Montag, 23. Juni 1919
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheßen)
Zweites Blatt
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MM fl. t,följtimg Ccheidemann zu Gründe gelegen hat.
3 Tie Nrickisregierung kann; mir zu gut verstehen.
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cünt kann, aber sie weiß ebenso, das; fte. vor i< und Geschichte nur eine wahrhafte Rechtfertr- sie rückhaltslos
Der Doppelgänger.
Roman von EarlSchüler.
Fortsetzung Nr. 47.
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erzähle. Nein, bitte, Vater, lach nicht darüber. Tas muht du mir versprechen!"
Meutiingen, die darauf schließen heF»n. daher dich sehr verändert fand. Ich hatte ^hcr nicht der mf geachtet. Ich habe andere Linge-irn Kops, -iz den Launen kleiner Mädchen nack^uspuren. 8bar jetzt merke ich selbst, daß bei dir etwas ti£)t in Ordnung ist. Ich wUl wiisen, wo es fehlt, kaum nur mit."
„Sitte, lieber Vater, quäle nnch nicht mit Sogen. Mir .fehlt gar nicht?. Laß mich zu
Er betrachtete sie mit besorgtem Blick. Tas kksichtchen war schmaler geworden, um die Augen [rtte sich ein dunkler Schein gelegt, und um den Kund lag ein eigener stiller Zug. „
Er ergriff ihre $>trnb.
„Kindäxn," sagte er.,,.Mama hat mir zwar cufgetragen, dich bei Herpich abzuietzen, ich nehme dich aber erst mal mit herauf zu mir.
„Wesl-alb, Vater?" frqgtc Ruth.
„Tas werde ich dir oben bei mir sagen. .
.Tn machst mich neugierig 5)ast du eine
'>" Ruth zwang sich zu
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Deutsche Nationalversammlung.
Sitzung vom 22. Juni 1919.
Da? L>aus ist stark besetzt. Tie Tribünen
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veuyich fahren!" .
.Nachkur. Erst kommst du mit mir! ent- föwb sein kurz der Konsul, jede weitere Einrede EMN seine Anordnung abschnridend. Er gab dem ilchver die .Weisung, nach dem Bureau in der -«wch-enslras-e ?,n fahren, und kurz daraus hielt big Auw out dem großen Tor, über dem das Wsulatjchild der Repub.ik C-ostalinda hing.
tm.Heinlgtnmobio rfolgtin lürMZi
Tie Zeit der Erwägimgen und Mwägun-
yn ist vorüber. Tie Stunde des Handelns ist ge- jmnten und damit .die Stunde der Verant- ortung. An dieser Verantwortung trägt leder m ihnen sein Teil. Tie RrickBregierung ist sich
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♦* Amtliche Personalnachrichten. Dem besoldeten Beigeordneten der Stadt Offenbach am Main Ernst Weil wurde der Titel „Bürger« meister" verliehen. — Der Kreisamtmann bei dem Kreisamt Worms Karl Albert Weber wurde zum ständigen Hilfsarbeiter im Ministerium des Innern unter Verleihung des Amtstitels „Rcgierungsrat", die Regierungsassessoren Dr. Karl A h l aus Mainz land Gustav Emil Di11mar aus Gießen *u Kreisamtmännem — sämtlich vom 1. Juni 1919 an —, der Dipl.-Jng. Ernst Ä l b r e ch t zu Darmstadt zum Maschineningenieur bei der Dampfkessel- inspektion, durch Entschließung .des Landesamtes für das Vildungsloesen vom 11. Juni 1919 Lehr- amtsreferendar Erich Schmidt zu Gießen zum Lehramtsassessor und der Lehramtsassessor Herbert Hoelzcr ans Mainz zum Oberlehrer an der Höheren Mädchenschule und dem Lehrerinnenseminar zu Mainz ernannt, — dem Lehrer Karl Becker zu Sellnrod wurde die Lehrerstelle an der Volksschule zu Lardenbach, Kreis (Schotten, übertragen. — Der Hauptlehrer an der Kunstgewerbeschule zu Mainz Anton Huber wurde auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt. — Erledigt sind: eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Ober- Ohmen, Kreis Alsfeld. Mit ihr ist Organisten und Lektorendienst verbunden: die mit einem evan seelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle au § er- chenhain, Kreis Schotten. Mit ihr ist Orga- niftendienst verbunden. Dem Inhaber der Stelle kann eine Ortszulage bewilligt werden; eine Lehreisdelle an der evangelischen Schule zu Lindenfels, Kreis Bensheimj, und 22 Schulstellen an der Volksschule zu Darmstadt, die wie folgt besetzt werden sollen: 4 Stellen mit evangelischen Lehrern, 8 Stellen mit kath. Lehrern, 1 SleA mu einem israel. Lehrer, 5 Stellen mit evangel. 2-e'qte* rinnen, 3 Stellen mit kath. Lchrerinnen, 1 Stelle mit einer israel. Lehrerin.
