Dienstag, 24. Mi
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheßen)
Zweites Blatt
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stimmung mehr gestellt werden, auch wenn dre Deutschnationale Volkspartei die Verantwortung auf sich nehmen wollte, die Sache hinauszuzögern
aus vaterländischen Gründen handeln. .
Präsident Fehrenbach: Ein Widerspruch gegen die Ausfassung des Ministerpräsidenten, daß die Regierung ermächtigt bleiben soll, den Frie- tonsvettrag zu unterzeichnen, ist mcht erfolgt. I Widerspruch rechts.)
Abg. Schulz- Vromberg (Dtsch-Natl.): Wir j sind nach wie vor der Ansicht, daß gestern nur eine beschränkte Ermächtigung zur Unterzeichnung ge- , gebot wurde.
Präsident Fehrenbach: Ich nehme an, es wird Widerspruch erhoben und nochmalige Ab- siinmrung verlangt.
Abg. Schulz- Bromberg (Dtsch.-Natl.): Ich beantrage namentliche Abstimmung. (Große Unruhe links und im Zentrum. Zurufe: Unerhört! Es ist bald 7 Uhr! Bewegung.)
Präsident Fehrenbach: Wir sind in der Abstimmung und da können keine Anträge zur Ab-
telle für seine Mitglieder und diese erteilt ihnen unentgeltlich Auskunst über Nentenansprüche^uu!' vertritt diese bei den maßgebenden amtlichen Stel len. Zit Mitgliedern des Ausschusses wurden be timmt: Rechtsanwalt Dr. Kah, Amtsgerichtsra' Trümpert, Lehrer Daab-Lollar und Lehrer Die^- Heuchelheim. Dann wurde die Tagesordnung füi den Verbandstag, der im September in Darmstad' tattfindct, beraten. Zu Vertretern des Bezirk^- wuroen der Bezirksvorsteher Daab und Amt-? - gerichtsrat Trümpert bestimmt. Nach den Aus übrungen des Präsidialmitgliedes sind die Aw gaben der Hassia: 1. Erhaltung der Eeinheit dr: deutschen Volkes, Pflege der Vaterlandsliebe milder Kameradsäiaft. 2. Fürsorge für die Kriegs beschädigten, die Kriegshinterbliebenen und Kriegs eilnehmer, ausdrücklich^ Vertretung ihrer Au prüche auf Versorgung und Hilfe. 3. Ausbau uu
Besuchskarte abgegeben. Das ist alles." „Tanke, Lebermann, Sie können gehen. Ter -Prokurist verließ das Zimmer.
(Fortsetzung folgt.)
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veutsche Nationalversammlung.
Weimar, 23. Juni.
Am Ministettische: Bauer, Taviv, Wissell, MÄler, Erzberger, Bell, Schmidt, Giesbetts, Ötatirc, Schlicke, sowie General Märcker.
Präsident Fehrenbach eröffnet mit fast trnftonbiger Verspätung die Sitzung um 3 Uhr vnt der Bemerkung: Es haben sich in der tzestrigen.Sitzung Ereignisse vollzogen, die eine abermalig« Besprechung der Fricdensfrage notwendig machen. Wenn kein Widerspruch erhoben /wird, will ich als ersten Gegenstand nochmals die Beratung der Friedensfrage auf dte
und namentliche Abstimmung zu verlangen.
Abg. Schiffer (Dem.): Ich bitte ausdrücklich festzustellen, worüber abgestimmt werden soll.
, Präsident Fehrenbach: Heber die Auf- assung der Regierung, daß sie nach wie vor ermächtigt bleibt, den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Nur darüber wird abgestimmt.
In einfacher Abstimmung erklärt daraus das Haus gegen die Stimmen der Teutschnatron-rleiil Volkspartei und eines> Teiles des Zentrums und der Temokraten die Auffassung der Regierung für zutreffend.
