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Mittwoch, 30. Zull 1919

169. Jahrgang

Erstes Blatt

General-Anzeiger für Oberhesten

lür die Schritt! ritung 112

Zwillingsrnnüdruck u. Verlag: BrShl'fche Univ.-Such- u. Steinörudcrei R. Lange. Zchriftlettung, Seschastsstelle u.Drnckerei: Schulstr. 7.

Lin Vertrauensvotum für die I erfdjeütenbe Buch des Generals Subenborff toirb DoAtOfMttn I über bie Kriegführung der Obersten Heeresleitung

migeorbiieteu Sperr-

Regierung

rmann.

ermann.

Not-

Deutsche Nationalversammlung.

59.

ter,

Um

Vorgänge ganz genau aufzuklären.

am

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28.

Bi Inhalt des Briefes keineswegs unter» ichtet war.

Sitzung vmn Dienstag den 29. Juli 1919., Am Regierungstisch Bauer, Dr. David, Mül- Noske, Erzberger.

Pi äsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung 10,20 Uhr vormittags.

Tas Haus erledigt zunächst eine Anzahl Ar»

femrals Lrdendvrff mit dem Mrmsteöpväsidenten < cfMbmffm-: vom März 1919 vermiesen werden. |! 8. *öer Außenminister greift bie Kriegführung ^-r«r Obersten Heeresleitung an und nennt Lilden- MMen Verderber. Es ist nicht erficht- KU woher der Herr RrichMmister seine milbt

daß Imperialismus und Kapitalismus nur unter dem monarchischen System möglich sei. Ter Vor­sitzende teilt mit, daß morgen über bie derttsche Erklärung gesprochen werde. Für die Mitglieder des internationalen Gewerkschaftskongresses fand

Äerlag, v>»schästtz stell e51 Anschrilt jürDrahtnach- richten: Anzeiger «ehern postschelttonto:

Sranffnrt a. M. 11686

des Attners Rudolf bestand des Gartners den die ungeordneten

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em in der gestrigen Sitzung der Narionalver- i !>mrllllmg erläßt General Ludendorff folgende Er-

Nachmittag im Rathaus ein Empfang statt.

Sus dem besetzten Gebiet.

Jnterzonische Konferenz.

liche Vermittlungsstelle Darmstadt. Ueber alle einschlägigen Fragen wurde volles Einver- ständnis erzielt und eine Grundlage füi Wünsche geschaffen, mit denen sowohl an die deutschen Behörden, wie an die französischen Armee-Oberkommaudos heranzutreten ist.

Wie Frankreich diepfälzische Republik" unterstützt.

mr. Ludwigshafen, 29. Juli. Das französische Polizeigericht in Ludwigs^ Hafen verurteilte die beiden Beamten der badischen! Anilin- und Sodafabrik Rüs und Beller wegen ihrer Tätigkeit gegen die Bildung einer pfälzischen Republik zu je 6 Monaten Gefängnis.

Zwangskurs der Reichsmark.

mr. Worms, 29. Juli. Der Befehlshaber der rheinhessischen Besatzungstruppen verfügte, daß der Z w a n g s k u r s der Reichsmark bestehen bleibt. Der gegenwärtige Kursstand beläuft sich auf 40 Centimes.

Frankfurt, 29. Juli. (Wolff.) Am d. M. sand in Heidelberg einernter- zouische Konferenz" aller an dem Ver­kehr mit dem von Franzosen besetzten Gebiet interessierten Behörden der neu­tralen Zone statt. Vertreten waren das badische Ministerium des Aeußern, das hessische Staatsministerium, das Zivilkom­missariat IV, die Abschnittskommandos 3, 4

des Mattheis J Otto Seipp jn a'vby in INphe. renbeten Scheinen ln lind von uns an-

* «Wette?*- ** ZW

Denkschrift nochmals niedergelegt worden. Die Ent­scheidung Sr. Majestät hat der ehemalige Reichs- kanzler Tr. Michaelis m seiner Erklärung vvm 27. Juli veröffentlicht. Diese Entscheidung ist auch für die Oberste Heeresleitung bindend gewesen, nachdem sie ihrer Pflicht, die militärische ~*

Wendigkeit klarzulegen, entsprochen hatte.

Französische Presscftimmen zu ErzbergerS Enthüllungen.

