Ausgabe 
24.2.1919
 
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Ar. 46

Ter 6kfj<n<r InjtbjCT erscheint täglich, außer Sonntag?. - Beilaaen: L ietzencr Zami l ienblätter;

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Montag, 24 §ebruar sysy

Erstes Blatt

169. Jahrgang

Zunahme von rinzcigen j. die ^.agesmiHiinec biä zum Nachmittag vorher ohuejedeBerbindlichkett

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sür ö r t l i ch e "Anzeigen 25 lii.Jür auswärtige 30 Äi., für Reklamen Mk.l.-nebst 20°,Teue- runas-nschlag;PlaNvor- schriil 20 % Ausschlag. Hauvtschri'tleiter: 9lufl. 6>oeh Verantivortlich für Politik: '2hig. Woetj. für den übrigen Lei l: Dr. Reinholo Zenz; für den Anzcigenteü: v. Beck; sämtlich in Gießen

Gietzener Anzeiger ää. General-Anzeiger fir Gberhesien divilfingsntnbörud u. Verlag: Vrühl'sche Unio.-Vuch- u. Ztemdruckerei R. Lanze. Zchriftleitung, Geschastrstelle n. Druckerei- Zchulftt 7.

nnttvgs 10 Uhr statt.

Ile Bauten unb großer, republikanischen Sck>utz-

glcichfalls euren Aufruf, in dem sie mitteilen, daß sie den Schritt der badischen Regierung Mer die

Berlin, 23. Febr. (WB.) Enrem Privat- tdegranun der ,,Fr>nch.'it" aus München znjvlge W die Kommission zur Wiederfenstell:

Sinheir unter den sozial '

tägigen .Generalstreik proklamiert^ ver­halt sich aber durchaus rühig und wird Montag dir Arbeit wieder aufnehmeir. Auf Plünderungen ist Todesstrafe gesetzt. Alle Sanft Hotels werden von der republikn

luadje zu ihrer Sicherheit bewaflL. Deute vor­mittag 11 Uhr findet eine gemeinsame Sitzung des neugebildeten Zerrtral-LSollzu^vats mit dem Ministerrat statt, in der über die Neubildung r iner R e gicrung verhandelt werden soll. Dir Bevölkerung ist von den letzten Ereignissen wohl sehr erregt; es fanden große Versammlungen statt, voch kan: es nirgends zu größeren Ausschreitungen oder GewalttLligfttten. Wle dahingehenden Mel­dungen sind erfunden. Die Beisetzung Äurt Eis­ners findet am Mittwoch, den 26. Februar, Vor­

einer .Gemeinschaft zusMmnenschließen aufgrund wlAmden Progranrins: Ti: Ar btt.-er-, Soidaien- mti> Baueriträte werdest durch bi: Verfassung an­erkannt. Ilwe Mit glieder geniefcn Immuni - tüt. Dem Mmisterrat wird je ent Abg>ordnete: der Arbci er-, Soldaten- urti) Bauernrö.e mit bc ratender Stimme be;g geben. Unter Bcibe^.lttmg der im Amt verbliebenen Minister soll ein s o - z i al i st i s che s M i n i stcriu m g bl'tei w rden, dem das Landwirtschaftsmir.isterr.:nt auS den Stic.- sen fes Bauernbwid.es ang.-g'!totert wird. Tiefes Ministerium wird dis zur Verabschi dmg der Ve.- fassimg durch di-: BoOsvertreitl g de Ncgierungs- gffchäste ausüben. Ter Landtag wird, lobald e. bv: VerlKlinisse an tot reit, w edec einberufen. Das jetzt» nock) stellende Militär wird underzüMich enb lassen und <tn .dessen Stelle die republikanisch« Schutzwehr ansgebaut werden. Tie Preßfreiheit Wirb grundsätzlich wiederhergestellt. Die Presse bat jebod) bis zur "Rückkehr geordneter Zuschuß alles zu unterlassen, was geeignet ist, die.Einheit des .Volkes zu stören in© den Jkuberfrieg zu fördern.

