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Zweites Blatt

M-198

Mvarlh

Fortsetzung

(Nachdruck verboten.)

Tie den

Sven neigte leise das Haupt. War es Gebet, das er sprach,?

42. ein

Ragna hob stolz und freudig das Haupt, dieses Kind da oben war ein treuer Bundes- genoise für sie, das sollte suchen, Herz zu Herz 'ühren, dieses Kind sollte tausendfach gesegnet

*

Augenblicke Libt es, zage, Wo so grabesftumm di: Heide, Wo der Wald den Atem anhält, Wie vor namenlosem Leide, Wo die Wasser klanglos schleichen, Blumenaugen änglich starren, Wo mir ist, als wär' das Leben All' versenkt in banges .Harren, Und als mutzt' in diese Stille Nun ein Donnerschlag erklingen, Oder tief die Erd' erbeben, Oder mir das Herz zerspringen.

Robert Hamerling.

. Purpurrot lag die untergehende Herbstsonne *u. der wogenden Meeresslut. Ragna saß am des großen, weiten, alten Turmgcmachs Endburg, in dem sie einst den ersten schweren nut der Großmutter ü der Neujahrsnacht Emvft Aber wie anders erschien heute dieser Est so kalte, unfreundliche Raum. Die schweren,

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Aus Statt rind Land.

Gießen, den 26. Aug. 1919.

** Der Bienenzucke r zur Herbst - füttcrung ist inzwischen bei sämtlichen Aus­gabestellen eingctrossen. Auf das überwinterte Volk entfallen 4'/s Kilogramm versteuerter Zucker. Im Interesse der einzelnen Imker liegt es, den Zucker schnellstens gegen die Bezugsscheine, die sie be­reits in Länden haben, in Empfang zu nehmen. Der Ausgabeschluß für Hcrbst-Bienenzuckcr ist der 16. September.

** Der Verein ehemaliger 116er veranstaltet, wie wir schon früher vermerkt haben, am 30., 31. August und am 1. September auf der hiesigen Liebigshöhe ein Sommersest, dessen «sanfter Reinertrag zur Unterstützung deutscher Kriegsgefangener Verweisung finden wird. Die Veranstaltung dieses Festes hat, so schreibt man uns dazu weiter, seinen Beweggrund nicht darin, Feste zu feiern, sondern darin, ein Scherslein zur Linderung der Rot, in die viele heimkehrcnde Kriegsgefangene durch die Schrecknisse des langen Krieges geraten sind, zu lindern, wie beim der Verein seine vornehmste Aufgabe neben der Pflege echter Kameradsckmftlichkeit in der Unterstützung seiner lstlfsbedürftigen Kameraden erblickt. Tic sportlichen, künstlerisck-en und theatralischen Auf- iührungen werden durch die Mitwirkung Gießener Vereine ausgeführt, die sich gerne in den'Dienst der guten Sache gestellt haben, lieber die Einzel - hriten wird später berichtet werden.

Landkreis Gießen.

± Gambach, 24. Aug. Ein Ueberfall auf einen Jagdaufseher wurde in den ausge­dehnten Waldungen zwischen hier, Pohl-Göns, Kirch-Göns und Holzheim verübt. Ter Jagdauf­seher satz auf dem Hochstand, Mls plötzlich ein ettaiR krackte, der ihm deir Hut vorn Kopfe sckIug. Ter Jagdaufseher taumelte hin und her, und der Wilderer suchte im Glauben, er habe den Mann getroffen, schleunigst das Weite. Die Wilddiebereien! iabtn in letzter Zeit auch hier zugenommen.

Starkenburg und Rheinhessen.

d. Nieder-Jngelheim, 24. Aug. Obstmarkt. Für den Zentner Reineklau- den wurden bezahlt 70 Mk., Aprikosen 70 Mark, Pfirsiche 150 Mk., Mirabellen 80Mk., Frühbirncn 4090 Vck., Frühäpfel 4070 Mark, Frühzwetschen 60 Mk., Pflaumen 60 Mark, Tomaten 4090 Mk.

