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Srenfjurt a. M. U686
(69. Jahrgang
Donnerstag, 2$. April (919
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
SwiMngrninddru« u. »erlag; örühNchc Uni»..»* u. SteiiDraderei H. Sangt. Sdjr ftieitung, Seschästrftell- u. öruierel: Schulstr. ?•
Lnnadmr wn Lnzei-e« f. die Lagesnummer vrS zum NaNimiuag vorder ohnejedeDerbmdiichteit
Stilenpretse: für örtliche r'tnzelgen 25 l>f.,sür auSw artige 30 für Reklamen Mk.l.-nebst 20" ,Teue- runqs-ns Älag;Plai;voi> schrui 20 % Au'jchlog. Oauvtschri tleiter: Aug. Goeq. Berantivortlich für Politik: Aua. Aoetz. für den übrigen Leist Dr- Reinholo Zenz; für den Anzeigeiueit: v. Beck; sämtlich in ®tefoen
Der Ausblick nach Versailles.
Marschall Foch hat der deutschen Regic- gierung eine Antwort erteilt, die wir noch nicht im Wortlaut Tennen, die indessen entsprechend den Rantzau chen Forderungen so ausgefallen ist, daß unsere Friedensdelegation nächsten Montag nach Versailles abreisen wird. An diesem Ergebnis des diplomatischen Notenwechsels sieht man, wie töricht das Urteil des Organs der Unabhängigen, der „Freiheit", war, die Rantzaus erste Antwort als „freche Herausforderung" bezeichnet hatte. So fällt man den deutschen Unterhändlern jetzt schon in den Rücken!
Wir werden uns vermutlich noch eine lange Weile gedulden müssen, bis wir den gesamten von der Entente in Paris ausgcheckten Fricdensplan kennen lernen werden, denn er ist noch keineswegs abgeschlossen. Da außerdem noch gar nicht feststeht, wie weit die Verhandlungen führen können, zu denen jetzt Deut chland herangezogen wird, erscheint es uns als ein recht müßiges und unzeitgemäßes Beginnen, wenn jetzt schon deutsck)e Blätter sich darüber streiten, ob unsere Reichsregierun^ vor der Unterzeichnung des Friedens eine Volksbefragung herbeisühren solle. Wir müssen den verantwortlichen Persönlichkeiten freie Hand lassen; gewiß kann die Möglichkeit und Notwendigkeit einer Volksbefragung eintreten, ebenso gerechtfertigt kann es aber unter Umständen sein, wenn die Regierung auch unter eigener Verantwortung die Verhandlungen mit der Entente demnächst abbrecheu wird. Da läßt sich nichts Bestimmtes vorher fest- setzen.
Die Entente ist! ^keineswegs ein gcrftz fester Block. China streitet sich mit Japan über Kiautfchau, die Adriafrage ist noch ungelöst, Wilson wird als verstimmt geschildert, und die Meldung, es werde zwischen Frankreich, England und Amerika ein Defensivbündnis gegen Deutschland geplant, wogegen Wilson Bedenken und Vorbehalte gemacht haben soll, zeigt, wie verworren noch die Lage ist. Dernburg, der neue Finanzminister, hat dieser Tage in einer Osterbetrachtung festgestellt, wie bedenklich auch für England die Dinge geworden seien. Er schrieb u. a.:
„Von unseren Gegnern geht gewiß England als mirr Sieger aus dem Stampf hervor, abc-r wirtschaftlich wie politisch droht dieser Sieg,cs xu ruinieren. Tie iriiche, die ägyptische, die ur- Lische Frage, die Frage der Dominien erheben drohend iln Haupt. Ter „Fricdenshaushalts-Vor- schlag für 1919" übersteigt mit einer Forderung von 30 Milliarden auf 47 Millionen Einwohner alles in der internationalen Finanz Gehörte. (Ter putsche Frieden shaushalt betrug etwa drei Milliarden auf 65 Millionen Einwohner.) Tie Abrüstung beriunt nri einem stehenden Heer von 922 000 auf Grund allgemeiner Wehrpflicht em- gezommm Sorten (gegen 380 030 angcwvrbener tm Jahre 1913). Für die Verstärkung der Luftstr.