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stimmte Personen zu führen. Besser als der Staats- gerichtshoj ist der von uns beantragte Ausklä­rungsausschuß. Der vom Reichsminister Dr. David begründete Gesetzentwurf widerspricht der Rechtsanschauung. Wir erklären und auch gegen die Veröffentlichung der Rede Erzbergers. Die Rede gießt in einer Zeit, wo alles darauf anTommt, auch im Innern Frieden zu schaffen, aufs neue Oel ins Feuer. Augenblicklich ist man noch nicht in der Lage, die Richtigkeit aller Behauptungen nachzuprüscn. Unbestreitbar haben sich bereits wesentliche Punkte als nicht gerechtfertigt buwaus- gestellt. Die Folge der.Veröffentlichung würde nur eine Aufhetzung und Auspeitschung der Massen ohne erkennbaren Nutzen sein. Man vergesse auch nicht die Rückseite der Medaille. Von dem Anschlag der Rede Müllers kann man wohl absehen, da nicht einmal die Reden Bismarcks angeschlagen wurden. Im weiteren Verlauf seiner Rede erklärte T-r. Richer, er sei beauftragt von einem Mitglied seiner Fraktion, das er als durch­aus zuverlässig kenne und das für die Richtig­keit seiner Behauptungen im vollen Umfange ein­trete, mitzuteilen. Auf Wunsch eines nahen Be­kannten des Herrn Erzberger habe Herr Erz­berger ein kurzes Kricgsftelprogramrn entworfen. Am 17. Juni besuchte der Gewährsmann Herrn Erzberger, welcher ihm erklärte, daß die Negierung auf dem Standpunkte stehe, daß wir die Erz­becken von Briey und Longwy haben müßten. Man müsse die Oeffentlichkeit im Sinne dieser Forderung aufklären. Er gab Mittel und Wege und ^Möglichkeiten an, die dafür in Betracht kom­men und teilte mit, daß er in die Zeitung der christlichen Metallarbeiter einen Artikel darüber lanzicren würde. Tatsächlich, so fügte der Ge­währsmann hinzu, arbeiteten noch im August 1917 verschiedene von Herrn Erzberger unterhalten; Pressebureaus in diesem Sinne. Ich brauche, schloß Nießner, nach dem was ich hier ausgesüyrt habe, nicht mehr zu begründen, daß wir für ein Miß­trauensvotum gegen die Regierung stimmen werden.

Preuß. Kriegsminister ReinHardt macht nähere Mitteilungen über den Zusammenbruch in Polen. Durch das Vorgehen der Soldatenräte, die glaubten, daß sie eine Tat vollbringen wür­den, wenn sie Polen unverzüglich imb ohne Kampf räumten, seien große Heereswerte verloren ge­gangen und ein noch größeres Stück an deutschem Ansehen. Andererseits hat es dabei auch an Licht­blicken nickst gefehlt.

