Ausgabe 
21.8.1919
 
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Nk. 194

Zweites Blatt

Donnerstag, 2J. August 1919

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesten)

Tod Haus tritt in bee Bevatung bcr Vorlage

ein.

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38.

Fortsetzung

(Nachdruck verboten.)

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kongreß in Berlin im April 1919 von einem So­zialdemokraten an seine Genossen.

lassen, oder wenigslens zu Sie (norf) links) uns und den besitzenden Kreisen durch unvernünftige Forderungen die positive Mit-

vnedcrherMtzellen und beantragen werter, für Grundstücke alter Art, wenn der Erbanftül in kurzer Zeit sich wiederholt, die Steuer

e 32.

heft nur hinsichtlich des Tarifs. (Zurufe rechts: Tas ist aber die Hauptsache. Gegenrufe links: Hört! Hört!) Tiefe Aenderungen sind dem Grafm Poiadowsky und seinen Freunden aber nicht erst heute morgen bekannt geworden, denn gleick>zeitig mit der Vorlage iinb uns auch die Abänderimgs- airlräge der Teutsch-Nationalen zugegangen. Wir haben fünf Jahre unsere Wünsche nach einer berech­tigten Erbschaftssteuer zuruckgeste.lt. Jetzt können wir auf eine rascheste Erledigung nicht mehr ver­zichten.

Ml Ur ms 1. Hypothek ob. glei: litte Sicherheit zu re leben. Cchristl. Angede mt.016132Qnb.@ieB.8ir.

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Th. Bäulke

treue Autorität mußte geschaffen, ein neues Heer gebildet werden, um nun im Innern Gewalt zu b-tzen, rote es früher noch nie nötig war. Nicht die von der Ncvolutivn geschaffenen Truppen, svn- die freiwilligen Formationen mit dem Geist lind der Manneszucht der Armee von .1914 retten das Vaterland ein Lichtblick in dieser verhäng- ttsvollen Zeit; die Menschheit war noch nicht teif für die vermeintlichen Segnungen der Revo- lutron. Was sie erreicht zu I-aben glaubt, tonnte cif legalem Wege ohne unsere Scibstvernickchu ng geronnen werden. Es war ein.frevelhaftes Spiel

Die Liebe gleicht der Welle, Tie plätscheritd sich erhebt, Wer weiß, woher sie flutet, Wer 'rorifi, wohin sie schvebt: Wer weiß, ob sie uns schaukelnd Nicht sanft zum Hafen bringt. Wer 'mein, ob sie als Woge Nicht unser Schiff verschlingt.

Heinrich vvn Littvow.

Ter Berliner Tiergarten prangte im Heckst- shmuck. Gelb und rot tu den leuchtendsten Schot­terungen schimmerten Baum und Strauch, und ein 'sllicher, hcrber Wind fegte das falbe Laub von en Wegen.

Tiefer köstliche Herbstwind zog auch durch den keinen, hübsch angelegten Garten einer dw klein­en Villen der Tiergartenstraße, die ganz von rbrm Weinlaub umrankt, von der Straße kaum esthen, ziemlich einsam lag.

Späte Herbstrosen nickten noch mit welken üpfckx'n in die Fenster hinein, und blasse Astern |ürnrten die Wege. Modern war das nicht, aber lie Bewohnerin der Villa fragte nicht danach, sie Mbte die 'weißen, kleinen Blumensterne, die Toten- ! .Humen, und pflegte sie.

H Tte weiten Flügeltüren, die von dem graften . ^rtcnsaal auf die Veranda führten, waren weit ^öffnet, um die kühle Herbstluft einzulassen, aber m Kamin prasselte ein lustiges Feuer und ver­achte trauliches Behagen in dnn weiten Raum.

Wohin man blickte, Bücher und Blumen, bc- Ett-we Sessel und Tisckchen, alles einfach und mch im gediegener Eleganz und vornehmem Ge- ohmack Zeugnis ablegend,

deutsche Nationalversammlung.

