Ausgabe 
22.9.1919
 
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Erstes Blatt

Montag, 22. September 1919

169. Jahrgang

MW 14

$3 (en , 20. Sept. (W. B.) Unter dem Titel

Die

mustert:: hto Stoffe

1.13.75

ihm über

I Etaatsomtes für auswärtige Angelegenheiten auf Grmrd aktcnmäüiger Nachforschung eine historische Arbeit publiziert, nvlche heute erschienen ist. Sie gibt eine genaue Darstellung der Haltung des Wiener Kabinetts vom 28. Juni bis zum 1. Ang. 1914, also von der Bluttat von Serajewo an

Forderung baldiger Entscheidung über das Nlemelgebiet.

Die Erfolge D'Annunzios.

Bern, 21. Sept. (WTB.) Die italienisel-e Regierung hat den Kommandanten der 8. Armee de Rebil ant seines Postens cntljobm, weil er es versäumt hat, rechtzeitig Maßregeln zur Abwehr des Handstreiches auf Fiume zu ergreifen. An seine Stelle tritt der in der Armer? und Flotte sehr populäre Admiral Cagni, von dessen Tatkraft die Regierung die Lösung des Falles erhofft. In-, zwischen treten immer neue Truppenteile zu d'Annunzio über. Sechs Kompagnien der Brigade Florenz, die nach Fiume gesandt nor­den waren, haben ihre Einheit verlassen und sind gestern in die Stadt eingezogen. Ein Brigade­general aus einer Stadt, deren Name nicht genannt wird, l>at d'Annunzio mitgeteilt, daß seine Brigade bereit sei, auf den ersten Stuf zu seiner Unter» stützung nach Fiume zu marschieren. Trotz der Blockade nird Fimne von den venezianischen Häfen aus mit allem Nötigen versorgt. Gestern ist ein aus dreißig Wagen bestehender Eisenbahnzug voll mit Lebensmitteln beladen dort angekommen. Es läßt sich nicht leugnen, daß öeer und Marine in ihrer Mehrheit zu d'An­nunzio stehen. Dieser sucht der Bewegung immer größere Ausdehnung zu geben. In einem Ausrufe an die Venezianer, den derEorriere della >£>ern" wiedergibt, bezeichnet d'Annunzio sich als oberster Führer sämtlicher Truppen und Schiffe in Fiume und eines Teiles der neutralen Zone.

Er fordert die Venezianer auf, sich ihm <111311- schließen und das unwürdige Jxl)' der italieni­schen Regierung abzuschütteln. Eine ähnliche Auf- fordenmg hat er auch an die GesinnnngSgeuos en in der Lombardei gerichtet. DerEorriere da la Sera" sieht trotz einer gewissen Sympathie für d'Llnnunzio die Gefahr dieses Hochverräter! schm Treibens und beschwört d'Annunzio, von seinen

Eine Kriegsflotte Polens!

Köln, 22. Sept. Wie dieKöln. Ztg." erfährt, steht es nuHnehr fest, daß Po­len eine Kriegsflotte bauen wird. Diese soll aus vier großen Kreuzern und 16 Torpedobooten bestehen. Sie wird eine Be- mannung von 3500 Mann und 150 Offi­zieren erhalten.

Die Engländer räumen den Kaukasus.

91 m ft er 8a m, 19. Sept. (Wolff.) T-aZ Pressebureau Radio meldet, daß die britischen Truppen den Kaukasus räumen.

Uus Vem besetzten Gebiet.

Dorten in Köln.

Elberfeld, 20. Sept. Dr. Dorten ist vor einigen .Tagen wieder in Köln aufge-

weiter schärfsten Protest gegen daS.9lbmteuer von Fiume. Parteidirektion und Gewerlschaftsbimd for­dern neuerdings die Arbeiter auf, sich mit allen Kräften gegen den m.ilitärifdjen Handstreich be­reit zu ha i ten.

Die deutsch-italienischen Handelsbeziehungen.