Präsident Fehrenbach: Tamit ist vorläufig eine schmerzliche Angelegenheit erledigt, und ich teile mit Genugtuung fest, daß von verschiedenen Seiten des Hauses anerfamtt wurde, daß alle Parteien des Hauses, ob Ja oder Nein, sich.nur von vaterländischen Gründen bei der Abstimmung leiten ließen, getragen von schweren Gewissensbedenken unb von ernster Auffassung über die Lage unseres Vaterlandes. (Allseitige Zustimmung.) Ich mochte wünschen, daß dieser Geist auch hinausgehen möge in unser Volk. (Beifall.) Es wäre nun das allerschlimmste und das allergrößte Verbrechen, uns in Schmähungen und Verdächtigungen gegen die vaterländische Gesinnung unserer Mitbürger zu ergeben. Ich würde es in dieser schwersten Stunde des deutschen Volkes als das größte Sßerbrcdjen bezrickMen, das von innen, heraus an ihm begangen werden könnte. (Sehr richtig,) Ich hoffe, daß man draußen in der gesamten Bevölkerung und namentlich) in der Presse dafür ein Verständitis haben wird und gewillt ist, nunmekw einträchtig zusammen all die großen Lasten auf sich zu nehmen, die uns jetzt bevorstehen, alle zusammen getragen von dem heiligen, Willen vaterländischjer Liebe. Im übrigen empfehlen wir unser unglückliches Vaterland dem Schutze 'des barmherzigen tzDttes. (Beifall.) Es ist beabsichtigt, von den Parteien ente gemeinsame Kundgebung an die Truppen zu erlassen, die aber erst noch redigiert werden soll. Die Sitzung nriri) daher auf eine Stunde unterbrochen. Es soll dann der Rest der Tagesordnimg erledigt werden. (Schluß 3V4 Uhr.)
nen, weil die Steuerflucht von Vermögen schon gleich nach dem Kriegsbeginn eingesetzt habe.
Geh. Rat Säinisch bittet namens der Reichsregierung um Arurahmc des gemeinsamen Antrages. T-er Antrag Wurm geht über den Zweck des Gesetzes hinaus und kann bei der großen Jinanzveform erörtert werden.
Ter Antrag wird in seinem ersten Teil mit den Stimmen der beiden sozialdemokratischen Parteien in seinem zweiten Teil auch mit einzelnen Stimmen des Zentrums angenommen. Mit einer Aenderung des gemeinsamen Antrages und mit diesem wird das Gesetz in zweiter Lesung angenommen.
Es folgt der Note tat, der wegen nicht rechtzeitiger Fertigstellung des Hauptetats 5 Mil- liarbrn bis zum 1. -Oktober zur Verfügung stellt.
Abg. Geyer (Unabh.): Jnnerpoli.rsch steht die Regierung auf dem Boden der Regierung Scheidemanns. Wir haben die Regierung Scheidr- maint bekämpft und sagen daher auch der gleichen Regierung den Kampf an.
Abg. Mumm (Dtsch.-Natl.): Größte Spar- ’amfeit ist am Platze. Wir beantragen, daß nur 5 Milliarden bewilligt werden.
Abg. Dr. Braun-Nürnberg (Soz.): Dem Wunsche nach Sparsamkeit schließen wir uns an.
Abg. Gothein (Dem.): Wer diesen Etat ablehnt, lehnt auch die 400 Millionen für Teuerungszulagen für Beamte und Lohnangestellte ab. (Lachen bo den Unabhängigen.)
Abg. Schirmer (Zentr.): Der Antrag Mumm ist rein willkürlich: wir lehnen ihn ab. Auch wir bitten die Arbeiterschaft, endlich wieder zur Arbeit zurückzukehren. Nur dann können wir über diese schlimme Zeit Hinwegkommen.
Abg. R i e s s e r (Dtsch. Vp.): Unser Volk muß Einigkeit, Disziplin und Ordnung wahren. Es muß endlich wieder arbeiten.
Der Antrag Mumm wird abgelehnt und der Notetat gegen die Stimmen der Unabhängigen bewilligt.
Es folgt die Beratung der Vorlage über den Eintritt der Freistaaten Baden und Bayern in die Biersteuergemeinschaft.
Abg. Z ö P h e l (Dem.) hat Bedenken im einzelnen und beantragt Ausschußberatung.
Ncichsfinanzminifter Erzberger ersucht um sofortige Verabschiedung, da das Gesetz am 1. Juli in Kraft treten soll. Außerdem biete es die Möglichkeit, auch an diesem schwersten Tage deutscher Geschichte einen Schritt vorwärts zum deutschen Einheitsstaate zu tun.
Das Gesetz wird angenommen.
