Ausgabe 
20.9.1919
 
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XybcnSmitTdoerforgimg Mitteleuropas, Kohlen- Lieferungen an Italien und Serbien, durch Detttsch- land an Frankreich w leistende Lieferungen, Ge­treidefrage, finanzielle Beschränkungen tn Deut schland. Beschlagnahme von Oklb und Werten in Oesterreich, Bezahlung der gelieferten Lebens mittel, Kriegsgefangene, besonders ihre Leimbesörderung, russische Gefangene in Deutschland, Verhältnisse in Süd- und Ost­europa, Verwaltung der besetzten Gebiete.

Die Uebergabe der Fricdensbedingungen an Bulgarien.

Paris, 19. Sept. (WTB.) Haoas. Die UebergabederFriedensbedingun- C en an die bulgarische Delegation sand heute vormittag 10 Uhr 20 Minuten im Mlnisterium des Aeußecn statt. Die bul­garischen Delegierten haben 20 Tage Zeit, um chre Bemerkungen vorzubringen.

Eine gegnerische Darstellung über die Lage in den baltischen Ländern.

Paris, 19. Sept. (WTB.) Davas. Diploma­tischer Situationsbericht. Der O b e r st e R a t hörte den Bericht Generals D u g h e s über die Lage in den baltischen Landern an. General Hughes stellte im Laufe seiner Untersuchungen an Ort und Stelle fest, daß die Bevölkerung dieser Länder durch die Gegenwart der deutschen Truppen vedrückt ist, und daß letztere in den baltischen Pro­vinzen eine politische Basis für eine deutsche Inter­vention in Rußland bilden. Die deutschen Truppen unterstützten die baltischen Barone> leisteten den Reaktionären, welche örtliche Regierungen gebildet haben, Hilfe gegen die Sozialisten. Die deutschen Soldaten haben sich' in diesen Ländern, welche zur Kommunisierung wie berufen sind, niedergelassen und sind so eigentlich Agenten des deutschen Ein­flusses geworden. Tie gegemoärtige Lage stellt so- Lvvhl eine militärische tote politische Gefahr dar. Aus dem Bericht des Generals Hughes geht her­vor, daß Deutschland, wenn es will, sich bei seinen Truppen in den baltischen Ländern uolltonnnen Ge­horsam verschilsfen und die Leute des Generals von der Goltz zurückrusen kann.

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Ausschreitungen gegen Juden.

Wien, 19. Sept. (Wolff.) Die Blätter melden «uS Steinamanger: Am 19. September kam es rin TaPolcza und Diszel zu Ausschrei­bungen gegen die Indem In Tapolcza wurden drei Personen gelötet und 30 schwer ver- dmndet, sowie 80 Geschäfte ansgcplündert. Der amtlich festgcstellte Schaden beläuft sich auf 40 Mil­lionen Kronen. In Tiszel wurden sämtliche Juden ermordet, sowie auch $roet Lehrer, die für Juden gehalten wurden. Es folgten organisierte -Plünderungen. Das zur Ausrcchlerl-attrmg der Ord- ülung nach Diszel befohlene Militär nahm an den »Ausschreitungen teil. Bisher wurden 92 Personen verhaftet, darunter auch die beiden Kommandanten des dorttgen Detachements. Die jüdische Bevöllc- Pnntg wurde auf das grausamste massakriert. Ein 14jähriges Mädchen tvurde vergewaltigt. Zwei Mädchen stürzten sich, um der Schändung zu ent­gehen, in einen Brunnen.

Die Münchener Todesurteile vollstreckt.

München, 19. Sept. (Wolff.) Das Ur» "steil gegen die wegen des Geiselmordes rum Tode Verurteilten wurde heute nachmittag 4 Uhr in Stadelheim vollstreckt. Zwischenfälle haben sich nicht ereignet.