** Wie sich die Zeilen geändert haben erhellt am treffendsten aus folgendem Beispiel: Die neurologische Universitätsklinik in Frankfurt a. M. sucht einen Assistenzarzt mit abgeschlossener Bildung, also einen Mann, der mindestens 10 Jahre studiert haben muß und sicher 30 Jahre alt ist. Sie bietet diesem Manu den Riesengehalt von 2400 Mk. im ersten Jahre. Ein 18jübriger Hilfsarbeiter in der Gasfabrik in Frankfurt, der nichts gelernt hat, verdient jährlich mindestens 4500 Mk., ein Schriftsetzer, der seine Lehre beendet hat, wöchentlich mindestens 104 Mk Die Zeiten sind für die gelehrten Berufe schlechr geworden und mancher Straßenkehrer verdieni heutzutage mehr, wie ein junger, strebsamer Arzt
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Präsident iFehrcnbach: Es find zwei Anträge eingegangen. Tcr erste Antrag Schulz (Soz.) .mü> Gröber (Zentr.): Tie Norional- versammlung billigt die Erklärung der Regierung und spricht ihr das Vertrauen aus. Der zweite Antrag: Tue Raiionalversammlung billigt die Haltung her Regierung in Der amerümiischen Frage der UnterzeickpiMig des FrüdenSveriroges.
Nach den Ausführungen der Fraktionsrcdner werden die beiden Anträge nach bet bereits gemeldeten Llbstimmung angenommen. Nächste Sitzung Montag den 23. Juni, 2 Uhr. Tagesordnung: Interpellationen. Schluß 44/4 Uhr.
Eine weitere Regierungsvorlage betrifft Die Fürsorge für die aus den besetzten Gebieten, insbesondere aus Elsaß-Lothrmgen vertriebenen Deutschen, reib. Uebernahme von 40 Prozent der durch die Fürsorge des Roten Kreuzes auf Hessen entfallenden Kosten. In der Vorlage wird die Organisation, die Art der Unterstützung, die Ausbringung der Mittel, sowie die Höhe der Kosten eingehend klargelegt und mitgctcilt, daß das Rote Kreuz endgültig 20 Prozent und das Reich 40 Prozent der Kosten übernimmt, im Falle die Bundesstaaten die resllichen 40 Prozent übernehmen. Ter Hi.fr-ausschuß für Hessen ist fdjon in Tätigkeit und rechnet man für Hessen mit einem Betrag von 30 000 Mk.
Die Abgg. Reiber und Gen. haben der Volkskammer eine Anftage zügel,xm lassen, in wel- ckwr sie um Auskunft bitten, ob der Regierung bekannt sei, daß die französischen Behörden im besetzten Gebiet von allen Eiuwbhnern, die von der beiitl'cben Heeresverwaltung Pferde in der Zelt nach dem 11. November erworben haben, eine nochmalige Bezalstung fordern. Ist die Regierung bereit, dafür einzutveten, daß diese Zahlungen als durch die Besetzung verursachte -Schäden im Sinne des Antrages Rch anerkannt und ersetzt werden?
Ein dringlicher Antrag Dorsch zum Landgesetz ersucht den Eutschädigungsanipruch des Siedelungsgcsehes däl)in abzuändern, daß, wenn Bauernland zur Siedelung enteignet toewen sollte, die in ixkfem Artikel festgelegken Entschädigungssätze nicht in Anwendung kommen, sondern daß die Ortskommissivn und Landamtmann, sowie auswärtige Sachverständige den Preis fiestsetzai.