Nächste Sitzung Dienstag 10 Uhr. Anfragen und kleine Vorlagen. Schluß 6 Uhr.
Berlin, 22. Juni. (WTB.) Nach einer späteren Meldung aus Weimar hat die D e u t s ch e Volksvartei nicht gegen, sondern für den Aittrag der Regierung gestimmt^
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Tagesordnung setzen.
Tas Laus ist damit einverstanden.
Präsident des Reichsministeriums Bauer: Meine Damen uno Herren! Namens der Rrichs- regierung habe ich Ihnen folgende Mitteilung gii machen: Tie Mehrheit der Nationalversamm- limg hat in der gestrigen Sitzung die Ausführungen gutgeheißen, in denen die Stellung der Keichsregierung -zürn Friedensvertrag dargelegt wurde. Entsprechend diesem Votum und der darin ( ausgedrückten Bevollmächtigung haben wir gestern nachmittag in Verfaüles eine Note überreichen losten, die diese unsere Stellung mit folgenden Verwahrungen und Vorbehalten darstellt, die nur ^lgendermaßen betont haben. (Ter Ministerpräsident verliest hierauf die bereits bekanntgegebene Mte und die Antwortnote der Entente und fährt dann.fort): Tamit ist die Lage in zwölfter Stunde ton Grund auf verändert und damit stehen wir vor der unerbittlichen Frage: Ablehnen oder bedingungslos unterschreiben? Tie Reichsregierung hü Ihnen gestern die bedingte Unterzeichnung torgeschlagen und dafür die Zustimmung Ihrer Mehrheit gefunden. Sie hat geglaubt, diesen letzten Versuch machen zu müssen, um wenigstens etwas von den Idealen zu retten, die unsere Gegner angeblich ity diesem Kampfe für die Menschlichkeit erstreiken wollen. Sie hat vor allem eines ihren Häuptern ersparen wollen: .Ein unwahres Schuldbekenntnis und die Auslieferung von Volksgenossen an ein Tribunal, bei dem Ankläger unb Richter eins find. AH das sind aber heute nur noch theoretische Betrachtungen, ßz sollte uns nichts, gar nichts erspart bleiben. E Knechtung wollen die -Feinde auch noch die achtung gesellen. Heute muß die ganze Welt a: Hier wird ein besiegtes Volk an Leib und (Seele vergewaltigt, wie Tein Volk je zuvor. Kein Protest heute mehr, kein Sturm der Empörung! 1 Mies weitere mutz den Eindruck schwächen, der sich .faitc der Welt bietet, die zum Teil mit verhohlenem l ober unverhohlenem Entsetzen auf diese Vergewaltigung sieht. Unterschreiben wir, das ist der Vor- j schlag, den ich Ihnen namens des ganzen Kabinetts J tnadK, bedingungslos zu unterzeichnen. ,Wehrlos ' ist nicht ehrlos! Gewiß, die Gegner ivollen uns an , die Ehre. Daran ist kein Zweifel, aber daß dieser t Versuch der Ehrabschneiderei einmal auf die Urheber (selbst jurücffallen wird, daß es nicht unsere Ehre 'ist, die bei dieser Welttragödie zu Grunbe gebt, das ist unsere Hoffnung bis zum letzten Atern- tzuge. Ich darf wohl annehmen, daß auf diese Vorgänge die Regierung ermächtigt bleibt, den Frie- baiStiertrag zu unterzeichnen.
Abg. Schiffer (Dem.): Die Ermächtigung , beanstanden wir nicht. Meine politischen Freunde I scheu keinen Zweifel in die vaterlchrdische Ge-- Iftmumg auch jener, die mit Ja gestimmt haben.
Abg. Schulz- ®rontberg) (Deutsch-Natt.): ' Mine Partei steht auf dem Standpunkt der unbedingten Ablehnung und erhebt Widerspruch gegen die .Unterzeichnung.
, Abg. Heinze (Deutsche Volksp.): Wir leh- VßHOW nm den Friedensvertrag nach wie vor ab. Wir er- mcumcuiW kamen an, daß auch die Gegner unserer Ansicht rifi u. Stiel auüi ahrscheinlis ZirlsLailMurnaf hilofopbettitolteJ fand. d. «F ugiick. dieue^H
Um 47t Uhr wird die Sitzung nridfer aufgenommen.