-ilkräste wird so viel verlangt, ,me der deutsche Heeres- und Marine-Elat int Jahre 1912 verlangte. Die Schu ldenlast ist größer als die Deutschlands, dabri hat England seine wichtigsten Kunden, Deutschlano, Rußland und den Balkan verloren, seine südamerikanischen Märkte sind ihm zum großen Teil von Amerika abiejagt und eine Armee von einer Mil- s-ion Arbeitsloser liegt auf der Straße. Kein Tag, wo nicht große und kleine Strecks lebensnotwendiger Industrien stattfinden, wo große Industrien mangels Absatzes oder Rohmaterialien zeitweilig schließen muffen; und das Ganze regiert von einem Parlament von der größtdenkbaren flkegi-erungs- mehrheil: zusammengewählt unter Lloyd Georges bemagogifnxm Peitschenhieben, das den Wählern die Versprechungen nicht halten kann und an stiner inneren Unnwhrhaftigkeck zu Grunde geben muß. Die soziale Unruhe ist in Ennland nicht viel wesentlich geringer als in Deutschland, das alte Wirtschaftssystem kracht in den Fugen, die Steuerlast hat mit 50 Prozent Einkommensteuer aus die großen Einkommen schon beute das Maximum nahezu erreicht, allgemeine Ui^nfrieden- beit, Verstimmung und Ratlosigkeit ist die Signatur des siegreichen Englands."
England Hal also ein Interesse an einem schleunigen Frieden. Wir wollen hoffen, daß in diesem Geiste die Verhandlungen in Versailles geführt werden können!
Die neue Antwort $od)s an die deutsche Regierung.
Berlin, 23. April. (WTB.) In der Antwort des Marschalls Foch aus das deutsche Telegramm vom 21. April heißt es: Die deutschen Delegiert e n können abreisen, wenn sie hierzu bereit sind, «re werden jedeBewegungsfrci hei t änr Ausführung ihrer Mission haben. Ebenso haben sie völlige Freiheit für telegraphisthe und telephonische Verbindung mit ihrer Regierung.
Wie das WTB. erfährt, werden die deutschen Delegierten und Pressevertreter am LLontag von Berlin aürcisen.
Die Entsendung der Unterhändler.
Berlin, 23. April. Zu dem Notenwechsel über die Entsendung der Unterhändler bemerkt die „Teusche Allgemine Zci hing", d.-.ß die erste Abtei.ung der deutschen Te legation, brr sich voraussichtlich 5—7 Presseoer tretet anschlicßen loerdtn, nicht abfahren soll, bo vor Clemencoau fick zu der deutschen ArUwort notc geäußert hat. Erfolgt eine zustimmende Ant wort, dann könnte die beiitfdx Friedeiiscibarbnui.?- vielleicht am 28. April abreisen, also frühestens am 1. Mai die in Paris aufgesetzten Friedens- bebingintgen in Empfang nehimm. Vor dem 2. Mai könnte man also in Berlin keinesfalls Kenntnis von dem Inhalt der feindlichen Barsch! äge haben. Stellt sich bei den ersten Bo sprechungen heraus, daß die Gegner die Absicht haben, in wirkliche ernsthafte Verhakungen ci* zutreten, bann soll sofort die zweite bcutfdfr Staffel uachgeMgen werden, zu der vor allen die 40 Sachverständigen des deutschen WirsHüfts lebens gehöveu. Tiefer würde sich der Rest der zugelassenen Pressevertreter anschtießen.
Lrcsscstimmen.
B e r l i n , 23. April. Wie der „V o r w ä r t s" schreibt, bleibt die Frage, ob Verhandlungs- ober Diktatfrieden, vorläufig ungeklärt. Man lönne hö<t- stens sagen, daß durch die zweite Note ClemenccauS ein erster fleiner Schritt zum Verhanolungstifch gemacht worden sei. „Wir Sozialdemokraten vrv- ckaugen einen Fririen, der es uito ermöglicht, künftige Revanch g lüste erfolgreich zu belämp e<. Tem- fiyed Gebiet darf nicht wider feinen Willen unter fremde Herrschaft gebracht werden, und dem dcau- Ibcn Volke dürfen nicht Lasten auferlegt werden, unter denen es zufammenbr«hen muß."