Berlin, 22. Febr. Privattclegramm. Nach privaten Meldungen aus München ist dort die Diktatur der Räte errichtet worden. Das Kollegium besieht aus 11 Mitgliedern der drei sozialistischen Gruppen. Au der Spitze, der Unablmngiigen steht Säubert, an der Spi'e der .Konummisten Levin, an der Spitze der Mehrfeitssozialisten Nockisch. Dieses Kollegium soll, wie es heißt, auf 50 Mann erweitert wer­den. Tiefe 50 Mann sollen die eigentliche In­haber der Regiermrgsgewalt sein; außerdem soll noch ein Ministerium gebildet werden. Minisüer Timm ist abgesetzt worden.

Unruhen in Augsburg.

Augsburg, 22. Febr. Wie wir fefern nrel- deteit, begannen gestern abend größere llnruhan in Augsburg denen zuerst die bürgerlichen Zei­tungen zum Opfer fielen. Die Unruhen dauerten die ganze Nacht hindurch. U. a. wurden zah!reiel)e Zigarren- und Lebensmittelgeschäfte in fen Haupt­straßen der inneren Stadt vollständig ausge­plündert. Tie Polizeibirektion wurde gestürmt imd die Polizeibeamten mußten in das Rathaus flüchten, wobei Mißhandlungen tortanten. Die iDlenge zog sodann zum Gefängnis Kotzenstsfel und befreite die Insassen. Aus dem Justiz gebäude wurde ein großer Teil der Stiften hcransgeliiolt und auf der Straße verbrannt. Heute ist über Augs­burg das Standrecht proklamiert worden. Jede Ansammlung wird mit Gewalt unterdrückt.

Augsburg, 22. Febr. (WTB.) AuS Anlaß der Ermordung Eisners kam es gestern abend im Innern der Stadt zu großen Demonstrationen, und schweren Ausschreitungen, die sich die ganze Nacht hindurch fortsetzten. In den bürgerlichen Zeitungen wurde alles kurz und klein geschSagen, außerdem wintden namentlich in der Bürgerm'eister- Fischer-Stvaß tin Z n.rum fer Stadt in -ahireich n Geschäften die Fenster eingesch-a>ien und di: Läden zum Teil ausgeraubt. Nach dieser Tat zog der Trupp zum Vollstreckungsgefängnis, befreite die Strafgefangenen und vernichtete die erceicbbireit Akten. Von hier aus Imrrbc der Flügel der ivrcis- regieruttg hnmgesuchtt, in welcl-em der Präsidcitt feine Arl>eitsrüume ibat. Die dort befindliche Po- lizeiabteilung sckwß aus die (Siribdiiglinge. Der Straßenbahnverkehr wurde irm 8 Uhr abends ein­gestellt. Abteilungen der Cfevaurlegers säuberten zu Pferde und mit eingelegten Lanzen die Stra- fcn. Trotzdem kam es nach 9 Uhr zu cmeiiteir Ansammlungen. Als einer der Anfruhrführer in der Bürgermeister-Fiscl>cr-Straße feir Revolver zog imb schuß, säuberten Mattiostntrupps, die die Ausrechterhaltturg der Ordnung übernommen bat­ten, mit gezogenem Seitengewehr die Straßen, die sich bald leerten. Bor dem Polizeigebäude kam es wiederholt zu großen Ansammlungen, so daß wiederum berittene Truppen einschreiten mußten. Staudpvsten in dm Verkehrsstraßen, starke Wachen an den .Hauptverkehrs pimkten und reitende Abtei­lungen übentohmen den Schatz der Stadt für den Rest der Nacht. Bei der nächtlichen SäMrßerei und den Zusammenstößen gab es eine Anzahl Toter und Schwervenv-undeler, deren Zahl noch picht seststieht. Heute morgen wurde über Augs- lurg der Belagerungszustand verhängt.

