Ausgabe 
22.9.1919
 
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lager, mirabile bictu, selbst Professoren sind dar­unter, denen man sonst den Sinn fürs Praktische abzusprechen pflegt.

Neue SchnellzugSverbindungen Frankfurt- Paris.

Von Samstag ab werden zwei neue Schnellzugsverbindungen zwischen Frankfurt am Main und Paris über Wiesbaden und Mainz eingerichtet.

An der zuständigen amerikanischen Stelle im Reglerun,'sgcbäude kann man Listen einseben, wo- nach dient für 20 Millionen Dollars Kraftwagen Mi vergeben sind. Das Fabelhafte dieser Summe t einem erst zum Bewußtsein, tvenn man

<ycrner sind zur Ablesung des Staatsexamens snr das höhere Lehramt zur Doktorprüfung alle Lehrer und Lehrerinnen zugelassen, die außer dem Zeugnis über dieScminarentlassungsprüfung noch ein bestandenes Ergänzungseramen in einem oder zwet Hauptfächern, deren Beherrschung für das gewählte Studium notwendig erschient, Nach­weisen können. Die Vorbereitung zu solchen Er- gänzungsprüftmgen kann durch die Teilnahme an Lehrgängen, welche die Universitäten oder Pro- vinzialschulkoNegien einrichten sollen, erleichtert werden.

Llußerbem wird solchen Seminarabitnrienten, dte auf eure Tätigkeit im Lehrberuf an Volks- oder

Erne genaue Besichtigung vor dem Äaitf wird nicht zugelassen. »^Willst du kaufen oder nicht? Hast du Geld? Werm nicht, dann kannst rtnr WiV* Die Amerikaner reden jedermann mit Du an. Das innerfte Gefühl sträubt sich einem da­gegen, aber bei ruhiger Ueberlegung kann man es ihnen weiter nicht verübeln, da ihnen das Du von ihrem you (Sie) her naher liegt als das deutsche Sie.

Einstellung des Personenverkehrs.

Köln, 22. Sept. Wie dieKöln. Ztg." meldet, hat das Reichsfinanzminislerium den preußischen Eisenbahnminister ersucht, durch eine vorübergehende, nahezu völlige Einstellung des Personenver- kehrs die Möglichkeit eines gesteigerten Kohlenabtransports zu schaffen.

Eine Geheimkonferenz von Kommunisten.

Berlin, 20. Sept. (Wolff.) LautB. Z." berichten dieMüwchrner Neuesten Nachrichten" über eine Geheimkonferenz revolutio­närer Kommunisten deutscher und russisch^ Nationalität in Hof, auf der das Kampsprogramm für den Winter festgelcgt werden sollte. Für die planmäßige Vorbereitung der gvoßangelegten Um- sturzbewegung waren der Generalstreik in den In­dustrien, die Zersplitterung und Entwaffnung der Reichswehr und der Sturz der demokratischen Re­gierung zu Gunsten einer kommunistischen Räte- regierung geplant. In Leipzig sollte eine Zentral- leitung eingesetzt werden, die später mit der Zew« tralstelle m Braunschweig zusammenarbeiten sollte. Der Staatskommissar für die Volkseruäh- rung.

Berlin, 20. Sept. (Wolff.) Reichswirt- schoftsmlnister Robert Schmidt wurde auf seinen Wunsch von dem von ihm mitvertoalteten Amte eines preußischen Staatskvmmissars für die Volks­ernährung entbunden. Zu seinem Nachfolger wuroe der Unterftaatssekretär im Reichswinsch>aftsmini- sterium Peters bestellt, der bisher schon bei der Tätigkeit des preußischen Staatskommissars her­vorragend beteiligt war. Tie sachlich erwünschte 'Nidlung mit dem Reichswirts-chaftsministerium blnbt somit erhalten. Irgend ein Shstemwechsel tritt nicht ein.

Volksschullehrer und akademisches Studium.

Lauch t. Die britische Äehörde hat den Ans- weisbesehl aufgehoben und der Polizei mit- geteilt, daß ihm der Aufenthalt im britisch besetzten Gebiet in Permanenz gestaltet sei.

