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29.8.1919
 
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169. Jahrgang

Zreitag, 29. August 1919

Sleßener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

SwiNingrninddnick u. Verlag: Brühlffche Univ.-Such- u. Steinbruderei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7.

Annahme von Anzeigen s. die LageOiuimmer bi4 zum Nachmittag vorher ohnejedeVerbindlichkeit Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v.34mmBreite örtlich 15 Pf., auswärts 18 Df., für Reklame» anzeigeu von 70 mm vre.te 48 Ps. Bei Platz» vorfchrisl20°/Aufschlag. Hauptschriitleiter: Aug. Goetz. Lerantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Dr- Reinhold Zenz; für den Anzeigenteil: H. Beck; sämtlich in Gießen

Bedeutungsvoller waren die

dem würt-

ter

meinsame Wege gehen. Leider war dies bisher

Die Lage in Oberschlefien.

B r e s l a u, 29. Aug. (WTB.) Das Ge- neralkommaxdo des 6. Armeekorps meldet mehrfache Bandenangriffe auf die Feldwachen von Eichenau, die abgewiesen wurden Sonst war die Front ruhig.

Aus dem Reiche. Reichsminister Schlicke für die Akkordarbeit.

fernem Vertrauen Ausdruck, daß die Mehrheit te3 Senates den Friedensvertrag nickst durch dlbleh-- nung toegcit der Schantungklausel gefährden roerte.

Die Frage von Fiume.

Amsterdam, 28. Aug. (Wolff.) Tas Presse- bureau Radio meldet aus Horsea, daß Italien geneigt sei. in der Fiume frage einen Kom­promißvorschlag anzunehmen. Danach soll die Stadt Fiume an Italien fallen. Ter Freihafen Fiume und Port Baroß sollen auf 99 Jahre vom Völkerbund verwaltet werden. Tiefer Plan müsse noch von Wilson gebilligt werden.

Hindenburg gegen vethmann.

Tie Berliner WochenschriftDas zwanzigste Jahrhundert" veröffentlicht eine Denkschrift .Hindenburgs an den Reichskanzler Mi­chaelis, die vom August 1917 dauert ist, imü in der int Wesentlichen ausgeführt wird:

Wie .Heer und Volk im Kriege geschlossen zusammenstehen müssen, so müssen auch Reichs­leitung und Oberste Heeresleitung unbedingt ge­

Amerika und der griete.

A m sterda m, 28. Aug. (Wolff.) Tas Pressebuveau Radio meldet aus Washington, daß sich der vom Senatsausschuß für »auswär­tige Angelegenheiten angenommene Verbesserungs­antrag bezügl. des Friedensvertrages mit Deutschland im ganzen auf 50 Aenderungen erstreckt, denen zufolge die Beteiligung .Amerikas bei der Regelung an den internationalen, Europa betreffenden Fragen ab gelehnt wird. Senator Md Cumber erklärte, die Annahme dieses Antrages durch den Senat würde zweifellos eine Beleidi­gung Japans bedeuten und eine Lage schaffen, bte zum Kriege zwischen den Bereinigten Staaten und Japan führen müßte. Ter Führer der Demo-

Llnsprachen, die zwischen ttembergischen Minister des Innern, Dr. Lindemann,

«ntwortungsschild schlagen und fragen, wo er denn nun ansangen und wo er die Kohlen hcr- inehmen soll. Aber das war auf der Stuttgar- -ter Tagung im Grunde doch nicht die Hauptsache, r

Ei« Zentralrat geistiger Arbeiter in Wien.

Wien, 28. Aup. (WTB.) Am 26. August fand die konstituierende delegierten» Versammlung des Zentralratesgeisti­ger Arbeiter statt, welcher unter Ausschluß leder Parteipolitik ausschließlich die wirtschaftliche Besierstellung der geistigen Arbeiter anstrebt. Bis­her gehören dem Zentralrat 74 Berufsorganisa-- tionen mit mehr als 319 000 Mitgliedern an. Es wurde vorgeschlagen, den jeweiligen Rektor der Wiener Universität mit dem Präsidium zu be­trauen, um jede Parteipolitik auszuschließen.

Louis Botha t»

Amsterdam, 28. Aug. (Wolff.) Ein hiesiges Pressebureau meldet aus Preto­ria, daß der südafrikanische Premierminister Louis Botha gestorben ist.

