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Nr. 202

Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 5 9. August (919

Erschließung und Elektrizitätsversorgung des Vogelsberges.

Don Dberamt^rid-ter Rehar t in Mrichsteirr, Mitglied des Kreistags.

Im Gießener An^iger hat vor einigen«n Gel). »Jlcfc.^at Prof. Tr. Sommer in Gießen die Frage der Erschliessung des Vog^lsdcrges durch -eine elektrische Bahn eingerollt. Es ist das ein Problem, das schion seit Jalwen, ohne baß es seiner Lösung irgenbnne näher gerückt ist, die Be- välkerung aufs lebhafteste bewegt unb Mr Zeit imt deswillen auf; er ft aktuell und wichtig gewvrDen ist, weil das einzige, neuzeitige Verkehrsmittel un Vogelsberg die Autopvst UlrichsteinMücke einzugehen droht. Tenn von 800, Kg. Benzol, die monatlich für diesen Betrieb benötigt werden, werden nur 150 Kg. von der Mirreralölbersvr- gungsgesellschaft in Berlin geliefert, walTvend der Rest zu hohen, das Unternehmen unrentabel ma­chenden Preisen vvm Schleichhandel erworben wer- den must mit dem Erfolg, daß sckvn wiederholt Betriebsstockungen ein getreten fiad und von entern zuverlässigen Berühr nicht mehr gesprochen werden kann. Tiefe Tatsache hat bei den beteiligten Ge­meinden des Ulrichsteiner Bezirks Beunrulftgung, Erregung und Mißstimmung hervorgerufen, zu­mal die Auto-Jnbetriebnalnne wegen der Höhe der postalischen Zusckußgelder mit Aufgabe der altbewäh.tcu Postkutsckie Ulrichstein-Mücke ^o.vohl als auch der von Ulrichstein nach Scholten erkauft worden ist und gtHe BemülTungen auf Wieder­erlangung der Post nach Scholten ergebnislos waren. Auch jetzt sind wieder bei der l-cssischrn Regierung, namentlich dem Landeswirtschaftsamt, und der Oberpostdirektion Tarmstadt zur Freigabe des doch^ im SchUrch'Mndel ansck^inend reichlich vorhandenen Benzols alle Anstrengungen g.macht worden. Haben sie keinen Erfolg, so ist die voll­ständige Abschneidung des gesamten Ulrichsteiner Bezirkes nebst .Hinterland auch van der Eisenbahn­linie in Mücke, in bedrohliche Nähe gerückt und nur iwch eine Frage der Zeit. Für das nächste Jahr ist allerdings von der Reickiäpostverwaltung dre Einrichtung mehrerer von Ulrichstein ausaehen- der Autvlinicn durch den Vogelsberg geplant. Mein es ist dies nicht mehr als ein Plan; seine Durchführung vermag keineswegs in irgendwie si­chere Aussicht gestellt zu werden. Auch ist nicht ernzusehen, wie es möglich sein soll, daß im näch­sten Jahre, wenn es jetzt an Betriebsstoff für ein Auto fehlt, mehrere Aulolinien gespeist werden können. Angesichts dieser Umstände drängt sich die Notwendigkeit, hier gründliche Wandlung, zu schaffen, gebieterisch auf. Tie Autoverbindung ist jedenfalls, einen so großen Fortschritt sie auch gegenüber der Vvriündflutlichen Postkutsche bedeutet, nicht das letzte Ziel, das erstrebt werden muß. Ties fann vielmehr nur eine bahnmäßige, durch Güter- und Personenverkehr geschaffene Erschließung des Vo­gelsbergs sein. Tiefe ist aber aus allgemein kul­turellen Gründen und angesichts der gesteigerten Bedeutung, die in Zukunft der Landwirtschaft und der Wertausnutzung der heimischen Bodenschätze und Erzeugnisse zu kommt, ;etzr niayt mehr zu um­gehen. Ter von Sommer entwickelte Plan der Linienführung darf Haber nicht unwidersprochen Vleiben, da er völlig abwegig erscheint. Tenn von Gießen nach RudingshainSchotten würde die Ba^r nicht nur neben der Staatsbahn Gießen, £>uiigcn, Ntbvu, Schotten IJerfaufcir, sondern auch noch eine Reihe QuerbalMen wie die von Grün­bergLichButzbach und die von MückeHun­genFriedberg durchschneiden. Die Weiter­führung der Linie dann über den Tauf­stein nach Crainfeld würde zwar den Tou­risten und den mühsam auf die höchste Erhebung heraufgeschleppten Güterlasten die Bewunderung der Naturschönheiten des lyoljm Vogelsbergs ge­statten, im Winter aber mit Schnee und Eis schwer zu kämpfen haben sowie namentlich keine Ortschaft berühren, so daß von einer Erschließungs­bahn überhaupt nicht gut gesprochen werden kann. Was nottut, zeigt ein Blick aus die Karte. Ganz Oberkrisen ist mit einem Netz von Bahnlinien reichlich ausgestattet, mit Ausnahme des großen Raumes, der umschlossen wird von den Bahn­linien MückeAlsseldLauterbachGedern und dessen weiteren Grenze von Gedern über Schotten und Laubach nach Mücke zurückverläuft. Auf die Erschließung dieses großen, völlig balmleeren hes­sischen Gebietes kommt es an. Tie Erschließung des weiteren, vornehmlich preußisck)-ai Gebietes bis nach Fulda kann getrost dem späteren Freistaat Gvos>Heffen vorbel>alten bleiben. Tie Tiagonal- verbindung dieses hessischen Gebiets ergibt unter Berücksichtigung der Hauptverkehrsstraßen, wie sie sich im Laufe der Zett herausgebildet haben, die Linie von Mücke über Ulrichstein nach Rixfeld

