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Mittwoch, 2^. Dezember WO

169. Jahrgang

Erster Blatt

Setty

6 angenommen

Bericht-

80 Pf. für

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Wien, 1.

Aus dem Uelche

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Neue Milch- und vutlerprelse.

Von der Landes-Milchs und FettstettL Darmstadt wird angeordnet:

MUchpreise.

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gehalt von __________ . , . . _

die Vollmilch nach Dem Fettgehalt bezahlt.

das preußische Staatsministerium in ferner Sitzunx vom 23. Dezember beschlossen, fcorbebatt ich der später einzuholenden Zustimmung der Landesvcr- «ammlung, den preußischen Beamten die gleiche Zlttage zutommen zu lassen.

Cr. 301

Ter «ietzener Nnzel-« erscheint täglich, anber Sonn- und Feiertags.

Vezagrpreir:

Monatlich 2 Mark, vierteljährlich 6 Mark einschließlich de-Besttlh aeld-, oinct) die Bost viett.ljülirlich 6 Dtark ausschließlich Bestellgeld. Fernivrech - Anschlüsse: für die LchrNtle,tung>I2 L'erlaa.Deschäussteliebl AnschrsttfüqDradtnach» rtchlem Anzeiger Siehe«.

Postschecklonko:

Zravsturl a. M. U686

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1919

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Neickssinanzverwalrung mit Zustimmung Lmuslalttmqsausschus.es der Na ionalver ammlung besch-los'en hat, daß den Rcichsbeamten für bte Zeit üb 1. Januar 1920 bis zum Inkrafttreten der bereits öl Arbeit befördlichen Besoldungsresvrm

Rinhel bte m 1919

Annahme von Anzeige» f. die Lage»nuin>ner vl< Jum Nachmillag vorher.

Ireir fflr 1 mm höhe für Anieiaen D.34mm Breite örltl N 15 Bf, ausivärtS 18 Bst, für Reklamen von 70 mm Breite 48Pf. nebst 20/, Teuerm'gr- zuichlag. Bei Platz- vor<chrii!20*/.A"ischlag. pauvtschri'tieiter: Aug. Loeq. Berantivortlich für Politik: Aug. woetz; für den übrigen Teil: Dt. Reinhold Zenz, sur den Äiizeigenteck: H. Beck; säinltlch tn Gießen.

Ser (in, 23. Dez. (WTB.) DerReichsanz.^ veröffentlicht Gesetze über Teuerungszuschiäge zu den Gebühren der Rechtsanwälte und Gerichtsvollzieher und betreffend die Aen» derung des Bankgesetzes vom^ 14. März 1875, ferner eine Verordnung über Kleie aus Getreide und eine Bekanntmachung über Höchstpreise für Zement.

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Besoldung Der Neü^beamten.

Berlin, 23. Dez. (WB.). Nachdem

Die Zurückhaltung der dcntscheu Kriegsgefangenen.

Mailand, 23. Dez. (Wolff.)Popolo d'Jtalia" meldet: Der sozialistische Kammerabge- ordnete Treves stellte an den Mmister des Aeußern die Frage, ob Italien der Zurück­haltung der deutschen Kriegsgefan­genen durch Frankreich und der Ausliefe­rung von deutschen Offizieren, dir wegen Kriegsvergehen abgeurteilt werden sollen, zugeftimmt habe. e

Eine Entschließung des BollzugSrat» der Internationale.

Rotterdam, 23. Dez. (WTB.) Der Nini've Rol-tertamsche Courant" meldet, daß der Dollzogsrat der Internationale am der unter dem Vorsitz von Henderson in London abgelwltenen Versammlung eine Ent­schließung annahm, in der gefordert wird, daß an­stelle der Politik der Bündnisse des europäischen Mächtegleichgewichts ein: interna ionale Politik dcs Völkerbundes, die allein zur Abrüstung führe, zu setzen sei und daß nur durch eine gemeinsame inter­nationale Krafianspannung Europa wieder berge-

twffniing!

iwohnnschast von Sietz-n ä Kenntnisnahme, day ch iMenwalltM.^e^ MM tffltöl tn, 6rantntopl|0«e. it an» MM M gM«"

ZIL geneigten rch,MM IpnW»

18rre:

internationalen Anleiheausschuß.

