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Erstes Blatt

169. Jahrgang

Mittwoch, 24. September VH9

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Oldenburg, 23. Sept. (WTB.) Wie das '

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Rnnahnre von cknzngra f. die 4.ae,eonllmmer bid zum Nachmittag vorher ohne jedeVerbindlichken Vret; für | mm höhe für Anzeigen v.34 mm rircit« örtlich 15 Üf., auSwärtS 18 für Reklame- nngeigen von 70 mmi Breite 48 Pf. -tei Platz- Dovichriii20°/nyutfd)(ag1 Hauptfchriitteiler: Ang. Goeg. Verantfvortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Neinhold Zenz; für den Anzergenieil: H. Beck; fämlltch in Gieße«,

Deutsche und Tschechen.

P r a g, 24. Sept. (WTB.) Wie dieSBobc* nria" meldet, besteht der Plan, beim tschechi^ scheu Landcsverteidi gungsmi n i stc^ rium eine deutsche Sektion einzurichten. Gleichzeitig wirb verordnet werden, das; die Dienst-, spräche für die in Deutsch-Böhmen, Teufich-Mäh" ren und # Deutsch-Schlesien zu errichtenden Truppenabteilungen bis zum Bataillonskommaudp aufwärts deutsch sein wird.

der Landtzi.- n MMn zu Lifte find alle ei ron Kar­at kenntlich zu ach ordnungs- mengen versor- dis zu 200 qm Ter Beginn in t der Liste an- iwblt Anlage- er Auistellms aus der Ver- ter Gemeinde m jUmmunil'' ne Mommiiiti)'

Bei der Zu- becücki'iHigen, den gekommen uitg ihrer Be­er iüi größere Sine dauernde ür die städtische Der (Srunbiä^1 »erbmgermisler

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Die Beratung Se§ BetriebLra-egesetzer.

Berlin, 23. Sept. (WTB.) In der Nach^^ miftagssitzuns des Ausschusses der Nativ-, nal Versammlung für das Betriebst rätegesetz führt Reuk,6arluntsmmister Schlicke aus, das; der Gegensatz Mischen d-en Arbeitgeberni und Arbeitern, den man aus dem Gesetz befürchte-, schon vor dem Gesetz bestand, dessen Bestimmungen zumeist nicht neu, sonhenr schon in den Gesetzen! über die Arbeitsausschüsse, über das Koalition-^« geseU usw. enthalten sind. Es wäre ja besser gc^ liefen, das ganze zu erwartende sozialistisch^ Pro^ gramm vorzulegen, aber über sein ftörtnen müsse1 niemand. Tas vorliegende Gesetz sei eigenttichj nur ein Rahmengesetz. Sollten den Betrielisrätenz durch die Tarifverträge erweiterte Befugnisse zui gewiesen werden, so habe die Regierung nichts da^ gegen einzuwenden. Mit dem von den Temokraten vorgelegten Entwurf könne sich der Minister nicht einverstanden erklären.

.Jf .Linien Reutet.

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"gen, sowie "".nach §5 9 eme Geld- At werden. Hundesrais-

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Ie i>es Hom« e und Auj- ^dnahmk dn

9er wird aus 9 genommen. Beousüagten ussionare des Marte. Äar- anschließlich.

versorgungs- neu der dem engen erfolgt m Bezirk den 'n- Xie Zu- l bestehenden en An,lullen lang an die LdeMger- eise übet den 20.

nd aus Liese- zu.

oersorgungs-. f öüOmmge

L Bern, 24, Septz (WTB.) Zu dem Wider­stand des italienischen O ff i z i e r k 0 r ps

I gegen die .Demobilisation schreibt die Stampa", daß dieser seinen Grund darin habe, das; ute noch in Dienst befindlichen Offiziere ihren Trenst nicht quittieren ivvllen und dal-er jede inter­nationale Verwicklung, auch d'Annunzivs und jede andere Unternehmung unterstützen, um den Kriegs- zuitand zu verlängern. Tie italienischen Offiziere wurden durch d-ie italienisch^ Kriegsindustrie in ihrem Borgelien unterstützt.

Bern, 23. Sept. (WTB.) In einer Rede verlangt d ' Annunzi 0 außer der Stadt Fiume und deren .Hinterland auch den Hafen und die Etienbahnen für Italien, da jede midere Lösung unannehmbar sei.

fassung der rumänischen Regierung bereits

eingetreten, obwohl j^^nten ^cn-Blätter Meldungen über Lebensmittelunruhen uu von St. Germam noch nickt unterzeichnet hat. 1 Frefftaate Oldenburg frei erfimden..