Botha war 1863 in Gveytonm (Natal) ge­boren. Er war einer der hauptsächlichsten Führer, später Oberbefehlshaber der Buren in ihrem Krieg gegen England. Nach der Beendigung des Buren­krieges hat sich Botha, nachdem er den Präsidenten Krüger auf seiner Europa-Reise begleitet hatte, sehr rasch mit England ousgesöhnt, das in ihm als Ministerpräsidenten von Transvaal und nachher der Südafrikanischen Union einen treuen Anbänan hatte.

und dem Reichspräsidenten gewechselt wurden. Sie betrafen das Ver­hältnis der Einzelstaaten zum Reiche. Linde­imann bekannte sich als Geraer der Erzberger- Ischen Finanzeinheitspolitrk und führte da- Ifür gewichtige, unseres Erachtens sehr stich- 'haltige Gründe ins Feld. Ebert sprach ver- !mittelnd; er werde alles tun, um etwaige «Gegensätze auszugleichcn. Wir geben den In­halt der btzi dem Mittagessen gewechselten Ansprachen nachstehend wieder.

Vie Debatte über den §rieden;vertrag in der französischen Kammer.

Versailles, 28. Auz. (WTB.) Di- De- batte über die R a t i f t z ie r ung des Friedensvertrages mit Deutschland wurde gestern fortgesetzt. Der Sozialist D e i e a n t e ver­trat den Standpunkt, daß die SBöHer den Krieg nicht gewollt hätten. Wenn man sie, einschließlich Deutschland, gefragt hätte, hätten sie sich gegen den Krieg ausgesprochen. Die Friedensbe­dingungen seien aus einem engen Geist heraus geboren und zögen aufs neue den Kampf der Völker gegeneimmder groß. Der radi- kalsozialistisckst Abgeordnete Margaine er­klärte, daß es zwei Völker gäbe, die der Krieg nicht ruiniert habe: England und Amerika. Er tadette, daß Schantung Jäpchir zugesprochen fei, und daß Frankreich sich in dieser Frage auf die Seite Englands und nicht Amerikas gestellt habe. Der Abgeordnete Charles Benois sagte, daß der Rhein die natürliche Grenze für das Elsaß und die Saar für Lothringen sei. Die Entwaffnung Deutschlands an den Rheinufern bedeute nur eine negative Sicherheit. Es sei der größte Fehler der französischen Regierung gewesen, die separa- tistischen Bestrebungen nicht stärker unterstützt zu haben. Man hätte nicht mit dem Reiche, sondern mit den Vertretern der Einzelstaaten verhandeln

viel zu sehr beengt bat Man hat die alten Wurzeln der Kraft des Deutsck^en Reiches zu durchhauen begonnen, ohne die Bildung 'teuer Zweige abgewartet z'u haben. Einigkeit und Einheit ist nicht gleichbedeutend mit zentralistischer Gleichmacherei. Wenn ich heute die schweren Sorgen über die politische innere Entwick­lung unseres Volkes hier vortrage, die die würt- tomtergische Staatsregierung aufs tieffbe bewegen und sie dem Herrn Reichspräsidenten ans Herz lege, so JEarat ich das tun, weil Württemberg niemals im engen Partikularismus fein Gedeihen vor das Ganze gestellt, vielmehr von jeher treuester Kämpfer für den ReichSgcdanken gewesen ist"

Sofort nach der Rede Dr. Lindemanns erhob sich Ebert und nachdem er betont hatte, daß er volles Verständnis für die eben ausgesprochenen Sovgen habe, fuhr er fort:

Abgefehm von sonstigen politischen Gesichts­punkten war es notwendig, die vorhandenen Kräfte des Reiches möglichst zusammenzufassen in eine einheitlich geschlossene Organisation. Tas zwang uns, auch manchem in den Weg zu treten, was vielleicht gerate dem Süden lieb und wert war. Aber ich darf Ihnen versichern, so fckhr wir in der Reichsleitung bestrebt waren, auf den wichtigsten Gebieten eine möglichst einheitliche Zusammenfas­sung ter Kräfte durch-ufühi^n, so haben wir doch nie verkannt, rote für den Fortbestand des Reiches unerläßlich ist die Wahrung ter Eigenheit unserer deutschen Stämme und die Wahrung des politischen staatlichen Eigenlebens der Einzelstaaten. Die Lage gebot, daß die auswärtige Politik ganz in die Hand ter Reichsleitung gelegt werden mußte. Ebenso betonte der Reichspräsident die Notwendig­keit der Einheittichkeit auf wirtschaftlichem und auf militärischem Gebiete, wenn die Vereinheitlichung der Eisenbahnen auf dem Wege ter Verl-andlungen und der Verständigung erfolgen werde, und die In­teressen der süddeutschen Staaten gewahrt würden. Zu den Steuerfragen erklätt er: Tas Reich ist verantworllich für diese Verpflichtungen und wir können sie nicht erfüllen, wenn wir keine Möglich­keit haben, die Fmanzen des Reiches einheitlich auf diese Leistungen einzustellen. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß ich es als eine meiner schönsten und wichtigsten Aufgaben betrachten werte.wenn Komplikationen zwischen den einzelnen Gliedern im Teuischen Reich entstehen sollten, ver­mittelnd einzugreifen und alles zu tun, um die Interessen auszugleichen."

Hierauf sprach Ebert noch über die wirt­schaftlichen Sorgen und gedachte ter Kriegsgefangenen.

Stnttgart, 28. Ang. (Wolff.) Reichspräsi­dent Ebert und ReichZwehrminister N o s k e ha­ben bei ihrer Ankunft in Stuttgart an den Staats­präsidenten Dlos, ter von Wangen im Allgäu aus den Reick,'spräsitenten in Württemberg bewill­kommnete, folgendes Telegramm gesandt:

Staatspräsident Blos, Wangen (Allgäu), Be- zirkskrankenhaus. Soeben in Stuttgart angekom­men, bedauern rotr nochmals aufrichtigst, Sie hier nicht zu sehen und wünschen rechst baldige Genesunlg.

(gez.) Ebert. (gez.)Noske.

Berlin, 27. Ang. Der Reichsarbeits- Minister Schlicke hat einem Vertreter der Nationalzeitung" gegenüber erklärt, daß er zwar den Arbeitszwang ablehne, aber für die Wiedereinführung der Akkordarbeit eintrete. Er machte in dem Gespräch auch folgende treffende Bemerkung:Auf dem Arbecks- losenkongreß in Hamburg haben oie linksradi­kalen Arbeitslosen beschlossen, sich nicht an dem Wiederaufbau Frankreichs zu beteiligen. Was diesen Beschluß angeht, so kann ich nur fragen," erklärte der Minister

Da» ungarische Kabinett.

Budapest, 28. Aug. (Wolff.) Stefan Fried­rich bildete das Kabinett in folgender Zu­sammensetzung : Ministerpräsident und Innenmini­sterium Stefan Friedrich, Ministerium des Aeußem der frühere Legattonsrat Graf Emmerich Czakh, Ackerbauministerium Julius Rubinek, Handelsministerium Franz Heinrich, Finanz- Ministerium Johann Grün, Kriegsministerium General Sch netz er, Ministerium für die Bolks- ernährung Karl Erekp, Kultus- und Unter­richtsministerium Karl Huszar, Justiz ministe- num Georg B a l a g h y, Ministerium für die nationalen Minderheiten Jakob Bleyer, Volks- gesundheitswesen Andreas Csillery, Propa­ganda Stefan Haller, Ministerium für die kleinen Landwirte Stefan Szabo, Ministerium der Industriearbeiter Daniel O l a h.

Nach einer Meldung des Ungarischen Korr.- Bureaus richtete Ministerpräsident Friedrich an die interalliierte M ilitärmission in Budapest eine Zuschrift, worin er die Kon­stituierung der neuen Regierung mitteilt und er­sucht. eine ter Zuschrift bggelegte Note an den Präsidenten ter Friedenskonferenz Clemenceau ge­langen zu lassen. Im Interesse der Möglichkeit eines erfolgreichen Ar bettens bittet die Note Cle- mcnceau, zu veranlassen, daß die in Budapest weilende Militärmission sich nicht in die innere Politik Ungarns einmenge oder höchstens nur in ber Richtung, daß sie die ungarische Regierung in ter Aufrechterhaltung der Ordnung und bei ter Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gleich­gewichts unterstütze. Ferner wird mitgeteilt, daß in drei bis vier Wochen Wahlen zur National- tierfammlung auf der Grundlage des gleichen, allgemeinen und geheimen Wahlrechtes stattsinden.