IN einer Bekanntmachmg fordert der Ar­beiter- und Soldatenrat zur Wahrung von Ruhe und Ordnung ornb zur Vermeidung von Zusam­menrottungen auf. Im Lause des Vormittags erschienen Flieger über der Stadt und warfen ein von der foziadfemvkratischen Partei 9Cu££burg, der Unabhängigen und Gcwerlsck»astspartei und dem- Garniwiikommandant intterzeichretes Flug­blatt in .'Massen herab, worin zu einem Temon- strationszug und M Ruhe und Ordnung aufge- fordert wurde.

Belagtnmgs3uftanö. in Baten.

Karlsruhe, 22. F^r. (Priv.-Tel.) Am Sonntag frsth nftrd in aßen Gem-rnden eine Pro- Äamatron der badischen vorlüufig:n VioWregie- rung öffentlich befnrattgegeben werden, in der mit- gtteilt wird, daß in Mannheim auf Betreiben spart« kistischtt und bvksch^vistischrr (fiemerrie Un* ndjen /rusgchrvchm find, an fenen wmbhängige Lr^ialbrmvtraten sich beteiligt haben. Tiefe haben Gewalt g?braucht. Dir vorläufige Regierung gibt bekannt, daß sie das badische Volk vor einer Sckincckensherrschaft besckmtzen müsse TeSl«ß> er­klärt siedenBelagerungszustandfürdie Republik Baden.

Tie demokratische Partei, die Zentnrmspartei und die sozialdemokratische Partei veröfsentlichen

iederl^rstellung der Erklanmg des BAag:rrr!tg<-%iist-mdes li ügen und listischon Par- gcsclflossen hinter der vorlausigen Voltsregierung i^eien urrter Verurteilung des politischen Mordes stellen. Auch die LandeszentrÄe der Arbertcr-, vrslsmmig beschlossen, daß die Parteien sich zu I Bauern-, und Voli'sräte, sowie oer LemdesaMchuß

Vie Lage in Bayern.

Die weiteren Vorgänge in Münck)en' sind insoweit befriedigend, als kein Blut mehr ge­flossen ist. Die Ermordtlng Eisners hat jedoch die erwarteteReaktion zur Folge gehabt, eine Reaktion nach links! Zuerst schien es, als Jjätte die polternde Dtiirderheit in Mün­chen die Räterepublik ausgerufen, und in der Tat hat eine Versammlung der Arbeiter-, Banern- und Soldatenräte einen dahin gehen­den Beschluß gefaßt. Es wird nichts so heiß aegesseitz wie es gekocht wird. In der Ver­sammlung war u. a. mitgetcilt worden, Ebert itnb Scherdemann hätten die Beziehungen zu Bayern gelöst, es beständeKriegszustand". Daran war kein wahres Wort. Inzwischen haben sich die beiden sozialdemokratischen Richtungen in München im Ernst der Lage zusammengefnnden und ein sozialistisches Ministerium gebildet, wobei der Mehrheits­sozialist Hoffmann das Präsidium und das Kultusministerium übernehmen soll. Der linksdemokratische Verk.hrsmmi'er von Frauendorfer, der Mehrheitssozialist Justizminister Timm, sowie die beiden Un­abhängigen, ^inanzminister Jaffe und Mi­nister für soziale Fürsorge Unterleitner werden nach derFrkfr. Ztg." sämtlich im Amte bleiben, ebenso der an seinen Wunden schwer darnicderliegende Mehrheitssozialist Minister des Innern Auer, dessen Amt je­doch bis auf weiteres von dem mehrheitssozia­listischen Abgeordneten, bisherigen Staats- kommissar für Demobilmachung, Segitz, ver­waltet iverden soll. Für das Ministerium des Aeußern komme der bayerische Gesandte in Bern, Professor Friedrich Wilhelm Förster in Frage. Es soll außerdem ein Ministerium für Landwirtschaft neu geschaffen und dem bauernbündlerischen Abgeordneten Dirr übertragen werden.

