Ausgabe 
28.2.1919
 
Einzelbild herunterladen

169. Jahrgang

Erster Blatt

Nr. 50

5t»Ulhtginm6örid 1. Derlag: vrühl'lche llaio.-vilch- u. Steinörudetei B. lange. Sdjrtftleitung, «efdjäftsftelle tuDradtrei: Sdjulftr Z

Vie Annahme der Reichrwehrgesetzer

Franz Eiilm

'S. beit. ad. trift.

n

in

TT

linLpf

bi

je

in bei

PeW1^«R»ete:

H686

UmcMtfingiflen: DaS bat er nickt gesagt! Dis ift eine Lüge! (Präsident Fehrenbach ruft den Abgeordneten .Cohn wegen dieses Zurufes zur Ordnung.) Ein Vorwurf, der von Derrn Cohn kommt, trifft mich nicht. (Präsident F eh - rendach: Derr Reidrsminisver, auch diese Bc merkung einem Mitglied des Dauses gegenüber i|t ' ' sie.) Daase hat erflärt, oöb

en

k.

zum giacbmtttaq vorher ohne jcdeBerbmdtichkett

3eiltnprel|e:

für örtliche Anzeigen 25Bt.,füran4wärtlge 30 ilf, für Reklamen 9JU.1. - nebfi 2O*.Ieue- runa»zuf tilaq;Platzvor- schrill 20 % Au'fchlag. Dauotfchri'tleiter: Aug. Goeq Verantwortlich für Politik: Aua. Goetz, für den übrigen Teil: Dn Reinhold Zenz; für den Anzeigenleil: v. Beck; sämtlich in Drehen

Reparaturen^ Schreibmaschine »Her 8^ terln TerB1B1

A;

Hausschuh

in ÄS*- SchuhhausSu»

Gin Paiten WO Mm jiltaWi

IMr-Pn-kg.' W! oignrr u. Berum. w M lv: 15 Platin verschiedene Sorte' biüiflobiuflebenij,

®abnbeiilr$5L i

ÄSSW' .*. Plstkttl, $«* ii) Jitokjg U sucht

,Stadl" wSt

&K Ljitung Her;,e i.'" nie beide"y

3*n Ver gfUrignt dritten Lesung des Reichstvehrgesetzes stand wiederum die Aus­einandersetzung zwischen Unabhängigen und Mehrheitssozialisten, für die auch der Reichs­wehrminister Roste sprach, im Mittelpunkt des Interesses. Menn man sich auch einer Zwi­schenbemerkung des Präsidenten Fehrenbach durchaus anschließen muß, der es bezweifelte, ob das deutsche Volk an dieser Vormittagsver­handlung seine Freude habe, so ist es doch imnrerhin bemerkenswert, daß die Unabhängi­gen aus die ihnen gemachten Vorhaltungen inhaltlich so wenig zu sagen hatten. Auf der anderen Seile sprachen Schöpflin und Roste gegen die Auspeitschung der niedrigsten Lei­denschaften so scharf, wie es anders auch die Vertreter der äußersten Rechten nicht anders hätten mach.m können. Besonders wichtig ist die Feststellung Rostes, daß auch jetzt noch russisches Geld eine Trieb­feder bei den Putschversuchen sei. Es gilt nunmehr für die Regierung, zu handeln! Der Worte sind genug gewech­selt. Die innere Lage des Reiches wird von Tag zu Tag schlimmer. In den größeren Städten Mitteldeutschlands ruhen Arbeit und Verkehr, neue, schwere Wirtschaftsschädig- ungen kommen zu den bisherigen hinzu. Auch im Industriegebiet, wo Hamborn von den Negierungstruppen Erobert" wurde und wo in Düsseldorf sich wieder so unmögliche Zustande hcrausgestaltet haben, daß die mili­tärischen Stellen in Münster, wie es heißt, sich nunmehr zum bewaffneten Cinschreileu entschlossen haben, flackern noch einzelne Brände der Streikbewegung.

zrettag. 28 Zebruar sOsy

Lum»«!«« »OH Änjeigai f. dlk iagesnumniei bli

Deutsche Nationalversammlung.

(16. Sitzung.)

Weimar, 27. Febr.

