Ausgabe 
22.2.1919
 
Einzelbild herunterladen

Samstag, 22 Februar 1919

169. Jahrgang

Erstes Blatt

wochenruclblick.

und Sorge hinter uns, und die Weimarer

könnte die Möglichkeit schaffen, schneller

8

und der

ergiebiger als bisher mit dem Terror Radikalen Grüppchen aufzuräumen.

den ganzen Jammer der unabhängigen Politik enthüllt.

Ausführlich kommt dann noch das Zentrum mit dem Al»g. Stcgerwald zu Wort, der die niifilidie Lage der unter den französiscl-en Maß­regeln leidenden Bevölkerung im Saargebiet schil­dert. Er gibt Fingerzeige, in welche Bal.i'n/ die Sozialpolitik geleitet werden müsse: Pflege der Volksgesundheit, Organisation der Ernährung und der Warenverteilung, gesunde Wop.iungspo- litik und Wohnungsfursorge müsse in erster Linie flehen. Tie Temolratin Frau Gertrud Bäu m e r polemisiert gegen das Zentrum un dgegen die übrigen Rechtsparteien in der Frage über die Notwendigkeit der Revolution. Tas Vcr tranensvotum wird gegen die Stimmen der Unabhängigen und der beiden Parteien der Rech­ten angenommen. Schluß gegen 7 Uhr. Nächste Sitzung Montag 2 Uhr.

Nr. 45

Ter Etttztnrr Anzeiger erscheim täglich, außer Sonntags. - Bettaaen: Lietzener Faniilienblülter;

Kic.stltitt

für den Kreis Gietzea. vezugspreir:

monalt/J)if.L35, viertel- jäf)tltd) Tlt. 4.05; durch Abhole- iu Zweigstellen monatt. Alk. 1.25. durch die Post Pik. 4.05 viertel- jährt. atlsschl. Bestellq. Ferniprech - ^lnschUisse.: lür die LchriftleiM:iall2 Per laa,GeschäitSstellLLl Anschrift sürDratunach- richteii: Anzeiger Siege«.

der, wie Herr Scheidemaun in der National- versammlunq richtig sagte, immer ein Zeichen sittlichen Niederbruches ist, kann der poli-

tepdeMN götnÄiafl>82,^t** Frankfurttt^-os.

deutsche Nationalversammlung.

Weimar, 21. Febr. Präsident Fe hren - b a ch eröffnet die Sitzung und gibt dem Mmister- präsidenteu Scheide mann das Wort. Dieser führt, während sich die Abgeordneten von den Plätzen erheben, aus:

In tiefstem Schmerz, aber auch in größter Empörung habe ich Ihnen eine traurige Mit­teilung zu machen. Kaum haben uns die Mel­dungen über das Attentat auf Elemeneecm erreicht, so tönte schon wieder neue Trauerbotschaft an unser Ohr. .Heute morgen hat ein Fanatiker den baye­rischen Ministerpräsidenten

Eisner erschossen.

Sein Mörder ist. gefallen. München befindet sich in blutigem Bürgerkrieg. Mein Freund R o st h a u p t e r soll tat, mein Freund Auer, das Mitglied dieses Hauses, soll im Landtag ebenfalls eridiaffen sein. Tie Reichsregierung spricht durch mich ihren tiefsten Schmerz und zugleich die Bcr- nrteilmig dieser schänd! ick»en Tat aus, durch die die Stadt in Blut und Kampf gehetzt worden ist. Tie Getöteten sind Männer meiner Partei, die seit Jahrzehnten aUes, lvas sie bieten klonMen an griffiger und körperlicher Arbeit, der Emporsiih- rnng des dcmtsdten Dollvs gewidmet haben. Eisner, der 25 Jabre lang im Parteileben fianb, wandr'lte Wege, die nicht die meinen 1 raren, aber

sein Ziel war mich mein Ziel, mis

Auuaymc von Auzcigen s. die Tagesnummer vis zmn Nachmittag vorder ohuejedeVerbiiidlichkett äeiftnvreise:

für 5 r 11 i t() e Anzeigen 25 Li.,sür auswärtige 30 P?., sur 9t cf lauten Mk.l.-nebst 20'"icitc- rungsziis Aag;Pla.)voc- schrist 20 % Aufschlag. £)auplid)ri'tleitcr: Ang. Goetz Verantwortlich für Politik: Ang. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zeitz; für beit Anzetgenteü: ö. Beck; säntkltch in Gie steil

dem Neidsministerium das Vertrauen aus.

