Ausgabe 
21.7.1919
 
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Montag, 2(. Juli 1919

(69. Jahrgang

Erstes Blatt

Solljftaat &u ühcrnebmcn, bisher nicht

gewachsen

Ganz unrichtig aber scheint ebenso

zweifellos

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Krifis der Kabinetts dlemenceau.

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land rettet. Tausende und abertausende Deutsckst

^Verwaltung £ii

h den 23.)

pari.

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j. Zuli 1919.

« wie neu hrrgerichtr. I MMer-nndV« iedm dehnbaren u iltiges tagt! i nimpfwM Mtltata pezialham artynHeparahnnf

^nhofstraise 76 pezialität: Brücken-ÄrbeitJ 'm Solide P,-.

Versailles, 20. Juli. (W. B.) Minister- Präsident Clemenceau hat die Entlassung des Ackerbau- und Ernährungsministers B o r e t in Verfolg der Wstimmung rn der gestrigen hm* mersitzung angenommen und zu seinem Nachfolger den ehemaligen Botschafter in Petersburg INoulens ernannt, den er bereits vormittags --- - Sem-

irr. 167

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slmksurl a. M. (1686

(Öner Brief an den Parteitag der deutschen demokratischen Partei

in Berlin, gleichzeitig Antwort auf den Leitartikel h Nr. 520 der Frankfurter Zeitung vom 17. Juli 1919,die Deutsche demokratisci-.' Partei, ein Wort zu ihrem Parteitag."

Annadme von Anzeigen f. die LagkSnuiirmer bis zum Nachmittag vorder ohnejedeBerbuidlichkeit Dreis für ( mm höhe für Anzeigen v.34mmBrette örtlich 15 Pf, auswärts 18 Pf., für Reklame- anzeigen von 70 mm Breite 48Pf. Bei Platz- vorfchrtil2O°/. Anifchlag. Hauptschrtttleiler: Ang. Goeg. 'Ikranlivovtlui) für Politik: Ang. Goetz, für den übrigen Leih Dr. Remhold Zenz: für den Anzetgeiilrü: ü. Beck; sämtlich in Gieren

HärntMe a>rte. yht gewordener

Wqcjeigt habe, während der Unterzeichnete, ein alter hieran er der Fortschrittlichen Volks Partei um« gefelirt der Ansicht ist. daß der seitherige Miß^

£>err G e h. I u st i z r a t Metz, der lang- jLlirige Vorsitzende des Vereins der Freisinnigen Tarin und der Fortschrittlichen Votkspartei des 1 hessischen Reichstagswahlkreises, bittet uns um flufnahmc des folgenden offenen Briefes, brr dem gegenwärtig in Berlin stattfindendcn l-gttcitag der Teutschen demokratischen Partei übersandt worden ist und heute gleichzeitig auch in bttKölnisck)cn 3eitung" erscheint.

Tie Frankfurter Zeitung hat in bem oben- cnoälmten Artikel über die Deutsche demokraiiscl-e kattn das ztveifellvs richtige Urteil gefällt, das sich die Teutsclie demokratische Partei der Aufgabe, die Führer rolle in dem neuen Teutschnv

von , eriela darauf zurückzufÄhren ist, daß die Temv-

: lratische Partei unter völliger Preisgabe ihrer lllUnOI 0 t liberalen (vnmdsätze die guten bewährten Bahnen öft Fbrts<i^ttiichen VuLksPartei verlassen und es noch Ausbruch der Revolutron unterlassen hat, in ihren Aufrufen und Programmen von vorn-

buefr der Revolution zuerst auf dem Plan war. |6-; ist deshalb mich zu verstehen, .venn sie, um Wnit der Zeit zu gehen und um die Regierung nicht

oonz m die £>änbe der Sozialdemokratie geleiten ui lassen, in ihrem ersten Aufruf viel zu weit sichend, sich zu der Behauptung verstieg, die alten Tarteiformen seien zusammengebvochen und ihre chtätvoll gehüteten Parteiprogramme seien be­deutungslos geworden. Es ist der Partei weiter W. toch a n zu rechnen. daß sic an der Regierung sofort

Irilnahm und dabei sich auch mit Erfolg bemühte, das 3entrinn zur Teilnahme an der Regierung Kranzuziehen. Tagegen war es nach Ansicht des ' llnlerzeuli-neten und sicherlich sehr vieler Ange- IKicigen der früheren Fortschrittlichen Vvlkspartei ü'mb auch der jetzigen Teutsclnen demokratischen Sartei ein großer Fehler, daß man es unterlich.

