tzicht mehr erklären, können. Mau habe vor einem Rätsel gestanden.
Um die Angelegenheit noch klarer zu stellen, kann ich «s nicht bermciben, sagt Wedel, eine Indiskretion m begehen. Gras Czernnr hat mir gesagt, ihm sei Don Der handlangen Erzbcrgcrs zur Berhinberung vttfrlihter Friederrssdiaitte, diü er nie beabiidvigt habe, nichts bekannt. Erzberg<r habe ihn bc)ud?t und mit iljm über die Lage gesprochen, die man beiderseits ziemlich! pefsimistipch» beurteilt habe. Eine Abwrichung der An suhlen müsse er bezüglich brr Wirkungen ocs llboockriegrs fcfili eilen. Czernin I)abe auch damals sehr pessimistisch geurteilt, während Erzbergcrr bojsnungs- voller getoesen sei. Tas wird durch Erzbergers Aufzeichnung Vorn 25. April bestätigt. Ferner hat Gras Ezernin mir schriftlich mitgeteilt, das; er, als er später den Gebrauch des Jmmsdiatberichtes ersuhr, den Erzberger für nühlich befand, Derrn Erzberger veranlaßte, nach Wien zu kommen, um von ihm Rechenscl,ast tvegen der indiskreten Verwendung seines Geheimberichtes zu verlangen. Auf die Folge aufmerksam genmcht, sei Derr Erzberger sein erschüttert gewesen und l-abe seinen ftl^vcren Feister eingcsehen. Ein einwandfreies Zeugnis vom anderer Seite und beweiskräftige Dokumente seien für die Affäre vorhanden. Unter diesen Umständen bekommen die Auslandsreisen Erzbergers wie die angebliche Rettung der Situation ein ganz anderes
Ar4s und ltand.
Gießen, den 25. Juli 1919.
Gießener Volkshochschule.
Ter vorläufige Arbertsausschuh zur Gründung einer Volkshochschule halte gestern abend in der Neuen Aula eine öf- feuUiche Derjammlmtg eiuberusen zum Zuftunnien- schluß sämtlicher Freunde und Gönner des Volks- hodsckulgedankeus zu einem Bern» Gietzener Volkshochschule, der die für den 1. Oktober in Aussicht genommene Gründung einer Volkshochschule vornehmen, sie erhalten und ausbauen soll. Ötel). Rat Prof. Mittermaier, der die Ber- iammlung eröffnete, sprach über Wesen und Ziele der Volkshochschule im allgemeinen. Er betonte zunächst das tiefe und ausgeprägte Sehnen großw Volkstrile nach geiftiger Arbeit, nach Mitarbeit an ihrem Geschicke, am Staate, nach verliefbrr Bildung. Tie so unendlich verschiedene Bildung d:s einzelnen Volksgenossen sei die schmerzlichst-' Uu- glcichheil, die tiefste Kluft, die uns trenne und unser Volk in Klassen spalte. Tie Volksbildungs- bcwegunq sei, wenn auch jetzt ganz besonders aktuell, keine Modesacke, das Streben nach Verbreitung vertiefter Bildung im Volke vielmehr schon ziemlich alt, wie die Entwicklung der Bewegung beweise, auf die der Redner des näheren cinging. Tas Wesen einer Bollsl-ochschule fei mit keiner der landläufigen Bildungseinrichtungen zu verwechseln, vor allem nicht mit einer Universität alten Stils. Wofst müsse sie eine gewisse Reise des Geistes ihrer Schüler und Dörer verlangen, die selbständig denken und mitarbeiten, die ihr Wissen erringen und zu ergründen suchen müssen, es nicht als unumstößliche Wahrheit und bet Weisheit letzter Schluß, von vbenher gläubig hinnehmen- aber es werde im Gegensätze zur eigentlichen Universität keine bestimmte abgeschlossene Vorbildung verlangt. Die Volkshochschule will der Neberbrückung der vorhandenen Gegensätze, dem Zusammenschluß aller Klassen dienen; sie steht jedem offen, unter Umständen kann ihr Besuch auch dem in der Regel