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Erstes Blatt
Dienstag, 29. Juli 1919
169. Jahrgang
31. Angell»«
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erse, 'irikonten
esse
»1919
Tas ganze Verhalten der Partei, vor allem r der geradezu klägliche Verlauf des mit so *t. Pump' und unter so großer Teilnahme
LrklSrung.
Gießen, den 26. Juli 1919.
Nachdem ter Vorsitzeiche des Vereins der Deutschen deniokratrschen Partei sich veranlaßt gesehen hat, in Nr. 172 dieses Blattes zu erklären, daß
beiten kann.
Hochachtungsvoll und ergebens gez. Med, Geh. Justizrat..
haus , kleine Er®' ;hL Freitax:
omLindenhor '
Nach dem ahnenwerk
gern SUder-t
Spiel h sowie hjgcni d Udet. Vcrpak. tietMe, täugiQ. viel) und w
tungsamt
i|VnMlM, FflUhW
"fcfhdenHandeh. 1 Fuhr in (Heften, (Heften.
Mtittr offener Brief an die deutsche t motratische Partei zu ksänden ihre; Dorffoen6en de; Herrn Minister a. D.
Friedberg.
Am 19. l. M. habe ich an den Parteitag der fauchen demokratischen Partei, großer Saal der WHarmonie, Berlin, einen offenen Bries einge- ineßen per Eilboten gesandt, welchen die Kölni- e Zeitung, an die der Brief gleicl>zeitig abging, ccils am 21. l. M. in ihrem ersten Morgen- itt im Auszug erscheinen ließ. Mithin kam der k i! sick>er noch ivährerrd der Tagung in die Jari - der Parteileitung.
Bis heute bin ich ohne Antwort auf diesen friti geblieben, auch auf dem Parteitag hat man iilhis davon erwähnt.
Warum hat man nicht den Brief eines alten Ijlteigcnoffen wenigstens zur Kenntnis der Ver- unnclten gebracht? Wenn man mit dessen Jn- Mt nicht einverstanden war, warum widerlegte lall dann die Ausführungen des Briefes nicht?
Die Widerlegung scheint also nicht so ganz lirfoch gewesen zu sein!
Tas, was ich ausführte, daß man die Soziali- frrurn nicht mitmachen könne, ist allseitig auf kii Parteitag zum Ausdruck gebracht worden, frufo ist meine Ausführung, daß auf dem Weg ter Steuergesetzgebung und durch andere soziale ^siegeln eine Ausgleichung der Interessen der tri siebenen Bevötkerungsschichten herbeigeführt w die Auswüchse des Kapitals sowie das un- »hiltnismäßige Anwachsen der allzugroßen Ver- |lc kii beseitigt werden müßten, auf dem Parteitag Wellig anerkannt worden.
Tie Tatsache, daß man auf dem Parteitag hab in der demokratischen Presse meinen offenen «ries ganz tot schwieg, muß einen besonderen ■tintb haben, der sehr nahe liegt.
Der Parteitag, der es ängstlich unterließ, I irgend einen Weg anzudeuten, wie er die Ziele I ter Partei auch praktisch ausführen könne, I wrllte offenbar eine Erörterung hierüber ver- - mtiDen, da eine solche sofort die absolute Ohn- ‘ macht, in die sich die Partei durch ihr ständiges hin- und Herpendeln Zwischen rechts und links versetzt hat, Nar dargelegt hätte.
em sowie An. ridden an das
llilw . —et* «.
Annahme von Anzeigen f. die Lageonununer dis zum Nactimiliag vorher ohne jedeBerblndlichkett Dreis für 1 mm höhe iüc Anzeigen v.34mm prelle örtlich 15 tzi., auswärts 18 Ps^ für Reklame- an zeigen von 70 mm «reite 48 Pf. Bei Platz- corld)riii200/09luifdilag. Hauvtschriitieiter: Ang. Goetz. Leranlwonlrch für Politik: Ang. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigenteil: ö. Beck; fämtlich ui Gießen
nbst Watten übertete ichsvmveMtmsami bimer, »u erhalten.
). Zull voll vom. 9 bUM n m.soa-In btnrnlM - Metekautton fana tote sowie wä-reot bn tett
Frankreich und das angebliche Friedensangebot.