Es wird sich nun fragen, ob dieses Mnisterium ettva ein dauerndes bleibt oder ob die Volkskammer, die angeblich wie­der einberufen wird, die Verfassungsfrage in die Hand nimmt, wonach ein sozialdemo­kratisches Kabinett keine Daseinsberechtigung mehr hätte. Denn die Sozialdemokraten sind bekanntlich nach den Wahlen in Bayern stark in der Minderheit. Ob sich die Spartakisten beruhigen werden, steht auch noch nicht fest. Sie haben ihren Lieb­knecht in der Person eines aus Moskau zu­gewanderten Dr. Levien, der offenbar den Platz an Eisners Stelle erstrebt. Hoffentlich wird ihm das Handwerk bald gelegt!

München, 22. Febr. Gestern abend zogen etwa 200 Soldaten und Zivilisten gegen das Rc- gina-Palasthotel, um es zu stürmen, da sie unter den Gästen Freunde des Grafen Arro-Valley ver­muteten, der dort verkehrt bitte. Das Hotel war aber schon seit dem Nachnrittag, ohne daß bie '?lnrii(fcnbnt es wußten, von Kommuinisten besetzt. Deren Rufe wmbcn nicht verstanden, und es be­gann ein regelrechter Feuerangriff auf das Hotel, der von den Kommunisten erwidert wurde. Es gab dabei drei Tote und 16 Verlmrndete. Die immer stärker anwach-sende Menscheumasse zog nun zum Generalkommando, wo man ebenfalls Offi­ziere vermutete. 'Auch hier kam es zu einer leb- biften Schießerei, wobei eine Reiche von Manschen verwundet wurde. Tes d-achls zogen plündernde Banden durch verschiedene Stadtteile, benen repiv- dliianische Wachen verschiedene Feuergesochte lie­ferten. Es wurden zahlreich« Verhvftimgen in der Nacht tiorgeiuntmcn. Heute früh ist das Bild »er Stadt verhältnismäßig ruhig, und der Eisen- lmhnverkeh'r ist seit 4 Uhr morgens wieder in voller Ordnung.

Mün che n, 22. .FÄr. (WTB.) Die Korre­spondenz Hoffmann meldet ^amtlich: Scherde­mann bat in der Nationalversammlung in Wei^ mar mitgetrilt, daß in München der Bürger­krieg ansgebrochm fei. Diese Mitteilung entbehrt jeder (bcintblage. Die Münchmier Zeitungen sind vorläuftg besetzt, um Demolierungen zu verhüten, bis die Regierung über weiteres beschließt. Dir Minickener Arbeiterschaft I>at einen drei-

der Soldatenräte erlassen eine Kundg.'brcng an das badisch: Volk, in der u. a. gesagt wird, daß es jetzt gelte, das fei Beginn der Revvllttion gegebene Wort einzulösen, d. h. in ruhiger Arbeit ben iozialistiich-demokratischneit Volksstoat mifyibaium. ,,Mt allem Nachdruck stemmen wir uns," so heiß: es in der Veröffeittlichung.gegen jeden Putsch versuch, von welche Seite er immer komme :;Löge." Völliges Einverslättdnis zwisckZen den allein pusschagpebenden Jaffvren der Regienmg, tt'r Landeszentrale der Arbi'erröte, sowie dem 2? andesmsschnß Goibateicrätc i14i.1t b e er Frage h:r gestellt,

M a n n h e i nt, 22. Febr. Auf dem Friedrich platz fand hatte nachmittag eine von den Kom­munisten v>rans!xL.e!e Tenwitstvation zum Tode Eisners statt, an der mich zalüreich Vtehrhcits- wzialdemokratat teilnahmen, deren Redner aber niefergeschrien 'wurden. Die Demonstranten ver­langten die sofortige Eiitrü.bttmg cmcr Räterepu­blik. Nach Schluß der Rcdim zogen die Tcmvtt- stranten, die yim Teil fenxiffnet itarnt, durch die Stadt. Nack den Temvitstrationeu zogen starke Trupps in die Stadt, erbrachen dieGe^f an g- nisse und setzten die (Mangonen in Freiheit. In dem O^ertchtsgebäude wurden die Acten und Schreibmaschnnt K-.im Fensto. h wuisg wor'eu und auf den Sttaßeit g oße Sch.'irerhausen angrzimdel. Tas Theater nrxfete die Abendrorslelluiig aus­fällen lassen, da die TemMtstrauteit mit gewalt­samer Räumung drohten. (F. Z.)

