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28.3.1919
 
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Ur. 74

I<c -tehttier erscheint täglich, außer Sonnlags. - Beilagen: Gtetz<nrrFamill««dlStter;

Kteistlall für den Kreis Siehe».

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169. Jahrgang Sreitag,

GietzenerAnzeiger ä General-Anzeiger sür Oberhessenä- Swilltugrnlnddruck u. Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- u. Steinbruderet R. Lange. Zchristleltung. Seschastrstelle u. Druckerei: Zchulstr 7.

28 Marz 1919 hnuaqmc *»n hujcije» s. die iagesnununcc oit jum Nachmittag vorder ohne jedeBrrbmdlichleti

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Auseinandersetzungen in der Nationalversammlung über

Zcheidemanns Rede.

Es ist immerhin ein Zeichen der Zeit, »der vielmehr der augenblicklichen Lage, daß Marschall Fach nunmehr auf Erzbergers be­kannte Anfrage geantwortet hat, Lloyd Ge­orge und Pichon hätten inbezug auf die Art des Friedensschlusses nie die Worte gebraucht, die ihnen in den Mund gelegt worden seien. Cnil seltsames Beispiel für die Wahrheitsliebe der gegnerischen Presse, aber auch für die Dickfelligkeit der Instanzen, die doch auf ir­gend eine Weise diese Tendenznachrichten hät­ten zurückweisen oder korrigieren können. Nun gehörte es sich, daß die deutsche Volksvertre­tung in einem würdigen und bestimmten Auf­treten geeinigt wäre. Nicht ganz war dies in den gestrigen Beratungen der Nationalver- sanrmlung der Fall. Derr Scheidemann hat mit seiner etwas schroffen und parteipolitisch polemischen Erklärung über die Kundgebun­gen in Berlin bei der Rechten heftigen Wider- Spruch hervorgerusen, der besonders vom Gra­sen Posadowskv ausgesprochen wurde. Aber auch der Abgeordnete Becker, der horm.aliae Lettische Finanzminister, der für die deutsche Boskspartei seine Abneigung gegen die Kund­gebung des Nationalbundes deutscher Offi­ziere kund tat, war mit der ßlrttzund dem Ton Scheidemanns ganz und gar nicht ein­verstanden. Nicht mit Unrecht wird der jetzige Ministerpräsident darauf hinaewie^en, daß «ine gewissenhafte Negierung nicht Stimmun­gen von der Straße her gehorchen oder Nach­beben darf. Für Ludendorff kann das Recht an Anspruch genommen werden, daß er vor einem völlig unparteiischen und ferner auch unvoreingenommenen Staatsgerichtshos ge­hört wird. Die Zusammensetzung dieses Ge­richtshofes wird einige Schwierigkeiten machen. . . ______

Deutsche Nationalversammlung.

Sitzung vom 27. März.

Aby. P achnicke (Dem.) erklärt, daß seine i Partei in der Sozialisierung eine Grenze zu ziehen misse, lieber den Lustpostdienst erwartet er eine bal-1 dige Entscheidung, inwieweit er in privaten Händen bleiben solle. Der Redner kann in der 3lebe des Ministerpräsidenten nichts anderes finden, als daß er die monar elastischen und militärischen Demon­strationen verurteilte. Er empfiehlt in der jetzigen Zeit der Friedensverhandlungen vor allem zusam­menzuhalten zu einheitlicher Abwehr und nicht durch solche Temonstratioiien wie am Sonntag dem Auslande zu zeigen, daß der Militarismus noch nicht gestorben sei.

Die deutsche Finanzkommission.

Berlin, 26. März. (WTB.) Wie bereits kurz mitgeteilt, reist auf Veranlassung des Ober­sten Wirtsckmftsrats der Alliierten eine deutsche Finanzdelegation noch im Laufe dieser. Woche nach Versailles. Die Note, durch welche der Vorsitzende der britischen Sektion der perrna- nenten internationalen Wassenstillstandskommission in Spa den Entschluß der Alliierten zur KemiMis der deutschen Wassenstillstandskominission gebracht hat, ist vom 24. März datiert und hat folgenden Wortlaut:

^Jch bin beauftragt. Ihnen mitzuteilen, daß der Oberste Wirtschaftsrat in Paris folgende Be­schlüsse gefaßt hat: 1. daß die deutsche Regierung eingeladen wird, einen kleinen Finanzausschuß, seckD Mitglieder einschließlich der Sekretäre, nicht überschreitend, nach Versailles zu senden; 2. diesem Aussckmß werden alle Erleichterungen gewährt sein,, um sich schnell mit der deutschen Regierung ver­ständigen zu können. Er wird der reguläre Verbin­dungsweg sein, um mit der Finanzabteilung des Obersten Wirtschaftsrates alle wichtigen Finanz­fragen zu behandeln, und insbesondere wird er ermächtigt werden, zu verhandeln über: a) Fragen, die sich aus verfügbarerer requirierte Werte be­ziehen, b) Fragen über deutsche, sofort in den neu­tralen Ländern fällig loerdende Verbindlicl>keiteN iujö Verfügungen Liber den Goldexport, c) die Methode, wie die deut Export nach den neutralen Ländern entstammende Geldsumme für die Bezah­lung der Lebensmittel sicherzustellen ist.

Von beutfeber Seite werden sich an den Ve r * Handlungen in Versailles beteiligen: Bankier Mar Warburg (Hamburg), Dr. Melchior (Hamburg), Tir. von Strauß (Deutsche Bank), Dir. Ur big (Diskonto-Gesellschaft), Herr Merton (Metaslbanr-Aklien.'Gcsellschaft), Bankier Berg- mamt, roürttembergifdter Regierungsrot Schill und Legationsrat Freiherr v. Lersner.

die

Tie Antwort der Entente auf Anträge ErzbergerS.

Auf der Taaesordmmg steht der vierte Nach- tragsetat für 1918 und der Notetat für 1919. lFinanzminister Schi f fer begründet die beiden Vorlagen mit dem Hinweis auf ihren Vorlänfv- oen Charakter und hofft, daß sckkn die nächsten kDocken klare und endgültige Verhältnisse bringen Werben. , t

?lbg. Schulz- Ostpreußen (Soz.) verlangt von der Regierlmg, gegen einen Bolschewismus, der mit Handgranaten zu überzeugen sucht, schärf­ste Maßnahmen. Er bezeichnet die gestrige Rede des Herrn Kardorff als eine Schilderhebung der Gegenrevolution. Die Sozialdemokraten hätten dis Revolution nicht gewollt. Sie hätten auch ge­wünscht, daß em freies Wahlrecht ohne die Revo­lution geschaffen worden wäre. Da ffe nun aber da fei, müsse sie den Interessen des deutschen Volkes dienstbar gemacht werden. Er richtet an die Regie­rung die Anfrage^ob die Aeußenmg des russischen Volkskommissars Tschitscherin aus Wahrheit beruhe, daß deutsche Truppen zu einem O f f e n s i v st o ß im Baltikum gegen Rußland angescht seien. Er hält die Aufwandsentschädigung von 100 000 Mark monatlich für den Reichspräsi­dent e n für unnötig, und tritt für Sozialisierung-

gierungen vorzulegenden Friedensrertragsentwur l entweder anzunehmen ober abzulehnen. Dar au sh iw hat ber Vorsitzende der deutschen Waffenftillstanbs- kommission, Reickjsminister Erzberger, am 19. März in Spa eine Anfrage stellen lassen, in welcher eine Auskunft darüber verlangt wurde, ob die erwähnten Aeußerungen den Tatsacl^n ent­sprechen. Am 26. März ist von Marschall F o ch in Spa folgende telegraphische A n t m o r t eingegan­gen : Die Herren Lloyd George und Pichon haben niemals die Erklärungen abgegeben, wel- rite ihnen zugeschrieben worden sind, und iaeldye die Anfrage veranlaßt habctn, die am 19. März von dem Vorsitzenden der deutschen Waffenstill- standskommission gestellt worden ist.

Eine französische Dröhnng.

Paris, 27. März. (WTB.) Nach einer Havasineldung erklärtEclair": Frankreich könne sich nichts Besseres wünschen, als baß der von der Entente vorbereitete Friede von den Deutschen ab­gelehnt würde. In diesem Falle würde man in Frankfurt a. M. einrücken und mit den Truppen bas Ruhr decken besetzen. Das mit Erzen versorgte Essen werbe bann für franz ösiscktz Mchnuno arbeiten und Aachen, das ein großes industrielles Zentrum und eine der reichsten Ge­genden Deutschlands fei, läge in greifbarer Nähe Frankreichs. An Stelle der regelmäßigen Kriegs- entfdfäbigimg würden sic Lieferanten Frankreichs.

