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Bekanntmachung im Ämls- v>'eblen, bei Sumiberbünth

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: Welcher.

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i lrimvendnngen hiergegen jingen am ember 1919, -lOVz Uhr,

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* mit Gründen oenehen

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Ter Sietzener Änzel-e, erschein! täglich, cuäer Eonn- und Feiertags. vezugLpreis: monatl. Dt k, 1.60, viertel­jährlich Mk. 4.80. durch Abhole- u. Zweigstellen monatl Mk. 1.50; durch die Bost Dit.6. oiertel- jährl. ausscht. P- kellg. tieruipre* - Anschlüsse: türbieedirftleitunnll2 Verlap.^elchänsslellebl AnschriltfiirDrahmnch- nchtcnLnrelgertzietze«.

postschecktoat»:

Frankfurt o. M. U686

Erstes Blatt

(69. Jahrgang

Dienstag, 25. November l9sy

Sietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Zwillingrrunddruck u. Verlag: vrühl'sche Unio.-Vuch- u. Zteindruckerei R. ränge. Zchristleitung, Seschastrstelle u. Druckerei: Zchulstt. 7.

Annahme von einjcigu f. die LagkHuumurer bis zum Nachmittag vorher ohne>ede'Berbuid!ichkeit Dreis für | mm kjshe für An>eiaen o.34mm Zweite örtli d 15 ßi, uusiväUS 18 'BU für Neklame- auzeigen von 70 mm 8re ie 48 Pi. Z<ci Platz- oorfchru>20° ..Ausschlag. Hauvtichri'tteuer: Aug. Goerz. LeraiUivortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Dz. Reniholo Zenz; für den Anzeigeiuell: v. Beck; sämtlich tn (Sieben

Amerika undderZriedensvertrag von Versailles.

Wie noch den letzten Meldungen voraus­zusehen war, ist die Annahme des Friedens­vertrages von Versailles im amerikanischen Senat gescheitert. Eine Mehrheit, die fid) auS republikanischen und deinokratischen Se­natoren zusammensetzt, hat sowohl den Frie- deusvertrag mit den Vorbehalten, wie auch den Friedensvertrag ohne Vorbehalte abge- lehnt und sich dann vertagt. Man muß nach diesem Ergebnis annehmen, daß die Ver­einigten Staaten versuchen werden, mit Deutschland durch unmittelbare Verhandlun- den den Friedenszustand wieder herzustellen. Es entsteht nun die wichtige und große Frage, ob die Haltung des amerikanischen Senats für uns günstige Folgen haben wird oder nicht. Man wird jedenfalls gut nm, sich zunächst vor Illusionen zu hüten. Es ist ganz zweifellos, daß Die Ablehnung des Friedens­vertrages im amerikanischen Senat nichts mit deutsch-freundlicher Gesinnung zu tun hat. Die Ablehnung ist nicht erfolgt aus Wi­derspruch gegen die brutalen Bedingungen dieses Vernichtungsfrredens, sondern lediglich, weil die Mehrheit der amerikanischen Sena­toren, wahrscheinlich in Uebereinstimmung mit einer Mehrheit des Landes, von einer Verkettung der amerikanischen und der euro­päischen Politik nichts wissen will. Man ist es dort müde, in europäische Händel ver­wickelt zu werden, und die Aussicht, diese Verwickelung mit der Ratifizierung des Ver­sailler Vertrages für immer mit in den Kauf nehmen zu müssen, hat den Ausschlag gegen den Vertrag gegeben. Was dabei noch an innerpolitischen Gründen mitspricht, kann hier außer Betracht bleiben. Die Hauptsache ist, daß Amerika der Monooedoktrin treu blei­ben will und deshslb eine Vertragsgarantie und einen Völkerbund in Gemeinschaft mit europäischen Mächten und mit Japan ab- lehnt. *

