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Die AngeftelttenbeDegung in Sietzen.

Sieben, den 20. Okt. 1919.

Von den Arbeitgeberverbänden erhallen wir folgende Zuschrift:

Ter in Nr. 243 des Siebener Anzeigers ge­gebene Bericht über die Angestelltenbewegung in Gießen könnte vielleicht bei loenig unterrichteten Lesern die Meinung Hervorrufen, daß sich die Gießener Arbeitgeber bisher den berechtigten For­derungen der Angestellten verschlossen hatten. Die Arbeitgeber verkennen die durch die augenblickliche Teuerung hervorgecuiene Notlage der Angestellten durchaus nicht Dementsprechend hat bereits vor einiger Zeit bei sämtlichen hiesigen Banken und bei einer Reihe hiesiger Firmen eine Gehaltsrege- lung statt^esunden, die von den Angeitellten als ausreichend anerkannt worden ist; bei anderen Firmen sind Verhandlungen im Sange, und die­jenigen Firmen, an die die Forderung einer Ge­haltsau foesserung gestellt wird, werden für be­rechtigte Forderungen volles Verständnis zeigen. Daß dabei aber Sehälter, wie fw nach dem Be­richt verlangt werden sollen, nicht in Frage kom­men, ist selbstverständlich, zumal diese lebten Endes auf den Verbraucher abaewälzt werden müßten. Daran ändern auch die Drohungen von Gewalt- vroben, Streik ujro. nicht-.

Ite llnterzeiclnLm stehen auf dem Stand­punkt, daß eine öffentliche Erörterung dieser Frage zur Zeit nicht angebracht ist, glauben aber, diese kurze Erklärung abgeben zu müssen, um bei den Lesern des besagten Berichts nicht falsch: Aus­fällungen auskommen und bei diesen oder j men An­gestellten nicht.Hoffnungen erweck m zu lassen, die nicht erfüllbar sind, schließlich um deutlich zu sagen, baß Drohungen nicht geeignet sind, zukünftige Ser- Handlungen zu fördern. Unter-eichnet ist die Zu- lchrist von folgenden Arbeitgeberverbändm: Ar- keitaeber-Berband der Industrie in Oberhessen. Giesener Bamken-BeveiniPmg. Großhandel-Ver­einigung, G m. b. $)., Qketten. Verein der D:tail- tisten zu Gießen, E. V Verband Deutscher D:- tailgesäjäfte der Dertilboanckie, Ortsgruppe Gi'ßen. Schutzverein der LebenSmitbelHändler zu Gießen. Bcrern der Schuhwarenhändler von Gieß.»n und Umgegend. Verband für Herren- und Knaben­kleidung TeulfchlandS.

Aus Stadt rrnd Land.

Gießen, den 20. Okt. 1919.

Höchstpreise für Spätkartoffeln.

Nachdem das Reichswirtschaftsministerium auf Vortraa der Reichskartoffelstelle den bisherigen Kartoffelhochstpreis einschließlich Prämien von 7.25 Mk. auf 8 Mk. erhöht hat, ist auch der Erzeugerhöchstpreis für Winterspeisekartoffeln von der hessischen Landeskartoffelstelle mit Wirkung vom 15. Oktober ab bis auf weiteres auf 8 Mark für den Zentner einschließlich aller Prämien festgesetzt worden.

Lebensmittel.

* Nährmittel-Ausgabe. Die bei den Kleinhändlern bestellten Waren für Oktober können von Dienstag in an Empfang genommen werden. Es entfallen: 1. Aus die roten Karten (B): 500 Gramm Hafer­flocken bzw.'Hafermehl, 250Gramm Grünkern- mehl, 2 Pakete Keks. 2. Auf die blauen Karten (C): 250 Gramm Bohnen, 125Gramm Teigwaren.

** Milchpersvraung. Infolge ungenü­gender Belieferung der Stadt Gießen mit Milch können für den 19. dS Mts. die aus

V: Liter lautenden Milchmarken nicht mit Milch beliefert werden.

Der Markeneinwurf auf der Straßenbahn.