Paris, 28. Juli. (Wolfs.) In einem Interview erinnerte der frühere Ministerpräsident Painlevs einen Berichterstatter deL „Echo de Paris" daran, daß er am 13. September 1917 die Präsidentschaft des Ministeriums übernahm. Er erklärte, nichts zu wissen von einem angeblichen Vor- chlag Englands, dem Frankreich beigetreten wäre und worauf Erzberger in der .d^ttschen Nationalversammlung angespielt haoe. Er fügte hinzu, daß es sich wahrscheinlich um ein Memorandum handle, das in Beantwortung eines Schreibens des Heiligen Stuhls vom britischen Gesandten beim Vatikan, der mit der Vertretung Frankreichs beauftragt war, übergeben wurde. Er erklärte sich überdies überzeugt davon, daß Ribot niemals den Auftrag erteilt habe, solche Vor- schlüge zu machen.
Senator Ribot, der später interviewt wurde, hielt dafür, daß es der englischen Regierung obliege, sich zu erklären und sagte: „Wir haben dem Heiligen Stuhl durch Vermittelung Englands nurdievomPapste im April 1917 unternommene Friedensvermittlung bestätig t." Ribot führte aus, da der Nuntius von München von G a s p a r r i beauftragt worden war, an den Kanzler zu schreiben, schrieb die englische Regierung, welche die G e f a h r bemerkte, ihrem Gesandten vor, wie er sich zu verhalten habe. Ribot bemerkte ferner, daß er der englischen Regierung geraten habe, sichnichtineinendirektenVerkehr e i n z u l a s s e n.
helfferich gegen Lrzberger.
Berlin, 28. Juli. In der „Kreuzzeitung" kehrt Staatssekretär Helfferich auf dis Erzberger-Enthüllungen noch einmal zurück. Er stellt zunächst folgendes fest:
1. Tas Telegramm des Fvreign Office an den britischen Gesandten beim Vatikan, auf dessen Veröffentlichungen im ungekürzten Text und in der Ursprache unter allen Umständen bestanden werden muß, war in der Tat nichts «rüderes als eine Stellungnahme des Fvreign Office zu der Friedensnote, die der Papst am 1. August an alle kriegführenden Mächte gerichtet hatte. Das Telegramm war also kein Schritt aus der Jni- tiattve der Regierung.
2. Der Inhalt des Telegramms war nichts weniger als ein Friedensangebot. Er unterschied sich kaum von der Antwort, die von den Ententemächten am 10. Januar 1917 für die Friedensnote des Präsidenten Wilson erteilt worden ist, und die im deutschen Volk bei allen Parteien und sogar bei Herrn Erzberger einhellige und entrüstete Ablehnung fand.
3. Ter ernste Willen des Papstes, den Frieden herbeizuführen, hat diesen den kaum aussichts- vollen Versuch unternehmen lassen, durch eine Erkundigung der deutschen Absichten über Belgien die Friedenssache vorwärts zu bringen.
4. Ter Reichskanzler und der Staatssekretär des Auswärtigen haben den Brief des Nuntius, in dem die deutsche Regierung um eine Klarlegung ihrer Stellung zu der belgischen Frage ersucht wurde, zur Veranlassung genommen, um im Kronrat vorn 11. September eine Entscheidung des Kaisers herbeizuführen, die ihnen für die bedingungslose Wiederherstellung der belgischen territorialen Integrität und be£ vollen belgischen Souveränität für den Zweck der Einleitung und Turchführung von Fritt>ensverhandlungen vollkommen freie Hand gebe.
5. Reichskanzler und Staatssekretär, die zwar geneigt waren ,an die — nicht vorhandene — englische Initiative auf Grund der Mitteilungen
sprechen:es ist Energie, dasjerrige, was sie theoretisch «lls richtig erkennt, auch praktisch durclM- führen; es ist endlich — und das ist das Schlimmste für eine demokratische Partei — das Vertrauen zum deutschen Volk.
Oder zeugt es von Mut, wenn nach Zeitungsberichten Herr Senator Petersen von Hamburg unter jubelndem Zuruf und stürmischem Beifall von 900 Demokraten sagt (wenigstens dem Sinne nach): „Wir haben den 1. Mai zum Nationalfeiertag erklärt, well er sonst doch gefeiert worden wäre?"
Oder ^eugt es von Energie, wenn derselbe Senator Petersen ebenfalls unter jubelndem Beifall zu forfen wagt: „Wir haben das Sozialisierungs-Gesetz angenommen, well wir unter dem Zwange der Notwendigkeit so handeln, mußten?"