ziemlich einseitig auSaebildeten Akademiker von Nutzen sein. Sie muß aber auch mit anderen Bildungsanstalten, wie Theater, Museen, Lr>e- hallen ufa)., in engster Verbindung stellen. Tie Volkshochschule will nicht durch Einzelvorträge, die meist nur anregend wirken, aber teilten nachhaltigen, tieferen Änfluß Haven, sondern durch Kürse ein kleines aber vollständig abgerundetes Gebiet aus dem menschlick>en Wissen dem Schul, c zu tieferem Verständnis vermitteln. Die Unterrichtsmethode werde nicht in trockenen Vorlesung 'n bestehen, sondern auf lebendige äußere und innere Anschauung der Dörer, auf ihre selbständige Mitarbeit eingestellt sein. Bei aller Volkstümlichkeit muß aber Gründlichkeit und Wissenschaftlichkeit gewahrt bleiben. Die Volkshochschule will nicht der Halbbildung oder geistiger lieber hebung Vorschub leisten. Zum Teil 'will sie ihr Ziel auch durch zusammenhängende Vortragsreihen, aber soweit als irgend möglich durch sogenannte Arbritsgemria- schaften erreichen. Dies sind kleinere Kreise von höchstens 30 bis 40 möglichst Gleichgestimmten, die zusammenarbeiten, mitarbeiten an der Er fassung der Grundlagen irgend eines Wissens- gebietes Letztes schönes Ziel der Volkshochschule, das hoffentlich keine Utopie bleiben möge, fei ein großes Volkshaus, in dem von morgens bis abends jedermann ein- und auSgehen, seine Erholung und eine Stätte geistiger Arbeit finden könne, wo Museen, Büchereien usw. zur Verfügung stehen und sich in den Abendstunden die Dörer zu Vorträgen, Debattierklubs, Arbeits« gcmcinfdwften usw zufammensinden. Nach dem vom vorläufigen Arbeitsaussckmß ausgearbciteten Programm (das jedoch auf Wunsch noch geändert werden kann) soll die Volkshochschule am 5. Okt. mit einer akademischen Feier eröffnet werden, w.ih rend am nächsten Tage sofort mit der praktischen Arbeit, den Vorlesungen, begonnen werde. Es snid kleine Semester von 10 Wochen in Aussicht genommen, so daß das erste Semester Mitte zember abschließen und das zweite Anfang Januar beginnen würde. Für den Sommer habe man sich mxls nicht festgelegt. Es sei bann aber mein' Wert auf Äusslüge mit Anleitung zur Natur- bcobad)tung, kunstgeschichtliche Ausflüge usw. zu logen. Dies könne man aber ruhig der Eutwick- lunn überlassen, wie man auch erst im Lause der Jahre dazu kommen werde, ein ganzes Unterrichts- svstem auSzuarbeiten, welcfas das gesamte lueite Gebiet des rnenschlid)en Wissens umfassen soll. Was die Organisation anlangt, so werde vorge- schloaeu, einen neunglicbrigen Vorstand und einen Ausschuß ans Vertretern der einzelnen Vereine, Behörden nfw. zu bilden. Die Lehrer werden sich zu einem Lehrerrat zusammenschließen, um ih.e Erfahrungen gegenseitig auözntauschen, «nährend sich die Schüler in einem Schülerrat zusani- meusmden, üm an der Organisation mitzuarbeiten, ihre Wünfckie, evtl, auch Kritik an den Lehrern, ih er Lehrmethode usw. zu üitfynt. Die für das Unternehmen erforderlichen Mittel, die vorläufig pro Jahr auf etwa 10000 Mk. veranschlagt werden ,fallen durch regelmäßige Beiträge der Mitglieder (Einzelbersönlichkcüen, Vereinigungen), aus größeren Sttstuugen, sowie aus Beiträgen durch die Stadtverwaltung aufgebracht werden. Ter Staat sei ebenfalls um Unterstützung zu ersuchen. Außerdem sei ein Schulgeld in mäßiger Höhe (etwa 30 Pf. pro Stunde) zu erheben.