In die Zahlkäften der Straßenbahn wer­den trotz des Verbots immer noch Frei­marken geworfen. Dies ist absolut unzuläs­sig, weil einerseits der Mechanismus behin­dert wird, andererseits aber auch die Frei­marken selbst derartig verschmutzt werden, daß die Post sich weigert, die Freimarken anzu­nehmen. Ebenso werden auch derartig ver­schmutzte Freimarken den Schaffnern zum Umwechseln angeboten, was ebenfalls nicht tunlich ist. Dieser Hinweis wird hoffentlich da- ru beitragen, daß in Zukunft Freimarken als Zahlungsmittel beim Verkehr auf der Straßenbahn nicht mehr benutzt und dem Fahrpersonal keine Schwierigkeiten durch die Benutzung von Freimarken gemacht werden.

Up ewig uugedeelt!"

$efct gilt eS, dies Wort wahr zu machen. In wenigen Wochen findet in Nordschleswig die Ab­stimmung statt darüber, ob da- Land dänisch wer­den oder dem Deutschen Reiche verbleiben soll. Ab­stimmungsberechtigt ist jeder, der vor 1900 in dem

Gicbencr Stadttheater.

Moral. GeibSteuscl. Doktor KlauS.

Gießen, 19. Oktober 1919.

Spielzeitbeginn. Drei Neueinstudierungen an zwei Tagen, das heißt, ein Teil der Stücke wird, weil und wie sie standen, aus dem Repertoire der Sommer- spielzeit in Bad-Nauheim herübergenommen sein. Auch für Gießen Handelle es sich dabei um keine Neu­erscheinungen, aber der Spielplan gewinnt gleich von vornherein die notwendig« Abwechselung und neue Kräfte können hervortreten.

Die Stücke selbst sind durch di« Revolutionswelle, die Über uns hingebrandet ist und auch in Kunst, fragen Weltanschauungsfragen aufgewühlt hat, ein «Utes Stück von uns weggeschwemmt worden. Man sucht auch in leichten Unterhaltungsstücken nach Wer- ten, die über die Stunde selbst hinausweisen und wird nicht recht warm, wenn man sie vermißt.

Moral von Ludwig Thoma bleibt schließlich doch nur eine geschickte Ausbeutung menschlicher Schwäche, die sich mit einem moralischen Mäntelchen verhüllt, das sie in der Garderobe der .Privaten" abgibt. Wenn nicht die alte Dame mit dem geraden -erzen und ohne Grundsätze sich über die Komödianten bet Gebens erhöbe, weil sie ihre Steckenpferdreiterei beim Namen nennt und wenn nicht eine andere Frau die Lüge ihrer Ehe in schmerzlicher Reise bloß- legte - der Orden (Emils des Gütigen erschiene tat­sächlich als die Prämie und der Wert eines allen Verhältnissen angepaßten Daseins.

fraglichen Gebiete geboren ist, mag er letzt wo immer wohnen, totem er in die Stimmlifte ein­getragen ist. IS er Nordschleswig er hat also die Möglichkeit in der Sand, .mit dem Stimmzettel die alte »eimat gegen den dänischen Ansturm zu verteidigen. Darum melde er sich sofort beim Deutschen Ausschuß für das Herzogtum Schles­wig, Zweigstelle Hamburg, Mönaebergstraße 17, 5. Stock", um sich in ine Stimmliste ausnehm en zu lassen Erforderlich ist die Milelltreichung der Geburts- ober wenn der Stimmberechtigte vor 1876 geboren ist) der Taufurkunde, sowie bei Ehe­frauen der Heiratsurkunde. Tie Stimmberechtigten bekommen freie Reise zum Geburtsort sowie auf Wunsch Unterkunft und Verpflegung.

Gießener Polizei- und Schutzhrrudevercin.

Die gegenwärtigem Verhältnisse erfor­dern dringender denn je Schutz vor unsicheren Elementen. In der Erkenntnis, daß der Hund von altersher ein treuer Begleiter seines Herrn bei richtiger Ausbildung auf diesem Gebiete Vorzügliches leistet, hat es der Gieße­ner Polizei- und Schutzhunde verein sich zur Aufgabe gemacht, Hunde für diese Zwecke auszubilden und den Besitzern sachgemäße Anweisung zur Dressur zu geben. Darüber hinaus sollen befähigte, gut veranlagte Tiere in der Ausbildung weiter geführt werden, um ihre Verwendung als Polizeihunde zu er­möglichen.