He .netter recksts stellenden Parteien und speziell leie Nationalliberale Partei zur Regierung zuzu-- Mhcn und das; man namentlich den richtigen Moment nicht erfaßte, endlich die liberalen Mlr- Wicu zu einer großen Deutschen Volkspartei zu tranigen. "

Es ist das im Wesentlichen in Berlin, in ||kr Provinz und bei uns speziell in Hessen ge- jMehai, weil man in kleinlicher Weise sich auf Briten der Angehörigen der Demokratischen Partei IMcht entschSießen konnte, gewisse .Persönlichkeiten, Bit in der Nationallibevalen Partei etwas weit IMkktzts standen, in die Partei aufzunehmen, statt

man sich gefreut hätte, daß diese Persönlich- *<ü:en bereit waren, ihre Kräfte in den Dienst I Kr Interessen der Freiyett und des Volkes zu Mkllen.

Nackchem nun trotz dieser Fehler die Partei ' mit einer großen Anzahl zum gwßen Teil sehr tfäfrigter Abgeordneter aus den Wahlen zur 9La- Ohualversammlung und auch aus den Wahlen zu

tt gesetzgebenden Körperschaften der Ernzelstaaten irttorgegangen war, weil man offenbar unter

Druck der damaligen Lage in weiten Kreisen Vtt Ansicht war, daß man mir mit der bürger- Aik-en Linken die dluswüchse der Revolution und Mibesondere die sozialdemokratischen Bestrebungen «äinpsen könne, war es umsomehr die Aufgabe I Br Temokrattschen Partei, prinzipiell gegen das j Wrioldemvkratische Programm von der 9-otwew- tiifkit der Verwandlung des kapitalistischen Privat- sDriiemtums an Produktionsmitteln Grund und irrten, Gruben und Bergwerken, Rohstoffen, SBerf- H||ugcn, Biasdstnen, Verkehrsmitteln in gesell* uUraltliches Eigentum Stellung zu nehmen.

Statt dessen nahm man allerdings consorm IIIHit der Stellung auch anderer bürgerlicher Pav mH-'H die Forderung der Sozialisierung der Bc- nltrktic in das 3iel der deutschen demokratischen ptQei auf, allerdings mit dem vermessenden oder i» ii'4 itger gesagt, den Vordersatz aushebenden 3u-

h-soweit sie für die Sozialisierung reif sind".

Nachdem man sich so auf die schiefe Ebene ! kieeben hatte, mußte man den Sozialdemokraten innrer mehr nachgeben, man machte die Auf- II lcumg unserer auf der allgemeinen Wehrpflicht, tuf die wir Deutsche mit Recht so stolz waren.

Diese Ausgaben können die Sozialdemo- k r a te n nach ihren grundsätzlichen Anschauungen nicht erfüllen: sie, die in der Minorität sind, müssen nach demokratischen Grundsätzen in ihrem eigenen Interesse aus der Negierung aus- sckwiden; ebenso febstverständlich der Reichsfinanz-- miniftcr Erzbergcr, der durch sein ungeschicktes und anmaßendes Auftreten unser Vaterland ins Verderben gestürzt und es schließlich, mit allen Parteien verdorben bat, dessen weitere Mitwirkung auch die jetzt so notwendige Aufrechterhaltung der Einheit unseres beutfdjen Bsterlmtbes unmöglich machen würde.