Bern, 29. Juli. (WTB.) Zu den Enthüllun­gen Erzbergers liegen bis zur Stunde über­raschend wenig Kommentare besonders der führen­den Pariser Blätter vor.Journal des De- bats" sucht zu beweisen, daß der Vertreter des Vatikans übereilig und weit über seine Machtbefug­nisse hinaus gehandelt habe. Erzberger habe natür­lich mit seiner Kritik am deutschen Genevalstab Recht, aber er sei nicht der richtige Mann, dagegen zu protestieren, nachdem er seinerseits die Nationalistische Begehrlichkeit geteilt und unter­stützt habe.Figaro" beschuldigt Erzberger, die Tatsachen zu entstellen. Im August 1917 hätte bie neue Regierung weder militärisch noch politisch Grund zum Rücktritt gehabt. Es fe' eine Verfälschung der Tatsachen, wenn man sein Angaben als ein Zeichen dec Entmutigung de Alliierten und als einen Versuch auf Unterhand

Annahme von Anzeigen f. bie Lagesnummer vis zum Nachmittag vorher ohnejedePerbindltchkeit Preis für 1 mm höhe für Anzeigen ü.34nun Ureite örtlich 15 Pf., auswärts 18 Pf., für Reklame- an»eigen von 70 mm Brette 48 Pf. Bei Platz- vorfchrifi20°/Mufschlag. Hauptschrittleiler: Aug, Goetz. Verantwortlich für Politik: Aua. Goetz, für den übrigen Teil: Dr, Reinhold Zenz; für beit Anzeigenteil: H. Bech sämtlich in Gießen

Eine Erklärung Ludendorffs.

Berlin, 29. Juli. (Priv.-Teltt Zu den Er- IbrLngen der Minister Bauer, Müller und Got-

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Wz Gietzener AMger

iiic die Schriftleitung 112 Ä8 W 9 zflA. 9f

lungen hinflelle. Hervo in decVictoire' findet, dast das Kabinett Painlevs damals vo Frieden hätte sprechen müssen. Bemerkenswert ju die Ausführungen Erzbergers, ber das geständnis machte, daß der militärische Zusammen brach die Revolution in Deutschland verursa habe und nicht umgekehrt.HnmanitS" äußert sich, daß im gleichen Augenblick Untet Handlungen Briands mit Lancken stattgefund haben. Wir dürfen uns fragen, ob ihr Scheitern Einfluß aus die damaligen Vorgänge in Deuts land gemacht hat. Wir sind außerdem brr LM sicht, daß gleichzeitig mit der Untersuchung in Deutschland eine entsprechende Untersuchung der gleichen Angelegenheit in den Ententestaaten statt- ftnben müßte. TieHumanitö" sieht in den Enthüllungen Erzbergers den Beweis, daß die französische Regierung im Einvernehmen mit Eng­land zu Friedensverhandlungen bereit war. Paris Midi" bringt darauf, bie damaligen

Auskunft geben. 4. Im Kronrat vom 11. Sep­tember 1917 haben der Generalfeldmarschall und General Ludendorff pflichtgemäß ihre militärische Ansicht über das vertreten, was sie zum S<l)utz des deutschen Wirtschaftslebens an der Westgrenzc für erstwderlich hielten. Dieses ist von General Ludendorff in der im Auszug veröffentlichten

A m st e r b a m, 29. Juli. (WTB.). LautAl- gemeen Handels blad" meldet dieTimes" aus Newvork, daß bie Schantungfrage wieder einen Schritt writergekommen ist. Amtlich ist mitgeteitt worben, daß Wilson Japan ersuchte, die Ab- kowmen und Noten, die in dieser Frage auf der Friedenskonferenz getroffen bzw. ausgetauscht tomX den, zu veröffenttichen, und daß er zu erkennen gegeben habe, daß er sie selbst veröffentlick)en werde, falls Japan fid> weigern sollte, dies zu tun. Ter Präsident verlange übrigens nichts anderes als Idas, was Japan versprochen habe, als bie Rege­lung der Schantungsrage in Paris zustande kam.

ErzbergerS Spürsinn.