Präsident Fehrenbach eröffnet dir Sitzung Um 10 20 Uhr vormittags. Emgegcmgen ist u. a. ein Gesetzentwurf zur Beseitigung der Fvlgrn der Derkchrserschwerungen. Ter Ausschuß für frmwel und Gewerbe wird in der Folge als Ausschuß für Volkswirtschaft" bezeiclmet werden. Zur dritten Lesung steht zunächst der Gesetzent- wrf über die

Bildung einer vorläufigen Reichswehr.

Aba. Dr. Fleischer (Z.): Das aktive Un- 1erOffizierskorps müsse und werde das 1 Rückgrat der treuen Gruppe bilden. Man müsse daher die berechtigten Wünsche dieser Kategorie berücksichtigen und ihnen eine Teuerungszulago gewähren. Tas -katholische Ermland wolle in vollem Umfange dem Teutsckztzll Reich erhalten bleiben Ebenso lägen die Verhälmi sc in Schlesien.

Zicichslvebrminister Roske: Den Fragen der Teuerungszulagen, Versorgungsansprüche, andere Regelung der .Gebührnisse wird selbstverständlich btc größte Aufmerksamkeit gesch-cnkt. Ich habe gestern angeordnet, -daß sofort noch einmal diese Tinge geprüft rwcrden und daß so rasch als mög- i lidi eine Entscl)cidung herbeigeführt ivird. Die : fraunschweigiick)e Regierung hat jedem Untcroftl- zier der von dem Zivilversorgu ngsschein keinen Gebrauch macht, 8000 Märt versprvcten., Tie Reichsregicrung denkt gar nicht daran, die Wechsel cinzulösen, die die jetzig braunschweigisch provi- toriidr Regierung auf -Kosten deS Reiches zieht.

Mg. Braß (Unabh. Soz.): Die Reichswehr ist das ungeeignetste Instrument zur Schaffung der Ordnung. Die Lhrbciter haben revolutioniert, IOÜ> zwar nicht nur aus Gründen der politischen, sondern auch der wirtschaftlichen Demokratie. Früher waren gerade die Sozialdemokraten gegen das Eingreifen von Militärs in ivirtfcha striche Kämpfe. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Da gab es auch keine Handgranaten!) Das Sozialisten­gesetz erlebt jetzt eine neue Auflage. Schamlos werden die Lockspitzel aus die Arbeiter losgelassen.

Abg. Laderenz (Teutsch-,Rationale Vpt.): Wir fordern eine Bcf.rstelluiig der Militäranwür- iMl- Werbungen für das Ausland sind schon an ter Tagesordnung. Sollen uns nicht wertvolle Kräfte unseres Volkes verloren gehen, so müssen Unteroffiziere und auch die Offiziere in ihre alten Rechte eingesetzt weiten. lBcifall rechts.)

Abg. Schöpflin (So-.): Es ift eine Ver­leumdung, daß die Reichswehr g^gen die Arbeiter verwandt iverden soll. Darr Braß weiß auch, daß bas nicht WaljT ist. Er will nur die Verhetzung des deutschen Volkes w.-iter betreiben. (Lebhafte Zustimmung bei der Mehrlrrit.) Er war einer d.r paupthetzer der Streiks im Iiuhrgcbiet. Richt g-gcn Etreikente, sondern ledig ich gegen Räuber, Mör­der, Plünderer soll das Wort gelten: Geweckt gegen frkivalt. .Es handelt sich um den Kampf gegen bfc fr orten, die gegenwärtig Deutschland sdstittden intb es in Has größte Unglück stürzen müssen, «rot das Treiben so weitergeht. Im Ruhrgebiet n*accn nicht zehn Prozent der Arbeiterschaft für bei Streik.

