.

Versailles, 29. Okt. (Wolff.) Der ^ernps" meldet: General Gourand, der nach Syrien gebt, erklärte, er gehe nicht dorthin, um etwa ein französisches Protektorat in der Levante aufzurichten, sondern nur, um die britischen Truppen in gewiffen Gebieten abzulösen und die Ordnung auftecht zu erhalten, bis die Friedenskonferenz das politische Statut der verschiedenen Teile des Osmani- schen Reiches geregelt habe.

Aus dem Reiche.

Verschlimmerung in der Kohlenversor« gung SÜVdcutschlandS durch willkürliche Eingriffe der Entente.

Es wird uns gemeldet, daß die Amerikaner bei E o b l e n z zwei Rheinschiffe mit Ruhrkohlen, welche für Mannheim bestimmt waren, kurzerhand beschlag- nahmt haben. Unter den heutigen Umstanden be­deutet dieser Willkürakt einen schweren Schlag für die süddeutsche Kohlenversorgung, welche sich infolge der allgemeinen Transportlage im Niederbruch befin­det. Während es in der letzten Zeit nicht mehr möglich ist, bei dem Wasserstand des Rheins, wel- cher in diesem Jahr außergewöhnlich lange der denk­bar schlechteste ist, die Versorgung Süddeutschlands rn Bezug auf den Bedarf der Staatseisenbahnen, Gas-, Waffer-, Elektrizitätswerke und der wich­tigsten Nahrungsmittelindustrie notdürftig auftecht zu erhalten, werden hier Rheinschiffe weggenommen, deren Verlust von den Verbrauchern, die auf ie sehnlichst gewartet haben, nicht verschmerzt werden kann. Diese Kähne sind für die Elektrizitätswerke und Zuckerfabriken besttmmt. Ein Einspruch bei der Waffen- ttllstandskommission ist, wie man hört, sofort ergangen, elbstoerständlich wird das aber nicht den Erfolg haben, daß dieseKähne ihren ftüherenDesttmmungszweck wieder zugeführt werden. Es muß im Intereffe der süddeutschen Staaten seitens der deutschen Regierung mit aller Energie dagegen auf getreten werden, daß durch der- arttge Eingriffe auch noch die schwachen Versuche, die üddeutschen Kohlenttansporte auftechtzuerhalten, mißlingen.

Linderung der Berkehrsuot.

Berlin, 29. Okt. (WTB.) Innerhalb des Reichsverkehrsministeriums fanden weitere Besprechun­gen statt, um die Maßnahmen sestzulegen, die zur

ILinderung der Derkehrsnot erforderlich sind. Der Kahnraum soll in vollem Umfang ausgenutji

I und besonders für die lebenswichtigen Frachten ver­wendet werden. Don den Bestimmungen, die wahrend des Krieges erlassen wurden, um eine erhöhte Irans- pcirtleiftung auf den Wasserstraßen zu erzielen, kann docher kein Abstand genommen werden. Die bisherige Sihiffahrtsabteilung beim Ehef des Feldeisendshn- wtffens wurde nunmehr dem Reichsverkehrsministe. rttlm unterstellt und wird von den ihr durch die B:indesratsverordnungen vom 18. August 1917 ein­geräumten besonderen Befugnissen jeweils nach be. so.,derer Anweisung des Reichsverkehrsministers Ge­brauch machen. Weitere Einzelanordnungen sind auch auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens zu erwarten

Veränderungen im wurtternbergischcn Ministerium.

Stuttgart, 29. Okt. (Wolff.) Durch Entschließung des Staatspräsidenten sind Minister des Innern Dr. Lindemann und Ernährungsminister Baumann ihrer Bitte entsprechend, von ihren Acmtern ent- hriben, ferner Kultusminister Hey mann unter Enthebung von seinem Amte als Kul­tusminister zum Minister des Innern, Amts­richter B e l z zum Justizminister, Rcgierungs- direktor Dr. v. Hie der zum Kultusminister uitb Oberpostsekretär Graf zum Ernäh- rumgsminister ernannt worden.

Fachausschüsse für Heimarbeit.