Hessen-Nassau.

Die Frankfurter Einfuhrmrsse.

K'W- i äSSi «ÄSS' «Ubie I y °n <MN bas feilet 'K erhöht wrden. m r .50 auf 41,50 Mk. I '.50 Mk. und für Geft ) ÄMWl» \ We Erhöhimgru, fr MO auf die crljöte I tixu torben jiud. 2» l >er Fmkttvnise nift «. W und Bwtvreise ei» zum 1. Oktober in äfr hislanbsl.'bendmitkln g Wichen Zu schuht« » toirt sehr zu bebauen, h beiartige falsch d!ah ttige Erhöhung bet & md mit der?lbürim.i, t wurden. Ta in bity «s Getreides durch im ende, wie später föntti nangel, an /ich Won bt | tttimeben torwn, )w | er eridxrt, nm ui: I sex «

c m der S<A. fttms' den, eintrden soll Lu es iraife jedem tart hntg der Oldnung sngS fermmft erscheinen, ereignete sich aus b?n n Arbeiter Karl Stie- fuhr ein schwer Maire Henkel und Fuß. In it ter Schcnkelbruch und m rupp- ®ie&en ^ i Kricssbeschadil bliebenenunbtit UnehmerschMM hier am letzten SM Versammlung <w. »J legen die WW"1* iing der Anpmg & geW do Versammlung dmeii t und des Elends Stadt Milten A et große Entrup äffitenW= en En. t*] Tag zu Tag .t0

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seit« sefe- s zugehl -

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'^^LehrS-^ Mber vtr^gi

JfjrÄrts

Ragna Gvendburg

Dioman von Anny Wothe.

Ten. Ein Delegierter des ReickiSwirtschaftsamtes wird während der Messezeit iu Frankfurt a. M. anwesend sein und an Ort und Stelle alle Ent- srteitungen über Ein- und Ausfuhr treffen. Ta- tnrrdi wird der Geschäftsverkehr in wcitestgehcnDem Maße vereinfacht. Tas Meßamt gibt ein eigenes OrganFrankfurter Meßzeitung" heraus, von der tic erste Nummer bereits vorliegt.

Gedächtnisfeier für die gefallenen Krieger.

n Marburg, 25. Aug. Auf Einladung des !rreis>Krieyervcrbandes Marburg sand gestern hier eine würdige Ged ächtnisfeier für die ge­fallenen Kameraden des Kreises Marburg statt. Sie begann frühmorgens mit einer Kvanzniriwr- legung auf dem Ehrenfriedhof, hieran schloß sich ein Gottesdienst in der reformierten Kirche. Bon der Kirche aus marschierten die Kriegervereine mit ihren Fahnen unter Vorantritt einer Musikkapelle nach dem Kriegerdenkmal auf dem Friedrichs- olatz, wo sich eine große Menschenmenge ein­gefunden hatte. Nach einleitendem Gesangsvortrag von feiten der vereinigten Marburger Männer­gesangvereine hielt Professor Bredt eine Ge­dächtnisrede, die mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland und dem Gesänge vonDeutschland über alles" schloß. Mit Kranzniederlegungen des Vorstandes des Kriegerverbandes und des Vor­sitzenden der Ortsgruppe Marburg des Verbandes deutscher Unteroffiziere, die mit etwa 30 Ober­jägern vertreten ivaren, endete die einfache Feier. Später sand im Haus Freidhof Vertretertag des Kreis-Kriegerverbandes statt.