Dr. Werner, der einen Ueberblick über das I Programm des ersten Semesters gab, hob zunächst hervor, daß die Volkshochschule die Köpfe nicht mit leerem Wissensstoff, mit Jahreszahlen ufa>. anfüllen, sondern die Höver anhalten und anleiten wolle, das gebotene Wissen zu verarbeite^ und innerlich zu erleben. Für bas Wintersemester ind außer Elemeutarkursen in neulich, Rechnen, Französisch, Englisch und Geographie an iedem Wochentag mit Ausnahme des Samstag Vortragsreihen und Ar beit s gern ein- ch asten vorgesehen und zwar in der Weise, daß sich an die von 7—8 Uhr stattsindenden Vorträge die Arbeitsgemeinschaften anschlicßen, die bis etwa 10 Uhr dauern.
Die Vorträge sollen vorläufig das Zeitungswesen. der deutsche Wald, die Programme der politischen Parteien und Gesundheitslehre umassen. Zur Behandlung in den Arbcitsgemein- chasten sind vorgesehen religiöse Fragen der Ge- ^nroart, Astronomie, soziale Gesetzgebung, Ein- iihrung in die Geologie, Weltanschammgsfragen, Säuglingspsleae und Mutterschutz, deutsche Ge- chichte, Einführung in die bildende Kunst, Staatsbürgerkunde und Lesen deutscher Dichtungan. Dig Vollshochschule werde demnächst mit einem voll- tandig ausgearbefteten Vorlesmrgsverzeichnis am die Ocfsentlichkeit treten, das u. a. auch eine von jedem Tozentcn ausgearbeitete Disposition über ämtliche Abende und (Themen enthält. Es entspann ich nach diesen beiden beifällig aufgenommata^ Vorträgen eine Aussprache
Am Schluffe wurde die Gründung des Vereins Volkshochschule Gießen vollzogen. Listen zur Einzeichnnng als Mitglieder wurden herum- gereW und der Vorstand gewäl-lt, der sich ans den Herren Dr. Gail, Direttvr Gries- bau er, Lehrer Goertz. Geh. Rat Haupt, Stadtv. Mann, Stadtv. Maier, Pros. Mitte r m a i e r , Direktor Schnell, Stadtv. Simon, Frau Prof. Hüter und Frau Prof. 3lic» mann zufammenfetzt.
*
** Amtliche Personalnachrichten. Am 24. Juni d. I. wurde der Regierungsbaumeister in der Hessisch-Preußischen Eisenbahn- mmeinschast Ernst St eg ma her zu Creseld zum Vorstand eines Eisenbahnbetriebsamtes in dieser Gemeinschaft ernannt Ernannt wurden am 16. Mai 1919 Karl Armbruster in Schlitz zum Schreibgehilfen bei dem Amtsgericht Schlitz, Karl D o h e r t in Alsfeld zum Schreibgehilfen bei dem Amtsgericht Alsfeld, Wilhelm Hohlmann in Butzbach zum Schreibgehilfen bei dem Landeszucht- haus Marienschloß, Karl Knapp in Butzbach znm Schreibgchilfen bei der Zellenstrafanstalt in Butzbach, Heinrich Metzg er in Laubach zum Schreibgehilfen bei dem Amtsgericht in Laubach, Wilhelm Möller in Herbstein zum Schreib- gchilfen bei dem Amtsgericht Herbstein, Adam £ bette in Reinheim zum Schreib gehilsen bei dem Amtsgericht Reinheim, Heinrich Salz- mann in Bad Nauheim zum^Schreibgehilfcn bei )em Amtsgericht Bad-Nauheim und Johann Sattler in Herbstein zum SchreibgehUsen bei )cm Amtsgericht Herbstein. — Dem Pfarrer Georg Goeckel zu Ober-Ofleiden wurde am 21. Juli die evangelische Psarrstelle zu Hungen und dem Schulamtsanwärter Philipp Altvater aus Ortenberg, Kreis Büdingen, eine Lehrer stelle an der Volksschule zu Elsheim, Kr. Bingen, übertragen. — Am 26. Juni wurde der Oberregicrungsrat in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Dr. Philipp Weber, Mitglied der Preußischen Eisenbahndirektion zu Frankfurt a. M.. auf fein Nachsuchen vom 1. August 1919 an in den Ruhestand versetzt.