Weimar, 20. Aug.

Als erster Punkt auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des

Erbschaftssteuergesetzes.

Abg. Graf Posadowsky (D. Nat.): Tor Ausschußbericht ist uns erst heute morgen zugegaw- gen.. In der aber bereits erfolgten Ausfchust- beratung hat der Entwurf so wichtige Aenderungen erfahren, daß wir eine gründliche Turchberatung für unbedingt notwendig halten. Werden die vom Ausschuß vorgeschlagenen Aenderungen nicht an­genommen, dann werden wir die Weiterberatung dieses Gesetzes mit den geschäftsordnungsgemäß gebotenen Mitteln zu verhrndern wissen. (Bei­fall rechts und Unruhe links.)

Abg. Keil (©05.): Es mag richtig fein, daß die Vorlage erst heute morgen den Partei:n zuge­stellt worden ist. Geändert ist die Vorlage roesent-

Das Schicksal des deutschen Volkes ist durch den Frieden für die Gcgenlvart vollendet. Dunkel liegt die Zukunft vor tuns; hell leuchtet nur die Tat der Männer von Scapa Flow in sie hinein!

Alle Gaukelbilder sind zerronnen, die Massen­suggestion beginn! zu schwinden. Wir sehen in ein Nichts Sich selbst belügen, reden, hoffen auf andere oder auf Phantome, Mut allein in Worten als Vertröstung für die Zukunft und Schwäche in der Gegenwart helfen uns nicht, rote sie uns nie ge­holfen haben.

Anderes ist nötig:

Unerschrockenes Denken und männliches Han­deln jedes einzelnen und doch selbstloses Unterord­nen durch Zurückstellung des eigenen Jchs in natio­naler Mmrnszucht sind Erfordernis. Sie allein können uns die völkische Würde wi-edergeben, deren Rückgewinn Vorbedingung deutschen Auferftehcns ist. Sie sind das erste Gebot.

Liebe zur Scholle und zum Handwerk, Liebe zur Arbeit und unermüdliche SchäftenssreichigLeit, eiserner Fleiß, freie Betätigung int Wirtschafts­leben, gepaart mit Rücksicht ans den Nckemnen scheu, vertrauensvolles Zusammenwirken von arm und reich, von Hand und Kopf, verkörpert in einer Ar- bcitspftickst. Freiheit für ehrliche Arbeit sind die Grundlage deutscher Werte und die Voraus­setzung neuen Aufstieges. Sie sind das zweite Ge­bot für uns!

Pftichttreu, redlich und wahrhaftig, miutig muß der Deutsche wieder werden, pttlitber Ernst ihn beherrschen, das ist das dritte Gebot. Fickstes Wort, daß deutsch sein und Charakter haben ohne Zweifel gleichbedeutend sind, muß wieder Wahrheit werden. Nur das gibt uns die Selbstachtung wieder, und nur durch sie erzwingen wir uns die Achttrng anderer.

ohnegleichen, das mit dem deutschen Volk in seiner schwersten Stunde gespickt ist. Es be^rhll dies un­geheure Verschulden mit feinem Leben und mit seinen Idealen.

In Deutschland fließt Bruderblut. Deutsches Gut wird zerstört, Staatsgelder werden verschleu­dert und zu eigennützigen Zwecken verwendet, die Finanzen des Reiches, der Einzelstaaten und Ge­meinden mit jedem Tage zerrütteter. Tie gesunkene Moral des Volkes treibt haltlos in derFreiheit" der Revolution- die niedrigen Instinkte des Men­schen suchen sich mrbeschränkt unb ohne jede Rück­sicht auszuleben. Uebcrall herrschen Unocknmig, Arbeitsscheu, Trug und Uebervortrilung, dabei' an vielen Stellen der widerlichste Genußtaumcl dicht neben den Gräbern der Millionen für ihr Vaterland Gebliebenen und im Angesicht der vielen Verstümmelten, auf denen unser s2higc ruht. Deutschland bietet ein grauenvolles und würdeloses Schauspiel, das unsagbare Trauer in jedem deutsch­fühlenden Herzen auslöst, beim Feinde und Neu­tralen aber Verachtung erweckt.

