Nr. 275
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169. Jahrgang Zreitag, 2j. November 1919
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General-Anzeiger für Oberhessen UW
3»fnhtgsrun6»nnf b. Verlag: vrühl'sch« Uni»..Vach- u. Steinöruierei N. Lange.Schriftleltung, Srschästrftelle u. Druckerei- Lchnlftr. 7. (‘ämuTui ®t«8«
Vos Gesetz über die Sozialisterung der Llelirlzitätswirtschast.
Bon Bürgermeister Tr. Maretzky, M.d.R.
Ms?.'meine Billigung wird das Ziel des der 97ettonalDerfamnilin;/ii trorliegcnbcn Gesetzonttourscs betreffend die (sozialutenrng der Elektrizität swirt- schcifi insoweit erfaßen, als er die Clektrizitäts- wirtschaft einheitlidLr, planmäßiger und wirtschaft- lid^r galten will, insbesondere die Elektrizftäts- versorgung auch auf bisher unversorgte Gebiete auSdehnen und die dadurch entstehenden höheren Unkosten mit Hilfe der gut rentierenden Versor-- gtungsgebirte ausbringen will.
Tie Elektrizi LiÄvirtschift ist eins der hrm<y:n Gebiete, auk denen sich liofsnunKsvrlle Ausblicke auf eine Wiedererstarkung, unseres Wirtschasts- und Dvltslebens zeigen. Ter Ständ unserer Eleklri- züätswirtschaft war schon vor dem Kri^s besser und höher entwickelt, als der der ausländischen Elektrizitätsversorgung. Tie rationelle Weitcrfüh-- rung der hier geleisteten Arbeit ließe crhossen, neue mächtige Kraftquellen, die unsere Wirtscl>aft treiben und stärken könnten, erstellen zu sefr-n. Wft können vor allem eine sparsamere und wirtschaftlichere Derwernmg des für uns kostbaren Rohstoffes, der Kohle, erreichen. Tie Ausnutzung der Dasserkräsle in Bayern, Württemberg, Ostpreußen und in anderen Reichsgebieten würde gewaltige jwhlenmcngi'n ersparen unt> die Errichtung großer Zentralwerle in den Braunkehlenreviercn würde bedeutende Kohlentvansporte, die jetzt zur Versorgung der zahlreid^n zerstreut liegenden Werke notwendig'rnd, überflüssig madjen und daher letzten Endes auch in der Richtung der KvhLenersparnis wirken.
Daß es ferner von der größten allgemeinen Bedeutung ist, die Elektrizität als Kraft- imi> Lichtquelle in viel stärkerem Maße, als das bisher der Fall war, nicht bloß in die Grobstadtbezirke und dichtbesiedelten Jndustriereviere, sondern aud) in die zahlreichen lockerer besieoe.ten Gebiete hrncinzusenden. versteht sich von selbst. Die kom- nnmalwirtscha tliche wie die privatkapita'istische Organisation der Elektrizitätser^eugung, die sonst ohne Zweftel Hervorragendes geleistet haben, mußten in dieser Beziehung aus Ähwierigleiten stoßen, da die Anlage einer aus längere Zeit nicht oder wenig rentablen Versorgungsleitung sich mit den von ihnen wahrzunebmenden finanziellen Interessen in, der Regel nicht vereinigen ließ.
Daß diese-Ziele einer rationel en Gestaltung der Elektrizftätswirtsckaft und einer Ausdehnung der deftrhdjen Versorgung aus bisher unversorgte Landesteile nur durch eine Vereinheitlichung der, Elettrizitätswirtscha t und durd; eine gesetzlich sestgelegte erl-eoliche Einflußnahme des Reiches oder Staates aus die Ele.trizitätswirt- fdjart zu erreichen ist, kann kaum bestritten werden.
Wohl ist aber zu bezweifeln, daß es notwendig ist, zur Erreichung dieser Ziele das Reich in d.-m erheblichen Maße, wie es d.'r Gesetzentwurf Vorsicht, zum Eigentümer der Elektrizitätswerke und L i- tungen zu machen.