Preußischer Justiz Minister Heine: Tas Ver­fahren roegen der Tötung der Frau Luxemburg wird von der Militärbehörde geführt, doch habe ich als Iustizministier von Anfang an das Ver­langen gestellt, dastauch ein Kommissar des Staats­anwaltes daran teilnimmt. Tas ist geschehen. Es ist unmöglich, jetzt über die letzten Ermittelungen etwas zu sagen, iveitn man die Ergreifung bet Schuldigen nickst geradezu verhindertt will. (£ört! Hört!> Radek ist auf Grund eines richterlichen Haftbefehls verhaftet worden. (Hört! Hört!) Tic liegen Beteiligung an den Spartarusunruhen be­teiligten Personen befinden sich in verschiedetwiV Gefängnissen. Ihre Zahl ist zu grost, als dast sie im Moabiter Untersuchungsgefängnis uuter= gebrächt werden könneit.

Was Ledebour anlangt, so hat er aus­drücklich erkl ärt, dast über seine Behandlung im Gefängnis keinerlei Klagen zu führen seien. (Hört! Hörtll Ich weise daher alle von Fran Zieh gegen die preustische Justizverwaltung erhobenen Angriffe als unberechtigt zurück.

Folgender Antrag L ö b e (Soz.), Gröber (Zentr.), v. Payer (Tern.), Graf P o s a do w s - ky (Tentschnat. Vp.) und Tr. Stresemanir lD. Vp.) läuft ein:Tie Nationalversammlung nimmt mit lebhafter Genugtuung von den Be schlüssen Kenntnis, mit denen die Vertreter der stammesvervandten T e u t s ch -- O e st e r r e i ch e r ihre Zugehörigkeit zum deutschen Gearntvolt be kündet haben. Sie bestätigen den deutsch--östcr- reichischen Brüdern, dast über die bisherigen Gren zen lftnweg di«. Teutschcn des Reiches imb die Teutschon in Oesterreich eine untrennbare Einhei' bilden und spricht die zuversichtliche Hoffnung' aus, dast die von den beiderseitigen Regierungen eingeleiteten lBerhandulngen reckst bald zu festen staatlichen Formen führen und dast die Zusammen gehörigkeit in einer von allen Mächten der Weli anerfnnuten Weise ihren Ausdruck ftnden möge."

Tie Verlesung des Antrages ruft im Hausc bei allen Parteien lebhafte Beifallskund­gebungen hervor.

Abg. M e e r f e l d (Soz.): Für die Resolution, die her Regierung das Vertrauen ausspricht, wer den wir stimmen. Die Reden der Unabhängigen

2t Sebro"