Kronstadt unter Feuer genommen.

P a r i s, 28. Aug. (Wolff.) DerTemvs" berichtet aus Helsingfors: Nach militärischer­seits bestätigten Nachrichten wurde Krön­st a d t unter Feuer genommen. Auf der Front in Karelien begann eine Offensive gegen die Bolschewisten.

müssen. Der französisch-englisch-amerikanische Schutzvertrag fei ungenügend. Nach feiner An­sicht hätte man eine lateinische Allianz gründen müssen. Alle drei Dcputterte traten für die Ratifizierung des Vertrages ein. Die Diskussion wird heute fortgesetzt. Sie hatte bisher kein größeres Interesse erweckt. Gestern wohnten Debatte ungefähr 150 Abgeordnete bei.

Ebert und Hoste in Stuttgart.

Die Besuchsreisen Eberts und Noskes in der Hauptstadt Württembergs sind in der ver­hältnismäßig stillen Ferienzeit, in der wir suns gegenwärtig befinden, zu einem poli­tischen Ereignis geworden. Nicht nur, daß der Reichspräsident auf Vorstellungen über die in Württemberg herrschende Kohlennot hin an tden Reichswirffchaftsminister ein dringendes Telegramm gerichtet hat, worin er um Ab­hilfe in der Notlage Württembergs ersucht. kDas ist ein ziemlich ungewöhnliches Verfah­ren, das in anderen Teilen des Reiches viel­leicht einige Beunruhigung Hervorrufen wird. Denn das dringende Kohlenbedürfnis haben schließlich alle, und der Reichswirtschafts- pninister wird etwas ärgerlich auf seinen Ver-

Stnttgart, 28. Aug. (Wolff.) Reichsprä­sident Ebert .und NeichHvehrmrnister N o s k e sind heute vormittag nach 9 Uhr, von München kommend, in Stuttgart eingetnaffen. Die Sterten wurden am Hauptbahnhvf durch den Mi­nister des Innern, Tr. Lindemann in Vertretung des erfrauften Staatspräsidenten Mos, Kultus- Minister Heymann, Unterstaatssekreiär Pitzler, Ge­neral Haas und Oberstleutnant Wollwarth emp­fangen imb ins alte Schloß geleitet, wo eine Be- yickißungssitzungi des Staatsministeriums ftattfartb, <an ter auch ter württembergische Gesandte in Stettin Hildebrand teilnahm. In dieser Sitzung sind insbesontere die KvlstennVt, ihre immer schär­fer wertenden Folgen und die notwendigen Einzel­heiten zur besseren Versorgung ter Industrie cin- p'hend besprochen Worten. Im Anschluß hieran 1 andte ter Reichspräsident Ebert aus ter Sitzung osort folgendes Telegramm an den Reichswirt- chaftsminister Robert Schmidt, Berlin:Mit ter wurttembergischen Regierung hatte ich eine Aussprache, bei ter sich ergab, daß infolge des trockenen Sommers die Wasserkräfte stark nach- pelassen lüben. Tie Kohlenversvrgung des Landes »st so schlecht, daß grvße Werke bereits still liegen und bie Stillegung einer Anzahl lebenswichtiger Betriebe in ter nächsten Zeit nicht abzuwenden ist. Ich bitte dringend, nach Prüfung ter besonderen Notlage Württembergs dieser nadji Möglichkeit bald abzuhelsen. gez. Ebert."

Des weiteren wurde die Frage der Kr ie gs- gefangenen beraten, wobei ter Reichspräsi­dent mitteilte, es.werde unablässig gearbeitet, um die Gefangenen so rasch als möglich zurückzu- bringen. Tie englische Regierung habe nach einer Mitteilung von zuständiger Stelle die Absicht ge­äußert, die in ihrem Bereich befindlichen Gefan­genen zurückzilschicken. Jedoch scheinen darüber noch Verhandlungen mtt ter französischen Negierung notroenbig geworden zu sein und ein Beschluß ist seitens des Fünferrates m Paris noch nicht gefaßt hrorten. Es gibt niemand in Deutschland, ter ttickft mit heißem Herzen den Sieg der Menschlich- leit wünscht.

nehmen oder auf ihre Maßnahmen einen ge­wissen Truck auszuüben. Ich beschränke mich dabei auf eine Zusammenstellung in Gruppen von Vor­gängen.