h. Marburg, 24. Aug. Die Stadtverord- Netenversammlrmg beschloß, die gesetzlich vvr- geschriebenen Neuwahlen zum Magistrat ent 29. August vorzunehmen. Betreffs der schon in der letzten Sitzung durchgesprochenen Frage der Bewilligung der Ortszulagen für die Lehr­kräfte an den Volksschulen hatte der Magistrat vor- keschlagen, die Sätze für Lehrer von 300 Mk. auf .<00 Mk. und für Lehrerinnen von 200 Mk. auf 430 Mk. zu erhöhen. Auf Antrag des Stadtverord­neten Lehrer Walter wurde beschlossen, noch wei­ter zu gehen, weil Marburg bezüglich der

Frankfurt a. M 23. Aug. (Wolff.) Internationale Einfuhrmesie hat von deutschen Reichsbehörden hinsichtlich der Ein- und Ausfuhrbewilligungen alle nur möglich,en Erleich­terungen und Vergünstigungen zugestanden erhol-

Dienstag, 26. August 1919

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

düsteren Holztäfelungen n-aven verschwunden, auch die dunklen, schweren Eichenmöbel und die groben, verblichenen Vorhänge, die einst das gemeinsame Wohngemach verziert. Heute erschien das Zimmer wie in Glanz und Licht getaucht. Von den Wan­den gleißte es meergrün hernieder in schweren, schimmerndem Falten, von duftigen Spitzen über­rieselt. Kostbare Spitzenvorhänge schmückten die Fenster und vergoldete Möbel mit lichtgrüner Seide gepolstert, zierten das Gemach, das schön wie ein Traum ganz geschaffen war, nur einem Märchenkinde als Aufenthalt zu dienen Obgleich es Herbst war, schmückten große Büschel blaßrow Rosen in üppiger Fülle die Wände. Frische Raren prägten auch in Schalen und Baien und erhöhten den Eindruck des Feenhaften noch, mehr. Ragna empfand das auch jetzt wi'per wie schon so oft und unwillkürlich flog ihr Blick sehn,uchftg über

Wic^Sven liebreich den verwöhntesten An­sprüchen und Launen Sigrids Gehör schenkte. Ge­stern noch war dieses, Sigrids Gemach, üanz mit weißen Seerosen geschmückt, geweien und heute prangt es in üppiger Roftnfülle.

Ragna mußte sich sagm,, daß in den sechs Wochen, die sie nun dereits aus Svendburg weilte, Sven sicki redlich bemüht hatte, Sig^d rn zart- sinnigster Weise entgegen zu kommen Kern Wunich und Sigrid hatte sortge^etzt Wunsche b.reb ihr verjagt. Manche bange Nacht bitte er an Rwwas Seite am Lager Sigrids geioacht und mft Ragna, das empfand sie wohl, um L-lgrids ^ebe>. je- öt%uv nicht sterben!" halte Ragna in Leinen Auge'n und in seinem Herzen gelesen. Sigrid

mußte leben! Als eine unttlgbarr, entsetzliche Schuld hätten die beiden Menschen Sigrids Hin- scheiden für ihr ganzes Leben empftinden und in dem Gedanken, das schwanke Leben der jungen zu halten, begegneten sich allein n>ch ihre Ge­danken.

Ragna lächelte schmerzlich vor sich hin. Wie wandelbar erschien ihr doch das menschliche Herz. Vor rinigm Wochen war Sven noch voll glühender Leidenschaft für sie erfüllt und beute dachte er nur an Weib und Kind, nur für die beiden lebte er! Hatte sie denn aber nicht selbst Sven diesen Weg gezeigt? War es nicht der einzig richtige, den er gehen mußte? Ja, Ragna hätte auch nichts, nichts anderes^ gewünscht, aber in ihrem Herzen nagte es dumpf und schwer wie ein tr-osüioses, unnennbares Weh. Tas war nicht mehr die bren­nende Sehnsucht nach Glück, nicht mehr der Schmer­zensschrei einer zu Tode verwundeten Seele, das war der lebendige Tod, der nicht tötet und der doch tief im Herzen frißt und jedes Glück und jede Freude vernichtet. Sie mußte fort aus Svend­burg, das fühlte sie. Sven und Sigrid konnte sie kaum mehr nützen. Tie fanden in ihrem Kinde, in ihrem Sohne sich selbst wieder, Sigrid war leidlich wohl und bedurfte ihrer Pflege nicht mehr, da konnte sie denn getrost ihren Wanderstecken ergreifen und wieder zurückköhren in ihr einsames Haus, allein, g-anz allein.