*♦ Aus dem Militär-Wochenblatt. Leutnant Zornemann im Pionierdatl. 18, jetzt beim Pionierbatl. 21, wurde zu den Reserveossi zieren des erstgenannten Bataillons und Fähnrich Mo hat, im Jnsanterie-Regt. Nr. 168, iti das Reserveverhältnis übergesührt.
** Staatsfteuern. Durch die verspätete Alusgabe der diesjährigen Staatssteuerzettel für Gießen ist mit ministerieller Genehmigung hin die Zahlungsfrist der beiden ersten Steuerziele bis zum 2 6. d. M t s. erstreckt worden. Die Stenerkasse ist daher wegen des Schreibens ter Mahnbriefe a mi 2 8. und 29. d. Mts. g c- fd) lo H en. Mahngebühren werden vom 30. d. Mts. ab erhoben.
♦* Tieb stähle. In letzter Zeit wurden wiederholt Einbrüche in den Kammern des hiesigen Regiments verübt und hierbei größere Mengen insbesondere Bettwäsche, Handtücher, Wolldecken, Federbetten, Zeltbahnen, Sohlen, Stiesel, sonstige Bekleidungsstücke, wie Strümpfe und Unterwäsche gestohlen. Es ist, der Menge nach zu. schließen, bestimmt anzunehmen, daß die Täter die Sachen verkaufen uuo Handel damit treiben bzw. an Schieber weiter absetzen. Auskunft nimmt die Kriminalpolizei entgegen.
* * Fahrraddieb st)ä hl e. Am 19. ds. Mts. wurde aus einer faesigen Werkslätte ein Fahrrad, Marke „K r i tzne r", und am 24. Juli in der Frankfurter Straße ein falcfas, Marke „Sa al bürg", entwendet. Letzteres hat niedrigen, schwarzen Nafanenb-au, hohe Lenkstange, gelbe Felgen mit zwei sck-warzen etreifen unb Pvlizev- Nr. G. 6882. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei entgegen.
* * Verteilung von Kartoffel st är kern e h l. Don Samstag. 26. Juli, bis einschließlich 2. August 1919 gelangt in den Klein handels- geschäftcn auf den Dezugsabschnitt Nr. 11 der Lebensmittelkarte Kartosselstärkemehl zur Verteilung. Näheres siehe Anzeigenteil.
* * Eierve rsorgu ng. Durch Verordnung des Gesamtministeriums vom 22. April 1919 ist bestimmt, daß, wer in Hessen Eier von Hühnern öeräufam, erwerben ober den Erwerb vermitteln, gen-erblich verarbeiten ober haltbar machen will, hierzu einer bef onbere n Erlaubnis bedarf, und das gleiche auch für bie Beförderung und Versendung von Eiern auf jedem Wege unb jede Weise gilt. Es sind Zweifel auf getaucht, ob diese Bestimmungen sich auch auf Eier beziehen, die außerhalb Hessens erworben worden find. Ihn' solche Zweifel zu beseitigen, ist durch Bekanntmachung vom 21. Juli 1919 bestimmt worden, daß sich die erwähnte Anordnung auch auf die außerhalb Hessens erworbenen Eier erstreckt. Der Grund für diese Regelung ist folgender: Wenn die autzer- balb .Hessens erworbenen Hühnereier von der An- orbitung nicht betroffen würden, wäre eine Kontrolle nahezu unmöglich, weil wohl in den meisten Fällen behauptet werden würde, es l>andele sich um außerl-alo Hessens erworbene Eier. Entfällt bie Möglichkeit Kiner Kontrolle, so wirb dem Schleichhandel Tür und Tor geöffnet und damit die Versorgung gerade der geringer bemittelten Bevölkerung mit Eiern audgefdilofien. Dies muß I aber mit allen Mitteln verhindert werden.