1. Vornahme wichtiger außenpo.itischer Schritte ohne genügendes Einvernehmen mit O. H. L., ote roohl das militärische Interesse an diesen Schritten bedeutend war: Schwäckie gegen Neutrale hin­sichtlich- der Ein- und Ausfuhr, eigenmächtige Be­handlung von militärisch wichtigen Fragen, z. B. hinsichtlich Lieferung von Kohle an Neutrale, ob­wohl Kohle als Kriegsmaterial anzusehen ist.

2. Tie schwankende Haltung und der passive Widerstand beim rücksichtslosen U-Bootkriege. Tie­fes Schwankm hat uns gegenüber den dteutralen und den Vereinigten Staaten sehr geschadet.

3. Abwälzung ter Verantwortung bei Miß­griffen (Polenfrage, zwangiveise Heranführung bel­gischer Arbeiter) auf O. H. L., die in ter Öffent­lichkeit zeitweise allgemein als Schuldige in diesen Fragen angesehen wurde. Da diese Ausstreuungen nur aus unterrichteten Kreisen stammen können und von hier gewiß nicht ausgingen, sio müssen sie von Unterorganen ter Regierung Verbreitet fein.

4. Zu spätes und zu wenig tatkräftiges Ein­greifen bei inneren Schäden, z. B. auf dem Ge­biet der a) ErnährunrOpvlttik, b) Vorsorge für Hebung der Produktion (Kraftfutter, Stickstoff, Strohaufschließung), c) Transportkrise, d) Koh­lenlage.

5. Ungenügende Ausnutzung unserer Volks- krast. Auf Drängen der O.H.L. endlich Einbrin- gung des Hilfsdienstgesetzes, das jedoch durch Nach­giebigkeit dem Reichstag gegenüber zu einem außerordentlich schädlichen Gesetz wurde.

6. Versagen jeher Aufklärung im VolAe, Feh­len einer ziel bewußten Leitung im Innern. Der schwerste Vorwurf. Die unübersehbaren Folgen sind: a) Demvralisatton (Wucher, Genußsucht), Verwirrung der Begriffe von Recht und Pflicht, b) Pessimismus, c) Verkommen in Alltagssorgen und Fehlen jedes Verständnisses für Große und Ernst ter Zeit, d) Pflichtvergessenhett (Streiks), e) politische Forderungen (die an sich nur auf Versagen der bisherigen leitenden Persönlichkeiten beruhen, aber sicher nicht geeignet sind, grund­sätzlich zu bessern), f) Schädigung des Ansehens ter Monarchie (Abschliestung des Kaisers, über­ragender Einflup, der Kabinette, Drängenlassen tu Entschließungen usw.), g) Laufenlassen, ter Hiesse. Einflußnahme nur auf einige ßeitbfätter übelster Art.

Insgesamt hatten all diese Umstände mir die Ueberzeugung gebracht, daß totr trotz militärischer Erfolge unfehlbar dem Abgrund zu- gingen, und deshalb mußte ich pflichtgemäß bei Seiner Majestät gegenHerrnvonBeth- mann-Holl weg auf treten. Ich habe lange gezögert, da ein derartiges Heraustreten aus mei­nem Pflichtenkreise gegen eine einzelne Person mich schwere innere Kämpfe gekostet hat."

Mintenburg erörtert bann den Zusammen­hang zwischen Politik und Heerführung von seinem Standpunkt 'aus und sckstießt:

Nachdem nun Euer Exzellenz die Reichs­leitung übernommen haben, betone ich nvchmtts, daß, wie Heer und Volk zusammengehören, so auch die beiden leitenden Stellen eng zusammen ar­beiten und Verttauen zueinander haben müssen. Wie dies Bestreben bei mir herrscht, so setze ich es auch bei Euer Exzellenz voraus. Es ist aber auch nötig, daß die unterstellten Organe beiderseits im gleichen Sinne arbeiten. Für besonders wün-- chenswert halte ich öftere mündliche Aussprache owohl zwischen Euer Exzellenz und mir, wie zwis­chen unseren Untergebenen.