Diese 3iele zu erreichen und dabei die Führer­rolle ' zu übernehmen, ist nach der felsenfesten Ueberzeugung des Unterzeichneten zunächst die ein­zige Aufgabe der deutjcl)en demokratischen Partei.

Man ba!tc dem nicht entgegen, die bürger­lichen Parteien können bei der Verschiedenheit ihrer politischen Grundsätze nicht zusammen gehen und nicht zusammen regieren. Es handelt sich beute darum, sofort dringend notwen­dige praktische Arbeit zu leisen. Das Vater­land ist iieiite mehr in Gefahr wie in den August­tagen des Jahres 1914.

Sprach in diesen Tagen unser damaliger Kaiser das allgemein freudig begrüßte Wort: Ich kenne von nun an keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche," so müssen jetzt noch viel mehr alle Streitpunkte zwischen den einzelnen Parteien zurückstehen.

Denn es handelt sich jetzt nicht um politisckie Gegensätze, mögen dieselben noch so schroff und unüberbrücklich erscheinen, sondern lediglich um die Erhaltung, die Existenz unseres doch von altert Parteien gleich 1 eißgeliebten Vaterlandes, um Sein oder Nichtsein! «

Alles was wir bis jetzt in den demokratischen und sozialdemokrat. Zeitungen von denErrungen- slchafleu" der Revolution gelesen haben, waren Schlagworte und immer wieder Schlagworte! In ganz Deutschland wird es wohl kaum einen ob­jektiv denkenden Menschen geben, der sich verhehlt, daß die vielgerühmtenErfolge" der Revolution, von denen keine Zeitung jemals auch nur einen einzigen tatsächlich namhaft machen konnte, in Wahrl-eit lauter Mißerfolge waren. Statt Brot Hunger, statt Frieden Krieg im Innern, statt Wirtsckwft Mißwirtschaft, statt Ordnung llnord-

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sind sich ganz klar darüber, daß die jetzige Re­gierung ihrer, wie zugegeben werden muß, riesen- basten Ausgabe nicht gewachsen war, nicht ge­wachsen ist und niemals gewachsen sein wird. Diese Erkenntnis zwingt uns zu dem Schluß, daß die jetzige Regierung fallen muß, wenn nicht Deutschland dem Bolschewismus in die Arme geworfen werden soll. Und was wäre dann die naturnotwendige Folge? Dittatur und Herrschaft der absolutesten Reattion, schlimmer, als unser Vaterland es in den Zetten seines tiefsten Nieder­ganges je gesehen!

Hilfe und Rettung kann nur bringen, was ich oben bargetan!

Nicht um Kritik zu üben an bem, was ver­fehlt würbe, und nicht, um Streitigkeiten in die Partei hinemzutragen, sondern durch die äußerste Not gezwungen und aus tiefinnerfter Ueberzeu­gung wendet sich der Unterzeichnete, der jahr­zehntelang für Freiheit und Recht gekämpft hat, an den demokratischen Parteitag, um vielleicht in letzter Stunde noch zu verhüten, was bei Weitcr- sahren im alten Fahrwasser unweigerlich kommen wird und muß, nämlich den gänzlichen Zusammen­bruch unseres Vaterlandes, die Unterdrückung aller Freiheit und allen Rechts.

Gießen, den 19. Juli 1919.

Metz, Geh. Justizrat,

langjähriger Vorsitzender des Vereins der frei­sinnigen Partei und der fortschrittlichen Volks­partei des 2. hessischen Reichstagswahlkreises.

I. Parteitag der Deutschen demokratischen Partei.

Berlin, 19. Juli.

Ter erste Parteitag der Deutschen demokra­tischen Partei trat heute nachmittag 4 Uhr in Berlin in der Philharmonie zusammen. Tie Be­teiligung war ausserordentlich groß.