Zeugt es etwa endlich von Vertrauen zum deutschen Volk, Mut oder Energie, wenn der frühere Oberverwaltungsgerichtsrat und nationalliberale Abgeordnete, das Vorstandsmitglied der demokratischen Partei Schiffer als einzigen Grund für die Notwendigkeit des Zusammengehens mit der Sozialdemokratie und die Unmöglichkeit des Zusammenschlusses der bürgerlichen Parteien anführt: „Dieser Zusammenschluß bedeute den Bürgerkrieg!"
Haben wir denn den Bürgerkrieg nicht schon zur Genüge gehabt? Wütete derselbe nicht in Berlin, in München, Leipzig, Duisburg, Düsseldorf, Braunschweig und anderen Orten?
Wer hat denn diese verschiedenen Bürgerkriege bzw. diese Putsche hervorgerufen? Etwa das deutsche Volk? Nein!
Wie die Revolution nicht vom deutschen Volk, sondern von verführten, meuternden Soldaten gemacht wurde, so sind diese Putsche veranlaßt von aus dem Ausland gekommenen oder bestochenen Halunken und von aus den Gefängnissen befreiten Verbrechern, denen sich eine aufgehetzte, irregeleitete Menge anschloß. Die Putsche waren aber nur möglich und sind nur möglich infolge der Schwäche der damaligen und jetzigen Regierung.
Der Bürgerkrieg wird niemals kommen, wenn das Volk sieht, daß wieder eine Regierung am Ruder ist, die auf Ordnung sieht, der Korruption und dem Schiebertum nach jeder Richtung entgegentritt, die es nicht zuläßt, daß Dieo- stahl und Schleichhandel immer mehr um sich greifen, daß in schamloser Weise die Spielhöllen, die das neurnwichtete Deutsche Reich in den 70vt Jahren glücklich beseitigt hatte, neuerdings überall in gesetzloser Weise offen ihr Wesen treiben, die vor allem auch verbrecherische Putsche und das Allgemeininteresse gefähcvende, frivole Streiks aufs energischste bekämpft.
Ich komme infolge meines Berufs und auch sonst mit dem Volk wohl mehr zusammen als die meisten Herren, die sich eben in Weimar den Kops zerbrechen über die Frage, wer Schuld ist an dem Verlust des Krieges und dem Niedergang des Reiches, an dem doch alle Parteien und alle Deutsche ihre Schuld mittragen, über Trennung von Kirche und Staat, über Schulfragen und sonstige Dinge, die wahrhackig eben einer so dringenden Regelung wie eine Ndenae ganz anderer Tinge nicht bedürfen, und die z. B. bei uns in Hessen schon längst zu öfter Zufriedenhell geordnet sind.
Ich höre aber bei Beamten, Kaufleuten, Akademikern, Handwerkern. Landwirten, Arbeitern bis in die sozialdemokratischen Kreise hinein, immer nur die Worte: „Es muß eine starke Regierung dafür sorgen, daß es anders wird, daß wieder gearbeitet und nicht nur organisiert wird, daß nicht Faule, angeblich Arbellslose, unter ftü&t werden." Mit andern Worten: „Es muß wieder Ordnung werden." ,
Tiefe Ordnung wird aber nicht geschaffen durch die glänzendsten Ansprachen von Parteiführern wie Friedrich Naumann, Oberbürgermeister Koch, Frl. Tr. Gertrud Bäumer, sie kann vielmehr nur geschaffen werden durch eine Tat, und zwar das Zusammengehen der Demokratie mit allen übrigen bürgerlichenParteien, mit denen allein die Temokratie eine Majorität bilden kann, um so das Wohl des Vaterlandes wirksam zu fördern. Tas setzt allerdings voraus, daß die rechtsstel-enden Parteien bis in die deutsch- nationale Partei sich bei aller theoretischen Zuneigung zur Monarchie auf den Boden der, Tatsachen stellen und im Rahmen der nun einmal tatsächlich bestehenden Republik bereit sind, an der Gesetzgebung und Verwaltung mitzuwirken, wozu sich übrigens diese Parteien, im Parlament wenigstens, stets bereit erklärt haben.