Amerika und der FriedenSverLrag.

Versailles, 24. Sept. (WTB.) In kommender Woche wird nach einer Meldung desEcho de Paris" im amerikanischen Senat die erste Abstimmung über den Friedensvertrag erfolgen und zwir über den Zusatzantrag, der verlangt, daß die Vereinigten Staaten im Völkerbund genauso viel Stimmen erhalten wie England. Da im amerikanischen Volke dieser Zusatzantrag große Sympathie hat, hofft die Opposition, daß ein Weg für weitere Abänderungen gege­ben sei, so daß Wilson den Friedensvertrag zurückziehen müsse. General Pershing soll beabsichtigen, zu erklären, daß er gegen den Friedensvertrag sei. Dadurch würde er als erster Kandidat für die Präsidentschaft auf­treten. Auch Petitionen der aus Frankreich zurückgekehrten Soldaten sprechen sich gegen den Friedensvertrag aus.

Ein Besuch Clemeuceau» und Kochs in Amerika.

Versailles, 23. Sept. (WTB.) Nach einer Meldung derNew Dort World" sollen Cle­rnen cteau und Foch beabsichtigen, im Dezember .Amerika zu besuchen.

* Der Friede mit China.

Berlin, 23. Sept. (WTB.) Ein Erlaß des Präsidenten von China vom 16. September kündigt die Erklärung des Friedenszustandes mit Deutschland an.

Line weitere deutsche Note an Liemenceau.

Köln, 24. Sept. Wie dieKöln. Ztg." dem ^,Temps" entnimmt, hat Freiherr v. Lersner in Versailles eine neue Note überreicht. Sie befaßt sich mit d-er Unterbringung der deutschen Vertreter in Paris nach der Ratifizierung des 2'rledensvertrages durch die französische Kammer. DaS Botschaftsgebäude in der Liller Straße sei nach der Note nicht geräumig genug, um alle Mitglieder der verschiedener notwendigen Kommissionen, abgesehen von den Sekretären und Schreibmaschinenkräften, unterzubringen. Freilstrr i>. Lersner hat deshalb im Marsfelder Stadtteil dver Häuser gemietet, berat Einrichtung jetzt in Angriff genommen wird. i

Beuthen, 24. Sept. (WTB.) Wie derKw. tholik" aus Warschau berichtet, erklärte in der letzten Sitzung des Ausschusses für auswärtig« Angelegenheiten des polnischen Landtages der stell-, vertretende Minister des Aeußern, Skrzynski, daß nach einer vorliegenden zuverlässigen Meldung die Besetzung - - -___,

Ententetruppen noch vor der Ratifizierung des Friedensvertrages durch Frankreich nndJta, lien erfolge, und zwar Anfang Oktober.

Lin dentsch-iapanischer Ssheimvettrag.

Paris, 19. Sept. DieStampa" veröffent­licht den Tert eines am 2. Oktober 1918 im Haag abgeschlossenen japanisch-deutschen Abllommens. Es trägt die Unterschrift der deutschen Tetegtertenj b® n Rose und Renner und der japanischen Delegierten Otchcanin und Kato. Dem M-- kornmen gingen Verhandlungen voraus, die im ,)echre 1918 in Stockholm begonnen wurden. Das

Blatt bezeicklnet den n-cvchsstehenLen Text als genau und vollständig:

Artikel 1. Tie zwei vertragschließenden Teile verpflichten sich, soweit es die .politische Lage ge­stattet, R u ßland zu unterstützen, damit cs unter ihrer Führung die untere Crbnung wieder HM tollen und die Position als Großmacht wieder erringen kamt.

Artikel 2. Japan verpflichtet sich, Deutsch­land zu 6cgüit ftt gen, damit es mit Rußland freien Weg bezüglich Zentralasien und Per­sien erzielt^ um den Abschluß eines Begünsti- gungs- und Schattzvertrags zwischen diesen Machten und den anirren Vertrags chLießenden Teilen zu fördern.