Tas Reich erhält nach dem Gesetzentwurf »*r Regierung Das Recht zur Enteignung aller Elei- ttizitäiswrke mit einer Leisttingssähigceit von 6000 KUoivatt und darüber, sowie aber Stirk- stromleitungen mit einer Spannung von 50 000 Doll und mehr. Außerdem behalt sich das Reich und zwar auch nach den Beschlüssen des mit oer Beratung des Gesetzentwurfes betrauten Ausschui- les der Natwnaloersammlung dis Recht vor, in den Unternehmungen, an denen neben städtischen oder -anderen öffentlichen Verbänden die Privattndustrie beteiligt ist, den Anteil der Privatindustrie zu übernehmen, es sei denn, daß dieser Anteil we- miger als 25 Prozent beträgt. Rur in diesem Falle Gehalten die beteiligten Verbände das Recht, den Anteil der Privatunternehmer ihrerseits zu erwerben.
Da das Reich ferner das Recht bat, die Einbringung privater wie öffentlicher Elektrizi- tälsunternehmuiigen in neu zu bildende Geielb- schaften zu verlangen und das R"ich durch seine Enteignungsbesugnis auch das Uebergewicht in diesen Gcsellsd-aiten sich jederzeii uchern kann, hat man von dem Gesetz in weitestem Umfange eine Ueberführung der Elettrizitätswirtschast in das Eigentum und die Firumzgewalt des Reidies tu ermatten. Diese !Fvlge der neu Konten gesctz- ichen Siegelung der Elektrizitatswirtschaft ist ßufrrorbentlid) bedenklich, einmal da nach Artikel 248 des Friedensv.'ttrages der gesamte Besitz uird alle Einnahmequellen des deutschen gieidjcd unh ber beutfdxm Staaten dm feind! ickten Staaten kür die Losten des Friedenstortrages hasten. Sodann liegt es aber auch im dringenden Interesse ber _ allgemeinen Volkswirtschaft, die bisherigen Kräfte, ton denen die deutsche Eleklrizitätswirt- Idwft getragen wurde, Irfjcnfing, arbeitsfrendig und leistungsfähig zu erhalten. Denn diese Kräfte haben ftch durch ihre Leistungen aus das Glänzendste bewahrt, und ihnen ist der hohe Stand der beut- [dien lrtertrtzrtätsmdustrie ?u danken Fede Po- lrtlk, mWonbcrc jede Wirtschaftspolitik, muß Lets ton dem Grundstitz geleitet sein, die im SBoffd» leben torHandes Kräsbe frei zu tnadm, ihnen bie gunsttgsten Stixngungen für ihre Betätigung »ui schalseu und fte den allgemeinen Interessen beenlttor zu machen. Erne Politik, die vorhandene aanoäbrte Kräfte aus schaltet oder sie in ihrer Ent- tMrfhmg lähmt, ist letzten Endes für das Volks- gamze schädlich.
Die Initiative der großen privaten Elektrizitätswerke mrd der lebenskräftige Ausdehnungs- bnareg der bedeutenden städtischen und sonstigen tonununalen Werke wird in Zukunft zurückgckrängt tovtben zugunsten des Reiches. Das R ich wird nicht «mir anregen und leiten, es reißt vülmeljr das Be- ttctigungsfclb selbst an sich und schallet die bisheri- flau Kräfte aus. Daß von dem Erwerbsrecht des >
Reiches sehr bald in größtem Umfange Gebrauch gemacht werden soll, geht daraus hervor, daß der Ge- setzenlwurs der Regierung zur Durchführung des Gesetzes von vornherein eine Milliarde zur Verfügung stellen will. Damit würde die Regierung eine außevgewöimllch weitgehende Vollmacht erra ten, über deren Verwendung bisher kein ausreichend bestimmter Plan vorgel-.-gt wurde.
Demgegenüber verdaut ber Entwurf, den der Verband der Preußischen Provinzen als feinen Vorschlag zur Regelung der E ektr zitätswirtschaft ein gereicht hat, die größte Voachtung. Tiefer Entwurf sieht die Bildung leibstäiftnner Beftrksgeiell- schaft-.-n, fegenannter Laudeselektrizi Ltsgeselllchas« ten, vor, dce fid) aus den bisl)erigen Trägern ber Elektrizitätswirtschaft, also den öffcntlich.'n, inslesondere den Konunmialverbänden unb dm großen Privatbetrieben zusamme.ifetzm sollen. Tie einzelnen Mitglieder der B.'-irksgesellschaften bringen ihre Anlagen gegen eine Beteiligung in Aktien der Gesellscl-aften ein. Der Betrieb der eing> brachten Krastioerke soll in der Regel den Vor- eigentümem überlasten bleiben, die ihn unter Aufsicht der Gesellschaft writerzusühren haben. Die Geiellfchaiten selbst haben unter Aufsicht und nach beit Anweisungen einer sür das ganze Reich zu- ftänbigen Rcichsgesellfchaft die Leitung und beu weiteren Tlusbcru der Elefrrizi ätÄvirtschaft in ihren Bezirken zur Ausgabe. Sie iverbeu nach techntsd> wirtfchaftlidien Gesichtspunkten abgegrenzt und bei» wallen fid) selbst.