Bern, 20. Sept. (Wolff.) Wie die^C1K Zürcher Ztg." von il-rem Korrespondenten an der italienischen Grenze erfährt, gckl-ein bei den italiei nischen Handelskammern täglich einige hundert Ge­suche um Bewilligung der Einfuhrvondeut- f di e n Waren ein. Bedeutende Mengen sind bereits eingckauft, können aber, da die endgültig^ Regelung der Handelsbeziehungen zwischen Italien! und Teutschilaud auf sich warten läßt, nicht em ge­führt werden. Um die unhaltbare Lage zu milbern, hat nun der italienische Finanzminister den Zoll­ämtern die Weisung erteilt, einige stark gefragte Artikel, wie Nähnadeln, Maschinenteile, ernsach? Medikamente und Spaten, passieren zu lassen. Tev Kvirespwndent bestätigt schließlich die Darlegung des Mailänder LandelsblattesSole", daß jetzt, wo die Handelsteziehunzen zwischen den beiden Ländern erlaubt sind, Waren gekauft und spediert werden, aber in Ermangel mg von Vollmachten der italienischien Zollämter an ver Greutze liegen bleiben.

^Letzten entschlossene Wille und Geist nicht in Berlin saß, wie die Entente annahm, sondern in Wien. Die serbischen Herausforderungen waren, so scheint jetzt festzustehen, dem deut­schen Volke und seiner Regierung mit absicht­lichen Uebertreibungen vorgehalten worden. Unerklärlich bleibt die Schwäche und Un- selbständigteit der Regierung Bethmann- Hollweg. Es ist auffällig,, daß die heute in Wien Regierenden mit solch mutiger Ent­schlossenheit Licht in das bisherige Dunkel bringen. Wir sind gespannt darauf, ob auch das Berliner Auswärtige Amt nun die Ar- Idjioe zu weiteren Veröffentlichungen öffnen wird. In einem offiziösen Kommentar zu den Enthüllungen stellen die Wiener amtlichen Stellen fest:

Die vorbehaltlose Eingabe der Dcutschjvester- teikher an das albe Regime und die absoluttstische Macht der Regierung verhmdertcn cd, während des Kriegs selbst die Frage nach der Verantwortung scstzustellen. Nachdem der Waffenstillstand geschlos­sen war, war die MöglickDeit der Untersuchung ge- geben. Nach dem Friedenssckstuß drängte sich die Publikation von selbst auf. Sollte sich' Dentschocstcr- rcich nickst ein fettiger Darstellung aussetzen, so mußte es frank unb frei Has zur Verfügung stehende Material selbst veröffentlichen. Unser Auswärtiges Amt tonnte sich dazu umso eher entschließen, als die Akten selbst ergaben, daß der Krieg /durch eine Handvoll Menschen aus der un­mittelbaren Umgebung der Stone ohne jede Füh­lungnahme mft den parlamentarischen Völker­schaften betrieben wurde. Die ganze Verderblichkeit .und Unhaltbarkeit des alten Regimes ergibt sich aus dieser einen Tatsache allein. Die Publikation mußte sich selbstverständlich aus die in den ehe­maligen Ministerien des Aeußeren Vorgefundenen 'Men beschränken. Diese wurden gewissenhaft und ! lückenlos verbreitet. Es ist selbstverständlich, daß !fie, wieviel sie auch unwiderleglich beweisen, zur '.vollen Feststellung der tatsächlichen Vorgänge noch die Publikation der Akten des deutschen Auswär- itigen Amtes sowie der Akten der alliierten und assoziierten Mächte erfordern. Außerdem weiß jeder historisch Geschulte, daß die Akten allein nur den 'im Augenblick sestgelegteu Niederschlag der Ereig­nisse bilden. Erst bie Zeugnisse der Beteiligten werden ein abschließendes Bild der Ereignisse geben können."

Aus den Enthüllungen geht hervor, daß schon am 24. Juni, also vier Tage vor dem Mord, in Wien eine Denkschrift fertiggestellt war, die sich mit den Machtverschiebungen auf dem Balkan beschäftigte. Darin steht der etwas verdächtige Satz:Umso gebieterischer tritt an die Monarchie die Notwendigkeit heran, mit entschlossener Hand die iFäden zu zerreißen, die unsere Gegner zu einem Netz über ihrem Haupt verdichten wollen." Tisza bemängelte den Wortlaut der Denkschrift und warnte,Berlin kopf­scheu zumache n". Die «Wiener Darstellung berührt dann die bekannteren Vorgänge und nagelt fest, daß Bethmann-Hollweg den Zu­sammenstoß mit Serbien nicht wünschte, Bcrchtold aber zielbewußt auf den Krieg lossteuerte. Es folgt das in den Grundzügen bereits veröffentlichte Protokoll über die Wiener Ministerratsentscheidung am 7. Juli. In der Sache der englischen Ver­mittlung bat Deutschland entschiedene Noten im versöhnlichen Sinn nach Wien geschickt, zu­sammenfassend heißt es dann in dem Buche:. Ebenso unverkennbar erscheint bie lucitere' Tatsache, daß der englische Vorschlag