Die Dressurleitung liegt in den bewähr­ten Händen der Pollzeibeamten Klos und Seitz Uebungsstunden finden wöchentlich etwa zweimal statt. Die disziplinarischen Hebungen und die Mann arbeit werden in der Reithalle am Brandplatz, die von deren Besitzer, Universitätsreitlehrer Himmerich, liebenswürdigerweise zur Verfügung gestellt wurde, abgehalten; die Anleitung zur Spu­renarbeit erfolgt an jeweils zu vereinbaren­den Geländepunkten.

Die bisherigen Hebungen lassen erken­nen, daß fast ausschließlich alle Hunde bei geeigneter Anleitung sich ru brauchbaren Be­gleithunden ausbilden Iaffen, zumal da der Verein in der Lage ist, für geeignete Dressur- objekte zu sorgen.

Es werden Hunde aller Rassen ange­nommen, die für Begleitzwecke in Betracht kommen.

** Aendernng der ftäbt Dienst- stunden. Zur Ersparung von Heizung und Be­leuchtung werden die Dienststunden bei städtischen DienstitÄlen vorn 20. Oktober 1919 ab bis auf weiteres wie folgt sestgeieyt: iNontaa bis Freitag von 812*/» und 24V» Uhr, Samstag von KIV- Uhr.

* Dorträge. Arn Dienstag abend 8 Uhr wird im Saale des Gasthofs zum Einhorn der vielgenannte Politiker Landrat Siegfried von Kard o r f f aus Ltffa einen Dortrag über das Thema W as uns Not tut" halten, v. Aardorff ist in weiteren Kreisen während des Weltkrieges durch feine Stellungnahme m der preußischen Wahlrechtsvorlage der Jahre 1917/18 bekannt geworden. Als einziges Mitglied der freikonfervatioen Fraktion ist er damals für das allgemeine Wahlrecht mit Entschiedenheit eingetreten und infolgedessen aus der Fraktion aus» geschieden. Bei Ausbruch der Revolution nahm er an der Gründung der Deutschnationalen Volks» Partei führenden Anteil und wurde als Ab. geordneter in die preußische Landesversammlung gewählt, wo er zu den hervorragendsten Rednern auf der Seite der Rechten zählt. Abends 8 . Uhr hält im Hotel ..Großherzog von Hessen" Professor Fritzsche einen öffentlichen Dor. trag überVolkstum und Menschheit" im Auftrag der Frauengruppe der Deutschen bemohr. Partei. - Die U. S. P. Gießen veranstaltet abends 8 Uhr im Saale des (Eaf4 Leib, Walltorstraße, eine öffentliche Volksversammlung, in der Pfarrer Dr. Lic. Hartmann, Solingen über Kirche und Sozialismus" sprechen wird.

** Vortags, und Experimental, a b e n b e. Herr Pasqueel-Dary, besten Erperimental- und Aufklärungsabende am 1. und 3. d. Mts. Beifall fanden, hält am kommenden Donnerstag und Freitag einige hochinteressante Vorträge (nebst Vorführungen) über Okkultismus, Spiritismus, Tischrücken, Träume, Leben nach dem Tode, praktische Menschenkenntnis auf Grund der verschiedenen Methoden u. a. - Der Vorverkauf ist bei Musikhaus Dusch.

* Lichtspielhaus. Heute ist letzter Tag des Aphroditefilms. Don morgen bis Freitag tritt Albert Dassermann inDer letzte Zeuge", Drama in 6 Akten, auf.

Kreis Friedberg.

Friedberg, 19. Okt. Das hiesige Kreisamt hat öffentlich bekannt gegeben, daß 15 Gemeinden des Kreises weniger ab 26 Prozent der erzeugten (Eier abgegeben haben. Ober-Mörlen lieferte nur 6 Prozent an, der nahezu 1000 Einwogner zählende Ort Klein-Karben überhaupt nicht ein einziges Li ab. Die übrigen 40 Gemeinden sind ihrer Pflicht nach, gekommen und haben 75 Prozent der erzeugten (Eier vorschriftsmäßig abgeliefert.

Starkenburg und Rheinhessen.