Nach dem Verlauf des Parteitags der demokratischen Partei kann ich nicht erwarten, daß es mir gelingen wird, die Theoretiker und Idealisten der Partei von der Richtigkeit meiner Ausführungen zu überzeugen. Es wird aber bei der Parteiprogrammaufstellung, die ja jetzt erfolgen soll, von der Partei die Frage geprüft werden müssen, auf welchem Weg die demokratische Partei ihre prinzipiellen politischen Grundsätze, deren Anhänger ich nad) wie vor bin, auch praktisch zur Geltung bringen und mit Erfolg durchsetzen will. Ich hofft immer noch, daß dann die Partei zur Einsicht kommen soll, daß sie mit _ ihrer praktischen Politik auf falschem Wege ist, und daß dann ein alter Fortschrittsmann mit der Partei wieder zusammenarbeiten kann.
Gießen, den 26. Juli 1919.
Metz, Geheimer Justizrat, langjähriger Vorsitzender der Freisinnigen Partei und der Fortschrittlichen Volk.-partei des ersten hessischen Reichstagswahlkreises.
des Nuntius zu glauben, waren auf Grund des Wortlautes der Tepesche der Foreign Office, unb anderer Mitteilungen skeptisch in bezug auf die Ehrlichkeit des britischen Willens zu einem Vcr- ständigungsfriede '. Nach Prüfung dieses britifd)cn Verständigungswillens sollte die Festlegung unseres! Verzichtes auf Belgien erfolgen. Diese Nachprüfung wurde aus den von Herrn Michaelis angegebenen Gründen, die teilweise in der Indiskretion des Herrn Erzberger lag'en, auf einem anderen Wege als über den Vatikan versucht.
Helfferich schildert dann das Schicksal des über Spanien geleiteten Versuchs des Auswärtigen Amts, mit London in Verbindung zu treten, worüber Michaelis in seiner Mitteilung schon das Wesentliche gesagt hat. Helfferich vertritt bei dieser Darlegung die Auffassung, daß es den Alliierten nur darum zu tun war, den deutschen Annäherungsversuch in einer für sie nicht komprom- mittierenben Weise abzulehnen. Er schließt daraus ferner, daß die britische Regierung, die einert tatsächlichen deutschen Fühler so zurückwies, un- möglich vorher selbst die Jnitiattve zu einem! Angebot an Deutschland ergriffen haben könne. Er glaubt, damit die Erzbergersche Beweisführung entkräftet zu haben, die darauf hinauslief, darzu- tun, die Reichsleitung habe mll der Behandlung des päpstlichen Schrittes eine Friedensmöglich-* teit versäumt.
„Dieser Herr Erzberger," fahrt Helfferich fort, „der heute Sturm läutet*, ging damals friedlich nach Hause. Dieser Herr Erzberger, der sonst von Indiskretion überftießt, der die geheimsten Jmme^ biatberidjte in Parteiversammlungen vorliest, verschloß das Verbrechen, das er im Werden beobachtete, in den tiefflcn Tiefen seines Herzens, um es nach zwei Jahren hervorzuholen, gerade irt dem Augenblick, als die verhängnisvollen Folgen seiner -entsetzlichen Fuhrwerkerei vom Sommer 1917 allen Augen offenbar werden. Wenn Herr Erzberger als einer der ganz wenigen Personen- die — im Gegensatz zu den meisten Staatssekre. tären und zu der Obersten Heeresleitung — den Schriftwechsel Pacelli-Michaelis damals schon kannten und in ihm das Verbrechen der Vereitlung eines ernstlichen brllischen Friedenswillens sah, warum hat dann der mächtige Abgeordnete sich eine seinem Wesen gänzlich fremde Zurückhaltung auferlegt? Warum hat er nicht ein gegriffen, um das Unheil zu verhüten od^c wieder gut zu machen? Warum hat er nach wie vor seine schützende Hand - über dem materiell für die Bel>andlung des Pa- cellibriefes verantwortlid^n Staatssekrttär von Kühlmann gehalten? Wenn aber Herr Erzberger, der damals wußte und schwieg, heute den Briefwechsel Pacelli-Michaelis zu dem ungeheuren Verbrechen einer vereitelten Friedensmö- lichkeit aufbauscht, wenn er gegen besseres Wissen entgegen der vom Kaiser getroffenen Entsck-eidung und der dem neutralen1 Vertrauensmann gegebenen Information behauptet, die Friedensmöglichkeit sei an militärischen und schwerindustriellen Forderungen in Bezug auf Belgien gescheitert, wenn er mit dieser Behauptung aufs neue eine ungeheure Erregung in das deutsche Volk Ijinernträgt, um «Scl-ell er Haufen für feine politischen Gegner aufzusclsidsten unb feine eigene kompromittierle Person unbemerkt in Sicherheit zu bringen — so ist das nichts als ein gewissenloser und nteberträd) tiger Volksbetrug, von einer vorbildlosen Dreistigkeit, ein Volksbetrug, der dem bisherigen unverantwortlichen Treiben des Rkichsverderbers die Krone auf* setzt," ,
Eine Erklärung Kühlmann».