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Annahme von Anzeigen f. bieXageSmtmmer bi-3 zuin Nachmittag vorher oynejedePerbindlichkeit vrctr für 1 mm höhe für Anzeigen v.34mmBreite örtlich 15 ßt, auswärts 18 Ps., für Rellamr- an zeigen von 70 mm Breite -18 Pf. Bei Platz- vorichrift20°/,Auifchla^, Hauotschriitteiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Ang. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigenteil: v- Beck: 1 sämtlich ui Gießen

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AriegZursachen.

Das Wiener auswärtige Amt überrascht hie Welt durch die Veröffentlichung wichtiger Akten über die Vorgeschichte des Krieges, und es werden in der Presse Auszüge aus diesen über 300 Seiten füllenden Enthüllungen ver­öffentlicht. Wir haben schon vor kurzem eine diesem österreichischen Staatsakte voraus­laufende Darstellung wiedergegeben, wie sich in Wien die entscheidenden Kronratsberatun- gen abgespielt haben. Die neuen Veröffent­lichungen lassen die Schuld des Grafen Bcrchtold, des damaligen Leiters der 1 österreichisch-ungarischen Politik noch größer erscheinen. Er war es besonders, der für die ^Zuspitzung der Konflikte mit Serbien eintrat lunb die kriegerische Auseinandersetzung jwünschte. Die anderen maßgebenden Wiener j Persönlichkeiten ließen sich, mit Ausnahme 'Tiszas, willig zu diesem Ziele führen. So .wird erwiesen, daß der unnachgiebige, zum

sackkalk § iE Gebr.Jt^

gwelscbarlge ppel'UDQ it-Pflüge fort Heferbar.

ver französisch: Sewirtschastskongreh.

Versailles, 20. Sept. (Wolff.) In der Donnerstagssitzung erklärte der Vertreter der Min­derheit, L e p 1 i t, die Confödöration generale du travail habe durch die Absage des Demon­stratio n s st re i ks vom 21. Juli das englische und italienische Proletariat verraten. Der Führer der Metallarbeiter M er r he im sagte, für ihn gebe es weder Mehrheitler noch Minderheitler. Er erklärte sich mit Joubaux solidarisch. Die. Bewegung von Zimmerwald habe ihn mit Sentit zusammengesührt. Merrheim ging alsdann auf 1 die russische Revolution ein und äußerte, daß^ die arbeitende Masse jeden Dag einen weiteren Teil ihres Ideals auf gebe, um nur für Geld. Geld, viel Geld zu Kämpfen. Auch Friedrich Adler habe von der Vwcmtwortlichfeit der Füh­rer gesprochen. Was die Extremisten dem Ver­waltungsrat vorwürfen, sei nicht w«hr. Man habe nicht mitgeholfen, die ungarische Revolution zu erdrosseln. Sem größter Schmer- sei gewesen, in Frcmknich eine revolutionäre Lage, aber fernen revolutionären Geist vvrznsinden. Wenn man die Arbeiter befreien wolle, barm jei es unumgäng­lich notwendig, gegen die allgemeine Unsittlich- kett zu kämpsen, die mehr ober lymger alle Klassen beherrsche. Man müsse bte Arbei­ter davor bewahren, daß sie nur kämpften wegen Lohnerhöhung. Da­raus könne keine posittve Besserung ihrer Lage hervorgc'hen. Man gehe schwierigeren Zeiten ent­gegen als den vergangenen. Der Redner fordert die Arbeiter auf, Vertrauen zu haben und sich nicht besiegen zu lassen, sonst würde die Reaktion auf ein ganzes Jahrhundert den Sieg über btt revolutionäre Gewerkschaftsbewegung davon tra gen. Ter Eisenbalm Tirol le aus Paris wazibt- sich 'gegen den Verwaltungsrat und sagte, bie Gedanken von Zimmerwald seien stärker geworden. Die Mehrheitler hätten die Kriegsidee verstärkt,, deshalb seien sie auch verantwortlich für die Un­sittlichkeit, von der Merrheim gesprochen habe.