R-ichswehrinrnister Roske: Zu der Räuber» geschickte ffreiterfeit) über Spitelwirlschast kann ttflb nur erklären, daß selbstverständlich die Reickjs- rrigerung keinerb-i Aufträge in dieser Richtung gegeben hat. Tie vorgetragenen Behauptungen tterten nack-geprüft poerdcn. Wir iverden Sorge tragen, daß die seit Monaten betriebene Unters Mnierungsarbaft nicht fvrtgasegt toertcni taut. Eine

unzulässig, ich rüge sie.) Daase hat erklärt, oaß er niemals russische Gelder in Empfang genont- men habe Daran habe ich auch nicht gezweifelt: aber die Tatsache steht fest und ist nicht teftntten worden: Barth bat russische Gelder in Empfang genommen zur Entsackurng des Bürgerkrieges in Deutschland, und nun frage ich vor dem ganzen Lande diese (zu den Unabhängigen) Gemütsmen- chen da drüben, die uns immer "wieder einem Vorwurf machen, wenn wir vor Gewalt nicht zurückschrecken: Zu 'welchem Zwecke habt Ihr da­mals den Arbeitern die Pistole in die Dand gc* geben, die mit russischem Geld« angekaust war? Doch nur zu dem Zwecke, gegen die eigenen Volks­genossen den Kampf zu führen (Pfuirufe), und da kommen Sie (zu den Unabhängigen) jetzt und machen uns einen Vorwurf daraus, daß wir Der» flicken, die große Masse der Bevölkerung bot Gewalt zu schützen. Tas ist ein Maß von freuck»elei. wie es krasser und toller gar nicht gedacht wer­den kann Die Derren von der unabhängigen So­zialdemokratie mögen sich wenden und drehen^ wie sie wollen: die Empfangnahme dieses rumieten Geldes und seine Verwendung ist ein so peinliches Zbapibel, daß ,sie niemals imstande sein «verteil, sich deswegen vor dem deutschen Volke zu rudyt*

ertigen. (Beifall.)

Ein Schlußantrag 'wird angenommen.

Abg. Ä m b u s ch (Z.): Von den frunterttau- enben von Mitgliedern des Christlichen Bergar­beiterverbandes Ivar nicht ein einziger für den Streik. (Dort, hört!)

Abg. Braun (Soz.): Don einer Unter­stützung der russtschen Revolution durch die beut* schm Parteigelder (weiß ich nichts. (Abg. Frau Zietz (Unabh.) ruft: Welch km^es Gedächtnis!) 1905 hantelte eS sich nur um die Unterstützung der Opfer der Revolution, nachdem der Zarismus die Revolution niedergeschlagen hatte, (frört, hört!)

Abg. Dr. Cohn (Unabh.): TaS war Our ein Vorwand. Ich war Vertrauensmann der Partei, und über mein Konto ift das Geld gegangen, (frört, hört! bei den Unabhängigen!) Mich ehrt das Ver­trauen damals der Deutschen und letzt der Russen.

Abg. Braun (Soz): Bestimmt mar das Geld für die Opfer der Revolution, aber es kann ja sein, daß Dr. Cohn es zu anderen Zwecken verwendet f.at. (Sehr gut!)

Abg. Dr. Cohn (Unabh.): Zunächst wurde ge­sammelt für die Revolution selbst später für die Opfer der Revolution. (Widerspruch bei den Sozia­listen.) Schämt Euch doch Eures früheren An­standes nicht!

Abgeordnete Zieh (Unabh.): Ich rennte 1908 Mitgli.fr des Partei Vorstandes. Damals hrit man mir gesagt, daß Parteigelder zum Zwecke der Unterstützung der russischen Revolution gegeben rvordest sind. (Widerspruch und lebhafte Zurufe bei den Sozialisten. Die fr fügen Auseinandersetzungen zwischen den beiden sozialdemokratischen Fraktionen geben noch eine Weile werter.)

Das Wehrgesetz wird in dritter Le­sung gegen die Stimmen der Unabhängigen an­genommen.

Tie Vorlage auf Zulassung von Hilfsarbeitern zum Patentamt mid> in allen drei Lesungen ver­abschiedet.

Es folgt das Rotgesetz für Elsaß- Lothringen. Tie Vorlage null für die Maß­nahmen zur Abhilfe dringender Notstände eine Rechtsgrundlage fdtaffen.

Abg. Fran Schmitz (Zentr.) schildert die Notlage der vertriebenen Elsaß-Lothringer, denen schnell geholfen werden müsse. (Zustimmung.)

Rcick^Sminister Tr. P r e u ß: Die Vorrednerin hat eine so ausgezeickmete Begründung des Gesetzes gegeben, daß ich meinerseits darauf verzichten kann. Tas Gesetz ist das Ergebnis einer Konferenz, die vor kurzem in Karlsruhe mit elsaß-lothringischen Flüchtlingen gepflogen wurde. Wir wollen die Pflichten auf die Reichsregierung übernehmen, die der Landesregierung, obgdegen batten, und werten auch einen aus Elsaß-Loth ingern bestehenden Bei­rat dem Ministerium anglicbern.