Haben also auch die Gründe, die den amerikanischen Senat bestimmten, mit Deutsch-Freundlichkeit nichts zu tun, so bleibt doch immer noch die Frage offen, welche Wirkung diese Haltung haben kann. Uno da scheint vor allem wichtig zu sein, daß Die Vereinigten Staaten aus dem engeren Kon­zern unserer Feinde vermutlich ausscheioen werden. Der Friedensvertrag von Versail­les trägt eine Unterschrift weniger, und das ist immer schon ein Gewinn, wenn man gegen den Druck dieses Friedensjoches zu kämpfen hat. Die Amerikaner werden, wenn sie von dem Frieoensvertrag von Versailles frei sind, ihre Beziehungen zu Deutschland nur noch unter dem Gesichtspunkt ihrer eigenen Inter­essen betrachten und gestalten. Diese Inter­essen können sehr wohl mit den unseren zu­sammenlaufen. Es kann sich sehr bald Her­ausstellen, daß Die Vereinigten Staaten selbst daourch gewinnen, daß sie die Wirtschaft Deutschlands wieder aufrichten helfen. Es sind schon Stimmen in diesem Sinne in Amerika laut geworden, und sie werden sich vermutlich jetzt verstärken. Bei dieser an und für sich günstigen Konstellation aber darf man nicht übersehen, daß die Fernwirkung, die von den Vereinigten Staaten vielleicht ausgeht, auf französische oder englische Ge­genwirkung stoßen kann. Es liegt die Ver­mutung nahe, daß Frankreich seine Gewatt- politik nur umso stärker betonen wird, nach­dem die Vereinigten Staaten als Garanten des Friedensvertrages und als Bundes­genossen am Rhein ausscheiden. Es ist des­halb leicht möglich, daß wir den amemkanr- chen Senatsbeschluß zunächst als verstärkten ranzösischen oder englischen Druck empfinden. Es wird dann darauf ankommen, ob die amerikanische Fernwirkung, wenn sie uns günstig sein sollte, sich durchzusetzen vermag. Dabei sprechen so viele internationale Fra­gen mit, daß man den kommenden Dingen mit dem Urteil unmöglich vorausgreifen Tann. Es empfiehlt sich deshalb eine abwar­tende Haltung. Uno es ist auf alle Falle fing, an die Entscheidung des amerikanischen Se­nats, wenn sie im Grunde genommen auch nicht ungünstig zu sein f^mt, fetne toeU- gehenden Hoffnungen irgendwelcher Art zu knüpfen.

C!emenceau§ Antwort über die Rück- sührung der deutschen Kriegsgefangene».

Der nationalistische Wahlsieg in Frank­reich wirst seinen finsteren Schatten auf Deutschland. Etemeneeau antwortet unserer Regierung in der Frage der Gefangenen mit einer unversöhnlichen Rote. Form und In­halt dieser Rote offenbaren es, daß in der französischen Regierung keinerlei Neigung be­steht, in wirkliche Friedensbeziehungen zu Deutschland einzulenken Dazu kommen Die neuen Zumutungen und Erpressungen bei Der bevorstehenden Ratifikation, weshalb Die deutsche Delegation aus Paris wieoer ab­gereist ist, so daß das Berliner Kabinett nun­mehr vor schwierigsten Entscheidungen steht.

Berlin, 25. Nov. (WTB.) Dem Vorsitzen­den der deutschen Friedensdelegation wurde fol­gende Note übergeben:

Herr Präsident!