Birkenfeld.

ffiöltt, 20. Sept. tWTB.) DerKöl- Erichen Zeitung" wird aus Birkenfeld vom

AbMcmber geschrieben: Die Meldung, daß die Regierung Zöller wieder durch die alte Regierung ersetzt worden sei, ent- behrt jeder Grundlage. Die Kommis- slon, die gestern von General Mangin emp­fangen worden ist, ist inzwischen ohne Ergeb­nis zurückgekehrt. Die revolutionäre Regic- "rung Zöller bleibt bis zu den Neuwahlen am Ruder.

höheren Schulen verzichten wollen, durch Ab* (eguncj einer Ergönzungsprüsung die Möglichkeit zu jedem anderen Hochschul- ober Uni- oerittätsftudium gegeben. Diese Ergänzungs- Prüfung umfaßt. falls zu dem erwählten Studium das Reifezeugnis eines Gymnasiums «strebt wird, die zacher: Latein und Griechisch, falls Real- gyMiianalbildung in Frage kommt, Latein, Malbe- mattk und diejenige neuere Sprache, die int Se- minar-Abgangseramen nicht geprüit wuroe und^falls Oberrealschule erreicht werben soll, eine im Semmar-Abgangsexamen nicht geprüfte neuere spräche, Mathematik und Naturwüsenschaften.

An5 dem Reiche.

Die Vereidigung der Offiziere.

Berlin, 20. Sept. (Wolff.) Am 19. d M üeiTibitjte der Reichswehrmini ft er den Ehes der Reichswehrbefeblsstelle in Preußen, Oberst Reinhard und den Chef der Admiralität, Ad­miral v. Trotha, auf die Verfassung des Teut- )Öen Reiches. Am Nachmittag des 20. d. M. er­folgte die gleiche Vereidigung aller Offiziere und Beamten des zukün tigen Reichswelpmiinisteriums sowie des Lfiizicrsstabes des Rcichswehrgruppen- kommcmdos 1 durch den Chef der Reichswehr- befehlsltelle zu Preußen, den Obersten Reinhard.

Rücktritt des Generals Grüner.

Köln, 22. Sept. Wie dieKöln. Volks- ztg." erfährt, ist General Gröner in den Ruhestand getreten. Er verließ gestern Kolberg. Am 22. d. M. verläßt auch der Nest der Obersten Heeresleitung die Stadt. Da^ Oberkommando Nord ist aus Bartenstein nach Kolberg verlegt worden.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 22. Sept. 1919.

vbstversteigerungen.

O S kl li tz, 21. Sept. Noch nie erzielte Preise trurben bei den an den jpreiSstraßcn des Scklitzer- landes abgehaltenen O st bver ft eigerungen bezahlt. Händler trieben die Preise unerhört in die Höhe. Für kleinere Bäume wurden oft bis zu 150 Mark geboteii. Manche Käufer haben so für den Korb Aepsel bis zu 50 bis 75 Mark Abge­geben. Tie einheimisch.' Bevölkerung hätte es gern gesehen, wenn die Händler nicht zugelas'en .oorda, hären, .nie es doch auch in anderen .UYciiai ge­schehen ist.

Da die Amerikaner Niesenposten berfteigirn, bilden sich meistens Konsortien, die gemeinsam die erforderliche Summe aufbringen und Gewinn und Verlust gemeinsam tragen. Zu diesem Zwecke tut sich auch der Koblertzer Bürger zusammen und machteKippe", meinetwegen ein halbes T-utzmd Metzger, und diese Konsortten nennen sich auf gut rheinisch Kippegesellsck)aften.

Tie Amerikaner haben bereits unglaubliche lager, verkauft, was fic aber noch zum Verkauf berettikeheit haben, ist noch erstaunlicher. Jchre uberstüssimm Herresgeräte sind lange nicht er- ^n einem einzigen Depot lagern noch zum Verkauf etwa 100 Tonnen Sohlleder, einige hunderttausend wollene Strümpfe, Unterhosen, Unterhemden, kurze und lange amerikanische Hosen, Lhutorntröcfe und Arbeitskittel, Mäntel, Bettsäcke, Decken Seife, Küchengeräte usw., das reinste Warenhaus en gros. Dabei find die sämtlichen deiilsmcn .lceerc5Doriäte, die den Amerikanern in betn Stapelplatz Koblenz in die Hände fielen, be­reits versteigert. Zuerst die immer noch riesigen Lager in dem während der ersten Revolntionswoche Mnf.^age und fünf Nächte lang ungestört aus- gepl unter ten Korpsbekleidungsamt. Teutsäre Ar- tillertewaoenbäuse: sind mit ihrem gesamten In­halt an Pferdegeschirren, Trensen, Schabracken Huseiien Gurten. Ketten, Hanfseilen, Pferdebürften m Bausch und Bogen versteigert worden. Ein solche-.- Wagenbous bietet eine Koblenzer Kippe- gesellschast eit bloc für 250000 Mk an