Präsident Fehrenbach: Die Parteiführer haben sich auf folgenden Wortlaut des
Aufrufs an das deutsche Heer geeinigt:
In der Stunde des tiefsten vaterländischen Unglücks dankt die Deutsche Nationalversammlung der deutschen Wehrmacht für die opscrvolle Verteidigung der deutschen Heimat. (Beifall.) Ungeheure und niederdrückende Anforderungen stellt der ttotz des Heldenmutes unserer Tnippen uns auf- fregtoungenc Frieden an alle Teile unseres Voltes, besonders schveres aber an das Gefühl unserer Soldaten. (Beifall und Zustimmung.) Das deutsche Volk erwartet zuversichtlich, daß Heer und Marine, Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, treu ihrer großen Vergangenheit in dieser schwersten Zeit ein Beispiel der Selbstverleugnung und Aufopferung geben und Hand in Hand mit den anoeren Volksgenossen an der Wieder au frich- tiung unseres Vaterlandes arbeiten werden. Sie wird gelingen, wenn alle ihre vaterländische Pflickü erfilllen.
Ich stelle fest, daß das Haus mit diesem Aufruf an das deutsche Heer einverstanden ist. (Beifall und Zustimmung.) Der Präsident trift dann weiter mit, daß Der Aeltestenausschuß im Einvernehmen mit der Reichsregierung vorschlägt, einen Beirat der Nationalversammlung für die Steicbö betriebe rinzusetzen, in oem die Sozialdemokraten zwei Mitglieder und alle fonfügen Fraktionen je ein Mitglied entsenden sollen. l
Zu dem Gesetzentwurf zur Ergänzung des Gesetzes gegen die Steuerflucht vom 26. Juli 1918, wonach die zu leistende Sicherheit bis auf 50 Proz. des Vermögens der Steuerpflichtigen erhöht werden kann, liegt ein Antrag aller Parteien vor, wonach der Finanzmrnister ermädjtigt list, für Gebietsteile des Reiches, bei welchen die Meichszugehorigkrit gefährdet ist, den Banken die Knzeigepslicht über die Hinterlegung von Werl- kpopieren seit dem 1. Oktober 1918 aufzuerlegen.
Abg. Wurm (Unabh.) beantragte, diese Bestimmung auf das gesamte Reichsgebiet zu erstrecken unb die Anzeigepflicht auf die seit dem 1. 8 1914 hinterlegten Wertpapiere auszudeh-
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w „Aber weißt du, Vater, ,vas er mit dem Kuß gemacht hat? Er hat mich behext. Ich habe immer an ihn denken müssen. Und manchmm halte ich eine Sehnsucht nach ihm — du glaubst nicht, was mir bann für verrückte Gedanken kamen. Es war mir, als wenn ich durch ganz Berlin laufen müßte, um ihn zu suchen, um ihn noch einmal sprechen zu hören — ach, was weiß ich! Da sitzt man .nun im Grünewald, in einer schönen Villa und er — dem wir verdanken, daß wir uns unseres Lebens freuen können — sitzt vielleicht hinter Gefängnismauern und hat niemand, der ihm ein freundliches Wort sagt!"
Sie stockte. _ „ ,
,^Jawohl! । Unb — und mir tfl zum Heulen zumute!"
Ter Konsul strich ihr leise über das Haar.
Er ließ sie weinen. Er sprach kein Wott. Er war erschüttert. In ihrer Sorge um ihn hatte sie firf) Jn die Verbindung mit diesem merkwürdigen Menscknn eingelassen! Unb in seiner Freude, daß endlich der gefährliche Brief wieder in feine Hände gekommen war, batte er sich um den Preis wenig gekümmert. Sollte er nun den Erwerb des Briefes mit dem Glück feiner Tochter bezahlen ? Nein! Es war doch undenkbar, daß sein vernünftiges.Mädel iljr Herz an einen Menschen Ijing, der wegen aller möglichen Schandtaten von allen möglichen Polizeibehörden verfolgt wurde. Immer langsam? Erst dem Madel Ruhe lassen — ihm auscinandersefeen wie — wie blödsinnig bad alles War!