Was denkst du eigentlich, Ragna," tönte eine schmollende Sttnime zu Ragna herüber, ,patz du mich und sogar den Buben vergißt?"

Tu wachst, Sigrid? Ich glaubte dich schla­fend wie den kleinen Sven," entgegnete Ragna, zu dem Ruhebett herüherblichend,. auf dem Sigrid

T^ierungsVerhältnisse mit Kassel Lus einer Stufe tehe und andere Städte schon lange ihren Lehrern mehr Entgegenkommen gezeigt hätten. Auf feinen ^uckrag wurden die Ortszulagen für Lehrer auf 900 Mk. und für Lehrerinnen auf 600 Mk. erhöht. Die Mehrausgaben, welche dadurch entstehen, be­tragen rund 33 000 Mk. Schließlich genehmigte man nach erregten Auseinandersetzungen, im städ- kflchen Elektrizitätswerk eine kaufmännische Buch­führung einzurichten und -u diesem Zwecke dem technischen noch einen kaufmännischen Leiter bei­zufügen.

ha. Fulda, 22. Aug. Die Bischofskon- screuz hat gestern ihren Anfang genommen. Heute vormittag fand in Gegemvart sämtlicher Konserenzteilneymer in der Bonifatiusgrufr die Eröffnungsandacht statt, die Kardinal Hartmann abhielt. Darauf nahmen die Beratungen ihren Anfang.

provinzialtagswahl.

I. Wahlvorschlag.

Unabhängige sozialdemokratische Partei.

Kennwort: U. S. P. Heinrich Fv. rier, Ge­schäftsführer in Gießen. Fourier, Heinrich, Ge­schäftsführer, Gießen, Ludw^gstraße 12, Koch, Georg Willzelm, Weißbinder, Nieder Fbo-rstabt, Laudon, Heinrich, Treher, Wieseck, Micesttaße 54, Schaub, Heinrichs Schreinermeister, Büdesheim, Riltmann, Wilhelm, Buchdrucker, Lollar, Lumda- sttaße 9, Oppenheimer, Joseph, Kausniann, Butz- back, Mcier, Sofie geb. Vogt, Ehefrau, Gießen, Walltorstraße 8, Koch, Karl, Zigarrenrnachcw, Heu­chelheim bei Gießen, Raute, Wilhelm, Lagerhalter, Friedberg, Arnold, Wilhelm VII., Eisendreher, Leihgeste in, Krause, Wilhelm, Schlosser, Klein- Karben, Castein, Peter, Bureaugelstlfe, Gießen, Sch-ottsttaße 7, Ranker, Jvl-ann, Kontrolleur, Tortelw.il, Braun, Emil. Maurer, Tvohe, Hoff­mann, Friedrich Karl, Zementeur, Vilbel, Wei­gand, Karl, Installateur, Großen-Linden, Burg­straße 24, Schläfer, Philipp, Treher, Ober-Esch^- bach, Steinmüller, Friedriche III.. Erdarbeiter, Heu­chelheim bei Gießen, Wenzel, Ludwig, Landwirt, Rommelhausen, Seipp, Karl, Sckweiner, Lollar, Hauptstraße 53, Adelmann, Heinrich, Weißbinder, Kaichen, Gräf, Hilmar, Buchbinder, Steinberg (Kr. Gießen), Eichhorn, Wilhelm, Schleifer, Büdesheim.

IV. Wahlvorschlag.

Sozialdemokratische Partei.