Ein Antrag des (unabhängigen) Aldg. Kiel fordert die Erhöhung der Renten für alle Rentenempfänger cinfchtteßl. der Kriegsbe.ckftidigten um 200 Prozent. Derselbe Abgeordnete verlangt die Aufhebung .der S te m pe l ge b ü hren bei Austritt aus der Landeskirche.
Endlich beantragt eine Regierungsvorlage den Aukaur des Wvhnhauses Ludwigstr. 9 in O f f e n - buch für Beamtenwohnungen zum Preise von 100000 Mark. -
Sic hielt hie Karte noch in der Hand, als der Konsul wieder in das Zimmer trat.
Er setzte sich in seinen Schreibsessel, ergriff Ruths Hand und zog sie zu sich heran.
„Nim mal 'raus mit der Sprache! Was hast du mir ,zu erzählen?"
„Nichts, Vater!"
„Sag mal, Kindchen, warum bist du denn so verstockt? .Hast du kein Vertrauen mehr zu Deinem Alten? Tas war doch früher anders, da hatten wir keine Geheimnisse unterrinanber. Du hast mir dein Herz ausgeschüttet, und ich habe es gerade so gemacht. Hab' ich dir nickst alle meine Sorgen erzählt? Tie Geschichte mit hem dummen Brief? Und auch sonst alles? Warum hab ich das getan? Weil der Mensch lemanb haben muß, mit dem er sich aussprickst, wenn itjft etwas -bedrückt. Und hat es mir nickst Glück gebracht, daß ich so offen zu dir war? Hast du mir nicht geholfen, als ich schon an leder Hilfe verzweifelte? Und nun willst du mir keine Gelegenheit geben, mich dankbar zu zeigen? -giltst du ein Gelximnis vor mir haben? Nee! Das gibts nicht! Wir sind zwei Verbündete, die treu zusammenhalten! Wir sind eine Gerwstenschaft auf Gegenseitigkeit! - Also, was l)at dich zum langweiligen Kopfhänger gemacht? Raus damit.
„Ach, Vater, es ist ja schon vorbei! sagte Ruth leise „Es ist überwunden!"
„Na, das scheint mir aber nicht so.
„Doch, du kannst's glauben. Es war ja auch
An» Hessen.
Dec Hessischen Volkskammer ist eine Regierungsvorlage betr. die Einwirkung des Krieges auf den StaatslMisl-alt zugegangen, in welcher der Entwurf eines Gesetzes zur Deckung von Kriegsfehlbeträgen aus den Rechnungsjahren 1914 und 1915 mit zusammen 10 396 848 Mk. gemäß Art. 6 des Gesetzes vom Mürz 1915 die Regierung ermächtigt, den Gesamtbetrag im Wege des Staatskredites flüssig zu machen und zu diesem Zwecke Staatsschuldverschreibungen, Schatzanweisungen und Wechsel m dem erforderlichen Nennbeträge zu einem der Lage des Geldmarktes entibredxnben Zinsfüße auszugeben. Nach Art. 2 hat Die Tilgung der schuld vom Rechnungsjahre 1920 ab mit jährlich 208 000 Mark unter Hinzurechnung der ersparten Zinsen zu erfolgen. In der eingehenden Begründung der Vorlage wird die Entstehung und Zusammensetzung des Fehlbetrages, der den Restestöcken I und 11, sowie dem Ausgleichs- und Tilgimgsstock zu un- gleichen Teilen in Den beiden Rechnungsjahren infolge vermehrter notwenDiger Ausgaben entnommen ist. Dargelegt und der Stand der Stocke uno ihre Weiterentwickelung erörtert.