jn-

LiltrtlH

ÄÄ

Lebensgefährtin

SS®!?» PiP Einers"6

SM

tischen Laufbahn Eisners nur mit bitterstem Gefühl und schärfster Verurteilung gedacht werden. Er tyar ein Unheil für Bayern und Deutschland. Als er als revolutionärer Führet in den Novembertagen zuerst genannt wurde, sprach er in tönenden Worten von der Eiir- setzung einer konstituierenden Versammlung. Dann aber entwickelte er sich, ähnlich wie Liebknecht, zum Apostel der absoluten Gewalt Herrschaft des Proletariates. Wenn er auch nicht, wie der Berliner Spartakistenhäuptling, zu Mord- und Gewalttaten aufforoerte, so war ihm doch, der mehrfach wegen politischer Vergehungen im Gefängnis gesessen hatte, alles demokratische Rechtsempfinden ge­schwunden. Ms die bayerischen Wahlen eine große bürgerliche Majorität von 100 Abgeord­neten brachten, denen nur 53 Mehrheitsfozia listen und 3 Unabhängige enlgegengest.lll wer­den konnten, versteifte sich Eisner erst recht in seiner Rolle als Diktator. Noch vor kurzem äußerte er, -er dächte nicht daran, seinen Posten aufzugeben. Wie er auf dem Berner Kongreß die Mehrheitssozialisten bloßzustellen suchte, wie er auf eigene Faust auswärtige Politik machte, ist noch in ziemlich frischer Erinne- ruitg. Wenn Auer in der gestrigen Kammer- sitzung die Ueberraschung vorbrachte, Eisner sei auf dem Wege gewesen, sein Amt nieder­zulegen, so muß dem entgegengehalten werden, daß er gerade jetzt jenes Näteparlament in München tagen ließ, in welchem er die Beibehaltung und das Kontrollrecht des Räte­systems der Volkskammer gegenüber prokla­mierte. Er wetterte gegen j)ieWeimarer Kompromißpolitik". Ob nach seinem Tode nun in kurzem Anlauf Recht uitb Vernunft siegen werden, oder ob wirklich nur ein Bürgerkrieg die Entscheidung bringen kann, bleibt abzu­warten. Auer, der Mehrheitssozialist, mit dem Eisner nach BollmarS Abgang sich um das freigewordene Reichstagsmaudat stritt, hat gleichfalls politisch ausgespielt. Mit neuen Männern erwächst dem zweitgrößten Bundes-

e^Sufc11'

L8e,,cti*^

®frt «'gesrüS

I n^jllUn

verfassungsgebende Hess, öolfstamnur.

3. Sitzung am 20. Februar.

Präsident Adelung eröffnet um 10 20 Uhr di« Sitzung. Haus und Tribünen sind gut beseht. Am Negierungstische sämtliche Minister. Das Haus tritt sofort in die Tagesordnung ein.

Als einziger Punkt steht auf der Tages­ordnung :

Der Entwurf einer vorläufigen Verfassung für die Republik Hessen.

Er wird in der Drucksache als Regierungs-« Vorlage bezeichnet, ist aber in Wirklichkeit ein Werk des Berfassungsausschusses. Von der ur-' fprünglichen Regierungsvorlage ist so gut wie nichts in den neuen Entwurf übemonmieu ivordem Ter ursprünglicktz.' Entwurf hatte so offenjichtlidxe Bl äugel in Form und Inhalt 'irrJb war in der Vollversammlung von allen Seiten einer so ab­fälligen Kritik unterzogen worden, daß die Regie­rung ihn selber völlig preisgab u. sich im Ausschuß damit einverstanden erklärte, daß der Sonderaus­schuß einen völlig neuen Entwurf ausarbeitete. Ter Sonderausschuß unter dem Vorsitz des Abc). Reh (Tcm.) ljat eine rafebe und gute Arbert geleistet. Ter von ihm fertiggestellte und ein­stimmig angenommene Entwurf hat die Zustim-. mung der Regierung gefunden.

lieber die Grmwsätze die bei der Ausarbei- tung des Entwurfes maßgebend waren, entnehm men mir dem gedruckten Ausschußbericht folgendes:

Tie Volkskammer teilt die Ansicht der Re­gierung. daß zunächst lediglich ein v o r l ä u f i g es V e r f a s s n n g s g e s e tz auszuarbeiten fei. Tenn die durch die Aenderung der Staatsform in Hessen' notwendig gewordene völlige Umarbeitung der 25er fassungslrrkünde vom 20. Tez. 1820 erforderte eine Arbeit von mehreren Monaten. Es würde sich auch nicht empfehlen, die endgültigen Ver­fassungen der Einzelstaaten vor der Reichsver­fassung zu erledigen, da in letzterer eine Reihe grundlegender Bestimmungen für die Berfas'unyen der Einzelsdaaten zu erwarten sind. Sprechen diese' Gründe gegen *e sofortige Ausarbeiumg einer endgültigen Verfassung, so ist doch nach der über­einstimmenden Anschauilirg von Regierung rind Volkskammer die sofortige Schaffung einer Vor- Verfassung notwendig, weil die hessische Re- gierung zurzeit noch des gesetzlichen Bodens ent­behrt. Voraussetzung und Grundlage in der de- molratifdpen Republik ist aber die Verfassung: ohne eine solche ist ein gedeihliches Zu sammenarbeiten von Regierung unb Volkskammer ausgeschlossen.

