Ausgabe 
29.8.1919
 
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Mit Gießen wird nachgelassen, nur bei trocke-

münde zu beschließen. Mit warmherzigen Worten, titäten zum Kauf crnznbieten, als Sackleihgebühr des Gedenkens für unsere fern dec Heimat für das! in seine Hände zu spielen. Es sei hiermit vor

Fortsetzung 45.

Nachdruck verboten.)

Aus dem besetzten Gebiet,

--- Wiesbaden, 28. Aug. Das Pal ast- Hotel am Kochbrunnen ging für sechs Millionen Mark in den Besitz einer französischen Ge­sellschaft über.

Aus SLadt und Land.

Gießen, den 29. Aug. 1919.

Arbeitsplan im Obst- und Gartenbau.

Monat September.

Ragna Gvendburg

Montan von Anny Wothe.

München überzufiedeln.

hl. Von der Bergstraße, 29. Aug. Die Getreideernte ist nun beendigt und man ist mit dem Ausfall sehr zufrieden, wenn auch dir Sommerfrucht manches zu wünschen übrig ließ. Ebenso haben wir eine gute Kartoffelernte zu erwarten. Der Tabak stehl sehr schön und verspricht einen vollen Ertrag. Die Weinberge sind reich behangen.

Kreis Wetzlar«

vollen Handel schmachvoll für uns beide ein­zugehen. Ich liebe einen anderen Mann und werde sein Bild immer in meiner Seele tragen, aber er wird mir niemals gehören, wie ich niemals die Ihre werden kann. Sie sehen, wir tragen gleiche? Leid."

Wortlos zog er Ragnas Hand an seine Lippen: So leben Sie., wohl und bewahren Sie mir Ihrs Freundschaft. Wollen Sie das?"

,^Jmmer," sagt- Ragna warm,innrer, Lo- tenzen."

Tann war er gegangen, ohne tfyre gebotene Gostfremckschaft in Anspruch genommen zu haben, und Ragna saß am Ferrster ihres Arbeitszimmers und blickte auf das Moer zu ihren Füßen, und es war alles so dunkel um ste her, obgleich die gol-, bene Wintersonne hell in das Zimmer lachte und draußen tausend Hunte Lichter auf den weißen Schnee warf. _

Tie Posttasche wurde gebracht. Mrt ungeiwölyr- licher Haft entnahm Ragna die eingegangenen! Briefe derselben. Ta war ein gärtner Stoß von Danksagungen schwärmerisch veranlagter Leser und Leserinnen, die der Autorin mehr ober minder schwülstige Schmeicheleien sagten, da war ein An- Mbot eines Verlegers für ein n?u zu schreibendes Werk. Korrekturen, und da Ragna stockte war das nickt Svens Hcuckschrist?

Mit zitternden Händen löste sie daS Kuvert. Zwei Bri'.fe fielen ihr entgegen. Ter eine war ein Brief von Sven an sie und der -werte hier stockt: Ragnas Herzschlag, ein Brief ihrer Schwester an Sven.

(Fortsetzung folgt!

ra. W e tzl ar, 29. Aug. Ter StaatsDmmissao für Wohnungswesen in Berlin hat der Geschäfts- stelle des hiesigen Spar- und Bauvereins telegraphisch die Nachricht zukommen lassen, daß das Reiche und der Staat für das Bauvorhaben der Genossenschaft einen Baukostenzuschuß von l1/, Millionen bewilligt hat. Es handelt sich um die Errichtung von insgesamt 126 Wohnungen an der Hermannsteiner Straße und Stoppelberger- hohl. Tie Genossenschaft gedenkt noch bis zum Herbste einen Teil der Wohnungen unter Dach zu bringen, damit die Bezugsmöglichkeit zum Früh-' jahc gegeben ist.

wa. Atzbach, 28. Aug. Einem Schwind­ler, der sich Gerhardt nannte, ist es dieser Ärge in Atzbach gelungen, sich 625 Mk. unter dem Vorwand, er fei von der Landwirtschastskammer in Kassel beauftragt, Thomasmehl in großenQuan- Kauf anzubieten, als Sackleihgebühr

Ragna hatte der Abschied Sigrids mit Angst und Unruhe erfüllt. Bald,aber kamen beruhigende Briefe der Schwester. Es schien, als ob Sigrid sich langsam in der milden, weichen Lust erholte, und als ob mit der wiürerkehrenden Gesundheit auch Sigrids Stimmung besser, versöhnlicher und steu- diger würde. Sven schrieb nicht. Nur Grüße scmdte er durch Sigrid und ab und zu Fragen muh dem Kinde, das sich überaus glücklich entnnckelte.