Tas Gesetz wird in allen drei Lesungen an­genommen. fricrauf wird die Sitzung bis Vr4 Uhr nachmittags imterbrodien.

* *

Die RachmittagSsitzung

beginnt mit der Beratung des UebergangSgesetzes, welches den Zweck Hit, an die Stelle ter beseitigten Genickten der alten Verfassung neue Rechtsnormen zu setzen. Reichsjustizminister Landsberg wen- bet sich gegen die von der Teutschnationalen Dolks- partei auf Aushebung des ErmächigungAesetzes und eine möglidjifte Einschränkung des Verord- nungsredftes uno von den Unabhängigen auf Ein- sch änkung der Rechte des Reichspöäsidenten und des Staatenaussdcusses gestellten Anträge und be­gründet im weiteren das Gesetz. Ter Zentrums- abgeordnete Becker- Nassau stimmt nainens ßi- ncr Partei der Tendenz der Vorlage zu und befür­wortet eingehend eine Eingabe des Bund^ Teut- fdycr Krtnrkenkassenbeamten auf Aushebung der Krankenka s, envevordnun g. Reicksarbeitsminister Bauer rechtfertigt demgegenüber in längerer Rede die Krankenkassenvcnovdnung. Ferner wendet sich der Redner gegen einen Antrag A b l a ß (TemT nack? dem alle Verordnungen der Provisari- fdicn Regierung ungültig sein sollen. Ein weiterer Verttrier der Semotatai betitonortet bat .Antrag

, Elegante |

Korsetten

.. Weiten

nel® Formen «m Laaer ? 30.00

und 22.00 flk.

Ablaß und mrint, daß beterftfi Att Rrcht^nnftchrv« hcit nickst geschaffen würde. Tie TeutscteNalionalal beantragen burd>auö kommistarisebe Beratung und fordern, daß ihnen in zweiter Lesung em Bev- zeichnis dieser Verordnungen vorgelegt wird. Abg. Maretzkv (T V P.) hält das Gesetz für einen Versuchst die gesetzg.'berischen Akte der Revolution zu legalisieren. Reichsjusti-minister Dr. Lands­berg bittet, von eurer Äusschußberatung abzu­sehen, da die Regierung mit der Einbringung eine# Gesetzentwurfes die Rechtssicherheit im Lande bald­möglichst wiederherzustellen fudje. Nach weiterer Aussprache, an der sich die Abgeordneten Dr. Lohn (Unabh.), Giebel (Soz.) Behrens (Teutsck^NaÜ.) beteiligen, wird ein neuer Antrag Dr. Ablaß (Tem.) eingebracht, der verlangt, daß nur die Berg ordnungen Gesetzeskraft erhalten, die im ReichS- anzeiger veröfsentlidst werden, und das Recht dev Außertrastsetzung der Nationalversammlung zu­steht. Somit schließt die Ausiprache. Kvinmissions- beiatung wird gegen die Stimmen ber T«ulsch- nationaien und der Unabhängigen abgelehnt. Ein Zentrumsantrag wegen Nachprüfung der Verord­nungen in drei Ausschüssen wird angenommen. Ter Rest des Gesetzes wird ohne Aussprache er­ledigt. Darauf vertagt sich das frans. Nächste Sitzung Freitag vormittag 10 Uhr. (Poleninter­pellation. Tritte Beratung des Uebergangsgesetz«-, Verfassungsgesetz.) Schluß V28 Uhr.

Neue Gesetzkntwiftfe.

Weimar, 27. Febr. Der Nationalversammlung wird ein für die westlichen besetzten Gebiete außer» ordentlich wichtiges Gesetz zugehen. Es betrifft die Vergütung von Leistungen für die feindlichen Heere im besetzten Reichsgebiete und die vereinfachte Ab­schätzung von Kriegsleistungen für das deutsche Heer.