♦♦ Auflösung der Neven Reichs- Wehr-Befehlsstellen und der Gene­ralkommandos. Das Reichswehrministerium tritt neu gebildet mit dem 1. Oktober in Wirk- lamteit. Die neuen Reichswehr-Befehlsstellen wer- . ben mit dem 30. September aufgelöst und ausl ir/nen Wwickluuasämter der früch-ren Kriegsmini­sterien gebildet. Auch die noch britebenten Gci.eral- kommandoS usw. oder deren Auflöiungsftäbe gelten Mit dem 30. September ein. Sie werden Ate Wickelungsämter. An ihre Spitze tritt ein Dor- ftand mit den Gebührnissen eines Regiments- Kommandeurs. Die noch bestehenden Gefangenen­lager werden dm Abwickelungseimtern unmittelbar1 unterstellt. Für jedes Abloickclungsamt ist ein

G3 sind viele Luftai,geböte dabei, aber wer sich einmal den Spaß macht, sich als kapitalkräftigen Kau»;r und ernstlichen Reflektanten auszugeben,

>tn Koblenz an den unwahrscheinlichsten Orten Warenlager l*c,id>tigcn, daß ihm die Augen v)r Staunen au5 dem Kopse treten möchten. Und ebenfj erstaunlich wie die Lager sind ihre Be- ^'?uchc tat man früher als ganz arme

Aus Liessen.

Volksbildung und Volkshochschule.

Ter V ol ks ho chschu lan s schu ß der Zen- tralltellc 5irr Förderung der Volksbildung und ^ugenböflcge hielt am Samstag seine erfte Sitzung in, den Räumen der Volkskammer ab. Lehramts- aifeffor S chömer sprach überUmversitäts- ausdchnung und BollslHxUch.ile". Er wies nach, wie die Unwersitätsausdebnung in England aus der richtig erkannten Sehnsucht der unteren Schicks ten nach besserer Wifseusübermittlung entstanden lei. In Amerika griff gleichfalls die Bewegung sehr la mell um sich, und die Zahlen der Hörer gehen, wie alles in Amerika, ins Gigantische. Auch in Oesterreick- hat bereits in den 80er Zähren der Wiener Volksbildungsverein mit Kursen begonnen, bie heute im ganzen Lande bestellen. Deutschland hat sich erst sehr spät dieser seiner Aufgabe oe- lonnen; heute gibt es wohl la um eine größere ccutfchL etabt, in der wich: Bolksbildungsveveine m dieier Richtung wirken. Aber es handelt sich bei ed.iter Volksbildung weniger um die Ueber- mittlung von Wissen, als um die Hebung seeliscier uno sittlicher Kräfte. Hierbei ist uns die bäniffc Volks lock schule das beste Multer. Freilich dürfen wir ebenfo.wnig das dänische Vorbild niit sklavi-ch übernehmen, wir muffen für deutsche Verhältnisse putschen Bedürfnissen entwickelte Bolks- hochischÄe sehen. Sie kann in einer ArbeitS- oder nocti belfer Lebensgemeinschaft das Mißtrauen zwi­schen den Klassen unseres Volkes beseitigen, sie wird den Boden vorbereiten, daß aus dem Vielerlei im Staate nebeneinander gelagerter Menschen ein echtes Volt entstehe.

fang auf 'ihve VoMhaftigkeik. Auch solle die Verbindung gut .ten .Volksschulen aufrecht erhalten. Wer die Volksschule pflege, der fdmffe' am Unterbau der.Volkshochschule. Dr. .van-s.' Werner (G ie ße n) appellierte nicht nur an. den Idealismus der Lehrenden, sondern auch ter Lernenden, die in der Lage wären, die neuen 58il- dimgsmöglichkeiten zu bezahlen. Ob man Eie* memar- und Sprachkurse einführen solle, sei eine Schürf niefrage. In Gießen kwibe man auf Ver­anlassung der Gewerkschaften Sprachkurse für Lehr­linge eingerichtet.