Ragna hatte sich mit ihrem kleinen Pflegesohn, wie sie Sven nannte, nun ja leidlich und behaglich eingekapselt. Ihre Zeit nahm die Pflege des Kru­des, in der sie die alte Chaja wirksam unterstützte, und ihre schriftstellerische Tätigkeit mehr als ge­nug in Anspruch, und doch« fühlte sie fortgesetzt immer wieder etwas wie eine geheime Beruhi­gung und Angst durch ihre Seele ziehen, ohne sich den Grund erklären zu können.

Cures Tages, es lag schon tiefer Schnee, war ihr auch plötzlich Arne Lorenzen gemeldet worden.

Ihre Frau Schwrster war so liebenswürdig," sagte er beim Eintreten,mich zu sich einzuladen, und obgleich ich weiß, daß ich sie nicht daheun finde, möchte ich doch nicht den Norden verlassen, ol'ne Sie begrüßt zu haben."

Ragna reichte Arne warm dre Hand.Sw find mir immer zu jeder Zeit willkommen, Herr Doktor," sagte sie,schauen Sie nur meinen kleinen Pflegling an, ist er nicht süß?", .

' Damit hob sie das Kind, das m seinem Moses-

korbe lächelnd ihr zur Seite ruhte, hoch empor und zeigte es ganz stolz Arne.

Ter sagte nichts, sondern sah sie nur nut einem langen Blick an, und Ragna errötete leicht unter diesen fragenden Augen.

Wie schade, daß ich Sie nun diesen Winter in Berlin nicht sehen werde," sagte Doktor Loven- zen nach einer Weile unbehaglichen Schweigens. Doktor Metzner, mit dem ich im eifrigen,Brief­wechsel stehe, sagte mir, daß Sie voraussichtlich den ganzen Winter hier bleiben wollen. Wie trost- l,)s für Sie, hier in dieser Einsamkeit."

Ragna lächelte.Es ist ja meine Heimat, bester Doktor, und dann daS Kind sehen Sic nur 'een kleinen Schelm, wie er Sie verschmitzt anlächelt, gleichsam als kennt er seine Macht, die er auf mich ausübt."

Ist es denn aber überhaupt notwendig, daß Sie hier Kinderwätterin spielen," fragte Arne Lorenzen mit leiser Ungeduld in der Stimme,und wirklich bis zum Frühjahr? Das ist ja Selbst- morb. Man sehnt sich in Berlin nach der Ver­fasserin desGlaubens", wie mir Metzner schrieb die gute Seele sorgt natürlich mit Feuereifer vafür, daß alle Zeitungen von Ihrem Buche voll sind man will Sie feiern, beioundem Sie geben viel auf, daß Sie hier bleiben."

Nein, liebster Doktor, wirklich gar nichts ich werde hier nichts vermissen."

Aber wenn Sie im Frühling wiederkehren," fragte Arne Lorenzen, mit höchster, qualvoller Angst in der Stimme, einen stnsteren Blick auf den kleinen Svendburg werfend, der mit seinem ungeschickten Kinderhändchen soeben in Ragnas

Aus Heften.

Die oberhcssische Bauernbewegung.

** Großen-Buseck, 29. Aug. Am letzten Sonntag sand im Saale des Gastwirts Brück eine -stark besuchte B auernversammlung statt. Nack einigen einleitenden Worten des Worsitzend'.n, Landwirt Reinhard Münch«, spracht Lwidwirt Karl S ch w a l b. Er- betonte, daß es endlich an der Zeit sei, daß sich die Bauern ebenso organisieren tote die anderen Stände, um Niederlagen, wie b'i den Wahlen zur Nationalversammlung und Bolls- lommer künftig zu vermeiden. Weiter warnte er die Bauern, sich von den Versprechungen der So­zialdemokratie einfangen zu lassen. Sie Hütten stets alle Forderungen der Landwirtschaft bekämpft. Jedem Zvllschutz auf landwirtschaftliche Erzeugnisse sei von ihr mit allen Mitteln cntgegengearbeitet worden. Auch die sozialdemokratische Presse habe meist auf unsachliche Weise gegen die Bauern ge» lxitzt. Zum Schlüsse wurde eine Ortsgruppe des Bauernbundes gegründet, der sofort 105 Mitglieder beitraten. Zum 1. Vorsitzenden wurde Landwirt Karl Schwalb, zum zweiten Vorsitzenden und Beisitzer die Landwirte Reinhard Münch, Wil­helm Schmidt und S. Harbach gewühlt.