Tie Reidrsgesellschast. deren Grundkapital von den Latrdes. lettrizi ätg»efellsd)k.f.en anrgebradjt wird, an deren Gewinn aber die ReichJkasse zu % beteiligt ist und deren Aussichtsrat zu einem Trittel von dem zuständigen Reichsministerium ernannt wird, hat sehr weitgehende Au s.chts- und Anwrtsungsbefügnrfte gegenüber den Bezirksgesell- schasten.
So kann sie die Elckttizitätswerke und Fort- leitttttgsanlagen bezeichnen, die von den Bezirks- gesellschasten zu übernehmen sind, sie trifft Anordnungen über die Mitbenutzatug von Elektrizitätsanlagen ober über oie gemeinschaftliche Errichtung neuer Anlagen durch mehrere Bezirks- gesellschaften, sie hat die Satzungen der Bezirks- gesellschasten zu genehmigen, in den Aufsichtsrat dieser Gesellschaften Vertreter zu entsenden u)w.
Es besteht kin Zweifel, daß dieser von den ipreusnsdzen Ptovinzen heraus gebrachte Gefetzes- oorschlag die Mängel des Regierungsei?twurss im wesentlid»en zu vermindern wiß, ohne daß er das an sich zu fördernde Ziel einer planmäßigen, nach dem Gesamtiitteresse des ReiciZes geleiteten Elek- trizitätswirtschast bcemträchligt.
Das Vorgehen der Provinzen wird vom deut- fdeen Städte tag und dem Verch.rnd der größeren Landgemeritdi-n unterstützt, und es erfdjrint richtig, den Entwurf zf.r Grundlage erner neuen Beratimg und Cutsdstießung in der Nationalversammlung zu mad/en.
Die Zeit drängt zwar zu schnellem Handeln, aber andererseits sind die Jifteressen, die auf dem Spiele stellen, so gewaltig, daß ein übereilter Schritt ungeheuren Schaden bringen müftte
Der Wahlsieg ter nationalen Blödes in Zrankreich.
Paris, 18. Nov. (Verspätet eingc troff en.) Zum Wahlsi^e des nationalen Blockes sagt der „Temps": Bei der Wahlhandlung bat Frankreich den Bil'ch'wismus ver. i.fitet Die Folgen dieses Sieges roerbm sich in der ganzen Welt geltend machen Fraukr-ich hat nicht den deutschen Jmper a.'is nut' ni berg s l gei. um sich der Diktatur fran .ö'ischcr Sen ns au^a'ief m.
Journal desDebo ts ' sagtt Die Wahlen beweisen fcfor Har, daß das Land Ordnung, Arbeit mrd mrthoti:d)e WiederhersÄlung' d.'r wirt- sd^ftlichen Kltäfie wünscht. Tas Land verfÄicßt sich den Erschütterungen und verwirft extreme Lösungen.
„P a t r i e" feiert bn* Niederlage des Enkrts ton Karl Marx, Lean Longnets. Seine Niederlage sei ein nationaler Sieg. Vm diesem Schtoer- g lt>id>t befreit, könne der Sozialismus in Frank- oeich Ibiebcr französisch werden.
„San terne" erflärt, die erste Wahl nach dem Krieg drückt den Wunsch Frankreichs aus, in Ordnung und Frieden zu arbeiten.
„Ö u m a n i t 6" sagt, Elemeneeau habe über den inneren Feind einen Sieg errangen, einen dieser Siege davon getragen, für die er das Geheimnis besitze, die aber, ivenn man sie mit ber nö igen Zurückl-a.tung betrachte, doch nur Pyrrhus- 'iege seien.