Reichsnrinister Erzberger: Seitdem ich das Reichsfinanzministerium übernommen habe, ist mit jede Minute zu kostbar, ton1 immer wieder vollstän­dig veraltete und längst widerlegte Angriffe und Stänkereien von Leuten entgegermchnum zu müssen, die nichts weiter zu tun haben. Hätte ich mit dem Dokument des Grafen Czcrnin gleich in die Oeffcnt- lichkeit gehen sollen? Ich möchte wohl wissen, wel­cher Lärm sich dann gerade unter den Freunden des Herrn Rie^r erhoben hätte. Uebrigens hat Graf Czernin den Beweis gar nicht einmal anzu- treten versucht, daß der Bericht durch mich bem Feinde bekannt geworden sei. In der Ausschuß- sitzimg vom 28. September bat der damalige Reichskanzler erklärt, wir könnten unbesorgt sein, die Alliierten würden von unserer Stellung in der lbclgischcn Frage Kenntnis erhalten. Zentrum, So­zialdemokraten und Volksparteiler tomren daher der Auffassung, sie brauchten jetzt nicht auf eine solch- Erklärung zu bringen. Der Abg. Riester sagt, ich müßte wissen, daß in der deutschen Antwort vom 24. keine Erklärung über Belgien enthalten ist. Dieses Antwortschreiben ist mir nicht be­kannt geworden. Meine Rede im Hauptausschnß war auf der Grundlage aufgebaut, daß eine rest­lose Aussprache über Belgien mit den Alliierten erfolgen toürbe^ Da sagte ich, wir stellen uns gern hinter die Regierung und überlassen ihr die Füh­rung in den Einzelheiten. Dann erst reifte ich nach München und erfuhr dort: Alles verloren! In der Unterredung zwischen mir und einem Vertreter der Obersten Heeresleitung suchten wir nach einem Auswog in der Angelegenheit. Longwy und 2ftieh. Sie wachen aber einecause cölöbre" aus einer Unterredung, in der verschiedene Möglich­keiten durchgesprochen tourben. Die Regierung hat immer mit voller Entschiedenheit bestritten und ich beftreite es auch. Es ist eine welthistorische Lüge, baß Deutschland der alleinige Urheber des Welt­krieges ist. Aber ettvas anderes ist, wenn man offen das Stadium der Akten zuläßt, daß auch die Auffassung, die von Dr. Nießer vertreten wird, nicht richtig ist, nämlich, daß Deutschlarrd voll­ständig unschuldig am Ausbruch des Krieges ist. Auch Deutschland trägt sein Teil an der Schuld am. Kriege, an seiner Fortsetzung und an diesem Ab­schluß. Wir können keine innere Gesundung int Deutschland herbeifübren, ehe nicht der Beweis ehr­lich und offen erbracht tourbe, wer und in wie weit jemand in Deutschland schuld ist.

Der Staatsgerichtshof wird dazu dienen,

daß das unerhörte Rdaß von Beleidigungen und Beschuldigungen, die während vier Jahren aus dem Auslande auf uns niederprasselten, nicht mehr aufrcchterhallen toerben kann. Er wird dazu bei» tragen, die Achtung vor dem deutschen Namen wie­derherzustellen, nachdem ebjetti» festgestellt wor­den ist, tvas wahr und was unwahr und rückst Haltbar ist. Wir hätten weiter geschwiegen und nur einen Teil des Materials veröffentlicht, das meiste aber dem Sbcwtsgerichtshvf torbefwüen. Sie haben! diesen wohlerwogenen Plan der Negierung durch Taityt und ihr eine andere Halbing ausgezwungeu. ,Die absolut unbegründeten Angriffe, die von den r^stsstel-enden Parteien und von Mitgliedern der srühereu Regierung erhoben worden sind, diese sind cnenfunbige Geschick.tsfälschungen, wie sie vcm «her bort beliebt geweien sind. Wir haben den Ltamps nult ausgenommen, sondern er wurde uns «ungezwungen und aufgedrängt. Wenn Sie Hm so werden Sie ihn und zwar mu aller Rücksichtslosigkeit haben.

v , arj?u t h (D.-Natl.) wendet sich gegen Staatsgerichtshof, weil 2 S<Huldfrage gegenüber der Well

wÄfr ÄÄÄ lei d-r tn persönlichen Bemerkungen wird

*J68tr^lun5r ^getreten. Das Haus bc- schlcetzt nach dem Anträge Loebe die Rede» her A^'lter u?d dasweiter t^igebrachte Material ^s Kosten des Reiches tm deutschen Volk zu ver- bretten mit der Erweiterung nach dem Antraoe Arnstadt (D.-natl.), daß auch das Schreiben b?s päpstlichen Nuntius nebst Anlagen und der darauf erfolgten Antwort des Reichskanzlers Michaelis in ungekürzter Form der Veröffentlichung bei- iugeben ist »md nach einem weiteren Zusatzantrage Agnes u. Gcn. (Unabl).), auch die Stenogramme der Verhandlungen durch Veröffentlichung einem billigen Preise dem ganzen Volk zugä iglich 3i mackien. Tie namentlich- Abstimmung ü -ec das P. '.-rraueusootum ergibt dessen Ab.ehnung mit