Artikel 3. Japan verpflichtet sich, Deutschland die ihm vertraglich gesicherte Behandlung einer meistbegünstigten Nation zu gewähren, stevie auch andere Privilegien, die sich aus diesem Heber ein» kommen ergeben, in einer Form, die durch ein besonderes Abkommen tefi gelegt roerben soll. Gleichzeitig verpflichten sich die beiden Kontra- fcvnten, jede Abtretung angrenzender Gebiete an frembe Mächte, wie Amerika und England, zu verhindern.

Artikel s. Japan verpflichtet sich, bei der kom­menden Friedensivnsevcnz die Interessen des an­deren Kontrahenten ütinreet derart wahrzuneh­men, daß ihm aus den härtesten Bedingungen der gering möglichste Nachteil an Gc- bietsverluften ertoächst.

Artikel 5. Japan verpflichtet sich, für Teutsch- tlcmd auf Grund des mit dem brüten .Teil zu schließenden Abkommens einen milittirischcät, poli­tischen und wirtschaftlichen Sichwheits vertrag zu erlangen, und hat Deutschland zu dicstm Zwecke seine Dienste zur Verfügung $u stellen.

Artikel 6. Anderseits verpflichtet sich Deutsch­land, einen für Land und Wasser gelten­den Geheim vertrag abzuschließen zum Zweck der Sicherheit und Berteidiaimg gegen die Angrisfsabsichten Amerikas und Englands. Die Bestimm ungen des Vertrags werden sofort nach Friedensschluß durch besondere Bevollmächttgto der beiden Mächte vereftibart.

Artikel 7. Der Gehermvertrag nnrb die Grund­lage der äußeren Politik der btüden vertragschlie­ßenden Teile bestimmen und ist in seinen Einzel­heiten erst nach der vollständigen Wiederherstel­lung das drittelt Kontrahenten zu formulieren.

Artikel 8. Der gegeuwarttge . Vertrag besitzt une c.D 0 11 f üuf Ä<rhren, vom Tage der Rekonstntktion der dritten Macht an gerechn-ft ausgenommen Artikel 4, der mit dem Austausch der Ratisizierung in Kraft tritt. Sofern weder der eine noch der andere der Kontrahenten sechs Mo­nate vor Ablauf der fünf Jalwe die Absicht, zu kündigen, befanntgibt, wird der Vertrag für weitere fünf Jahre gelten, bis einer der Kontrahenten kündigt.

Artikel 9. Ter gegenwärtige Vertrag muß fo rasch als möglich ratifiziert iverden, itnb die Toku mente müssen in Sttukl.iolm ausg^dauscht wer­den. Sie finb in ftanhöfischer Sprache abzusassen. Ter, französische Text ist für die Japaner und der deutsckie Text für die Deutschen bestimmt.

Diesem Vertrag folgen die Unterschriften. Bei­gefügt ist ent Memorandum, das wchrrscheinlich als .Kommentar und Firhrer für jene gedacht wir, die von dein Vertrag Einsicht zu nehrgen hatten.

Vor kurzem war bereits in beit Blättern die Rede von einem deutsch^spanischen Abkommen, wenn auch nicht in der vorliegenden Ausführlich­keit. . Deutscherseits wurde die Nackiiricht als un­richtig hingestellt. Heute finden wir triefnt doch höchst fragwürdigen Wortlaut in einem Mainzer Blatte abgedruckt. Seltsam, daß eine solche An­näherung sch?u im Oktober des vergangenen Jahv's tattgefimdan haben sollte, alsv zu einer Zeit, wo wir nxl) auf dem Kriegsfüße mit der gesamten Entente standen!

des wieder vereinigt haben werden. Er verwaltet sich gegen den Versuch, durch papierng Paragraphen die Zusammenfassung, der deutschen Stämme Mitteleuropas vereiteln zu wollen, und betrachtet das Verbot des Anschlusses als einen) Angriff auf die Freiheft Tirols.

Die Zukunft der Skoda-Werke.

Wien, 23. Sept. (Wolff.) Ten Blättern zufolge haben die Verhandlungen zwischen den Skoda werken und der Firnta Schnet- der-Creuzot zum Abschluß geführt. Letz­tere hat etwa 40 OOO Stück Aktien der Skodckwerke ern'vrben und hat eine entsprechmde .Vertretung in der Verwaltung erhalten.

Rumänien und Oesterreich.