Deutsche Väänner treten auf und klagen Deutschland vor dem Feinde angeblicher Schrnd- taten an, um ihm zu gefallen und Milde von ihm zu erbetteln. Deutsche Männer, die treu dem Vater lande gedient, werden vvn seiner Regierung dein Feinde ausgeliefert, um dessen Triumph zu dienen. Tas war der Tiefftand unserer Selbsler- niedriaung, die mit Scham und Ekel vor dem deut­schen Volk erfüllt.

Durch die Revolution haben sich die Deutschen zu den Parias unter den Völkern gemalt, nicl-t mehr bundesfähig nad) außen, Heloten im Dienst fremder Männer und ausländisthen Kapitals, der Achtung entlleidet vor sich selbst.

In zwanzig Jahren wird das deutsche Volk die Parteien verdammen, die sich rühmen, die

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arbeit nicht unmöglich. Tie Folgen würden letzten Endes auf Sie sckbst zurücksallen. (Beifall rechts.)

Abg. Wurm (U.): Unannehmbar ist für uns die Bevorzugung des ländlichen Grundbesitzes, die darin liegt, daß seiner Besteuerung statt des Kauf- wertes der ErtraMvcrt zu Grunde gelegt werden soll. Mögen die weiteren und entscheidende Schritte rocht bald von den neuen Körperschaften getan 'werden, die hoffentlich recht bald an die Stelle der dLationalversammlimg treten werden. (Beifall bei den Unabhängigen.)

Tiamit schließt die allgemeine Besprechung.

Abg. Dr. Becker- Hessen (D. Vp.) begründet zu 8 7 über steuerfreies Vermögen einen Antrag auf Steuerfreiheit auch der vor dem Kriege erwor­benen Gegenstände von geschichttichem, kunstgewerb­lichem oder wissenschaftlichem Wert.

Abg. Katzen st ein (Soz.) tritt dem Antrag entgegen.

Danach wird § 7 unter Ablehnung des An­trages Tr. Becker in der Ausschußfassung ange­nommen. Zu 8 25, der die Steuersätze enthält, liegen Anträge der beiden Parteien der Rechten auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage vor.

Abg. Dr. Becker-Heften: Mit der Regie­rungsvorlage hätten wir uns abgefunden, obwoU sie so außerordentlich hohe Sätze enthält, wie man sie früher niemals gewagt hätte vorzuschlagen. (Zuruf: Damals haben wir auch nicht so viel Geld gebraucht!) Trotzdem gehen die Sätze aber doch zu weit. Tre von dem Ausschuß beschlossenen Sätze be­deuten aber nahezu eine Verdoppelung der Sätze

Bor dem Kamin saßen zwei Damen sich gegen­über. Tie eine groß, schlank und bbitb, eine königliche Erscheinung in dem weichen Morgen- gewande, ist Ragna von Svendburg und ihr Gast Frau Pwstsfrr Lorenzen.

Tas Gesicht der Frau Profesfrr glänzte hoch­rot vor Erregung, als sie jetzt die Heinen flei­schigen Hände ineinander schlagend, zu Ragna, die ihr mit leisem Lächeln ins Gesicht sicht, sagte:

Na, bad ist aber eine Sache, Kindchen. Wer hatte das gedacht damals, als Sie zu uns kämen. Wissen Sie noch? Ja, ja, das Schriftstellern muß doch noch was einbringen. Wenn man denkt, die elegante, hübsche Wohnung und die Einrichtung, alles funkelnageln-eu und -alles für die dvri Bücher, die Sie geschrieben haben? Na, Si: können lachen. Allen roird's natürlich nicht so gut gehen. Mein Alter erzählte mir, daß viele Schriftsteller Zeit ihres Lebens am Hungertuche nagten, und daß ihre Bücher 'rote Blei in den Remisen ihrer Ver­leger liegen. Bei Ihnen freilich war das gleich anders. Man konnte ja hum ohne Ihre Bücher existieren, und das bringt natürlich was ein. Jeder sprach davon, jeder mußte sie gelesen haben. Mir ist ganz dumm davon in meinem Kopfe gLvorden, aber Arne, .r-issen Sie, der ist ja auch so verrückt, der meinte, seit ein paar Jahrzehnten wäre so was Großartiges nicht geschriel^n worden. Na und nun erst den Törkel, als man erfahren hatte, wer der Autor des Buches überPfticht und Ar­beit" war? Ta war es ja, als wollte ganz Berlin aus den Fugen gehen. Ist es wahr, was Dagmar erzählte, datz Sie sich roodpenltmg vor Besuchen nicht zu lassen wußten? Es war nicht so schlimm? Na, das sagen Sie bloß aus purer Bcschrideiihnt. Hübsch ist cs aber doch, nun fr festen Boden unter den Füßen zu haben und alles sich ganz allein und selbst zu verdanken. Wären Sie mir ge­folgt, so säßen Sie noch immer monatlich für zunmzig Mark als Kindermuhme oder Stütze der

fnüenlorfjs Kriegscrinneningen.

Aus dem Ludendorff'schen Buche, das den im Glauben an Deutschlands Größe ge­fallenen Helden" gewidmet ist, entnehmen wir einige charakteristische Stellen desNach­wortes", die zeigen, wie Ludendorff heute denkt und empfindet:

Die Ereignisse nahmen vvn Ende Oktober >in leihenden Verlauf. Im Westen wurde das deutsche tzeer am 4. November in fester Haltung in die Antweipen-Maas-Stellung unter Druck des Jein- tts von Verdim her zurückgeführt. Die Elsaß- Lothringer Front hielt sich gut geordnet eines feindlichen Ansturmes genärtig

Die k. und T. Armee löste sich durch die Schlacht in Oberitalien vvm 24. Oktober bis 4. November rollständig auf.

Feindlickse Truppen schoben sich gegen Inns­bruck vor. Die Oberste Heeresleitting führte imi- fasfende Maßnahmen zur Sick-eruna der Südgrenze Bayerns durch. Gegen den Balkan wurde die Lonau gehalten.

Wir standen allein in bcr Welt.

Anfang November brach die Vvn der llnad- (fcngigxm Sozialdemokratie tror bereitete Revo­lution zunächst in der Marine aus. Tie Regie­rung des Prinzen Max fand nicht die Kraft, die anfangs nur örtlichen Umsturzbcwegungen russi­schen Musters im Keim zu ersticken. Ihr entglitt jede Führung: sie ließ ben Dingen ihren Lauf.

Am 9. November sank Teutschlanb, bar jeder festen Hand und bar jedes Willens, seiner Fürsten beraubt, wie ein Kartenhaus xusammen. Wofür wir gelebt und jetzt wiederum vier schwere Jahre lang «blutet hatten, verschwand. Wir hatten kein Baier» taub mehr, auf bas wir stolz sein tonnten. Die staatliche unb gestllschaftliche Ordnung wurde ver- vichtet. Jede Autorität hörte auf. Chaos, Bolsche­wismus unb Terror, undeutsch ihrem Wort und Wesen nach, hielten ihren Einzug in bas bcutfdjie Vaterland. Arbeiter- und ©otbatenräte waren in her Heimat in langer planmäßiger unterirdischer Arbeit vorbereitet und geschafstn. Hierzu waren Männer da. die an der Front dem beutfefen Volk einen anderen Kriegsausgang gesichert hätten, bis dahin aber alsunabkömmlich" galten oder Deser­teure waren.

Die Mehrzahl der Ersatztruppenteile, in denen der Umsturzgckankc schon Boden gewonnen hatte, trat aus Seite der Revolutionäre.

