Ausgabe 
22.8.1919
 
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Zentrum>

Abgegebene gül­tige Stimmen 21.018

An den. a5peg>sbencn gültigen 21018 Stimmen sind demnach bic Demokraten mit 8,94 Proz. betei­ligt, die Deutsche Volkspartei mit 8,14 Proz., die Deutschnaticmalcn mit 43,17 Proz., die Sozial­demokraten mit 25,77 Pro», und die Unabhängigen mit 13,98 Proz., eine in mancherlei Hinsicht inter­essante Verschiebung! Die D e n ts ch 11 a t i 0 u a - leu haben fast ihre alten Wahlzifern, die sie bei den Wal'l.n zur Volkskammer imi> zur National- oersarninlung zu verzeickmen hatten, wieder erlangt. Unfl gleich die Gegenprobe bei der sozialdemo­kratisch en Mehrheitspartei zu ziehen, ist festzustellen, daß die Sozialdemokraten noch nicht ein Drittel der Ziffern ihrer früheren Wcchlergeb- nisft erreicht Habnr. Die Unabhängigen haben freilich ihren Stand bei der Wahl zur National­versammlung noch um eurige (Stufen überklettert, !vas aber in unserer Gegnrd nicht von großem Be­lang ist. Was die Deutsche Volkspartei und di? Demokraten anlangt, so ist es höchst auffällig, daß die Demokraten so überaus große Einbußen mtfomrtfircn hatten: sie haben nur etwa ein Fünf- ml der Stimmen, die sie bei der Wahl zur Volks­kammer hatten, erreicht unb' von allen Parteien gegenüber beit Vorwahlen am schlechtesten ab- geschnitteu. Die Deutsche V 0 l k s p a r t e i hat immerhin nahezu die Hälfte ihrer früheren Wahl- zissern gewonnen und ihren Erfolg besonders in den Städten gehabt, während die Teutschnationalcn auf bem Lande ihre Eroberung vollzogen.

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Wahl zur Wahl zur Volkskamm.

Deutsche Volkspartei.

1. Richard Schubt, Landgerichtsrat in Gießen. 2. Kaspar Ranft, Bürgermeister in Grünberg.

* * *

Wie wir schon feststellten, bedeutet auch das Ergebnis der Kreistagswahl im Shrcife Gießen einen außerordentlich starken Ruck nach rechts. Tie Wahlbetriligung war im Durchschnitt sehr mäßig; von den Parteien der Linien sind die früheren Wähler für Volkskammer und Na­tionalversammlung diesmal in großen Scharen der Wahlurne ferugebliedm. Am besten wird das Wahlergebnis veranschaulicht durch solgende Ta­belle, aus der die politische Veränderung gegen­über den beiden letzten Wahlen sehr klar zu er­kennen ist.

«ach solgmde öeno^l je DolWrttl.

Landwirt in °*1

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Wahl zum Kreistag Demokraten 1880 8,94o/o Deutsche Dolksp. 1 714 8,14o/o

Deutsch-Natl. 9 069

43,17o/o Sozialdemokraten 5 117

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** Gemeindesteuern. Mit Rücksicht auf die verspätete Zustellung der Gemeinbesteuerzettel ist das bereits fällig gewesene 1. Ziel im August Md das bereits fällig gewesene 2. Ziel mit dem Ziel zusammen im Monat September an die Stadtkasse zu entrichten. Die übrigen Ziel- sind M den auf dem Steuerzettel festgesetzten Terminen Mig.

** Der Viehstand in Hessen betrug «nl 1. März 1919 56 191 Pferde (gegen 40 155 in 1914), 275 874 Stück Rindvieh (g g n 339 079 in 1914), 80 932 Schafe (58 146), 128 856 Sckweine 'Segen 410 395 in 1914), darunter 10 656 Zucht- lauen unter und 13600 Zuchtsauen über einem Ärhre (gegen 163 287 und 34 706 in 1914), 1-44 464 Ziegen (gegen 144 385 in 1914) 965 585

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Kreis Büdingen.

lk. Büdingen, 21. Ang. Bei der KreiStags- wahl erhielten die Demokraten 466, Bauernblmd 1241, Sozialb. Partei 1076 Stimmen. Die Deut­sche Volkspartei stimmte für den Bauernbund. LU!1"' ..........................

Arr» Stadt rrnd Land.

Gießen, den 22. Aug. 1919.