Der Völkerbund.

Paris, 27. März. (WTB.) Reuter. Eine von maßgebender verantwortlickier britischer Seite gestern abend abgegebene Erklärung behebt jeden Zweifel, daß im Friedensvertrag auf den Völ­kerbund Bezug genommen wird. Daraus er­gibt sich, daß der Völkerbundentwurf im Friedens­vertrag den deutschen Delegierten zur Kenntnis gebracht wird.

Der Kampf gegen die russischen Bolschewisten.

Berlin, x£7. März. (WTD.) lieber die Kämpfe ber Truppen der lettischen Regierung mit den Bolschewiki wird nach- trägli chge meldet: Baust wurde nach schweren Kämpfen genommen. Ter Ort wurde von 2000 Bolscktzwisten verteidigt. Mher Verwundeten wur­den ihnen 350 unverwundete Gefangene, darunter ein Regimentskommandeur und zahlreiches Heeres- gerät abgenommen. Ter Gegner hatte 70 Tote. In einem Gefecht bei Kavzcuny wurden ein Offi­zier und 70 Mann gefnngengenommen. Am 24. März griffen die Bolschewisten bei Nesvten, Salgalen und Stalgen an. Zwischen Bausk und Mitau kam es zu schweren Kämpfen. Am 25. M ärz wurden die Bvlschnoisten, die teilweise über die Aa vorgegangen waren, zurückgeworsen. Nordöstlich von Mttau ging der Feind in die alte

Berlin, 27. März. (WTB.) Ausländische Blätter hatten vor einiger Zeit Aeußerungen von Lloyd George und Pichon mitgeteilt, wonach nach überrinstimmender Ansicht dieser beiden Staats- liiänner die Fr iedenskonfer en z sich nicht auf Verhandlungen rn.it der Deutschen Delegation einlassen werde. Die Deutschen müßten sich da­mit begnügen, den ihnen von den assoziierten Re-

be8 Flugwesens rin

Rgichsioehrminifter Noske ferfiärt auf bte Anfrage Schulzes, daß deutsch? Truppen zmn Schutze der deutsffsen Ostgrenze im Baltrkmn stän­den, aber keine Offensivbewegung gegen Rußland unternahmen sollen. Die Regierung fei von dem Wunsche erfüllt, mit Rußland in Frieden und guter Nackchar schaff zu leben.

Der Zentrumsabgeordnete Mayer'» Schwa- ben erwartet von einer schrittweisen Sanierung ber Reichsfinanzen ein Steigen des deutschen Markkurses, ber letzt tnf.hernenb seinen Tiesslvnd er­reicht habe. Bei den Friedensbedingungen hält er an den 14 Punkten Wilfons fest, deren loyale und restlose Erfüllung die Regierung unbedingt ver­bürgen müsse, ge'ren alle anderen Versuche von peckstS und links. Die Vorgänge am (Sonntag seren aber nicht so schwarz anzusehen, wie ber Minister- präsibent es gestern getan hat.

In längeren Ausführrurgen wendet sich Gras v. Posadowsky gegiert die Angriffe des Mr- nisterpräsidenten gegen bie Teilnehmer an ber Ver­sammlung im Zirkus Busch, bie nur gegen eine Zerstückelung des Reiches protestiert Tritten. Er er­klärt, baß bte Deutsch-nationale Volkspartei in ben schärfsten Protesten gegen die maßlosen Forderun­gen der Entente mit der Regierung gehe. Der Mt- nisterpräsident hätte, anstatt die ganze Natron zur einheitlichen Abwehr zusammenzu schließen, m den Herzen vieler Millionen Deutscher tiefe Empörung hervorgerufen. Deutschlands Zukunft verlange an ber Sttitte der Regierung einen Mann, der für die nationalen Regrrngen Verstrindnis habe, und nicht bloß ein Partrivediter sei. Diese Ausführun- gen wurden von großer Unruhe Und durch Zwi­schenrufe unterbrochen. In werteren Ausführungen betont er, daß durch die Rcjde des Ministerprmv- benten das Ansehen Deutschlands vor dem Aus­lande stark gelitten habe. Gegenüber den Reden des Ministerpräsidenten und der Sozialdemokraten er* kläre er namens der Partei, daß sie sich durch keine Drohung abhalten lassen würden, bte Regte- i rung zu bekämpfen, wo sie der, Ansicht ,erat, daß die Regierung burch ihre Maßnahmen schädlich | wirkt.