Karlsruhe, 23. Febr. Da der heutige Tag in Baden mit Ausnahme von Mannheim ruhig ver­laufen ist, hat sich die Regierung entschlossen, den Belagerungs. ustand aufzuheben, der nur noch für Mannheim gilt. Gleichzeitig wird die nach Nordbaden und Pforzheim bestehende Eiscnbahnsperre am Montag früh wiederaufgehoben werden.

Die neue braunschweigische Negierung.

Braunschweig, 22. Febr. (WTB.) 3n der Sitzung der Landesversammlung wurde die Re­gierung neu besetzt. Sie besteht nach wie vor aus acht Volkskommissaren, die je zur Hälfte von Unabhängigen und Nechtssozialisten gestellt werden, darunter von den Unabhängigen der bis­herige Volkskommissar Oerter, von den Nechts­sozialisten Antrick und Dr. Jasper. Die Wahl der Vorsitzenden wird den Dotksbeauftragten selbst über­lassen, ebenso die Verteilung der Geschäfte unter­einander.

Eia erfolgreicher Gcgenstreik.

Eisenach, 22. Febr. Der Generalstreik der Arbeiter ist tntrch einen kraftvollen Gegnt- streik bet gesamten Bürgerschaft nieder ge -> rungen. Die Forderungen der SBürgerfdxtft be* treffend Umgestaltung des Arbeitervats auf ge­setzlicher Grundlage der Wachkompanie und Waffenabgabe werden durchgeführt.

Vas <Znbe öcs Generalstreik; im Industriegebiet.

Münster, 22. Febr. (WB.) Das GeneralKom- mando teilt mit: Die gestrige Sitzung der Arbeiter- und Soldatenräte des llndusttiegebietes nahm die Waffenstillstandsbcdingungen des Generalkommandos an Degen wesentliche Punkte sind: Sofortige Gin- stellung des Generalstreiks, Abgabe der Waffen, ungehinderte Arbeit der Militär- und Iivilbehörden, sowie Preffefteiheit. (Es bleibt abzuwarten, inwieweit Spartakus, besonders auch in Düsseldorf, diese Be- dingungen erfüllt. Die Regierungstruppen stehen jedenfalls bereit, im Industriegebiet einzumarschieren, falls die Bedingungen nicht restlos durchgeführt wer­den. Die Regierung ist fest entschloffen, nicht auf dem halben Wege stehen zu bleiben, sondern unter allen Umständen im Industriegebiet auch für die Zukunft Ordnung zu schaffen.

Düsseldorf, 23. Febr. (DB/> Nach etner BekamttMKchnng des Voltzngsrntes wird der Ge­neralstreik auch für Düsseldorf für aufgehoben erklärt. Der Betrieb des Fern- sprechanttos ruht immer noch. Zwar soll sich der Ar btt ter- und Soldatenrat bereiterklärt haben, ferne Laute aus dem Fenffprecixnnte zurückzutzieferr, aber mir unter der Bedingung, daß ihm giteittct wird, den Fernsprechverkehr von einigen.seiner Beauf­tragten kvlttrvllieren zu lassen, insbesondere die Gespräche mit dem GenerakklommMtdo in Münster imb anderen militärisckren Stellen. Die Beamten- sclmft verharrt txigrg-en auf fern Standpunkte, daß fremde, nicht zur Amtsverschwiegmheit verpflick/- tete Personell jur Ucbetrottdnnigi imb Vermittlung von Gesprächen nicht ybntoct tnrben fijimen, weil dadurch ter ordnungsmäßige Betrieb unmöglich gmracht Untb. Ter Vollzugsr-at des Düsseidvrfer Arbttterrats gefixtto."te das Wicdererschemeit der bürgerlichen 3eianrgen in Düsseldorf. Die Wachen in den Druckereien linb zurückg^ogen wordeil.