Tie Syndikalistische Partei führt aus: Die Khakiwahlen haben Lloyd George und den verbündeten Korcservativen eine ungeheuv? Mehrlieil gebracht, aber schon am nächsten Tage konnte man die ganze Hohlheit eines derartigen Sieges gegenüber dem ungeheuren Einfluß ber englischen ar leitenden Klaste, dem wirtschaftlidxn und ökonomischen Leben des Staates einsehen. Die gegenwärtig Regierenden der französischen Republik werden gut daran tun, über dies Beispiel nachziidcnken.
Tie rechtssozialistische „France librc" lagt: Die Wahlergebnisse zeigen, daß das Land besaitistischc und bolschewistische Polittk verurteilt und auch jede Schwäche, die deren Entwicklung begünstigen könnte.
„Figaro" betont: Die Wahlen hatten der Regierung und Kammer das imperative Mandat gegeben, die Revolution zu bekämpfen. Der Bolschewismus, der jetzt in legaler Weise zerschmettert worden ist, hatte feine andere Hilfsquelle als die Revolte und den Bürgerkrieg.
Clemencoaus ,^H o m m c l ib re" schreibt: Tie imposante NLebrheft der französisdrn Republikaner hat ihren Willen tunbgcgeöcn in Wahlen für ober
jgegen den FricÄensvcrtrag, der den Sieg heiligt und Fvarrkreich Elsaß-Lothringen nnebergibt, in Wahlen für oder gegen den Bolsd)ewismus. Tas souveräne Volk zeigt sich imcrbittlid) gegenüber der früheren systematischen Opposition. Frankreich bat feinen klaren Willen so stark zum Ausdruck gckcacht, daß für die Besiegten eine Diskussion nickst mehr möglick; ist.
,L e Z v u r n a l" meint: Frankreich will nicht, daß man ihm den Sieg fabbotiere. Es will den Fortschritt in der Ordnung« des Arbeitens. Tie Well kann uns Vertrauen scheinen.
„G a u l o i s" sagt: Seit 40 Jahren ist es das erstemal, daß die Sozialisten in ihrer Macht aufgchalten werden; jede Partei, die nicht gtivümt, tortiert, unb jede Partei, die verliert, ist der Niederlage nahe. Franlreid) will sich erneuern. Ehre den Bauern, Ehre aber aud) den guten Arbeitern, die in vielen Punkten sich wieder gefimden haben.
Gustave Herve ruft in der „Victoire" aus: „Cs lebe der nationale Sozialismus!" Der dänische Minister Zahle über die
Dolfsobfftmmung in zlenrburg.
Kopenhage n, 21. Nov. Ter Staatsminister Zahle füljrtf über die nvrdschleswi- 9 i f d) e Frage bei ter (Etatl^erahmg des Reichstag unter anderem aus: „Seit kurzem erleben wir die Wiüreraufnahme der Annexionsbestrebun- gm inbezug auf Flensburg. Man fordert, daß fci? Bestimmung nur dann refjxvf:i'rt werde, tvmn sie zu GunstLN Tä ^marks cu: falle. Man verweist in dieser Beziehung aus die Auslegung des Artikels 110 im Friäensvertrag über die Grenzregulierung. Dieser Artikel muß nad) meiner Meinung in der Meise aufgelegt werden, daß er tie Festieliung einer Grenzlinie crmöglicht, sofern die, Entsch.iüung lediglich nach einer gemeinde- weisen SCbfiimmung vi lleickst eine praktisch ganz unmöglich.' Grenze geben könnte. Wenn man sich erinnert, daß die Bevöllernng Flensburgs etwa die Halste der grtarnten Bevölkerung der zweiten Zone ausmocht, so kann die Friedensvonserenz nicht be- absich'igt haben, daß die Abstimmung dieser Grenz- gemeinbe nicht respektiert werden solle. Jedenfalls würde es nach meiner An'ickst für Dänemark verhängn isvoll sein, die Abstimmung in Flensburg nicht zu respektieren. Bekanntlich tft die gwHe Mehrheit der Bevölkerung .Flencbirgs d u schsreimdlich Der 18^4 Durfte Flen.burg ganz entsch ed n ols dänischt- Staot trachtet werden. Bei den Reichstagswa'l.m 1867 gab es bekanntlich noch eine Mehrf^eil dänischer Stimmen W.