Die Erappenformationen, dabei die Truppen der besetzten Gebiete im Osten und Westen, unter denen die Umwälzung ebenfalls wohl vorbereitet »ar, vergaßen Zucht unb Ordnung; sie drängten vländernd in wilder Kopflosigkeit nach Hous. Die Truppen aus Rumänien und von der Donaufront marschierten ab, nach Ungarn hinein, um hier fest- gehalten zu werden.

An oer kämpfenden Westfront tonnten Sol­datenräte mit höherer Genehmigung nicht schnell genug geschaffen werden.

Tie neuen Gewalthaber und ihre bürgerlichen Mitläufer verzichteten auf jeden Widerstand und mrterfd'riebcu: vhne Rechts titel unsere Kapitulation auf Gnade unb Ungnade einem 1 unerbittlichen ifanbe.

Tas Heer ffn Westen überschritt noch in Ord- nmg die Grenze und ging hinter den Rhein, um lernt durch überhastete Demobilisierung und in un­mittelbarer Berührung mit den heimischen Umsturz- Hecken. aud.i seinerseits der Auflösung zu verfallen.

Mäirner, die sich vor dem Feinde tabdfrei ge­litten hatten, gaben im Nervenzusammenbruch dieser Tage Heer unb Vaterland preis und dachten Hin an sich. Auch Offiziere waren dabei, die ihre Standes Pflichten und ihre geschiichtliche Mission beiseite schoben. Wir erlebten Szenen, wie sie seit 1806 fein Preuße mehr für möglich hielt. Um so hoher ist die Treue des Offiziers, Unteroffiziers und Mannes zu bewerten, der sich auch unter den neuen Verhältnissen in alter Gesinnung zur Verfügung des Vaterlandes hielt.

Diejenigen, die seit Jahrzehnten dem Volke den Rick getrübt und cpmftssenlose Versprechungen ge- viacktt Ijubcn, die ebenso lange gegen die Autorität eit Staat und Heer gehetzt unb sie mm zerstört fetten, sahen sich bald gezwungen, ihre bisher vvopagierten Grundsätze fallen .zu lassen. Eine

bcr Regierungsvorlage. Sie gehen auf eine Ver­staatlichung des Vermögens aus. Demgegenüber wollen wir alles tun, um unsere Aufsanung zu verteidigen. (Beifall rechts.)

Abg. K a tz e n st e i n iSoz.): Wie sollen mir denn die großen m>troenbigen ^)eldmittel aus- bringen? (Zuruf rechts: Regierungsvorlage!), Tie Regierung hat sich eben überzeugen lassen, daß bst großen Vermögen noch stärker besteuert werden tön neu. Tie Kreise, die bereit gerne) en sind, Gut und Blut der anderen zu opfern, die Kreise, deren Politik zahllose Menscheiwpser gekostet hat, stellen sich schützend vor die großen V-nmögen. (lebhafter Beifall links, große Unruhe rechts.

Abg. Gröber (Z): Gegenüber den Ein­wänden, die gegen die Ausschußsätze gemacht sind, mache ich daraus aufmerffam, daß die Ausschuß­fassung erst nach den Vermögensgruppen bis zu 1-50 000 Mark von der Regierungsvorlage abzu weichen beginnt und erst bei den ganz großen Ver­mögen sich wirtlich verschärft. Das läßt sich an­gesichts der heutigen außerordentlichen 9totlage durchaus ertragen. (Beifall.)

?lbg. Dr. B l u n cf (Dem.): Herr Dr. Becker hat aber die Wirkung der AuSschußanttäge außer­ordentlich übertrieben. Herr Dr. Becker hat nachzu« weisen versucht, daß ein Erbe eines Vermögens von 200 000 Mark im ländlichen Grundbesitz durch ben Ausschußtarif von Haus und Hof gejagt roerben kann. In Wirklichkeit beträgt bcr ganze Unterschied ganze 450 Mart (Hört! hört! und Heiterkeit bet der Mehrheit^ und der Gesamtstetlerbetrag 11 220 Mk.