Berlin, 29. Juli. (Wolff.) Vom apostv- ischen Nuntius Erzbischof Paccelli geht uns Norschack folgende Mitteilung zu: Jn den äklärungen des ehemaligen Reichskanzlers Mi- iaelis in derTägl. Rundschau" liest man, ch schon beim Empfang des Schrei- <ns des Nuntius sich heraus stellte, daß Erz- rrger von dem Briefe wußte. Der Nun- ilis muß erklären, daß Erzberger von ihm über

Dampferverbindung Hamburg-Amerika.

Hamburg, 28. Juli. (WTB.) Die Neu- York Kerr-Linie richtete eine regelmäßige Dampfer- Verbindung zwischen Hamburg und den nord ameri­kanischen Häfen ein. Die Hamburg-Amerika-Linie teilt mit. daß sie bereit ist, Anfragen wegen Frachten, Abfahrt usw. zu beantworten.

Nach verschiedenen Presseäußerungen von heute vormittag beabsichtigen die Mitglieder des Frre- densausschusses zu beantragen, den Friedcnsver- trag erst zu ratifizieren, nachdem der amerikanische Senat sein Votum abgegeben hat. Das würde ein H.ina usschieben bis Oktober bedeuten. Einzelne Blätter glauben, daß der Antrag deshalb erfolge, weil man den Termin für die Neuwahlen zur Kammer hinausschieben wolle. Dagegen wendet sich ,,Echo be Paris" mrd erklärt, das Wahlintercsse dürfe nicht den nationalen Interessen übergeordnet kein. Daß die Frage übrigens von einiger Bedeu­tung ist, geht aus einem Leitarttkel von Saint Brice intJournal" hervor. Er setzt auseinander, daß der Präsident der Bereinigten Staaten hin­sichtlich der auswärtigen Politik eine weit größere Machtvollkommenheit besitze als die Herrscher an-, v.

derer Staaten, denm System ein parlamentarisches I und der Bruckenkopfoffizrer Mainz, bie mnb nicht wio in Amerika, ein rrpräsenlatipes sei. Prpvinzialdrrekrion .Starkenburg und diL MNt-

Hindenbnrg.

A m st e r d a m, 29. Juli. (WTB.)Neuyork Sun" veröffentlicht eine Unterredung ihres Korre­spondenten Wiegand mit dem Generalseldmarschall von Hindenburg. Hindenburg sagte, die Erfüllung der Forderung der Alliierten nach gerichtlicher Ver­folgung des Kaisers, der deutschen Heerführer und anderer Offfziere vor alliierten Gerichtshöfen würde nicht nur eine Verletzung der Souveränität und der fundamentalen Grundsätze des Völker­rechts sein, sondern auch den alten römischen Grundsatz wiederherstellen, wonach die Vertridi- igung des Landes für diejenigen, die im Kriege besiegt würden, ein Verbrechen wäre. Hindenburg erklärte, er sei überzeugt, daß Deutschland wieder in die Höhe komme, baut bas deutsche Volk, das zwischen einem romanischen Volle auf der einen Seite und den Slaven andererseits liege, habe in der Welt eine Mission zu erfüllen.

vom internationalen Sewerkjchastr- kongretz.

Amsterdam, 28. Juli. (WTB.) Nach der Begrüßungsrede von Oudegeest auf dem inter­nationalen Gewerkschaftskongreß erklärt Tobte (Amerika) in seiner Rede, der Vorredner habe nicht in gehöriger Weise zu der Frage der Verantwort­lichkeit für den Krieg Stellung genommen. Tie Schuld am Kriege liege bei dem deutschen und öster­reichischen monarchischen, militaristtschen und ka­pitalistischen System. Tie Eutenleregierungai hät­ten nur den abscheulichen Militarismus vernichtet. Oudegeest erQärte, heute sei nicht der Augen­blick, diese Frage zu besprechen. Tas werde morgen zur Beratung stehen. Legien (Deutschland) pro­testierte gegen die Behauptung, daß der Krieg durch den Imperialismus und Kapitalismus eines em- zigen Volkes verursacht worden fei. Ter Im­perialismus und Kapitalismus Amerikas waren ebenso schlimm, wenn nicht noch schlimmer, als der anderer Länder. T o b i e irre, wenn er denke.

vom 5rie-ensau;schutz der französischen Kammer.

