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Er fährt dann fort: Ans biefem Schreiben geht evident hervor, daß die belgische Frage des Kernproblem der Friedensfrage war. Nur eine klare Antwort in bezug auf die Wiederherstellung und volle Unabhängigkeit Belgiens konnte uns dem Frieden nähern. Dreierlei stelle ick fest: 1. daß der Reicks anzler Michaelis den Portei- fübrcrn von der Note Pacellis und dem englischen Friedensangebot nichts mitgeteilt baf, 2. daß den Parteiführern die Abgabe einer präzisen Erklärung über Belgien versprocl'en wurde und 3. daß die Antwort Michaelis genau das Gegenteil einer

Weile an den Tag kommen wird, dürfte für 1 einzelne schmerzlich und folgenschwer sein, der Gesamtheit des Volkes wird sie aber zum Segen gereichen. (Beifall.)

Abg. G o t h e i n (Dem.): Unbestreitbar hat der letzte Träger der Kaiserkrone die Beziehungen zum Auslande mehr gefährdet als verbessert in­folge seines Mangels an Erkenntnis der politischen Notwendigkeiten und weil er sich selbst an die Seite der Machtpolitiker geschlagen hat. Er trägt einen wesentlichen Teil der Schuld an unscrm Unglück. Wir erblicken in der Wiederherstellung der Monarchie die schwerste Gefahr nach innen und außen. Wir verteidigen daher aufs schärfste die republikanische Staatswrm. (Anhaltender leb­hafter Beifall.) Die Mitteilung Erzbergers über die Papstnote hat uns wohl alle überrascht. Wir halten es aber für unbedingt notwendig, daß uns auch die englische Note an den Papst, die Minister Erzberger nicht mitgeterlt bat, schleunigst bekanntgegeben wird. Die Bekanntgabe des Czerninschen Berichts durch Erzberger an den engeren Parteivorstand halten wir für bedenklich, aber locnn eine Begründung des Gesetzentwurfes über den Staatsgerichtshof noch iwtnrcnbig wäre, dann wäre sie gegeben durch das Geschick des genannten Berichts. Uut> nun mußten wir Horen, daß dieser Bericht keinen Eindruck ge­macht hat. Das ist ein Zeugnis hervorragendster jpolitischer Urteilslosigkeit. Die Beendigung des Krieges im Jahre 1917 hätte uns 500600 000 unserer Besten gespart. (Bewegung.) Kommt hinzu, daß nicht erst im Herbst 1917, sondern schon Ende des Jahres 1916 und Anfang 1917 eine noch günstigere Friedensgelegenl>cit gegeben war. Aber Präsident Wilson erhielt durch uns einen Schlag ins Gesicht durch die Erklärung des uneingeschränk- tbcn U-Bootkrieges. Die Entscheidung darüber ist einer Kabinettssitzung vom 8. Januar 1917 in Al>- wescnhett Bethmanns und des Staatssekretärs des Aeußcrn gefallen. Auch die Mehrheit des Reichs­tages trägt hier eine Mitschuld. Im Haushaltungs­ausschuß ist der Antrag Groeber beschlossen wor­den, die Entscheidung über den U-Bootkrieg sei als rein militärische Frage allein durch die militärische Gewalt vorzunehmen. Die Rechte vertrat eine Po­litik des Vabanquespiels. Ein außergewöhnlich tarker (Staatsmann unterstützt von dem starken Willen des Monarchen tonnte sich gegen den Terror durchsetzen. Die Sckmld trifft also die Militärs, die Vaterlarrdspartei. Wer den Mißständen nicht ent» tzegentrat, hat die Revolution gemacht. Aus un- erer jammervollen Lage können wir nur durch würdige Zurückhaltung heraus kommen. Heran- drängen an den Völkerbund wollen wir uns nicht; 'olange er die Bestimmung hat, daß er nur durch einstimmigen Beschluß geändert werden kann, blei­ben wir vorläufig besser fern. Ohne den Arbeits­willen des gesamten Volkes kommen wir aus dem Elend nicht heraus. Wer die Arbeiter zum Streik verführt, begeht ein Verbrechen am Volk. (Präsident Fehrenbach macht den Redner darauf aufmerksam, daß er die Redezeit bereits um die Hälfte über­schritten hat.) Wir hoffen, daß die gesunden Kräfte Unseres Volkes die Krise überwinden werden.