Olai-Stelluitg zurück. Tuckum, das durch einen Gegenangriff der BolfckZOviki am 24. März vor- übergel)eiib in deren .Hände kam, wurde am 25. März von baltischer Landeswehr wiederge- nommexL

Polnische Truppen dennoch in Danzig?

Haag, 27. März. Wie berNieuwe Rotter- damschc Courant" aus London meldet, begrüßt die Times" den Beschluß der Pariser Konferenz, die polnischen Truppen unter dem General Haller über Danzig nach Polen zu uhren. Hierin liege ein Beweis, daß die unga= rischen Ereignisse einen gesunden Antrieb zu ener­gischem Handeln auf die Konfereitz ausgeübt haben.

Basel, 27. März. Die Pariser Informa tion" meldet aus Paris: Die Forde-ung des KriegSrals, Danzig und das Gebiet längs der Weichsel an Polen abzutreten, irde vom Zehner­rat durch die Mehrheit von A in e r i k a, I a p a n und England verworfen. Ein amerika­nischer Vorschlag will Polen lediglich den Ge­brauch des Hafens von Danzig und die einge­schränkte Benutzung der Weichsel sichern, ohne jcDod) dieses Gebiet von Deutschland zu trennen. Heute soll ber Kriegsrat darüber endgültig be­raten. Es steht jedenfalls so viel fest, daß pol­nische Truppen vorläufig nicht in Danzig landen werden.

Tie Lage in Ungarn.

B u d a p e st, 27. März. (WTB.) Der revolu­tionäre regierende Rat erläßt eine Verordnung- derzufolge die Räterepublik alle diejenigen indu­striellen, Bergbau - und Verkehrsbe­triebe, deren Arbeiterzahl am 22. März 1919 20 überf(breitet, unter die K o n t r o l l e de r A r - beiter f cl4a f t u!nb unter gesellschaftliche Lei­tung stellt, derart, daß die übernommenen Betriebe durch vom Volkskommissariat für soziale Produk­tion ernannte Kommiffare geleitet werden. Entsteht zwischen dem Arbriterrate des Betriebes und dem Produktionskommissar desselben eine Meinungs­verschiedenheit, so soll sich bet Arbeiterrat bei dem Volkskommissariat für soziale Produktion beschwe­ren, dessen Entscheidung bindend ist.

Die revolutionäre Regierung erließ eine Ver­ordnung über dieAufstellungeinerroten Volkswehr, dir einen ergänzenden Bestand­teil der roten Arntitz bildet und deren Mitglieder zu Sriicgdbienften jederzeit einberufen werden kön­nen. Mit der Aufstellung der roten Volkswehr hören sämtliche Polizeiverbände auf.

TaS englische Dieustpflichtgesetz.

London, 27. MäiH. (WTB.) Reuter. Unter» Haus. D e Dien st Pflichtbill wurde ofyne Ver­besserungen angenommen. Ter Vorschlag, das Jn- (rafttreten ber Vorlage auf beit 31. Dezember, statt den 30. April 1920 festzufetzen, wurde mit 292 gegen 70 Stimmen verwogen. Ern weiterer Verbesserungsantrag, bte Pflicht zum Dienst in Rußland Miszuschliessen, wurde mit 242 gegen 43 Stimmen abgrietynt. Churchill sagte bei ber Ablelfining des Verbrisutmgsanlrags, daß bie Regierung nicht beabfidttige, ein grvßes Heer Dienstpffich iger nach Rußland zu senden. Was bie Frage der russischen Politik int allgemeinen airgelf?, so könne sie nicht bie britische Regierung, sondern der Völkerbund ober ber Bund der sieg­reichen Nationen belMideln.

Aur dem tteiche.

Die Aufwandsstr d:r für den Reichs­präsidenten.

Berlin, 27. März. (Priv.-Tel.) Zu ben Be­merkungen ber Blätter über die monatlichen Auf­wan dsgelder für ben Reichspräsiden­ten wird erklärt: Der Präsident wird genau Rechnung legen über bie 100 000 Mk. und einen etwaigen Ueberschuß am Ende des Provisoriums zurückgeben. Er erklärte, er wünsche aus seinem Amt so herauszuge^n, wie er hinringegangen fei. Auf einen Antrag der Mehrheitsfraktion wirb ber Etat bes Präsidenten burch den HauShaltsatisschuß nochmals burchgeprüst und die einzelnen Positio­nen nach Möglichkeit festgesetzt toerben, was den Wünschen des Präsidenten entspricht.

