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169. Jahrgang
Mittwoch, 29 Januar 1919
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
3mintHäsmnMra<r n. Derlaj: Srühl'Iche U«!».-v«q- u. Sttintraderei B. Eenge. $d)riftidtung, Seschlstrftelle u. örndcrei: Schulftr 7.
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Die par'srr Konferenz
>. Paris, 28. Ian. (WTB.) §>avas. In der Montagssitzuug der Vertreter der Großmächte am Quai d'Orsay, deren Vorsitz Cie-
Vie provisorische Rrichsverfassung.
Es ist schade, daß über dir Konferenz der einzelstautlichen Vertreter vom letzter Svurrtag in der Oeffeirtlrchkeit so wenig be- Ttntnt wurde. Sonst wüßte man genauer, daß der stolze stkeichsgedanbe von allerlei Schlangen der Zwietracht und — des Partikulavis- mus umschlungen wird. Leider scheint es so ftu sein! Ein Ausschuß ist bei der Arbeit, den Preuß'schen Entwurf, der in fernen Grundgedanken, völlig frei von parteipolitischer Voreingenommenheit, gebilligt werden muß, nmzugestalten, zu „verbessern". Ein ,provisorisches Staaten Haus" soll zunächst mit der llrationalversammlung zusammenwirken. Unseren amtlichen.Berliner Kreisen ist es darum HU tun, den Verdacht abzuwehren, als sei ein Bestreben im Gang, di.se dcm alten Bundesrat ähnlichen Körperschaft der Nationalversamm- lttng voranzuftellen. Das provisorische Staaten- hau«, so sagt die amtliche „Deutsche Allgem. Ztg.-, sei vielmehr nur als „eine Art Filier für Gesetzentwürfe" gedacht; die Nationalversammlung bleibe die höchste Instanz. Man vergleiche damit die heute aus Stultgart vorliegende Meldung. Die dortige provisorische Regierung vertritt einen Standpunkt, der sehr stark nach PartikulariSmuS riecht, obgleich er für ein ungeteiltes Preußen eintritt. Wir brauchen eine starke NeichSgewalt, Diesen Gedanken müssen wir allem anderen voranstellen. Das alte System ist gefallen; also müssen wir ein neues errichten mit der ungeschwächten Gewähr einer starken Neichseinhcit. Die ernzelstaatlichen Instanzen müssen alsbald rundheraus erllären, daß sie dem Reiche flc&en, was des Reiches ist: vor allem also die großen Einrichtungen der Eisenbahn, derPost, des Heeres. Wir wollen hoffen, daß die deutsche Rationalvorsammlung diesen Forderungen dett stärksten 9tachdruck verlecht, und daß ihre Beschlüsse anerkannt werden als oberster Ausdruck des gesamten deutschen Bolkswil- lrns. Bon unserer hessischen Regierung wünschen wir, daß sie kein irgendwie geartetes iwrtikuläristtsches Bersteckspiel mitmacht!
Berlin, 28. Ian. (WTB.) Unter der Ueberlchrift „Kabinettsberatungen" schreibt die „Deutsche Allgemeine Zeitung" zu den Beratungen über den Entwurf der provisorischen Verfassung u. a. folgendes: Es ist in der Oeffentlichkeit bisher noch wenig beachtet worden, daß gleichzeitig mit Der Ratio nalversammlung ein provisorisches Staaten Haus ins Leben treten wiro, das aus den von den einzelnen Freistaaten ernannten Regierungsvertretern bestehen soll. Das spätere bleibende Staatenhaus dagegen wird eine Bereinigung von Vertretern fein, welche die einzelnen Landesversammlungen der Freistaaten aus ihrer Mitte wählen. Es wäre indessen irrig, das provisorische Staaten Haus auf Grund seiner Entstehungs- Weise für eine Art Bundesrat zu halten, denn ferne Funktionen werden hinter denen des alten Bmrdesrats erheblich Zurückbleiben. Es ist nur als eine Art Filter für Gesetzentwürfe gedacht und wird nur mit bedingtem Aetoreck t ausgestattet, derart, daß Gesetzentwürfe, die die Regierung dem Staatenhaus vorlogt, auch dann, wenn dieses sie ablehnt, an die Nationalversammlung weitergehen. Auf diese Weise wird die Nationalversammlung wiederum ihren Charakter als höchste entscheidende Instanz im gesamten Staatsleben dokumentieren.