Kennwort:Sozialdemokratische Partei, be­ginnend mit dem Namen Anton Lur, Mftglied der Volkskammer, Nic^r-Florftadt." Anton Lux, M. d. V., Nieder-Florstadt, Tr. Mbert Aavon, Rechts­anwalt, Gießen, Wilhelm Pebler, Lehrer, Büdin­gen, Hans Braun, Krankenkassenbeamter, Msfeld, Emil Selbmann, Kupferschmied. Lauterbach, Wil- hilm Schimmel, Privatter, Heuchelheim, Kreis Gie­ßen, Bruno Wittig, Buchdrucker, Butzbach, Heinrich Knas, Techniker, Büdingen, Tr. Feli^ de Bva, Arzt, Schlitz, Georg Merz, Händler, Schotten, Heinrich Mehl, Werkmeister und Beigeordneter, Gvoßen-Linden, Adam Becker, Gastwirt, Grvß- Felda, Karl Wenzel, Wirt und Beigeordneter, Ob­bornhosen, Martin Reck, ftixnt fenlaffenbeamtcr, Vilbel, Valentin Tillemuth, Maurer, Hainchen, Karl Gitter, Kaufmann, Homberg o. d. Ohm, Hein­rich Zinn, Maurer, Landenhausen, Kr. Lauterbach!, Peter Zertz, Landwirt, Nidda, ?llbin Mann, Ge- nerkschaftsbeamter, Gießen, Ludwig Scheibel, Bureauangestellter, Ober-Mörlen, Heinrich Höl­scher, Scknerder, Msfeld, Wilhelm Stecker, Mocka­niber, Mten-Buseck, Heinriche Kipper VIII., Weiß­bindermeister, Ober - Seemen, Heinrich Lach- niann I., VLaurermeister, Schlitz, Heinrich- Nald III., Bauunternehmer, Wieseck, Jakob Möller, 'Modellschreiner, Vflbel, Georg Repp, Maschinerr- setzer, Schotten, Heinrich Weber III., Schlosser, Steinberg bei Gedern, Richard Sttohwig, Ge­schäftsführer, Gießen, Franz Diener, Geschäfts­führer, Gießen.

Eingesandt.

sFür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem

Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 25. August.

Schon mehrfach wurde in dieser Zeitung auf die nächtlichen Lärmszenen in der Kaiser-Allee aufmerksam gemacht; es scheint jedoch wefter keine Nottz davon genommen worden zu sein. Gestern abend war das Lärmen, Johlen und ©ingen von z. Teil recht zotiger Liedchen" nach Leerung eines beim oberen Ende der Straße gelegenen Vergnügungslokales beson­ders stark. Es ist doch, gelinde gesagt, eine Rück­sichtslosigkeit, durch das Lärmen auf der.Straße in später Nachtstunde seine ohnehin infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage schon schwer be­drückten Mitmenschen aus dem Schlafe zu reißen.

Früher ist die Polizei gegen solchen Unfug eingeschritten; könnte sie nicht mich jetzt die

Sänger und Sängerinnen" in entsprechender Weise darüber aufttären, daß das in letzter Zeit so viel ge- und mißbrauchte Wort:Freiheit", nock) nicht gleichbedeutend geworden ist mit Rücksichts- losigkeit unü Außerackstlassung dessen, was man früher als Anstand auf der Straße bezeichnete? Wenn die früher in Geltung gewesenen polizei­lichen Bestimmungen wieder angewandt und die Strafsätze zeitgemäß erhöht würden, könnte hierdurch auch der doch nur schwach gefüllten Stadt käste eine nicht unerhebliche Einnahme er­wachsen.

Hoffentlich nehmen sich die verantwortlichen Stellen der Polizei- ' und der Stadtverwaltung bald eirmial dieser Sache an.

Ein Bewohner der Kaiser-Allee.

Spielplan her granffurter Theater.