Die Toten des Jnf.-Regt«. Nr. 116.

Heute ist der Jahrestag der Schlacht bei Anloy, die unserem Gießener Regiment die schwersten Verluste brachte. Ein solcher Tag lenkt den Blick zurück auf das, n>as einst mar und was vollbracht wurde, und ist in unserer schmerzlichen Gegenwart voller Erinnerun­gen. So entstand die in unserem heutiigen Blatte enthaltene Ehrentafel des Regi­ments, die besonders dem Andenken der ge­fallenen Offiziere gewidmet ist. Die mei­sten unter uns tragen das Bild der Verkörpe­rung des Regiments in seinen Friedenstagen noch im Herzen; unser heimischerMili­tarismus" hat den Stadtbewohnern nie zu klagen gegeben, recht häufig war er ihnen ein Quell stolzer Ermunterung. Die Ehrentafel, die Major Stephan heute veröffentlicht, läßt uns besinnen, wie die meisten Männer des ak­tiven Offizierkorps durch den Strieg hinweg­gerafft worden sind. Namen darunter, die auch im Bürgertum den besten Klang hatten, jugendfrische Gestalten und gereifte Männer, durch Bande der Kameradschaftlichkeit mitein­ander verbunden:zerstoben ist das freund­liche Gedränge". Doppelt traurig, weil uns Aehnliches nicht wiederkehren wird, weil wir ja nach dem Friedensvertrag unsere Wehr­macht bis auf einen kleinen Rest verscharren müssen. . . Umso treuer wollen wir uns an die Vergangenheit halten und das Andenken der Gefallenen in höchsten Ehren bewahren. Das Ofsizierkorps der 116er hat sich im Kriege stolz bewährt. 107 Offiziere starben den Hel­dentod; die Möglichkeit bleibt offen, daß noch einer ober der andere infolge mangelnder Aus­zeichnungen nicht mitaufgeführt worden ist. Die Wenigen, die uns lebend geblieben sind, haben nicht minder treu gekämpft uud gelittcu. In der jetzigen Zeit der Umwertungen, der Unordnung und Auslösung leuchtet und er­wärmt alles, was von dem alten Geiste noch lebt und mitschafft. Möge die Kameradschaft der 116er weiter fortdauern! Denen, die sich unter ihrem Zeichen sammeln, winkt kein Hurrapatriotismus, leuchtet vielmehr in cer Nacht nationalen Elendes der Stern des alten Vaterlandes.

ALrchlrche Nachrichten.

Israelit. ReligionSgemeinbe. G»t- tesdienst in ter Synagoge (Süd-Anlage). Sams­tag, 23. Äug. Vorabend: 7 Uhr. Morgens: 8.30. Predigt. Abends: 7.35 u. 8.15.

Turnen.

** Holzheim, 22. Aug. Am kommende« Sonntag veranstaltet der hiesige Turnverein sein diesjähriges 9t b turnen verbunden mit Ver- einLwetturnen.

Federvieh (gegen 1394 195 in 1914) und 140 621 rahme Kaninchen (gegen 150 670 in 1914). Tie ini Jahre 1914 vorhandenen Milchkühe in der Zahl von 189 651 sind in 1919 auf die Zahl 161 294 zurückgcgangen.

. ^ei der städt. Obst-undGemüse- st e l le, Marktlauben, werden morgen und die fol- Bohnen, Weißkraut, Wirsing, Rom. Äohl, Gelverüben, Rvterüben, Kohlrabi, Tomaten und Zwiebel, sowie Obst, Aepftl, Brrncm imb Zwei- )a,en verkauft. Ter Verkauf findet an Werktagen vor- und nachmittags stritt.

** Der Kammervirtuose Louis Kümmel, der rühmlichst bekannte Cornct-ä- Piston-Künstler, veranstaltet am nächsten Donners­tag aus bet Liebigshöhe ein Gastspielkonzert. Der berühmte Pistonkünstler wirb wohl vielen Gieße­nern von seinen früheren Gastspielen her in guter Erinnerung sein.

** ß m Lichtspielhaus tritt ab morgen Friedrich Zelnik inMenschen, die vom Wege kamen", Schauspiel in 5 Akten, auf. Ferner >oird Tie Heimatlosen", ein Schick,alslied hi 5 Litten, gegeben.

Eingesandt.

(Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrit stehenden Artikel übernimmt die Redaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Berantwrtung.)