Ragna Svendburg.

Roman von Anny Wothe.

kNachdruck verboten.) Fortsetzung 46.

Wie kam Sven .dazu, ihr Sigrids Briefe zu übersenden?

Wie die Ahnung Von etwas Schrecklichem über­kam es Ragna und atemlos las sie zuerst Sig­rids Brief.

Er lautete:

Lieber Sven!

Ich danke Tir sehr, daß Du heute mit un­seren Tischgenossen, die ich übrigens bodenlos lang­weilig sind:, eine zweitägige Tour in die Berge unternommm hast. Teine Abwesenheit gibt mir Zett, meine schon lange geplante Reise, die Tu und Ragna mir bis jetzt immer verweigert habt, auszufühven. Großmama ist, glaube ich, irgendwo in Südsrankreich, wo es hoffentlich hübscher ist als hier in Lugano, wo es mir absolut nicht gefällt. Tu siehst also, lieber Sven, ich bäte eine Garde­dame, und es ist alles ganz anständig. Ater mit dem Wllterkommen, da haperts. Ich komme nicht ich lieb: den Goratschin, Ragna weiß es. Ich will ihn aber nicht von ferne lieben, ich will ihn heiraten. Großmama meint, Tu würdest Tick) keine Minute besinnen, mich frei^ugeben, wenn Tu weißt, daß ich Tich nicht lieb habe. Ragna hat mir schreckliche Angst gemacht. Sie sagt: Ich müßte aushatten, «mißt Tu, Sven, schon um un­seren tieinen Jungen. Ich habe es ja auch ver­sucht, ater es geht nicht. Was weiß Ragirr von Liebe, sie, die immer so kühl, so selbstbewußt durchs Mieten geht und immer nur bestrebt ist, chve Pflicht zu tun Liebe kennt sie nicht.

Nicht wahr, Sven, Tu bist immer so gut zu mir gewesen. Tu !äßt§,unch ziehen? Mich mit Gewalt zurückholm, ist nicht möglich, beim ehe ich wieder nach? Sv Mdburg zurückgehe, lieber stürze