Wilson und der Senat.

Paris, 22. Dez. (Wolff.) Der

leutnrmt Thumann von Ludwigshafen wurde von der französischen Militärbehötd^. mrgeblich wegenpassiven Widerstands" ausgewiesen.

sbeschemng :-Bettahrauftl>Ii :e haben mir nicht veraeb 're Sinder gebeten, «fl« ithen tant besonder? der ne sowie den Leörmntiw Höheren und ^rmeltm«

mbtt M Vorstand.' tntt, Mnn.

Die Kot der reichsdentjchen Kinder in Oesterreich.

Wien, 24. Dez (WTB.) Der Ausschuß für reichsdeutsche Jugendfürsorge in Oester­reich veröffentlicht folgeitden Notschrei für die rcichsdeutschen Kinder in Oesterreich:

Lange Jahre furchtbaren Gcsck>ehens ha­ben der ganzen Welt unerhörte Qualen be­reitet. Aus zahllosen Wunden blutet alles Volk. Niedergebrochen von der Wucht der Er­eignisse liegen die Mittelmächte. Schwer lastet der Fuß der Sieger auf ihnen. Männer und Frauen sind daran gewohnt worden, grauen­haften Ereignissen in die unerbittlick)en Au­gen zu sehen. Sie sind lange gewöhnt, schreck­liches zu ertragen. Nur eines können sie nicht, nur eines zerreißt sie in ihrem Willen: der Anblick des Elends ihrer Kinder, der Kinder, die mit unschuldsvollen Augen ver­ständnislos in ihr juirges Leben schauen. Wenn Ihr, die Ihr diese Worte lest, in un­seren Straßen diese armen, vor Kälte beben­den, nur halb bekleideten, hrurgrigenGeschöpse sehen würdet, wenn Ihr das klägliche Jam­mern dieser Kinder um ein Stückchen Brot hören würdet, wenn Ihr die angstvoll aus­gerissenen Augen bei Tag und Nacht und zu jeder Stunde aus Euch gerichtet erblicktet, würdet Ihr aus tiefstem Herzen erschrecken, würde Euch starr machen. Alles, was ge­schehen kann, die unglückliche Not dieser Kin­der zu littdern, muß geschehen. Zahlreiche Or- aamsationen kämpfen gegen die Not der Kin­der. Alle diese Fäden laufen in der Hand des

Die Note der (Entente überreicht.

Paris, 23. Dez. (WTB.) Havas. Der Ge- nevalsekretär der Friedenskonferenz D u t a st a überreichte am Dienstag vormittag 10,15 Uhr in seinem Kabinett im Ministerium des Aeußern bem Ehes der deutschen Delegation Freiherrn von Lersner die Antwort der Mliierten auf die deutsche 9Lote vom 15. Dezember, deren Text am Montag von den Chefs der alliierten Delegationen festgesetzt worden war. Er begleitete die Uebergabe entsprechend den Jnstruktioneii des Obersten Rates mit einem mündlichen Kommentar. Fveil)err von Lersner erklärte Tutasta, daß er wegen der Ver- kelnsschwierigkciten dafür halte, seine Regierung persönlich befragen zu mühen. Jnfolgede,scn teilte Herr von Lersner nvit, daß er am Dienstag abend mit allen Sachverständigen abreise und in Paris einen Vertreter der deutschen Delegation zurück- lasse. Er betonte, daß feine Abreise ganz und gar nicht als Abbruch der Verhandlungen aufzufas­sen sei. .

Tie Agentur Havas glaubt zu rorjen, daß Tutasta bei seinen Mitteilungen an Herrn von Lerstrer fcrDorgelpben hat, daß die Alliierten Ver­ständnis für die wirtschafllick)en Schwierigkeiten Deutschlands zeigten und auch den Wunsch legen, ihnen Rechnung zu tragen. Ter Generalsekretär der Konferenz machte ferner den Eh f der deutschen Delegation daraus aufmerksam, daß im Falle des drachwei'es einer Ueberschätzung des gegenwärtig im Besitze Deutschlands befindlichen Materials, auf welcher die Forderungen der Alliierte^ grün­deten, diese entsprechend ermäßigt würden.