Klein-Linden. Ter Inhalt des Einge- sandts in der letzten Montagsnuinmcr dieser Zei­tung betreffend Verteilung verschiedener Lebens- Mittel ist derart gehalten, baß der Leser cmnehmen muß, der Einsender habe im Interesse aller ober wenigstens der meisten Geschäftsleute Lklein-Lin- dens gehandelt, zmnal der ÄrttkelEiner für Viele" unterzeichnet worden ist. Dem ist jedoch nicht so. Was die Verteilung der .Kartoffeln, gel­ben Rüben usw. betrifft, so können wir Kolonial- Warenhändler diese Maßnahme der Bürgermeisterei nur begrüßen, da doch die durch die Lagerung dieser verhältnismäßig viel Raum beanspruchenden Waren und deren Verteilung eittftehende Mühe bzw. Zeitverlust durchaus nicht im Einklang mit dem eventl. zu erzielenden ganz minimalen Ver- kaussgewinn stehen dürfte. Die Verteilung dieser Waren findet übrigens entgegen der Behauptung des Einsenders auch in anderen Orten unb Städten, beispielsweise in Gießen, durch die Kvm- munalverwaltung statt. Der Grund zu dieser Maß­nahme ist jedenfalls darin zu suchen, die Waren, für deren Verbrauch doch hauptsächlich die minder­bemittelte Arbeüerbevölkerung in Betracht kommt, durch Ausschaltung d s Zwischenhandels möglichst billig und zwar bei möglichst gereckster Verteilung abzugeben. Aehnlich dürfte es sich mit der Ab­gabe bcs amerikanischen Mrhlcs verlmlten. Auch an diesem Artikel ist der evtl, zu erzielend: Ver­kaufs gewinn für und Kolonialwaren Händler so mi­nimal, daß er mit Rücksicht auf die kleine Menge dec Ware überhaupt nicht in Betracht kommt. Zu dieser Einsicht sollte auch der Einsender teS Montagsartikels kommen und wäre eher ang» bracht, wenn man dem Herrn Bürgermeister für seine iMütemaltung im Jnbevesse der Bewohn:t Klein-Lindens imd gleichzeitig für die Entlastung durch Uebernahme eines kaum gCw-innbring.-nten Verteilungsgeschäftes dankbar sein würde, als an­scheinend noch von bem Resultat der letzten Bei- geordnetenwahl beeinflußt, durch derartige Artikel Unzusriedenheit zu zeigen.

Ein Koloniakwvvcnhändler für die vielen anderen.

Israelit. Religions-Gesellschask. Sflbbatfeier den 23. August 1919. Freitag abend 7 Ute. SamStog norm. 8. Nachmittag 4. Sad- datauSgang 8.15. Wvchengotteöbicnst: morgmS 6.30, abends 6.30.

Viichertisch.

Borgeschichte des Waffenstill­standes. Amtliche Urhntbnt auS den Archive^ des Auswärtigen Amtes und der Reichskanzlei. Amtliche Weißbuchs-Ausgabe Preis 10 Mk., amt­liche Votks-AuSgdbe Preis 4 Mk., zuzüglich 10% Teuerungszusckstag. Verlag von Reimar .Hobhing in Berlin SW. 61.

Wie ich wurde. Selbstbiographien volks­tümlicher Persönlichkeiten. N 0 s k e. Kultur-Ver­lag . Berlin W. 30 b. Preis 1,35 Mk.

Die Weltliteratur. Die besten Ro­mane und Novellen aller Zeiten und Völker. Preis der Nummer 30 Pf., vierteljährlich 3 MA Heft 33 enthältTie alte Barbara" von Franz Trautmann.

c P aul Langenscheidt, Beate. fTu> man. Verlag Dr .P. Lan.gensck)ridt, Berlin W. 15.

Mietrecht, Mretzinssteigeruna. Wohnungskündiguwg. Von Genieinderich- ter Dr. Kallce, .Vorsitzendem am Mieteinigungsamt Stuttgart. Gegen Einsendung von 1 Mk. zu be­lieben durch die Württ. Mieter- unb BanvereinS- Zeitung in Stuttgart, Calwerftr. 35, sowie durch jede Buchhandlung.

Friedrich von Gagern:Die Wundmale". Roman in zwei Bänden. Preis geheftet 16 Mk., gebunden 18 Mk. Verlag von L. .Stoackmann in Leipzig.