Ter „93 e r L Lokalanzeiger" sdst-eibt: Wiederum wird nicht fiar zum Ausdiwck g bracf l, wie umfangreich die Vollmachten der alliierten Mächte sind, ob sie sich nur auf die Verhandlungen über die Ausführung beziehen ober ob sie auch zr Verhandlungen über den Inhalt ermächtigen.
Die „Kre u z zei t u n g" traut der Reichsregierung so viel Vernunft zu, daß sie fben Gedanken einer Volksabstimmung verwirft. Sie hat zu der Nationalversammlung das Vertrauen, daß sie selbst Manns genug ist, um eine starke Abtvehr gegen einen Getvaltfrieden zu bilden.
Der Friedeusausschnb der Rationalversammlung.
B e r l i n, 23. April. (WTB.) Die nächste Sitzung des Friedensausschusses derNatio - nalversammlu ng findet am 2. Mai in Berlin statt.
Graf Rantzau über einen wirtschaftlichen Ausgleich mit Frankreich.
Wien, 22. April. (WTB.) Reichsminister Graf Brockdorff-Rantzau erklärte bom Vertreter des „Neuen Wiener Tagblattes" zu ben Havrs- Berichten über das Schicksal des Saargebietes: Deutschland süße auf dem Ddson-Pvo- grxrmm, das nichts von Abstimmung ül'er Gebiete sage, deren Zugehörigkrit außer tot) ber Erörterung stehe. Er sehe keine Möglichkrit dafür, auch nur zu erwägen, ob das Saargebiet einer Kontrolle unterworfen werden solle, wovon Hovas spreche. Er sei aber bereit, die Frage eines wirtschaftlichen Ausgleichs mit Frankreich mit dem besten Willen zur Verständigung zu prüfen. In Beantwortung der Frage, ob die Politik der Entente unter benr Drucke des öffentlichen Gewissens in den Westländern ihre gefährliche Bahn nicht doch noch verlassen werde, wies Graf Brockdvrff darauf hin, daß die (riitertle trotz des Aickämpfens und Wühlens gegen den Anschluß Deutsch-Oesterreichs an Deutschland kein energisches „Nein" spreche, da offenbar auch die bitterste Feindschaft sich scheue, die unwiderstehlichen Triebkräfte des nationalen Gemeinschaftslebens zu vergewaltigen.
Eine neue Anbuahmevorschrift für Deutschland.
Amsterdam, 22. April. (WTB.) Nach einer Meldung des „fEdegraaf" aus Paris beschloß der Rat der Fünf in die Friedenspräliminarien erneu Artikel auszunehmen, der Deutschland die Entsendung militärisch er Missionen nach dem Ausland verbietet und den Deutschen untersagt, in auÄändifchen Armeen Dienste zu nehmen.
Die panser Ber<tfuwn.
Paris, 23. April. (WTB.) Havas. Diplomatische Lage. Die Führer ber Regierungen hielten am Dienstag zwei Sitzungen ab. An der ersten nahmen Lloyd George, Clemenceau und Orlando teil. Man befaßte sich in der ersten Sitzung mit einer UebgrgangÄöfung des Adriaproblems .Es wurde noch keinerlei Beschluß gefaßt. Wilson Lloyd George und Cle- m e n c e a u versammelten sich, um ixr Frage bezüglich Kiautschaus zu prüfen, wegen welcher eine chinesisch-japanische Meinungsverschiedenheit existiert. Japan fordert, daß dieses Problem vor Ankunft ber deutschen Delegierten gelöst werde. China fordert das Recht der Wicdcrbesetzung Kiautschaus und des Hafens von Tsingtau ohne Kompensationen als direkte Rückgabe von Dcutt'chland und als Kriegsbeute: China bestreitet Japan das Recht, düse Gebiete zu fordern ober irgendwelche Kompensationen dafür in Form von Konzessionen auf biefent Gebiete ob/r auf die in diesen Gebieten noch besteherrdsr deutschen Interessen zu erhalten.
In der Adriafrage noch keine Einigung erzielt.
Amsterdam, 23. April. Ein hiesiges Aachrichtenbureau jueübet aus Laris, daß
nach dem Journal" die italienischen Dcle gierten vorläufig allen Beratungen der Frie denskonferenz fernbleiben, da in der Adria frage nock) keine Einigung erzielt worden ist. Der Chef des franzöjffchen Marinestabes ist nach Rom abgcreist. i
WilfonS Haltung.