♦* Freie Liebe ober Ehe? die Frau d e r Z u k u n f t! Diese Frage wurde gestern abend 3int Hotel Einhorn von Dr. Olpe in einem von hohem sittlichen Idealismus und großer Sach künde getragenen Vortrag zu lösen versucht. Ein kglönzender Redner stand hier auf der Bühne, der fein trockenes Zahlenmaterial und seine wissen- schatflichen Bewiisfühmngen so glücklich mit edjt volkstümlichen Tönen zu verweben lvußte, daß die Hörer vom ersten bis zum letzten Wort in Bann gehalten wurden. Ter ehrlick-e Beifall bewies auch, daß er jedem aus dem Herzen gesprochen und der schwache Besuch — es mögen 300 Personen anwesend gewesen sein — ist daher eigent.ich d bäuerlich Wir hoffen, daß Dr. Olpe bei einer Wiederholung ein größeres Auditorium findet wird. Der 1. Teil des Vortrages gab einen Uebcrblick über das ganze weite Gebiet der Frauen- frage, suchte hu ergründen, waruni die deutsche Ehe in so erschreckendem Maße im Kurswerte gesunken fei, deckte mit unbarmtoiger Offenheit
geworden. An manchen Stellen sind die, Hecken über uno über von den Nestern der Gespinstraupen bedeckt und von den ausschlüpfenden Raupen tabl - gesresfen worden. Das wäre nun für die an sich wertlosen Hecken nicht schlimm, wenn diese Ungezieferplage nicht auch aus die umliegenden Obst bäume Übergriffe uno an diesen einen Schaden verursachte. Ob wohl die Verordnung nicht mehr besteht, nach welcher Raupemiester an den Bäumen und Hecken entierni werden müssen? In srüheren Zeiten wurde sie in jedem Frühjahre erneut bekannt gegeben. Da von der Kreisstraßenvettoaltung nichts gegen das Ungeziefer geschieht, so wäre es am besten, daß diese Hecken entierni würden.
Andererseits werden nun, wie wir auf unseren Vfingstwanberungen bemerken konnten, wieder Hecken an Waldrändern entfernt, die den Vögeln wirllich Schutz gegen Raubzeug boten, und du meistens gar keinen ober doch nur geringfügigen Schaden verursachten.
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Au- Stadt und Land.
Gießen, den 23. Juni 1919.
Bogelschutzhecken.
Vor Jahren hat man eifrig für Vogelschutz geworben und den Hecken als natürlichen Brut- plätzen der Vögel warm das Wort geredet. Es sind daher überall Hecken angepflanzt worden ober stehen geblieben. Das geschah auch an manchen Landstraßen. Ob nun gerade an diesen belebten Stellen Vögel nisten, ist eine anücre Frage. Leider sind diese Hecken nur zu Mststätten für Ungeziifer
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diesen Friedensvertrag, gegen diese Kriegserklärung? Keine Unterschrift entkräftet diesen Protest, Den wir für alle Zukunft erheben und beschwören. (Beisall.)
Die Regierung bat davon abgesehen, aus der fast unübri vchvaren Reibe mehr ober minder un- crträglicber Bedingungen eine oder die andere noch übzuhanveln. Dieser Vertrag verliert feinen ver- uichienden Charakter nicht durch Veränderungen in den Einzelheiten, Die Regierung muß dem Rechnung tragen, daß sie das Voll nicht in 48 Stunden vor eine neue Krisis teilen kann.. Denn die Ablehnung wäre keine Abivendung des Vertrages. Ein Nein wäre nur eine kurze Hinausschiebung des Jas.
Unsere Widerstandskraft ist gebrochen. .Ein Mittel für die Abwendung givt lcks -rocht, Wohl gibt der Vertrag selbst uns eine Har.dbabe, die wir uns nicht entreißen lassen können, die feierliche Zusage der Entente in ihrem Abemorandum vom 16. Juni, daß die Revision des Vertrages von Zeit zu Zeit eintreten und eher den neu eintretenden Verhältnissen angepaßt werden kann. i
Im Namen der Rcichsregierung habe ich tzu erklären, daß in Würdigung aller dieser Ilimstände und vorbehaltlich der Ratifikation durch die Nationalversammlung, Die
„Wie werde ich denn über etwas lachen, was meine Keine Ruth so traurig gemacht hat? Komm, etz' dich hier auf die Lehne des Geisels. '-Len Platz kennst du ja. Hast scl-on oft darauf gesessen, wenn du mir etwas zu erzählen hattest.
Ruth nahm folgsam Platz. Tann faßte sie mit beiden Händen den Kopf des Vaters und drehte ihn von sich ab» dem Fenster zu.
„Du mußt mich nicht ansehen!" Ter Konsul blickte nach dem Fenster. „Jst's jo recht?" .