Ich beehre mich, Ihnen den Empfang Ihres Schreibens vom 7. November wegen der He i m - telörderung der deutschen Kriegs­gefangenen in Frankreich zu bestätigen. Si>> machen mich besonders auf die tiefen seelischen Erschütterungen dieser Gefangenen ammerrsam, die die natürlich Folge der langen Gefang.mschast tote auch der Ungewißheit über den Zeitpunkt ihrer Vetreilmg sei. Sie weisen außerdem aul^ie Sorge der beattdyn Familien hin, die, nm Sie sagen, hoffen, daß Die Gefangenen zum Wrih- nachtsiest nach Deutschland zurückkehren würden. Abgesehen von den menschlichen Empfindung'rn. Der französischen Regierung berufen Si; sich schließ­lich zur Begründung Ihres Verlangens aut die Tatsache der Heimbeföttrerung der in den Händen der Amerikaner, Belgier GmgLänbcr und Italiener befindlichen Gefangenen. Nach Ihrer Velxnrpung sollen roictcrboft Ver­sprechungen gemacht worden sein, welche die An­nahme rechtfertigen, daß die Heimschosfung sofort nach der Ratifizierung des Friedensvertrages durch die französische Regierung stattfinden würde. Tie französische Regierung hat niemals etwas anderes versprochen, als die BedinHnmgen des Friedens- Vertrages zu erfüllen. Angesichts der planmäßigen Verwüstungen aller von den Deutschen besetzten Gebiete Nordfrankreichs kann sie einer Abweichung vom Vertrag zu Gunsten der deutschen Gefangenen in Frankreich nicht zustimmen. Die Gefangenen werden augenblicklich gerade dazu verwendet, mit der Wiedergutmacknrng dieser abscheulichem Taten den Anfang zu machen. Tie wüste Behandlung der Bewohner der besetzten Gebiete und die schrecklichen Kränkungen, die den in deutsche Hände gefallenen unglücklichen französischen Familien zugesügt wurden, können wicht sobald Der Vergessenheit überantwortet Nxrden, Die t i e f st e n Gefühle des menschlichen Herzens sind zu grausamverletzt worden, als daß eine Ver­günstigung, wiesievonJhnen er beten wird, von der französischen öffent­lichen Meinung zugestanden- werden könnte Doch damit nicht genug. Deutschland i>it durch bne Unterzeichnung des Versailler Vertrages die Herausgabe der Deutschen, die in ihrer Amtstätigkeit diese Greuel brgingen, auf srch genommen. Jetzt erllärt Ihre Regierung, bevor ste sich noch mit der Frage befaßte, außerstande, das gegebene Versprechen einzulösen, was die schwersten Folgen haben Eöimfe. Wenn unsere Verbündeten schon im September mit der Heimschaffung der Gefangenen begonnen haben, so ist dies geschehen, weil die französische Regierung glaubte, dem nicht widersprechen zu sollen. Keiner un­serer Verbündeten ist in seinen Gefühlen und Interessen so tief verletzt toord-n ' tote Die Bewohner Nordfrankreichs. Wie würden diese Bewohner, die in tragischer Not zwischen den Trümmern ihrer Heimstätten umherirren, es auf» nehmen, wenn die zu den ersten dringenden Ar­beiten herangezogenen (übrigens materiell mitt moralisch durck>aus gut behandelten) deutschen Gefangenen vor dem im Versailler Vertrag fest­gesetzten Zeitpunkt, nämlich vor der endgültigen Ratisizierung des FriedensvertragLs, d. h. dem Zeitpunkt des Inkrafttretens des Bettrages, Frank­reich verlassen mürben! Dies ist um so weniger möglich, als mit der deutschen Regierung noch keine endgültige Verständigung darüber erfolgt ist, unter welchen Bedingungen zivile deutsche Arbeitskräfte zur Verfügung Frankreichs gestellt werden sollen. Die deutsche Regierung verlangt die toraeitige Erfüllung einer Ver- tragsbestimmung. Aber jedesmal, wenn ihr Maßnahmen zur Erleichterung der Wusfüh- nmg der Früdensbedingungen nahe gelegt wor­den Jrtib, um die Leiden der schwergeprüften Be- völverung, sei es in Schleswig oder in Schlesien.! zu vermindern, verschanzt sich Deutschland stets peinlich hinter dem Wortlaut des Vertrages und gab den Beschluß kund, von seinem Rechte bis zuletzt Gebrauch zu machen. Die deutsche Regie­rung begnügt sich aber nicht, eine streng juri­stische Haltung einzunchmen. Sie verzögert p!<m- mäßig die Ausführung der Waffenstillftmrdsbedin-- aungen, indem sie sich den an sie eraehenden Er­suchen entzog und die bindenden Vorschriften offen verletzte. Es muß erinnert werden an die Versen-

Vropaganda, die bi Elfaß-Lothringen und überall von Schaulen ausgehenden Bahnen sind bis mittels ungeheurer, durch die finanzielle Not nichts Szylany rn deutscher Hand. Admiral Hep-

berabgeminberter Kredite unablässig gegen die Ver-

mann wird mit der Ententekommission eben

die in die Verfassung ausgenommenen (und bis jetzt bechehaltenen) zweideutigen Artikel, an die

Flanke gegen die von Libau vorrückenden Let­ten offen; sie wird nur durch schwächere Ab­teilungen östlich P e k u l u gesichert. Die Li­

tauer setzen ihre Angriffe gegen die Bahn Mv tauSchaulen fort. Radziwilischki ist von ihnen besetzt; sie sind weiterhin bis Szylany vorgedrungen. Um Schaulen und in dem rück­wärtigen Gebiet werden starke litauische Ban­den gemeldet. Das Generalkommando des 6. Reservekorps befindet sich in Schau en. Die

Mannheim, 22. Nov. (Wolff) Dre Pfalz^ Zentrale meldet: Bekanntlich wurde sciuerzert der Kaufmann Möbs in Kaiserslautern von einem französischen Korporal, E a s s o t, erschossen. Möbs hatte über zwei sogenannte Damen", die sich in B<^leitung französischer Soldaten befanden, eine absprechende Bemerkung gemacht, tveshalb eine der­selben ihm ms Gesicht schlug. Als Möbs sich zur

Au§ dem besetzten Gebiet.

Tie Kohlcnnot.