Württemberg und die NeirbSverfasiung.
Stuttgart, 28. Ian. (WTB.) In der heutigen Sitzung der Württembergschen Landesversammlung gab der Minister des Innern Dr. Lindemann folgenden Beschluß der Provisorischen Regierung zum Reichs- verfassungsentwurf vckcmnt: Die Zentralisierung des Reiches lehnen wir ab unb halten daran fest, daß der Charakter der Bundesstaaten im wesentlichen erhalten bleibt. Wir svrd weiter der Ansicht, daß Vorschriften, wie sie im § 12 bei Reichsverfassung niedergelegt sind, nicht ohne Zu- ) ftimmung der Bundesstaaten in die Reichsver- 7 fassung ausgenommen werden können. Wir gehen davon aus, daß der Bestand Preußens im wesentlichen erhalten bleibt. Sollte eine Zerlegung eintreten, so würde das nach unserer Auffassung die Bildung einer zentralen Reichsgewalt bedeuten, was mit dem Ende der Bundesstaaten gleichbedeutend wäre und sie zu Selbstverwaltungskörpem herabdrücken würde. Das Betreten dieses Weges würde zum Verfall des Reiches führen, dessen Einheit allein durch die föderative Verfassung verwirklicht werden faiut.
lieber die Fassung dieser Richtlinien soll am Dienstag endgültig beschlossen werden. Raulen s und General Risset werden als Vertreter Frankreichs in der Kommission bezeichnet. Im Laufe der Rach- mittagssitzung wurde die Frage der d eu t s ch e u Kolonien in Afrika behandelt. Die japanischen Delegierten brachten den Standpunkt der japanischen Regierung in Gegenwart von zwei chinesischen Vertretern, die besonders dazu ber berufen waien, zur .Sprache. Hughes und General Botho sprachen für die Dominions und forderten: Neuguinea für Australien, die Samoa-Inseln für Neu- leeland, Südwestafrika für Südafrika. Da der Generalsekretär im belgischen Ministerium des Aeußerr 'iwch nicht (in Paris ein getroffen war, wurde die Rede des französischen Kolonialministers, Simon, vertagt. Die Diskussion erstreckte sich auf das West" afrika-, das Togo- und das Kamerun-Problem.
Wilson entwickelte seine persönlichen Ansichten in bezug auf die Regelung der Gebietsfragc, wonach der Völkerbund mit der Verwaltung eigens einen Staat betrauen soll. Während der zweiten Sitzung des Komitees bei ryroßmächte traten die Delegierten der Mächte mit besonderen Interessen zusammen. Den Vorsitz diesem Sitzung führte Jules C a m b o n mit Takt und Würde. Es wurden verschiedene Kommissionen gebildet. Die Bildung der Kommission für Entschädigungen hat noch zu erfolgen. Belgien vereinigte die meisten Stimmen auf sich. Der Vertreter Kubas »erlangte für sein Land eine Vertretung tu der Kommission für die internationale Arbeitergesetzgebung int Hinblick auf die Bedeutung der kuba- mschen Zigarrenindustrie. Bei Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses wies der brasilianische Finanzminister C a l e g e r a s auf die Bedeutung der Stellung Belgiens durch seine Vertretung in der Kommission hin und beglückwünschte Belgien. Der belgische Minister des Aeußern dankte im Ra- ♦nen seiner Negierung. -Cambon äußerte 'ich ebenfalls fc['r anerkennend über Belgien und dralle Machte, die die Autokratie bekämpft bauen, siw ein Verdienst um die Zivilisation erworben hätten.
Milderung der Blockade?