Für die Leistungen mannigfaltigster Art, die nach dem Waffenstillstandsverttag die Bevölkerung der linksrheinischen Gebietsteile für die feindlichen Be» fatzungstruppen bewirken muh, erhalten die Leistenden zur Zeit in der Mehrzahl der Falle keinerlei bare Vergütung. Demgegenüber erscheint es als eine unab­weisbare Pflicht des Reiches, die schweren Lasten jw erleichtern, die auf den Schultern unserer durch div feindliche Besetzung am Ende des Weltkrieges doppelt hart getroffenen Landleute ruhen.

Der Nationalversammlung ist ein GesetzEnttourst über die Einsiegelung von Schritten, Drucksachen, Wert­papieren und Zahlungsmitteln beim Grenzübertritb. nach dem Ausland zugegangen. Es handelt flch UM die Durchführung einer wirksamen Grenzüberwachung zur Bekämpfung der Kapitalsflucht. Ferner ift der Nationalversammlung ein Gesetzentwurf über das Verbot des Agiohandels mit deutschen Banknoten und Darlehnskaffenscheinen zugegangen.

hessische Eoltstamm«.

Darmstadt, 27. Februar.

5. Sitzung vom 26. Februar.

Infolge der Vorgänge in München ist das Standehaus und sämtliche Zugänge zum Sitzungssaal von einem starken Aufgebot von Militär und Schutz» Mannschaft bewacht.

Um/_11 Uhr eröffnet Präsident Adelung dn Sitzung, haus und Tribüne sind gut besucht. Am Regierungstisch sämtliche Mitglieder bis auf den Iustizminister v. Brentano.

Präsident Adelung erklärt vor Eintritt in die Tagesordnung: Am Schluffe der vorigen Sitzung hat das Haus seinen Abscheu über die Ermordung des bayerischen Ministerpräsidenten Ausdruck geaeben. Inzwischen wurden weitere blutige Ereignisse bekannt. Abg. Oesel ist ermordet, Minister Auer schwer ver» wundet worden.

Der verfaffungsgemäh auf breitester demokratt« scher Grundlage gewählte bayerische Landtag konnte bisher nicht zusammentteten. Als Meinung dieses, Hauses darf ich wohl das tiefste Bedauern, aber auch die einmütige Auffassung seststellen, dah die dauernde Aufwärtrbewegung unseres schwer leidenden Volkes nur erfolgt, wenn der Wille des Volkes restlos und unverfälscht zum Ausdruck kommt. Fede Diktatur, woher sie auch kommen mag, muh zur blu­tigen Selbstzerfleischung führen Möge dieser Gedanke, den festen Willen in uns auslösen, jedes diktatorische Vorgehen mit aller Energie zu unterdrücken.

Das Haus tritt hierauf in die Tagesordnung ein. Als erster Punkt steht auf ihr die Regierungsvor­lage über eine

einmalige Teuerungszulage an Staatsbeamte usw.

Der Berichterstatter des Finanzausschuffes, Abg. Dr. Osann (Deutsche Volksp.) erstattete mündlichen Bericht. 3n neuerer Zeit habe die Steigerung der Preise für die Lebensbedürfnisse nicht nur nicht an­gehalten, sondern es seien insbesondere durch den Schleichhandel, welcher offener wie je sein Wesen treibe, die Preise weiter in die Höhe gegangen Die , jetzige Teuerungszulage sei lediglich eine Wiederholung . der Zuwendungen, welche seitens der Kammer im Novern- ber 1918 beschlossen worden sei und deren Bettäge ' im November 1918 zur Auszahlung gekommen sei.

Die jetzige Vorlage behalte die Unterscheidung in drei Klaffen der Beamtenschaft bei, welche ja auch der . laufenden Kriegsteuerungszulage zugrunde liegen, nämlich entsprechend der Vorbildung untere, mittlere und höhere Beamten. Don den Bezügen als Familien- > Zuschuß mit 800 Mk., 900 Mk. und 1000 Mk. lau, fender Teuerungszulage soll als einmalige Zulage . jetzt 70 Proz., also 560 Mk., 630 Mk. und 700 Mk.

gegeben und am 1. März ausbezahlt werden. Für jedes Kind wird eine Zulage außerdem geleistet in Höhe von 70 Proz. der Kinderzulage mit 250 Mk.

, gleich 175 Mk.