-s-Alsfeld, 29. Aug. In den letzten Wochen wurden in zahlreichen Orten des Kreises Orts­gruppen des Hessischen Bauernbundes! gegründet, so in Elpenrod mit 46 Mitgliedern, un Sckadenbach mit 26 Mitgliedern, in N ie- der-Ohmen mit 50 Mitgliedern, in Bil­lertshausen mit 26 Mitgliedern, inBrauer- schwend mit 30 Mitgliedern, in Schwarz mit 55 Mitgliedern (Vorsitzender Georg Krug II), in Kirtor s mit 80 Mitgliedern (Vorsitzender Karl Lutz), in Nieder-Osleiden, in Appen­rod mit 34 Mitgliedern (Vorsitzender Heinrich Gaub), in Bernsfeld, in Bleidenrod und in Leusel. _

Groß-Eichen, 29. Aug. Hur wurde eine Ortsgruppe des Hessischen Bauern­bundes gegründet, der sofort 63 Mitglieder beitraten. Vorsitzender wurde der Landwirt Hein­rich Krebs. Eine gleiche Ortsgruppe wurde in Stumpertenrod mit 56 Mitgliedern ge­gründet. Vorsitzender toutbe Heinrich Steinl.

** Amtliche Personalnachrichten. Der Finanz aspirmtt Ernst S e y f f e r t zu Gießen wurde am 25. August zum Bureaugehrlfen und Airdrvas S ch r ö d e r aus Gießen zum Werkmeister an der LandeS-Heil- und Pflegeanstalt zu Gießen ernannt.

** Tas Fest der silbernen Hochzeit feiern heute dre Eheleute Johannes Lang und Frau Margarethe geb. Pfester, Neuen Bäue 5.

** Gefangenen Heimkehr. Wie uns aus dem Durchgangslager auf dem Lechfeld von einem heimkehrend-en Gießener mrtgeteut wird, treffen die aus serbischer Internierung zuriickteh- reitben .Mannschaften, der Armee Mackensen voraussickitlich Sonntag in Gießen ein. Eine zrem- tidic Anzahl der Heimkehrer sei in Gießens Um­gebung beheimatet.

** Käse-Verteilung. Ab SamStag ge­langt in den Kleinhandelsgeschüsten auf den Be­zugsabschnitt Nr. 3 Halbfettkäse zur Er­teilung. Auf jeden Bezugsablchnitt entfallen 50 Gr. zum Preise von 35 Pf. _

** Ein Mili tür-S t reich-Konzert der Kapelle des hiesigen Reichsw ehrregiments unter Seitimg des Obermusikmeisters Wilhelm Löber und der solistischen Mitwirkung des Tarmstädter Cornet ä Piston-Virtuosen Lours Kümmel saiid gestern abend auf der Liebigshöhe statt. Die Musik- solge war äußerst geschickt zutzmmengritellt. Tie Klänge klassischer Musikstücke, Volkslieder, Opern- uiii> Operettenschlager lösten sich in buntem Reigen ab und versetzten die beifallsfreudigen Zuhörer oft in Helle Begeisterung. Obermusikmeister Löb er verstand es, mit energischem Taktschlag seine feld­grauen Streicher und Bläser, die mit gewohnter Aufmerksamkeit folgten, mitzureißen. Vor allem wurden Webers Aufforderung zum Tanze, die Meditation von Bach und der Verdische Trmmph- marsch aus Aida ausgezeichnet zur Wiedergabe gebracht. So folgte in gut gespielten Musikstücken eine mundende Speise der anderen und als Würze des Abends hatte man sich aus Darmstadt Kümmel verschrieben. Tas Publikum war über das klang­schöne Trompetenblasen des bekannten Kammer­virtuosen entzückt, den wir noch oft hier zu be­grüßen hoffen.