Minister Fischbeck eröffnete im Namen des bisherigen einstweiligen Vorstandes den Parteitag. Zum Vorsitzenden des Parteitages wurde Ober­bürgermeister Koch-Cassel gewählt, zu Stell­vertretern mit gleichen Rechten der Vizepräsident der Landesversammlung Tr. Frentzel, Dr. Gertrud Bäumer, M.d. N Geh. Rat Pros. Tr. Gerlanc und Abg. Tr. Tirr-München.

Abg. Nuschle erstattet den Geschäftsbericht der Parteileitung. Er ging auf die Gründungs­geschichte ein und sagte, die Teutsche Volks­partei sei nur die Nachfolgerin der schwer- industriellen annexionistischen Nationalliberalen. Ter Redner bedauerte, daß nicht alle Wahlkreise eine Listenverbindung mit den Reaktionären ab- gelehnt haben.

Bei den Wahlen zur Nationalversammlung hätte die Partei 3 641 825 Stimmen und 74 Man­date erhalten, dazu einen Hospitant en. Tie Partei besitzt jetzt 2042 Ortsgruppen und 73 Kreis- und 10 Bezirksoerbände. Ihre Mttglicderzqhl betragt 787 946 Mitglieder. Es fehlen noch zum grüßten Teil bu* Angaben aus den besetzten Gebieten. Man darf mit rund 900 000 orgamsicrten Mitgliedern rechnen. (Lraoo.)

Ten Bericht der Fraktton der Nalianaloer- sammluug erstattete Petersen-Hamburg. Tie Frak.iou fab? eine autbeutifd>e Erklärung über den Grund ilnes Austrit.s aus dec KoalitianS'' regürung abgegeben. Ich kann erklären, daß bie Partei ein Zusammenarbeiten mit der Sozialdemokratie will, um ein ftries Deutschland l-crbeizuführen. (Stürmisck-er Beifall nud Händeklatschen.) Taran wird nichts geän­dert, wenn wir eine Zett lang mit der Negierung jiiiammenarbeitcii. In diesen fünf Jahren haben wir gelernt, daß der Trieb der Selbsterhaltuuy, der Egoismus, der stärkste ist. Alles, was die Gesundheit dieser Wirtschaft untergraben will, müssen wir b.ckämpseu, so auch die Planwirtschaft des Herrn Wissell.

Tie Berlurndlungen am Soiintag wurden ein* geleitet durch das Referat des Grafen Bern­stor f T über die auswärtige Politik. Nack>- bem wir, so führte er aus, nun einmal unter­schrieben haben, erfordert es die Loyalität uiib die Ehrlichkeit, die zukünftig die Losung der deut­schen Politik sein müssen, daß mir ehrlich bestrebt fern müssen, diesen Frieden nach Kräften zu er­füllen. Tas hindert aber nicht, daß wir mit allen Mitteln feine Revision anstreben. Ter Streit, ob es richtig toar, zu unterzeichtnen oder nicht, muß jetzt schweigen.

Es folgte eine Anssprache. Es beteiligten sich daran u. a. Prof, ©erlaub (Senat, Tr. Cohnstaedt (Frankfurt a. M ), Tr. 3 ch a ch t (Berlin), Abg. v. Richthofen, Ministerialdirek­tor Dr. Dehme, Wg. Naumann. Abg. Schiffer erklärte u. a., eine Pcstitik der bürger­lichsten Sammlung gegen die Sozialdemvkratis würde den Beginn eines neuen Bürgerkrieges be­deuten. Ohne die Mitwirkung der Sozialdemo- frteie .verde für absehbare Zeit keine Regierung möglich sein. sMbg. Gothein sagte, Schide- manns Politik sei durch Er-berger sabotiert loorbcn, der zwischen 12. Mai und 21. Juni wiederholt erklärt habe, daß uns nichts übrig bleibe, als »u unterzeichnen.

Siegesfeier in London.

Amsterdam, 20. Juli. (Wolfs.) Gestern wurde, wie die Blätter melden, in Lonyon mit großem Pomp das Siegesfest gefeiert. Eine unge­heure Menschenmenae beobachteten den Marsch der alliierten Truppen, die unter Führung von öaig, Beatty, Pershing und Fach in die Stadt emzogeu.