Arnold Steinmann-Bucher: So­zialisierung? Mit drei Tafeln: Darstellung der Planwirtschaft. 204 S. Berlin W 57. Leon­hard Simion Nf. Preis 4 Mk.

Hessen-Nassau.

Falsche Ziasscheiae der Kriegsanleihen.

Frankfurt a. M., 21. Aug. In hie- ftgcn Gesckiäften wurden in den letzten Tagen zahl­reiche falsche Zins scheine der beutftten Kriegsanleihen von mtbefannien Personen in Zahlung gegeben. Die Zinsscheine sind an unb für sich echt gewesen und lauteten über 100 Mark Kapital bzw. 2,50 Mk. halbjährliche Zinsen. Mit großer Geschicklichkeit hat der Fälscher der 100 zwei weitere Nullen angefügt, so daß der Schein über 1OOOO Mark AtUpdal lautet: denn bat er zwischen der Zahl 2,50 Mark ba-3 Komma tvegrabiert unb dadurch bat Wert des Zinsscheins von 2,50 auf 250 Mark erholst. Die Fälschungen sutd so geschickt gemacht, baß sie bei oberflächlicher Prüfung der Scheine nickst entdeckt werden. Es ist also hei der Annahme von Zinsfcheinen größte Vorsicht geboten.

Bom Eiseubahner-Zentralrat in Frankfurt.

Im Zentralrat der Eisenbahner in Frank- kurta. M>. Hal sich, tofie derTarmst. Tägl. Anz." schreibt, alles zusammengefunden, was mtter den Eisenbahnern dem stärksten Radikalismus huldiyt. Von dort auS gingen die letzten starken Streck­bewegungen aus, die das Berkehrswesen in Berlin und MiNeldeutichlcrnb in so empfindlick^r Weise störten. Ter Lertrnndsvorsdanb der Eisenbahner (Mit nun die Gesckstrftsführung des 'Zentralrats jüngst einer Unterfudnntff unterworfen und ist dabei zu überraschenden Feststellungen gekommen.

Tie Kasseirbiiä,er des Zewtralrates befinben sich in größter Unordnung. Einzelne Ausgaben sind doppelt gebucht. Die Einnahmen aus Sammlungen und 3inu mbimgen von bat Ortsgruppen sind über­haupt nicht gebucht. Tie ganze ..Buchführung" macht den Eindruck, als seien die Bücher erst nach der Generalversammlung in Jena angelegt und die Eintragungen nächst räg^cch ohne Unterlagen, rein aus dem Gedächtnis erfolgt. Eine alte Schreib­maschine ist zu dem Ijknrcnben Preise von 1675 Mk. gekauft worden. Es konnte ferner fest gestellt wer­ten, daß die Mitglieder des Zentralrabes an Tagegeldern für jeden Tag«, obwohl sie häufig nicht in Bestlin waren, vierzig Mark bczogat haben. Sie haben diese Beträge auch noch bezogen, nachdem die Generalversammlung deS Verbautes die Tagegelder auf 26 Mark festgesetzt hotte. Dem Dor stand war mitgetcUt wordat, daß zwei Mit­glieder des Zentralrates Hertel unb Klütz in einer Nacht 1500 Mark verjubelt haben sollten. Tie Untersuchung durch die Kom­mission hat ergeben, baß an dem Zechgelage in der Nacht vom 5. Mai 1919 nicht zwei, sondern mel/r Milglieder des Zentralratcs und eineTamc" beteiligt waren und daß dir Zeche in einer Barallein2300 Markbetrug. Tas Mit­glied des Zentralrates Mencte-Elberftlb hat als Kassierer seiner Ortsgruppe trotz mehrfacher Anf- forterung für das erste Quartal 1919 nicht abge­rechnet. Tic van bem Kollegen Pöliller-Opladen im Austrage tes Vorstandes am 21. Juni ausge­stellte und von Menche als richtig anerkannte Äb- rechmrng ergab, daß Menchc 1338,45 Mark Ver- band^sgclder nickst abgeliefert hat.

Und diese Leute werfen in ihnen Zeitungen den Kapikalisl-en Lotterwirtschaft und der Nationalver­sammlung Verschleuderung öffentlicher Gelder vor. Es ist höchste Zeit, daß diesem Treiben ein Riegel vorgeschoben wird.

Riesendiebstühle in einer Bohrcrsabrik.