Paris, 24. Dez. (WB.) Havas. Freiherr v. Lersner stattete gestern nachmittag Herrn Dutasta einen Besuch ab und teilte mit, daß er seine Absicht, am Abend nach Berlin ab» zureisen, aufgegeben habe, ebenso auch Herr v. Simson. Lersner und Simson werden die Weisungen ihrer Regierung in Paris abwarten.

steigen. . r

Für pasteurisierte ttef gell Magermilch wird ab Bahnrampe der kerei ein Großhandelspreis von 44 Pf. für das Liter festgesetzt: bei diesem Höchstpreis ist bte Kannengestellung nicht einbegrijen.

Für Ziegenmilch wird für das Liter festgesetzt: Preis ab Stall 80 Pf., Verkaufspreis für Wiederverkäufer 90 Pf. *.

Wird bei Lieferung von Vollmilch Milch eine Erhöhung der lausenden Teuerungszu-Imit einem geringeren Fettgehalt äls lagen um 50 Proz. gewährt werden soll, hat>3Proz. angeliesert, so ist der Empfänger bered»'

ideColog«

j.Drogen6 ,

stellt und die in Mitteleuropa herrschende Hun- gersnot beendet werden kann. Der Ausschuß for­dert außer der baldigen Ratifikation des Friedens­vertrages die endgültige Festsetzung der Entschädi­gungssumme, den baldigen Zusammentritt des Völ­ker b.otzdes, um die Versuch.' der Geheimdiplomatie, wieder zur Politik d r Bündnisse zurückzuk.hten, zu vereiteln, Friedensschluß mit Rußland, die Auf­hebung der Blockade und der anderen Handel und Industrie beschränkenden Maßna'Mn, die Errich­tung eines internationalen Wirtschaftsrates, in der die Arbeiterorganisationen vertreten sind, und einen

Die Bezahlung der Vollmilch erfolgt ein­heitlich für den einzelnen Milchbezirk entweder nach der Menge oder nach dem Fettgehalt der angelieferten Mllch: nach welck-em Verfahren die Milch zu bezahlen ist, bestimmt die Landes-Milch- und J^ttstelle. Bei Bezahlung nachderMenge wird für Hessen ein einheitlicher Stallpreis von das Liter Vollmilch mit einem Fett- wenig stens 3 Prozent festgesetzt. Wird

aus 6em besetzten Gebier.

Ein Brstechungsprozeh gegen französische Offiziere.

Mainz, 24. Dez. (WV) Die hiesige fron* zösisck>e ZeitungL'Eckw du Rhin" berichtet aus­führlich über einen Prozeß, der gestern vor dem .^Kriegsgericht in Mainz begann und sich gegen 17 an geklagte französische Offi­ziere und sranzösisd^e und deutsche Zivilisten ridjtet, denen Bestechlichkeit und Bestechung vor- geworfen wird, teils bei Beschaffung von Sauf» Eonduits, teils für Aushebung von Beschlag» uahmungen und Einfuhrverboten auf Handels- artiM. Dabei sollen zum Teil ganz crlxbliche Summen als Bestechungsgelder gebient haben. Bei den angellagten Ofiiiieren handelt es sich um Offiziere der wirtsckpftlichen Abteilung in Lud- wigsl>afen und Saarbrücken, nämlich um den Ober­leutnant Corbin, der bei dieser Bestechung auf frifdjer Tat ertappt wurde, und dessen Angaben dann zur Aufdeckung der ganzen Aiigelegenheit führten, ben Hauptmann Cofsre, die Leutnmtts Goy, Deguesne und Vebrignans, den Aspiranten Rousseau und den Soldaten zweiter Klasse Firmin, der als Offizier in ßanbau bereits vor einem halben J<chre wegen ähnlicher Vergehen degradiert und zu einem Jahre Gefängnis verurteilt wor­den war. Wegen Bearnteirbestechung und Ver­leitung zur Untreue sind zwölf Zivilisten an» geklagt. Die Angellagten sind zum Teil geständig.

