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* Hamburg, 29. Juli. (Wolff.) Ein Angestellter der Textilwaren-Aktiengesellschaft Bobsin verschob gemeinsam mit einem Bahnassistenten und einem Angestellten der Quaiverwaltung einen Waggon Textilwaren im Werte von einer Million Mark, für Berlin bestimmt, nach Wandsbek. Der Betrag wurde dort entdeckt. Alle drei wurden verhaftet und sind geständig.
to%. Karlsruhe, 30. Juli. Die badische Gemüseversorgung hat folgende Erzeugerhöchst- preise festgesetzt: Es kosten je ein Pfund Erbsen 30 Pf., Bohnen 30 Pf., Puffbohnen 16 Pf., Gelberüben (rote) und Karotten ohne Kraut 10 Pf., Gclberüben (gelbe) 5 Ps., Kohlrabi 18 Pf., Früh- weis;kraut 12 Pf., Frühwirfing 15 Pf., Rotkraut 20 Pf., Zwiebeln ohne Kraut 30 Pf.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden ■ Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Ein Bewohner des Marktplatzes möchte an dieser Stelle fragen, wo denn unsere Sicherhetts- mannschaften des nachts bleiben? Heute früh von 33/i bis 51/2 Uhr machten etwa 6—7 Herren in angetrunkenem Zustande am Kriegerdenkmal einen solchen Lärm, daß wohl kein Bewohner des Marktplatzes die Augen schließen konnte.
Einer für Viele.
Verantwortlich für Politik: I. V.: Dr. Reinhold Zenz.
Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.
Datum
Wetter
8800 M?. für Unterstützungen zur Verfügung. Wenn die Hilfskaffe bei der herrschenden Teuerung auch nur in ganz wenigen Fällen größter Hilfs- bcdürftigkeit einen Ausgleich schaffen tonn, so bleibt sie immer ein schätzenswerter Akt eigner Selbsthilfe des Lehrer Vereins.
nrr. Frankfurt a. M., 28. Juli. Der >,Vühnenvw!ksb und" trat mit eurer glän- zenden Freilichtaufführung im v. Stumpf- Krcntanoschen Park in Röhelheim zum ersten Male an die Oeffentlichkeit. Bon Mitgliedern der Frankfurter Bühnen wurde das nach Grimmschen Märchen bearbeitete mittelalterlickxe Spiel „Bruder Lustig" und das ergreifende „Totentanzspiel" ebenfalls in der Bearbeitung Fischer-Settings bar* gestellt. Tie nach Tausenden zählenden Zuschauer lauschten ergriffen den Vorgängen auf der Naturbühne und spendeten lebhaften Beifall. Uebriaens hat der Bühnenvvlksbund die Frankfurter Dhe- eter zu einer Reihe von Darstellungen in seinem Sinne verpflichtet.
Gkefzener Stadttheater.
Tanzabend Adrienne-Ursula Hacker.
Gießen, 29. Juli.
Man muß den Begriff Tanzkunst Hochbalten, wenn man bei dem Massenansturm der Jüngerinnen Terpsichorcns auf die Bühnen nicht bald in eitel Kitsch ersticken will.
Adrienne - Ursüla Hacker kommt aus der bewährten Schule von Jagues Dalcvoz-e, die ihren Körper formal gut bunl/gebilbct hat. Er ist auch plastisch voller Möglichkeiten und außerordentlich gelenk und federnd. Man vermißt aber durchaus die innere Notwendigkeit des Tanzes und, was noch schwerer wiegt, die stärke Note einer Persönlichkeit. Anfängerhaste Befangenheit und noch mangelndes Gefühl für Ausnützung des Bühnenraumes' ist ihr dabei zugute gehalten. Am besten gelangen ihr die klassischen Tänze mit Ausnahme des Brahmsck)en „Intermezzos", das, wenn man es überhaupt tanzen will, einer wesentlich vertiefter en Mfassung bedarf, und die plastischen Studien. Interessant war hier die Studie ohne Musik mit rhythmischer Begleitung von Gongschlägen. In dieser Art der körperlichen Plastik liegt vielleicht die Zukunft der selbständig gewordenen Tanz-
Man versprach sich nach dem, Eindruck der Tänzerin mehr von dem heiteren Teil, wurde aber hier völlig enttäuscht. „Schattenspiels und „An der schönen blauen Donau" mögen noch dahin gehen, wenn auch hier viel unnöttges Gehoppse Tanz vortäusck>en sollte. Mißgriffe so geschmackloser Art wie „Großmütterchen" und der bekannte Militärmarsch von Schubert können mcht beschönigt werden.
Als Einlage wurde von den Kräften unserer Sühne wie früher bei ähnlichen Gelegenheiten das französische Lustspiel „Eine Partie Piqnet" rieben, und zwar vortrefflich gegeben. Adolf eteky und Karl Vvlck waren prächtig herausgearbeitete Typen. Helme Kall mar und Hans Heinz H e r e s trugen ebenfalls mit zu dem Eindruck glücklichen Zusammenspiels bei. Die Spiel- teihntg hatte Adolf Teleky.