** Auflösung der ViehhandelS- verbände? Es wird uns geschriebenü Die Stun­den ber Viehhandel Sverbände scheinen gezählt, denn immer mehr machen sich die Strö­mungen gegen ihre Tätigkeit geltend, und die Nachrichten, daß die durch Viehhandels verbände zur Ablieferung aufgerufenen Schlachttiere durch die Viehkommissionäre nicht angeliefett werden, mehren sich aus allen Gegenden des Landes immer mehr. In gleicher Weise erfolgen dagegen zahl­reich die Angebote von Schlachttieren im freien Handel. Ganz ungeniert werden von den Tier­haltern die schlachtreifen Tiere, manchmal in großer Zahl, an geboten, und aller Wahrscheinlich­keit nach von den Metzgern vielfach trotz des Verbotes von diesen Angeboten auch Gebrauch gemacht. Die viehzüchtenden Landwirte stehen durch die Einfuhr des dänischen Viehes zu entsprechend hohen greifen auf dem Standpunü, daß auch sie jn gleicher Weise für ihre oft ebenso wert­vollen Tiere bezahlt werden müßten, während sie jetzt durch die festgesetzten Höchstpreise kcmrn ein Drittel dessen erhalten, was für das auslärrdrsche Fleisch gezahlt wird. Die jetzigen Zustande sind nicht mehr lange haltbar, denn die.in letzter Zett zur Ablieferung gekommenen Schlachttiere futb meist sehr minderwertig und ihre Zahl so ge­ring, daß sie lange nicht mehr zur Belieferung der tFleischminimums für die Bevölkerung aus- reichen. Die Regierung wird gut tun, sich bald darüber klar zu werden und entsprechende Maß-

* Der Landeslehrerverein für Hef- sen hält nächsten Samstag und Sonntag rn Darm stadt seine dicsjäl-rige Hauptver- ammlung ab. Zugleich tagen der Deutsche Le hrerverein für Natur kunderm Kcnscr- äal und der Feuerversicherungsverband der Hess. Lehrer. Es herrschte feit einiger Zeit eine lebhafte Bewegung und Agitation besonders in den Kreisen dec hessisck-en Junglehrer, die eine anbereJBercin^ teitimg anstreben, da ihnen die lefcige anscheinend nicht weit genug links steht. Man i)t daher all­gemein auf den Ausgang der diesjährigen Haupt­versammlung sehr gespannt.

** Versammlung der inaktiven Unter ossizie re. Tie Ortsgruppe Gießen vom Verband inaktiver Unteroffiziere und Mann- .galten Deutschlands hielt gestern abend im Ge- verkscl-aftshaus eine Versammlung ab. Twele- Berlin sprach über Zweck und Ziele sowie die Ge­richte des Verbands. Beruf und Beschäftigung er den inaktiven Unteroffizieren durchs den Krieg »erLoren gegangen. Ter Verband sei gegen Radi- alisieren und auch bereit, Arbeiter nach Nordfrank­reich zu senden, aber als freie Menschen, als Ge- nossensckastler, als Selbstuuternelstner, dort fänden wir auf mindestens zehn Jahre Arbeit für 600 000 Mairn. Tann gäbe es viel Arbeit in den Kohlen- gebicten, in Rheinland und Westfalen filr 200 000, in Schlesien für 50000 Mann. Wir dürfen unser Vaterland, für das wir jahrelang gekämpft haben, nicht zugrunde gehen lassen. Im neuen Heer muß der.Kapitulantenunterricht zu einem allgemeinen Soldatenunterricht werden, bimfle Elemente dürfen keinen Platz darin haben, Politik darf nicht ge- trieben werden. Vor allem muß auch! daS National- bewußtsein im deutfckien Volke gestärkt werden. Für den Verband aktrver Unteroffiziere sprachen Ge ns Heimer und Queckbörner, letzterer trat für ein Zusammengehen beiden Verbünde ein; Saniläts-Sergsant Wackwitz betont die Ungleich­heit, ja Zurücksetzung des Sanitätspersonals in der Klinik gegenüber den Regimentssanitätern sowohl in Löhnung als auch in Teuerungszulagen, und bittet, Abhilfe anzustreben Jn den ausgelegten Listen trug sich eine größere Anzahl neuer Mitglie­der ein.