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rm. Darmstadt, 21. Sept. Der Zen­trum spartei t ag für das un besetzte Rei­fen sand heute bei sehr gutem Besuche aus Star«* -Tr r9 irni) Oberhessen im Saale des Kath. Ge- wllenHames hier statt. Ten Vorsitz führte iw Verhinderung des ersten Vorsitzenden sein Stell­vertreter Mmiwer der Justiz v. B r en t a n o. In der Vormittagssitzung erstattete Minifterial- dlsektor Ueböl, sowie der Vorsitzende ein- gehende Rewrate über die Stellung des Zen­trums zu allen großen politischen Fragen. In der Nackunittagiiyung, zu der auch Geh. Justizrat Dr- ^chnntt (Mainz' erschienen war, wurde die Or­gan i sa t io n s fr a g e behandelt unb unter der Leitung des Generalsekretärs Diehl ein neues Statut beraten unb angenommen.

Die wirtschaftliche Lage der Eisenbahner.

= Frankfurt a. M., 21. Sept. Die 10 000 Arbeiter und Angestellte umfassende Ortsgruppe Tftanffurt a. M. des Deutschen Eisenbahner-Ver­bandes lehnte in ihrer heutigen General versa mm- lung bte Akkordarbeit unb oas Prämiensystem in tollen .Eilenbahnbetrieben ab. Der von den tEilenbahncrn angestrebte Tarifvertrag mit sbem Eisenbahnminifterium ist von der in Berlin sagenden Lohnkommission fertiggestellt und kam tzur Bekanntgabe. Er sieht u. a. vor: öen adyt= flünbigen Arbeitstag, Gewährung von Urlaub, Er­reichung bes Höchstdienstalters nach 8 Jahren. Statt ter früheren 76 Lohnstaffelungen würde es in Zukunft vier Lohngruppen unb drei Wirtschafts- Nässen geben. Die Eisenbahn darf, so wird ge­fordert, nur solche Leute beschäftigen, die bei einer ter vertragschließenden Körperschaften organisiert .sind. Die Gültigkeit des Tarifs beträgt ein Jahr "Aus den Gtüinblinien dieses Vertrags ist sofort die Regelung der Veamtenbesolbung vorzunebmen. <Für den Frankfurter Wirtschaltsbezirk sind Löhne Norgcfehen für Handwerker bis zum 19. Lebens­wahr 2,80 Mk. (pro Stunde), bis zum 21. Jahr 3,05 Ms., bis zum 24. J>alw 3,30 Mk., über d.is 24. Jahr 3,55 Ms., für Arbeiter bis 19 Jahren 2,60 Mk., 21 Jahren 2,80 Mk., 24 Jahren 3,10 Mk., über 24 Jahren 3,55 Mk. Der End-

entspricht einem Jahreseinkommen von 8o20 Mk.

Um wieder auf die Kraftwagen zurückzukom- men, brc für den Verkauf zulots" nicht unter- 1 Mlllwn Dollars zusammengefaßt sind, so han­telt es sich dabei in der Hauptsache um deutsche ^utos, die beim Waffenstillstände abgeliefcrt roer- ten mußten und seither an den Rheinufecn in endlosen Reihen Wind und Wetter preisgegeben imd. Neben diesen allerdings auch amerikanische Wagen. Die Abnützung der einzelnen Gefährte ist m dröhnten auSgedruckt. Wir tverten wohl ober ubd, schließlich sogar von Reichs wegen den ganzen Posten übernehmen müssen, berat wie man sich in Kvblenz erzählt, sind wir sonst laut ten Frietens- bcbingungcn gezwungen, die Kosten des Abtrans­portes nach Amerika zu bezahlen, und diese würden bet dem einen Objekte 14 Millionen Mark aus- macyen WaS bedeuten allerdings bei Deutschlands MlUiarbenverpftichtungen so ein paar lumpige Millionen?