Nach einiger Zeit sagte Ruch:
„Entschuldige, .Vater, daß ich mich so habe gehen lassen. Ich bin dockt fönst keine Heultute! Aber — manchmal geht's nicht anders. Nun weißt du alles. Aber helfen — na, helfen kannst du mir nicht. So etwas muß man allein abmachen."
Ter Konsul räusperte sich.
buch brachte ihn neulich mit nach draußen? Mama hat dir wohl davon erzählt?"
„$a," sagte der Konsul. „Ich entsinne mich aber nicht, daß der Herr bei mir gewesen ist
lerer wirtschaftlichen Einrichtungen.
** Li ch tspielhaus, Bahnhofstraße. Mft besonderem Interesse werden alle Freunde bei Filmkunst der am Dienstag den 24. Juni bc ginnenden Aufführung eines großen Filmwerks, betitelt „Ferdinand Lassa11 e", mit Erick Kaiser-Titz in der Hauptrolle, entgegensehen kön nen. Das Stück ist unter Benutzung von Motiven aus dem bekannten Roman von Dr. Alfred Schiro teuer von E. A. Dupont und Henry Schoss für den Film bearbeitet worden. Er enthält eine Fülle packender Momente aus dem Leben des Apostels der Arbeiterbewegung. In dem Fllmwerk sind dic wichtigsten Episoden wie die politisch bedeutungs vollen Abschnitte des Lebens Lassalles enthalten Von geringfügigen Abweichungen abgesehen, wahrt der Film streng die Historie..und sogar die verbindenden Texte sind durchweg Aussprüchen unb R.d u Ferdinand Lassalles entnommen. Ter Eunft innigen Leitung pes Lichtspielhauses in der Dahn jofstraße wird man — nach dem man das Film werk gesehen hat — Dank wissen für die gebotene Gelegenheit, abermals etwas Großes, Gutes und Schones gesehen zu haben.
Landkreis Gießen.
Großen-Buseck, 22. Jimi. Bei einer auf heute hier einberufenen Versammlung Kriegs beschädigter und Hinterbliebener, in welcher Kamerao Lehrer Funk-Bieber sprach, wurde eine Ortsgruppe gegründet, die sich dem freien hessischen Landesverband Kriegsbeschädigter unb Kriegshinterbliebener bzw. dem Einheitsverbande Kriegsbeschädigter Deutschlands (Sitz Leipzig) an- schloß. Zweck des Zusammenschlusses ist Wahrung wittschaftlicher Interessen bei streng parteipoli tischer unb konfessioneller Neutralität. Zwei vom Reichsbunbe für Kriegsbeschädigte, Kriegshinterbliebener unb ehemaliger Kriegsteilnehmer (Otts gruppe Gießen) entsandten Agitationsvedner mußte ohne das Wott erhalten zu haben, den Saal fo- fort wieder verlassen.
O ö u n g e n, 22. Juni. Sehr zurückgegangen sind in den letzten Tagen die P r e i f e f ü r 5 e r - fei. Es wurden solche schon zu 90 Mk. verkauft. Bei dem großen Angebot an Ferkeln und bei dem sich mehrenden Futtermangel dürfte in nächster Zett ein noch größerer Preisrückschlag erfolgen.
Starkenburg und Rheinhessen.
dz. Darmstadt, 23. Juni. Für die Spiel' zeit 1919/20 wurde die Leitung des Landestheaters dem Jntendanzrat Dr. Waner und die künstlerische Leitung bet Oper dem Generalmusikdirektor Balling als Operndirektor, die des Schauspiels dem Schauspieldirektor Willy Löhr übertragen. Die Generaldirektion des Landestheaters untersteht der von dem (Mamtminifternim bestimmten Der- waltungskommission, die ans Mit^iedern des Landesamts für das Budungswesen unb des Finanz Ministeriums gebildet ist.
Hrssen-Nassau.
mr. Frankfurt a. M., 22. Arni. Dem Marineficherungsdienst gelang es zwei Waggons geschmuggeltes ametttenisckes Schmalz, die nach Baden verschoben werden sollten, zu beschlagnahmen. Das Schmalz kommt nun Der Stadt Frankfurt zugute. — Die Kriminalpolizei beschlagnahmte am Schillerplatz von einem Wagen vier Ochsen- viettel, die aus einer Geheimschlachtung stammten und in einem Frankfutter Barresdaurant verzehrt werden sollten.