**Lübeck, das Haupt der Hansa". Ueb:r dieses Tsema sprach gestern abend Dr. Hans Speth manu, ein Sohn dieser Hansestadt, in der Neuen Aula vor einem leider sommerlich zusammengeschrumpften Auditorium. In seinen einleitenden Worten ging er auf die Bedeutung der Wasserkante, der Lunge des deutschen Vater­landes, ein und leitete dann zu dem eigentlichen Thema über. Lübeck, seit vier Jahren nach völliger Abschnürung Limburgs und Bremens dec größte Hafen des Reiches, sei während des Krieges schwer reich geworden. Tann unternahmen mir mit dem Vortragenden einen Rundgang durch die Stadt; ausgezeichnete Lichtbäder illustrierten feine Worte. Von dem sehr alten, aber trotz feiner etwas ein­gesunkenen Lage immer noch wuchtig erscheinenden Holstentor wurden wir zum Zentrum der Stadt, zum Marktplatz geleitet, besichtigten das ehrwür­dige Rathaus, ein alter gotischer Bau aus schwarz glasierten Ziegeln mit Giebeln und Türmchen und einem Reiraissancevorbau und alter hvllündisck)er Renaissancetreppe, wo feit Jahrhunderten, feit den ruhmreichen Tagen der Hanse, der im wahrsten Sinne des Wortes königliche Kaufmann herrschte. Von der Stätte deutschen Bürgersinnes und Bür-

gcrfleißes wendeten wir uns zu der nahegelegenen über 600 Jahre alten Marienkirck^e, eines der schönsten Tenkmäler niederdeutschen Backsternbaues mit ihren beiden mächtigen Türmen, Bon denen der eine, 126 Meter hoch, eine wunderbare Fern­sicht gestattet. Diese Kirche, eine Anlehnung an die nordsvanzösischen Kathedralen, sei im Ostsee- gebiet für Hunderte von Gotteshäusern Vorbild gewesen. Ter Vortragende, der es nicht bei ttocke- nen Erläuterungen der Bilder bewenden ließ, machte manck interessanten Ausflug geschichtlicher und kulturhistorischer Art, wie er seinen Hörern überhaupt das Leben und Fühlen der Hanseaten deutlich zu machen suchte. Er führte uns nun nach dem schon 1173 von Heinrich dem Löwen als 'Basilika erbauten, später emittierten Dom, um uns bann am entgegengesetzten Ende der Stadt die malerisch gelegene Burg vor Augen zu führen. Nach dem Besuche eines alten Patrizier­hauses machte uns Dr. Spechmann mit dem Herzen der Stadt, dem Hafen, befamrt. Wenn er auch infolge der Nachwirkungen der Blocbrde noch heute in unfreiwilligem Schlummer liege, so werde er hoffentlich recht bald aus seinem Tvnv- röschenschlaf erwachen. Nun verließen wir die eigentliche Stadt, um uns mtt der näheren Um­gebung vertraut zu machen. Der Vortragende führte uns traveabwärts, ließ manch schönes Land- schastsbild der von prachtvollen BuihpntoLlbern durchzogenen Seengegend vorüberziehen, machte uns mit alten niedersächsischen Bauerndörfern mtt ihren prächtigen Fachwerksbauten bekannt^ um seine Wanderung mit dem ehemaligen Fischer­dörfchen, jetzt weltbekanntem Badeorte Trave-

Tomaten über dem letzten Fruchtbüschel kappen. 1 Spargelbeete noch zweimal hacken. Die Obsternte ist in vollem Gange, täglich sind Früchte reif -um Pflücken. Trauben am Weinspalier durch Vorsetzen von Mistbeetsenstern zur besseren Reise bringen. Erdbeerbeete gründlich sauber macken, cutranken, mit kurzem Dünger belegen. Blumen­zwiebeln und ^Frühiahrsblumen auspflanzen. Blu- meuzwiebcln in Töp-se setzen und diese in die Erde cnigraben. Gcwöchshauspflanzen eintovfcn: Pelar­gonien, Begonien, Nelken usw. Obftbäume für Herbstpflmizung bestellen und alles für Herbst­pflanzung jyrberetten. Zur Kompostbereiluug neues Material sammeln, auf Haufen bringen, festpackeu und durchfeuchten. Wühlmäuse vergiften oder abschießen.

Kreis Schotten.