Wie sck.on die Verhandlungen in der Vollver­sammlung der Volkskammer erkennen ließen, war eine Umarbeitung ides Entwurfes nicht zu um-> gehen, da dieser teils Bestimmungen enthielt, die nicht in eine Verfassung, sondern in ein Regie- rungsprogramm gehören, teils solche, die für die endgültige Verfassung vorzubehalten waren.

Einstimmig war der Verfaftungsausschnß der Ansicht, daß die vorläufige Berfa,sung nur das unbedingt Notwendige, gleichsam nur das Gerippe, der künftigen Verfaftung enthalten solle. Man einigte sich dahin, in der Vorverfassnng nur fol­gende Punkt zu regeln: 1. die Staatssvrm, 2. ta5 Staatsgebiet, 3. die Staatsgewalt, 4. die Gesetze gebung, 5. die Staatsleitung.

Tie weitere Aufarbeitung aller sonst zu regelnden, in einer so außergewöhnlichen Zeit« ausgerollten recht zahlrcickwn verfassungsrechtlichen; Fragen sollen der endgültigen Verfassung Vorbe­halten bleiben.

T-er Entwurf der Vorverfaffimg enthalt des­halb nichts über die Stellung der Standesherren, Aufhebung der Fideikommisse, die B.Handlung der Tomänen, über welche Fragen besondere gesetzliche Maßnohnren notwendig sind, die ,von der Regie­rung bereits vorbereitet werden.

Ter Entwurf enthält ferner nichts über das Volksbegehren" (so genannt nach dem Vorbild der schweizerischen Verfassung, seither alsJni- iiative" bezeichret) und über dieVollsabstim- inung" (Referendum., über deren verfassnngs- nräßigc Festlegung grundsätzliche Uebereinstimmung sm Verü'si'ngsausschuß beftanb. bi? aber umfnng- c iche Ausübung b-ftimmurge \ erfordert l ä te i, nie über den Rahmen der Vorversassung hinaus- e>ck'en würden. Tie Vorschrift in Art. 7, wonach as Gesanftministerium die Vol skammer a flöf n ' üaitii, wem: diese ihm das Vertrauen v-ersagt, . ietet die Möglichkeit einer Volksabstimmiuig auf t,em Wege von dteuwaßlen.

Einstimmig empfiehlt befall der Ver'a'sungs- ausschuß mit Zustimmung der Regierung den von! uns an anderer Stelle gcbraditen Entwurf ei.ter Vorversassung

Ter Verfassungsentwurf enthält 10 Artikel/ von denen Artikel 1 sich mit der Staatsform, Av> ifcl 2 mit dem Staatsgebiet, Artikel 3 mit bet

WM Ws WM

ber VernTirrnng das deutsche Volk zum Recht zu führen. Nichts zeigt den sittlichen Niederbnrctz deutlicher, als wenn das Attentat zum Mittel politischen Kampfes wird, wenn die UnartfaübarFvit des deutschen Lebens nichts mehr gilt. Wenn der Opfer tob Eisners iricht nur ftirch bare Fo*g n haben soll, bann muß er die eine Wirkung haben, daß alle sich 'ncreinen in der Verurteilung von Vor­gängen, die solckx Verbreck-en zeitigen. Es wäre der Untergang Teutschlands, wenn auch nur ein Teil des Volkes sich in der Beurteilung solchen Meuchelmordes ausschlicßeit wurde.