**Stabtberorbnetenbcrfommlung. In unserem letzten Bericht ist Stadtv. Diehl als abwesend bezeichnet worden. Dies trifft, wie uns Herr Diehl mitteilt, nicht zu. Wir bemerken, daß wir uns an die pufliegende Präsenzliste gehalten haben.
** Im Lichtspielhaus wird morgen bis einschl. Montag „Arme kleine Eva", in der Hauptrolle Alice Dagny, früher am hiesigen Stadttheater, gegeben. Ferner das glanzende Beipro-> gramm.
Kreis Büdingen.
# Aus der We11erau, 24. Juli. Die Niederschläge der letzten Wochen haben den Pflanzenwuchs, der schon zu Besorgnissen Llnlatz gab, ungemein gefördert. Die Wiesen zeigen einen günstigen Grasanfatz zu Grummet unb der zweite Klee, dessen Ansatz infolge der Trockenheit auf sich- roarten ließ, wächst befriedigend nach. Der Körnerertrag der bevorstehenden Getreideernte scheint beir allen Fruchtarten put zu werden, bei Ertrag an Stroh hingegen wird weniger günstig ausfallen Die Kartoffeln stehen in bester Blüte, schade, daß o viele unentwickelte Knollen schon aus der Erde gerissen werden müssen, da die Vorräte an alten Kartoffeln bei vielen Landwirten vollständig erschöpft sind. Die Obstbäume lassen auf gute Erträge hoffen. Die leeren Apselwcinfässer dürften diesen Herbst wieder sämtlich gefüllt werden können.
Kreis Schotten.
O Gedern, 23. Juli. Am Montag abend gab bie im nahen Wenings zum Sommeraufent- halt weilende Frankfurter Kurrende des Pfarrers Probst in unterer Kirche ein Konzert. Zum Borttag kamen Choräle, Motetten und Volkslieder. Es war eine Weihestunde seltener Art und für die Besucher eine wahre Erbauung, eine in den schweren Zeiten doppelt wohltuende Erhebung. Ter musikalisch fein durchgebildete dreistimmige Chor der 50 Knaben leistete Vorzügliches, und seinem verdienstvollen Leiter, G-esanglehrer H o s m a n n aus Frankfurt a. M., gebührt alle Anerkennung. Wünschenswert wäre, daß die durch das Resormationsjubiläum in manchen Städten wieder ausgekommene Einrichtung der Kurrenden auch in ländlichen Gemeinden durchgesührt wurde. Der finanzielle Ertrag des Kirchenfaiizerts war 187 Mark und kommt bet Inneren Mission zugute.
up. Lardenback), 22. Juli. Im Stollen bes Eisensteinbergwerts „Luse" würbe ein Bursche von einer herabstürzenden Erdmasse verschüttet. Es gelang, ihn zu befreien; er toar anfänglich betvußtlos, .erholte sich aber bald. An der Kreissäge löste sich ein Stück Holz und flog einem Bergmann aus Sellnrod mit solcher Wucht an den Kopf, daß er in die Klinik nach Gießen verbracht werden mußte.
** Stumpertenrod, 24. Juli. Fräulein Erna v. Zangen aus Darmstadt, die uns sck-on im vorigen Jahre mit ihrer .Kunst erfreut hat, benutzte auch ihren diesjährigen Landaufenthalt dazu, ein Wohltätigkeitskonzert zum Besten der heimkehrenden Kriegsgefangenen zu veranstalten. Daß auch diesmal der Sängerin großes Interesse entgeaengebracht wurde, bewies der gute Besuch des Konzertes. Nach einer'Orgelfantasie begann die Künstlerin ihre Gesangsvortrage mit dem bekannten Liede: „Harre, meine Seele, harre des Herrn!" Hierauf folgte die Arie „Jerusalem" aus „Paulus" uni) das mit innerlicher Vertiefung vorgetragene Lied von Friedemann Bach: „Kein Hälmlein wächst ans Erden". Bon den zu Gehör gebrachten Gesängen dürften außer den genannten wohl am besten öic Arie der „Achsa ans Josua" und die lacr „Agathe aus Freischütz" gefallen haben, wobei die Sängerin zeigte, daß sie über eine wohllautende weicbe und vortrefflich ge- frfjultc Stimme verfügt. Sie fd>U>6 iljre Gescrngs- vorträge mit dem berühmten „Vaterunser" von Krebs, dessen religiöser Stimmungspclzalt voll zu erschöpfen wußte. Man merkte berjungen Künstlerin an, daß ihr das Wesen der Musik als Ausdruck, ihre Bedeutung als eine ,Sprache der Seele schon ganz vollkommen in Fleisch und Blut über» gegangen ist. Neben der klangschönen, glockenreinen Stimme ist als besonderer Vorzug der Sängerin ihre deutliche und klare Aussprad)e hcrvorzuheben. Fräulein v. Zmigen hat sich somit bei dieser Gelegenheit als Sopranistin mit schönem volltöuigem Stimm klang gezeigt, der zu den besten Erwartungen für die Zukunft berechtigt.