P^erkwiirdig sind die Gebräuche ter Ameri- fancr bei Versteigerung und Verkauf. Die Menge der Ware i|t immer nur annähernb angegeben; ca 10000 Decken. Tarwert sagen wir 300000 Mk. Jetzt haben die Käuser schriftliche Angebote einzu- reichen. A.iefe werden erst bei der Versteigerung er- ölfaet. Auf das Höchstgebot müssen bann noch drei weitere Gebote gemacht werben unb wenn sie der Höchftbietende selbst macht. Bleiben bie Ge­bote weit unter bem Taxwert es kommt selten vor, bcnn so schlau sinb bie Käufer noch nicht ge­worden, daß sie bei der Versteigerung selbst »ippe machen, statt bie Ware in bie vöhe zu treiben, fo_ haben bie Amerikaner schon in wieberholten Zallen bie Ware verbrannt ober in teil Rhein geworfen.

. Pfarrer Fresenius (Essenheim) berichtete entgetenb über tenSelztalbund". Man versuche hrer auf dem Lande in Lebensgemeinschaften die MensckM sich nahezubringen, neben die geistige Nahrung von Vorträgen und Besprechungen treten künsllerische Darbietungen. Lehrer und Lernende setzen sich nicht nur gemeinsam an den Arbeits-- ttfkh, in der Aussprache während gemeinsamer Mahlzeiten würde die Brücke vom Mensch zum Menschen geschlagen. Das sei ter beste Weg in die Zukunft. Hauptlehrer Bach (Großen-Lin- ten) bat, über teyr Arbeiter bie Bauern nickft zu vergessen. Auch er betonte die Notwendigkeit wn Kursen für Volkshochschullehrer unb bie Prü-

Die Neuordnung de; Strafrecht;.

Berlin, 20. Sept. ^WTB.) DieDeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die seit Jahren in Arbeit befindliche Neuordnung des materiellen ttnd formellen Strafrechts gelangt demnächst zum gesetzgeberischen Abschluß. Schon vor dem Kriege war von einer großen Strasrechtskom- mission der Entwurf eines neuen Strafgesetzbuches vorbereitet. Nunmehr sind die Arbeiten soweit gefördert daß der Entwurf der Oeffcntlichkcit zur Beurteilung übergeben werden kann. Es handelt sich um eine völlige Neugestaltung, wo­bei die inzwischen emgetretenen staatsgesetzlichen iund wirtschaftlichen Neuerungen und die moderne Behandlrmg des Verbrechertums von maßgebendem Einflüsse gewesen sind. Besondere Bedeutung er­fahr tzie Bekämpfung des gewohnheits­mäßigen Verbrechertums sowie die B>- hanbhmg der jugendlichen Verbrecher. Neugeordnet sind auch die Vorschriften über die Behandlung der rückfälligen Verbrecher sowie ter Trunksüchtigen. Weit geringeren Umfang hat die ebenfalls fertiggestellte Novelle zur Sttasprozeß-, vrdnung, die demnächst unmittelbar der Natw- nalversammlung zur Beschlußfassung zugehcn handelt sich hier im wesentlichen nur btm Abänderungen der Strafgerichtsverfassung. Frauen sollen zum Schöffen- und Geschworenen­amt zugelassen werden. Die Aufstellung der Schöf­fen- und Geschworenenlisten durch die Gemeinde­behörden komm!t in Fortfall. An ihre Stelle treten Listen auf Grund allgemeiner Wahlen nach dem Verhältniswahlsystem. Außerdem ist auch die seit Jahrzehnten geforderte Einführung der Bo- ruTitng in den heute ihr noch nickst unterliegenden Strafiachen vorgesehen. Endlich sind auch Siche­rungsmaßnahmen gegen eine überlange Unter­suchungshaft in Aussicht genommen.

Als erster Redner ter Ausspracte stattete Dr. Dans Werner-Gieß>en über seine Bemühun- gen an der Gießener Volksh-chschulc Bericht. Tas Jheal sei die L-etensgemeinschaft auf dem Lande. Me ließe sich nicht in Städten Herstellen, fo fei man tn Gießen dazu gekommen, noch kurzen Bor- ttagen lang anhaltende Tiskussionen folgen zu laspm und auf Spaziergängen Lehrer und Schüler menschlich nahe zu bringen. Leider mißversteht ein ^eit des Volkes selbst noch die Bebeutuna der Volksl'.ochschule, er verwechselt Bildung unb Wissen unb glaubt hier etwas zu gewinnen, was ihm für das praktische Leben nützlich sei.