„Ja. Sieb mal, Vater, ich hatte dir doch erzählt, daß ich durch eine Anzeige in der Zeitung den Herrn, der vor dem Kaiserhof in unser Auw eingefticgen war, zu einer Besprechung ein geladen habe."
„Ja."
„Ter Herr war sehr vünktkich. Ich auch. Dann sind 'wir in ein Safe gegangen und dort haben wir alles besprochen. Er war sehr nett."
„Kunststück! So ein Heiratsschwindler hat Hebung."
Ruch feufjte.
„Es ist wirklich sehr traurig, daß er so etwas macht."
„Was ßetyt das und an ? Wenn es Fronens lente gibt, die sich von solch einem Gauner an- führen lassen — uns. kann das gleichgültig sein."
Ruth seufzte wieder.
„Was hast du denn?"
Ter Konsul sah seine Tochter an.
„Nein!" protestierte Ruth. „Tu darfstnnch jetzt nicht -anfeben! Tu hast es mir versprochen!
I (Fortsetzung folgt.)
Die Regierung der deutschen Republik i,t bereit, den Frieden zu unterzeichnen, ohne damu jedoch anzuerkennen, daß das deutsche Volk der Urheber des Krieges sei und ohne eine Verpflichtung nach Artikel 227 bis 230 des Friedensoertrages zu übernehmen.
Ich bin am Ende. Wer so über die düsterste Stunde im Leben seines Volkes sprechen muß, der scheut sich fast vor dem Vorwurf der Lchöii- färberei, wenn er seinen Glauben an eine Muf- beHmig, an die cnd'.iche Verwirklichung einer besseren Zukunft zum Ausdruck bringen will. Wir svehen vor Arbeitsjahren für fremde Rechnung, wie nie ein Volk vor uns. Nur Dank einer Vertragstreue bis zur Grenze unseres Könnens, -nur ans aller Entschosscnl-eil und Zu- sammenblriben.in der brntidjen Sckncksalsgemein- schaft, nur aus dem Willen zur Arbeit in allen Schichten, nur mit Disziplin, so schlimm dieses Wort heute vielen klingt, und' Pflichtoewußtsein kann aus dieser Stunde noch eine Zukunft ttur uns erwachen. Es gibt keine Wundermitlel und keine Märchen für die Gesundung eines Volkes. Selbst die Weltrevolution kann die Krankheit nickst abhelfen, an der wir hinslechcn. Nur der Revolution unseres sittlichen Bewußtseins wird und muß es gelingen, ans Nacht tznd Finsternis, zu einer besseren Zukunft empor zu steigen. (Beisall.)
dumm." .
„Was war zu dumm?"
,^d) wollte eigentlich nickst darüber sprechen!"
„Aber, wenn ich bitte? Und verspvei^, mit niemand darüber zu reden? mir 'n dein Geheimnis ganz sickxr aufgehoben.
„Tu wirst vielleicht lachen, wenn ich es i
Regierung sich entschlossen hat, den Frieden s- vertrag unterzeichnen zu lassen, »^ dem sie ton Gegnern unumwunden erklärt, niemand kann dem deutschen Volk zumu- t e n, einem Friedensinstrument zuzustimmen, durch das ohne Befragung der Bevölkerung lebendige Glieder vom Reich abgetrennt, die deutsche St.aatshoheit dauernd verletzt und dem deutschen Volke unerträgliche wirtschaftliche und finanziell eLastenauferlegtwerdensollen. Wenn sie jedoch unter Vorbehalt unterzeichnet, o betont sie, daß sie der Gewalt weicht m >em Entschluß, dem unsagbar leidenden deutschen -Volk einen neuen Krieg, die Zerreißung seiner nationalen Einheit durch weitere Besetzung deutscher Gebiete, entsetzliche Hungersnot für Frauen und Kinder und unbarmherzige längere Zurückhaltung der Kriegsgefangenen zu erfbaren. Die Regierung verpflichtet sich, die Deutschland auferlegten Kriegsbedingungen zu erfüllen. Sie will sich jedoch m diesem feierlichen Angienblick mit rückhaltloser Klarheit äußern, um jedenVorwurfeiner Unwahrhaftigkeit entgegenzutreten. Die auferlegten Bedingun gen überschreiten das Maß dessen, was Deutschland tatsächlich leisten kann, und wir lehnenjede Verantwortung ab, wenn die U n du r chf ühr ba r ke i t auch bei schärfster Anspannung der deutschen Leistungsfälligkeit in Erscheinung treten muß. Wir erklären ferner, daß wir den Artikel des Friedensvertrages, der von Deutschland fordert, sich a l s alleiniger Urheber des Krieges zu bekennen, nicht annehmen können und durch die Unterschrift nicht decken. Ebensowenig kann es ein Deutscher mit seiner Würde -und Ehre vereinbaren, die Artikel anzunehmen und anszusühren, in denen Deutschland zugemutet wird, Ängehörigedes deutschen Volkes zur Aburteilung auszuliefern. Deshalb werden wir die Vollmacht zur Unterzeichnung in folgender Form geben:
- -
11 „ ,'Tu »nächst mich m ß tiitt"111^' 1 Dbrrrafchung für mich?