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Noch ist es an der Zeit, aufznräumen, Ord^ arüüg zu schaffen, den wirtschaftlichen Waeder. aufbau Deutschlands wirklich zu^beginnen! |r;ivulcli!) anuuiu,

Geht es rn dem sertherrgen Fahrwasser werter, bem Präsidenten der Republik vorstellte, dann rst binnen kurzem der vollrge Zusammen- ^at erklärt im

bruch da, aus dem feine Partei mehr das Vater- in Minder bei

bim llnterzeichneten, einem aten Veteranen der meilimtigen Partei und der Fortschrittlichem (>ollspartei, der ganze weitere Jnl-alt des frag­lichen Artikels über die angeblichen Ursachen des fkiißerfolgcs der Partei und die Aufgabe der Par­ia und des bevorstehenden Partertags für die M/ste Zukunft zu sein.

Tie Frankftrrter Zeitung findet die Ursache deZ seitherigen Mißerfolges der Partei darin, oaß K dieselbe im Wesentlrch-en nur als eine Fort- rng der seitherigen Fortschrtttlicheir Volkspartei

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

droillingsrnnbörud u.Verlag, vruhl'fche Univ.-Vuch- u.Steindruckerei R. Lange.Zchristleitung, Geschäftsstelle «.Druckerei: §chulstr. 7.

nicht darüber lchnwcgtäuschien, daß, wenn er auch sein Kabinett wieder zusammenflicke, es ihn doch nicht retten könne.

Tie Höhe der Wiedergutmachnngösumme.

Versailles, 20. Juli. (WTB.) In der gestrigen Sitzung des Friedensausschllsses der Kammer berichtete Dubois über die Wiedergut­machungsklauseln des Friedensvcrtrages mit Deutschland. Er berechnete die Schadensumme, irc Deutschland bezahlen müsse, auf zweihundert Milliarden, die sich zusammensetzen aus 119 Milliarden für materielle Schäden, in denen 23 Milliarden für entgangene Gknnnne durch Stillegung der Industrie einbegriffen sind. Tie Summe der kapitalisierten Milrtärpeirsionen be­zifferte er auf 43 Milliarden 51 Millionen. Vit die Entschädigungen minderjähriger Kinder berech­nete et 6 Milliarden 920 Millionen, für Entlchä- bigungen an Hinterbliebene 2 Milliarden 519 Millionen, für Entschäbigungen an Wittven und Verwundete rechnete er 6 Milliarden, für mut- tärische Unterstützungen nach dem Gesetz vom 5 August 1914 13 Milliarden 275 Mrttwnen und schließlich für die Zuwendungen an Krregs- gesangene 153 Millionen 670 000 Franken. Tober seien die Kriegskosten nicht ein­begriffen, die Belgien allein mit 5 Milliarden 266 Millionen zurückerstattet würden. Davon ent­fielen auf Frankreich eine Milliarde 993 Millio­nen, auf England die gleiche Summe und aus Amerika eine Milliarde 300 Millionen. Ter Be­richterstatter wird am Dienstag den Bericht fort- setzen.

Uebergabe des österreichischen Friedensvcrtrages.

Paris, 20. Juli. (W. B.) Havas. Sieute gegen Mittag begab sich Generalsekretär Tu- tafta nach St. Germain, wo er Renner mitteilte, daß der Friedensverttag mit Oester­reich fertiggestellt sei. Dutasta übergab der österreichischen Delegation eine Anzahl von Exem­plaren des Friedensverttages. Ter Vertrag ist mit einem Begleitschreiben von Clemenceau versehen, der dek österreichischen Delegation zehn Tage Frist gewährt, damit sie ihre Bedingungen schriftlich einreichen könne, und das die Oester- reicher gleickseitig daraus aufmerksam macht, daß der $ ertrag auf alle in den Noten der Oester- reicher enthaltenen Bemerkungen antwortet. Tie Uebergabe des Vertrages geschah ohne jedes Zere­moniell.