Versailles, 29. Juli. lWTB.) Var dem Friedensatisschuß der Kammer erschien gestern der Minister des Aeußern Pichon, begleitet von Jules Cambon und dem konsultierenden Juristen des Ministeriums, Frornageot. Hinsichtlich der Frage der Ratifizierung des Friedensvertrages durch die deutschen Gliedstaaten erklärte Frornageot, daß er bie Ansicht vertrete, daß juri­stisch gegen die Ratifizierung durch bie Nat ionalversammlung allein nichts ein zu wen den sei. Die Rechte des Reiches seien, vollkommen und genügend anerkannt worden. Sei­nen Standpunkt teilte auch Professor Jeze von der Rechtsfakultät der Pariser Universität. Pickwn sagte, weder Amerika noch England hätten Ver­pflichtungen betreffend das linke Rheinufer über­nommen, noch sei dasselbe jemals Frankreichs ver­sprochen worden. Ueber diesen Punkt wird sich El^ menceau heute nad)mittag- vor dem Ausschuß äußern. Pichon sprach sich bann über die Stellung Deutschlands 3 um Völkerbund aus. Er erklärte, Dentschlanb könne zwar Mit einer Zwei­drittelmehrheit in den Völkerbund ausgenommen werden, der Völkerbund könne aber nur einstimmig erklären, baß es genügend moralische Garantten gebe, irmi ausgenommen zu werden.

Heber die internationale Arbeiter­organisation äußerte sich Handelsminister Oeliard. Nach seiner Ansicht trete Deutschland automatisch am 20. Oktober, dem Datum des Zu- sammenttitts des Kongresses von Washington, in diese Organisation ehr. Diese Aufnahme Deutsch­lands habe aber nichts mit der Aufnahme Deutsck>- lands in den Völkrbnnb zu tun. Würde man Deutschland vom Bund des internationalen Ar­beiterrechts ausschiießen, dann könne es sich den Lasten, die den anderen Ländern auferlegt würden, entziehen. Schließlich' berichtete Pate über die mili­tärischen Bedingungen und verlangte schärfste Kon­trolle durch den Völkerbund.

1. Ter Beschluß zum U-Bvotkrieg wurde lich« am 18. Januar, sondern am 9. Januar 1917, luv»«-ar v-, Mar xxv Anwesenheit des Reichskanzlers und i Mfen Zustimmung gefaßt. 2. Die vom Reichs- Iu nn f'1111 C toialter des Auswärtigen gegebene Darstellung

i/flt Aar Qilrf' bcn Waffenstill st and enthält nichts '|Ö £ - kann nur auf den^Schristtvechsel des

fragen.

Abg. O ert el (D. B.-P.) verlangt Auskunft über die Maßnahmen der Reichsregierung, tiamit die ausgewiesenen Elsaß-Lothriiiger wieder in beuj Besitz ihres Eigentums gelangen und für etwaige Verluste entschädigt werden.

Geheimrat Freiherr von Welser: Ein Gesetz darüber ist in Vorbereitung.

Abg. Tr. Mittelmann (D. V.-P.) fuhrt in einer Anfra^ Klage darüber, daß die soziale polittschen Vevordnungen des Temvbilmachungs^ amtes und des ReichsarbeitsMinisteriums zu Gun­sten her Angestellten und Arbeiter in den besetzten Gebieten außer Kraft gesetzt wurden und daß bie amerikanischen Militärbehörden selbst neuerdings! in OberüHefien Vorbereitungen treffen, um bie sozialpolitischen Schutzbestimmungen, außer Kraft zu setzen. e

Geheimrat von Welser teilt mit, daß bm> über Verhandlungen schweben.

Abg. Tr. Becker (D. B.-P.) regt in ein« kleinen Anfrage an, den Personcii, bie in den ab-, zuttetenden Gebieten ihre Scholle verlassen müssen- in erster Linie Siedlungsland zuzmveisen.

Regierungsvertreter Dr. Tibutzius sagt ba3 zu, glaubt aber, daß sich dann mancher verleiten lasse, seinen Besitz in den verlorenen Gebieten auf­zugeben.

Zu einer Anfrage des Abg. Tr. Mittelmann (D. V.-P.) über das aufreizende Verhalten franzö-i sisckier Soldaten in Berlin, bie u. a. laut gerufen; haben sollen: ,.Wir sind die Sieger! Ihr seid Schweine!" erklärt Geheimrat von Welser im Austtage der Regierung, daß die umfangreiches Erhebungen nock> nid# abgeschlossen seien. (Zuruf rechts: .Unerhört.)