-wt. Limburg, 23. Juni. Da bte Gefahr der Besetzung durch den Feind in drohende Nähe gerückt ist, hat am hiesigen Gymnasium eine N 01 reifeprüfung begonnen, der sich sämttichr Oberprimaner und 4Trilnehmer von dem Lehrgänge für Kriegsteilnehmer unterziehen.
Aus dem besetzten Rheingebiet.
dz. Aus dem besetztenGebiet, 23. Junl Nach Mittellung des Generals Mangin an das ■wwnrn—TTim-rrn--------- ■ ■ —
Der Doppelgänger.
Roman von Carl <Schüler.
Fortsetzung Nr. 48.
Ne Mm den Kopf des Vaters wieder M' schen ihre Hände und drehte ihir so, daß er sie vicht ansehen konnte. Ter Konsul ließ sie ^ewäh-, ttn. Er chatte einen feuchten Schimmer tn den lugen Ruths gesthem Ein Bangen beschlich rhn. kr sagte leise:
„Weiter, Kind!"
Ruth nahm sich zusammen. Sie wollte sich Ächt wre ein alberner, unglücklich verliebter Backfisch benehmen. Sie wollte stark sein. Und sie Sollte sich nicht auslachen lassen.
„Tu weißt, Vater, daß ich ihm drerßigtausend Natt versprochen 'hatte, wenn er uns den Brief bkschasite. Aber ihm war an dem Geld nichts gelegen. Gar nichts. Er wollte von mir--"
„Na — was wollte er?"
„Aber Vater 1— meine Hand! Du tust mir veE
„Erzähl' weiter!"
„Gr verlangte von mir — zwei Küsse.
Ter SBönfut gab die Hand der Tochter frei. 6r wollte sich ihr zuwenden, da legte Ruth ihre beiden Hände auf seine Augen.
„So — jetzt halte ich dir die Augen zu, weil du immer den Kops umdrehst!" sagte sie.
‘. „Ich habe ihm bann, als er ein paar Tage fester mir den Brief brachte — einen Küß ge- Gtiben. Wirklich, nur einen, Vater!"
,^Beiter!" ( _
| ,Meiler ist nichts zu erfräbtat. Ich habe ihn
vftMch nicht wiedergesehcn. Er hat nichts von hören lassen. Gar nichts. Das Geld hat er dir auch nicht geholt. Er hat also nur von
i mit den Kuß haben wollen! Nur den Kuß!" „Sonderbarer Schwärmer!" brummte der
Er war anderer Meinung. Jetzt war die rich- tige Zeit für väterliche Ratschläge gekommen. Man mußte jetzt mal hübsch logisch auseinandersetzen, daß 1— __
,Hör' mich jetzt mal an!" begann er. „Tu mußt dir vor allen Dingen vor Augen halten, daß >wir nicht mehr im Zeitalter der Romantik leben. Tie Geschichten, die wir als Kinder von edlen Räuberiwuptleuben gelesen haben, ftimmen nicht mehr! Unsere heutigen Räuber und Spitzbuben entbehren ganz und' gar jedes Heldentums und jedes ebclmutS. Dazu batten wir Matschen von beute1 zu nüchtern. Was deinen besonderen Fall anbetrifft, so mußt du dir immer vor Augen halten, daß dieser Mensch rin ganz geriebener Hoteldieb ist, ferner —"
„Gib dir keine Mühe, Vater!" sagte Ruth.
„Was?".
„Tas weiß ich nämlich alles selber. Das hab' ich mir schon hundertmal gesagt. Und immer bin ich zu dem Schluß gekommen, uns, dir und mir, hat er einen so grüßen Tienst erwiesen, daß wir kein Recht haben, uns als feine Richter auf- zusptelen. Nein, laß das. Ich werde schonnach und nad) wieder ganz so roerben wie früher. Ich werde auch das Lachen wieder lernen. Ihr müßt nur ein TI rin wenig Geduld mit mit haben.
Sie erhob sich. Vor einem Spiegel fetzte sie ihr Hütchen auf.
„Ich muß jetzt zu Herpich. Nicht wahr, Vater, du sagst der Mutter nichts? Tre angsttgt sich immer gleich so. Sie ist letzt so glückltch über ihre Murnen."