-nn sich jetzt Flensburg fi-evm'fh uns anschließt, wollen wir dies mit groft-r Freude begrüßen. indem wir dann voraus'etzen dürfen, daß FlenSburg wünscht, wieder eine bänifdje Stadt zu >cin. Dagegen ergibt sich das gerade Gegenteil, wenn die Mehrheit der Bevölk rung sich für Deutschland erklärt. Ob Flensburg frrinn(!ii sich uns ansdiließt oder nicht, ist von größter Bedeutung, wenn tat alle großen politischen und administrativen' Aufgab n enoägen, die Dänemark wegen des Ansdl ।sses eines so bedeutenden deut ch prachi- O Elementes bctorslel^n. Aber eine Annerion Flensburgs mtb eine Einverleibung in Dänemark gegen den Willen der Bürger würde eine verhängnisvolle Entscheidung f in, sowohl unter dem Gesichtspunkte der Gerechtigkeit, nne unter dem der p Iirifd>en Klugheit. Dänemark würde das Gerechtigkeits-Prinzip verletzen, das bei Forderung nach einer Volksabstimmung zugrunde liegt. Unter einem poli ischen Ge ickstspunkte würde Dänemark eben das Argument preisreden, das nnr für die Zukunft festhalten sollten, indem nur bie Wiedervereinigung aus f-en freinnllig-n Anschluß der Bevölkerung gründen. Keine Politik mürbe schwieriger zu verteidigen sein, als, erst die ?lb- stimmung zu fordern und banad). wenn bas Ergebnis nicht zu unfern Gunsten ist, bic)e Abstimmung hintanzusetzen.
SJiw.re Unruhen in Kairo.
Kairo, 20. Nov. (WTB.) Gestern kam es am ganzen Tage zu Zusammenstößen. Die Temonstranten bemoiterten bie Straßenbahn- wavn und b.irchzoaen bie Straßen unter Vocan- tranng der ägyvt schen Fahne. Tie Ru^störungen erstreckten sich bann auf die ganze Stabt. Drei Volizeikommisfariatc wurden be'chädigt unb mehrere Polizisten verwundet. Die ägnutifdie Polizei feuerte auf bie Menge und fügte ihr schwere Verluste zu. Schließlich mußten auch englische Truppen cm greifen, denen es ge'ang, bie Ruhe wie erherzusLllen, nacktem auch sie aus die Manifestanten geschoften hatten. Am Abend war bie ganze Stadt ruhig. Englische Patrouillen burd)- frogen bie Straßen. Esgabl9Toteunbgegen 120 Verwunbete, davon 90 durch Schußwaffen verletzt.
Kairo, 20. Nov. (WTB.) Havas. Eine Kundg bung des Marsck)olls Allonby gibt die Entsendung einer Kommission beftmnt, die ben Auftrag hat, «me Verfassung audju- ar beit en, welche unter britischer Leitung es dem Sultan und den gewähllen Vertretern des Volkes g'stattet, an der Leitung ber ägyptischen Ange- l^cpnlxnten teuzunebmen und die zukünftige Re- gierungsfvrm festzusetzen.
Wilsons Erkrankung.
Amsterdam, 20. Nov. Die Blätter melden aus Washington, baß Wilson am Montag zum ersten Male bas Haus verlassen durfte.
Die Hambnrg-Amerrka-kinie.
London, 2). Nov. (WTD.) HavaZ. Der Times-Korreipondent in Neupork beud)iet über die bevorstehkmde Eröffnung eines regelmäßigen
Tstmsbes zwisdien Amerika unb Hamburg und daß bie erste Abfahrt von Amerika aus am 15. Dezember erfolgt.
Keine Friedenskonferenz in Warschau.
Bern. 20. Nov. (WTB.f Havas. Das Polnische Pres.ebureau ist ermächtigt, bie Nachricht des „Dail» Herald", die polnische Regie« rung i abe die Absicht, bie >rieg ühcend n Vö fer in Ruß and zu c nei Konferenz z e 's eines F i de sr sch us es au zu or.ern, al^ un.egründet und nichrig zu erllären.
$oröerungen der Landwirtschaft.