R. M. K. Darmstadt, 17. Oktober. Diebische Eisenbahner scheinen in der verflossenen Nacht ihr Unwesen auf der Strecke zwischen Frankfurt a. M.Gr. Gerau getrieben zu Habers In der Gemarkung Mörfelden wurden zweifellos durchEisenbahn- bedienstete aus dem Eilgüterzug Mannheim Frankfurt vier schwere Kisten mit Zigarren, die einen We^ von etwa Zwanzigtausend Mark darstellen aus dem lausenden Zug ge­worfen. Es standen auf der Strecke auch schon die Helfer bereit, um die gestohlenen Kisten in Empfang zu nehmen. Andere Bahnbedicnstele hatten aber den Raub be­merkt, man ließ den Zug halten, die zum Empfang Bereiten ergriffen aber die Flucht und es gelang nicht mehr, sie einzuholen. Man darf mit Sicherheit annehmen, daß die eigentlichen auf dem Güterzug tätigen Bahn- dicbc mit ihnen in Verbindung standen- Wie wir hören, gehört das auf dem Zug be­schäftigte Personal nach Frankfurt. Unter­suchung ist im Gange.

rm Darmstab t, 17. OKI. Die Schließung bes stäbtischen Hallenschwimmbades ist nach einer Mitteilung bes Deigeorbneten Ritzert in her gestrigen Stabtverordnetensitznng in Folge bes dauernden Kohlenmangels notwendig geworden. Vielleicht läßt es sich ermöglichen, den Betrieb noch Freitags und Samstags aufrecht zu erhallen. Man stimmte dem Vorschlag zu. (Es soll auch eine Anregung das Kre­matorium ju schließen geprüft werden. - Der Ober« bürgermeister teilt noch mit, daß der Stadtverordnete Professor Dr. Köser nach seinem Austritt aus der demokratischen Partei nunmehr auch sein Amt als Stadtverordneter niebergetegt habe. - Dem Arbeits­ausschuß zur De^rünbung einer Volkshochschule in Darmstadt wird zur Durchführung der notwendig- ften Vorarbeiten ein Anschuß von 600 Mk. bewilligt, nachdem die OnbuftrieDenoereinigung und die Gewerk­schaften gleiche Beträge bewilligt haben.

Hessen-Nassau.

Streik der Fleischeriueister.

X Hanau, 18. Okt. Wegen der Ein­führung der Regieschlachtung sind in ver­schiedenen Orten des Landkreises Hanau die Fleischermeister in den Streik getreten.

x. Hanau, 19. Okt. Im Gemeindewalde bei Rüdigheim kam es zu einem Zusammen­stöße zwischen einem Jagdaufseher des Hanauer Jagdklubs und einem Wilderer. Auf den Zuruf des Aufsehers, das Gewehr wegzulegen, legte der Wilderer an. Der Aufseher gab einen Schuß ab und tötete den Wilderer, der als der Weißbinder Peter Fuchs in Ravolzhausen festgestellt wurde.

Hadamar, 19. Okt. Die Tochter des Gpmnasialdirektors Henn stürzte beim Aufspringen auf dem schon fahrenden Früh­zug nach Limburg ab, wurde überfahren und getötet.

Die tkarloffelveNorgmig.

Maa r. 20. Okt. Die Kartoffelernte ist bei uns besser ausgefallen, als dies von an­deren Gegenden gemeldet wird. Es wimmelt dah.-r auch von Hamsterern, die sich in den Preisen argen* fettig überbieten. Darunter leidet ober nicht die Vero.gung unserer Kreisstadt Lauterbach. In an* erkennensnvrter Weise geben die Bauern dorthin ab, nxid sie erübrigen Können, sich habet fast aus- n ähms vs an den Höch Preis hal.end.

4 Vom buben Vogelsberg, 20. Okt. Tie noch nicht beenvrte Kartoffelernte ist im Gebirge durchnx-g schlecht. Tie Hauptschuld liegt daran, daß durch das nasse Wetter im Früh­jahr die Aussaat sich verspätete und dazu der schtrere Boden sich nur schach! bearbeiten ließ. Dice £anbh?irte hatten Mühe, den eigenen Bedarf müh am zusammenzuernten. Nach be.n Fno,L>.'.ftr ro-urbe die Ernte vielfach abgebrochen, um zuerst bie Tickwurz hineinzusahren, die den Fr^st we­niger vertragen können. Eine Rekordernte haben dte I m ker zu verzeichnen. Biele Zentner Biennr- fconig können zur Ausfuhr bmmen.