Minister des Auswärtigen Müller:

Radek wird freigelassen tueeben, sobald die ruf» ische Regierung erfiärt daß er mit ihrer Genehmi­gung nicht wieder nach Deutschland zurückkehren wird. Prinz Max von Baden wollte die Friedens- vernrittlung nicht sofort unter dem Druck des mili- tärischcn Zusammenbruches in die Hand nehmen. Er richtete deshalb die bestimmte Anfrage an die Oberste Heeresleitung, ob diese sich bewußt sei, dich die Einleitung einer Friedensaktion unter dem Druck der militärischen Zwangslage zum Verlust der deutschen Kolonien und dcmtscher Gebiete füh­ren könne. Die Oberste Heeresleitung erklärte, auf ihrer Forderung der sofortigen Uebermittlung des Friedensangebotes bestehen zu bleiben. Die mili- tärische Lage führte also zum Waffenstillstand. Die Dokumente aus der Zeit des Kriegsausbruches sind im Druck. Es kann selbstverständlich nicht davon die Rede sein, daß Deutschland der Älleinschuldige ist, ebensowenig aber, daß die Zentralmachte scküld- los sind. Ich habe veranlaßt, daß die Vorgänge, die über die Note des 9hiutiuS und die Antwort des Reichskanzlers Michaelis im Auswärtigen Amt vorhanden sind, festgestellt und in einem Weißbuche der Nationalversammlung unterbreitet werden. Für heute nur folgendes: Das Schreiben des Münchener Nuntius ist, wie wir inzwischen fest- gestellt haben, erst am 5. September in Berlin eingetroffen. Die Frage der englischen Regierung war als Anlage diesem Schreiben beigegeben. Sie hatte kein Datum. Der Minister verliest dann das Schreiben, das folgenden Wortlaut hat:

Wir haben noch keine Gelegenheit gehabt, unsere Verbündeten wegen der Note Settier Heiligkett zu befragen, und sind nicht in der Lage, uns über eine Beantwortung der Vor­schläge Seiner Heiligkeit betreffend die Bedin­gungen eines dauernden Friedens zu äußern. Unserer Ansicht nach besteht keine Wahrshein- lichkeit dafür, diesem Ziel näherzukommen, solange fid) nicht die Zentralmächte und ihre Verbündeten in offiziöser Form über ihre Kriegsziele und darüber geäußert haben, zu welchen Wiederher st ellun- gen und Entschädig ungen sie bereit sind und durch welche Mittel in Zukunft die Welt vor derWiederhvlungderGreuel, unter denen sie jetzt leidet, bewahrt werden könne. Selbst hinsichtlich Belgiens und in diesem Punkte haben diese Mackste selbst aner­kannt, im Unrecht zu sein ist uns niemals eine bestimmte Erklärung über ihre Absicht be­kanntgeworden, seine völlige Unabhän­gigkeit wiederherzustellen und die Schäden wieder gutzumachen, die sie es haben erdulden lassen.

Seiner Enttnenz dürsten zweifellos die Er­klärungen gegenwärtig sein, die von den Alli­ierten in Beantwortung der Note des Prä­sidenten Wilson übergeben worden sind. Weder von Oesterreich nod> von TeutsMand ist jemals eine solche (äquivalente) Erklärung er­folgt. Ein Versuch, die Kriegführenden in Üeber- einstimmung zu bringen, erscheint so lange ver­geblich, als wir nicht über btc Punkte im Klaren sind, in denen ihre Ansichten auseinandergehen!"

Eine Erklärung Czernin».

Dien, 28. Juli. (Privattelegramm.) Ter Rvrvespondent Wilhelm ging von dem Grafen Czernin folgendes Schreiben zu:

Grmrdlfee, 27. Juli, nachmittags 4 Uhr 10.