Präsideitt Fe hren bach: Lwffentlich sirch die Vorg.rnge in München nicht so schlimm, wie sie nach den ersten Meldungen erscheinen mußten. So soll das Mitglied unseres Hauses Auer nur leicht verwundet sein und wir hoffen, dcyß wir ihn bald wieder in unserer Mitte begrüßen können.

Tarauf tritt das Haus in die Tages­ordnung ein.

Der Entwurf eines Diätengesetzes wird mit einem von allen Parteien gestellten Antrag, wonach kein 2lbzug beim Fernbleiben von einer Vollsitzung stattfindcn soll, wenn das betreffende Mitglied an dem gleichen Tag an einer Ausschußsitzung teilge- nommen hat, ohne Debatte in allen drei Lesungen angenommen.

Ministerpräsident Scheidemann ergreift sofort wieder das Wort, um gegenüber, ben 2lus- füfjrung'cn des Aögeordneleil Kahl sepzustellen, dost ein Sckm.tt bei Reichspräsidenten Ebert bei bx*m anteriDaniidien Präsidenten Wilson zur Herbeifüh­rung ldes Friedens sicherlich aussichtslos ge.vesen wäre, dem: dieser selbe Weg sei von dem Prmzwr Mar eingffchlagen worden unb, labe nicht zum Ziele geführt. Tann wandte sich Scheidemann in außerordentlicher Sckstirse g.gen die. Aussckwn- hmgm gewisser Arbstlcr- unb Soldatenräte und erklärt:Tie junge Repriblik sbeht vor der schärfsten Erschütterung, wenn nicht, vor demZusammenbruch, imrd) eigene Landesgenossen, die das nad^uIdolen v.rftrck;en, was uns währerrd des Krieges durch die Feinde erspart geblieben ist, nämlich

die Zerstörung unserer wichtigsten Provinz

Es werden geradezu verbreckunische Handlung>en dort vorgenommeir unb wir müssen, wenn wir uns die Grrungenfdjaften der Freiheit schützen NTvllen, mit aller Energie dagegen einschreiten. Tas Bolc müßte ti? Regierung zum Teusel jagen, wenn sie nicht Gewalt gegen Gewalt setzte unb den letzten Teil unseres Gutes vor der Zertrümmerung be­wahrte. Tie R egier ung st r np sien, die,jetzt in das rheinische Industriegebiet eingerüdt^ such, sind feine weiße Garde, sondern sie sind die Schutz­truppe der Temokratie und die Schutztrnppe der vergewaliigten Arb.rter. Ich hoffe, daß es bald g lingeit wird, der spartakistisdM Genxütl-errfchaft ein Ende zn machen."

Tie Aüs'ühnlngen Schü^manns lvurden von der Mehrheit des Hauses mit stürmischem Beifall begrüßt.

Von den Abgeordneten Payer (Tem.), Müller (Soz..) und Gröber (Zentr.) ist ein Antrag eingegangen, |m dem es heißt:

Tas deutsche Vo.lk erwartet einen Frieden des Rechts. Es bat seine Waffen erst nieder- gefegt, nachdem es sich mit seinen Gegnern über die vom Präsidenten Wilson aufarftelttcn Punkte verständigt hat. Tas deutsche Volk rechnet auf die Unverletzlichkeit dieser Zusagen. Inzwischen behandelt Franff:eich sckwn vor dem Friedensschluß Elsaß-Loth.rwwn wie franzöfisckxs Land. Ferner trifft Frankreich Maßnahmen im Saargebiet, die die Befürchtung rechtfertigen, daß eine Lltnnexion dieses de ul schm Gebietes beabsichtigt ist. Tie Na­tionalversammlung logt gegen solckue Versuche feier» lichst Verwabrincg ein. Sie legt Wert darauf, daß der Entschübung über Polen in der Friedcus- lonferenz nicht vorgegriffen wird. Tie iliational-- versammlnng fordert die Anwendung aller Mittel, um Angriffe bolschewistischer Gruppen und Ban­den gegen unsere Ostgrenz-en abzuwehren. Noch immer lastet bie HünAerblockabe auf dem Volk. Noch immer wird der Verkehr zwisck)en dem besetzten unb unbesetzten Gebiet fast völlig unterbunden, noch immer leiden Hunderttausende deutscher Kriegsgefangener im Ausland« an Leib und Seele. Eine solche Belmudlung muß das deutsck)« Volk zur Ver-N'-iftung treiben unb dieNaliona!verfamm- lung legt vor der ganzen Welt Verwahrung em.