London, 28. Jan. (WTB.) Reuter erfährt, daß mit Unterzeichnung des Waffenstillstandes von Erschiebenen Seiten ein starker Druck ausgeübt wurde, um die Härten chxr Blockade zu mildern. Die MöglicUeit von Zugeständnissen, wo sie erwünscht fein könnten, beschäftigt sehr die Aufmerksamkeit der assoziierten Regierungen. Die alliierte Mockadekommission, die die Großmächte vertritt, tagt dauernd und ist damit beschäftigt, Zugeständnisse einzuräumen, wo immer die neue Lage sie durchführbar erscheinen läßt. Außerdem ist der Oberste Rat des VcrpflcgungS-Hilfswerkes mit der Erwägung einer Lebensmittelhilfe beschäftigt. Man ist der Ansicht, daß. solange die Blockaoe gegen die Türkei aufrechterhalten bleibt, bezüglich Südosteuropas eine viel liberalere Pott ik berechtigt ist angesichts der Tatsache, daß die Möglichkeit einer Unterstützung des Feindes durch eine Milderung der Blockade für diese Gegenden sehr fern liegt Was die Mittelmächte anbelangt, jo wicd die Blockade, abgesehen von den Lebensmittelver- cinbarungen des Obersten Rates, dessen Aufgäbe es ist, die Lebensmittelerfordernisse Europas zu überwachen unb nach eigenem Gutachten bic Versorgung vorzunehmen, tatsächlich in ihrem vollenDruck auf rechte rhal t.en.
Die Verhandlungen in Spaa.
Berlin, 28. Jan. (WTB.) Sitzungsbericht der Waffenftillstandskommission in Spaa Dom 27. Januar. Zur Frage der alliierten Lebensmitteltrau Sporte .durch deutsches Gebiet über Danzig ließ die deutsche Regierung heute erklären, sie sei prinziviell bereit, die Durchfuhr zu gestatten, wenn eine beschleunigte Rückgabe des zur Verfügung gestellten Eisenbahnmaterials gewährleistet werde. Sie zweifle jedoch wegen dis schlechten Zustandes der Bahnen und wegen des Mangels an rollendem Material an einer schnellen Beförderung. Ein Vertreter der deutschen 3cr grenmg bat um Auskunft, ob die in Polen weilende amerikanisch-polnische Lebensmittel ksmmissiou, die von den deutschen Behörden Unterstützung zur Fahrt von Warschau nach Danzig forderte, im Auftrage der amerikanischen Wafsenstillslandswmmissivn handle. Es rouri'e um schriftliche Aufklärung gebeten, daß sich die Tätigkeit der Ernähnrng..Tommi sivn auf Lebensmitteltransporte beschränke und daß sie sich jeder politischen Betätigung enthalten werde. Die deutsche Regierung behalte sich außerdem vor, die Abberufung der polnischen Kommissionsmitglicder zu verlangen, falls diese national-polnische Propaganda zu treiben versuchten. Es könne nicht go duldet werden, daß durch unveranttvortliche Machensch^sten der Entsch.iduna der Fricde'-s- ' on ere. z über die R g llr cg der Ost^ren-e Deut ch- lanos DOiöigrif(eu w.rve.
Die französische Regierung hatte gebeten, gemäß dem Trierer Finanzabkommen vom 13. Januar mit den Verhandlungen über die Rückgabe der in ehemals von Deutschland besetzten Gebieten beschlagnahmten Vermögenswerte zu beginnen.
General von Winl^rfeldt nnd Vrzbcrger.