Bottrop, 23. Febr. (WB.) .Heute vor­mittag ist dcls westfä lische Freiwilligen- korps Lichtschlag hier einge-ogen. Tie Stadt ist vvllstäitdig in der Hand der Regierungs- truppen. Bis nattimittagZ 5 Uhr sind von der Bürgerschaft sänttliche Waffen ob&ulitfem.

Dic Unrufien in Houan.

** Hanau, 22. Febr. In Hanau sind Militär-, Gendarmerie- und Polizeitruppen unausgesetzt weiter mit Haussuchungen und Festnahmen beschäftigt. Bis jetzt wurden etwa 60 Personen in Haft gebracht, in der großen Mehrzahl Leute, bei denen man gestohlene und geplünderte Sachen gefunden hatte. Aber auch eine Anzahl stark verdächtiger Spartakisten sind feft- genommen worden und es ist bezeichnend, daß viele von ihnen in feiger Weise ihre Genoffcn preisgegeben haben. Durch ihre Denunziationen ist nunmehr festgestellt worden, daß die Regierungs- truppen bei ihrem Anmarsch im Bruchköbeler Wald aus dem Hinterhalt beschossen werden soll­ten, nachdem man von der bevorstehenden Besetzung Hanaus Wind bekommen hatte. In der Rächt zum 22. Februar hatten Snartakisten zu diesem Zwecke

eine Versammlung, wobei der Ueberfallsplan be­schlossen wurde. Man wollte zur Unterstützung Spartakisten, namentlich aus den umliegenden Ort­schaften, besonders aus Langenselbold, aber auch aus Frankfurt a. M. heranziehen. Inzwischen aber hatten die Regierungsttuppen, die man noch nicht errettete, Hanau erreicht und in Verfolgung des vorher genau festgelegten Plans im Handumdrehen besetzt. Der geistige Urheber des Ueberfallplans, S ch'n e Ubach er, flüchtete, wurde aber noch im Laufe des Samstag vormittag in Dörnigheim ver. haftet. Dr. Wagner und Schwind sind ebenfalls ver­haftet, dagegen konnte Hammer noch nicht ermittelt werden. Vier Maschinengewehre, die bei dem Ueberfall in Tätigkeit treten sollten, holte man aus einem Keller. Bemerkenswert ist, daß man bei einer Haus- suchung bei einer Frau 25 Patronen fand, die zu Durn-Durngeschossen verarbeitet waren. In einer Privatwohnung fand man eine ganze Kiste mit Handgran aten.

Von den geplünderten Lebensmitteln fan, den sich in einzelnen Haushaltungen besonders groß« Mengen. So in einer Familie drei Fässer Butter,, in einem Hof unter oem Mist verdeckt eine Kiste Nudeln. (Ein Mann hatte sich mit den gestohlenen Brotmarken 65 Laib Brot aufgestapelt usw. An­dere drangen in die Läden und verlangten Mengen von Lebensmitteln, die sie auch von den verängstig­ten Geschäftsleuten erhielten.

Bisher sind keinerlei Ruhestörungen vorge- kommen und die sttenge Absperrung des Paradeplatzes wurde heute wesentlich gemildert. Auch die Garnison- truppen in ihrer überwiegenden Mehrheit sind mit dem (Eintreffen der Regierungsttuppen einverstanden.

Der Kommandeur der Besatzungs. truppen macht durch Maueranschlag bekannt:

Ich verwarne die Bevölkerung Hanaus, die morgen stattfindende Beisetzung der bei den Unruhen am 19. Februar Gefallenen zu Demonstrationszwecken benutzen zu wollen. Zu der Beisetzung werden in jedem einzelnen Falle höchstens hundert Personen zugelaffen.

Churchill über die künftige Politik.