Abg. Dr. Becker- Hessen (D. Vp.): Meine Berechnung bezog sich aus das Erbschaftssteuergesetz im schlimmsten Fall, sie wird auch Herr Dr. Blunck nicht erschüttern können. Stellen Sie das wieder her, was die Regierung selbst für genügend und für noch erträglich gehalten hat.

In der Abstimmung wird § 25 nach ben Ausschußvorschlägen gegen die Rechte an^ genommen.

§ 36 der Vorlage sieht unter gewissen Voraus­setzungen für Grundstücke, die zurzeit des Erwerbes ixnienti) land- ober forstwirtschaftlichen Zwecken zu dienen bestimmt sind, ©teuerfreiljeit bzw. Steuer­ermäßigung vor.

Abg. Oberfohren (D.-Nat.) befürwortet auf Antrag seiner Fraktion, die Vorlage wieder hei^u stellen.

Der Antrag der Deutsch-Nationalen roirb ab­gelehnt ebenso ein Antrag Ndaretzky-Dr. Becker, bcr § 36 in ber Ausschußfassung angenommen, ebenso ber Rest ber Vorlage ohne weitere Erörte­rung.

Der Vorschlag bes Präsidenten, svftrt in die dritte Lesung einzutreten, ftndet keinen Wider­spruch. Eine Generaldiskussion findet nicht statt. In der Einzelbesprechung wird der Entwurf § 1 biä 71 ohne Erörterung in der Fassung bcr zweiten Lesung angenommen. ZuEinleitung unb lieber- schrift" gibt Abg. Dr. Becker (D. Vp.) die Er- flärung ab, die deutsche Volkspartei sei treu der Ueberzeugung durchdrungen, daß bei ber Not des Volkes aus dem Vollsvermögen die letzte Mark herausgehott werden muß. Nach der Gestalttmg, die die Vorlage und besorrders der Tarif erhalten bat, können wir es aber nicht verantworten, an dem Gesetz in der Endabstimmung mitzuwirken unb sind genötigt, es abzulehnen. (Hört! hört!)

Abg. Dr. Blunck (Dem.): Ter Reichtum kann wirllich tragen, was ber Ausschußtarif ihm auf­erlegt. Ich wiederhole: Um ganze 450 Mark Differenz handelt es sich bei einem Erbanfall von 200 000 Mark.

Abg. Maretzky (D.Vp.) protestiert gegen diese Unterstellung. Ter Ausschußtarff .habe die zulässige äußerste Grenze überschritten. Es wecke dadurch die Fortführung industrieller und land wirtschaftlicher Betticke unmöglich gemacht.

Mg. Dr. Becker-Hessen legt ebenfalls gegen diests Verfahren des Abg. Blunck schärfsten Protest ein. Das sei kein loyales Verfahren. Daß seine Partei den Besitz bis zum äußersten schonen wolle, sei objekttv unwahr.

Abg. Graf Posadvwsky (D.-Nat.): Wir haben uns wiederholt für die Regierungsvorlage erflärt. Diese ist außerordentlich verschärft wor­den, und weitere Verschärfungen sind angekündigt. Deshalb lehnen wir das Gesetz ab. Wir wollen uns .nicht zu Schrittmachern der Kommunisten machen. (Hört! hört! und Unruhe bei der Mehrh.)

Nachdem noch Abg. Irl erflärte, daß er als Mitglied ber Bayrischen Volkspartei un Ausschuß ebenfalls ben Antrag ju § 25 mit unterzeichnet habe, wird Ueberschrift und Einleitung genehmigt und darauf in der Gesamtabstim mun g das Gesetz gegen die Stimmen der deutschen Volkspartei unb des größten Teils der Deutschnationalen end­gültig angenommen.

Um 1 Uhr wird die Sitzung bis 3 Uhr unter­brochen.