--- Frankfurt a. M., 21. Aug. Aus bat Lagerräumen der Spiralbohrerfabrik von Gün­ther & Co., Boltastraßc 32, verschwanden feit Monaten große Mengen wertvoller Spiralbohrer. Die Verluste häuften sich derart, baß die sonst gut finanzierte Fabrik letzthm nur noch mit Unterbilanz arbeitete. Alle Nachforschungen blieben erfolglos, zumal es auch der ArbeiterauSschüß bei der Fabrik ablchnte, daß sich die Arbeiter beim1 Verlassen des Werkes einer Revision nnterzieben sollten. Am letzten Samstag gelang eS mm der Kriminalpoli­zei, die Diebstähle in vollem Umfange aufzudecken. Arbeiter der Fabrik, haben den Ermittlungen zu­folge rin Laufe der letzten Monate für rund 300 000 Mark Spiralbohrer aus der Fabrik gestohlen unb sie n>tit unter Preis an Hehler weiter veräußert, in erster Linie an den Werkzeughänteer Jngeimur Trayser, der ein Bureau im> Hanfahucs hatte, dm Händler Münschbach und einen gewissen Ehrhard Enners, sämtlich aus Franlsu t a. M. Bei allen drei Heßlern fand man noch erhebliche Vorräte von gestohlenen Bohrern vor. Der Zufall fügte es, daß, während die Polizei bei Travser Haussuchung abhielt, gerade zwei Arbeiter der Fa­brik erschienen, um neues Tiebsgut abzuladen. Bis jetzt wurden sieben der Hauptdiebe und die drei Hehler fcffcgenommat. Doch zieht die aufsehen­erregende Affäre noch weitere Kraft.

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X Hanau, 20. Aug. Ter jetzt zu Enbe ge­gangene Transportarbeiter streik drohte zu einer Kalamität für unser Wirtschaftsleben sich auszugestaltat. Jirfolge ber Kohlemwt le­ben die großen Betriebe nur noch von b:r Hand zum Mund, was auch für die städtischen Werke, das Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk, zu trifft. Es bestand die Eiefahr, daß diese Werk: bei ungenü­gender Belieferung mit Kohlen.ftiHgelcgt würden. In dieser Not Haven sich hiesige Einwohner bereit gefunden, imnnterbrodpai unter Leitung des Bürgerausschusses die Entladung der Kohlenwagen an den Bahnhöfen vorzunehmen und die Kohlai den städlischcn Werken zuzufülsten. Tie im Ausstand befindlichen Arbeiter der Unedel- Metallindustrie haben beschlossen, die Ar­beit wieder aufzunehmcn. Man hofft dadurch einen Weg zu weiteren Verhandlungen zu sindm.

Hanau, 21. Aug. Im hiesigen Po­lizeigefängnis überfrclat gestern mittag bei der Essenausgabe die wegen Einbruchsdiebstahls in Hast genommenen Brüder Storno unb Willi Fischer bat GcfMignisauffehcr, würgten ihn, entrissen ihm bic Schlüssel unb gewannen baS Freie. Bruiw Fischer würbe auf ter Flucht von einem Schutzmami feftgehalten, unb als er sich hartnäckig wehrte, kampfunfähig gemacht, so baß er bau Krankenhause zugeführt werten mußte. Willi Fischer formte noch nicht ergriffen werten.

X Wir theim bei Orb, 22. Aug. Der am Sonntag bnrch Einbruch bei bem Rechner ber Raiffeisenkasft gestohlene Bettag von nmb 200 000 Mark, bestehend in Bargeld unb Wertpap'erai, ist zum größten Teil wieber hcrbeigeschasit. Emer ber Einbrecher, ber bat größten Teil ber Beute bei sich führte, ist in Rengersteunn verhaftet worben.

z. Aus bem Vogelsberg, 22. August. Mitte voriger Wock»c würbe mit dem Korn- schnitt begonnen, obschon es noch nicht ganz reif war. Er ist heute sck-on ziemlich beendigt, und bic Einsahrt hat begonnen. Die Ernte scheint mittelmäßig zu wcrbar. Die Himbeercn- ernte ist jetzt in vollem Gange. Für bas Pfunb wirb 1,50 Mk. bezahlt.

Kreis Friedberg.