Stnb. thevl. Bernbeck betonte besonders, daß man jede Halbbildung vermeiden müsse, >es komme iiicht darauf atv viel Menschen zu unter­richten, sondern gründlich zu unterricksten.

trat Prof. K i n k e l - G i e ß e n entgegnt Er in dafür, ten Kreis möglichst weit zu fassen! und nach Fichte an alle und jeten die neue Er- ziehima heranzutragen. Tie Volkshochschule dar) nicht eine Klassenh-ochschul,- für geistig Begabte unb Interessierte ober psycknch Reft.' werden, son­dern für alle. Et lege Wert darauf, daß man Die Volkshochschule in zwei Stufen gliedere, d'ren erste ein Einführungskursus darstelle, die aiibtc CTÜ die eigentlichen Vortragskurse bringe, denn man könne Menschen an die höheren Kulturgüter ohne ein gewisses Wissen nicht lxranführ.m.

Sehr interessante Tarlegimgen macht: Pr)f. B tn z - Mainz. In Mainz habe'man die Volks- hcachschule in zwei Stufen gliedern müssen, in eme, Elementarftufe unb die wissmschastlichen Kurse, da die Franzosen die ArbeitermiterrichEs- kurse der Studenten verboten haben.

Relsteindrücke ans dem amerikanischen Deutschland.

3. Geräuschlose Kaufleute.

Wenn man in Koblenz auf der Straße an zwei Zivilisten vorüber muß, so kann man fast darauf wetten, daß man ettoa folgende Worte hört: an Dand . . Waggon . . . lagernd in . .

Acereditis. . .

Alles schiebt, loas nur geschoben werten kann und da sich auch die Begriffe und Ausdrücke ver­schoben haben, so ist aus dem Schieber ein geräufdj» lojer Kaufmann geworden. Neunundneunzig Pro­zent der oct lieber Ijabcn bie Ware nur an Da>id und suchen als Mittelsperson nach dem ge­eigneten Käufer, um die übliche Provision zu schluckcu, die je nach dem Objekte großen Sch-van- kungen ausgesetzt ist. Tie cigemlichc Ware ist tu vcrhaltmSmäßig wenigen Händen, beim sie kommt allein von ten 'JüneriEancrn her unb die versteigern oder verkaufen zum Aerger ter kleineren Schieber nur große unb größte Posten auf einmal. - Wer viele Bekannte in Koblenz hat, dem köw rum auf einem einmal Mn Gang durch die Haupt flrat-e mehrere hundert Mille amerikanische Zst garetteii, versteuert unb banterolicrt, einige Wag­gons Eakes, einige hunderttausend amerikanisch: Tücken, Mäntel, Hemden, Sckuihe, Autob.'reifun­gen, unter Umftänbcu auch Satvars-an und Gott weiswos sonst angebüteu werden.

fir k'i hr (Snnh m-.r , l c^.n ,D^b, daß btc Amerikaner neuerbtnas ten Preis in

Unter ten grfrfriftertcn Umständen ist ein Kauf ' von den Amerikanern ein Va bangue-Spicl. Der s auf 10000 Stück geschätzte Posten Decken kann , genau so gut 12 000 Stück enthalten wie und das- ist häufiger 8000. Als gebraucht br- 1 zeichnete Decken können größtenteils neu srin unb umgekehrt. Amerikanische Decken sind aber eine äußerst gesuchte Ware, denn man kann die schönsten Ulster daraus machen lassen. Je zwei, gefärbt, er­geben einen gediegenen Winterauu'g.

Der geräuschlose Kaufmann muß vor offen Dingen Glück haben, sonst verkauft unb verspeku­liert er sich. Ein Vermögen, bas bei einem Posten erworben wurde, kann beim nächsten verloren sein, Rickft jeder hat das Glück, unter einem StopÄ leerer Kisten, bie rr ersteigert, die Hälfte mit amerikanischem Speck gefüllt .zu finden, oder in neuen amerikanischen Feldbacköfen noch rocMrrr- vacktc jriickeneinrichttmgeu zu entbetfim. Tos sind Ringeltauben, sagt ter Koblenzer.

borunt übt er sich lieber in dem wenigs nsikovollen Weiterschieben ter einmal von bef Amerikanern erworbenen Ware von Hand zl Hand. Aber er schiebt, unb wenn es nur bat Allerweltsobiekt, die Zigaretten, sind, die je nati X? üenteuert unb banterotiert, ztois.kcir 23 unb 27yl0 Pfennigen gehantelt werten. In Zigaretten fmb aber mit die eifrigsten Schieber bie Pennäler.