3m Ersten Ausschuß sei- eine lebhafte Aussprach» : darüber gewesen, ob diese Unterscheidung der bret I Beamtenklaffen auch bei der jetzigen Kriegsteuerungs*

Anzahl Leute gibt es, die flehte andere Ausgabe 1 zu temren 1 (teuren, als das R.ick direkt in .den i Ruin hineinzutreiben, russische Zuuänte in Deutsch- > land zu sd/aften. frerr Tr. Colfli, der mir zuerst i daß die Reichsregiormig diese Svitz-Dvrrtsdxift deckt, kann ja am testen übet die russischen Rubel scheine ' Auskunft geben. (Stürmische Psui-Rufe bei den 1 unabhängigen Sozückdemokralen.) Wir iviifcn, daß 1 russisete Agenten und russrsd^s Geld auch bei ter < jetzt im Land in Szene gesetzten Bewegung eine Rolle spielen. '

Abg. Thiele (Sv-.) weist ebenso die Be­hauptung des Abg. Bvaß über Lockspitzel zurück und erörtert die Schuld an dem Streik in Mittel­deutschland.

Abg. Winnefeld (Deutsche. Vp3: Es ist unwahr, daß sich die Verl)ältnisse im Ruhrrevier v entwickelt haben, wie der Abgeordnete Braß sie geschckdert hat. Ich als Be?gcmrnn proteliieoe entfdteten bagegm, daß man die Beugartetter so hinzu sleflen vernicht, als wenn wir unsere Pflicht dem Vatcrlande gegenüber vernachlässigt hätten. (Beifall.) Tie heurigen Zustände im Ruhrrevi^ inb nur auf das Konto der lluabhaugigen und der Spartakisten zu fetzen. (Lebhafte Zusrimmung.)

Adg. Braß (Unabh. Soz.): Wenn der Ab­geordnete Schöpflin behauptet, ich hätte den Streik provoziert, so ist das eine glatte UiOailyrteit. Ter Redner verliest ein länaeres Flugblatt aus der Streikbewegung. (Lebl-afte SckAußmfe.)

Fehrenbach ruft den Abgeordneten Braß zur Ordnung, wrl er dem Abg.ordneten Schöpflin wissenfliche Unwalftl-eit Vvrgeivorfen hat.

Abg. Schöpflin (S^te Sobald man die Unabhängigen argen ihrer Zusammenarbeit mit den Spartakisten stellt, sdflagen sie sid> seitwärts in die Büsche und stellen sich als unbeteiligt hin. Vor einer halben Stunde wurde mir aus Erfurt gemelbet, daß dort alle Fabriken mit Maschinen- gerrebren und frandguanatemrtrtfern besetzt sind und daß die Arbeiter mit Woöengrirtilt aus den Fabriken entfernt wurden, lLebhaftes frört, hört!) Erfurt aber ift picht spurtakisrisch, sondern unab­hängig.

Abg. fru6 (S04.): frerr Braß hat mich ccks Kronzeugen angerusen. Ich muß erklären, wenn Braß auf den Essener Konfieren-en fo harmlos gesprochen hätte wie hier, dann würde manctes nicht eingetreten sein, was dort geschehen ist. (frört! Tjört!) Er gehörte in Essen zu jener Gruppe, die die denkbar schärffcen Anträge gestellt hat. Zu» grukLe geht bei dieser Wirtschaft der Unabhän­gigen die Arbeiterschaft und die Gesamtterit des Volkes. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo­kraten.)

Abg. Cohn (Unabh. Soz.): Auf dem Januar­parteitag vom 13. bat die Sozialdemokratie den Massenstreik ausdrüdlich als Politisches Kampf­mittel in ilck Wafteuarsenal aufgenommen. Es wäre doch unmcxylid) gewesen, im Ruhrrevier die Massen der Streikenden ein fad) im Srid) zu lassen, (frue: Sie wollten ja gar nidft strecken!)

Präsident Fehr en back): Jd> be^wifle, daß das deutsche Volk an diesem Vormittag flrne Freude hat. Es wird jetzt überhaupt nickst mehr yum Wehr­gesetz geredet, weil frerr Braß andere Fragen an­geschnitten hat. Ich werde in Zukunft die Ord­nung des frauses strenger handhab.m. (Beifall.)