243 gegen 53 Stimmen. Ein unabhängiger Eintrag auf namentliche Abstimmung über das Vertrauens­votum wird nicht genücpend unterstützt. DaS Ver- trauensvottim wird mit großer Mehrheit ange­nommen. Die Demokraten hatten erklärt, sie wür­den sich beim Vertrauensvotum der Stimme ent­halten. gegen das Mißtrauensvotum aber stim­men, da sie anders ihre Meinung nicht zum Aus­druck bringen könnten. Das Gesetz über den Staatsgerichtshoi geht an den Verfassungsaus­schuß unter Annahme eines Antrages der D. V. P., einen keinem,Parlament angehörenden, aus namhaften Historikern unb publizistisch geschulten Juristen zusammengesetzten Ausschuß einzusetzen.

Um 3/43 Uhr wird die Beratung auf 6 Uhr nachmittags vertagt. *

Nachmittagssitzung.

Weimar, 29. Juli.

Ilm 5.15 Uhr nachmittags wird die Sitzung wieder eröffnet.

Präsident Fehrenbach teilt mit, daß ein Antrag Apnes und Genossen (Unabh. Soz.) ein­gegangen ist, den Kommatrdi.'renden General des 3. Armeekorps (Münster) anzuweisen, die seit sechs Tagen im Hungerstreik befindlichen politischen Schutzgefangenen aus der Haft zu entlassen. Da für die Begründung nur fünf Minuten in An­spruch genommen werden sollen und darauf Reichs­wehrminister Noske eine Erklärung ab geben solle, schlägt der Präsident vor, den Anttag alsbald zu beraten.

Das Haus stimmt dem Vorschläge zu.

Abg. Vraß (Unabh. Svz.) begründet den Antrag.

Reichswehrminister Noske: Niemand be­dauert mehr als ich, daß wir genötigt sind, von der Schutzhaft Gebrauch zu machen. Ich bin seiner­zeit von Rednern aller Parteien mit Ausnahme der Unabhängigen ausgeford-rt worden, die hun­derttaufende von Menschen, die im Industriegebiet von einer Handvoll verwegener Menschen terrori­siert werden, zu schützen. Dieser Aufforderung habe ich Rechnung getragen. Ich habe angeorbnet, daß eine Nachprüfung aller Fälle von Schutzhaft statt- findet und ich hoffe, daß diese Nachprüfung zu dem Resultat führen wird, daß in möglichst großem Umfange Entlassungen stattfinden Tonnen. In dem Augenblick, wo wir die Garantte haben, daß im Industriegebiet davon Abstand genommen wird, weiter in verbrecherischer Weise die Volkswirt- schast lahmzulegen, werden wir in der Lage sein, von jeder Art Kampfhandlung Abstand zu nehmen.

Abg. Braß (Unabh. Soz.) (unter wieder­holten Schlußrufen aus dem Hause): Die vom Nrichswehrminister zugesagten Nachprüfungen dau­ern setzt schon Wochen und Monate. Das ist es, was Gegenmaßnahmen der Arbeiterschaft provo­zieren muß.

Rcichswehrrnftiister Noske: Ich' habe nicht einen Augenblick gezweifelt, daß dieser Antrag von Herrn Braß als Anlaß für agitatorisch!- Zwecke benutzt welchen würde. (Stürmischer Widerspruch und lärntonde Zwischenrufe bei den unabhängigen Sozialisten. Ungehcuder Lärm.) Tie sich jetzt so erregen, haben, feine Spur von Erregung an den Tag gelegt, als ihre Freunde mit Handgranaten und Pistolen auf die Bevölkerung losgingen und als am vorigen Montag in den Berliner Kranken­häusern das elektrische Licht abgeschnitten wurde. (Erneuter tosender Lärm und Zwischenrufe: Ge- meinbeit.)