Paris, 21. April (WTB.) Reuter. Die Frage von Fiume hat jetzt eine kritische Gestalt angenommen. Wilson blieb dem Rat ber Vier fern unb beriet statt dessen mit ber amerikanischen Delegation, welche einstimmig beschloß, eine öffentliche Darstellung über den Gegenstand herauszugeben, wenn die Stockung den ganzen Tag anbauem werbe.
Amsterdam, 23. April. (WTB.) „Algem. Hmidelsblad" nuldet aus Paris, daß Wilson krinesfacks vor Eirde Mai nach Nordamerika zuriickreist.
Ein LeienfivbünvuiS gegen Deutschland?
Paris, 22. April. (WTB.) Reuter. Der R a t dj c r Acht, nämlich Wilson, Lloyd George, Elemeneeau, Orlando, Sonnino, Balfour, Pichon und Lansing, beriet die Frage üb rDalmatien; ood) wurde noch feine Lösung erreicht. Wie in iransöiifdjen Kreisen verlautet, macht der Plan eines Defensivbündnisses zwi chen Groß britaunien, Frankreich und den Vereinigten Staaten Fortschritte. Das Bündnis ist nur für die Rhcingegend anwendbar und sieht eine sofortige militärische Aktion zu Lande und zu Wasser vor in dem Falle, daß Deutschland den Jriedonsoettrag über die entmilitarisierte Zone östlich des Rheins breche.
Dem Rruter-Bureau wird berichtet, daß W i l- s o n auf Anfrage über seine Haltung gegenüber dem geplanten Verteidigungsbündnis zwischen (riiglcmb, Frankreich unb den Bereinigten Staaten erroiberre, er iverbe nichts unternehmen, lvas ben Völkerbunb gefährben könnte ober mit seinen Grundprinzipien im Widerspruch stände.
Die deutschen Interessen in Marokko.
Bern, 22. April. (WTB.) Die Pariser Ausgabe des „Daily Mail" veröffentlicht einen Bericht ih.es ^nferenzvertreters, wonach die deutschen Ansprüche auf Marokko im Friedensvertrag endgül- ttg ausgefchaltct und die Verträge von 1909 und 1911 urt-iiuliert werden sollen.
Co ialiftenkongreß itt Pari».
Paris, 21. April. (WTB.) HavaS. Ter Soziariften-Kongreß wurde am Montag eröffnet. Henberso n fvrberfce, baß der Friede ein Friede ber Gerechtigkeit unb nickst der Raffe sei. Wir verkennen, sagte er, die Opfer nicht, die Frankreich gebracht bat, wir lassen seiner Tapferkeit Gerech igfcit widerfahren, man darf jedoch dcac Sieg nicht mißbrauchen Ter frühere Präsident t>r Labvur Parly, VardH, gab eine dement-prech-mde Erk Lrung ab.
Paris, 23. April. (WTB.) Havas. Ter Sozialiftenkongreß besprach in seiner Nachtsitzung den Beitritt zur 3. Internationale. Es wurden mehrere Neben geha-tteu, barmr.er auch von Albert Thom aß, der entschloffen erllärte, er stimme weiter für die Kriegskredite, wenn die Umflände dies erforderten, denn der Krieg sei für Frankreich ein Krieg des Rechts unb der Freiheit g-wesen. Er gab der Hoffnung Aus- bruef, b>:ß das Abkommen mit mehreren Sefiionen der Internationale gegen ben BolsckM>ismus weiterdruem wird, wie bies in Bern geschah.