e. Ulfa, 23 .Juli. In der Generalversammlung der hiesigen Spar - und Darlehenskasse wurde der Kriecisbeschädigte Hch. Bast zum Rechner gewählt, nadfaem der bisherige Sparkassenrechner Hofmann, dec die Geschäfte mehrere Jahrzehnte mit Gewissenhaftigkeit geführt hatte, mit Rücksicht auf sein hohes Alter das Amt nie# bergelcgt hatte. Auch die bisher von dem Wtbür- germeifter Gerhardt geleitete Postageiitur wird von einem! Kriegsbeschädigten, dem Landwirt Karl Möser übernommen.
up. Ulrichstein, 23. Juli. MS kürzlich an einem Abend das Postauto an Oder-Seiberten- rod vorbeifuhr, hatten ruchlose Hände fünf große Steine querüber gelegt. Am Auto brach eine Feder - am nächsten Tage konnte es nicht fahren. Ter Besitzer des Postautos hat auf Kenntlichmachung des Täters eine Belohnung von 200 Mk. gesetzt. Amtliche Anzeige ist erhoben.
lb. Aus dem Vogelsberg, 23. Juki. Die diesjährige Heidel beer ernte gibt einen guten Ertrag. Im Kreise Liruterback; war bis zum 19. d. M. das Pftücken verboten, um ein besseres Ausreisen zu sichern. Nun ist die Ernte in vollem Gang. Von stundemvegsweit kommen die Sammler an die Stationen Alsfeld, Renzendorf, Wallenrod und fahren nach Lauterbach und Angersbach, um von dort aus in den Wäldern zwischen Lauterbach und Schlitz zu sammeln. Der Frühzug, der gegen 5 Uhr in Alsfeld abgeht, ist täglich überfüllt. In Angersbach stiegen an einem Tag aus diesem Zng über 300 Personen aus. Dazu fammen die Leiterwagen als Beförderungsmittel in den Wald ober bis zur Bahn Am Montag abend hatte der Zug, mit dem die Suckrer -urückkamen, über eine Stunde Verspätung. Da standen die Fuhrwerke in großer Zahl und warteten. Ein solcher Andrang ist noch nie hier beobachtet worden.
Kreis Friedberg.
Hessischer Bauernbund.
nt. Friedberg, 24. Juli. Vorgestern fand hier innerhalb weniger Wochen zum zweitenmal eine große Banernversammlung statt. Otto Hirsche! (Friedberg) wandte sich in scharfen Worten gegen die Zwangsn-irtsd)ast. An diese Rede schloß sich eine lebhafte Aussprache, an der sich Laub- wirt Karl Beith (Reichelsheim), Wilhelm M i ck e l (Ossenh^üm). Bürgermeister M ö r l c r (Ockstadt), Bürgermeister Diehl (Hochweiiel), Tr .v. Helmolt und Abg. Fenchel (Ober* Hörgern) beteiligten. Tas Schllifavvrt hatte Aög. Dorsch (Wölfersheim). Nachstehende Ent- s ch 1 i e v u n g fand einstimmige Annahme: „Die
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Kreis Wetzlar.