Ter Antrag der Unabhängigen wird abgelehnt und zwar gegen die Stimmen der beiden sozial­demokratischen Fraktionen.

Hierauf wird in die dritte Beratung der Ver­fassungsvorlage eingetreten.

Reichskommissar Dr. Preuß: Tie National- versammlung ist zustandegekommen und sie hat die Verfassung zustandegebracht und ist im Begriffe, sie zu verabschieden. Nach einem solchen Kriege, nach sv ungeheuren Täuschungen und Enttäu­schungen mußten mehr oder weniger erhetti.h.» Störungen der gewohnten Ordnung eintreten. Immerhin tparen cs wenige, dank der Mäßigung und Selbstbeherrschung b.T ohne Widerstand sieg­reichen Revolution. Sic suckste sofort den Weg der Wiederherstellung des Reckftsstaates, des demo­kratischen Rechtsstaates. Aus diesem Wege sind wir immerhin ein bedeutendes Stück vorwärts gekommen. Gerade weil ich niemals Sozialist ge­nesen bin und vermutlich auch auf meine alten Tage es nicht meljr werde, halte ich es für richtig, anzuerkennen, mit welcher Mäßigung unb Selbst­beherrschung die Sozialdemokratie die Grundlagen der Temvkratic nicht nur anerkannt, sondern auch zu Ehren gebrächt und sich damtt ein Verdienst um Deutschland erworben hat. Das soll ihr in der Gegenwart und Zukunft nicht vergcffen roerben. Diejenigen, die der politischen und sozialen Rich­tung dieser Entwicklung nicht mehr folgen kön­nen, bleiben sich nur selbst getreu, wenn sie unter den jetzigen Verhältnissen btefeS Verfassimgswerk hnabziehcn. Aber die anderen, die damals die Nationalversammlung nur mit Besorgnis bei ihrer Arbeit betrachteten, wie stellen fte fid? dazu? Bei richtiger Würdigung der Tinge werden sie in keiner Weise enttäuscht sein. Die Republik ist die Sache der großen Äokksmehrheft, die zwischen rechts und der äußersten Linken stcht, und gerade diese breite Schichit ist es, die das Versassungslverk trägt unb getragen hat. Es ist vielleicht niete überall schon heute das volle Verständnis für bte Bedeutung des Werkes vorhanden und noch nicht mit voll- fonrmener Lebendigkeit erfaßt. Hievon tragen viel­leicht nur die führenden Schichten schuld unb ihre aus der Gewohnheit der 23er gangen beit überkom­mene allzu subjektive Ueberkritik. Wächvend wir wirtschaftlich unb sozial die höchste Stuft der Ent­wicklung erreicht hatten, mar die politffche Seite verkümmert und zurückgeblieben. Tas war im letzten Grunde die Ursache unserer katastiwphalcn Niederlage, unter deren Wirkung wir stehen. Es war der Mangel an politischer Führung und poli­tischem Berständnis im Volke selbst. Wenn mir beute einen glatten Schnitt machen z.visichm der Vergangenheit unb ber Zukunft unb es aÄehnen, die Schuld für die militärische Niederlage und den politischen Zusammenbruch auf das neue Gemein­wesen zu übernehmen, dann liegt darin nichts weniger als Undankbarkeit gegen die mi­litärische oder fvnstigeii wirtfckxlftliicheu oder technischen Leistungen, die unser Volk in dieftm Krieg vollendete, im Gegenteil wir haben mit tiefstem Schmerz empfunden, wie die Leistun­gen des Volkes und hervorragende Leistungen des Militärs vergeblich auffleroenbet wurden, weil die Politik das Nötige nicht leistete. Wir wollen nicht voreilig jauchzen, aber wir wollen auch nicht ficimnütig sein. Wir haben die begründete Hoff- muig, daß die nationale Einheit im Rahmen dieser Verfassung nicht nur gewahrt, sondern gestärkt i und gefestigt wird. Tas ist auch für die Krei'e zu I beachten, .die sich immer noch partikularistifchen