Berlin, 25. Nov. Dem 23erL Lokal- anz. wird aus Aachen gemeldet: Zwischen dem belgischen General Michel und den Indu­striellen aus dem besetzten Gebiet fand heute eine Konferenz über die Ursachen der Kohlen­not im besetzten Gebiet statt. General Michel erklärte, er habe Unterlagen, daß das Kohlen­syndikat monatlich 150 000 Tonnen Kohlen nach Holland liefere, anstatt 50000 Tonnen. Die 100 000 Tonnen, die Holland mehr er­halte, könnten im besetzten Gebiet sehr gut ge­braucht werden. Er habe Schritte unternonv- men, daß der deutschen Regierung diese Aus­fuhr verboten würde.

Laut Berl. Lokalanz. bleiben wegen Koh­lenmangel in Nürnberg alle städtischen Schulen bis Ende des Monats geschlossen.

Französische Justiz.

sammeln. Nach dem Abmarl'ch kr ®rntW fiel bk Giite

Plehwe, dre bet Ltbau stand, ist die Unke - - ' -- * -*-

ihn her und mißhaiü-elten ihn schwer. Ter Korpora! Eassot, mit dem^ nicht das Geringste zu tun hatte, schoß dem Ttzehrlosen mrd am 23oben Liegen­den eine Kugel in den Kopf. Der Mörder wurde

kung der Flotte in Scapa Flow, an die Ver­zögerung der Auslieferung der Schiffe, an die hin­haltende, dem Buchstaben urie dem Geiste desW affen- stillstandes wrdenvrechende Politik, bte in d:n baltischen Provinzen trotz aller Auffor- derunoen der Verbündeten betrieben wurde, an

kündeten betrieben wird. Wir schulden Deutschland nichts als die genaue Erfüllung der genauen Bestimmungen des Vertrages, 'den es am Ende eines erbarmungslosen Krieses angenommen Hal, eines Krieges, den Deutschland den zivilisierten Völkern au'gezwungen hat.

Genehmsgen Sie, &err Präsident, die Ver­sicherung meiner ausgezeichkpeten Hochachtung.

(gez.) Elemenceau.

Berlin 24. Nov. (WTB.) Ministerialoirek- tor von Simson, der morgens aus Paris zurückgekommen ist, erstattete dem Kabinett über die Pariser Verhandlungen Bericht. Die Rückreise erfolgte, weil tri der Angelegenheit der Ver­senkung der Flotte bei Scapa Flow neue In­struktionen nötig wurden. Alle Kombinationen, als bange die Abreise Simsons mit der Haltung des amerikanischen Senats zusammen, sind also gegenstandslos. Deutschland hat ein Interesse nicht an der Verzögerung, sondern am Abschluß des Friedens. Damit werden mich die Andeutungen hinfällig, als bedeute die Abreise Simsons einen Abbruch der neuerlichen Verhandlungen.

Paris. 24. Nov. (WTB.) Ter Temps" spricht anläßlich der Abreise des Ministe­rialdirektors von Simson von einem Theatereoup, über den er Aufklärung verlangt. Deutschland dräng? doch seit fünf Monaten darauf, bktü der Vertrag von Versailles in Kraft gesetzt würde. TerTemps" glaubt, daß die deutschen Beoollmächtig'en den Eindruck hatten erwecken wol­len, daß sie über die Bedingungen erstaunt seien, die man ihnen in Paris stellte. Sie seien ihnen aber seit drei Wochen bekannt gewesen. Die Ge­fangenenfrage sei an d-ie Jnttaftsetzung des Friedensvertvages gebunden. Für ein Votum der Nationalversammlung sei kein Platz, da ja ein var­iier abgeschlossenes Abkommen vvrliegc. Der Temps" fragt sich deshalb, ob nicht in der beut» leben Regierung ober m ihrer Umgebung Männer seien, die den Frieden unter dem Vorwand in Frage stellen wollten, daß der amerikanische Senat den Sena tuet Vertrag nicht ratifiziert habe und ob nicht hinter der deutschen Regierung mllitärische unb reaktionäre Einflüsse wirkten, die die Inkraftsetzung des Vertrages um jeden Preis verhindern wollten, um die Entwaffnung Teutsch- lauÄs und die Befestigung der demokratischen Ne- gäerungsform zu verhindern. Die deutsche Regie­rung habe bas Wort!