Tarauf wird die politische Aussprache über bie Erklärung der ReickZsregierung in Verbindung mit den Interpellattonen über die Planwirtschaft, bent Landarbeiterstrriks und dem Gesetzenttvurf über die Errichtung eines StaatsgerickFshvfes fortgesetzt.^

Abg. Henke (Unabh.): Erzberger hat nur einen Zipfel gelüftet, der Mantel muß ganz her­unter. Die Mehrheitssozialisten denken nicht dar­an, daß in Oesterreich die Limte an das Pulver­faß gelegt wurde und daß deshalb der Kampf des internationalen Proletariats ebenso gegen die Erz? Verger wie gegen die Graefe geboten ist. Sie ver­gessen auch, daß der Krieg das Fundament der Polittk war und daß bie imperiattstrsche .Politik überall Eroberungskriege entzüiidet Nur wir Unabhängigen waren stets für die vollkom­mene Freiheit Belgiens. Deshalb sind alle anderen Parteien mitschuldig an den Taten der Hrnden- (burg und Ludendorff. Redner fragt, wer die Auf­wendungskosten bezahlt habe, die von der deutschen Regierung für die baltische Landeswehr, also für eine landfremde Truppe, gemacht hrorbat sind und fährt dann fort: Wenn bie Regierung behauptet, wir seien daran schuld, daß auf dem Gebiete der Sozialisierung noch nicht mehr habe geschehen kön- nen, so erwidere ich, daß wir uns allerdings dem. Versuche widersetzten, durch Scheinreform die Ar- beitcrfdHift zu beschwindeln. (Sehr richtig bei den Unabh.) Die Belagernngs- und Schutzhastscbande schreit zum. Himmel. In Essen sind die SchUtzlstift- linge seit sechs Tagen in den Hnngerstteik getreten, sie sind schon <nn Verhungern und deshalb hat die Essener Arbeiterschaft beschlossen, in ben General­streik einzutreten, wenn sie nicht binnen 24 Stun­den befreit werdan. Aber ich fürchte, Herr Noske wird nichts dazu tun können, da er sich in den Hän­den der Ofsizieve besindet. Tie Einwohnerwehrm, die nichts weiter sind als bewaffnete bürgerliche Konterrevolutionäre, dürfen machen, was sie wollen. .

VizeprUident Dietrich ruft den Abg. Henke wegen des Vorwurfs der Gemeinheit gegen den Reichswehrminister zur Ordnung.

Abg. Rießer (D. Vp ): Vor dem 2lußcn- miirifter habe ich wegen seines Wissens und seiner Sachlichkeit Achtumg. Er ist ein Mann von Loya­lität und das wird ihn in seinem Ansehen auch dem Auslande gegenüber nützen. Wenn die Sozial­demokraten den Staatsgerichtshof mit in die De­batte gezogen haben, so ist das nicht nur aus dem Streben nach Wahrheit zu erttären, sondern auch aus der Absicht, einen Rachejeldzug gegen be»

Die recht unerquickliche politische Aus­sprache, die die letzten Tagungen der Natio­nalversammlung ausfüllte, hat mit einem Lertrauensvotum für die Regierung ihr Ende gefunden. Das von den Deutsch-Nationalen beantragte Mißtrauensvotum wurde mit 243 gegen 53 Stimmen abgelehnt. Somit ist der Sieg Erzbergers in der Nationalversammlung dick unterstrichen. Es konnte auch nicht anders iän, da der Vertrauensantrag Löbe-Grö- ber Zentrum und Sozialdenwkratie hinter sich hatte. Damit aber das parteipolitisch ver­hetzende Vorgehen Herrn Erzbergers in seiner Wirkung auf die breite Masse nicht aufhört, irurbe jetzt in den Zeiten der Papierknappi- heit beschlossen, daß die Reden dieses eigenarti­gen Ministers auf Kosten des Reiches in Mil­lionen von Exemplaren verbreitet und zum Schmuck des deutschen Landes an allen 1 Mauern angeschlagen werden sollen. Die Poli­tik wird in die Straße hineingetragen. Auf diese Weise wird sich aber jeder, der die Rv- den noch nicht gelesen haben sollte, ein Bild . von dem moralischen Hochstand und der Ob- jdtioität machen können, deren sich ein Rcgierungsvertreter zu befleißigen hat.