Hoffnungen hingeben. Die Wiederherstellung der kleinen Staaten liegt außerhalb des Bereichs der Möglichkeit. Die Republik wird existieren in dem Maße, wie die nationale Einheit gefestigt und gesichert ist. Heber die Republik steht die nationale Einheit. Wenn sie, von ber monarchischen Restau­ration bedroht würde, so wäre es nur eine Ein­heitsmonarchie für Deutschland. Die WiderstÄedc auf dem Wege zur Verfassung waren ungeheuer groß. Der Versassnngsausschuß hat viel unb gute Arbeit geleisiet, vielleicht in man­chen Punkten sogar des Guten zu viel. Ich denke an die Grundrechte. Ter Einzelstaat kann und soll im übrigen in Deutschland nicht zentralisiert sein. Diese Ver­fassung wird nur verstehen, wer Deutschland und seine Eigenart versteht. Freilich, meint jetzt die Verfassung in dieser Form beschlossen wird, fängt die eigentliche Verfassungarbeit erst an. Sie liegt in ber Organisation des Vaterlandes. Daraus kommt cs an, ob die Bestimmungen in ihrem Geist gehandhabt werden. Eine Garantie^ daß es geschieht, kann keine Verfassung geben. Sie kann nur die Voraussetzung schaffen, und das tut diese Verfassung. Wird fte g^janbbabt im Geiste Goethes, so wird Deutschland einst unter ihr auf starken Füßen stehen.

Abg. Katzen ft ein (Soz.): Wir,haben uns bemüht, die Verfassung mit sozialistischem Geist zu durchtränken. Wenn auch nicht alle unsere Wünsche gegenüber der geschlosienen Bürger- Phalanx durchgrsctzt worden sind, so ist doch mit der Verfassung eine Grundlage für erfolgreiche sozialistische Erziehungsarbeit geschaffen worden. Die einheitliche deutsckie Republik bleibt unser Ziel. Wir hoffen, .daß sich auch unsere deutsch-öster- reichischen Brüber, die unter bem hatten Druck ber Sieger heute noch abseits stehen müssen, den Weg zu uns finden werden.

Äbw Tr. Spahn (Ztr.): Ein Vorzug der neuen Verfassung ist der trt weitem Umfang ge­währte Rechtsschutz. Tie Verfassung rechnet mit dem Fortbestand des Völkerrechts und sie schließt daher die Hoffnung auf den Völkerbund nicht aus. Es empfiehlt sich für uns, dem Völkerbund beizu­treten, wenn mir als Gleichberechtigte ausgenom­men werden. Doch müssen wir uns bewußt werden, daß er als Menschentverk feinen ewigen Frieden bringen kann. Für die Wiederaufnahme der difüo- matifchen Beziehungen haben wir den Wunsch^ daß eine Vertretung des Reiches beim Heiligen Stuhl in Rom erfolgt. Wir wollen auch nicht verkennen, daß mit der tiefen Not des Voltes die Blicke nicht nur der Katholiken, sondern der ganzen Welt mit Spannung nach dem einigen Rom gerichtet sind, von dem sie Rettung unb Klarheit in den geisti­gen Irrungen und Wirrungen der Gegenwart erhoffen. Spahn erörtert dann eingehend das Schulkompromiß imb die Frage des Angeslellten- unb Arbeiterrechts. Die Zentrumsvartri wird ge­treu ihren noch unter der Monarchie entworfenen Richtlinien weiterleben. Sie wird das hoffe ich ihren Platz dauernd behaupten.