LautPresse de Paris" bilde die Abreise Simsons und seiner Mission den vorwiegenden Gesprächsstoff. Die Gründe, die der deutsche Di­plomat angebe, seien nicht überzeugend. Wenn er sage, man müsse die deutsche Nationalversamm­lung über das Protokoll befragen, so mache er sich lustig, denn der Inhalt des Protokolls sei seit Begiim des November bekannt. Es könne sich also nur um ein Manöver handeln. Deutschland wolle das Zögern des amerikanischen Senats ausbeuten, aber dieses Manöver werde der Fün.errat durch­kreuzen. Uebrigens müsse man wiederholen, daß die Regierung von Berlin am meisten daran inter­essiert sei, das sofortige Inkrafttreten des Frie- densvertrages von Versailles sicherzustellen.

Ernste Lage der deutschen Truppen im valtikum.

Berlin, 24. Nov. (Privattel.) lieber die Lage rnt Baltikum wird berichtet: Die Reste der deutschen Legionen unb verschiedene Frei­korps, darunter das von Bra n d is, sam­melten sich füblid) Mitau. Der rechte Flü­gel steht bei Kruki in der Verteidigung gegen Anariffe aus Nvrdosten un> über­holende Ängriffe aus Südosten, der linke Flügel hält Die Bahn MitauSchaulen. Hier sind fünf aus Mitau kommende Flüchtlings- züae mit vorwiegend deutschstämmigen Flüchtlingen von den Litauern zusammen- geschossen worden. Bisher sind fünfzig Tote und einhun dertfünfzig Ver­wund e t e gemeldet. Es wird versucht, die Bahnstrecke offen zu halten, damit wenigstens der Alnnarsch oer übrigen Flüchtlinge vor sich gehen tonn. Die Eiserne Divis ion geht anscheinend ziemlich geordnet aus Dem Raum von Mitau in die Gegend von Murajewo längs der Bahnstrecke MitauMurajewo zurück. Die aufgelösten Reste des linken Flügels, meist aus Russen bestehend, sollen sich im Raum MurajewoPopeliany

falls in Schaulen erwartet. Im ganzen ist die Lage außerordentlich ernst, an einigen Stellen verzweifelt.

(£in Gerücht über Lcttow Vorbtck.

Berlin, 24. Nov. (Wolff.) Die Meldung Central News", daß Lettow-Borbeck an der Spitze von 30 000 Mann, darunter viele seiner Kameraden von Ostafrika, Die Grenze Ostpreußens überschritten, einen Ein­soll tn Litauen unternommen habe und über 300 Panzerautvnwbile verfüge, ist in jedem Wort falsch. Lettow-Dorbeck ist nicht in Ostpreußen. Es ist auch unwahr, Daß 30000 Mann in Ostpreußen zusammengezo­gen worden seien. Auch eine Sammlung Der Ostofritäner um Lettow-Borbeck ist ganz aus­geschlossen.

Arrr dem Ueiche.

Unruhen im Kreise Bitterfeld.

Halle, 24. Nov. (WTB.) Unter Beru­fung auf ihre Arbeitswilligkeit verlangten Vertreter der Arbeiterschaft der Anilin­werke in Wolfen bei Bitterfeld, daß am Bußtage, einem gesetzlichen Feiertage, Der Betrieb weitergeführt werden solle. Die Werk­leitung konnte dies mit Rücksicht auf dis gesetzlichen Bestimmungen über die Sonw- tagsruhe nicht gestatten. Darauf drang eine vielhundertkvpfige Menge in das umfriedete Besitztum des Direktors und zwang diesen unter Drohungen,, die Arbeitsstätten freizw- geben. Das Ermittelungsverfahren gegen die Hauptbeteiligten ist im Gange. Zur Unter­stützung der Zivilbehörden bei der Wieder­herstellung der Ordnung mußten jetzt Trup­pen der Reichswehrbrigaoe 16 (Freiwilliges Landesjäger-Korps) Wolfen besetzen. Darauf­hin trat Pie Belegschaft des Anilinwerks Wolfen in den Ausstand, verlangte die Zu­rückziehung der Truppen und Aufhebung des gerichtlichen Haftbefehls gegen den Rädels­führer Haar. Ohne jeden Grund trat die Belegschaft des Werkes Elektro I westlich Bit terfeld, auf dem ein Teil der Lichtversorgung Berlins ruht, ebenfalls in den Ausstand, mit dem sie sclwn seit mehreren Tagen gedroht hatte. Dadurch ergibt sich die Gefahr des Er­saufens der Grube und eine schwere Be­drohung der Kraftlieferung an die Reichs­hauptstadt. Unter diesen Umständen sah sich der militärische Befehlshaber genötigt, Den Ausnahmezustand über den Kreis Bitterfeld zu verhängen, wozu er bereits am 21. No­vember durch den Reichspräsidenten unb den Reichswehrminister ermächtigt war.

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