t tinem Lächeln.
Sutersoi*{o« 9 „Nein, im Gegenteil! \uw^,
s * ttfriung roiro mir von deiner -Seite ^werden Ich rill nämlich mal wissen, ivas. eigentlay mit dir
Mr‘fV < te ist. Sckwn Otto machte mir, dx.er abreiste,
äu laufen gefni:, i
7 SronuwF-- Ämmai'^rouK daß die "Zustimmung ihrer fett, mit 4Sr ’ü slkjnheit sie wohl im dciniokrattsckien Sinne ent» zu verl. SMIs ‘ '
u. 7468 ml“
PMdent Fehrenbach eröffnet ine Sitzung ha nach 12’A Uhr. . . ,
Tageöordnmig: ,Entg-egen»rayme einet Erklä- pntg der neuen ReichSregieruiig.
Reichsmlnisterpräsident Bauer: Als Mit- ,!ied der bisherigen Regierung kanii ich deren Uiflfcit keine Anerkennung zollen. Wohl aber ich den ausfchridenden Mirgttedern, insbe- l-bett bemMinisterprä,identen Scheidern a nn, fejete warmen Dm.kes für ihre Istngebenve und Gierung.volle Otigtil nicht Verlagen, ebenso der Friedemdelegalion. (Beifall links.) L,er Ruck- : des alten Kabllictts erwlgte, weil sich bie
Ansichten über dm Friedensentwurf scharf gegen- Ltftanbeii, abtr nickst getrennt nad> Parteien, Lteni getrennt nach dem Beranttvorilicksti-itv- c rüM jedes einzelnen Ministers. Unendlich sihioer 2 ür uns alle der Entschluß, der neuen Regie- L beizutrettn, bereu erste und letzte Aufgabe L un muß, den Unrechtsfrieden abzuschlietzen. ki? Not von Land und Volk haben uns w» iimraeiigefulrrU Wir dursten unsere Milarbeit nickst dkrsagim, wenn wir nicht Gefalw laulen wollten, t.-uikbianb einem regierungslosen ck-aotischen Zu- bnid zu überlassen, aus dem es keine Rettung Eben hätte. Wir stellen nicht aus Parteiinternen und noch weniger aus Ehrgeiz an dieser Stelle wir stehen, hier aus Pflichtgefühl, aus dem i Rcwnfetiein, daß cs unsere verdammte Schnldig- !cit ist xu retten, was zu retten ast. Tie Nicist- 1 Zunahme der Demokraten an der Regienmg be- batem wir außervrdc.ittich. Unsere bis-t-engen de- inoftatischeu LLollegen waren uns loyale und wertvolle ,MÜarbeiter. Tas Programm des neuen Sorinetts wird dasselbe bleiben, das der Regie- r- r • v -___ ... AtvieMKA
MO erhalten kann, wenn s. . .
Bäciir&r., „ach Prüfung der Sachlage aus Verant-
Leliei-f Innung entsckieidet und «nickst nach Parteistim- Vti Miigen schielt.