Abg. Tr. Cvhn fährt fort: Was die Be­hauptung betrifft, ich lstckte russische Gelder empfangen, so habe ich diese Tings in meiner öffentlichen Erklärung vom 26. Dezember in der Freiheit" vollständig fla eg'fielt. Ick) war Recksts- beistand der ruffifd)cn Botsckrtft. Als am 5. No­vember der russi>d)e Botsd-after Joffe die Aus- svrterung erlriclt, ajn nächsten Tage Berlin zu verlassen, übergab er mir in der Nacht eine runde Million. Es können auch 20 000 Mark mehr grtoesen sein, damit ich mit diesem Gcv> die $e= Halter der etwa 300 Angestellten der Botscteft writerbezMe. (Auch für Eichlom! Sehr gut!' und die übrigen Verpflichtungen ter Botscteft terfc. IO1/? Millionen Rubel lagen bei Mendels­sohn. Sie sollten für die Unterstützung ter russi­schen Gefangenen und Zivilpersonen tiertivnbet rrarten. Tieies Oktb wurde mir jetod) vom Bank­haus nicht ausbezalstt, und jo mußte td) leider auch von der Million diese Ko'en teftreiten. Jcki be­dauere, dah ick höchstens 50000 Mark für poli­tisch e Z w e ck e tete verwenden können, für Flug­blätter und dergleichen. Nur zwei Zeitungen habe ich einen kleinen Betrag gezahlt, damit sie sich eine Maschine schneller anschoffen tarnten (Un­ruhe.) Es ist nicht wahr, daß Joffe tehmiptet habe, er hätte mir 4 Millionen übergeben. Joffe hat mir nur P-rpiergfld gegeben. (Lautes Ge­lächter.) Don ter Million habe ich nur 500 000 Mart in die frand bekommen, weil das übrige von ter .Bank gesperrt wurde.

Rrtchswol»rmrni>r Nvske: Ter Zweck ter Hebung ter Reden, die frerr Cohn hier hält, taim doch nur der sein, das letzte Instrument, das wir jetzt noch haben oder das wir uns notdürftig itteffen wollen, das uns vor Anarchie

und Zusammenbruch bewahren soll, zu zersckstagen und uulmauckstar zu machen.

Tie Tatsache steht doch fest, daß Joffe die Partei ter frerren Cohn, fraofe und Barth vor aller Oeffentlicksteit als Lügner gebrand-markt h.rt, well sie in Abrede stellten, russische Gelter in Empfang genommen zu haben. Tie Tatsache steht fest, daß franse hinterher erklärt hat, er sei ein so harm-- loses Gemüt (freiterkeit), daß er angenommen habe, daß die frunterttanfente von Mark, die in die . frönte Barths gelegt warten sind, von teutfdiai Ltapitalisten gegeben worden feien, ausgerechnet zu tem Zweck, damit ihre Arbeiter ihnen ten1 : frals umdrehM ... =. ^Erregte Zurufe bei den

Verband-Watte Verband* Jlnll HulbBlnden Cambrle-Binden wieder in bester Frie­densqualität; ferner sämtliche Artikel zur 6eianihllipni]i preiswert in der

Medizinal-Drogerie Zum Krenzplatz1,

Kreuplili 1, ln

Ich weise schon henk auf die im Monat erfolgende be­deutende Geschäfts- Vergrößerung hin.

Sonmoq«. - Bettaaen: »ietzexr^tllrebUMrr;

Kreisblatt für hei Kreis tiefte«.

Bejugspreis: monatt.MfllL5, viertel­jährlich 4JJ5 . durch Abhole- u. Zweiastellen monotl Tlt. 1.25 durch die Post Dtt. 4.05 oiertel« jährl. au3|d)L Beitellq. flerujprech - Anschlüffe: iür die Scfariftt einmal 12 Berioa,Lefchäitsstelle51 Anfchristsür Drabtnnch- richten: »njetger CieftaL

duL Sauger, i. '«rfirnn- fair iflniflStfiiflllmitbeifT

-Deiilschlanv-^ oblotut w rudjloS. r'St.'1)1 V>ß-> Na«n.. eWtx-D... d Dtz^a.voattv..iola^ Bonck- Prim Beün Driilil-L 1 >

Sie kaufen n

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen ä