Up. Bvm Vogelsberg, 28. Aug. (Segen* über dem Vorjahr haben wir heuer ein sehr schlech­tes Pilzjähr. Champignons, die auf den frisch, gemähten Heuwiesen in großen Mengen wuchsen, sind jetzt kaum zu finden. Auch im Wald sind sie nur sehr spärlich zu finbnL

Kreis Friedberg.

dz. Friedberg, 29. Aug. Das Landes- Arbeits- und Mrtschaftsamt ermächttgte den Bür­germeister, eine lieberlaffung von Woh- rüumen an Personen, die von auswärts zu- ziehen, ohne Zustimmung des Mietseimgungs- amtes zu verbieten.und den Aufenthalt Don Per- fönen in Gastböfen, Wirtschaften und dergleichen auf eine gewisse Zeit zu beschrünten.

Starkenburg und Rheinhessen.

sw. D a r m ft a d t, 29. Aug. Die (SrönbungS* Ausstellung der neu entstandenen Darmstädter Sezession, zu der Maler, Bildhauer, Klunst- gewerbe mrd Schriftsteller zählen, wird Anfang

Blondhaar fuhr,was bann, Ragna, wie wird es baitn sein?"

Ragna erbebte. Sie fühlte, sie stand ant einem Sckeideweg einmal den Weg betreten, gab es für sie kein Zurück. Blitzschnell flogen die Ge­danken durch ihre Seele. Wenn sie Arne ihre Haud reichte, richtete sie die sicherste Scheidewand zwischen sich und Sven, den Gatten ihrer Schwester, auf. Sven würde sie bann für immer für sich verloren betrachten und nur für Sigrid leben. Und Sigrid? WüÄ-e für sie auch das Opfer nicht umsonst gebracht fein? Würde sie lernen, ben Vater ihres Kindes lieben? Ragna schauderte. Ihr graute vor diesemUmfbnft''. Und Avne? hatte er nicht den Anspruch auf ein ganzes, un­geteiltes Herz? Er war ihr lieb und wert, als geistiger Gefährte sie schätzte, sie ehrte ihn, aber Liebe toar das nicht, was sie für ihn empfand. Für Sigrids Glück durfte sie wohl das eigene opfern, aber nicht das eines Arne Lorenzen.

Wenn ich zurückkehre nach Berlin, lieber Freund," sagte sie herzlich,bann wird es nicht anders fein, als früher, nie."

Nie!" sagte Avne, und eS klang wie em Schrei.

Nein, liebster Freund," entgegnete sie sanft. All mein Lieben, all mein Denken wurzelt hier," sichte Ragiia, mit tränenvollem Blick ihm in die Augen feljenb, hinzu,ich würde Sie betrügen, wollte ich Ihnen Hoffnungen machen, die ich nie crftllleii kann. Sie werden mir natürlich in Ihrer selbstlosen Güte sagen. Sie wollten um meine Liebe dienen, sie zu erringen suchen, tote schon ein ft aber ich muß Ihnen auch heute sagen, baß Sie mir zu wett und lieh sind, um solch einen schmach­

6ine DeviscnbcschaffungSstclle.

Berlin, 28. Aug. (Wolfs.) Jin Auftrage deS Rrichstoirtsckrastsministeriums hatte der Kom­missar deS diktatorischen Ausschusses für Lebens- Nnd Futtermittel die Rrick>sbank und die der Stem- Velvcreiniguna angehörigen Banken am 27. Aug. 8u einer Besprecluing über De visenf ra g en än daS Rrichstoirtschaftsministerium cingeladen. Es wurde u. a. mitgeteilt, daß eine Devi sen- beschaffungsftelle, Gesellschaft mit beschr. Haftung, gegründet wurde, die die Aufgabe hat, nach der bevorstehenden Aufhebung der, Devisen- vrduung für die sämtlichen Reichscinfuhrstellen tote zur Bezahlung der gekauften Waren erforder­lichen ausländischen Zahlungsmittel zu beschatten, ißn den Aussichtsrat sind das Reichswirtschasts- Nmnnfrerium, das Reick)sschatzministerium und die Zteichsemsuhrstellen vertreten. Zum Geschistssührcr Vvurde Max Seckel bestellt. Die Geschäftsräume befinden sich SBeriinW 7, Am Weidendamm la.

Dieneutrale Zone".