Berlin, 29. Okt. (Wolff.) Fachaus- scbüsse für Heimarbeit sind durch Er­laße des preußischen Ministers für Handel mrd Gewerbe in Ostpreußen, Brandenburg- Berlin, Ponunern und Hessen-Nassau ins Licken gerufen ivorden. In Schlesien, West­falen und in der Rheinprovinz nehmen die Fachausschüsse in der nächsten Zeit ihre Tätigkeit auf. Die Errichtung der Fachaus- sösüsse war bereits durch das Gesetz von l^Nl in^Aussicht genommen, aber an man-- ch.erlei Schwierigkeiten gescheitert, bis sie di^rch die Verordnung vom 13. 1. 1919 er- tvnit vorgeschrieben wurden.

Deutsche Kationalversammlnng.

112. Sitzung.

Berlin, 29. Okt.

Am Minister tisch: Noske und Reinhardt.

Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung mn 9.35 Uhr Vorm.

Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung des tzausfalts: Reichswehr. , Afa. M a r e tz k y (D. Vpt.): Tie Starke des NmchsHeeres von 100 000 Mann ist zu gering. DZir danken dem veere für seine Tätigkeit zur Alufrechterfaltung der -Ordnung, besonders dem General Reinhardt. Auch monarchisch gesinnte Offi­ziere können der Republik treu dienen. Wenn sie d'x:sc zwingt, die Reichswehr zu verlassen, so stürzl die Ordnung zusammen. Die U. S. P. T. sieht in. der Reichsivehr das letzte Bollwerk der Orb« irans. Die Reichswehr ist die einzige Stütze der Regierung. Die Verpflegung der Mannschaften ift ungenügend, ebenso die Löhnung. (Lärm links. 3»ruf:_ Früher!) Tie Zukunft der Leute ist nidti ichcrgestcllt. Der Gefechtswert der Truppe, ist auf diie Hälfte zurückgegangen, vielleicht auf ein Drittel. Tlie monarchisch gesinnten Offiziere weisen einen mconarchischen Putsch weit von sich. Sie erkennen a'c. daß der Reichswehrminister den rechten Willen h.-t die Ordnung ansrechtzuerhalten. Im übrigen halten wir ihn für einen überzeugten Sozialisten, also für unseren schärfften politisen Gegner. Wir hnlteit ihn für gefährlicher als die Unabhängigen. (iLänn und Gelächter links. Präsident Fehrenbach urahnt den Redner zur Sache.)

Wg. S t ü ck l e n (Soz.): Am besten wäre es, wir könnten auf jedes Heer verzichten. Soweit ist leider die Menschheit noch nicht. Unsere jetzig« Rleichswehr kostet annähernd so viel, nrr das ganze Teer früher in Friedensstärke. Natürlich müfsen Söldner, die ihren Beruf für 12 Jahre im Heer inten sollen, angemessen bezahlt teerten. Für di« Verteidigung des Landes kommt ein Söldnerheer ttunt m Frage. Jin Lande besteht die Gefahr, daß eint Söldnerheer ein Werkzeug ter Reaktion wird. ;Kfa! rechts. > Zwischen den Adeligen und Bürger^ : itfan im Offizterkorps besteht ein zahlemnäßtges Mißverhältnis. Ist die militärische Intelligenz fr nut unter dem Bürgertum so selten? Tie ade- li pen Offiziere beginnen sich wieder zu fühlen. Für dix Gefangenen wendet die republikanische Regie­rt urg mehr auf als je die moitarchische, dagegen intet man in den Lagern die Blätter des .pernti Straub, ebenso antisemitische Schriften. Die Mehr- z,rbl ter Offiziere steht der Regierung feindlich grgenüber. Kein Wunder, weint die Tisziplinlosig- terit auf die Mannschaft abfärbt. Ein Heer von 8 tepublikanern ist die beste Schutzwehr gegen die Spartakisten und die mit ihnen wesensverivandten 9llldeutschcn. Tie Soldaten ter Reichswehr die zar Zeit mir einen An^ug haben, haben sich ftei- vfillig damit beschieden damit die Kriegsgefangenen e cst mit Anzügen versehen werten können. (Bravo!)

Abg. Nacken lZentr.): Die Ausgaben für 5)eer und Marüte müssen auf das unerläßlichste fplaß beschränkt werden. Für den kommenden Etat inüssen die Aufstellungen so gemacht werten, daß die Gebührnisse für ictes Mitglied ter Reichs- loefa klar erkannt werten löraten. Wir wünschen das Gedeihen der Reichswehr. Mängel sind vor- h/anden. Die bevorstehende Einführung eines um*