Herbstein einerseits und anderseits von Schotten über Ulrichstein, Großfelda nach Alsseld. Bei- zupslichten ist Sommer darin, daß für die Er­schließung nur die elektrische Bal-n in Betvackft hmmt. Tenn durch den Friedensvertrag hüten wir derart bedeutende Kohlengebicte verloren, daß unsere Zukunftshoffnung nur die elektrische Kraft fern kann und also eher an Abbau unb Elektri­sierung der testehimten Nebenbahnen als an eine Neuschaffung zu denken ist. Auch ist die oft ge­hörte Befürchtung, die elektrische Bahn sei dem Transport schwerer Gütcrsastcn nickst gewachsen, und die zur Zett noch zur Verwesung kommen­den Eiseudrälste der Leitung ermöglichten keinen auf die Dauer berechneten Betrieb, bei dem gegen­wärtigen Stande der Technik völlig unbegründet. Weiter bietet sie eine Reihe nicht gering zu schätzen­der Vorteile. Ihr Betrieb wäre vor allem lediglich von dem zur Zeit schon ausreichend leistungs- fähisen im Eigmtum des fafiitten Staates stehenden Braunlohlenwerk Grube Ludwigshoff- nung bei Wölfersheim abhängig. Die Maschinen­anlage desselben wird bis zum nächsten Früh­jahr auf 5000 Pferdekräfte erweitert hin und außerdem ist die Verbindung und gegenseitige Unterstützung der Kraftwerke in Höchst a. M Wöl­fersheim, Gießen, der Firma Buderus in Wetz­lar, der Alexandergrube, der Edertal sperre und des Kraftwerks in Fulda geplant. Weiter dürfte eine elektrische Bahnanlage verhältnismäßig rascher und billiger herzustellen sein als die einer Neben­bahn. Namentlich könnte bei Herstellung der Linie von Mücke nach Uhrichstein und darüber hinaus ein Teil der breiten Ohmstraße als Bahnkörper benutzt werden. Endlich würde die Weiterführung der bereits bis Schotten, Laubach und Grün- terg vorgeschobenen Uoberlandanlage die Versor­gung des Vogelsbergs mit elektrischem Licht und mit elektrischer Kraft zum Antrieb von Maschinen aller Art, namentlich für Holz schneide-, Dresch- und Mahlzwecke ermöglichen. s

Die Hauptschwicrigleit, die sich dem Unter­nehmen entgegenfteUt, besteht in der Lösung der Kostenfrage. Es darf dies aber fein unüberwind­liches Hindernis sein. Namentlich dürfen um ein Mehrfaches gegen früher gesteigerte Kosten nickst zurückschrecken. Denn ob es überhaupt noch einmal zu Friedenspreisen kommt, wird mit Recht stark angezweiselt. Auch ist zu tetonen, daß es sich um eine Erschließungsbahn handelt, die, Wenn sie auch voraussichtlich sicher nicht unrentabel fein wird, wie schon die Autopost gezeigt hat, es aber als solche zum guten Teil sein dürfte. Schließlich ist es Ehrensache von Staat und Provinz, dem so lange Zeit recht stiefmütterlich bedachten Vogels­berg das zu gewähren, was andere Gegenden schon lange besitzen, und so seiner im wesentlichen gering bemittelten Bevölkerung weitere Erwerbs­und Arbeitsmöglichkeit und damit Wohlstand zu­zuführen. Die hessische Regierung ist auch nicht abgeneigt, das Bahnprojett MückeUlrichstein auf­zunehmen und es- bei der voraussichtlich im nächsten Frühjahr erfolgenden Sozialisierung des Elek­trizitätswesens <lls ein bereits von ihr übernomme­nes auf das Reich übergehen zu lassen. Daß diese Bercitwilligkett feste Gestalt annimmt, hierzu ist notig, daß die öffentlichen Körperschaften, die es angeht, sich regen. Hoffentlich haben die neuen Wahlen soviel frisches Blut und vorwärts trei- bende Kräfte in sie hineingebracht, daß es 'zur Tat kommt. Die Regierung könnte dann des Dankes der gesamten Bevölkerung gewiß sein.

AUS Stadt and Land.

Gießen, den 30. Ang. 1919.

* Aus dem Militär-Wochenblatt. Hauptmann Müller im Inf.-Regt. 135 wurde der Wscksted mit der gesetzlichen Pension bewilligt. Oberleutnant Belke im Pionier-Batl. 21 wurde zu ben Reserveoffizieren seines Truppenteils über­geführt.