Um den zahlreichen Anfragen ber Presse nach- tzakoinmen, bitte ich um Veröffentlichung folgender Zeilen: Soweit ich aus den Auszügen dec Presse beurteilen kann, gibt die Rede Erzbergers kein erschöpfendes >33 i I b der Vorgänge. Viele ungemein wichtige Vorgänge s i n d gar nicht erwähnt. Tadurch entsteht ein falsches Gesamtbild. Was meinen, von Erzberger erwähnten Bericht vom April 19 17 an- belangt, in dem ich für Beendignng des Krieges durch territoriale Opfer der Mittelmächte riet, so war dieser Bericht ausschließlich für die beiden Kaiser und den Reichskanzler bestimmt. Es be­stand damals Die begründete Hoffnung zu einem Verstandigungsfrieden, wenn auch mit Opfern zu gelangen. Von einer nicht verantwortlickxn Seite wurde dieser Bericht ohne mein Wissen und hinter meinem Rücken Erzberger übergeben, welcher denselben nicht geheim hielt. Ich muß aber ausdrücklick konstatieren, daß Erzberger bona ftde vorging und der begründeten Ueberzeugung war, im Sinne seiner Auftraggeber zu btrnMn/jaU er die streng geheimen Tatsachen vreisgab. Ter Inhalt des Berichts kam durch das Vor­gehen Erzbergers zur Kenntnis un­serer Gegner. Ein jeder, der meinen Be­richt liest, kann sich eine Vorstellung von den Folgen machen. Tic Darstellung des Grafen Wedel ist daher, fv'weit sie mir betarmt ist, vollständig richtig. Im übrigen könnte ich meine Darstellung, wie vieles andere und gar nicht Erwähnte, durch Dokumente beweisen, welche in meinem Besitz find. Ich erfuhr die lieber gute meines Berichtes an Erzberger erst, als es zu spät war. Die von dem Grafen Wedel mit Erz­berger jetzt besprochenen Tatsachen sind aber nur Glieder einer ganzen Reihe unverantwort­licher Neben Politik, deren Umfang ich erst ein Jahr später entdeckte und welche meine Demis­sion veranlaßte. Mein demnächst über den Welt­krieg erscheinendes Buch wird, soweit ich es für geboten halte, Klarheit über diese politischen Vor­gänge bringen und gestützt auf Dokumente die Wahrheit beweisen.

Die AuSfübrnng de» Frieden-vertran-

D e i m a r, 28. Juli. (Wolff.) Unter dem Vor­sitz des Minifterpräfidenten Ba uer und in Gegen­wart des Ministers des Aeußern, des Reickisarteits- mimsters sowie von Vertretern des ReichSwirt- schastsministeriums und des Reichsfinanzministe­riums fand gestern in Weimar eine Besprech­ung über die in Versailles fortgesetzten Verhand­lungen betreffs Ausführung des Frie­densvertrages und besonders über den Wie­deraufbau Rordfrankreichs statt. Der .Führer der Friedensdelegation Frhr. v. Lers- n e r und die Geheimräte Schmitt und L e - fuire, die zuir mündlichen Berickterstatttmq von Versailles auf kurze Zeit nach DeutscUand ge­kommen waren, erstatteren eingehenden Bericht über den Stand der Verhandlungen.

Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen mit Italien.

Rom, 27. Juli. (Wolff.) Stefani. 'Ein Dekret erklärt die Wiede rauf nähme der Handelsbeziehungen mit Deutsch­land, jedoch werden die Syndikate zur Be­schlagnahme feindlicher Güter chre Tä­tigkeit fvrtsetzen, bis von der Friedenskon­ferenz endgültige Beschlüsse gefaßt sind. Die einschränkenden Bestimmungen über die Z a h- lung an feindliche Staatsangehörige bleiben mit einigen Ausnahmen in Kraft.

wutsche Nationalversammlung.

68. Sitzung.

Montag, den 28. Juli, 2 Uhr nachrn.

Am Regierungsttsch Erzberger, David, Mueller, Tr. Preuß und andere.

Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 20.

Auf ber Tagesordnung steht die.Fortsetzung der allgemeinen politischen Aussprache über die Erklärungen der Regierung.

Abg. Lvebe (Soz.) wiederholt den Antrag, den Gesetzentwurf über den Staatsgerichtshof mit der allgemeinen politischen Debatte zu verbin­den.

Abg. Schultz- Bromberg (D. Ntl.) erhebt dagegen Widerspruch

Abg. Haußmann (Dem.) stimmt bent An­träge L-^'be zu.

Präsident Fehrenbach kann eine bestimmte Zusage nicht machen, da noch ein zweiter Deutsch- Nationaler zu Worte komme, will aber noch Mög­lichkeit dahin wirken.

Tcr Antrag L-ocbe wird nrit großer Mehrheit angenommen.