Aus-ewiesen

den Kreis unserer Zuständigkeit nicht über­schreiten, angewiesen und ferner, vielfach ebenso wie in den vom Dunkel verhängten Kriegszeiten, auf Hoffnung und Vertrauen. Hochwichtige Pläne zu entwerfen, ist heute nicht unsere Sache. Selbstbesinnung, natio­nale Wappnuna im Sinne Fichtes, der ja keineswegs zu den Waffen aufrief, tun uns not. Don einem anderen Arndt dürfen wir uns eine Kritik der politischen Urtellskrast erwünschen, denn schon im Kriege waren die Grenzen der Verantwortung von den aus- einairderslrebenden Parteien heillos verscho- ben worden. Zu einer pvlitisck>en Disziplin, die, wohlbemcsien in der Erwägung des Nö­tigen und dttitzlickzen, allen geistreichen oder wohlgemeinten Uebereifer sich unterordnet, müßte man sich entschließen. Die Leh­ren des jetzigen Jahres inögen vielen die Augen geöffnet haben, den vielen Heimkeh­rern an diesem Weihnack>tsseste, Heimkel-rern auch aus geistiger uird politischer Verirrung.

Am Feuerzunder politischer Leidenschalt krankt zweifellos das deutsche Volk noch wer­ter, da kann diesmalFriede auf Erden" in keinen Zustand der Vollendung oder auch nur der Gefahrlosigkeit hineinleuchten. Aber es ist schon ein Trost, daß Glauben und Ver­trauen langsam wieder Wurzel schllrgen. Zur Heimkehr sind überall nocki die Pforten be­reit. Wir dürfen erwarten, daß auch die fran­zösischen Gesongenenlager in den nächsten Tagen sich für ein großes Heer gefangener Deutscher öffnen werden. Das gibt unserem Feste oeit (Hjaratter einer wehmutsvollen Wiederbegrüßung. Wie so manchem aus der Ferne wieder Nahertden wird das schöne Lied Hölderlins von der Heimkehr bestirnmt sein:

Des Kindes Ruh' ist hm,

und hin ist Jugend und Lieb' und Glück, doch du, mein Vaterland, du heilig duldendes, du bist geblieben!"

Dann mag eine neue Arbeit beginnen, die Arbeit' für den Frieden m der Heimat, für einen wahren, starken Frieden, der die Wider­stände der Welt behebt unb die Dahn frei­macht für des deutschen Volkes Aufstieg!

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

SwkMngrrunddnlck ».Verlag: Vrühl'fche Univ.-Such- n.Steinbruderei LLange. Schristleltnng, Geschäftrstelle u.Druckerei: Schnlstr.7.

so ist von der Molkerei ein Bezahlungsversahren in Anwendung zu bringen, bei dem bei einem Fettgehalt vvn:

3,0 Prozent ein Stallpreis von 78 Pf.

3,5 83

4,0 ,, , 88

zu bezahlen ist. Das Bezckhlungsverfahren unter­liegt der Genehmigung der Landes-Mllch» und Fettstelle.

Liefert ein Kuhhalter auf Anordnung der Landes-Milch'.^ und Fettstelle Frischmilch m eigenen Kannen unmittelbar m eine Be­da rssgemeinde an die bestimmte Verwendungsstelle, so kann die Zahlung eines Rampenpreises ge­nehmigt werden, der unter Einbeziehung der Leih­gebühr für die Kannen einen Preis von 94 Pf. für das Liter nicht übersteigen darf.

Städten und Gemeinden, die mit Vollmilch beliefert werden, wird gestattet, solchen Kuhhal- tern, die sich durch besondere Milchtieferungen Lieferungsprämien zu bezahlen; diese Zahlungen dürfen jedock nur an solche Kuh- batter bewilligt werden die wenigstens eine durch schnittliche Monatsablieserung von 120 Litern Vollmilch für die Kuh nachweisen können. Die An­ordnung über die Prämienzahlung oder die ein­zelne Vereinbarung mit dem Landwirt bedarf der Genehmigung des Landesernährungsamts.

Kuhhalter, die zur Herstellung von Kind er- milch für die Fütterung und Pflege, der Kühe sowie zur Aufrechterhaltung ihres Kuhstandes be­sondere Aufwendungen machen, können bei vor­handenem Bedarf mit ausdrücklicher Genehmigung der Landes-Milch- und Fettstelle höhere Preise für die Kindermilck erhalten

Wird auf Anordnung der Landes-Milch- und Fettstelle durch eine Molkerei pasteurisierte und tiefgekühlte Vollmilch geliefert, so» darf der Preis bei Bezahlung nach Menge unb einem Mindestfettgehalt von 3 Proz. 97 Pf. für das Liter ab Bahnrampe Mölleret nicht über-

Weihnachten

in Krieg und Frieden!