Rl. Friedberg, 22. Aug. In der gritrigen Geheimsitzung der Stadtveroronetenverslimmlung nurbe Rechts an walt Dr. Seyb zum Bürger­meister von Friedberg gewählt. Tr. Ccyd ist bis jetzt polüisch nicht lwrvorgetreten. Gerate dieser Umflo.tb verschaffte ihm das Vertrauenivciter Bürgerkreise, bic bem Gnmbsatz huldigen, baß die Politik nicht aufs RalhauS gehört. Gestern Abend lmldigte die Bürgerschaft ihrem iieugewählten Stadtoberl-anpt mit einem Fackelzug.

Rl. Friedberg, 22. Aug. Korn menten Sonniag findet hier auf Einlabung be) hiesigen Arbeitcirates eine Konferenz ber Arbei­te r r ä t e bes Kreises Friedberg statt, in ber zur Frage des Forttesvanbcs der Arbeiterräte Stellung genommen werden soll.

Q. Bad-Nauheim, 22. Aug. Das Som* merfest zum QBeslen des FerienfondL ber Mit­glieder bes Kurtheaters im Konzerthaus nahm einen in jeder Beziehung glänzenden Verlauf. Trotz sehr erhöhter Preise (ber billigste Platz stellte sich auf 6 Mk.) war bas Konzerthaus ansverkaust. Nach ber Ausführung bes zweiten Aktes ausFleder­maus" wurde der Konzertsaal als Festwiese ter» gerichtet, auf ber Verkaufsftänte aller Art, ver­waltet von Künstlern unb Künstlerinnen, aus­gezeichnete Geschäfte machten. An ber Spitze des Festausschusses standen die Herren Kurdirektor von Frankenberg, Badedirektor von Böhmer nmb Hoftcck Steingoetter. Die Einnahme des Festes bürste sich auf 1215000 Mark be­laufen. Für eine Tombola, berat Lose reißenbm Absatz sanden, hatten Kunstfreunde unb Geschäfts­leute der Stabt wertvolle Geschenke gestiftet.

Starkenburg und Rheinhessen.

Die Bauernbewegung in Starkenburg.

hl. Darm stabt, 22. 9Tug. Starke Strö­mungen gegen die Anordnungen der Kommunal- verbmibe machen sich hier geltenb. So haben heute vormittag die Landwirte, welche eine auf dem stäblischen Sckflackthmlsplatz aufgestellie Dresck>- moschine benutzten, dm mit der Verivimung be­auftragten W i e g e m e i st e r des Kom.-D^b. em- sack bavongejagt. T ar auf bin wurde durch bic Behörbe das Weiberdreschen ohne Verwiegung gestattet. Achnliche Nachrichten kommen utzt auch aus tem Oben walb. In einer mächtigen Versammlung von Landwirten, die am Sonntag in Gr-UMstadt ftattfanb, würbe einmütig be­schlossen, jebe 'weitere Ablieferung von Lanbes- probuktcn zu veNreigern. solange bie Leutmot auf tem Lande herrscht, auf ber anderen Seite ater diese außerorbmtlich h)ten Unterstützungen an die Erwerbslosen unb NotstanbLarbeiter gezahlt werden. *

sw Darmstadt, 21. Aug. Gegen Errich- tmtgton G ro ßs chl ächt e r eien teoteftterte bte Metzgerveremignng für beit Landkreis Darmstabt in einer Versammlung in Darmstabt. Sie de- scklos'- bei ber Regierung unb Handwerkskammer cnergi'sch Protest einzulegen unb bm Kanws gegen teraW Bestrebungen, bi: dm Rum te^ Mehger- gewerteS tebeuteten, mit allen Mitteln zu fuhren.

Vermr?chtes.

bt. Mannheim, 22. Aug. Der hier verhaß- tete Juwelenräuber Kommissionär R ü s ch b i hat nun cingestanben, daß er mit einem Deutschen, der sich als Kriminalwachtmeister ausgab, für eine halbe Million Mark Textilwaren verschoben bat. Der Fabrikant Halil Hail aus Chemnitz, Mi^ inhaber eines Grobgeschäfts in Konstantinopel, hatte voriges Jahr für 500 000 Mark Textilwaren aller Art für bie türkische Heeresverwaltung auf- gekauft. Die Waren waren, in 26 große Kisten verpackt, nach dem Anhalter Bahnhof in Berlin verbracht worben unb sinb von bort verschwunden. Die Beute ist unter bie türkischen Schwindler ver­teilt unb verschleudert worben. Rüsclwi will bei ber ganzen Sache leer ausgegangOi fein. Wohin bie Textilwaren gekommen sind, ist bis heute noch nicht aufgeklärt.