_ Wien, 24. Sept. (WTB.) Nach seinem Aufenthalt in Wien äußerte der rumänische bevollmächtigte Minister in Budapest, Dia- manti, gegenüber einem Vertreter der Wiener,Allg. Ztg." sich über die Beziehun­gen zwischen Rumänien und Oester­reich u. a.: Rumänien ist von dem aufrich­tigen Wunsche erfüllt, mit der Republik reundschaftliche Beziehungen zu pflegen, und es ist gewillt, die wirtschaftliche Notlage des Landes mit allen Mitteln zu erleichtern. Was >ie Friedensbeziehungen zwischen Oesterreich und Rumänien anlangt, so ist der Friedens­zustand zwischen beiden Staaten nach Auf-

Cine gemeinwirtschastliche Schuhfabrik in Oesterreich.

Wien,,21..Sept. Die erste Sozialisierung in ^el;errcKfM|t gestern durchf die Regierung beschlossen tocrot'it. Es wird auf Grund des Gesetzes über die geiticmwrrtsck,<iftliä)en Unternehmungen eine ge-, c 1" irtschaitlicbe Anstalt eri'ichlet, die den Namen:Vereinigte Leder- und -Lchuhfa bri k" führen wird und zunLM die der Heeresi<erroattung tec dfterreicfiifd/m nftiten Monarchie in Brunn bei Wien errichtete farttettionsanftalt und die Scisuhfabrit im tYlüa.tlingylagcr von.Mitterndorf umfassen wird. /L-lc neue Anstalt wird vom Staat gemeinsam mit her Großeinkauf sgesellsckaft der Konsumvereine als Vertreterin der städtisch.m Verbraucker und mit der landwirtschrftlickten '& renverlehrsstelle als Vertreterin der ländlichen Verbrauclier gegründet werden. Tie beiden letz­teren liefern oas Betriebs material, der Staat die betem Fabrifimteimehmungerl. Tie Anstalt wird von her Anstaltsversammlurrg geleitet, in der der Staat durch drei Mitglieder vertteten ist, eben>'o Nie die beiden anderen Teilhaber. Auch die Ar-i beiter und Angestellten in den Betrieben der Air- statt werden vier Vertreter in der Äustaltsversamm- -stug haben. Drei davon werden von den Betriebs-? raten, der vierte te>n der Genwrkschaft der Ar- briter ber Schuhindustrie gewählt. Ein eventtieller Reingewinn muß den Arbeitern und Ange­stellten zum Teil zu fallen, in der Regel ein Viertel. Ueber bic Vettvendung entscheidet der Betriebsrat. Tie verbleibenden drei Viertel teilen der Sraat, die Großeinkaufsgesellschaft und die Narenvettehrs- stelle. T-ce Unterrwlmrung tvird das größte Schuh- unternehmen des Staates sein und 900 000 Paar Sch-iche jährlich erzeugen, ein Siebentel des nor-i malen Bedarfes von Oesterreich, ein Drittel seiner gegenwärtigen Produktion. Tie Anstalt wird die Aufgabe haben, allmählich^ auch andere Unterneh­mungen der Schalh- u;ti> Lederirrdustrie unter ihre Kontrolle zu bringen, und es besteht die Absichit, größere Privatunternehmungen m der Schuh- uild Lederindustrie tn Aktiengesellschaften gemeinwirt- schaftlichen Charakters umzuwandeln, die unter die Kontrolle der neuen Anstalt gestellt würden. Man bat gerade dieses Unternehmen als erstes zur So­zialisierung anserselien, ivcil dadurch, her Bauern-i schuft die Wirkung der Sozialisierung praktisch vor Augen geführt werden soll. DieArbeiterzei-, tung,/ teilt mft, daß in der Sozialisiemngsl!o-mMis­sion bereits eine Reihe weitererSozialisie- rnngs-Unter nehm un gen spruchsreif aus- gearbeitet ist.

Eiu Rutlifchwur der Tiroler.

Innsbruck, 23. Sept. ^WTB.) Wiener Kvrr.-Bureau. Ter Landtag nahm einstimmig den gemeinsamen Anttag aller dreier Parteien an, her besagt: Ter Verfassunggebende Landtag Tirols erblickt in bem Friedensverttag, der mit den Wil­son schen Punkten im krassesten Widerspndch steht, eine unerhörte Vergewaltigung des deutschen Landes Tirol, das gegen den Nar ausgesprochenen Willen der Gesamtheit der Bevölkerung auseffrandergerissen wird. Der Landtag bekundet vor Gvtt und der Welt, daß er nicht ruhen wird, bis sich der Norden und der Süden des San-

Ein SeemauuSstreik.