Reichsminister des Innern Tr. David: Die Frage nach der Schuld am Ausbruch des Krieges, nach der Verantwortung für seine Verlängerung und für seinen Verlust bewegt heute alle Teile unseres Volkes auss tiefste und deshalb bat die Regierung den bringenden Wunsch, daß der Ent­wurf eines Staatsgerich^shofes so rasch wie mög­lich ! verabschiedet wird. Es liegt ein Antrag Heinze vor, der daraus hinausgeht, den Ent­wurf völlig zu verwässern. (Abg. Kahl ruft: Objektiv zu gestalten?) Tie Kritik von Professoren an politischen Dingen ist im Kriege noch, tiefer gesunken als unsere Valuta (sehr gut! links), und nach dem, was wir an polittschcr Objektivität

von politisch geschulten Juristen erlebt haben, ist auch nickst zu verlangen, daß das Volk ihnen ein besonderes Vertrauen entgegenbringt.

Ter im Entwurf vorgesehene parlamen­

tarische Ausschuß von Mitgliedern aller Parieieu ist die beste Einrichtung für die ob­jektive von Tatsachen, denn jede Partei kon­trolliert die andere. Dazu tritt als zweite Instanz der Staatsgerichtshof. Auch die Nächstbeteiligten baten ein Interesse daran, daß ein solcher Staats­gerichtshof eingerichtet wird. Er gewährt ihnen einen gewissen Schutz gegen den Spruch eines einseitig zusammengesetzten Entmtegerichtshoses. Die Reichsregierung wünscht nur Wahrheit und Gerechtigkeit nach allen Seiten. Ein Antrag Loebe wünscht die Veröffentlichung aller der Regierung bekannten Geheimdokumente. Die ^Regierung bat zu erklären, daß die Veröffentlichung aller dieser Dokumente im umfassenden Ausmaß vorbereitet ist; die den Waffenstillstand betreffenden werben schon in den allernächsten Tagen der Oefsentlicte feit unterbreitet und auch die den Kriegsausbruch ........... Vlvk

betreffenden werten schon in aller Kürze in Druck I sollten präzisen Erklärung war. lieber den Fall begeben werden. Die volle Wahrheit, die aut diese1 Manheim verstehe ich vollkommen die Errermna

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Nächste Sitzung Dienstag vormittag 10 Öl Anfragen, Fortsetzung der politischen AuSsprai! Verfassungsentwurf. Schluß gegen 8 Uhr.

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rung des Vermittlers aufgefaüt worden. In I Öffentlichkeit hat Michaelis der Papstnote zm» II dimmt, unter der Hand wandte er sich gegen V Vermittlung. Das war politische Stümper« 1 Die Friedensmöglichkett ist vereitelt wociq ] durch die Schuld Deutschlands. Jede (fc legen heft mit den Grcnznachbarn in Rul-e g Gelegenheit mit den Grenznachbarn in Ruhe g Frieden zu leben, wurde von der Rechten fo kämpft. Ich erinnere nur an das Schicksal das bit polnische Frage erlitten hat. Am 29. April 191 richtete der polnische Ministerpräsident ein Schm, ben an die Reichsregierung, in dem er dem deut, eben Volke ein Bündnis anbot auf der Basis i» territorialen Unversehrtheit Kongreß-Polens 7* mals erreichte es der Abg. Schultz, daß cyif Schreiben überhaupt feine Antwort gegeben muck (Hört, hört!) Achnlich war die Sachlage bezüglii Kurlands und Ltttauens. Die Regierung rou) das ganze Material nächste Woche in einer 2eu fchrift veröffentlick>en, ebenso eine Deickschrist üfa die Vorgänge, die zum Wafsenstttlstand gefüllt haben. Ich stelle fest, die Rechte ist allein schuldh

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die große Industrie besitzt, in ben Besitz der Nil, gemeinhett überführt. (Beifall links.) Ter Stocnt gerichtslwf wird Ilwe Schuld am deutsichm Ävlj iieststellen. (Beifall links.)

Präsident Haußmann: Der Ministerpck4 bent hat von der Gewissenlvsigfett des Abg. i, Gräfe gesprockfen. Das verstößt gegen die Ordiu^ des Hauses.