* Auch Dienst«uSzei'chnungien wer­ben wieber verliehen. Die militärischen Dienstiauszeichnungen werben ebenso wie« Eiserne Kreuz wieder verliehen. Das Diensd- auszeichnmigskrcnz Wirb wieder nach 25jühriger Dienstzeit an Angehörige des Heeres verliehen. Tis Dicnstauszeichnungen erhalten Wieder Personen des Solbatcnftanbcs vom Feldwebel abwärts nach 9, 12 imb 15j afyriger Dienstzeit. Auch bie Lano- Wehr-Dicnstaus^eickmungen werden weiter aus- gegeben. Die Anttäge auf Verleil/ung des Tiensd* auszeichmmgskrcuzes werden für Offiziere und Personen des Soldatenstantes vorn Feldwebel ab- uärts an das Perionalamr des Lfriegsmünfteriums aeschickt. Beamte und Personen des SoltettenstLn- oes vom Feldwebel abwärts haben fernen Anspruch auf daS Tienstauszeick)inun;)Skreuz, wenn sie vor tem 16. August 1914 ausgefchiedeli sind, außer Nenn sie nachher wieder verwendet wirrten. Tie Anträge gehen barm an die militärisckZen Dienst­stellen. Tie Dienftausz iäMimgen nach 9, 12 und 15-äfrriger Tien.ftzwr werben durch tne General­kommandos, ReicktzsWehrgru Ypenfommandvs usw. verliehen, aber nickst mehr wie früher am 18. Ja­nuar u.t) 18. Juni ansgehchchigt, sondern »vv- möglich an dem Tage ter Vvlkenduvy ber Tienst 5Ct

Landkreis Gießen.

** Grunberg, 21. Ang Aus einem Nach* barbor t hatte zur tevorstchenten KirrneS der Mirt von einem Bauer ter Umgegend einen Ochsen gekauft. Nur ter Wirt, ter Bauer unb ber Metzger, Waren in das Geheimnis eingcw.iht. Früh um 3 Uhr bintet bet Bauer seinen Ochsen los und fährt mit tem Fultermagen über Laub aum Metzger, um auf tem Rückweg von seinem Acker mich einen Wagen Klee zu holen. Ganz unauffällig.sollte so seine Rückkehr ins Dorf sich vollziehen. Um 5 Uhr kommt bie ahnungslose Bänerin in den Stall znm Melken und entdeckt baj Fehlen des Ochen. Kurz entschlossen benach- rickstigtc sie am Fernsprecher ten Wachtmeister, ter umgehend sich auf bic Suite macht und in bem Sck)Iack>khaus b?s Metzgers alle drei, Bauer, Metzger unb den eben geschlachleten Ochsen vor- fintet.

"Heuchelheim, 21. Aug. Der hiesige 91 au bi f I u b" stiftete anläßlich seines ein­jährigen Bestehens zum Wohle für Kriegs- und Zivilgefangene ben Betrag von 520 Mk.

KrciS Lauterbach.

Die obcrhessische Bauerubewegilng.

O Schlitz, 21. Aug. Dieser Tage wurde in Qu eck eine Ortsgruppe des Bauernbundes ge­gründet, bei Welcher Gelegenheit Protest gegen sie Führung ber Viehkataster und gegen die Revi- ion ber Mühlen- unb Milckmnrtschaft erhoben nnrrbe. Ms vor einigen Tagen ber Mühlenrevisor mit einem Lauterback-cr Gendarmen bic Mühlen des Schlitzerlanbes revidieren wollte, kam es in Pfordt zu einer Dcmonsttation einer größeren Zahl Bauern gegen die Revision ter Pfordter Mühle. Der Revisor mußte auf feine erst gcmach­ten Einwendungen verzichten und zog davon, in ber Elle bie Besichtigung ter benacksbarten Frau- roMbacher Mühlen ganz vergefftnb. Die Landwirte bes Schlitzerlanbes versichern aber einmütig, daß sie ihren Äblicferungspslicktol auss gewissenhaftcste Nachkommen wollen, nur möchten sie sich in ihrer Freiheit imb in ihrem Selbstbestimimmgsrecht nicht beeinträchtigt fthen.