Berlin, 23. Sept. (Wolff.) Nach Bremer un8 Hamburger Meldungen derB. Z." zieht der B r mer Seemanns st reik immer hxitere Kreise. Außer den H-rmburger Seeleuten begannen heute auch die Seeleute in den anderen NordseeIstifcu, mit einem Sympathiestreik. In Hamburg sollen sich auch die Mannschaften der Fischdampfep mit den Ausständigen solidarisch er Ort haben. >,

Hamburg, 23. Sept. (Wolff.) Tie deiw Seemannsbund angehörenden Hamburger;. Seeleute erklärten sich mft ihren Bremer Kollegew solidarisch und stellten die Arbeit ein. Teu Trausportarberterverband forderte die ihm unter­stehenden Seeleute auf, sich nicht an dem 2lusstand zu beteiligen.

Stettin, 23^ Sept. (Wolff.) Tie See-, leute find aus Sympathie für die Hamburger und Bremer Seeleute in den Streik getreten.

Aus Oldenburg.

Nachklänge znm Geiselmsrdprozed.

Rach der Fällung und Vollziehung des Münchener Urteils fanden sich endlich auch in der Parteipresse der Unabhängigen einige Kommentare, aber sie waren schwach, so heftig auch die Worte waren, ftein Wort zur Charakterisierung des Gesindels, das da verurteilt wurde, kein Wort des Be­dauerns über das verbrecherische Treiben sol­cherpolitischen" Führer! Nun beschäftigt sich das FrankfurterVolksrecht" mit denUr­sachen" der Gciselerschießung, wobei es her­vorhebt, mehrere Zeugen, die darüber hätten Auskunft erteilen wollen, seien vom Gericht abgelehnt worden. Z. B. habe Dr. med. Schol­lenbauch, ehemaliger Chefarzt der Roten Ar­mee, Feststellungen machen wollen, die er nun in einer Veröffentlichung niederlege, worin es heißt:

Auf Grund dessen, was ich selbst miterleb-t habe, was ich an Ausbrüchen von Zorn und Empörung selbst gesehen habe, und was mir non Augenzeugen mitgeteüt wurde, erkläre ich, daß ich der festen Uebe'.-zeugung bin, daß die Er­schießung der Verhafteten im Luitpold-Gymnasium ,lickst erfolgt wäre, wenn die Mftglieder der Roten 2lrmee nicht so grenzenlos durch die widerreckst- liche Ermordung von Genossen durch die Regie- rungstnlppen und durch deren Drohungen gereizt worden wären."

Gewiß, es mögen auch Ausschreitungen der Regieruugstruppen vorgekommen sein, aber doch wohl nur darum, weil diese Truppen selbst in ihrem Leben bedroht worden waren, weil sie nach Kriegs recht in Notwehr handel­ten. Wer mit der Waffe in der Hand getroffen wurde, hatte sich der Erschießung zu versehen, und man darf doch nicht vergessen, daß auf die Soldaten von den Dächern geschos­sen wurde. Aber die Mordtaten an den Gei­seln sind damit doch nicht in Vergleich zu stellen! Das war eben der nackte Mord an unschuldigen, wehrlosen Opfern, die ohne ir­gend ein Rechtsverfahren kaltblütig niederge- jchlachtet wurden! Zudem wird man beach­ten müssen, daß vieles über das Vorgehen der weißen Truppen reine Erfindung war und sich die Räte-Änhänger selbst in Wut berauscht haben, indem aufreizende Plakate angeschla­gen wurden, deren Inhalt zum Teil "ten­denziös erlogen war.

Nr. 223

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Att» Hem Reiche.

- Eine neue Bekundung zur Geschichte der Friedensschlicßuug.