Opernhaus. Tienstag, 26. August: Ti: toten Augen. Mittwoch, 27.: Tie Gezeichneten. Tonnerstag, 28.: Lohengrin. Freitag, 29.: Ter Zigeunerbavon. Samstag, 30.: Tosco. Sonntag, 31.: Tie Meistersänger von Nürnberg. Montag, 1. Septembw: Mignon. Tienstag, 2.: Tosco. Mittwoch, 3.: Tie F.edermaus. Schau f p i e l- haus. Tienstag, 26. August: Robert Guiskard. Ter zerbrochme Krng. Mittwoch, 27.: Tie Schmet- terlingssctftackft. Tonnerstag, 28.: Stella. Frei­tag, 29.: Robert Guiskard. Ter zerbrochene Krug. Samstag, 30.: Minna von Parnhelm. Sonntag, 31., nachmittags: Alt-Heidelberg: abends: Tie große Katharina. Blaneo Posnets Erweckung. Montag, 1. Sepembwt: Robert Guiskard. Ter zerbrochen: Krug. Dienstag, 2.: Ter Urfaust. Mittwoch, 3.: Tie Marquise von Arcis.

Büchcrtisch.

Tis Verfassung des Deutschen Reichs nach den BesMüssen der 3. Lesung der Nationalversammlung ist soeben in Carl Heymanns Verlag, Berlin W. 8, zum Preise von 1,10 Mk. erschienen.

j Aus schöner alter Zeit. Zwölf Federzeichnungen von Otto Ubbelohde.

Radierungen von Otto Ubbelohde, 4Mk. Verlag N. G. Elwertsche Verlagsbuchhandlung, Marburg.

Paul Schönberg,Blutend Herz im Frühlung". 3, Mk. Salm-Verlag zu Köln.

Die Deutschen in den Tonau­ländern und ihren Na chbar gebiete n. Ein Setldschreiben an Deutsche und Nichtdeutsche von Prof. Dr. Raimund Friede. Kaindl. (Frank­furter zeitgemäße Broschüren.) Bd. 38, Heft 8 (Mai 1919). Preis 50 Pf. Verlag von Breer und Thiemann, Hamm (Wests.).

vermischte».

** Ein salomonisches Urteil fällte dieser Tage der Oberamtsrichter Specht in einer Schöffen«erichtssitzung in Beerfelden. Zur Verhandlung kam ein Fall vonHamster n". Ein Landmädchen hatte hier und da Lebensmittel, wie Eier, Butter, Wurst, Getreide in geringem Um­fang an städtischeHamsterer" abgegeben. 'Das Mädchen und ein Hamsterer waren angeklagt, gegen wirtschaftliche Verordnungen" verstoßen zu haben. Beide Angettagte wurden fteigesprock)en. In der Urteilsbegründung heißt es:Alle Menschen ham'- stern heute, müssen Hamstern, um ihr Leben zu erhalten. Beamte der Staatsanwaltschaft, der Ge­richte, der Kreis- und Landratsämter Hamstern ge­rade so wie der Angettagte. . ."

Wettervoraussage

für Mrittwvch:

Vorwiegend 'molkig, zeitweise Niederschläge, Temperattlr wenig geändert, westlich: bis süd­westliche Winde.

Letzte 2tacbrid?teti.

Vorläufig keine Heimfendung der deutschen Kriegsgefangenen in England.

Wie uns die« Kommandantur _ des hiesigen Durchgangslagers mitteilt, ist dort soeben ein Te­legramm eingelausen, wonach, der Fünferrat in Paris die Genehmigimg zur Rückführung der in England befindlichen Kriegsgefangenen wieder zu­rückgezogen hat. Tarnst wird die entsprechende Notiz auf der ersten Seite dieses Blattes hin­fällig. Tie vorstehende Meldung wird übri­gens durch ein soeben emlaufendes W o l f f - Tele­gramm bestätigt: Dec Stab der Gruppe -.Rhein" erhielt heute Vormittag die Mitteilung, paß der von den Englmrdern zu gesagte pfbrtige Heimtrans­port der deutschen Kriegsgefangenen vom Fünfer­rat sistiert worden ist. Ter Stand der Gefangenen- fvage ist daher einstwesten unverändert.