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am 22. Juli vorn Hesssschen Bauernbund riiür« nifette, von über 2000 Landwirten aus dem Kreise Friedberg und den Nachbarkreisen besuchte 93 sammlung fordert in der allerentschiedenstki Weise die endkichK Aufhebung bt:
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Leide Darteii chdsspruch soft c . A der im T Ufa (mit KalksteM p'beiOberfle.
griff in die Rechte des Erzeugers, wenn ihm mit Entziehung der Lebensmtttel, die er voch selbst erzeugt, gedroht wird. Die Versammlung erblickt allein in der Wreberaufna hme der Arbeit durch alle Berufsstände ctyne Aufnahme eine Rettung für unser schwer geprüfaz Vaterland. Die Landwirte sind dazu bereit, fu j lehnen aber alle Verantwortung für die Zukunit j ab, denn auch ihre Geduld hat ein Ende, iverm J die Regierung m parteipolitischer Verblendung 1 die Zeichen der Zett mifeadyteub die Zwangswirt- schaff auch im Frieden als banernbe Einrichtung 1 ausrechtzuerhalten bestrebt ist." — Nach der Vcv M sammlung sammelten sich die Teilnehmer yi einem Demonstrationszug durch die StM, j der sich auch in mehrere mißliebige Kricgsämt.7 V begab, um den Willen der Landwirtschaft fan> d zutun.
Starkenburg und Rheinhessen.
n. Offen back) a. M., 22. Juli. Mit Mv A Tung vom 1. August sollen die Wasser- unb■ Gaspreise wesentlich erhöht iverden. Tic« Preise steigen für Wasser bei Abgabe an Privatt fl von 30 auf 40 Pf., an städtische Anstalten unb | Aemter sowie für die Verrechnung des SelbslvwM brauchs von 18 auf 23 Pf für das Kubikmeter. V Die Gaspreise betragen künftig für EinheitsgaSI 30 Pf., Gas zur Straßenbeleuchtung 35 Ps.,V Gas für städtische Aemter 30 Pf., Gas durchD Münzmesser 33V8 Pf., für die Straßenbeleuchtung I für Bieber und Rumpenheim 35 Pf. das Kubik-1 Meter Die Erhöhung der Wasserpreise wird sichrp ; lich wieder eine Steigernng der Mieten «n Gefoiß zd
Zwangs wirtschasten, die, eingeführt cü ein Notbehelf während des Krieges, beute ihu Tasrinsbcrcchtignng verloren hat und nur geeignet ist. die Erzeugung zu hemmen und bem Verbraucher die Nahrungsmittel zu verteuern. A» Zusammenhang damit verlangt sie die fafartige Beseitigung des Kon tr o Uwe sens mit all seinen üblen Beglettersd-einungen. Die Versammlung spricht grundsätzlich dem Staate das Sedu ab. Beschlag auf die Erzeugnisse der Arbeit cx, Staatsbürgers zu legen. AnMfichts der heutigm Verhältnisse, wo die Regierung tatenlos zusichl, wie verhetzte Massen nicht nur jede Arbeit verweigern, sondern auch die Arbett der Arbeits- willigen zu verhindern bestrebt sind, kommt öu einseitige Härte gegen die Landwirtschaft entern Ausnahmegesetz gleich, das sich der Land- wirt im freien Volksstaat unter keinen Umstände gefallen läfa. Endlich fordert sie, daß reichsgesec? | licfa Milderungen der Zwantzswirtschast einheitlich aufs ganze Reich Anwendung finden und nicht Einzelstaaten Ausnahmen schaffen. Die Versamm- lung gibt zu, daß unter der heutigen, durch die Kriegswirtschaft geschaffenen Sage eine f ofot* i tige Freigabe aller landwirtfchafttick;cn Erzeugnisse zn Unguträglichfeiten führen würde, aba auch hier muß das Bestreben auf einen schien, nigften Abbau gerichtet fein. Solange diese Dc- - faitigung aber nicht erreicht ist, Verurteilt es dir \ Verzammlung, wenn einzelne Landwirte, lediglich 1 um sich zu bereichern, die gesetzlichen Bestimmungen andauernd mißadften. Die Versammlung i fordert aber die Aufhebung der Strafen, die sicb i allgemein gegen die Landwirte richten, unb Hilt es namentlich für einen geradezu unerhörten Eui«
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♦* ffrofbor f, 22. Juli. Die Hiesige B»r- schensckaft hatte die Jugend im Orte imi : Umgegend zu einem großen Gartenfeste zusammen- gerufen, selbst die beiden Turnvereime, Radfahrn ' unb Sänger trugen ihr wesentliches dazu t>d, um dem Gartenfeste das eigentliche Gepräge ;n geben. Die Festrede, worin der Vorsitzende Ml Vereins den hohen Wert und die Ziele des Strems zum Ausdruck brachte, fehlte selbstvefftünb' lich nicht. Sehen wir uns nun die Unterhaltung^ näher an, so können wir hierin nur eine „Ecli- gutmachung" erblicken, denn die Vereine farjtti für .Unterhaltung und die Bursckicnschaft ftech den Bargcwinn ein; sie konnte am Abend llw Mark als Reingewinn buchen.