Ter Sozia»istenkongreß nahm mit 89 4 Stimmen eine Tagesorbnung an, in ber erklärt wird, man wolle in der 2. Internationale bleiben unter der Bedingung, baß sie gesäubert werde, unb baß diejenigen ausgestoßen werd-'u, die nur der Etikeste nach Sozialisten sind. Schließ! ich erzielte ein Antrag des Kienthalers £ o r io t, man solle der 3. Internationale Lenins bei treten, 270 Stimmen. — Ter Kongreß wurde um 4,/2 motg. geschlossen. Das angenommene Pragrrrmm wrdert, der Staat solle jene Gewinne an sich ziehen, die während des Krieges widerrechtlich gemach! worben fi:ii>, außerdem soll der Staat starke Steuern auf gebildete Kapitalien erheben unb fiskalische Monopole für Luxusgegen- ftQTtbe effcfuhren. Tas Eisenbahnwesen, die großen Transportunte'rnehmungen, Bergwerksuntrr- ncbmM*gen, Lebe^.sveriichcrungen ul'ro. socken durch ben ©taut, bie Departements und Gememden unter ber Kontrolle ber Verbraucher betrieben werden Was die sofortigen Reformen anbelangt, so sor- bert bie Partei bie Organisatton bet Arbeiter- sch.ft, bie Ve-meidung von Streiks durch £ fl i ti der r änd ung d di gu. gen, E . - tMce.u.ig 0. r Sozialversicherung für bie sran- zösischen und bie fremben Arbeiter, Herabfetzimg der Arbeitsstunben und Festsetzung rines Mindest- lohnes, den Schutz ber Mütter und Kinder unb Festlegung jedes Unterrichts in einem einzigen nationalen Bolksschulwcsen: der Unterricht soll frei unb obligatorisch [ein, Verbesserung der Woh- nungsbedingungen unb Organisation von Sport, Kunst usw.
Der 1. Mai für die Stadt Pari».
Paris, 21. April. (WTB.) Havas meldet: Ter Gemeinderat der Stabt Paris nahm angesichts bes Sieges der Alliierten ben 1. Mai 1919 als Feiertag au.
Troelftra über Revolution und Friede.
A m st e r d a m , 21. April. (WTB.) In einer in Arnheim abgehaltenen Konferenz der belgischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei hielt Troelftra eine Rede, in der er ben Bolschewismus verwarf. Komme in Hol- lanb eine Revolution, so müsse sie ohne A.-. unb S.-Rate, ab« mit einem fefteu .Sozialst-
sierungsprogramm durch'geführt n«erben und ne.be« aem polittschen ein wirtschaftliches Parlament zeitigen, in dem alle Gruppen und Betriebe wirksam vertreten seien. Zur Pariser Konferenz sagte er, die Entente vergrößere bie Aussichten auf etne Revolution in Westeuropa. Er protestierte gegen ben Gewaltfrieden der Entente^ ber schlimmer sei als ber Triebe, ben fin Siegt Deutschlands zur Folge gehabt hätte.. Der Völkerbund werde zur Karckatur gemacht. Dic Feinde der Entente würden wirtschaftlich vemickstet. Was in Paris zusammengeflickt werde, sei ein Hohn aus Friede, Völkerbund und Abrüstung. Es mstffe eine starke Bewegung gegen die Handlungsweffe der ^utente entstcl^n, damit der Friede aus svziali- fti|d)er Grundlage ruhen könne unb die Revolution nicht aus Rußland und Ungarn nach Westeuropa komme. Tie Unzufriedenheit in den Enten.e:ändern gehe twit über eine Lohnbewegung hinaus, fei poli- tischer Natur und beruhe auf der Fardemng nach Sozialisierung. Troelstta erklärte, Reformen müßten auf grsrtzlichcm b?mofralifd>cm Wege erreicht werben, selbst wenn dies zur Folge habe, baß die Gxreidjung ber politischen Macht um kurze Zeit verzögert werbe. Er warnte vor geistigem Zwang und wies zum Schluß jedes Zusammemviicken mit ben Kommunisten in den Niäerlandcn zurück.
Der tschescho-slowakische $elöjug gegen Ungarn.
Wien, 22. April. (WTB.) Korr.-Bureau. Ten Blättern zufolge wurde der Grenzschutz Deutsch -Oesterreichs gegen Ungarn verstärkt um auf der Flucht besindlick)e ungarische Rote Gardisten, worunter sich zahlreiche ehemalige österreicknsd>e Volkswehrleu'.e bciinben,. aufzuhalten bzw. zu entwaffnen.
In bivlomati)d?en Kreisen verlautet, daß tschecho-ftvU'akische Truppen die Osscusive an ber Demarkationslinie ergriffen haben unb ber- i!s vor Waitzen, eine Stunbe von Bubapeft, stck--.ni. .