berühmten Armee mit, während die Wassenstill- flantebcbüi gütigen nur die Demobilisierung verlangten; man führte den Achtstundentag ein, ebenso die so gemcingesährlickte Eriverdsloseii- uilterstützung, so daß mir nunmehr in die TenzU- wirtschast Undiigekommen, ohne daß man sich ir­gend klar macht, wie denn dicfe unermeßlicki-en Ausgaben auf die Tauer gedeckt werdeii sollen: denn eine Fortsetzung der bcrmaligcn Au.'gabeil- nhrtid.'ait kann burd> die unersckMingtichsten S.eu- ern, ja durch die Konfiskation allein Vermögen nicht gedeckt ioerden.

Alles das tut man und dabei spricht man immer noch von wetteren Sozialisieruugsmaß- regeln, ,oähreud sich doch sorttoährelid zeigt, daß eine Sozialisierung der Betriebe, von allen prin­zipiellen Bedenken abgeieljcn, in der jetzigen Zeit praktisch absolut unausführbar ist.

Nun kann man allerdings der Sozialdemo­kratie, die stets dem Volke DorgcDrebigt hat, daß nur die Sozialisierung aller roirtfd>aft(id)eu Mi­sere und Not ein Ende machen könne und iverbe, nicht zumuten, zu erklären, >vas wir Euck> alles versprodsen haben, ist alles Un.inn uiti> unaus­führbar. Man muß sich vielmehr mit deren Be­kenntnis zufrieden geben:Es geht nicht auf einmal", sonne mit der tatsächlichen Unmöglid^ kett, ihre Versprechungen einzulöseii.

Dagegen wäre es Sad^^fr bürgerlichen Par­teien und Vor allem der (Kinofratikbeit Partei als Nachfolgerin der Fortschrtttlichen Volkspartei, offen cmszuwrechcn und immer wieder zu mizber- holen:

1. Ter Achtstundentag ist ein Un­sinn, der allein zur völligen Verarmung unseres Vaterlandes fuhren muß. Es ist absolut uusimrig, bie Arbeit.leistung in Bergwerken tief unter der Erde oben die Arbeit in Fabriken mit gesundheitgesährdenden Betrieben, für welche^unter Umständen eine uock> kürzere Arbeitszeit im öfsent- lidien Interesse erngefübrt werden müßte, auf gleiche Stufe zu stellen mit der Arbeit in einem leichten Büttrieb, mit der Arbeit in einem ge­sunden bel>aglichen Bureau oder mit irgend einem Betrieb im Freien, etwa in einer Gärtnerei oder gar in der Landwirtschaft. Tiefe Gleichmad>erei muß zur völligen Vernichtung id*n Wohlstandes führen. .

2. Tie Sozialisierung irgend welcher Betriebe in der gegenwärtigen Zett, die uns dem Aus­land gegenüber vollständig ftrnkurrenzuufähig ma­chen TOÜrt*. ist 11 tit i nn. 'Sie müßte ebenfalls, wie in d r Nationalversammlung von sachverstän­diger Scite mit Recht ausgcfulM wurde, zur Ver­armung führen. .

3. Tie Erwerbslose nunterstütz ung ist etti Unsinn. Es ist unerhört, daß in den Städten Tausende von angeblich Arbeitslosen enorme Uuterstützmigen beziel)en, Währeird auf dem Lande ein großer Mangel an Arbeitern herrscht. Es ist ebenso unerhört, wemi tn Frank­furt a. M. und anderen Städten Tausende oon Frauen Arbeitslosenunterstützung beziehen, wäh­rend in dcnjelbeii Städten etwa die gleiche An­zahl Hausftauen die für sie unbedingt erforder- lickxm weiblichen Dienstboten nicht erhallen können.