D u m v u l i n führte aus, er sei für die Poli­tische Revolution. Seit dem Wasfensttllstand sei bie Haltung der Confeteration genärale du tra­vail falsch gewesen. Die Einheit der Arbeiter dürfe allerbings nickst zerschlagen werden. Die Gewerk­schaftsbewegung werbe zu Grunde gehen, nxmn wenn die schweren Irrtümer fortbeftünben. Man wolle in Frankreich Feine Gewerkschaftsbewegung, wie sie Gompers in Amerika vertrete. Die Min­derheit werde an Stärke Gewinnen. Ihre Ge­danken würden immer mädytiger werden. Jetzt müsse man durch Lohnverträge, die man ver­allgemeinern könne, etwas zu erreichen suchen. Die internationale bas seien 18 Millionen Gewerkschaftler bet ganzen Welt sei in Amstcr- bam wieder aufgerichtet worden; man könne aber nickst sagen, daß alle diese Mllronen auch von internationalem Geist erfüllt seien. Wenn jetzt 500 000 Arbeiter aus Mitteleuropa an bet Wie- beraufrickstung der Kampfzone Mitarbeiten, baim kämen sie unter den Schutz des internationalen ge­werkschaftlichen Rechts sowohl in bezug auf die Bezahlung wie astch in bezug auf bie Hygiene. Tas sei Nützlichkeitspolitik int internationaler Sinne. Mau bürfe die vier Mitglieder des Vor­standes für bie Mißerfolge am 1. Mai nickst Der-» antwortlich machen. Die Führer feien von den Massen überstimmt.

Koste und die Reichswehr.

Verl in, 20. Sept. (WTB.) Bon zustän­diger Seite wirb mitgeteilt: Der Führer eines in Memel liegenben Bataillons, Hauptmann Schmidt, der kürzlich in Uederschreitting seiner Tienstbefugnisse die Rebattion bes dortigen sozial- demokratisch-cu Blattes militärisch besetzen und den Redakteur veriiaften ließ, wurde von seinem Posten enthöbe n. Ties ist ein erneuter Be­weis dafür, daß Uebergriffe von Offizieren ton den, zuständigen militari) den Stellen unnachsichtttch ge­alpt bet werden. Die militärische Besetzung ist vom Militärkommando sofort rückgängig gemacht und der Redakteur freigelassen worden.

Berlin, 20. Sept. (WTB.) Bon zuständiger Seite wirb mitgeteilt: Unter der sensationellen UcberschriftAusrichtung der Diktatur Noske?" verbreitet dieTägl. Rundschau" in ihrer Abend- mimmcr vom SamStag Nachrichten, bie anbeuten sollen, baß der Reichswehrminister bestrebt sei, eine Militärdiktatur aufzurichten, und baß er hierzu rege Beziehungen sur Entente unterhalte. Eine größere Frivolität als bie Verbrei­tung einer solchen Nachricht ist kaum benfbar. DieTägliche Nimbschau" behauptet, baß ihr die Angelegenheit aus Kreisen, bie dem Republikanischen Führerbunb nahe stehen, mitgeteilt worben sei. Sie scheint vergessen zu haben, baß sie bicsen Republikanischen Führerbunb bis in bie letzten Tage hinein aufs allerschärfste bclämpst Hit. Wenn mm dieTägl. Rundschau" selbst schreibt daß sie an die Wahrheit der von ihr verbreiteten Nachricht nickst glauben möchte, so hätte sie so viel Verantwortlichkeit haben müssen, ihr Seniationsbedürfnis zu zügeln. Zumindest aber hätte sie ivohl zuvor beim Minister anfragen kön­nen. Sie zog es aber vor, völlig grundlos einen dicken Skandal in die Welt zu setzm. Es verstelst sich von selbst, daß die Nachricht im ganzen Umfange erlogen ist. Der ReichSW chrminister hat auch weder mit der Entente raodj irgeirbwelchxr anderen Persönlichkeit jemals Verhandlungen geführt, die den Zweck haben kömi-> ten, in Deutschland eine Diktatur aufzurichten. DerTäglichem Rundschau" wurde wegen ihres g erneingesährlick.en Treibens eine ernstliche Verwar­nung erteilt.