Die Maßregeln gegen Kapitalflucht.

Berlin, 26. Aug. LautVoss. Zig." wird heute, nachdem die Beratungen eines großen Sach­verständigenkreises im Reichssinanzministerium die

einhellige Ablehnung der bisherigen ^iotenumtauschpläne ergeben haben^ die Bildung einer kleinen Kommission aus dem Sach verständigen kreise, insbesondere der Banksacksteitte vorbereitet, die über ettvaigc roctterc radikale Maß­nahmen gegen die Kapitalflucht beraten soll.

Französische Truppentransporte nach der Rheittpfalz.

Berlin, 26. Aug Nach dem/öertinfi Tageblatt" finden seit einigen Tagen neue Tvaus^ twrte französischer T ruppenverstär kungen nach der Rhrinpsalz statt. Die meister bisherigen Garnisonen wurden beträchtlich der stärkt. Zahlreiche neue Garnisonen sind ringerichtr worden.

Polnische und tschechische Angriffe.

Breslau, 25. Aug. (W. B.) Das General­kommando des VI. Armeekorps meldet:Pol nische Truppen, von polnischen Offizieren geführt, haben bei N e u b e ck eine Feldwache von uiis überfallen. Tschechische Patrouillen haben die deutsche Grenze zwischAk Zuckmantel und Ziegenhals überschritten.

Gleiwitz, 25. Aug. (WTB.) Tie 32. Reickswehr-Brigade teilt mit: In den frühen Morgenstunden des 25. August stießen p v l n i, ch e Banden, die nach vorliegenden Meldungen an icheined von regulären Truppen begleitet wurden, über Brinitz bis nach Georgenburg vor. Tic Feldwache in Brinitz wurde überwältigt. Eigenc Perlustü: 2 Tote und 1 Scknververwundeter: 1 Oi sizier und drei Mann wurden gefangen genommen. Ter Angriff aus Gsorgenburg wurde blutig ab gewielen Ter Gegner büßte 5 Tote und 3 Ge fangtne ein, deutscherseits 1 Toter. Birnitz ist nxb von den Polen besetzt. Ein Gegenunternehmen ist bereits int 0kmge. Keine weiteren bedeutni den Ereignisse.

Die Amerikaner in Oberschlesien.

Berlin, 26. Aug. Einem Berichterstcsttc, desBerlnter Lokalanzeiger" erttärte Kapitän Starte r , Chef der amerikanischen Lc bensmittelkommission und Mitglied der alliiertm Bergbaukommission in Oberschlesien, die weitverbreitete Ansicht, Amerika wolle sich in Ober schlesien festsetzen und die Kohlenfeldcr aufkaufen, fei reiner Unsntn. Er habe 20 Waggons Stär kungsmittel für kranke und Leidende Frauen zu, Hand. Tie deutsche Regierung steuerte ein Sechste, des Einkaufspreises bei. Die Unterernährung bei Kinder sei zum Teil erschreckend.

Hoover über die Lebensmittellage.

Amsterdam, 25. August. (W. B.) La,st Telegraaf" erklärte Hoover, der im Begriff ist nach Amerika zurückzukehren, in einer Unter rebung mit dem Korrespondenten derTimes", infolge der bevorstehenden Ernte sei die Lebens - mittellage in Europa für einige Mo nate weniger ernst. Die Frage der Ber sorgung Europas mit Lebensmitteln, Steinkohlen und anderen Lebensbedürfnissen könne jedoch nur dadurch gelöst werden, daß wieder wie vor dem Krieg gearbeitet werde. Mehr Arbeit und mehr Erzeugung, das sei die große Frage der kommen den Jahre.