Berlin, 27. Jan. (WTB.) Zum Rücktritts- gesuch des Generals v. Winterseldt schreibt die „Deutsche Allgemeine Zeitu-ig" vom 28. San.:
Die „Reue Berliner Z inrug" Dom 27.Januar veröffentlicht unter der Ueberschrist „General von Würterfeldt gegen Cr z ber gc r" eine in jeder Beziehung unzutreffende Darstellung der Umstände, unter denen General d. Winterfcldt gebeten Hot, aus seiner Tätigkeit al5 Vorsitzender der deutschen Delegation in der Internationalen
menoeait führte, äußerte sich Pichon über die! WaffenftillstandskmnMission in Spaa aus'uschci- Klichtlinien für die interalliierte Untersuchungs- den. DaS Blatt gibt der Vermutung Ausdruck, dimnvission, die sich nach Polen zu begeben hat.!daß zwischen WuttcrßM und dem Korjitzeuden
Iber Waffenstillsta^dskommiPon, Erzberg'r, Mei- nungsDerschcebe: h i;en beständen. Demgegenüber sind wir seitens des Staatssekretärs Erz berge zu folgender Erklärung ecinäch igt: Zwischen General v. Winterseldt und Scaatssekre är Erzberger bestanden 'eit dem ersten Tage ihres Zu- sammenarbei e s in Compiegne die ausgezeichnetsten Bezühuüg.'n. In sachlichen Fragen zeigtc sich niemals eine Meinungseerschieie.ch.it. Wenn d. Winterseldt unter bd.t Schwierigkeiten bei Verhandlungen und dem fortgeetzben Zivang ,zn protestieren, ganz besonders lmdet, so erklärt sich das daraus, daß D. Winterseldt als Vorsitzender der Rutschen Delegation nt Spaa zu jeder Stunde persönlich jedem Uebergriff der En- ente eittg genzittrcten hat, während Erzberger als Vorsitzender der gütmuen Waffenstillstanislorn- mission Don Berlin aus eben durch die Vermittlung Winterfeldrs den deutschen Standpunkt vertritt. Seit Wochen hat General D. Winterfcldt kein Hehl daraus gemacht, daß er für das Auftreten dem Sieger in Spaa gegenüber nicht mehr lange die Verantwortung werde übernehmen formen und mit Rücktrittsg^an- ken umgehe. Staatssekretär Erzberger beachte der besonders peinlichen Situation des Verhandlungsleiters in Spaa stets Dollstes Verständnis entgegen, war sich jedoch auch bewußt, daß gerade eine Persönlichkeit wie Winterfcldt mit ihrer oornehmcn Sicherheit des Auftretens und einer selten zu findenden würdevollen Schlagfertigkeit nur schwer zn ersetzen sei. Deshalb bat er den General unter ausdrücklicher Zustimmung der Reichsleitung durch ein in wärmsten Worten gehaltenes Telegramm, in der für alle deutschen Delegierten keineswegs bend: en s werten Lage durchzuhalten. Das Telegramm hat folgenden Wortlaut: „Ihre Depesche erhalten. Verstehe Dollkommen 56rc Gründe zum.Rücktritt, bitte jedoch nach Dorljerigcr Verständigung mit der Reichsleitung driuzendst, im Amte bleiben zu wollen. Sie haben unser Dolles Vertrauen, und wir sind überzeugt, daß Ihre wertDolle Arbeit Don keiner geeigneteren Kraft geleistet werden kann, ja, daß Ihr Rücktritt schweren Schaden unserem Vaterlande bringen müßte. Darum bitte ich Sie unter Zustimmung der Reichsleitung. Ihr so schweres Amt weiterführen zu wollen, welcher Schritt Ihnen erleichtert werden dürfte durch das anerkennenswerte Verhalten des englischen, französischen unb amerikanischen Generals."
Tie Stärke der Entente-Heere im Westen.
W a s h i n g t o n, 28. Januar. (Funkenstation Dieburg.) Der amerikanische Generalstab veröffent- licht folgende Mitteilung: Die Alliierten hatten im Augenblick der Unterzeichnung des W affen still st andes 6 427 lOll Mann an der Westfront. Daoon entfielen auf Frankreich 2 559 000, England und Portugal zusammen 1818 000, aut Amerika 1950 000, auf Belgien unb Italien 200 000 Mann.
Da» amerikanische Heer.
Washington, 28. Jan. (WTB.) Reuter. General March teilte dem Senatsausschuß für HoeresangelegenHerten mit, baß Abmachungen mit den Schisfahrtsinstanzen getroffen wurden, damit 300000 Amerikaner im Manat heim befördert rverden können. Das ganze Expeditionsheer fall rmrerhalb fechs Monaten heimbefördert und demobilisiert werderr. Wilson werde in Paris die Größe der amerikanischen Besetzungsarmee bestimmen. March gab an, daß 10 Divisionen als Anteil Amerikas angeregt worden seien und fügte hinzu, er fei dafür, daß die Bereinigten Staaten ein stehendes Heer von einer halben Million besitzen.
Oberst House all Verteidiger des deutschen ««iser»?