^hochschttlnachrLchten.
--Hrankfurt a. M., 29. Juli. Für das im iDtoöer beginnende akademische Jahr wurden zu Dekanen gewählt: von der rechtswiffen- schastlichen Fakultät Prof. H. Planitz (Deutsche Rechtsgeschichte und deutsches Privatrecht), von der medizinischen Prof. M. Walt Hard (Gynäkologie), von der philosophischen Prof. G. K ü n tz e l (mittlere und neuere Geschichte), von der naturwissenschaftlichen Geheimrat Wachsmuth (Physik), von der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät Prof. Zizek (Statistik). — Dr. Emil Reiß-Frankfurt hat sich als Privatdozent jur innere Medizin an der Universität niedergelassen. Seine Antrittsvorlesung behandelt das Thema: „Ueber Produktivität"
29. 7.
29. 7.
30. 7.
nm. 20.1
abds. 14.4
vm. 12.2
8.1 46
9.5 78
9.1 86
7
1
1
meist heiter trocken
nachts klar
Höchste Temperatur am 29. 7.--20.5°, 30.7. = 13.9°.
Niedrigste „ „ 29.7.= 7.0°, 30.7.= 8.0°.
Wettervoraussage
für Donnerstag:
Ziemlich heiter und trocken, Temperatur w?- nig geändert, nördliche Würde.
Letzte NKcDrichten.
Die Auslieferung des Kaisers.
Bern, 29. Juli. (Wolff.) Ter „Repnblieain de Lyon" meldet aus Paris, die Unterhandlungm mit Holland über die Auslieferung des Kaisers hätten begonnen. Man beabsichtige, das Verfahren gegen den Kaiser nicht in London, sondern fin einem schwer zugänglichen Orte stattfinden zu lassen. Man spricht von S c a p a F l 0 w. Das angebliche Friedensangebot in französischem Lichte.
Versailles, 29. Juli. (W. B.) Die gesamte Pariser Morgenpreffe veröffentlicht die Erklärungen Ribots im ,,Temps" über die Enthüllungen Erzbergers. Eurem Vertreter des „Ercel- siors" sagte R i b 01, Erzberger sei zü den Enthüllungen nur aus innerpolitischen Gründen getrieben worden. Er bediene sich aller Waffen, die ihm in die Hände fallen, um die Alldeutschen, die immer noch sehr einflußreich seien, zu bekämpfen. Indem er gegen die militaristische Partei vorgehe, .habe er außerdem noch den Vorteil, eine gewisse Meinungsverschiedenheit zwischen der englischen und französischen Diplomatie herausbilden
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zu können. Ein Unglück für Erzberger unh ein Glück für Frankreich sei, daß die deutichen Mittel so plump erschienen, daß man mit Lelchtigkeit ihre Absichten erkennen könne. England werde ohne vsel Mühe seine vollkommene diplo- mattsck?e Korrektheit beweisen können; nicht einen Augenblick sei Frmrkreich in die Falle gegangen, die ihm gestellt worden sei. Frankretch habe nicht daran denken können, den verantwortlichen Urhebern des ungerechtmt und wilden Krieges Vorschläge zu Unterhandlungen zu machen, solange nicht von seinem legitimen Anrecht auf Elsaß-Lothringen gesprochen worden sei.
Pichons „Petit Journal" sagt, die Deutschen seien im Begriff, ihre schmutzige Wäsche u wasckien. Ter Streit sei entstanden, weil die Alldeutschen Erzberger unter allen Umständen stürzen wollten. Das Blatt gibt folgende Einzelheiten der Unterredung, die zwischen dem Kardinal- Staatssekretär Gasparri und dem englischen Gesandten beim Vatikan, Graf Salis, stattgefunden hat. Ter Kardinal habe herausgefühlt, bafj die mündliche Erklärung des englischen Gesandten b;r päpstlichen Friedensnote nur einen geringen Erfolg sichere, er habe deshalb den englischen Tipbo- inaten ersucht, der sein Aide-Memoire in der Hand gehabt hätte, ihm dieses Dokument zu überlassen, damit er seinen Inhalt genau wiedergeben könne. Salis habe darauf von dem Schreibtisch des Kardinals eine Schere genommen und den Kopf des Briefes von Balfour an den Gesandten weg- geschnitten, damit das Dokument jeden diplomatischen Wert verliere. Gasparri habe alsdann das Aide-Memoire dem Nuntius Pacelli mitgeteilt. Es handelte sich also, sagt das „Petit Journal", 'roeiter um eine Anzahl Mißverständnisse, die vielleicht für die diplomatische Geschichte des Krieges interessant seien, aber Deutschland nicht berechtigen, von einem Friedensangebot zu sprechen. Würde es das aber doch tun, bann handele es in schlechtem Glauben. Frankreich habe sich lediglich formell der englis^n Demarche angeschlossen, aber nickst ohne Zaudern und Skrupel.
Ein Wiederaufleben der Nestitutions- kqminern?