München, 19. Sept. Sämtlichen zum Tode Verurteilten wurde heute mittag gegen 1 Uhr im Strafvollstreckungsgefängnis kStadelheim er» öffnet, daß der Mini st errat von seinem Be­gnadigungsrecht keinen Gebrauch ge» /macht habe. Darauf baten alle noch um Geistlichen Zuspruch. Die Angehörigen ^hatten bereits im Laufe des Vormittags ihre zum (Tode verurteilten Verwandten bestickst. Der Voll- >tzug des Todesurteils erfolgte durch Erschieß- jung durch ein militärisches Kommando, das ein von der Stadlkommandantur bestimmter Offizier 'befehligte. Außerdem war auch ein Mitglied deS Voltsgerichlcs anwesend. Die zum Tode Verur- teiletti waren mit Ausnahme des Hauptangeklagten -tifo Seidl völlig gebrotfycn. Seidl, der Haupt- täter dagegen, bracHe noch kurz vor seiner Er­schießung ein Hoch auf die Räterepublik aus,

dock machte sein S meinten nnchc efncn kyea- traüfd)en Eindruck, als daß es ilM wirklich erttfl da.ei g w.s n wäre Di' zu Zucht au5jrafen Vec- urteilten wurden bereits int 2aufe des Nach­mittags von München in Zuchthäuser in der Provinz überführt.

Gberschlcsien.

Berlin, 19. Sept. (Wolff.) Der sechzehnte Ausschuß der Landesversammlung beriet gestern die ober schlesische Frage und dm Gesetz­entwurf über die Erweiterung der Selbständigkeit der Provinzialverbände. Tie gestern in einem Teile der Presse erfolgten Mitteilungen über die Gewährung einer beschleunigten Autonomie an Oberschlesien, die Bildung einer Provinz Ober- schlesien. die Bildung eines Landrates und Trci- männerkollegiums erregten in der gesamten Kom­mission Aufsel-en und Verwunderung. Es wurde festgestellt, daß die Mitteilungen aus der Reichs­kanzlei stammten. Sie find auf Aeußerun- gen des Reichsfinanzmini st ers Erz­berger zu Vertretern der Presse zu­rück z u füh reu. M nisterpräsi'ent Hirsch und der Minister des Innern Heine nahmen scharf gegen diese Methode, die Presse zu infor­mieren, Stellung, die sich leider immer wieder­holten und nur aus dem Bestreben zu erklären seien, Preußen vor die vollendete Tatsache zu stellen. Alle berührten Fragen seien durchaus noch nicht spruchreif. In der Beratung wurde der in Form eines Gesetzentwurfs eingebrachte Antrag des Zentrums in der zweiten Lesung verhandelt. Paragraph 1, betreffend die Einteilung der Pro­vinz Schlesien in Provinz Oberschlesien und Pro­vinz Nieoerschlesien, wurde ansenonunen. Bei den weiteren Beratungen ergab sich Ucbcreini'timmung darüber, daß die technische Durchführung der übri­gen Paragraphen des Zentrumsantrages unmög­lich sei, da die Vermögensauseinanderletzung zun- schen den beiden Provrnzteilen in dieser Weise zu regeln, ganz unmöglich seien. Es wurde deshalb beschlossen, eine Unterkom Mission einzu­fetzen, die eine passende Form finden soll. Diese Unterkommission soll heute ihre Arbeit beginnen. Bei der Vorlage über die Erweiterungen der Selb­ständigkeit der Provinzialverbände kam es bei den grundlegenden Paragraphen zu einem Konflikt zwischen dem Zentrum und den Sozial­demokraten. Nach dem Paragraph 1 soll der Pcovinziallandtag berechtigt sein, durch Provin­zialstatuten über die Regelung solcher Fragen der Schulverfassung zu beschließen, die für die Bevölkerung der einzelnen Provinzen von beson­derer Bedeutung sind. Die Sozialdemokraten bean­tragten einen Zusatz, wonach hierzu nur die Schul- Verfassung in Betracht kommen sollte, die von der Landesgesetzgcbung bestimmt sei. Begründet wurde dieser Antrag von sozialdemokratischer Seite da­mit, daß nach der Versassungsvorlage die Prvvin- zialverwaltungen im Nahmen der bestehenden Ge­setze völlig frei ht der Auswahl der zu regelnden Fragen sein würden, was viel zu weit ginge. Nachdem dieser Antrag mit ben Stimmen der Sozialdemokraten, der Demokraten und Teutfchen Voltspartei ang.'nommcn war, erllärten die Zen­trumsvertreter, daß sie nunmehr fein Interesse an der Weiterberatung des Gesetzentwurfs hätlen. Es wurde schließlich die Streichung des ganzen Absatzes beschlossen. Somit ist der Kernpunkt der ganzen Vorlage ausgeschaltet. Die weiteren Kommijsionsverhandlungen wurden vor­läufig abgebrochen. Die weitere Beratung wurde nicht anberaumt.