' Berlin, 23. Sept. (WTB.- In derDeutz, ' schon Tageszeitung" erklärt der frühere Cl)of des ' ZivillabilN'tts v. Berg über die Besprechung ant 13. 8. 1918 und über den Kronrat vom 14. 8. ' 1918 zusammenfassend: Es herrschte lieber rin» ftimmung, daß auf Grund der vom FeLncarsck.alÜ ' und General Ludendorff sestgostellten militärischeiü ' SageL rote sie sich in den Augen des Kanzlers uni^ des Staatssekretärs des Aeußern darstellte, d u r Äs

1 eine neutrale M acht, Holland, F r i e «J densbesprechungen mit den Feinden an^t gebahnt werden sollten. Die Krtegsztele, wo.cuv - noch festgehalten werden sollte, wurden im trin^ telitru nicht besprochen, aber auö dem Ton bec< : Besprechungen war klar, daß man auf Erfüllung der bisher gehegten Hoffnungen nicht mehr rech»

1 nete, sondern daß der Staatssekretär in der Haupt-« fache freie Hand haben sollte. Hindenburg äußerte sich über die gleichen Vorgänge und sagt u. a.: Ich hatte damals gegen die Ausführungen ö. Hintzes nichts einzuwenden. Daraus folgt für mich, daß bei den beiden Sitztmgen volle Einigleft unter den politischen und militari feiert Stellen herrschte, und daß die Erörterungen beim Kronrat sich in denselben Gedankengängen bewegten, wie bei der Besprechung vom 13. 8. Ich hebe noefl hervor: Wir waren uns voll bewußt, daß der Krieg jetzt mit diplomatischen Mitteln zu End« zu bringen wäre.

Ein Abschiedsgesuch des KriegsministerS 'Reinhardt.

Köln, 24. Sept. Wie dieKöln. V.-« Ztg." erfährt, hat der Präsident der preußi­schen Landesversammlung, L e i n e r t, auK das an ihn gerichtete Abschiedsgesuch des Kriegsministers Oberst Reinhardt geant­wortet, daß er das Amt eines preußischen Kriegsministers durch die Bestimmungen den neuen Reichsverfassung als erledigt betrachte. In der Antwort, sagt das Blatt, hat der: Präsident sehr geschickt die staatsrechtliche: Frage umgangen, ob er überhaupt Minister entlassen kann, ein Recht, das ihm die vor­läufige preußische Verfassung nicht zuerkennt.

Oberschlefien.

General-MZeiger für Oberheffen

SwüNngrrundin«? u. Verlag: vkühcjche Univ.-Such- u. SteindruSerei ». Lange.Schrisileilung, Seschästrstelle u.Sruckerei- Lchulftr. 1.

Die Lage in Italien.

Bern, 23. Sept. (Wolff.) Die gesamte italie­nische Presse steht unter dem Eindruck der Ein­berufung,des Kronrates und der 93er» tagung der Kammerbis zum 27.September. Als Beweis für bie Schwierigkeit der Lage wird daran erinnert, daß selbst bei der Kriegserttärung an Oesterveich-Ungarn die damalige Regierung von einer so außerordentlichen antikoristftutionellen Maßnphme abgesehen hat. Die Gegner Nittis be­tonen, daß die Eiliberufung des Kronrats einen Versuch des Ministeriums bedeute, sich der Ver- antwortlichkeft der unerträglichen inneren und äußeren Lage des Landes »u entziehen. Eingeladen sind: Luzzatti, Bvselli, Giolitti, Son- nino und Orlando, die Heeresleitung unb sämtliche Aktionsführer, darunter T u r a t i, dessen Teilnahme aber von der Zustimmung der Partei­leitung der offiziellen Sozialisten abyängt. Tit- toni wird eine Dafttellung der Sage geben unb Unterstützung für die jetzt emgefchlagene Politik fordern. Wie der(Sortiere della Sera" meldet, hatte er auf eine rasckst Zustimmung Wilsons zu den von Frankreich unb (tiiglartb getroffenen Ab- machimgen über Fiume gehofft. Statt dessen hülle sich Wilson in Schweigen und überlasse es Ita- talien selbst, eine Lösung des Problems zu finden. DerSecolv" dagegen behauptet, daß die Ant­wort "Wilsons bereits eingtiroffen sei. Daß sie aber für Italien nicht günstig lautet, geht daraus hervor, daß das Blatt von der Wohrfchrinlichkrit spricht, der Kronrat werde über die Sage dis­kutieren, in welche Italien gerate, wenn es sich unter Beiseitesetzung des Wilsonschen Votums für eine Annexion Fiumes erkläre. DerAvanti" sieht in der Einberufung des Kronrates einen letzten Versuch der Stegierung, einen Ausgleich Itztmschen den Ansprüchen der MftiMtisten u:ft> dem Ruhcbedürfnis des die Revolution fürchten­den Bürgertums zu finden.

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