Bern, 29. Juli. (WTB.) Der Sonderberichterstatter des „Temps" meldet ctus Straßburg, es sei unbedingt notwendig, daß die badische Enklave aufelsäßischem Gebiet zu Elsaß--Lothringen gezogen werden, da der Weiterbestand dieser Enklave zu internationalen Schwierigketten führen könnte. Es wird beabsichtigt, daß eine deutsch-französische Kommission diese Frage prüfen soll.
Abberuftlng des Generals Gerard?
Ludwigshafen, 29. Juli. Nach zuverlässiger Mitteilung werden in der Pfalz, welche dem Oberkommando des Generals Mangin in Mainz unterstellt wird, ztwei Divisionsstäbe der 10.,Besatzungsarmee gebttdet. Der eine erhält als Sitz Landau, wohin der andere kommt, ist noch unbestimmt. Der zunächst vorgesehene Badeort Türkheim wurde wegen Unmöglichkeit der Unterbringung des Stabes wieder fallen gelassen.
Abdankung König Peters von Serbien?
Bern, 29. Juli. (WTB.) „Pettt Parisien" erfährt aus zuverlässiger Quelle, daß König Peter von Serbien feine Abdankung eingereicht habe und sich in ein Kloster zurückziehen wolle.
Uebergabe der ukrainischen Armee.
Krakau, 29. Juli. (Wolfs.) „Gorniea Krakowski" erfährt aus Warschau, daß dort in Begleitung polnischer Stabsoffiziere eine Delegation der Reste der ukrainischen Armee am Zbrucz ein traf, um die Bedingungen für die Uebergabe und die Ausfolgung der Waffen zu vereinbaren.
Ungarn.
Wien, 29. Juli. (Wolff.) Infolge der Niederlage der Roten Armee ist die SteUung der ungarischen Räteregierung sehr erschüttert. Heute erschien ein ungarischer Volkskommis
sar bei den Wiener Enteittevertretung'cn und machte den Vorschlag man möge Verband lungen einleiten, die den friedlichen Rückzug bet Räteregierung und die Gnsetzung eines neuen Regimes in Ungarn zum Zwecke hätten. Dieser Vorschlag wurde von Oberst Cuningham nack Paris weitergeleitet.
Polnische Grausamkeit.
Wien, 28. Juli. (WTB0 Von ukraimscher Seite wird mitgcteilt: Nach der protokollarische-l Aussage des am 19. 7. durch schwere Brandnzin den entstellt-en ukrainischen Soldaten Jlvau $)la- dysch aus Lubytschä (Bezirk Zowka in LstZalizim wurde er mit neun anderen ukrainisckien Soldaten in Ostroiv bei Tarrwpol von den Polen festgenom men, nach vollständiger Beraubung durch po!nisck>e Soldaten mit Benzin begossen, sodann mit einem Feuerzeug angezündet mit den Worten: „Vorwärts, Schweine, in die Ukraine!" und von Flammen um hüllt auf dem Felde gelassen. Zwei von den Un glücklichen kamen durch die Flammen ums Leben, den anderen acht ist es gelungen, mit schwerer Brandwunden ihr Leben zu retten.
Meutereien in Rußland.
Amsterdam, 29. Juli. (Wolff.) „Daiio Chronicle" meldet über Meutereien in Ruß land. Es sei eine Meuterei an der Front oon Archangelsk unter den britisck)en Truppen ausgebrochen, die zum Bolschewismus bekehrt waren, während in Onega vorher anti bolschewistische Truppen, die an der Seite der Alliierten kämpften, sich gegen ihre Anführer erhoben. Es scheint, daß ungefähr 2000 Mann vorn Nolsckfewismus angesteckt wurden. Sie haben das Lager mit Maschinegewehven beschossen. Bier britische und drei russische Offiziere sind den Meii terern zum Opfer gefallen.
Der englische Bergaibeiterstreik.
London, 28. Juli. (WTB.) Reuter. Unterhaus. Bvnar Law erklärte, daß die Bergacbetter von Aorkshire die Arbeit bisher noch nicht wieder aufgenommen hätten und daß fünf Bergiverke in wenigen Tagen ersaufen werden, wenn nichtt dagegen unternommen würde Alle Bergarbeiter in Derbyshire, Lanoashire, Cheshire und 9lotting- hamshire haben die Arbeit wieder ausgenommen. In einigen Schächten von fltottinghamshire wird noch gestreikt. Tie Lage auf den anderen Kohlen feldern ist normal mit geringen Ausnahmen in Staffordshire.
Liverpool, 29. Juli (WTB.) HavaS. Ter Streik ist beendet.
Aufhebung der Paßbeschränkung in Amerika.
Berlin, 29. Juli. Laut „Berl. Lok.-Anz." hat Lansing amtlich mitgeteilt, daß alle Paß beschränkungen nach dem 1. November aufgehoben ober verringert werden. Wahrscheinlich werden sogar Pässe für kurze Vergnügungssahrten aus gegeben werden.
Riesenbrände in Amerika.
Amsterdam, 29. Juli. (WTB.) Wir „Nieuwe .van den Tag" aus Neuyork meldet, wüten an den östlichen Ibhängen des Rocky- gebirges große Waldbrände. Ter Schaden ist im absehbar.
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