„Ab.-r seldstv^rständrich," vettick-erte der Konsul. Tann bückte er sich und hob eine auf dem Teppich liegende Besuchskatte auf.
„Wer ist denn das? Tvrivol wn Armbrüsder? Hast du die Katte verloren?“
„Nein. Tie Karte lag dori bri dar anderen Aorten. War Herr von Armbrüstcr bei dir ? Um-
Ter Name ist mir unbekannt. Ich habe mft ihm uie etwas zu tun gehabt." .
Merkwürdig. Wie kommt denn die Karte hieryer?" t „
„Interessiert es dich? Dann werde ufc mal Leber mann fragen." .... _
Er klingelte dem Ticner und Iretz lernen Pro kuristen bitten, zu ihm zu kommen. Glerch daraus trat der Reine bewegliche Herr ein, der seinerzeit Tvrival daraufhin geprüft hatte, ob er auch wirklich der Besitzer des Pelzmantels war, den der Kvnsick mit aus dem Kaiserhof gebracht hatte.
„Sxrr Konsul?"
„Sagen Sie, Le Hermann," der Konsul reichte seinem Prokuristen die Karte Tvrivals, „wer ist dieser Herr und was wollte er ton uns? Wie kommt die Katte hier auf meinen Tisch?"
Ter Prokurist las den Namen und besoim sich einen Augenblick —
„Herr Konsul erinnern sich "wohl noch der Geschichte mit dem Mantel? Dem Herrn .Konsul war während einer Konferenz im Hotel Kaiser hvf der Pelz von einem Spitzbuben gestohlen wor den. Ter Mensch hatte seinen Mantel im Stick gelassen. Ten Mantel hatte provisorisch der Herr Konsul an gezogen und am anderen Tag mit hierhergebracht. In dem Mantel fanden wir eine Anzahl Besuchskarten dieses Herrn von SErmbrö- ster, der in der Alsenstraße wohnt. Wir schrieben an ihn, ob ihm vielleicht rin Pelzmantel gestohlen worden sei. Er bestätigte dies, kam hierher unb holte sich den Mantel. Tober hatte er wohl diese
Ans Stabt rind Land.
Gießen, den 24. Juni 1919.
** Ans dem Militär-Wochenblatt. Auf ihr Gesuch wurden zu den Reserveoffizieren der betr. Regimenter über geführt: Eichhorn, Oberlt. im Feldatt.-Regt. 61, die Leutnants: Schmidt (Paul) im Ins.-Regt. 87, Reuter (Kurt) im Jnf.-Regt. 118, ö 0 ff mann im Jnf.- Regt. 168, Frhr. v. Räcknitz, v. Selzam (Eduard), v. Gröning, v. Metzler, v. Selzam (Harald) im Leib-Drag.-Regt. 24; gleichzeitig haben Patente ihres Dienstgrades erhalten: die Leutn. v. Selzam (Eduard) vom 19. Dezember 1915, v. Gröning vom 19. September 1917, v. Metzler vom 27. Januar 1918, v. Selzam (Harald) vom 9. April 1918, Saufe, Hiltrop im Fußart.-Regt. 3, Bernards im Jnf.-Regr- ment 87, Immel, Fähnr. im Jnf.-Regt. 87, E l tz, Fähnr. im Jnf.-Regt. 168, in das Reserveverhältnis über geführt.
**DieFreimarken zur Erinnerung an .bte Deutsche Nationalversammlung 1919 sind vom 1. Juli,ab in den Werten zu 10, 15 und 25 Pf. neben den bisherigen Marken (Ausgabe 1902 mit dem Germaniabild) bei sämtlichen Postanstalten des Reichspostgebitts und Württembergs zu haben. v
K Bezirkstag des Hassiabezrrks G i e ß e n. Im Lenzschen Felsenkeller tagten Sonntagnachmittag die Kriegervereine aus dem Kreise Gießen im Beisein des Präsidialmitglredes Hauptmann Waldecker-Darmsladt. Einen der wichtigsten Puntte der reichhaltigen Tagesordnung bildete die Kriegsbeschädigtensürsorge. Es wurde der Beschluß gesaßt: Zum Zwecke der Vertretung der Ansprüche der Kriegs-Invaliden ernchtet der heutige Bezirkstag eine unentgeltliche Beratungs-