Abg.Haußmann (Dem.): Das Zusammen­arbeiten der Parteien unb ber Regierung an bem Versassungswerk ist vorbildlich gewesen. Möge bas eine günstige Vorbedeutung für die künftige Zu­sammenarbeit von Regierung und Volksrertretung fein. Leider hat es den Anschein, daß die Rechte die Verfassung ablehnen wird. Ich hoffe ittcht dasselbe von ber Deutsä>en Volkspartei. Die Her­ren von der Rechten sind dann Feinde der beut- .scken Verfassung in der Vorstellung des Volkes. Mir stimmen der Verfassung freudig zu in ber '.Hoffnung, baß sic ein Emporsteigen in das Volk hineintragen wirb.

Weiterberatung Mittwoch vormittag 10 Uhr. Schluß 7.45 Uhr.

Weimar, 29. Juli. (Wolff.) In ber gestern unter dem Vorsitz des Reichsverkehrs- ininifters Dr. Bell abgehaltenen Vollsitzung des Staatenausschusses wurden die Vertreter der Länder in bem R e i ch s k a l i - rat ernannt unb dem Entwurf eines Gesetzes zur Ergänzung des Mannschaftsver- sorgungs-, sowie eines Offizierpen- sionsgesetzes unb Militär Hinter­bliebene ngesetzes zugestimmt.

Aus Stadt tttifc Land.

Gießen, den 30. Juli 1919.

Zur Rückkehr der Kriegsgefangenen.

Das Zentralkomitee der deutschen Vereine vorn Roten Kreuz bittet uns um die Veröffentlichung folgender Mitteilung: Naturgemäß werden nach oft jahrelanger, harter Trennung die Angehörigen von Kriegsgefangenen den Wunsch haben, diese bereite in ben Durchgangslagern willkommen zu heißen. Im Jntereffe bes Etn-elnen sowohl wie ber Allgemeinheit ist es bringtnb er f or ber» li ch, von einer Reise in die Durch­gangslager abzusehen. Die Kriegsgefan­genen werben sich mir wenige Tage in den Durch- gmigslagern aushalten, so daß ein rec^zeitigss Eintreffen der Verwandten dort kaum möglich sein dürfte, da in ben meisten Fällen der Kriegs­gefangene sich schon auf der Fahrt noch feinem Heimatsort befinden wirb. Die Tag« im Durch­gangslager werden vollauf damit ausgeftMt sein, die ordnungsmäßig Entlassung der Kriegsgefangc- nen durchsusühren. Auch iw Jntereffe der All­gemeinheft muß an die Einfickt der Bevölkerung appelliert werden, da zur Verhinderung der Ein­schleppung ansteckender Krankheiten für die Heim­gekehrten eine kurze Absonderung erforder­lich ist.

Lebensmittel.

** Fett-Ausgabe. Von Donnerstag den 31. d. Mts. gelangt in den Metzgergeschäften für die dort eingetragenen Kunden 1 Pfund Fell zami Preise von 6,50 Mk. zur Ausgabe.

** Das Backen von Krankcnbrot für den Monat August 1919 ist bat Surfern Karl Euler, Ludwigsplatz, L. Müller, Bahnhof­straße unb W. Löber, Walltorstraße übertragen worden.

** I n der städtischen Gemüsestelle (Marktlauben) kommen Karotten, Weißkraut, Wir­sing, römisch Kvhl, Salat mtb Zwiebeln zum Verkauf. Morgen treffen Blumenkohl, Gurken unb Tomaten ein.

*

** Rechnungsrat Alex an der Wil- fer f. Am 25. Juli wurde auf dem hiesigen Fricdhose unter sehr großer Sctriliming in feier­lichster Weift die lterbliche Hülle des im 71. Le­bensjahre verstorbenen Rechnungsrates Alexander W i l k e r zur letzten Ruhe beftattet ' Sein Leben war stets der intensivsten Arbeit gewönnet ge­wesen: viele Sabre stand der Verstorbene im Ver­waltungsdienste der früheren Obcrhesfischen

Eisenbahnen, feit 1897 deS hiesigen (preu- ßiftl») heffischen Betriebs« mte's 1, dessen Boriiand seine großen Verdienste am Grabe rüh­mend hervorhob. Aber auch im städtischen Wohlfahrtswesen, in der Armenpflege, hat der Verstorbene unermüblich treue Diensie geleistet, beiten di? Vertreter am Grabe dankend gedachten. Tie Burschenschaft Armima und andere Redner rühmten, wie sehr ber Verstorbene mit Erwig be­strebt gewesen ist, in Werken der Nächsroftiebe tätig zu sein, wie viel Liebe er sich erworben habe, die auch nach seinem Hinschriden nicht erlöschen werde.