Weiter ist von den Mehrheilsparteien folgendes V « r t r a il e n s v o t u m für die Regierung ein­gebracht worden. Tie Nationalversammlung billigt den Arbeitsplan d.s Reicksministeriums und spricht

f&hrn" Möbelwagen

li Gigud hlttlif W ilnftcb. u. Ü3471 M Äieh. jlitielfl. erbeten.

p'ianueö. mltb Qhibn « beten, blei m a. 8elo|i Liiri|st7.B,8abtTiabin

Eostaufe«« Inner t9«H<bert,jM . Samte Viel Wr 8* Int m. fttroeniL IbW ie». i^tlobnane ttm* RAlbtlm'n *A «d. lllw buitt, t'aubTtnoednX

| Vereine R.CLHassial SiBitiO, Ulf«* ZuialUlNtnkllnsl be>

Pulverwädle. M

Politik hat sie nicht mit freundlichen Farben belebt. Im Gegenteil! Der Reichsschatz Minister Schiffer hat uns ausgefordert, noch einige Sprossen tiefer hinunterzusteigen in der Erkenntnis unseres nationalen Unglücks, und der Waffenstillstandsminister Erzberger hat bekennen müssen, daß die Kunst des Verhan­delns mit dem Gegner, in der er sich Meister ^ihlt, ihm und uns keinen Gteroimt, sondern Echtere Enttäuschungen eingebracht hat. Aus der Debatte, die sich in der Nationalversamm­lung über diesett vierteljährigen Abschnitt deutscher Geschichte anknüpfte, ist bisher nichts Erhebendes oder auch inur Tröstendes hcraus- geklungen. Die Kritik blieb unfruchtbar, und jie hat sich zuletzt auf das alte Kampffeld ver­loren, wo manche Trümmer des Kaiserreiches noch ungeborgen Herumliegen. Wir wollen vorwärts, nicht bei jedem Schritte zurück­schauen und in den alten inneren Streit ver­fallen, der heute gegenstandslos ist. Daß die überstürzte Herbeiführung des Waffenstill­standes, die zur Unzeit über uns herein- gebrochene Revolution uns weit tiefer ins Elend geführt haben, als es uns sonst beschie- den gewesen wäre, ist ja mit Händen zu grei­sen. Der deutsche Volksparteiler Kahl hat dem Präsidenten Ebert vorgehnlten, warum er nicht alsbald persönlich sich mit den Häuptern unserer Gegner in Verbindung ge­setzt habe. Wir fürchten, es wäre auch dabei nicht viel herausgekommen. Vielleicht hätte unser Volk n o ch etwas mehr Würde und An­sehen eingebüßt, wenn sein erwählter erster Vertreter auch iiorl) das bittende Wort er­hoben hätte. Wir wissen ja aus der eigentüm­lichen Unterredung zwischen dem Grafen Rantzau und jenem französischen Leutnant, der als Vertreter desMatin" zu ihm gekommen war, wonach die Weststaaten, be­sonders Frankreich, noch gelüstete. Wir sollen nckch nicht Reue genug bekundet haben. Graf Rantzait sagte, zu oft geänßerte Reue werde zur Demütigung ...