wa. W e tz k a r, 24. Juli. Der im 27. Lebensjahre stehende Kaufmann Karl Jmgardt M hier stürzte an der bei der Braunfelser Dbermübt befindlichen Kurve von seinem Motorrad ab iti erlitt hierbei so schwere Verletzungen, daß er aa folgenden Tage ihren Folgen erlag.
Hessen-Nassau.
Grohe Goldschiebungen in Frankfutt.
o. Fran kfur t, 25. Juli. Der Kriminal« hvlizei Frankfurt gelang es, erhebliche @oI8‘ mengen zu beschlagnahmen. Ain 19. Juli e» Mienen zwei Kaufleute beim, Kriminalkommtta Römer und teilten ihm mit, daß ihnen von einet» deutschen Direktor aus Holland tausendZwN'' zigmarkstücke zum Preise von je 135 Mk. m* geboten worden waren. Der Kriminalkommissar «l sid) nun seinerseits selbst zum Ankauf der stücke bei deml An einem ersten Frankfurter v>« wohnenden Direktor an und erhielt am Somit»! die Nachricht, daß bei einem Zahntechniker in dcr Allerheiligenstraße 500 Goldstücke ymt Wholen d' reit lägen. Er ging hin, nahm den Zadntechmka, def sen Vater, die Frau des Direktors und einen geblichen Baron fest. Bei einem tthrenbändler ii demselben Hause konnten mehrere tausend Man Silberstücken gefunden werden unb bei dem 23ia»w gen Moritz Malimiak ein Barren reines wi» tm Gewichte von 6,2 Kilogramm, dessen Wert an» nähernb 90 U00 Mk. beträgt. Auch bei dem % bet Hermann Weichselbaum wurden osÄ österreichische Kronen, außerdem große Gcldsumna in guten bcutfrfjen Banknoten zutage gefördert. L« Gold und die Noten sind der Reichsbank Übergrpa worden. Bis jetzt wurden 10 Personen verfm'm, weitere Verhaftungen stehen bevor. Die Sapw« ibtbicntai sich eines ganzen Stabes von trägem. Der Dttektvr gab zu, daß er scmm raj ganze Anzahl derartiger Goldschiebungm durE führt habe, darunter solche brs zu 2 Mckl. Ml
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0 Marburg, 24.-Juli. In einer heute,'« Gasthaus Seebode abgehaltenen Vertmuensnarn , ner-Versammlung des Hessischen ^aue^ Vereins wurde dem in Gießen gefaßten <-'• schlussc, einen Provinzialverband unter der L zeickMlng „Provinzialbauemsdraft ^Heheir-Ncigui mit Einschluß von Waldeck und Wetzlar" ms vb zu rufen, zügestimmt Im Verl<mf der^ - u, spräche wurde" die Abschaffung der 3ivang?Dciwi‘ sd>aftung und die -VemrögmsberedMMg nach Ertragswert und nicht nach dem gemeruen der Grundstücke gefordert. Ter Dorsitzende .< eine diesbezügliche Eingabe an die statwiuu . sammlung richten.