** Das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhielt Gustav Lenz, .Sohn bes Postschaffners Georg Lenz in Gießen in oen Kümmert gegen die Bol­schewisten.

** Polizeibericht. Anfangs Juni mürbe ans bem ck-emi scheu Laboratorium ein elek­trischer Gleichstrommotor, 1 SP., mit Schnur und Stecker, im Werte von 1000 Mk., am 21. v. Mts. aus der Oberh. Werkstatt eine elektriscke Handbohrmaschine mit Links- und Rechtslaus, 120 Volt Spannung, Wert 8001000 Mk.; aus einer Fabrik zwei Treibriemen, je 6,50 Meter lang unb 10 Zentimeter breit: in der Nacht zum. d. Mts. durch Einbruch aus der Neuen Ka­serne 4 Damastbettbczüge, 8 Waschbezüge, 4Kvl- tertücher, 8 Bettücher, 5 Damenliemden, gez. K. H., Taschentücher, 1 Bettvorlage (Rehfell), 1 dunk­ler Franenrock; in ber Nacht zmn 29. b. Mts. durch Einbruch aus einem, Laden in der Frank­furter Straße ein größeres Quantum Zigarren imb Zigaretten, im Werte von einigen tausend Mark und durch Beraubung eines Eisenbahn­wagens 18 Röcke und 16 Westen gestohlen. Vor Ankauf wird gewarnt. Sachdienliche Mitteftungen nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen.

** D i c Familienunterftützung steht ab 1. Juli nur noch zu: den Angehörigen der Vermißten und Gefangenen, ben Angehörigen von Heeresangehöri«n, die sich noch außerhalb der deute scheu Grenzen befinden und die Reichswehr zutage nicht erhalten, den Angehörigen der an der Rück­kehr aus dem Ausland infolge feinblicbcr Maß­nahmen verhinderten ober vom Feind verschleppten Personen, sowie den Hinterbliebenen von Gesa!» lenen, sofern sie noch nicht in den Genuß von Ser- svrgungsgcbührnissen getreten sind. Die Auszah­lung der Unterstützungen für 1. bis 15. August bzw. für Juli findet Tomiertag, 31. Juli, vor­mittags 812 Uhr, im Stadthaus, Zimmer Nr. 7, statt.

Verein städtischer Beamten. Bei dec außeeorbentlichen Mitgliederversamm­lung, die am 28. d. Mts. im Frankfurter Hos statt fand, hatte ber Verein Gelcgertt)eit, zwei feiner Mitglieder in entsprechender Weift zu elyren. Ter verdienstvolle Vorsitzende, Oberstadtbmftechniker Köhler, der aus Gesundheitsrücksichten das über 10 Jahre verwa tcte Amt zurückgab, wurde durch einstimmigen Beschluß zum Ehrenvorsitzenden er­nannt, dem durch lieberretdjung eines künstleri­schen Gedenkblattes Ausdruck verliehen werden konnte. Gleichzeftig gedachte man dem nach Voll­endung von 44 Dienstjahren in den wohlverdienten Riil)cstand g tret:ncn Obersladtbaittechniter Alt­on t e r. Beide Herren gehören dem Verein fett seiner Gründung an und haben sich um dessen Bestand unb Weiterentwicklung große Verdienst« erworben, was von der Versammlung allgemein anerkannt wurde.

**Jesu Weltprogramm oder was wird aus bem Völkerbund! lieber dieses Thema wird Prediger P. D r i n h a u s auf Einladung von Prediger R. Roll im Hotel Großher-og am Dow« nerstag abend 8V2 Uhr sprechen.