Nmt sind über Verhandlungetc und Er­wartungen wieder einige verhängnisvolle Re­volverschüsse hinweggegangen. Clvmenccau ist von einem Anarchisten getroffen worden; wir wissen nicht, ob der Schuß, der ihn in die Schulter traf und angeblich die Lunge ver­letzte, den Gang der politischen Ereignisse er­heblich beeinflussen wird. Wenn der _ greife Staatsmann daran stirbt, wird das franzö­sische Drängetl nach einem triumphierenden rücksichtslosen Friedensdittat vielleicht etwas abgeschwäcyt werden. Weil kein anderer als Elemenceau dem Widerstreben Amerikas so viel Trotz und Unnachgiebigkeit wird ent­gegensetzen können. Nach einer amerikanischen Pressemeldung soll Wilson geäußert haben, er habe in seinem Leben noch keinen so hart­näckigen Menschen kennen gelernt als Clemen- ceau. Der Schuß Cottins war ein politisches Haltesignal, und derTemps" ändert daran schwerlich etwas, wenn er die unsinnige Gegenparole ausaibt, im Lager der Deutschen fei die Waffe geladen worden. Da müßte er den Schwung oes Gedankens schon mit ein paar greifbayn Beweisstücken zu unterstützen wissen. Nein, auch wenn Elsmenceau sich wie­der von seinem Lager erheben sollte, wird er wissen, daß der Bogen des Machtfriedens ferne stärkere Anspannung mehr verträgt. Wenn ihm demnächst bei der Bekanntgabe der neuen Waffenstillstandsbedingungen ein Scheidemann sches Nein entgegenllingeu sollte, wird ihm das wohl auch keine un­getrübte Freude sein. Wir wollen uns aber nicht verhehlen, ^ eine solche, vielleicht not­wendige, EntschcUmng den deutschen Landen die schwerste Prüfung auferlegen würde, die sich erdenken läßt. Wir könnten diesen Weg nur wählen, um Schande und dauernde Knechtschaft abzuschütteln.

In der gestrigen Sitzung der deutschen Nationalversammlung stürmten neue Gceig nisse auf die Volksvertreter ein. Scheide­manns Stimme erbebte in innerster Be­wegung und Aufregung, als er von den Mün­chener Bluttaten sprach und von den ver­heerenden Geschehnissen im Ruhrgebiet und den anderen Orten, wo die Spartakisten noch ihre Fahne entfalten. Kurt Eisner, der eigenartige bisherige Beherrscher Bayerns, ist einer Mordkugel zum Opfer gefallen. Wir be­klagen die Tat als ein Verbrechen und be­dauern das gewaltsame Ende dieses Mannes, her freilich noch mehr Haß und Unheil ge- säet halte als Clemeneeau. Gestern sollte die am 12. Januar gewählte bayerische Volks­kammer zu ihrer ersten Sitzung zusammeri- treten. Sie wurde mit der Wahnsinnstat der ^Nächep' Eisners eröffnet, die sich in blinder unb gemeiner Wut auf Auer stürzten, der ^ix dem vorausgegangenen Attentat gewiß in keiner Verbindung stand. Nevolverschüsse tra-

ftaat hoffentlich auch ein neuer Geist! Es ist höchste.Zeit, daß allerorten in Deutschland der feste Wille erwacht, allen spartaüstischen Re­gungen und Umtrieben ein Ende zu machen. Scheidemann und Nooke mögen o.arin voran­gehen und ihre Versprechungen halten!^ Das neue Reichswehrgesttz, das dieser Tage oer Nationalversammllmg vorgelegt werden soll,

Ifc t unschuldige Menschen und leiteten wieder­um die schlimmsten inneren Wirren ein. Bei aller Verurteilung des politischen Mordes,

Siegeltet Anzeiger

äs. General-Anzeiger für Oberhessen u».

Zwillingrruirddruck u. Verlag: vruhl'fche Unio^vuch- u. Zleindruckeret K. Lange. Zchriftleitung, Sefchästsstelle u.vruckereii Zchnlstr 7.

StaatsMwalt, Artikel 4 und 5 mit der Gesetz, ________ ________ ... _____ . (icbung, Artikel 610 sich mit der Staats!citimg in der Nationalversammlung haben schonungslos b-fasscn.

wurde, bu aui dem Dege v. d. IQiUbutt z. Lad» bof seine ölicnajche wi (üdlanungilidirhi verl Der ehrl. Finder w. geb. 8tg.MD.M25b.8tlS laicht bei der Polizei ab zuaeben.________ÖM

Aieaerwi!« ittlet