Fulba, 19. Okt. Wie wir erfahren, ist die gemeldete Erhöhung des Kartoffelhöchstpreises auf 8 Mk. pro Zentner noch nicht Tatsache. Es schweben in dieser Angelegenheit noch Verhandlungen mit der Reichskartoffelstelle.

Bad-Nauheim, 19. Okt Mit der Frage Wie steht es mit der Beschaffung von Winter- Kartoffeln?" beschäftigte sich diejer Tage ein« stark besuchte Versammlung. Als Ergebnis der lebhaften Aussprache wurde eine Entschließung angenommen, in der von den zuständigen Behörden unverzügliche Deschlagnehmung der bei den Erzeugern noch liegen-

den überschüssigen Kartoffelbestände und deren Zufüh­rung an die unversorgte Bevölkerung gefordert wird. Auch wurde die Sperrung der Kartoffelausfuhr ans dem Kreise gefordert, bis der Bedarf der eingesessenen Bevölkerung gedeckt ist. Ferner wurde verlangt, daß bie m den Hotels eingelagerten Kartoffeln im Not­fälle mit zur Bedarfsdeckung der Bad-Nauheimer Bevölkerung herangezogen werden müßten. Die lln- abhängige Sozialdemokr. Partei des Wahlkreises Eebbcrg-Sübtngen hat eine Proteftverfammluug nach

iet)berg einberufen mit der Tagesordnung:Wo ten die Äa:toffeln der fruchtbaren Wetteran?" In einem von der U. S. P. verbreiteren Flugblatt heißt es u.ea.:Ommer höher steigen die Preise für die notwendigsten Lebensmittel, mm er unoers chäckter werden die Landwirte im Ueberschreiten der Höchst­preis» für Kartoffeln und Obst. Die Regierung sieht diesem Treiben gleichgültig zu, ohne auch nur den Versuch zu machen, die ihr zustehenden Machtmittel gegen diese Dolksausbeutung anzuwenden. Ein IriJ der Bevölkerung kann keine Kartoffeln bekommen, well dieselben zurückgehallen werden, um noch höhere Preise zu erzielen.» Die Schuld trifft aber nicht allein die Landwirte. Diele r 'etterauer Bauern haben ihren Ueberschutz an Karton ein vorschriftsmäßig für 7,25 Mk abgeltefert 3n Frankfurt wurden bann dieselben Kar- löffeln für 14 Mark an die Bevölkerung verkauft Kann bas nicht auch oen Dauern verbittern? Gegen Auswüchse bes Zwischenhandels mußte auch sorge» gangen werden.

yochschrtlnachrrchten.

bL Marburg, 17. Oft. In der *öo* sophischen Fakultät habilitierte sich Dr. Hermann Hagen, Assistent am geogr-rr»biichen Seminar, mit einer Antrittsvorlesung überDie Pflanzen- gevgraphie des Meeres".

Spielplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus Dienstag. 21. Oft. Fenar- iroorr und.Gerda. Mittwoch, 22.: Der Frn schätz. Donnerstag, 23.: Tiefland. Samstrg, 25.: Die Zauberflöte. Sonntag, 26., nadjm. 3V, Ubr: Tre rxicbetmaud. Abend- 7Vi Uhr: FmninM und (tzcrda. Mrintog. 27.: Die R^se wn Lvtammtl Dienstag, 28.: Tio Gntrülrruna auS dem Serail. Mrrm^>ck,29. :L> engrin.Schauspielhaus. Dienstag, 21. Oft.: Lilirm. Mittwoch. 22.: Fräu­lein Inlic Vorher: Samum. Donner-tag, 23.: Kleist-Abcnd. Rodnck (Sutittnb. Hierauf: Der gcr- bvochene Zkrug Fveirag, 24.: Moral. SamStag, 25.: Lan-elvr und SatLerein. Hierauf: George Dändln. <5QTtntag, 26., nadym. 31/: Ubr: Minna von SBambelm Abends 7 ITbr: Moral. Montag. 27.: Lan-elot und Sanderorn. Hieraus: George Dandin. Dienstag, 28.: Moral Mittwoch, 29.: Die Sendung ScmaelS.

Llngesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser ffkubrkk stehenden Artikel übernimmt bie Rebatlion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Die Bauten in der Muhlstraße.

Aus bem Bericht über bie Stadtverordneten- sitzung vom 13. Otober i,,Gie^. Anz." Nr. 240) ersehät wir, bah Herr Stadtverordneter Mann den Handwerks^rn, also hier den Dachdeckern, bat Vorwurf gemach: hat, sie hätten bie für hen fraglichen Bau bestimmten Ziegel zum Teil unter der Hand öeitcr irr&ruft unb so bie Fcrrigsteüung bes Baues verzögert.

Demgegenüber verwahrt sich bie Berennming der .Gicst.-ner Dachdeckermetster, welche mit Aus­führung der Dackbeckevarbetten betraut war, auf das Entschiedenste. ES entspricht weder den Tat­sachen, daß bie für den Bau bestellten und gelieferten Ziegel anderweitig veräußert, noch baß die Fertigstellung der Dachdecke rarbetten schuld­haft verzögert worben sind. Herr Mann hätte besser getan, sich erst gehörig zu orientieren, ehe er mit einem derartig schweren Vorwurf heroon-itt.

Der Sachverhalt ist kurz folgender: Sofort nach Erteilung des Zuschlag- wurden die Hiegel bestellt. Die erste Liejerung der Ziegel erfolgte am 25. August 1919, und am 26. August 1919 wurde mit der Arbeit begonnen, trotzdem wir hierzu vertraglich erst am 1. September 1919 ver­pflichtet waren. An letzterem Tag war bereits btc Hälfte d.s Daches eingeberft.

Die zweite Lieferung der Ziegel erlitt aller­dings eine 14tägige Berspitun^, ba bas liefernde Werk wegen Fa^r karionSsilIvieri^k.iten und Lieber» lastung mit LieferungSverttilichtmtgen ttiAt früher liefern konnte. Alle Bemühungen, bie Lieferung zu beschleunigen, blieben ohne Erfolg Der Kiegel- lieserant^erftärte sogar t- lephontsch, daß sich noch andere Städte in äbnlidxrr Lage wie (Siefjen be­fänden, imb man daher abwarten müsse, bi< Liefe­rung möglich sei.

Die 6kfam.arbeit hätte nach bem vertraa am 15. Seprember 1919 beendet kein müssen Durch die verspätete Lieferung war bitt erst später bet Fall. Irgettdeine Bertnrrächtigung der andere» Bauarbeiten war hierdurch nicht binngt.

Die Dachdecker trifft hiernach an der ver­wogenen Fcrttgstellung der Arbeiten leine Schuld.

Die vereinigten Da ebbetfer meifier Gießens.

Schönherrs Weibsteufel, für den die Zensur unübertreffliche Reklame machte, packt noch immer durch den straffen Aufbau, die ausgeklügelte Aus- gtpfelung der einzelnen Szenen Aber dte brutale Balz von Zunghahn und Henne, angesichts des kraft­losen Männchens, zeigt doch nur die rücksichtslosesten Formen uralten Geschlechterkampfes, ohne sich über bas rein Physiologische, das Naturtriebhafte in irgend­einer Form zu erheben.

Und gar erst derunsterbliche" Doktor Klaus des gewiegten Theaterdirektors und Kenners des Publi- kumsgefchmackes: Adolph L'Arronge mit seiner mundgerechten Mischung von Burleske und Senti­mentalität?

(Es sind Aufführungen in Vorbereitung, die zell- gemäßer sind und die - wir wollens hoffen - eben­falls ihr Publikum finden werben.