Der einseitigen Beeinflussung wird ein ebenfalls genehmigter Antrag entgegenwir- len, wonach auch das Schreiben des päpst- lidjen Nuntius nebst Anlagen und die darauf erfolgte Antwort des Reichskanzlers Micha­elis in ungekürzter Form der Veröffentlichuyg beizufügen ist, ferner die Veröffentlichung aller Protokolle dec geheimen Sitzungen des Reichstagsausschusses und der Siebenerkom- mssiön, sowie die stenographischen Berichte der Nationalversammlung.

Der Fall Erzbecger ist immer noch nicht klar gestellt, trotz seines augenblicklichen Sie­ges in der Nationalversammlung. Bezeich- nenb ist, daß der Mann, der die Regierung Michaelis heute für die Ablehnung eines zwei­felhaften Friedensangebotes durch England verantwortlich macht, in der Reichstagssitzung vom 28. September 1917 das Vorgehen dieser Negierung damals mit folgenden Sätzen ver­teidigte:

,Lch würde es für falsch halten, wenn flirren eine weitere Erklärung der Regierung zur lffiedenssiage ein Schatten in das völlig klare Bild hineingebracht tpürde. Die Stellungnahme her Regierung ist vo llkommen klar und aanz einig mit der Mehrheit des Reichstages. Die erfterckiche Erklärung des Zlaatssekretärs zeigt deutlich, daß die Regierung) ine andere Politik als die des Reichstages nicht oben will. Eine Rückwärtsredigierung (int Sinne er Unabh.) würde die Unglaubwürdigkeit und Un- Mnläsfigteit der Reichsleitung in einer Weise artun, daß ein ferneres Verhandelnmit hr unmöglich Wäre. Tie Antwortnote, der iän zum Vorwurf gemacht hatte, daß in ihr vvn Iclg ien nicht die Rriw war, enthält alles. Wer sie nicht versteht, dem fehlt das Abc tr Politik. Nach dieser Klarslellung stellen lir uns gern hinter die Regierung nib überlassen ihr die Führung in den Einzel­nen!"

Das sagte Erzberger damals, obwohl er ls einziger Abgeordneter Kenntnis von dem ngeblichen Friedensangebot der englischen legterung hatte, und in den gleichen Tagen tit dem Nuntius Pacelli seine Ablehnung be­log te.

Herr Erzbsrger wartet eben nur dann $it seinen Enthüllungen auf, wenn er sie zu men persönlichen Zwecken zurechtfrisieren mn. Und damit ist er gekennzeichnet.

Wilson in Gemeinschaft mit dem amerikanischen Senat leite die auswärtige Politik Amerikas. Da sich nunmehr aber gewisse Widersprüche ergeben] haben, läßt Brice feinen Zweifel, daß nach seiner Ansicht die europäischen Staatsmänner der Frie­denskonferenz vielleicht nicht genug Rücksicht auf die besondere Stellung Amerikas genommen haben. Jetzt ergebe sich die Notwendigkeit, alles, was sich jenseits des Ozeans ereigne, mit gespannter Auf­merksamkeit zu verfolgen, beim die Unterschriften der europäischen Mächte könnten leicht durch den amerikanischen Senat wertlos gemacht werden. Brice gebraucht den Ausdruckdschirer".

Ein ZentralauSschuß zur Ausführung des Friedcnsvertrages.

Versailles, 29. Juli. (WTB.) Der Oberste Rat der Alliierten beschloß nach dem Marin" gestern, einen Zentralausschuß einzusetzen, der die verschiedenen Arbeiten der Kommissionen, die sich mit der Ausführung des Fliedensvertrages durch Deutschland bes^chäftigen, zenttalisiert.

Amerika und der Friedensvertrag.

Amsterdam, 29. Juli. (Wolff.)

Dorf Tribüne" schreibt, es sei so gut wie gar kein Widerspruch gegen die Friedens­bedingungen mit Teutschland vorhan­den. Tie Gegnerschaft gelte dem Schantungabkom- men. Was auch mit dem Völkerbundsvertrage ge­schehen würde, der Friedensvertrag mit Deutsch­land werde dadurch kaum in Mitleidenschaft ge­zogen. ;

Die Schantungsrage.