** V erke hrsnot und Werkstätten- arbeit. Die Verkehrslage der Eisenbahnen ist in den letzten Tagen nicht schlechter geworden. Die Wagengeftellung hat sich sogar etwas gebessert. Für den Bezirk Breslau war bekanntlich in Er­wägung gezogen, den Sonntags vermehr ganz ein­zustellen. Man hofft jetzt, diese Maßnahmen ver­meiden zu können. Wettere Einschränkungen sind vorläufig noch nicht angeordnet. Die Schwierig­keiten des Verkehrs sind bekanntlich in erster Linie mit durch den Mangel an Lokomotiven begründet. Dieser ist durch die unzureichenden Leistungen der Werkstätten bei der Wiederherstellung betriebs­fähiger Maschinen bedingt. Wenn nun aus den Kreisen der Werkstättenarbeiter bebauptet wird, der Mangel beruhe auf dem schlachten Zustande des gesamten rollenden Materials und den Mangel

an Rohstoffen, so zeigen die Zahlen über die Be­legung der Werkstätten, daß diese sehr wohl im­stande gewesen wäret:, Wagen und Maichincn wicderherzustellen. Tie Hauptwerkstätten sind dop­pelt, die Betriebswcrkstätten dreifach besetzt. Für die Wiederherstellung einer Lokomottve war im Frieden die Wochenartett von durchschnittlich.115 Arbeitern einer Hauptwerkstätte notwendig, jetzt brauckst man dazu 213 Arbeiter. An Rohstoffen besteht kein Mangel mehr. Aus den Beständen der Heeresverwaltting werden den Werkstätten regel­mäßig große Mengen an Kupfer und Zinn über­wiesen.

** Volle Taggelder für H ee- resangehörige mit Familie. Hceres- angchörige, auch Beamte mit Familie, er­halten mit Wirkung vom 1. Januar an statt der halben die vollen Tagegelder, wenn sie außerhalb ihres dienstlichen Wohnorts kom­mandiert find oder den früheren Friedens­standort ohne Zuweisung eines neuen endgül­tigen Standorts dienstlich verlassen haben und von ihrer Familie getrennt leben müssen. Diese Entschädigung wird ferner mit Wirkung vom 1. April an für Stabsoffiziere und für Beamte der Tagegeldklasse IV auf 20 Mk. er­höht, für Hauptleute und für Beamte der Klaffe V auf 16 Mk., für Oberleutnants, Leut­nants und Klaffe VI auf 12 Mk., für Porte- peeunteroffiziere und Unteroffiziere mit Por- tcpeeunteroffizierlöhnung auf 10 Mk., für die übrigen Unteroffiziere, die Gemeinen und Un­terbeamten auf 8 Mk. Wenn Heeresangehö- rige mit Familie für ihre Person Anspruch auf Unterkunft und Verpflegung haben, so be­ziehen sie die Entschädigung nicht. Bei freier Unterkunft allein wird V*, bei freier Verpfle­gung s/< der Sätze einbehalten. Die bisheri­gen Bestimmungen bleiben für unverheiratete und Heeresangehörige mit Familie, die von diesen nicht getrennt leben. Zur Familie rech­nen auch nahe Verwandte, Pflegekinder, so­fern der Heeresangehörige ihnen in feinem Hausstand Wohnung und Unterhalt auf Grund einer gesetzlichen Unterstützungsver­bindlichkeit gewährt, es muß aber ein eigener Hausstand geführt werden.

** In ben Schwarz-Weiß-Licht- fpielen kommt ab heute der tefannte W. Hrim- burgsche RomanM a msell Unn ü tz", ter von Josef Rick>arbs in fünf Akten verfilmt tourte, zur Aufführung; bic Hauptrolle spielt Edith Meller. Außerdem wirb noch das bmaVtige indische LustspielDieTochterdesMaharadscha" gegeben.

Kreis Büdingen.

# Wolf, 29. Aug. Bei einem schweren Gewitter schlug der Blitz in eine Stallung unb tötete zwei Ziegen, während ein Schwein, das sich in demselben Raume befand, unverletzt blieb.

Kreis Lauterbach.

O Lauterbach, 28. Aug. Wie kürzlich in Alsfeld, so wird auch im Lause des Monats September Prof. Tr. Kinkel-Gießen für den hiesigen Kreis Dvlkshochschulviorlesun- gen für Lehrer und alle Freunde ter Volks­bildung halten. Er wird in 6 Borträgen über das ThemaDichtung und Seele" sprechen. Zahl­reich? Einschreibungen zu der Steranftaltimg: sind bereits erfolgt.