Berlin, 28. Aug. (Wolff.) Jn der Drage der Besetzung der neutralen D0-Kilonieter-Zone östlich des Rheins (durch Deutschland wurde soeben durch Mar- fschall Foch der deutschen Waffenstillstands- Kommission in Köln als Entscheidung des Dbersten Rates in Paris mitgeteilt, daß Deutschland berechtigt sein soll, provisorisch drei Monate nach Inkrafttreten des Friedens­vertrages in diesem Gebiete eine Truppen­macht von 20 Bataillonen, 10 Es- ckadronenundzweiBatterienzu un- -terhalten, da die im Friedensvertrag für dieses Gebiet vorgesehene deutsche Gen­darmerietruppe nach dem Stande von 1913 zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung nicht ausreichen würde.

Deutschtum kämpfenden Brüder schloß Dr. Speth« mann feinen mit Beifall aufgenommenen Vortrag.

** I rn Lichtspielhaus wird ab morgen Dec Jäger von Fall", ein Jägerdrama a. d. bauet. Bergen von Ludwig Ganghoser gegeben. Ferner tritt Lotte Neumann inSchweigen im Walde, 2. Teil", nach dem Roman von Richard Skowronnek, auf.

Landkreis Gietzcn.

-m. Hungen, 29. Aug. Im nahen Hofgut Hof-Graß wurde gestern ein Viehwärter von einem Bullen angefallen und erheb­lich verletzt. Tie Tiere befanden sich auf der Weide, wo der Bulle störrisch wurde und nach einer Züchtigung des Wärters auf diesen ein­drang Von hinzu kommenden Leuten wurde er schließlich aus seiner gefährliche Lage befreit,- jedoch hatte ihn das wütende Tier schon so zuge­richtet, daß er schwer darniederltegt.

Kreis Alsfeld.

Up. Ruppert en rol^ 28. Ang. Ms UN-- seret früherer Gemeinberechmet, Heiiirich' Phi­lip p i V., der mit ungewöhnlichem Pflichcheifer imb Treue das (Einnehmernnrt beinahe 40 Jahve lang- geführt, starb, führte sein Sohn, Georg M-ilippi, das Amt weiter. Aus freien Stücken trat er zurück, und an feiner Stelle wurde bet KrieHbeschäldigte Heinrich Seim durch! das Los zu feinem Räch' folger bestimmt. Durch die Kveisbehörde geprüft und bestätigt, hat der neue Gememberachner sein Amt nun angetreten.

up. Aus dem Ohmtal, 29. Aug. Es ist lange nicht Dorgdkrnnnen, daß hier Getreideernte; und Grummetmachen zusammensielen, ja, daß letz­teres vor dem ersteren zu Ende gebracht wurde. Die Preise für das Grummetgras find erttfprecheub den Heugraspreisen sehr hoch.

Landkreis Gietzen.

U Lang-Göns, 28. Ang. Am SmrnLrg beging Schwester Justila Abel ihr 25jahriges Jubiläum als Schwester der Kleinkinderschlule. Aus diesem Anlaß fand eine Kinderfeier statt. Tte Kin­der erhielten Geschenke. Ter gemischte Chor imb Posauwenchvr trugen zur Verschönerung des Festes bei. Pfarrer Grot von Rödgen hielt die Feste rede. Schwester Abel hat sich in ihrer 25jähr Tätigkeit große Bekiebtheit erworben. Von biet Gemeinde imb Kirche wurden ihr Geschenke über­reicht.

nahmen zu ergreifen.

** Hessische Staatsanleihe. Wie aus dem gesteigen Jnievat zu ersehen ist, können nunmehr die Zwischenscheine der 4prozentiaen Hessischen Staatsanleihe von 1919 bei folgenden Banken in die endgültigen Stücke mit nächstfälli­gem Zinsschein auf 1. Oktober 1919 umgetauscht werden: Bank für Handel und Industrie, Nieder­lassung Gießen, .Gewerbebank e. G. m. b. D., Gießen. Direktion der Disconto-Gesellschaft, Zwcig- _ ................. stelle Gießen, Hessischer Bankverein A.-G., Filiale

nem "Wetter "ist 'es nötig. Radies, Wintersalat, Gießen, und Mitteldeutsck)e Cvedttbmtk, Filiale Spinat und Rapünzchen säen, Endivien binden. I Gießen.___________________