Reichsftnanzminister Erzberger: M > q Ausführungen finb nicht in einer Zette entkrä« »vordem In bent Briese Pacellis war fiar zum Auz. druck gebracht, daß eine versöhnliche Antwort tu Friedensverhandlungen erleichtern würde. Voruitz. otzung war 1. eine bestimmte Erklärung Demik lands über feine Kriegsziele, 2. eine bestimmte Klärung über Belgien. Die offizielle frcmzösinli Note war selbstverständlich erst nach öortergtt Fühlungnahme mit den beiden Machten ergänz und zwar, als die Friedensresolutton des Rei^. tags beretts vorlag und ihre volle Wirkung gety hatte. Die sechs Zentrumsabgeordneten, die gtgg die Friedensresolutton gestimmt haben, sind vq der Volksstimme weggefegt worden. Wir sind t»l mals vom Reichskanzler Michaelis irregesühtt lud den. Der Beschluß des Kronrates konnte nickt mit, tzeteitt werden, denn er wäre als eine Brüsk«,

haben. Ich stelle fest, die Reckt am Unglück unseres Vaterlandes. (Stürmisch Beisall bei den Mehrheitsparteien, Zftchen recht»

Nach Erllärungen des preußischen LandwÄ^ schaftsministers Braun über den Landarbeiters in Pommern und bat pommerschar Landbuud vvj tagt sich das Haus.

Dr. Phil, promoviert. .

** Keine Verlegung der K re t tagswahlen. Wie wir in Erfahrungrr gen, hat das Ministerium des Innern der Volkskammer in Anregung gcora^ Verlegung des Termins der KreistagslM auf den Tag der Provinzialtagswahlcu technischen Gründen nicht stattgegeben.

** Aus dem Stadttheaterbu ' Wie wir erfahren, sind für das heutige G li der Tänzerin Adrienne Ursula Hacker a Abendkasse noch Karten zu haben. Das GWl verspricht einen vollen künsckenscten

Das Musikaltsch-Llte-a'ß' U u t e r h a l t u u g s k r ä n z chen 19 14^

in den Kreisen der Bevölkerung über das Treiben der französisck)en Offtziere und Befatzungsttuppen. Gegen die Bezahlung einer Buße von einer Million Franken durch die Stadt Berlin habe ich mich gewandt und wende mich heute noch, obwohl die französische Regierung inzwisck-en erllärt hat, ie werde das Geld dem Roten Kreuz zuwendcn. Wir erfeimcn die Forderung nicht als berechtigt an, ba derartiges niemals unter zivilisierten Völkern üblich war. Heber die Vorgänge, die zur Ermordung Manheims führten, ist eine Untersuchung im Gange, deren Ergebnis ich abtmrle. Wenn drs, 1 was behauptet wird, richttg ist, und wirklich Ueber- griffe der Franzosen vorliegen, so gibt bas keinen Anlaß, gegen irgendwelche französisckzen Soldaten eine Hetze zu betreiben. Der übergrößte Teil ber deutschen Presse hat sich erfreulicherweise von olcher Vertetzung ferngehalten. Mieine Politik muß auf Wertung des Deutschtums im Auslande eingestellt fein. Liekes soll begreifen lernen, daß die Teutschen ein friedliches Volk sind. (Lebhafter Beitoll.) Ich bin entgegen ber Behauptung meiner Gegirer dem Völkerbund nicht uachgelaufen, ich habe ausdrücklich festgestellt, baß dieser Völker­bund ein Bund der Kriegskabinette ist. Ich habe allerdings an die Völker appelliert, für eine bef­ere Ausgestaltung des Völkerbundes zu wirken, denn dann erblick ich die einzige Hoffnung auf die inottocttbige Revision des Vertrages von Der- äilles. (Lebhafte Zustimmung in der Mitte und links.) Ter Minister schließt: Herr von Graefe hat den Vorwurf erhoben, wir zerstören bas Werk Bismarcks. Tas Werk Bismarcks ist durch die Politik der letzten 25 bis 30 Jahre in Gefahr geraten.1 Tarüber mögen Sie sich aus dem dritten Bande von BismarcksErinnerungen und Ge­danken" Aufklärung holen. Ludendörff ist neben Tirpitz der größte Verderber gewesen. Für unter meiner Würde halte ich es. die Anspielungen des Abgeordneten von Graest bezüglich ber Gesin­nungstüchtigkeit und der Futterkrippe zu beairt- worlen. Ich werde meine Politik entsprechend meiner Programm rede weiterführen, so lange ich das Vertrauen der 9Nehrheit dieses Hauses hinter mir iveiß. (Anhaltender Beifall in ber Mitte und links.)