Wunder, daß daher im Brückenköpfe clbst die Preise schon wieder langsam und stetig m die Höhe klettern. Es ist noch alles zu haben, wenn man Geld hat. Um aber Gelb zu haben, muß inan schieben. Und so fügt sich an bieki Ichmackvollen Mte Glied an Glied.

rr r rJ1 . ^pt. (Wolff.) Durch einen

Erlaß des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung sind deSchran- ken gefallen, die bislang ten Bolksschullehrern unb -lehrennnen den Zugang zum akademischen Stu­dium versperrten. Allen Lehrern unb Lehrerinnen, bie nach bestandener Seminar-Abschlußprüfimgeine mmdeswns zweijährige Tätigkeit im Schuldienst nachiveiieii Töraten, swhen die preußischen Uni­versitäten unb Hochschulen als gleichberechtigten unb immatrikulierten Studenten zu einem Stu­dium der Päbagogik und Philosophie offen, das nach frühestens sechs Semestern durch ein Examen in diesen Fächern beschlossen werden kann.

Ebenso können solche Lehrpersonen ohne wei­tere Ergänzungsprüfung zu einem Examen in den Staatswissenschaften zugelassen wer­ten, sobald, wie geplant, in diesem Lehrfach bei ber Oberlehrerprüiung die Lehrbefähigung erwor­ben werten kann.

seiner cnSSh?1 ten Zeitungen werten für 100 Franks 250 Mk. I

1 h c-k «. «boten, so daß ter Dollar auf 18,75 Mk. käme

Inzwischen ist daS Bild noch wesentlich ungL'.stiger geworden. Zu Beginn ter Besetzamg wurden in Koblenz fabelhafte Geschäfte mit dem An- und Ver­kauf von Franks gemacht, mtb manch einer ist da­durchgesund" geworden, dem ,chas Wasser tn ten Schuhen stand".

sl Marburg, 21. Sept. Bei den Obst Ver­steigerungen im hiesigen Kreise, die seit einer Woche tm Gange sind, erzielen einzelne Gemein­den, trotzdem nur ein Teil der Bäume Behang hat, mehr Einnahmen wie früher ter ganze Kreis Der Zentner gute Äepsel oder Birnen wirb am Baum mit 6080 Mk. bezahlt. Die gleichen Preise würben auch bei der Obstverkaufs-Verrnitt. lungsftelle für den Kreis Marburg, hie gestern im Fronhof ihre Tätigkeit eröffnete, bezahlt. Tie Käufer hatten dabei ten Vorteil, daß sie bas Obst frei ins Haus bekommen. Im Ebsdorf er Grund kaufen Händler alles Obst auf, das fit kb^.fönncn' sie bezahlen je nach Güte 30 bi» 50 Mk. für den Zentner Aepfel ober Birnen Die gleichen Preise bezahlen im nörblichen Teil des Kreises auch bie Bewohner ber Wittgen st einer unb. Siegener Gegend, die sich täglich in ten Dörfern, scharenweise einftnten unb mit ihren uörben unb I Säcken die Eisenbahn benutzen. Das Obst an den Landstraßen muß sofort nach den Berfteigerungen geerntet werten, sonst kommen in der Nacht bie Diebe, die oft sehr dreist auftreten und sogar Wagen und Pferd mitbringen. In ber Gemarkung Ealteni gaben sie in ber Nacht vom Mitllvoch zum Doimerslag bei ihrer Aniiät-erung sogar Schreckschüsse ab, um di- Fcldw« ru verscheuchen. Die Bearbeitung tes durch die Hitze für die Pflugschar nicht zu durchdringen­den Bodens für die Aufnahme ter Winrersaaten kann.jetzt, nachdem sich Reaemvetter eingestellt hat, vor flch gehen. Mit ter Kartoffelernte würbe in ter letzten Woche bereits in einzelnen Gemarkungen begonnen, man hofft auf gute Erträge, hoch mach: lieh die Mäuseplage mehr wie jemals bemerk- bar. Die Hackfrüchte find im Wachstum noch lehr im Rückstand. o