Berlin, 19. Sept. (Wolsk.) TieDeutsche Tageszeitung" konstruiert in der oberschlesisch^n Frage einen Konflikt zwischen Erzberger und der preußischen Staatsregierung. Von einer selchen Nichtübereinstimmung kann gar keine Rede fein. Ter Reichsminister hat in einer Besprechung mit Vertretern der oberschlesischen Presse, woran übrigens auch der preußische Mi­nister S tegerwald und Vertreter des preußi- schen Ministeriums des Innern tcUgenommen ha­ben, seine Absicht dargelegt, für Oberschlesien so schnell wie irgend^, wenn angängig bis spätestens zum 1. Oktober, eine Autonomie sicher­zustellen. Daß die Schaffung einer solchen Selb- ständigkeit für OberschLesien im Rahmen des von der preußischen Regierung borbereiteten und sei­nem Abschluß entgegeugehenden Gesetzes für die Selbständigkeit der Provinzial verbände erfolgen foU£ ist selbstverständlich. Hierüber herrscht auch zwilchen den beiden Regierungen vollständige Ueber» einslimmung.

Aur dem Neicye.

Die Erhöhung der Eisenbahnznschläge in dcr preußischen LaudeSversammlung.

Berlin, .19. Sept. Bei der heutigen Be­ratung des Gesetzentwurfes über die Erhebung von Zuschlägen im Güter- und Tieroerkehr der preußischen und hessischen Staatsbahnen (zu den jetzigen Frac^sätzen ein Zuschlag bis zu 50 Proz.) stimmten die Vertreter aller Parteien der Erhöh­ung zu. Die Vorlage ging an den Haushaltsaus­schuß. Eisenbahnminister Oescr führte u. a. aus: Die bisherigen Erhöhungen haben uns vor Min­dereinnahmen nicht geschützt, denn die Schienen­fund Kohleupreife find andauernd gestiegen. Auch mit bieier Vorlage machen wir kein Geschäft. Wir decken nur einen Teil des Fehlbetrages. Wochenkarten 4. Klaffe werden künftighin nicht nur für Arbeiter, sondern allgemein ausgegeben werden. 2w Zuverläifigkeft unteres Personals muß voll niederhergestellt werden. Ungetreue Arbeiter und Beamte gehören nicht in einen anständigen Betrieb hinein. Tie Betriebsräte werden uns gewiß helfen, solche Elemente auszuschalten. Mle untauglichen Arbeiter kann ich nicht plötzlich auf die Straße setzen. Ich suche sür sie erst nach ander m Arbeits- möglicklciten und habe die Gewahr, sie bald zu finden. Leute, die an ihrer Stelle nicht arbeiten! wollen, werden entlassen.

Aus

Die VollzugsVehörden für das Siedelungs- unternehmen.

NN. Darmstadt, 19. Sept. Das Hessische Finanzministerium gibt bekannt, daß als örtliche Vollzugsbehördcn für die Geschäfte des Sied­lungsunternehmens auf Grund des Ar­tikels 9 des Landgcfetzes vom 1. September 1919 bestellt sind: 1. zum Landamtmann für die Pro­vinz Oberhessen mit Ausnahme des Kreises Friedberg der Kreisamtmann Dr. Braun zu Gießen; 2. zum Landamtmann für den Kreis Friedberg der Forstmeister Augst zu Friedberg; o. zum Landamtmann für die Provinz Starten­burg der Regierungsaffesfor Henrich zu Darm­stadt, alle unter Belassung ihres seitherigen Dienst­grades.

llus dem besetzten Gebiet.

Französische» Oberkommando im besetzten Gebiet?