Ragna Svendburg

Roman von Anny Wothe.

Alten gar nicht gefallen, daß Sie jetzt hier so ganz allein für sich wohnen. Dagmar, die Sie fr oft besucht, erzählte zwar, daß Sie sich Ihre alte Chaja haben kommen lasten, aber ich totr meinen eine alte Wienerin wäre doch eigentlich kein passender Schutz für Sie, und da wollten wir uns denn erlauben, bei Ihnen anzufragen, ob Si: nicht lieber ganz zu uns ziehen wollten. Seit Gunhilds Verheiratung stel-en ihre nettm zroer Zimmer leer. Es wäre natürlich nicht fr elegant und vornehm wie hier, aber Sie hätten dach immerhin einen Anschluß und--"

Tw Frau Professor kam nicht weiter stockte sie in dem Gedanken, daß Sie auf die Jchre, Ragna zu sich zu laden, nur gekommen war, weil sie meinte, es müßte sich doch ganz nett machm, wenn es in der Gesellschaft bieg: Gräfin Ragna Svendburg, die berühmte Schriftstellerin, lebt im Hause des Professor Lorenzen usw.?

Ragna streckte der fteinen Dame freundlich die Hand entgegen.Ich danke Ihnen und Jhr -m Herrn Gemahl herzlich," sagte sie,aber ich denke nicht daran, mich einem anderen Schutze anzu- berttauen, als meinem eigenen. Wer auf ngmen Füßen steht, wer für sich selbst sorgen muß, der muß doch roeorigstens imstande sein, sich selbst zu beschützen. Glauben Sie denn, wenn ich mir eine fr genannte Anstandsdame ins Haus nehme, daß ich bester beschützt wäre als jetzt? Worin sollte denn ber Schutz bestehen? In ihrem Alter ober in ihwr Energie? Tas Alter tut mir nichts und die Energie habe ich für uns beide. Meine albe Ebafa, die mir seit den frühesten Tagen meiner Kindheit treu zur Seite gestanden, ist mir in jeher Lebens­lage ein mehr als ausreichender Schutz."

,^Hm," machte die Frau Professor,recht haben Sie ja, aber rochen Sie, in ber Gesell­schaft erscheint & doch nicht so recht paffend." (Fortsetzung folgt)

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Hausfrau irgendwo und stopften SttÜmpfe, nähten abgerissene Hemdenknöpfe an. Tu licker Gott, die Lorenzen ist eben nie besonders helle gewesen, wie mein Alter sagt, und bis jetzt habe ich auch immer stell und fest geglaubt, die Fran gehör: ins Haus, daß sich eines nicht für alle schickt, haben Sie, liebe Ragna, uns ja glänzend gesagt. Warum sind Sie eigenttich nicht gleich mit Ihrem Namen hervorgetreten, es wär: gewiß wach nutz­bringender gewesen?"

Mir lag daran," sagte Ragna,durch eigene Kraft erst etwas zu werden . Erik wollte ich fest stehen auf dem schwanken, mir unbekannten Bodm. Tas Glück ist mir hold ge.wfen," fuhr sie sinnend fort.Ich habe erreicht, was ich ersttckt, erhofft. Unabhängig frei schaffen zu können, ohne Zwang, ganz nach meinem Wlllen unt) nach meiner Be­fähigung, das mar mein Wunsch Ich habe mehr als das erreicht. Meine Feder gibt mir bi* Mittel zu einer behaglichen Existenz . Die Fcker ist das Bindeglick, das mir täglich neue Freunde und.in­teressante Menschen in ben Weg führt und mich» wett über das alltägliche Hasten und ber Menschen Treiben hebt. Was will ich mehr?"

Ist es Ihnen denn leicht geworden, aus dem Bahn Häuschen zu scheiben?" fragte Frau Loren­zen neugierig.Tie Kinder erzählen ja Wunder­dinge von Ihrer Idylle dort."