Moral wurde von Oskar Feigel, der auch den Polizeiassessor spielte, flott geleitet. Sein Spiel hat oiel gewonnen, seit es ruhiger und untheatralischer geworden ist. Als Assessor in noch etwas zu unter­würfiger Beflissenheit, gab er den jungen Grenzjäger durchaus männlich und eindrucksvoll. Am gleichen Tage noch in der Haupttolle des Doktor Klaus verwendet, be­wies er auch hier eine Auffassung, die man anerken­nen muß. Adolf Telecky fand für seinen Polizei- Präsidenten nicht genügend kühle, innerliche Reserve. Da­gegen war der alle marode Scblaufuchs im Weibsteufel tn so glänzender Charakteristik herausgearbeitet, bah man sich dieser Gestalt noch lange erinnern wird. Karl Dolck, Spielleiter imZBeibsteufel undDok- tor Klaus*, zeigte seine Begabung diesmal mehr auf

diesem Gebiete als in den kleineren gut durchgeführ­ten Rollen des Kommerzienrates Bolland und des Juweliers Griesinger. Zwei Glanz tage hatte Rudolf Goll, zumal in der .Moral", wo er als Rentner Deermann so gar nicht possenhaft übertrieb, wie als Kutscher Lubowski tn .Doktor Klaus" und dadurch eine viel tiefergehende Wirkung erzielte. Mit Aus nähme unbedeutenderer Nebenrollen, in denen Her­mann Stichel als lebenswahrer Schreiber Reisacher ein ehrliches Lod verdient, ist damit die Reihe der bereits aus bem Vorjahre bekannten männlichen Kräfte erschöpft.

Don den neuen männlichen Schauspielkräften war Harrn Noebert als vom Leben abgebrühter Justiz- rat diesmal etwas blaß, noch blässer Richard Hell- borns Referendarius Paul Gerstel. Heinrich Dech- ft eins Gymnasiallehrer wirkte wenig echt. Auch Franz Braun machte als Max von Roden keinen überzeugenden Eindruck. 3n anderen Rollen konnten sie größtenteils bereits weit Erfreulicheres bieten. Dagegen war Kuno Erich Webers Freiherr von Schmcttau eine Gestalt, die Charakter hatte. Auch Toni Weber fei als Schutzmann erwähnt.

Don den bereits bekannten Damen gewinnt Auguste Marcks immer mehr. Sowohl in Moral, wie im Doktor Klaus war sie glücklich. Friedel Doerr gab ihre anspruchslose Polle als Julie anspruchslos.

Die neuen Kräfte: Luise Ramme! versah die Rollen einer Kommerzienratsftau und einer Haus­hälterin, ohne damit ein Bild ihrer Fähigkellen zu

bieten. Margarete Wernike saß in ihrer Rolle all Frau Lund noch nicht ganz fest. Liefe! Winner all die neue Naive verfügt über ein lebhafte» Tempera­ment, wirb es aber nicht ganz leichi haben, ihr, auß rorbentlid) begabte Vorgängerin Helene Aaümai vergessen zu machen, bie, wie wir udren, an daß FriedrichWllhelmstädtischen ulheater a.d.Friedrichstadt tn Berlin verpflichtet ist. Bleibt noch, wiederum von bedeutungslosen Nebenrollen abgeehen, Rose Rudaer. Wir sagten, daß sie im Gymnasialdirektor aufmerken ließ. An diesen beiden Tagen spielte sie die wett aas- emanberliegenben Rollen der Madame Ninon de Hauteville und des Weibsteufel. Ninon de Hanieoill» war die gerissene Demi-Mondaine, nicht die über­legene Grande.Cocotte, als die sie wohl aufgefaty werden muß. Der Weibsteufel aber hatte Fleisch und Blut und aufbegehrendes Leben. Es war wirklich Hefel in dem Teig brinn" und er ging auf, und was erst Hefe! war, wurde dämonischer Brunst und weibisch« Verschlagenheit. Und die Kurve bes Heraus- wachsens war ohne Schwanken, ohne ein irgendwie merkliches Nachlassen der Spannkraft

Daß ber SBdtetarel Bern SonntagnacktintttasH' stück ist, bew.es ein an'ehrt über Teil t>ts Publi­kums, der juch wirft ich unreif au mchrtt- SVm Quuder, wenn er teilweise sogar au» mmdw» jährigen Mädchen txm 13lo twitaflÄ

Wr e.roTtnt, d..ß man m Zukunu d.rnu xbew irird, daß bei derartigen Stücken unretk dmenxe vom B«.uch ix» T^ea^-rS att-«ei'ch^i en w .den. a.