angebliche Po tsdarner Kron rat am 5. Juli 1911 in Wahrheit eine Sitzung des Mini - sterrates für bie gemeinsamen Angelegenheiten in Wien am 7. Juli 1914 war. Nach bem Protokoll über biefe Sitzung einigten sich alle Anwesenden mit Ausnahme des ungarischen Ministerpräsiden­ten Grafen Tisza auf den Standpunkt, daß ein biplomatiscker Erfolg, wenn er auch mit einer eklatanten Demütigung Serbiens endigen würde, wertlos wäre unb daß daher so weitgehende For­derungen an Serbien gestellt werden müßten, daß sie eine Ablehnung voraus sehen ließen, damit eine radikale Lösung im Wege eines militärischen Ein­greifens angebahnt würde. Aus derVeröffentlicl- ung geht weiter hervor, baß das Berliner Kabinett ohne 5keirntins bes Wortlautes der österreichisch- ungarischen Note an Serbien geblieben und an ihrer Abfassung keinen Anteil hatte, sowie baß _ bic serbische Antwortnote vom Wiener Kabinett überhaupt nicht nach Berlin mit­geteilt wurde. Des Weiteren wirb aftemnäfeig nachgewiesen, baß der englische Vermitte­lungsvorschlag vom 29. Juli dringliche und nachdrückliche Befürwortung durch die Berliner Regie run g gesunden hatte. Herr von Tschirschky war beauftragt worden, an die nach Wien weitergegebmen Aeußerimgen Sir Edward Greys u. a. folgende Bemerkung zu knüpfen: Das beutfdie Kabinett muffe es dringendst unb nachdrück­lichst der (Srtoägung der k. u. k. 9tegierung anheim- stellen, die Vermittelung Englands unter ben an- gcgcb.nen ehrenvollen Bedingungen anzunehmen Es wäre für -Oes 1erreich-Ungarn unb Deutschland ungemein fdjwer, die Verantwortung für die Folgen einer ablehcnden Haltung zu tragen. Als ebenso unverkennbar bezeidstiet aber auch bie Llrbeit die wertere Tatsad-ie, daß der englische Vorschlag infolge der dilatorischen und unsachlichen Behandlung sei­tens des Wiener Kabinetts keine Annahme gefunden habe.

Wien, 20. Sept. (Wolff.) DieArbeiter­zeitung" veröffentlicht freute im Wortlaut ein Protokoll über ben am 7. Juli 1914 unter dem Vorsitz des Grafen Bcrchtold abgefraltenen gemeinsamen Ministerrat, worin eine euer - gische Aktion gegen Serbien beschlossen würbe. Der wesentliche Inhalt bieses Prowkolls ist aus ben .vor einiger Zeit im WienerMorgen" er­schienenen Mitteilungen bereits begannt. Aus dem Wortlaut wäre noch folgendes frervorzuheben: Am Schlüsse einer eingcheuben Erörterung über, bie Kriegs frage wurde festgestellt, daß alle Versam­melten tun(id>ft eine rasche Entscheidung des Streitfalles mit Serbien in kriegerischen ober friedlichem Sinne wünschen, unb daß der Mi­nisterrat bereit wäre, sich der Ansicht des Grasen Tisza anzusdstießen, wonach erst mobilisiert wer- ben solle, nad)dem konkrete Forderungen an Ser­bien gerichtet, dieselben zuriickgewiesen sowie ein Ultimatum gestellt worden sei. Dagegen waren alle Anwesenden mit Ausnahme Tiszas der An­sicht, daß ein rein diplomatischer Erfolg, trenn er auch mit einer eklatanten Demütigung Ser­biens enden würde, wertlos wäre, daß daher

GieMer Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

Zwllllngrrunddruü u. Verlag: Srühl'sche Univ.-vuch- u. ZLeindruckerei R. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle u. Vruckerel: Zchnlstr. 7.

w bcrl tAtefor IMtWIB -Das Wiener Kabinett unb die Entstehung des ^Weltkrieges hat Dr. Roderich Goos mit Ermäch-

Iflti»0'1 tiguug des Leiters des deutsch-österreichisckxm " 1MMMW

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infolge der dilato rischen und unsachlichen Be- bandlung seitens des Wiener Kabinettes keine Annahme fand. Damit ist das Schicksal Eu­ropas besiegelt."