Noch ist nur Waffenstillstand, nicht Friede, wenn auch die Feuer des Krieges langsam verglühen und verschwelen, der von Engeln besungene Lichtstrahl aus himm­lischer Höhe erreicht uns auch an diesem Weih- nachtssest, dem sechsten der seit Kriegsaus­bruch traurig an uns vorübergez-ogenen, noch nicht. Wenigstens int Bereiche der großen Völkersorgen noch nicht. Das Nagende und fragende Herz des Einzelnen will aber bei den Trümmern nicht venveilen und findet für bescheidenen Kerzenschimmer Raum in rleinster Hütte. Viele begrüßen, heimgekehrt von leidensvollen Kriegsfahrten oder aus den Kerkern unserer rachsüchtigen Feinde, auch den dürfligsten Winkel der Heimat wie ein wiedergewonnenes Paradies.

Die Führer unserer größten Regierungs­partei, der Sozialdemokratie, die früher auf oer Schwelle des Weihnachtsfestes beim Marsche in den Zukunftsstaat nicht rasten mochten und ihre Kampsbotschast ins Volk flammen ließen, haben diesmal die Bedeu­tung dieses friedlichen Festes etwas höher eirweschätzt. In den Verhandlungen mit den äußeren Gegnern über die Auslieferung der Gefangenen haben sie weit schärfer auf die Forderungen der Weihnachtszeit hingcwicsen weil sie es wissen, wie müde die Deutschen aller ihrer politischen Prophezeiungen ge­worden sind, und ivie trotz des Revolutioits- .sturntes die Welt noch in alter Weise scheint und sich zu erneuern sucht. Die mit der christlrchen Zentrumspartei verbündeten Ebert, Mütter und Scheid em amt haben es erkannt, daß der Wiederaufbau mit aus­schließlich soLialdemokratifchen Mitteln nicht möglich ist, daß sie nicht nur der Mitarbeit Andersgläubiger und Andersgesinnter bedür­fen. sondern auch der Beibehaltung gewisser unerschütterlicher Grundsteine unseres Volks­lebens. Die Kompvomißpolitik in Dingen der Religion und Kirche sott sich nicht im Eil­tempo radikaler Stürmer und Dränger voll­ziehen.

Wenn nur aus dem christlichen Fest ein starker Strom des Segens auch sonstige poli- tifdye Gebiete befruchten wurde! Wir sehen die parteipolitischen Steinmetzen die alten künstlerischen Wappen und Hoheitszeichen ver­schandeln, neue Bilderstürmer in Schulen und öffentlichen Bauten ihr Banausentum ent- falten, Pädagogen des ewigen Friedens gegen die Krieassptele unserer Jugend sich ereifern wöbet sie folgerichtig auch in Sage und Dichtung eineReinigung" vollziehen, etwa die homerischen Gesänge und das Nibelungen­lied, ja vielleicht auch das Märchen vom standhaften Zinnsoldaten verbannen müßten aber im Lichtbereich der heiligen Nacht ist nun die gewohnte Ferienruhe eingetreten. Die Weihuachtsgaben des neuen Parlaments, worunter auch die unvermeidlichen Steuer­gesetze zu zählen sind, sind in den Parla­menten rechtzeitig fertiggeftettt worden; den unzufriedenen Weltverbesserern verkünden dre Regierungsblätter diefrohe Mär", daß das Getriebsrätegesetz gleich hiitter dem Feste noch «achgeliefert toerben, soll. Vieles an den an­gedeuteten Neuerungen ist in der Tat unver­meidlich und unumgänglich, jedoch der Gei st, der sich so wunderlich mit dem Sinn des schönsten unserer Feste vermählt, hat keines­wegs das Gepräge von ewiger Dauer und Dedeutungskrast. Wir wotten ein natürliches Wachsen und Werden, aber keine parteipoli­tische Treibhauskultur! Freilich, ein gut Tei^ des alten Kulturlebens muß unter dem Kriege und dem Zusammenbruch begraben werden, kann nicht wieder zum Leben erweckt werden. Die Gesetze der Geschichte sprechen da so laut, daß sie nicht überhört werden können; die Ehrsurcht vor großem Geschehen verbietet uns, den Fuß dahin zu setzen, wo von höherer Hand Stecken und Äab zum Weitertvandern uns geboten werden. . .