Ein Reichsrisenbahnminifterium.

Berlin, 27. März. Wie diePolitische In­formation" hört, ist der aus brin pvenßisckien Staatsdienst ausgeschiebene frühere Minister der öffentlichen Arbeiten Hoff zum Reichseisen­bahnminister ausersehen. Er soll in Weimar die Vorarbeiten zur Zusammenfassung der ein­zelnen Staatsbahnbetriebe in ein zentrales Reichs- amt vorbereiten. Die Eilenbahnabteilung würde bei ber Schaffung eines Rrick-srisenbahnministe- riums aus dem Ministerium für öffentliche Ar­beiten ausfckriden, dem eine Maschinenbauabtei- lung angegHebcrt werden soll.

Der neue Chef der deutschen Admiralität.

Berlin, 27. März. (WTB.) Die RrichS- regierung hat folgendes verfügt: Unter dem Reichswehrminiftcr wird die Marine von einem Chef der Admiralität geleitet. Er hat Sitz, aber keine Stimme im Kabrnett. Ihm find sämtlickx Kommando- und Verwaltungsbehörden der Ma­rine unterstellt. Zum Chef der Admiralität ist Konteradmiral v. T r o t h a ernannt. Er trat 1886 in bie Marine ein und war unmittelbar vor dem Kriege Kommandant des LinienschiffesKaiser". Ludendorff über die Berliner Kundgebung.

Berlin, 27. März. (WTB.) General Lu­dendorff erklärte gegenüber einem Vertreter berB. Z. a. M." über ben von bem Minister- vräsidenten Scheidemaim erzählten Vorfall in ber Wilhelmstraße während des Umzuges des Na­tionalbundes deutscher Offiziere, er sei auf dem Wege zu seinem Schwiegersohn ge­wesen, mit dem er sich zum Mittagessen verab­

redet hatte, als er den Demonstranten begegnete. Ludendorff .sagte: Ich habe selbswerständlcch axv genommen, baß es sich, da nur ja in '-Berlin noch den Belagerungszustand haben, um eme von der Regierung genehmigte Kundgebung wegen der beut» chen Ostprovinzen hanbelte, und ging daher ruhig weiter. Inzwischen aber erkannten mich wohl einige der Zugteilnehmer und begrüßten mich mit Zu­rufen, einige kamen auch auf mich zu, um mir Die Hand zu drücken. Selbstverständlich freute ich mich innerlich über diese mir entgegengebrachten Ach- tungsbeweise. Trotzdem trat ick in das nächste Haustor und sodaim in den Parterreraum ans Fenster und bat bie Zugteilnehmer, ruhig ihres Weges zu gehen. Das geschah denn auch. Nach­dem ber Zug vorüber war, verließ auch ich wieder bas Haus. Zur Frage, wie er sich zu bem Dorwroffe teile, durch sein Verhalten die Gegenrevolution zu fordern, antiiroitete Ludendorff: Ich stelle jeder irgendwie gearteten Bewegung im beuffchni Volk» vollständig fern und befchäftige mich ausschließlich mit der Abfassung meines Buches. Ick, lebe voll­kommen als Privatmann und will in feiner Weise, parteipolitisch hervortreten. Die Einsetzung eines Staatsgerichtshofes, der hoffentlich un­parteiisch zusammengesetzt sei, begrüßt Ludendorff mit Genugtuung, da er sie selbst verlangte, um sich völlig recht fertigen zu können. Nur hätte er ben Anspruch erheben können, baß der Ministerpräsi­dent seine Ankündißung in einen weniger weg­werfenden Ton gefletbet hätte.

Eine Berliner Schutztruppe gegen wilde Streiks.

Berlin, 23. März. Die Abendblätter tiet* öffentlichen einen Aufruf des Gouverneurs Groß- Berlins S ch ö p f I i n an bte Groß-Berliner Be­völkerung, insbesonbere an die Arbeiterschaft, in welchem die Arbiter, Techniker ober Inge­nieure, die sich in ben Timst der Allgmreinheit stellen wollen, um bie Kranken unbjpäuglinge sowie bie eigene Familie vor ben Gefahren des sich auch auf bie Gas-, Wasser- unb ElektrizilätS^ werke ausdehnendm Generalstreiks zu beivahren, aufgeforbert werden, sich als Z e i t f r e i w i l l i g e der technischrm Abteilung derGarde-Kavalle- rie-Schützen-Division zur Verfügung pu stellen. Sie sollen im Falle eines gewerkschaftlich nicht genehmigten wilden Streiks in den Elektrisch täts^, Gas- und Wasserwerken unter mLlitäriscktem Schutz in den Stunden der Gefahr diese lebens­wichtigen Betriebe aufrechterhalten.