Kreis Friedberg.

4 Bad-Nauheim, 29. Aug. T« ge- strtte Richard Wagner-Abend im Konzert- te'.iie betentete einen Höhepunkt im musikalischen Leben unseres Bades. Tas Kuvorchester war ver- Eft durch Mitglieder des Landestheater-Orchv- Z in Tarmstadt. Das Konzert, das ausgewähtte cke Richard Wagners zu Gehör brachte, wurde von Michael BaHing gebeitet, der sich bekannt- ttch um die Leitung der Wagner-Festspiele in Bay­reuth höhe Verdienste erworben hat. Aus dem reickhaltigen Programm seien nur das Bachanale aus Tannhäuser unb die Faustouverture genannt. Als Solist des Ahends errang ter frühere Kon­zertmeister des Kurorchesiers Otto Drumm, jetzt beim Landestheater-Orchester, mit dem Vor­trag des Albumblatts für Violine starken Beifall. Das Konzert war stark besucht, auch von Musik­freunden der Umgebung.

Hessen-Nassau.

ha. Biedenkopf, 29. Aug. Ter Qandrat erhäßt fatgenten Aufruf cm die landwirtschaft­

liche Bevölkerung des Kreises DretenLopf: In letzter Bett sind mir rneljrfad,' Mitteilungen zu gegangen, daß die Erzeuger von landwirtschaftl. Produkten Ixe Ablieferung von Brotgetreide, Gerste, ms- besondere Hafer, Milch, Butter, Vieh unbedingt zu verweigern beabfichttgen, um die Ernulimg ihrer Forderungen: '.Luftebung der Zwangswirt­schaft unb Bezahlung höherer Preise zu crzwmgen. Ich, weise bcmgegciuiter darauf hin, daß nach bem Urteil aller einsichtigen Landwirte die zwangslvrisc Bewirtschaftung zur Zett noch rocitcrteftcbcn muß unb daß ivegen Erhölmng der Preise für die laute wirtschaftlichen Produkte Verhandlungen sckveten. Welche ungeheuren Gefahren für unf.'r ganzes Wirt­schaftsleben durch einen Lieserstrcik ter Landwirt- schäft, vor allem auch für letztere selbst, fcraufte- schlworen werten unb welche schwere Berantortungi die Landwirte auf sich nehmen, loemt sie in ben Streik treten, bedarf Deiner besonderen Erwähnung.. An die Landwirte des Streife-? Bietenkovf richte ich daher die ernste Mahnung unb cinbrtnglirfje Bitte, alles was in ihren Kräften steht zu tun, um ihrer Ablieferungspflicht voll nachzukommen. Nur so farm einem völligen Zusammenbruch unseres Wirt­schaftslebens vorgebeugt und eine Besserung- ter Verhältnisse, die in diesem Jahre schwieriger den je liegen, herbei geführt werten. Sei firn jeder Landwirt ter Tragweite seiner Handlungen der Volksgesamtheit gegenüber bewußt.

te- Frankfurt, 20. Aug. Ter Reich-- bundzumSchutzeder deut sch enKriegs- und Zivilgefangenen beranftaltctc int Schumanntheater eine stark befud/.e öffeniliifr Ver­sammlung, in deren Verlauf Frhr. v. Lersner erklärte, im September sollen acht Schiffe nach Sibirien sahnen mit russische-.: Kriegsgefan­genen, für diese fallen deutsch? Gesmtgene aus Sibirien zltrückgesührt werten, die im Februar 1920 hier fein können. Auch plane die fRegienuig die Charterung von Schiffen in Asien, um weitere deutsche Gefangene zurücktzu führen-

Sport.

** Fußballsport. Auf dem Sportplatz an der Hardt finten morgen Fußballwettspiele des Sportvereins Nauheim gegen Verein für Rasen- ftttele 1900 statt, erste, zweite und teilte Mann­schaft, 31/2 und 5 Uhr beginnend.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

Datum

Wetter

W' o« a.

E <u 5 -O i

M

29. 8.

29. 8.

30. 8.

nm. abds. om.