Sehr weit können wir nicht in die Zu­kunft blicken, weder in der inneren noch in der auswärtigen Politik. Nur soviel ist sicher, daß der Austausch der Ratifikationsurkunven in naher Aussicht steht. Wer was dann wer- ben soll, ob der Friede vom Zeichen der christ­lichen Botschaft durchwärmt, ober ob er noch immer als ein kalter, starrer Kerl vor uns stehen wird, der uns die Entfaltung oer schaffenden, an der Förderung der Menschheit ^arbeitenden Kräfte versagt, das entzieht sich dem Blick. Auch können wir nicht beurteilen, welche Möglichkeit der Lösung unserer Schick- salssragen sich nähern mag. Wenn wir das Glück hätten, eilten leitenden Staatsmann von der Größe eines Bismarck zu besitzen, so könnte ein solcher am frühesten das ret­tende Eiland erschauen und den Kurs unseres Staatsschiffes demach einrichten. Wir anderen ober find auf unsere besonderen Pflichten, die

Dezember 1919.

«041

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unterzeichneten Verbandes zusammen. Diese Hand streckt sich bittend nach Euch, Ihr Brü­der und Schwestern im Deutschen Reiche. Spendet, spendet, spendet! Spenden aller Art sind zu richten an das deutsche Konsulat in Bezirk, Graben 12.

erstattet desPetit Parisien" in Wafhing- t o n hatte eine Unterredung mit Senator Lodge , der ihm erllärte, er sei erstaunt, daß d« Völkcr der Entente, vor allem aber ihre auiorifterton Vertretier nicht beachtet hätten, daß die.Wahlen tm Jahre 1916 eine republikanische Mehrheit ergeben hätten, daß also Präsident Wilson aufgdyört ljabe, das amerikanische Volk zu vertreten. Die­selben Vertteter hätten auch die amerifaniid)e Ver­fassung und das Recht des Senats, sich der Ratifizierung des F.iedenÄett.aLes zu nidetsetzen, kennen müssen, detut entgegen allen ameritanneben Gepflogenheiten habe der Präsident ben Friedensvertrag vorbereitet, ohne den Rat des Settats eingcholt zu ijaben. Senator Lodge erllärte auch, er wolle sich jetzt noch nicht zu dem amerikanisch-englisch-sratztzötsis chen Schutzvertrag äufcm, trofcbem seine Gefühle, die er 1917 ausgesprocl-en habe, sich nickst geor­dert hätten. Diese Diskussion heute anzuschnciden, sei verfrüht.

Euglischc HandclSpropaganda.

A m ft e r ba m. 23. Dez. (WTB.) DerTele- graaf" meldet aus Loiüvn: Tas englische Hebet» see handel samt plant, in der ganzen Welt sahoende Ausstellungen zu veranstalten unb in Großstädten bes Kontinents Musterränme zu errwen.

Die Stcuerschranbe in Frankreich.

Bern, 23. Dez. (Wolff.) Wie der Pariser Korrespondent derNationalzeitung" meldet, wird ffch der französische Mi nist er rat am Samstag >md Sonntag mit dem neuen Entwürfe der Ver­doppelung und Verdveifachung ber Ver­brauchssteuern befassen. Mau weiß schon jetzt, so bemerkt ber Korrespvnbent, baß ber Traum von ber beutschen Kriegsentschäbigung vorbei ist unb baß man sich seit bem Wassenstillstmrb in gefähr­lichen Illusionen gewiegt hat.

Paris, 23. Dez. (Wolss.) Havas.Sircelfbr" glaubt zu wissen, daß die Regierung demnächst er Kammer "einen Gesetzentwurf unter­breiten werbe, ber für bie Eisen da hntaxent Erhöhungen vorsieht, unb zwar für die Per­sonenbeförderung um 60 Prozent und für die Güterbeförderung um 140 Prozent.

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