Berlin, 28. Juli. Auf eine Anfrage der „B. Z." hat der frühere Staatssekretär des AuswärtigenvonKühlmann zu den jüngsten Auseinandersetzungen über die Vorgänge im Herbst 1917 mit folgender Erklärung geantwortet:
Tas verantwortliche Reichskabinett ist meiner Anlicht nach zuständig, um zu befinden, was über wichtige diplomatische Vorgänge in der nächsten Zell veröffentlicht werden kann. Ich persönlich halte mich zu Publikationen über vertrauliche Vorgänge während meiner Amtszeit ohne Ermächtigung des auswärtigen Ministeriums nickst für befugt, möchte auch deren Nutzen für unsere Gesamtpolllik bezweifeln. Eine wirkliche Klärung wird wohl nur möglich fein durch ein Verfahren wie das vor dem Staats- g e r i ch t s h o f geplante, bei welchem an der Hand des gesamten Attenmaterials die politischen Ereignisse in ihrem Zusammenhänge geprüft werden können.
Eine ErNärung des Grafen Wedel.
Berlin, 28. Juli. (Priv.-T^) Der bisherige Botschafter in Wien, Graf Wedel, Der-* öffentlicht in den „Hamburger Nachrichten" folgendes:
„Herr Erzberger hat in Weimar bestritten, daß Graf Czernin ihn veranlaßt habe, nach Wien zu kommen und ihm Rechenschaft über die Verwertung fernes Berichtes zu geben. In einem in meinem Besitz besindlichen Briefe des Grafen Czernin heißt es wörtlich: „Erzberger bat seiner Zeit Kenntnis von meinem Bericht erhalten und die schwerste Indiskretion begangen. Er kam nach Wien, von mir zitiert, um mir Rechenschaft über fein Vorgehen abzulegen. Er war damals ganz vernichtet undt sah seinen kolossalen Fehler ein." Es bestehen über diesen Vorgang nickst nur bie Briefe, Hohenlohes, sondern auch andere beweiskräftige Totumeute. Tas sollte Erzberger bedenken. Staats-^ sekretär Kühlmann weiß auch die Wahrheit,"
Jrimng doch noch ein objektives Urteil bewahrt", Mellte aber, als ich weiterlas, daß sich der Artikel Hüt auf den demokratischen, sondern auf den fellch nationalen Parteitag bezog. Ich habe nun u? Verhandlungen dieses Parteitages nicht so ge- 121 verfolgt, um mir ein Urteil bilden zu können, ■! die Kritik der Frankfurter Zeitung darüber Iptrig ist. Die Verhandlungen des deutsch-natio- ntfn Parteitags mögen aber verlaufen fein, wie vollen. ein noch bescheideneres Ergebnis wie k erste Parteitag der deutschen demokrattschen ‘krtvi können sie nicht gehabt haben.
Der Partellag, so hörte man vorher, sollte -Mich das Programm der Partei aufstellen.
L Und daß Resultat der zweitägigen großen ,Matte über die Tätigkeit und die Ziele der Brtei? „Eine mit stürmischem Beifall angenom- Me Resolutton", deren Kritik sich wie alles, bi seit der „großen Revolution" geschehen ist, öhbic Worte des Goethesckxn 'Faust mit einer
-inest Variation zusammenfassen laßt: „Der HBlrtc sind genug gewechselt, laßt mich auch eud- Taten sehen, indes Ihr leere Phrasen drechselt. Hm etwas Nützliches geschehen!"