Eine Regelung folgender Fragen, über welche Euer Exzellenz die Entscheidung haben, an denen aber auch ich ein militärisches Interesse habe, halte ich für besonders dringliche

1. Maßnahmen zur Leitung ter Presse, 2. Ausklärungstättg°teit im Volk (Schule, Geistlichkeit, Abgeordnete, Soldaten aus der Front), 3. Sicher­stellung ter Stetigkeit in der Kriegsindustrie, Er­fassung aller Arbeitskräfte und Ersatz der Wehr­fähigen in den Fabriken, (Aendenrng und Erwei­terung des Hilssdienstgesetzes, Maßnahmen gegen Streiks), 4. Sicherung ter Kohlenverso-rgung für Volk. Heer und Rüstungsindusttie (Erhöhung ter Förderung, Transportfrage, Einteilung ter Kvhlen auf die verschiedenen Verbrauchszweige), ö. Maß­nahmen zur Sicherung ter Ernährung für Heer und Volk. gez. v. Hindenburg.."

Nachmittags 12V« Uhr sand im Gartensaal des Neuen Schlosses ein einfaches Mittagessen statt, an dem neben den Mitgliedern ter Staatsregierung das Präsidium ter Kammer, Vertreter der Frak- ttonen, ter Frauen, ter Hochschulen, der schaffenden Stände ufw. teilnahmen.

Tr Lindemann führte aus: Teittschland ist Lvährend des ganzen Laufes seiner Geschichte ein Do und von S taaten, niemals ein zentralff ierter Ein­heitsstaat gewesen. Jetzt sehen wir mächtigen i n f l u ß a m Werk, über diese Tatsache unserer sGeschrchte hinwegzugehen, nach dem Vorbild der jftan-Liffchen Rwclut vn von 1789 auf den Trüm- Xncm der Bundesstaaten die neue Reichsverfassung Imb ten deutschen Einheitsstaat zu errieten. Ge­schichtliche Vorgänge lassen sich aber nicht wieder­holen. Die Zentralisation ter französischen Revo­lution spielte sich m einem Agrarstaat ab, in dem die gegensätzlichen Interessen ter alten Provinzen diel.geringer waren, als in dem differenziert ge- wordenen Tcuff'chland. Was haben sie aus den Lranzösifchen Provinzen gemacht? Wrr waren in Deichckland stets stolz auf die Selbstverwaltung un-

lerer Städte und Gemeinten. Ihr hatte sich eben» kbürttg die Selbstverwaltung tes Staates an die «Seite gestellt.

Oelbstverwaltung ist aber nicht mög- lich ohne Autonomie.

Ohne sie und ohne eigene Finanzverroaltung kann selbst die kleinste Gemeinte kein eigenes in ihrem engen Greife von Kraft ter Erhaltung und des Wechsels erfülltes Leben sichren. In wieviel iTrötze- ffem Umfange, mit wieviel mehr Recht gilt dieser Botz weiter für die größeren politisckstn Körper, pte Staaten. Wir bedauern aufs ttesste, daß man, »^...

hn doktrinärer Einsettigkeit seine Richtigkeit per-1 nickt der Fall. Jch> will die Tatsachen aufführen, ^mt.und ten Staaten den Lebensraum, den siel die mirfi mehr und mehr gezwungen haben, lür sich, das Reich und die Gemeinten brauchen, gegen die Reichsleitung Stellung ru

traten im Senat, Senator Httchoook, verhandelte mit Wilson stundenlang über die Stellung des Senats gegenüber tem Friedensvertrag. Hitchco^k versicherte dem Präsidenten, daß die Aussichten für die Genehmigung tes Vertrages vollkommen tefriedigend seien. Mindestens 12 Republikaner märten gegen die Abänderung tes Vertrages be­züglich Schantungs ftimmen, was zusammen mit. , .

ten Regrerungsdemotraten die Abtelpmnq ter Ab- zuletzt,beteiligen sich denn die Linksradikalen anteiuna£>antraae verbürge. Präsident Wilson gab! bis jetzt an dem Wiederaufbau Deutschlands?"