Versailles, 19. Sept. (Wolff.) Nach einer Depesche aus Brüssel stimmte die bel­gische Regierung zu, einem französischen General das Oberkommando über die Besatzungstruppen in den Rheinlanden anzuvertrauen. Bis jetzt ist nicht bekannt, ob England und Amerika auch schon zugestimmt haben.

Die Vorgänge in dcr Siebener Statt verordneten-versammlnng.

Aus unserem Bericht vom 16. September ging hervor, daß die Stadtverordneten Goerz, Grvde, Michel und Wachtel, die m der Sitzung vom 15. September bei der ersten Abstimmung für die Bewilligung des beantragten Kredits zur Beschaf­fung von Waffen und Munition stimmten, bei der Abstimmung über den Antrag Klingspor nicht mehr anwesend waren. Wie uns mitgeteilt wird, haben die genannten Herren zur Begründung ihres Ver­haltens dem Herrn Oberbürgermeister eine Er­klärung überreicht, die wir hier wiedergeben:

Erllärung.

Die unterzeichneten Stadtverordneten haben, nachdem der als Punkt 1 der Tagesordnung der heutigen öffentlichen Stadtverordneten- sitzung behandelte Gegenstand durch Beschluß seine Erledigung gefunden hatte, jede noch­malige Verhandlung und Beschlußfassung in gleicht Sitzung zum Zwecke der Herbeiführung einer Aushebung des Beschlusses ohne neue s a ch- liche Gründe für ungerechtfertigt und unzu­lässig erachtet.

Sie haben sich daher, da die Angelegenheit mit dem Vorliegen des ersten Beschlus!es für sie als in heutiger Sitzung erledigt zu gelten hatte, nach eingehender Besprechung mtschl offen, an der

weiteren Beratung über diesen Gegenstand und an einer etwaigen erneuten Beschlußfassung nicht mehr tcilMnehmen.

Gießen, den 15. September 1919. gez. Grobe, gez. Michel, gez. Goerz. gez. Wachtel.

*

* Tie Deutsche Dolkspartei hielt gestern abend im Saale deS Hotel Schütz eine stark besuchte Mitgliederversammlung ab, die sich mit den Vorgängen der letzten Stadtver­ordnetenversammlung befdäft:gtc. Tie anwesenden Stadtverordneten legten dar, daß dec Antrag Klingspor der einzige Ausloeg aus * der, durch den Mangel jeglicher SicherungS- maßrcgeln für die gesamte Versammlung ge­schaffenen Lage gewesen sei. Insbesondere legten sie bar, daß der Eintrag im Einvernehmen mit dem Oberbürgermeister und Vertretern anderer Parteien gestellt worben war. Endlich' wurde bann einstimmig folgende Entschließung gefaßt:

Tie Mitgliederversammlung der Dcunck-en Dolkspartei in Gießen legt auf das Entschiedenste dagegen Verwahrung ein, daß während der letztem Sitzung der Stadtverordnetenversammlung ein? von ihren Führern irre geleitete Dollsmeng? in. den Saal eiubrang und durch Sbwuobung tiun Gewalttätigkeiten die Fassung eines Beschlußes erzwang, der infolgedessen ungültig ist und Mr Wiederherstellung des Ansehens der Stadwer- ordnetenversammlung schnellchens wieder beseitigt werben muß. Tie Deriamm- lung spricht bie bestimmte Erwartung aus, daß für die Folge durch geeignete Vorkeh­rungen der Stadtverwaltung die verfassungs­mäßig gewährleistete freie Meinungs­äußerung und Abstimmung der Stabt» Verordnetenversammlung vollständig gesicl-ert wirb. Ta wir insbesondere auch nach den heute von dem Vertreter der ReichÄochr abgegebene« Crttärungen aut militärischen Schutz nicht jeder­zeit rechnen können, verlangen wir die sofor­tige Errichtung einer Einwohner­wehr.

** Die Dcutschnativnake Volks- Partei nahm am Freitag abend in einer stark besuchten Versammlung zu den Vorgängen in der letztenS todt verordnetenver famm lung Stellung. Von allen Rednern wurden diese Vor­gänge aufs schärfste verurteilt und gefordert, daß Vorkehrungen getroffen werden, um eine Wiederholung solcher Skanbalszenen zu terijinbem und die Arbeitsfähigkeit des Stadtparlaments ficherzustellen. Nachstehende Entschließung fand einstimmige Annahme.