4. Tas Räbesystem ist ein Unfinn, da die Einführung von Soldatenräten zur Auf­lösung jeder Tisziplin im Heer führen müßte und geführt hat: so ist in einem größereii Bettu'b, einem Staats- oder Privatbetrieb, eine gedeih­liche Entwicklung nicht möglich, wenn der ^iter des Ganzen oder ettrzelner Abteilungen zur Kon­trolle feiner Tätigkeit einen Rat von Angestellten und Arbeitern neben sich, oder, richtiger gesagt, vor sich gesetzt bekommt. Sind wir doch glücklich soweit gekommen, daß vor einiger Zeit ein Zug, der von Hannover nach Hamburg fuhr, auf der Station Lehrte über eine Stunde liegen bleiben mußte, weil das Fahrpersonal erklärte, es habe 8 Stunden imd 4 Minuten gefahren und fahre nun nickst weiter. Und die Vorgänge im Animig dieses Monats im Hauptbahnhof in Frankfurt a. M. ? ? .

5 Tie Streiks, mögen fte zu wirtschaft­lichen oder polnischen Zwecken erfolgen, sind mcht nur ein Unsinn, sondern geradezu in der jetzigen Notlage des Vaterlandes ein Verbrechen. Tas haben ja fvgar sozialdemokratische Srbgcortmctc und Führer wiederholt ausdrücklich erklärt.

6. Die politische Demokratie hat ihre gewisse Berechtiguiig. Die wirtschaftliche De­mokratie ober ist, , wie vorstehend genügend bar- getan ist, ein Unsinn.

Nun haben die bürgerlichen Parteien nach den Wahlen zur Nationalversammlung, zu den gesetz­gebenden Körpersckwftert der Einzelstaaten und den Gemeindeverwaltungen die Majorität, und zwar trotz oem unsinnigen Wahlrecht der jungen-Leute von 2025 Jahren

Warum wirb dieselbe nicht den Grimdsatzen der Demokratie entsprechend ausgenntzt?

Tie bürgerlichen Parteien müssen sich also zusammenschließen?

Es muß eine aus sämtlichen Parteien von der deutschen demokrattschen Partei bis zur Rech­ten gebildete Regierung eingesetzt werden, die nur eine Ausgabe kennt, unser deutsches Vaterland wirtschaftlich wieoer aufzurichten.

Dieselbe muß dafür sorgen, daß wieder ge­arbeitet wird, daß bie wahnsinnigen Ausgaben für unwirtschaftliche Zwecke eingeschränkt werden, daß bie jebes Wiederaufleben unserer Industrie unmöglich machenben Stteiks aufhören, daß bie Lebensmittelpreise wie der Arbeitslohn fallen, das anbererseits auf dem Weg der Steuergesetzgebung und burch andere soziale Maßregln eine Aus­gleichung der Interessen der verschiedenen Be­völkerungsklassen herbeigesührt wird und die Aus­wüchse des Kapitals und ein unverhältnis- mäßiyes Anwachsen der allzugroßen Vermögen beseitigt werden.

u u i »iiuu miHeure": Wenn ein Kabinett in bie Minberheit gesetzt wird, zieht es sich zurück. (Heftern ist in ber Kammer bie Regierung in der Minberh^nt geblieben. Trotzbem hielt sich Borel für persönlich getroffen, lUihrenb in Wirklick>- feit bie Wirtschaftspolitik des Ministeriums Cle­menceau verurteilt wurde. Clemenceau könne sich

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g,zeigt habe, obgleich vieles, vielleicht alles oon tirr abgehängt habe und noch abhänge.

b rein gegen die uferlosen Pläne der Svzialdem>o- rialte Stellung -u nehmen, und in der Stunde LlttiB Gefahr, rn der zur allenmgeeigensten Zeil

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tot.-n tnc Revolution herbeigesührt war, es unter- r taffen hat, das gesamte beutfdic Bürgertum zu- 19X0«* I ümmcnzusasjen ober doch zum mindesten den Zu-

s. nimenfd;luB der liberalen Parteien herbeizu- baufen II. Uüb öel Ter Deutschen demokratischen Partei gebührt *'....."*1 das imftreitigc Verdienst, daß sie nad> dem Aus-