25.8

19.1

14.8

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78

72

5

3

10

meist bedeckt Gewitter nachts bedeckt

Höchste Temperatur am 29.8. =27.0», 30. 8. = 18.6*. Niedrigste ,29.8. = 16.0», 30. 8. --14.5°

Der Schlichtungsausschutz der Provinz Oberhessen.

Verhandlung vvm 26. August 1919.

Tie am 19. August begonnene Verhandlung über ben Antrag ter Wir tscha ftl ichen Ver­einigung bet Privatangestellten von Gießen und Umgegend gegen Gießener Firmendes Großhandels usw. wegen Ge­haltsaufbesserung und Tarifverttags wurde iveller- ZeUhrt und nach fünfftünbiger gründlicher Aus- >prache zu Ende gebrackft, mit dem Erfolg, daß man sich nach beiderseitigen Zugeständnissen unb wesen tlichern Nack)geben in einzelnen Punkten über die Gnindzüge ter tariflidjen Regelung, endlich doch noch! verständigte. Beite Telle zeigten großes Entgegenkommen unb ein verständiges Eingehen auf die für bie Gießener Verhältnisse besvnters zu­treffenden Erwägungen unb Bedenken.

Aus den auf dem neutralen Boten des Schlich- tungsausschusfes in durch,aus sachlichen Grenzen gehaltenen Auseinandersetzungen fei nur folgendes hervorgehoben:

Man ging beiderseits davon aus, von Fest­setzung einer besonderen Teuerungszulage abzusehen, vielmehr einen bestimmten Betrag des Gehaltes anzusetzen. Wenn auch die Teuerungs­zulage einen etwa nötigen Abbau erleichtere, schaffe sie für die Angestellten doch ein Moment der Un«

ich mich ins Morr. Nicht wahr, Sven, Du bist gut! Nur mit Goratschin kann ich glücklich sein. Sage unL*mt Kinde nicht, daß feine Mutter schlecht war, toeil sie es verließ, sondern nur tief, tief unglücklich. Küsse es unb grüße Ragna. Bitte sie, daß sie mir verzeiht und mich wie eine Tote be­trauert. Teine unglüclliche Sigrid.

Ragna ließ müte wie eine Sterbende das Briefblatt sinkm. So schrieb ihre Sck)Lvester iljre einzige Schwester? Ein Schauer rann durch ihren Körper, aber sie raffte sich auf unb griff nach dem ziemlich umfMtgreichen Schveiten ihres Schwagers. Sie zitterte vor ten Enthüllungen, die es ihr bringen sollte, aber sie las doch in fliegender Eile und nervöser Hast:

Ragira! Mein Verhäirgnis sck^int sich doch zu erfüllen. Sigrids Brief wird Tir schon das meiste gejagt hoben. Laß mich nur hinzusetzen, daß ich diesen Brief auf meinem Schreibtisch fand, als ich nach zweitägiger Abwesenheit nach Lugano zu­rückkehrte. Sigrid war abgereift. Wohin, wußte niemand. Ich depeschierte sofort an meinen.Ban­kier, ter Großmamas Adresse wissen mußte; denn mein erster Gedanke war. daß Sigrid, wie ja auch aus ihrem Sck>veiben hervorging, sich zu ihrer Großmama geflüchtet hatte. Gefluchtet! da steht das Wort io kalt und nüchtern auf dem Papier, und doch liegt eine Welt darin. Geflüchtet vor dem eigenen Gatten, ter getobt hat, sie zu schützen. Tie Röte ter Scham brennt auf meinen Wanyen, und ivie ein Kainsmal flammt es auf meiner Stirn. Ich bin allein ganz allein nur Tu Ragna, bist her mir und im Geiste lehne ich mein Haupt in Teine lieben Hände, wie ich es einst als Mabe bei meiner Mutter tat und beichte Tir, was mir die Seele drückt.

Also, ich depeschierte. In einigen Stundeck hatte ich die AnllvortNizza". Ich reiste Tag unb Nacht endlos erschien mir der Weg endlich sand ich "Großmama, aber von Sigrid keine Spur.