Vertrages den alliierten und assoziierten Hauptmächten überlassen werden sott, wurden wiederholt bei dec deutschen Regierung mit der Bitte vorsteklig, die b a l d i g e E n t s ch e i- d u n g über ihr zukünftiges staats- und völ­kerrechtliches Schicksal herbeizuführen. Wäh­rend die überwiegende Mehrzahl dec Be­völkerung keinerlei Llenderung des jetzi­gen Zustandes wünscht, auf jeden Fall aber die Entscheidung des Volkes selbst über die Staatszngehörigkeit nach den Grundsätzen des Selbstbestim­mungsrechts fordert, empfinden alle Be­wohner des Memelgebietes den gegenwär­tigen Zustand der Unsicherheit als lästig und schädlich zugleich. Das wirtsckMftliche Leben des auf regen Handel angewiesenen Gebietes leidet auf das empfindlichste. Die Unterneh­mungslust ist gelähmt, die nationalen und sozialen Gegensätze verschärfen sich. Für die Regierung selbst ergeben sich aus dieser Lage namhafte verwaltungstechnische Sck)wierig- keiten. Allen diesen Nachteilen würde bte möglichst baldige Stellungnahme der alli­ierten und assoziierten Hauptmächte über das Memelgebiet abhelfen, die den Wünschen der Bevölkerung Rechnung trüge.

foldye weitgehenden Forderungen an Serbien gestellt werden müßten, die die Ableh­nung vocaussel-en ließen, damit eine radikale Lösung im Wege des militäriüfren Eingreifens angebahnt würde. In dec am Nachmittag wieder aufgenommenen Sitzung des Ministerrates erteilte dec Ehcs bei Generalstabs eine geheime, in dem Protokoll nicht aufgenommene Antwort auf fol­gende Frage des Kriegsministers: 1. ob es mög- iid) wäre, zuerst nur gegen Serbien zu mobili­sieren und erst nachträglich, wenn sich die Not­wendigkeit hierzu ergebe, auch gegen Rußland; 2. ob man zur Einschüchterung Rumäniens größere Truppenmengen in Siebenbürgen zurückhalten könnte; 3. wo man ben Kampf gegen Rußland aumehmen würbe. Auf Grund dec Aus- Tläiung deS Generalstabschcfs entspann sich hier­auf eine längere Debatte über bie Kräftever- hälwisse unb beit wahrscheinlichen Ver­laus eines europäischen Krieges, die sick) wegen ihres geheimen Charakters nicht zur Ausnahme in bas Protokoll eigneten. ,Gras TiSza richtete darnach neuerlich die Aufsorbe- rimg an die. Anwesender, sie möchten ihre Ent- fdieibung sorgfältig prüfen. Der Vorsitzende Gras Berchtold konstatierte schließlich, daß, wenn auch noch immer eine Divergenz zwischen Den Ansichten aller Teilnehmer unb jener des Grasen TiSza bestehe, man sich bock) näher' gekommen sei, ba auch die Vorschläge des , ungarisckMi Mi- uisterpcäsibenteil aller Wahttcheiickichfeit nach zu der von ihm unb ben übrigen Mitglieder^ der Konferenz für notwendig gehaltenen kriegerischen Auseinandersetzung mit Serbien sühren würbe. Nach einer Mit­teilung, baß Gras Bcrchtold nad) IM reifen werbe, um dem Kaiser Vortrag zu entarten, ec- sud te Graf TiSza bau Vorsitzenden, auch erneu bon zu verfassenden allevuntertänigftvti.rtrag

feilte Auffassung der Lage zu unterbreiten.

Berlin, 20. Sept. (WTB.) Der

Reichsminister des Aeußecn, Müller, bat

Freiherr« v. Lersner nm die Ueberretchnng! Treibens unb beschwört d'Amiunzro, von leinen der folnenben Note: Die Vertreter des Me- Unternehmungen abzulassen, die zum B ürge r- melgebieets, das nach Teil 3 des Friedens- kricac führen müssen. Tie SozmlrsM erbeten

wiener Enthüllnngen über bie an Rußland. Aus ben verösfentlidstcn Aktenstücken I geht hervor, baß die bisherigen Beweisdokumente I der ''Entente für bie ablehnende Haltung der beut- schen Regierung gegenüber den englischen Ver­mittelungsvorschlägen schwerwiegende materielle Irrtümer enthalten. Es wirb festgeftellt, baß der