Äis ,.Berl. Tgbl." schreibt: Ter heutige Tag sollte nach den Prophezeiungen brt Zeichen des Generalstreiks stehen. Die Propheten haben un­recht gehabt; in allen Betrieben Groß-Berlins geht die Arbeit weiter. Immerhin bat bie Militär­behörde Vorkehrungen getroffen, um etwaige Put­sche nieder; uhalten.

Ein Spartakiftenausstand in Tangtnnünde.

Magdeburg, 27. März. (WTB.) Die Spartakisten stürmlen in Tangermünde einen im Hafen liegenden Schleppzug mit Pro­viant, ber für den Grenzschutz teftimmt war. Sie plünderten die Schiffe aus. Das herbei- gcrufene Militär wurde mit Schüssen empfangen. Die Truppe machte daraus ebenfalls von der Waffe Gebrauch und es gab auf beiden Seiten Tote unb Verwundete. Ter Truppe gelang cs schließlich, den Hafen zu räumen.

Aus dem Ruhrgebiet.

Bochum, 27. März. Zwischen dem Zechen- v e rch a n b e unb ben vier großen Ar beit er- oerbänben ist folgendes Abkommen getroffen worden: Die anroeienoen Mitglieder des Zechen- verbandes werden dafür eintreten, vom 1. April 1919 ab an Stelle ber jetzigen Ächtstunbenschicht bie 7V2 -Stundenschicht für die unterirdische Belegschaft einzuführen, und zwar unter ent­sprechender Regulie.ung der Gebingelöme, so baß diese ebenso wie die Schichtlöhne durch die Schicht- Verkürzung keinen Rückgang erfahren.

Aur Oessen.

lk. Darmstadt, 26. März. In einer zahl­reich besuchten Versammlung ber Den tschen Volkspartei sprach Professor Gmelin-Gio- ßen über bie Reichsverfassung. Er kenn­zeichnete zunächst bas alte deutsche Staatsrecht von den Zeiten des Königtums bis zum Rhein­bund. Dann zog er einen geistvollen Vergleich zwischen der Verfassung "ber Paulskirche (1848) unb derjenigen Bismarcks (1864 . In Frankfurt bewies die Nationalversammlung einen staatsmän­nischen Blick, indem sie Preußen an die Spitze rief, sie handelte aber nicht llug, als sie die Bs- feitigung der Einzelstaaten forderte und diese bent wiedererstarkenden Oesterreich in die Arme trieb. Bismarck schloß ein Kompromiß zwischen J-Ku­rativ- und Einheitsstaat, indem er den Bundes­staaten größere Rechte ließ. Der Demokrat vvn 1919, Herr Preuß, knüpft an das Frankfurter Werk bewußt an. Ihm gegenüber erklärt sich bet Redner als Föderalist. Starke Staaten ziehen an, schwache Staaten auch wenn sie zu Einheits­staaten gemacht werben stoßen Gebietsteile ab. Allerdings sollen wir für Polen, Dänen usw. Deutsch-Oesterreich erhalten. Die Radikalen im Reichstag wollen den Einheitsstaat, aber auch bi< Deutsche Volkspariri macht ihm weiter Zugeständ­nisse. Dagegen ist das Zentrum entschieden bundes­staatlich. Der erste Entwurf von Preuß wollte bie Bundesstaaten zur Bedeutungslo'igleit herab* drücken. Zwar ist im zweiten Entnnrrf die Gefahr abgeschwächt, ober nicht beseitigt: denn die Na­tionalversammlung ist souverän. Gewiß war PreußensStellung im alten Reich zu stark, jedoch war diese Hegemonie schon vor ber Revo­lution beseitigt. In der Wahlrechtsfrage usw. fetzte der Reichstag seinen Willen gegenüber Regierung! unb Kaiser durch. Eine Zerschlagung Preußens muß abgelehnt werden, besonders da wir noch nicht