Jch> bat, ich drohte, ich flehte Großmama an, mir zu sagen, wo Sigrid wäre, ich bat sie, des Kindes wegen zu "tun, das sonst Feine Mutter hätte. Sie lächelte nur kalt und gab mir ganz unzweideutig zu verstehen, daß nicht sie, fJittern ich Sigrids Hüter fei. Ich drohte schließlich mit ter Polizei. Tas half. Die alte Fron, die mich haßt, die mich einst wohl nur als Mittel 3um Zweck -ansah, als sie mich zu Sigrids Gatten crwäWe, teilte mir mit einem Hohnlächeln ipn den Mund mit, daß Sigrid hätte zu ihr kommen wollen, um bei ihr Goratschin zu treffen, aber sie, die Großmama, es vor gezogen hätte, ihr Go­ratschin entgegen zu senden.

Tas haben Sie gewagt," fo herrschte ich sie an,so traten Sie selbst tee Ehre Ihrer Familie mit Füßen?"

Ja," lächelte sie stolz zurück.Sigrid soll glücklich sein, und das wird sie nur als.Fürstin Goratschin."

Und Sie glauben," schrie ich heftig,daß der Elende, ter es wagt, die Frau seines besten Freuntes zu begehren, und gewissermaßen zu ent­führen, daran denkt, Sigrid zu heiraten, wenn ich so kindisch sein würde, sie freijugeten? Nie­mals, der Fürst wird Sigrid fortwerfen wie ein altes Kleid, aber betraten wird er sie nicht."

Großmama wurde bleich, aber sie beherrschte sich dock- äußerlich meisterhaft und sagte mir nur leichthin:

Tas wird sich alles finden, mein Bester. Nachdem Sigrid und Goratschin auf Reisen ge­gangen Sie sehen, ich habe sehr gut vorgesorgt werten Sie gewiß nicht wünschen, daß Sigrid in Ihr Hans zurückkehrt! Fhre Ehre wird es Ihnen verbieten. Sie werten also gewiß nichts dagegen haben, in eine Trennung Ihrer Ehe mit Sigrid zu willigen."

Unb wenn ich es nicht tue?" rief ich wild. Wenn ich nicht gefonnen bin, ben Skandal noch

weiter in die Oeffentlichkeit zu tragen, wenn ich Sigrid nicht frei gebe um feinen Preis?"

Tann wird Sigrid Gewalt gebrauchen, verlas­sen Sie sich baraiif, mein bester Sven," gab sie mir, kalt lächelnd, zurück. Sie hat mick- übrigens autorisiert. Ihnen das zu sagen."

Was blieb mir weiter übrig als zu gehen? Tagelang irrte ich umher nach allen Seiten Tepeschen ausschickend, Sigrid zu finten. Da end­lich' erreichte mich ein Telegramm, in dem mir gemeldet wurde, daß ein Herr mit einer Tarne, auf den meine .Beschreibung paßte, in San Remo gesehen sei. Ter nächste Zug führte mich dorthin. Ich kam zu spät. Goratschin nxrr mit Sigrid, die er für seine Gattin ausgab, bereits ab gereift. Ich verfolgte die Spur nach Genua und Mai­land und vertor sie wieder in Pallanza. Ich werte sie aber finden, Ragna, verlaß Tich darauf, und wenn, ich die ganze Wett durchwmibern müßte. Ter Bube muß gezüchtigt werden und Sigrid sie ist Trine Schwester, Ragna, und Svens Mutter ich will sie schonen, das verspreche ich Dir, s 0 viel ich kann, aber ten Skandal, den sie vollführt, unb noch weiter vollführen möchte, dulde ich nicht, um keinen Preis. Unb dann, Ragna, ich möchte Tich nicht f rn twch mehr beunruhigen, aber Sigrid ist nach dem Ausspruch ter Aerzte nicht ganj so gesund, als es in letzter Zeit schien. Jede Aufregung soll ihr fern bleiben. Hätte ick Tich hier, um mich mit Tir beraten zu können Tu weißt am besten, wie mir ums Herz ist. Wirr, zerrissen erscheint mir ba5 Leben. Hätte ich nicht ben Jungen, für ten ich leben müßte, so wäre es wohl kaum wert, gelebt zu haben.

Sobald ich etwas Bestimmtes weiß, telegra­phiere ich Tir, aber ohne Sigrid kehre ich nickt nach Svendburg zurück.

Tein treuer Bruder Sven (Fortsetzung folgt.)