Der Reichsausschuß ber deutschen Landwirtschaft hat nach Beratungen mit fämtlidjen landwirtscl-afllichen Äö.perschaften Deutschlands, wie verschiedene Blätter melden, grundsätzliche Forderungeir in einer Kundgebung zusammemgefaßt, die außer dem Rerchswirtschaftsminister, dem Reickspräsidenten, Dem Reick)Skanzler, dem Reichsrat und färnHidyen Bundesregierungen zugestellt wurde. An die Stelle der jetzigen Zwangswirtschaft müsse die Lieferung auf Grund ber tatsächlichen Leistungsfähigkeit treten, so daß die öffentliche Bewirtschaftung sich nur noch auf Brotgetreide und, sofern es mit Rückficht auf Kinder und Kranke nicht zu vermeiden ist, auf die Sicherung der Milch und der von der Milchbetvirtsck>aftung nicht zu trennenden Molkereierzeugnisfe für diese Bedürftigen erstrecke. Die Fleischbewirtschaftung sei sofort aufzuheben, von einer Zuckerbewirtschaftung im nächsten Erntejahr abzusehen usw.
Au» dem Reiche.
Die Abreise Hindenburgs aus Berlin.
Berlin, 20. Nov. (WTB.) Generalfcld- marschall von Hindenburg ist heute vormittag vom Bahnhof Zoologischer ©arten abgefahren. Der Bahnhof war von ber Sicherheitswehr obgesperrt worden. Am Bahnhof nahm eine Kompagnie Reichswehr mit Musik Aufstellung. Der Feldnurrschall schritt die Front ab und begrüßte die erschienenen Offiziere. Bom Pubülmn wurde er mit lebhaften Zurufen empfangen.
Sicherheitstvehren.
Berlin, 20. Nov. (WTB.) Da sich die Einrichtung der staatlichen Sicherheit s w e h r in Berlin außerordentlich bewährte, ist vom Ministerium des Innern die Aufstellung einer ähnlichen Organisation in den Gebieten Mitteldeutschlands beabsichtigt. Tie Ausstellung hat bereits auf dem Truppenübungsplatz Jüterbog, Neues Lager, begonnen.
Hessen.
Aus dem Finanzausschutz.
rm. Darmstadt, 19 Nov Der Finanz- a u s s ch u ß der vefsischcn Volt^kammcr ietztc fr ute feilte Beratungen fort. Er verwies zunächst eine Anzahl Vorstellungen von Beamten aller ftato. gvrien betr. Gehaltsfragen an bie Regierung als Material für bie demuächstige Regelung ber Beamten befoldungsordnung. Sodann nmrte bie Vorstellung des Mainzer Fußballvereins betr Unterstützung zur Schaffung eines Sportplatzes mit Rücksicht auf bie Folgen abgelehnt unb bie Entscher- bung über die Geivährtmg eines Zuschtusses ber Re-, gienmg über taffen, die zu prüfen hat, ob sie aus ben ihr zu ähnlichen Zwecken zur Verfügung stehenden Mitteln dem Gesuch Folge geben kann. Dann vertagte sich ber Auchchuß bis auf werteres.
deutsche Nationalversammlung.
Berlin, 20. Nov.
Am Ministiertische: NoM, Dr. Bcll.
Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 3.20 Uhr. Auf dem Platze des verstorbenen Afrg. Gröber liegt ein Lorbeerkranz.
Präsident Fehrenbach (die Abgeordneten und die Miwster erheben sich ton ifrren Sitzen): Die Nationalversammlung Hal zwei sckvvere Verluste zu befragen. Der Abg. Haase hat durch seine Stellmrg in seiner Partei, durch seine Ar- beitskraft unb fein kollegiales Verhalten sowie durd) die Uneigennüßigteit bei ber Vertretung keiner Ideale fid) das dauernde Andenken gesichert. Der Abg. Grüber war eines der arbeitsfreudigsten Mitglieder des ParlameTtts, galt als der beste Kenner der Geschäftsordnung, hatte eine füfr» renbe Stellung in seiner Partei. Sie haben fick zu ehrendem Andenken ber beiden beim gegangenen Kollegen voy 3Irren Plätzen erhoben. Ich stell« dies fest und danke Ihnen.
Nach dem Berichte des Ausschusses für bie Petitionen betreffend Bewilligung des Armen- ceckjites werden diese nad) kurzer Besprechung erledigt.
. ^.^ünbliche Bericht des Aussdmsses für den Rerckiöhaushalt ufr:r bie Petitionen zum .R-erd)shausbalt für 1919 wirb ebenfalls erledigt.
Hierauf vertagt sich das Haus.
Nächst?/^Sitzung: Freitag 1 Uhr. Tagesord-