.Leicht, nein, aber es mußte sein. M>ttn .Ar­beitsfeld roieS mich hierher und ich mußte wohl oder übel die guten Brands verlassen, wenn ich mich aber so recht ausruhen will, dami flüchte ich immer in meine stille Heide, zu den einfachen braven Mensckwn unb hi meinem ehemaligen Stüb­chen feiere ich selige Stunden."

Frau Prost fror Lorenzen rümpfte ein bischen die Nase,coehr bescheiden, sehr bescheiden," sagte sie, dann aber schluckte sie ent paarmal heftig zu und sagte nicht oljnc einige Verlegenheit.Wissen Sie, Fräulein Ragna, es will mir und meinem

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trautem Heim und tto 50 Mille Lem M aus diesem nicht hk^ ungetvöhnl. Wege treue LebensgM N.ernsigemeintM möglichst mit M

Darl. der Verhaw 016266 an den 6 Anzeiger erbeten.

Abg. Tr. B e cke r-Hcssen (D. Bpl) erstattet des Ausschußberichl und führt aus, daß das Ge­setz durch ben Ausschuß besonders auch für Ab­kömmlinge und Ehegatten eine wesentliche Ver­schärfung erfahren bat.

Abg. Keil (Soz.): Tie Steuervorlage ist nicht befriedigend, mtb 'roir hätten gern gesellen, daß auch die weitere Entwicklung der Erbbestou- erung in die Vorlage hinringearbeftet wurden wäre. Jeder Tag des Zögerits bringt dem Reich einen Bcrlust von 2 Millionen Mark. Auch heute noch macht sich ein unerträglicher, die breiten Massen geradezu aufreizender Luxus bemerkbar. Viel­leicht ist es ein Glück, daß die Massen das Trei­ben in den gvoßeii Badoorten mit ihrem unge­zügelten Luxus nicht mit anfelyen können. Tie wichtigste Ausgabe ist, die mensch iche Arbellskraft gegen Ueberlastung mit Verbrauchssteuern 311 schützen. Das Wirtschaftsleben kann die Betostung der Ricsenvermögen ochie Schaden ertragen, roenn an die Stelle der Kapftalsaorgaiftsa:ton freiwillige Associationen zur Erfti hntg wirtsck>af!licher Zwecke treten. Dies-em Gckanken muß der Fina:izmiiiister eine gesetzgeberische Form zu geben suchen.

Abg. Ra schig (Dem.): Wir l^abcn dieses Gesetz mit Freuden begrüßt. Es kommt einem alten Wunsche unserer Partti entgegen. Eine Verschär­fung der Nachlaßsteuer lehnen wir ab. Für die Besteuerung der toten Hand hat uns der Iieichs- ffnanzministtr für den Heckst ein allgemeines Ge­st tz zugesagt.

Abg. Hampe (D. Nat.): Leider hat die Re­gierung ihre eigene Vorlage zu Gunsten einer Ver­schärfung fallen lassen, die die Meh-rheitsparteien im Ausschuß durchgchctzt haben und die die 'Gren- S: der Leistungsfälugkeit und Lebe:lsfahigtoit des lkes in geradezu verhängnisvoller Weist über­schreitet. Die sclxon ohnelffn durch die Vermögens­abgabe und andere Steuern so schwer belasteten großen, in Grundbesitz und vtdusttiellen Wetten festgelegteu Vermögen können diese exorbitante Erbschaftssteuer, die evtl, zwischen 35 und 90 Pro­zent beträgt, unmöglich tragen. Das deutsche Wirt­schaftsleben Wick durch ehre solche tonfiskatorische Steuer zu Grunde gerichtet. Wir werden mit we­nigen Ausnahmen gegsm das ganze Gesetz stimmen, wenn bcr Aussthu ßvorschlag angenommen wird. (Lbhnfter Beihall.)

Abg. Dr. Maretzky (D. BP.): Wir bitten dringend, die Steuericitzc der Regierungsvorlag:

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