Berlin 24. April. Nach aus Ungarn xm- tvefsenbm Nachrichten soll ber Bolschewismus tu Budapest, jrivi bas „Berliner Tageblatt" meldet, .seinem Ende entgegen gehen. Ta der kommunistischen Regierung durch bas Vorrüden ber Rumänen unb Tschechr^Slv* roafen alle Hilfsnftttcj fehlen, burfte sie in sich zu- sammensallen. Gestern ist eine Entente-Kommission nach Budapest gefahren, um sich über die Lage zu unterrichten.
Vi« Lag« in Sayern.
Berlin, 23. April. Die militärischen Vorbereitungen gegen München sind nach verschiedenen Verlautbarungen im großen unb ganzen als beendigt anzusehen. Bevor zu einem entscheidenden Schlag gegen Müuckstn gedrittelt werden konnte, mußten die Angriffsttuppeu sid) die Rückenjreiheit sichern. .Da in Augsburg Spartakus sein Haupt wieder erhob, war eine mititäriidje Besetzung ber Stadt unumgänglich notwendig. Die Vermutung, daß den Münchener Spartakisten militärisch geschulte Führe r zur Verfügung stehen, scheint s.ch zu l-estäligen. Dem „Berl. Tagebl." werden sechs aktive Difi* ziere namentlich genannt. Tie Kruppwerke bei Freimann nördlich Münch?n sollen von den Spartakisten fesiungsartig ausgebaut worden sein. Nack) bemfelten Blatt fälschten der Volksbeauftragte der Finanzen unb fein Gehilfe, ber bekannte Bolschewist Axelrob, im großen Stil die bayerischen Banknoten und gaben für das beschlagnahmte Bargeld Gutscheine aus.
Augsburg, 23. April. (WTB.) Die- Sammlung der bayerischen Truppew u m M ü n ch e n vollzieht sich g'a t. Beim Eintreffen der Unterftützungen aus W ü r 11 e nv- b Cxt g, Baden, Hessen unb dem ü b r ig c n Reich wirb der Aufmarsch vollzogen sein. Irr Landshut ist die Lage ungeklärt. Rosenl-eim befindet sich in den Händen ber Spartakisten.
VkrleqllnqderNatioitalverlammlnnqnachBkrlin?
Ber 1 in, 23. April. Wie verschiedene Blätter berichten, schiim man sich vi Kreisen der RrichS- regrierung jetzt schlüssig über die NolwendigLil gervordsn zu sein, die N a 11 o n a I ö e r \ a m nt - lung baldmöglichst von Weimar nach Berlin zurückzuverlegen, und zwar unmittelbar nach ber zu erwartenden größeren Sommerpause.
Tie Bildung der dentschen Rcidismehr.
Berlin, 24. April. (Priv.-Tel.) Nach der „Voss. Ztg." wird die Bildung Der neuendcutschcn Reichswehr im Juli' beendet sein. Die bisherigen Tcuppenoerbäude, soweit sie noch bestehen, werden zu einem gewissen Zeitpunkt aufgelöst, ebenso das große Hauptquartier in Kolberg anfangs Juli.
Ve!«gernntzrzvft^d fiber Hamburg, Altona unö Vandrbek.
Hamburg. 23. April. (WTB.) Im Einvernehmen mit dem Senat der Freien und Han.fa- stabt Hamburg sowie ben Magistraten ver Städte Altona unb Wandsbek ist der Belagerung 5 - zustand über Hamburg, Altona unb Wandsbek verhängt worden. Tie Volkswehö und Polizeimaimschasten erhiettm strengsten Be-: feU, Personen, die mit Waffen in bet Hemd! beim Plündern oder im Kamme mit ber DolkS-^ wehr ober Polizeimaunschast betroffen werden, auf der Stelle zu erschießen.
Hamburg, 23. April. (WTB.) Zu s ch w e - ren Ausschreitungen (am es gestern auf St. Pauli und in Eimsbüttel. Der Mok überfiel Vorübergehende, raubte ihnen Geld uns Wertsachen. Außerdem bemächtigte er s.ch zweier Kraftivagi'u des Sicherheitsdienstes und nahm Be-, amten der Polizeiwachen die Waise» iveg. (rin. Sturm auf die Kaserne in der BnndeLstraße untere