** Die kirchenfreundlichen Laien (Männer und Frauen) in Gießen werden auf Sonntag, ben 3. August nachmittags 3 Uhr, im Saal Hotel Großherzog, Bahnhofstraße, zu einer Aussprache eingeladen. Den einleitenden Vortrag über: Die Stälung der Laien tm Neubau der hessischen Kirche hält Lehrer D e g g a u.

** 3 m Lichtspielhaus wirdInge nd- liebe" (nach bem bekannten Roman von Feliz Philippi), ferner das schöne LustspielDie blon­den Mädels vorn Linbenhoft", nach dem gleichnamigen Bühnenwerk, nur bis einschließlich Donnerstag gegeben.

Kreis Alsfeld.

Alsfeld, 28. Juli. Der Ko mmu« nalverbaub für den Kreis Alsftlb erüb­rigte durch den Verkauf von Heu, Hafer, Sttod unb Kartoffeln in ben Jahren 19141918 einen Reinertrag von 80 816 Mark. Die Summe findet zur Unterstützung bedürftiger Krieger und deren Angehörigen Verwendung.

Kreis Schotten.

** Gedern, 30. Juli. Arn letzten Somfta- fanb hier eine vorn Hessischen Bauernbund ein­berufene unb von Lanbwirt Huth geleitete, vorn etwa 300 Bauern besuchte Versammlung statt. Ab­geordneter Dorsch sprach über das neue Sied- lungsgesetz; Hirschel - Friedberg wandte sich gegen die Zwangswirtschaft. In ber Aussprache wollte u. a. ber demokratische Pfarrer Wci dnek sprechen, wurde aber niedergeschrien. Weichen­steller 1. Kl. Bechtold- Güßen sprach als Deutsch-Nationaler gegen die Demokraten.

Hessen-Nassau.

bo. Dillenburg, 28. Juli. Ter 204 jährige Zimmergeselle Walter Bäcker aus Nieder­scheld war beinz Hausumbau aus der frühem Grube Prinz kessel in Oberscheld beschäftigt Er kam in einem unverschlossenen Raum der Stark» stromleftung zu nahe und wurde auf ber Stelle getötet.

0 Marburg, 28. Juli. In einer Versamm­lung landwirtschaftlicher Arbei ter wurde nach einem Vortrage des Gauleiters M Landarbeiterverbandcs beschlossen, we­gen der Erreichung besserer Lohnbebrngungen mil Sem Vorstände der Bauernvereine in Unterhand­lungen zu treten unb möglichst einen Taris vertrag abzuschlußen.

und Schule.

* Die allgemeine Hilfskasse be8 hessischen Lande s lehre r Vereins hat sich zu einem reckst beachtenstocrleu Faktor in dcr Reihe ber hessischen Lehrerwohltätigkeitscinrichttni- gen entwickelt. Trotzdem sie erst am Ende ihres zweiten Rechnungsjahres steht, weist sic bereich einen Bermogm-'^stand von 102 172,55 Mk. mch der fast ausschließlich in Kriegsanleihe angelegt ist. Tieser ansehnliche Betrag wurde in opfer­willigster Weise durch freitoillige Spenden unb in der Haupffache durch Pftichtbeilräge aufgebracht. Als Unterstützungen wurden von der Hftfskas« bisher 16 345 Mk. ausbezahlt. Im letzten Jahre wurden unterstützt 28 Lehrerwiiwen, 27 Halb­waisen, 2 Vollwaisen und 3 sonsttge Angehörigc, Für doZ laufende Jahr fftht der Betrag im

M. Frankfu Fühnenvolksl üenFreilichta htwmotoeit Park i -t« Oesfentlichkeit. ta Bühnen würd' n bearbeitete mi: Äig" und daseM :!= in der Bearb tllt. Tie nach T -"iten ergriffen di in und fpendeün e der Bühnenvoli r zu einer Reihe hne verpflichtet.

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