1 - Glauben Sie mir, wir hoffen, in diesem Sinn
geprüft nnD entschieden zu haben, angesichts der Gegner und der Zukunft unteres Volkes und unter der notwendigen Berücksichtigung des Willens der Nationalversammlung. In einem sind mir alle einig, in der schärfsten Verurteilung des borgelegtcn FrieDensVertrages, zu dem wir er unerhörtem Zwang unsere Unterschrift geil sollen. Am Montagabend soll der K r i e g ufs neue beginnen, wenn nicht unser Ja jtgeben wird. Es soll der Vormarsch beginnen, jli dem jedes Mordinstrument bereitsteht, gegen tiit wehrloses uno waffenloses Volk, das nur pei Gebote kennt: nach Außen wieüer gutmadjen , mb nach Innen seine im Zusammenbruch er» gefcöloliem f nirtQene Froheit auszubauen. In dieser, Stunde rrubruniem^ v-f Leben und Tod unter drohendem EinMarfth «ieakÜ>iadWkhebe ich zum letztenmal in einem freien Deiftsch- s krtb Protest gegen jeden Vertrag der FsOör tzewalt und Vernichtung, Protest ligen die Verhöhnungen des Selvst- yan*1. letzimmungsrechtes, gegen diese Vernich- iiitg des deutschen Volkes, gegt|i diese neue ,Be- lioljung des Wellsriedens unter Der Maske eines KlieDensvertrages. Wer kann sich'noch Demokrat mb Sozialist nennen und erhebt sich nicht gegen liefe Ausbeutung? Wer kann sich noch Paziftst innen und kämpft nicht bis zum letzten gegen
Tcr, Konsul führte fein Töchterchen in fein ^^,Eincn^^Augenblick, .Ruth," entschuldigte er sich. „Ich muß erst noch rin paar Worte mit Lebermann spreck>en."
Er eilte in das Zimmer des Prokuristen.
Ruth hatte sich in einen der bequemen Ledersessel gesetzt, die für die Besucher des Konsuls aufgeftellt waren.
Nur flüchtig.sah sie sich in dem ihr woh!bekannten Raum.um, dessen rulnge vornehme Aus- ftattimg ihr als Kind einen fast beklemmend feierlichen Eindruck gemacht hatte.
Nichts in dem Raum hatte sich verändert, seit sie ihn vor Wochen zum letztenmal betreten batte. Ter Vater blieb lange. Sie würbe ungebulDig Tie An.'^digung des Verhörs, dem, ausgesetzt werden sollte, verursachte ihr ein Geft'hl M Unbehagens Was sollte sie ihrem Vater aus, leine Fragen antworten? Sie konnte doch nur immer wieder behaupten, dak sre sich ganz wohl fMc, daß ihr ,gar nichts fehle —
Sie stand auf und trat an den Schreibtisch des Vaters. In der Ecke rechts stand eine st berne Scktale, auf der eine Anzalst Beiuchskarien lagen. Ter Diener hatte die Angewohnheit, i>« Karten solcher Besucher, die einen Namen von gutem Klang hatten, immer obenauf zu legen. Ta lagen immer einige Karten von Dankdirektoren und Ge- 'beimen Kommerzienräten. Ruth lieh einige Karten durch ihre Finger gleiten. Ta blieb ihr Blick plötzlich auf einem Namen haften, der fie uv*
^.Dorival ran Armbrüsder," las
TaS war ja der Name, unter dem dieser dieser Schnepfe .von Umbach cingefübTt worden war! Was.hatte dieser — dieser Mensch beiilnem Vater gewollt? .War er erst kürzlich Mr gewesen i
bim angesicksts der Friedcnsbedmgungen unserer. K,gner eine Helle Empörung den Einzelnen und d' Gesamtheit fortreitjt. Aber wenn ich bei ber Dtbtmabme meines Jdjjocren Amtes eine Bitte vizspreckien darf, so ist es die, lassen Sie die Frage der Annahme oder Wlehnung nicht zur Partei- Me werben. Glauben Sie auf der einen oeite nibt baß bie Befürworter der Ablehnung volks- ftmbe Chauvinisten ober Interessen Politiker feien, ffrf» k fhtcn Vortell ihrer Klasse ober des Geldbeutels
Ablelstiung verfolgten. Glauben eie aber auf ber anderen Seite auch nicht, baß diejenigen, bie sich notgedrungen unb unter Selbstüberwindung iin: Annahme burd>gerungen haben, feige ober tolnöD seien, unb kein Gefühl für nationales
oller Art Mir fabrtenmerin
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