Berlin, 27. Jan. Die Wierrer Blätter melden aus Gens: Oberst House hat für die Pariser Kanferenz auf Gruird ciui'gw dem Bcrlmud unbekannter Schriftstücke die umsa'gr-ick>c Denkschrift ausg-'arbeiket, in der die hauptsächlich gegen den Deutschen Kaiser gerichteten An- fchuldigimgen entkräftet werden.
Var amtliche Wahlergebnis in Hessen.
Nach der amtlichen Feststellung des Wahl- ergcbuisteS ficlcn anf die Vorschfagsliste der Lozialdcmokrattschen Partei 289 211 Stimmen Unadh. Soziald. Partei . 12 633 „
Zentrum..... 110 853 „
Demokratischen Partei. . 124 202 ,,
Hesfiichen Boll-Partei. . 43 359 „
Deutschen Volk-partei . . 73 349 „
Dar Wahlergebnis in Preußen.
Berlin, 29. Jan. Rach den bis Mitternacht vorliegenden Wahlergebniffen ergibt sich bei 19 Wahlkreisen (von 23) folgende Verteilung der Sitze auf die Parteien Deutsch-nationale Volkspartei .... 37
Deutsche Volk-partei......17
Christliche Volk-partei......65
(darunter 4 Wellen in Hannover)
Deutsche demokratische Partei.... 56
Mchrheit-sozialisteu.......129
ttnabhäugigc.........21
TcutjÄ-Hannoversche Volköpartei . . 2
Lchlcswiif-holst. Bauern- u. Landarbeiter«
Dcwoklatie......... 1
Die Wahlen in Mecklenburg.
Rostock, 28. Ian. (WTD.). Bei den Wahle« zum verfassunggebenden mecklenburgischen Landtag oerteiLn sich die Sitze nach den vorläufigen Wahlergebnissen: Sozialdemokraten 31 Sitze, Demokraten 18 Sitze, Deutsch-Rationale 8 Sitze, Deutsche Volkspartei 3 Sitze, Mittelstandspartei 1 Sitz, Dorf- bunb 1 Sitz Außerdem noch 2 Sitze für die verbundenen Listen der bürgerlichen Parteien der vierten Wahlkreises.
Ein Aufruf für das deutsche Freiwilligenheer.
Berlin, 28. Jan. (WTB.) Der Zentralrat der deutschen sozialisttschen Rcpulüik, Cohen, intb der Oberbcf. hlshaber der Rcgicrungstruppen in Berlin, R o s k e, erlassen folgenden Aufruf au alle deutschen Männer:
„Von Tag zu Tag nimmt die unserer Heimat vorn Osten drohende furchtbare Gefahr zu. Russen, Polen und Tschechen greifen nach d. ntschem Besitz. Schon stehen die Armeen der B o l s ch e w i k i vor den Toren Ostpreußens und bic Polen weit tu altdeutschem Gebiet. Auch im Innern unseres Staatswrpcrs macht bic bolschewistische Bewegung weitere Fortschritte. Ungeachtet des namenlosen Elends, das der Bolscheivismus über bas russisck>e Volk heraufbeschworen hat, bereiten gewissenlose Elemente von neuem einen blutigen Kampf gegen die Regierung imb gegen die kommende Rattonalversammlung vor. W'he Euch, wenn es ci.wr terroristischcnMinderheit gelingt, die Macht an sich zu reißcn! -Statt ber verheißenen Freiheit wird, wie in Russtand, Hunger unb Knechtschaft, Erwerbs- und Rechts- losigleit das Los unseres Volkes sein. Wehe Euch, wenn die Heere fremder Völker über die östlichen Grenzen hcrcirtbrechen! Euch allen, die Ihr vier Jalwe lang die deutsche Heinrat heldenhaft geschützt habt, gilt in erster Linie dieser Acahnrnf. Helft auch jetzt mit, die bitterste Rot abzwnxw en! Meldet Euch bei den Freiwill igenverbanden, die die Regierung zum Schutze der Grenzen foioic zur Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung im Innern aufgestellt hat. Kommt nach Berlin zur Garbe-KaDallerie-Schützendioifio«! (Werbebureau Deutsches Künstlcrtheatcr, Nürnberger Straße 70), zum Regiment R«'inharde (Moabit, Neues Kriminalaericht), zum Canbcä- jägerkorps (Steglitz, Albrech straße 38i, ?um Frei- iorps Hülsen (Luisenkaffce, Berliner Straße, Cbar- lottcnburg), zur Deutscheil Schutzdrvision (Char- lottcnburg, Rankestraße 34). Meldet Euch bei bat Don den Generalkommandos in ber Provinz euf- geftellteu Freiwilligenverbänden und bei bert Be- zirkskommanbos. Pflicht aller Behörden und Privatunternehmer ist es, die Werbung mit allen Ättttcln zu unterstützen. Sie müssen int Interesse der großen Sache dafür sorgen, baß die sich fr<t» willig Meldenden keinen Schaden für chre dicust- liche, geschäftliche unb wissenschaftliche Zukunft erleiden."