London, 22. Febr. (WTB.) Reuter. In einer auf einem Bankett ju Ehren des Geburts-« tages Washingtons gehaltenen Rede sagte C h u c * chill:Jeder, der zur Zeit das große Feld der rnenschilichen Kräfte überblickt, muß Über die alfe gemeine Lage in der Welt, besonders in Europa, besorgt sein. Die Sagt in Deutschland imb Ruß­land legt ben Lateinern und Mgeisachsen, btc ^augenblicklich die Führung der Weltgeschicke in den Händen haben, eine ungeheure und furchtbavö Berantnrorttmg auf. Man muß sehr vorsichtig sein, damit nicht die Kamevadscl>ast beziehungswerse die gemeinsame Gegnerschaft in Deutschland und Ruß­land in dem Hasse gegen Großbritannien und dir Vernnigten Staaten sich vereinigen. Dies roürbü sonst in wenigen Jahren zu einer neuen Lage in Europa fühoen, bie in sich alle Keime tragen' würde, die sich nach und nach zu der ungeheuren Katastrophe von 1914 zusammengefügt haben. Teutschiland muß, nachdem es die gebührende Wiv- berguttnachung geleistet hat und für seine Ver­brechen bestraft worden ist, in ben Stand gesetzt werden, ein Leben zu führen, das es mit seinem Lose und der veränderten Stellung in der Welt verföhnt, desgleichen Rußland, das dann ein Freund Gitoßbritamtiens unb der Vereinigten Staaten bleiben wirb.

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General Liman von Sander» in Anklageznftand versetzt.

Bern, 22. Febr. (WTB.) DerTeuws" meldet aus Konstantinopel: General Li­man von Sanders würfe in Aklagezu- stand versetzt, Mil er während des Krieges bei den armenischen und syrischen Maffakres eite füh­rende Rolle gespielt habe. Auch gegen verschiedene türkische Beamte soll in der gleichen 3adje An- flag>: erhoben werden. General Franchet D' E s p e r e y leabe bre'e Maßnahm.m sofort nach seiner Ankunft in Konstantinopel am letztest Sonn­tag angesrbnet.

Graf Brockdorff-Rantzau über die inter- nationafe Lage des -lrbeiterrechtS.

B c r t i Jt. 23. Febr. Ein Vertreter ter Agenee Centrale in Luzern hatte m Weimar eine Unter» rcbungi mit fern Reichsminister Grasen Vrottdorff- Rantzau. Tiefer teilte mit, daß das Reichsarbeits­amt unter Mitwirkung des Lliuswärtigeit Amtes unb sozial interessierter Kreise einen Entwurf ausgearbeitet hat, der den nvodxrmii icnd humanen Gedanken des Sozialismus txmferflidxn werde. Ter Entwurf enthält zunächst Vcstrinmuu- gen, die die Freizügigkeit der Arbefterschaft der ganzen elt durchfichrt und sick>ert. Tas Koa- wlitt^msreckft der/Arbeiter unb Ang-stellliM soll nicht mehr durch bie Staatsang:hör g eit feschränkt fein, sondern jedem in jedem S.aaie zu stehen. 5<nier soll jeder aitsländische Arfeiter in Lohn- und Arb:ilsfebingmtgen die gleidycn Vorteile ge­nießen, die der inländische Arfenter aufgrimb der Gelver ffchafisverträg»: mit den Arb. i'.gefem ge­nießt. Um den Zit- imb Abfluß der fremden Arfettsmassen nach sozialen Gesnlüspuntten zu regeln, wollen wir eine internationale Arbeüs- flatiftif begründen und durchsetzen, daß die Ltin> Werbung von Arbeitern int Widerspruch zn der (^ewerkschaftsbedingungen verlolen und bie Ein­wanderung so angenorbener Arbeiter unterlagt wird. Tie Bersichennug der Arbeiter gegen Mter imb Invalidität, gegen Krankheit und Betriebs­unfälle soll den Vertra^stoaten zur Pflicht gemacht werden. Ebenso ist eine Hinterbliebenen- und Mutterschaftsvenifl)enrng di^uü'Tcn und nLe so­zialpolittschen Gesetze sollet! auch mir die Heim­arbeit angenvnfet werden. Die mischndiscl-en Ar­beiter fntü während des Aufenthaltes im JnlmüH