Abg. Schultz- Dvomterg (Deutsch-Natl.): Tie Enthüllungen Erzbergers tebürfen der Ergän­zung. Vermutlich liegt kein eigentliches englisckM Friedensangebot vor, sondern nur die Antwort Englands auf die Friedensnvte des Papstes. Erz- tergers Ausführungen über die Friedensnvte steten int schärfsten Widerspruck>c mit den Erklärungen der seindlichen Staatsmänner. (Zustimmung rechts.) Weshalb hat Erzberger nicht damals seinen großen politischen Einfluß für die Klärung der Tinge eingesetzt? Erzberger bestreitet, daß Graf Czerntn ihn veranlaßt Ijabe, nach Wien zu kommen. Erz­berger hatte die Mxm in der Hand, Kenntnis von den Dingen imb tat nichts. Die Vaterlandspartei sollte dem .Vaterland in seiner Seelennot eine Stütze geben. Tie Sozialdemokraten sollten die Vorwürfe gegen uns im stillen Kämmerlein be­dauern. (Widersprach und Lärm.) Die Wahrhett ist mit uns. (Zustimmung rechts.)

Ministerpräsident Bauer: Tie Regierung denkt nicht daran, einen gesetzlichen Arbeitszwang einzuführen. Tie Vorlage über die Betriebsräte wird in der nächsten Woche der NattonaLversamm- tung zugehen. Tie Streiks sind die Folge der ver­brecherischen Polttik des alten Regimes. Die Ver­antwortung für die Sünden des allen: Regimes lehnen wir ab. Sie würde sonst Selbstmord be­gehen. Eine Rückkehr zur Monarchie ist für alle Zeit ausgeschlossen. (Rufe reckfts: dllwartrn.) Eng­land hat immer wieder seine Bereitwillig kett zu einer Verständigung erklärt, sobald einmal Teutsch- land ferne Kriegsziele klar umschrieben bekannt ge­geben. Tas hat aber die alte Regierung stets ver­mieden. Gegenüber den Erklärungen des früheren! Reichskanzlers Michaelis und des Generals Luten-' borff gebe ich zlvri Niederschriften bekannt, die eine ein Schreiben des Reichskanzlers Michaelis an Hindenburg vom 12. September 1917, die andere die Antwort Hindenburgs vom 15. September 1917. Michaelis schreibt: Es drängt mich Ihnen und General Ludendvrff den Tank dafür auszu- sprechcn, daß die Herren mich in so weitsichtiger Weise unterstützt haben, maßvolle Kriegs­ziele zu umgrenzen für den Fall, daß wir im .Herbst oder Frühjahr ju Frredensverhandlungen kommen. Ich nehme bte Forderung der Obersten Heeresleitung an, daß zum Schutze unserer west­lichen Industrie an Lüttich sestgehalten werden muß und daß in Belgien alles getan werden muß, was zur Sicherung des wirtschaftlichen Anschlusses für uns notwendig ist, was natürlich mehrere Jahre dauern würde. In dem Schreiten Hinden­burgs heißt es u. a.: Der Verzicht auf die flan­drische Küste ist ein schwerer Schlag, der nur durch die auch von Jlmen anerkamtt'n Kompensationen gemildert wird. Diese Kompensationen - fclje ich in Stützpuntten innerhalb und außerhalb unserer Kolonien. Die militäriidje Kompeniation Belgiens wird auch bann noch nötig sein, wenn England und Amerika Frankreich geräumt haben werden. Nur wenn wir in Lüttich unbeschränkte Herren sind, können wir die erforderlichen rnilttärischen und Berwaltungsmaßnahrncn treffen. Ich vermag mir daher nicht zu denken, daß wir in irgendeiner absehbaren Zeit aus Lüttich herausgehen (Mit erhobener Stimme: Und das nennt Michaelis maßvolle Kriegsziele! Widerspruch rechts, un­gestümer Lärm links.) Wetter heißt es in dem Schreiben: Die schweren Schäden, die wir den Nachbarn zugefügt Ijabcn, waren eine unvermeid­liche Notwendigkeit des Krieges. Daß Entschädi­gungen dafür in Frage kommen, darf bei unserer militärischen Lage nicht vorausgesetzt werden. Nun schließlich die entscheidmden Stellen aus ber dem Briese beiliegenden Denkschrift Ludendorffs: Wir müssen das Gebiet zu beiden Setten ber Maas und südwärts bis St. Vith fest in der Hand behalten. Bisher sehe ich nur in der Einverleibung durch das Deutsche Reich das. Mittel dazu, es zu er­reichen. Der Befttz der Maaslinie allein genügt nicht, um dem Industriegebiet die nötige Sicher­heit zu geben. Wir müssen das englisch-belgisch- französische Heer noch weiter zurückschieben. Das kann mir dadurch geschehen, daß Belgien wirt­schaftlich so eng an und angeschlossen wird, daß es auch seinen politischen Anschluß an uns sucht. Aus diesen Schriftstücken ergibt sich bezüglich Bel­giens das folgende Bild: Kem neutraler Staat ber Welt hätte damals angesichts der wachsenden Tril- nahme Amerikas einen sv völlig unzureichenden Vorschlag über Belgien writergrgvl-en. Gleichzeitig wirkt nebenbei die Vaterianbopartei für ihre an» nerionistischen Ziele. (Zuruf des Abg. Trcrub: Sclauspieler! Zurufe links: VaterlanbÄ.'-errättr.) Das deutsche Volk wird Sie zur Rcchnrschftst ziehen. (Zurufe links: Verorecherbande!1 Eines Lernen wir aus diesem Kriege, nämlich, daß ein Volk sich