Die deutsche Armee.
Genf, 27. Jan. Wie bas Bureau Europa- Preß meldet, hatte der Berliner Korrespondent des ,.Mot'n" eine Unterredung mit dem preußischen Kricgsrninister Oberst Reinhardt. Dmiach critärte Neinyardt u. a.:
Der Bestand ber deutschen Armee an Kranken und Verwundeten beträgt zur Zeit etwa eine Million Mann. Die Disziplin hat sich gegenüber den ersten Zeiten ber Ncvolutwn gebessert, ist aber nicht vergleichbar mit der Disziplin, wie sie bei Kriegsausbruch herrschte. Die Soldatcnräte find eine Zeitlang fast eben jo mäch'ig w:c Die Soldatenräte in Rußland gewesen, doch vermindert sich ihr Einfluß nach und nach. Es ist damit zu redeten, daß ihr Eütflich mit ber Zett vollständig verschwindet. Melier den Effcklivbestand der deutschen Armee ist noch kein Beschluß gefaßt worden, doch kann keine Rede davon sein, daß eilte Armee geschaffen wird, die eine Büwochmg ber Entente barftellen wird. Das System dec Relrutieru"g lutrb b erbe halten werden, doch werden jetzt alle Jahresklassen mit Ausnahme der jü-gsten entlassen. Gegen die Polen und die Bolfchewiki werden Freiwilligenarmeen aufgestellt. Die twlnijche Frage wird von der Regierung aufmerksam verfolgt. Eine große Gefahr ist die gutdiszipliniertr Bol- fchewiki-Armec.
Der Kampf mit den Polen.
Dromberg, 28. Ian. (WB.) Amtlich. Wilhelmsdorf wurde am 27. Januar nachmittags von etwa 60 Polen mit einem Maschinengewehr angegriffen. Die Angreifer wurden abgewiesen und bis Georgenthal zurümgetrieben. An den übrigen Teilen des Abschnittes Pattouillentätigkeit. Eichdorf, Tar. gowisko, Brühlsdorf, Eichenau, Kirschgrund, Elsen, dorf unb Klein-Neudors wurden vom Feinde frei gefunden.
w. Bromberg, 29. Ian. Leutnant Rogalla vom 14.Olifante ie-Regiment, ein Sohn des Gemeindevorstehers in Schleusenau, wurde vergangenen Mitt- woch im Laufe der Verhandlungen, die er als Par- lamentär mit den Polen bei Thure führte, mit dem Gewehrkolben erschlagen. In schwerverletztem Zustande, aber noch lebend, wurde er ins Schrubiner Lazarett eingeliefert, wo er inzwischen gestorben ist. Wie uns dazu noch gemeldet wird, erschien am folgenden Tage in dem Lazarett ein polnischer Mattose, um sich zu erkundigen: ob das Schwein noch am Leben sei.
Ein Kampf zwischen Polen und Tschechen.
Wien, 28. Jan. (WTB.) Die „Neue Freie Presse" meldet die Besetzung voit Teschen durch die Tschechen, nüdjtxmi bei einem Kampfe mit den Polen diese zurückgcworfen und über 70 Ge», fangene gemacht worden waren. 300 Verwundet» und lote wurden auf dem Kampfplatz iuituU «elaifen. ________*