Eine Enthüllung Hendersons.

Amsterdam, 25. Aug. (WTB.) TasAl- gemeen Handelsblad" meöxt aus Lvnd)N, daß Henderson in einer in Widnes gehaltenen Rede die Enthüllung machte, daß er seiner Zeit von Llohd George nach Rußland gesandt und dabei ermächttgt worden sei, den Botschafter Buchanan nach Hause zu senden und selbst mit einem Gehalt von 9000 Pfund Sterling als Bot schafter in Rußland.zu bleiben. Er sei jedoch in Rußland zu der Ueberzeugung gekommen, daß der in London gefaßte Beschluß auf falscher Grund­lage beruhte. Er habe deshalb nach London ge düahtet, daß er zurückkehren wolle und daß Du chanan auf seinem Posten verbleiben solle. Hen dersmt stellte in Abrede, daß er Paziftst fei. Er erklärte, daß er anfangs gegen die Stockholmer Konferenz gewesen sei, während gerade Lbotzd George dafür war. Henderson sagte, sein Besuch in Rußland habe ihn bekehrt.

Ein russischer Funksprnch über das Seegeftcht bei Kronstadt.

Berlin, 26. Äug. Die Moskauer Regie rung versendet einen Funkspruch über das See gefecht bei Kronstadt, aus dem hervor geht, daß itach den bisherigen Meldutrgen dic KreuzerBajan" undÄurore" beschädigt wur den. In dem Funkspruch heißt es Western Un geachtet der feierlichen und wiederholten Ertta rung britischer Staatsmänner, daß die btitifdje Regierung keinerlei aktiven Antest mehr an der Intervention in Rußland nimmt, ist in Wahr beit das Gegenteil erfolgt. Hierdurch hat England mit Rußlcnch den Krieg begonnen. Die britisch Regierung hat damst eine umfangreiche Aktion eingeleitet, um Rußland unmittelbar anzugreifeu Die englischen Arbeitermassen müssen nun wisse» daß England acktiv am Kriege gegen Rußland testnimnst.

lag und mit großen Augen forschend zu ihr her überiah.Hast du aut gmdjt?"

Äh," machte Sigrid und gähnte, und dann sagte si', die schlanken, rosigen Arme, die aus einem weiten weißen Gewände aus weicher indischer Seio blendend hervorsahen, über den hübschen Kopf vcr schränkend, in etwas müdem Ton:Es ist doch zu langweilig, sogar das Schlafm."

Aber ich bitte dich, Liebling," entgegnei Ragna ausstehend, und das zottige, weiße 6k- baren feil sorglich Über die Füße der jungen Frau breitend,wie kannst du nur so reden. Freust bu dich nicht ber wiÄerkehrenden Gesundheit?"

Sigrid sah nach der Zimmerdecke.Hm." machte sie,du scheinst dir das Leben recht schön zu denken. Als Sven dir damals telegraphierte, glaubte ich, ausgelebt zu haben. Weißt du, es überkommt einen manchmal so ich wäre aucl; ganz froh gewesen, wenn alles aus und vorbei gewesen wäre, aber ihr, du und Sven, ihr zwanget mich ja sinnlich zum Leben."

Etwas wie ein warmer Klang zitterte durch Sigrids Sttmme.

Ragrra strich zärtlich die wirren, rotgoldenen Locken aus Sigrids Antlitz.Und du freust dick dessen, mein Süßes," sagte sie zärtlich,nicht wahr? Sieh' nur, wie reizend der liebe klein Kerl dort in seinem Bettchen liegt. Wie muß dir das Herz aufgci?en bei feinem Anblick."

Sigrids Blick flog zu der vergoldeten Spitzen wieg:, in der der kleine Graf Sven Svendbur behaglich, beide Hände in den Mund gesteckt ichlummerte.

(Fortsetzung folgt.)