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Aur Stabt und Land.

Gießen, den 29. Juli 1919.

Keine billigen AuSlandtzschnhe.

Man hört vielfach die Ansicte äußern, und« rate Meldungen Berliner Blätter beuteten dar« hin, daß bemnächst durch die Einfuhr ausl« difchen, besonbers amerikanisch,en Sckiuhwerks ti Preise für Lederschuhe und Stiefel niedriger NM den. Diese Erwartung ist, wie ber Zenttal-Bo! band Deutscher Schulstvareichünbler mitteilt, gch lich unbegründet. Einmal sind Lederpreise i Auslande selbst höher als bei uns und dann vv hindert vor allem der Tiefstand unseres fDtdj Kurses im Auslände, daß 'nur irgend ettvcS liger einführen können. Die Einfuhr fcr?i« Schuhwaren wäre übrigens vom volkswittsclail lichen Stmrdpunkte aus durchaus nicht ju W grüßen. Was unserer VvlkÄmrtschaft not tut, iim Rohstoffe, damit unsere Judusttne, unsere Arbeite Befchasttgung haben. Anstatt ber Einfuhr fertigt] Schuhwaren müssen wir beshalb die Einful/r cal Leder oder noch besser, von rohen Häuten irij Gerbstoffen zu erreichen suchen. Die Preise Schuhe sind übrigens in Deutschland trotz tM licher Lohnerhöhungen, wie immer betont roerra muß, keineswegs in demselben Maße geslie« wie dies bei vielen anderen Erzeugnissen dec W ist. Tatet ist freilich nicht an die SchleichhcntM preise zu denken, sondern an die Preise für bitfl ordnungsmäßigen Verkehr abgegebenen GM roareTK die durch gemischte, aus SckMh-Dcrs^W und Schuhlhänt^ern bestehende Kommissionm W den Schuhwaren-Herstellungs- und Vertriebe rM schuften nachgeprüft werden.

Lebensmittel.

** Zuckerausgabe. Durch die ir| immer bestehenden Verkehrsschwierigkeittrs ein Teil des für die Juliausgabe tenöifc1 Zuckers bis heute noch nicht eingetrcfü Einige Kleinhändler können infolgedessen^ sofort bedienen. Die Kunden dieser wollen sich daher noch kurze Zeit geduldete» täglich mit dem Eintreffen des Zucket» rechnen ist. J

** Seefischverkauf. Heute erW das Lebensmittelamt wieder eine frisches« düng Kabeljau und Schellfische, V zu billigeren Preisen wie bisher in teil kannten Fischgeschäften ohne Marken iS Verkauf kommen. «

L.U. VonderLandes-Univerl tat. Der außeretcttsmäßige außerordentW Professor für Stratigraphie und PaläoiW gie Dr. Hermann Harrassowitz zum etatsmäßigen außerordenllM Professor ernannt. Der Privatdozent V Heinrich Junker hat einen Ruf als avM ordentlicher Professor für veraleicheiwe lW germanische Sprachwissenschaft an btc u« versität Hamburg erhalten und angenoniM

** Der frühe re Redakteur VW Gießener Anzeigers, jetzt chef der Weserzeitung, Karl Neurath, ® j von der hiesigen philosophischen Fakultät «