Ml Was sagt die Resolution? Der Parteitag ■fet die Haltung der Partei in der Friedens- Mfe, er protestiert gegen den Gcwaltfrieden, ver- Mht Einhaltung der Friedensbediugungen, so- W möglich, und hofft, daß der Tag kommen Wo, an dem Deutsch'crnd in den Völkerbund ein» Wn Fann. Nach diesen Selbstverständlichkeiten Wt die Resolution wörtlich fort: „Erst dann llnXrr Friede und die Wohlfahrt aller Völker Wichert! Um diesen Kampf um das Recht erfolg- zu bestehen, muß die Demokratie im Innern Wklschlands zur lebendigen Wahrheit werden. Bpeit der Person und der wirtschaftlichen Eill> W»ng bei gerechtem sozialen Ausgleich und bei Wih Berechtigung Aller im wirtschaftlichen Pro- Ifennt, starkes deutsches Gefühl und Staats- Wjfctfcin, strengste Arbeitsamkeit und hingehende I trM'nüllung jedes Ellbeinen gegenüber der Ge- I Ignfdjaft des deutschen Volkes, das sind die Seit» ■fei',. denen wir folgen. Der Parteitag erwartet, W twe demokratische Vertretung in den Parla- Witent ohne starre Voreingenommenheit und ohne Wümgslose Anpassung seine Grundsätze Har und Mim nt verwirlliche. Er ruft die deutsche Jugend M An dem großen Kampf für Deutschlands Kpieit unsere Reihen zu verstärFen."
■ 3 in diesem ohrenbestechenden Wortgellingel p-:r der Aufforderung an die Jugend, der demo- gttiidien Partei beizutreten, auch nur angedeutet, Bpbr.e Partei wirklich will und auf wllckien Weg ' UichMfch ihre Ziele zu verwirllichen geben Ft?
i- JCer demokratischen Partei fehlt es nicht an öi-ri Führern, nicht an glänzenden Rednern, .m Intelligenz und nicht an gutem Willen. llRi iber der Partei und ihren gegenroärtigen I g cm fehlt, ist Mut, dasjenige, was sie als S R.igs erkannt hat, rückhaltlos offen auszu
GietzenerAnzeign
General-Anzeiger für Oberhessen
Zwillmgrninddruü u.verlag: vrühl'sche Univ.-Buch- u. Steinbruderet R. Lange. Zchriftleitung, Seschäftrstelle u. Druckerei: Zchulstr. 7.
■finit l. I erstes Morgenblatt zufällig die Worte: Eier positive Inhalt des Parteitags ist sehr dürf- und steht in ftarFcm Widerspruch zu den ; Swöt rt Worten". Ich bezog diese Worte auf den Brteitag der demokrattscl-en Partei und dachte Mnllkürlich: „Da hat sich ja die Franksurter
ich aus der Temokrattschen Partei ausgetreten, darf der Vollsländigkcll halber auch der Wortlaut meiner Mitteilung der Oeffentlichkeit nickck vor- eirthalten werden. Meine Mitteilung lautet:
Gießen, den 24. Juli 1919.
An den Vorstand des Vereins der Teutschen demokratischen Partei
dahier.
Ter Umstand, daß die Partelleitung der Deutschen benrofratiid/cn P^tei einen von mir an den Parteitag gerichteten offenen Brief, der rechtzeitig eingelangt sein muß, einfach ignoriert und dem Parteitag unterschlagen hat, sowie der nach meiner Ansicht bezüglich der Resultate geradezu lläglickxe Verlauf des Parteitags madjen es mir unmöglich, zur Zell mit der Partei fort zu arbeiten und der Partei noch länger anzugehören. Ich bin deshalb genötigt, hiermit meinen Austritt ans der Partei und dem hiesigen Temokrattschen Verein zu erklären.
Mit den Grundsätzen der Partei bin ich nad/ wie vor einverstanden. Mit der Art und Weise, auf welche die Partei diese Grundsätze in Zote Praxis übertragen ober ridjtiger nicht übertragen will, kann ick) mich aber in keiner Weise einverstanden et {Taren.
Hoffentlich kommt bald die Zeit, in der die
Kraftwagen. agS btoinnenb, finkt tuaen in CM stau Zettenhausen, Nürnberg n, mrevarlnt n, repariert repariert tariert anrepartai repariert
llr. U4
1 £ex rietzener Anzeiger scheint täglich, außer Lann- und Feiertags.
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1 ÄnschristfürDrabtnach- ncyien: Anzeiger Lietzen.
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xwnvBti, wwa itencn ersten Parteitags nötigte mich jetzt,
tW, dak n Wt »tW®» feinen Austritt aus der Partei zu erklären, da iLsLeinanseardeM-«^ Uh mit derselben nicht mehr weiter gehen kann, ibenea Mckeo Mw» . -- h^n Verlaus dieses Parteitags betrifft,
?ua8h!Sn 4umBSoir-il’ la ■ ich in der Frankfurteck Zeitung vom 23.
Tem akratische Partei eim'ieht, daß sie mit ihrer praktischen Politik auf falschem Wege ist, und ich demgemäß wieder mit der Partei zusammen