Tie Teutschnationale Volks var- t e i verurteilt mit tiefster Entrüstung, daß durch den von den beiben sozialistischen Parteien her­beigeführten Truck bet Straße und durch bie in wüster Weise erfolgte Androhung von Gewalt­taten gegen Leben und Eigentum auf bie Stadt­verordnetenversammlung eine Nötigung da­hin ausgeübt wurde, unmittelbar vorbei gesoßte Beschlüsse wieder aufzuheben. ES muß Sache der Stadtverwaltung sein, dafür Sorg? zu tra­gen, daß ihr so schwer beeinträchtigtes Ansehen wieoerhergestellt und bie Möglichkeit einer Wie­derholung solcher Vorgänge ausgeschlossen wird. Eine g e r i ch 11 rche S ü hne dieser unwürdigen Ausschaeitungen darf keinesfalls unterbleiben. Turch solche Gewalttaten ist aber von neuem die Notwendigkeit erwiesen, durch eine Bürger­wehr künftig die Nufrechterbaltung der öffent­lichen Ruhe und Ordnung ficherzustellen. Ten- icnigtm Stadtvevorbneten, bie trotz aller Terrori­sierung ihrer Ueberzeugung getreu abgestimmt haben, wird die Anerkennung der Deutsch- nationalen Vvlkspartei ausgesprochen."

Aus Stadt rrnd Land.

Gießen, den 20. Sept. 1919.

KriegSgefangeueu-Heiurlehr.

Auf her Turck«fahrt traf gestern abend gegen 9 Ulyr wieder ein ehva 1000 Mann starker Trans- pvrtzng mit zurückkchmtden Siticty^gefangenen aus dem hiesigen Bahnhof ein, der während seines rin- stündigen Aufenthalts nach, der üblichen Begrüßung auch verpflegt wurde. Ter Zug war kaum aus der Halle hcrausgevollt, als ein zweiter einli f, dessen Jusafsem 1150 aus englischer Gefangensü^ft heimkehrende Landsleute, sür das hiesige Turch, gang^lager bestimmt waren. Zum Empfang hatte sich wieder die Reichswehrkapelle ringefuiiben. Tie Begrüßungsansprache hielt Tr. Göhring. Nach

HcifecinörBde aus dem amerikanischen Deutschland.

2. Kulturbliitcn.

. Tie Anierikaner sind wie die Kinder, Mit Deren guten und bösen Eigenschaften. Es zeigt sich immer wieder, daß sie ein noch junges Volk sind. Dor allem. He finc» verspielt, am liebsten beschäft ligen sie sich mit lünbern, und ihre Hauptbeschäf­tigung ist Svo-oiort. Sie können roh und Ibrutal fein und in einer Saune ihren Quartier- igebern bas ganze Geschirr zertrümmern aus Aerger Kober Mnderei. Am nächsten Morgen sausen sie im Auto von Ladsi zu Laden und kaufen zum Ersatz das teuerste E^schirr ein, dessen sie habhaft w:r- den können.

Spooort. Es kommt vor, daß zwei Ameri­kaner sich am frühen Vormittag in einer unbe­lebten Straße aufstellen und Ballspielen. Tas primitivste Ballspiel unserer Lkiwder, wobei sie sich einen Lederball auf immer größere Entfernung »uwerfen und mit der trivrgeschÄtzten Rechnen auf- fangen. Sie vergessen über ihrem Spiel das Mit­tagessen, und wenn sie am späten Nachrnittag aus- einandcrgehen, reiben sie sich befriedigt die Hchide^ it iva-3 fin, Verb fm".

Auch das rasende Autofahren ist nichts als Sport. Als zu Beginn der Besatzung noch Flieger iht Koblenz waren, stiegen sie all morgendlich zu Dutzenden auf, macksten den berühmten looping Hk [oov, senkten sich im Rlieintal fast bis zum Fluß­spiegel, sausten durch die Bögen der Horchhcimer und Pfaffendorser Brücke durch mrd er loben sich vor der Schiffbrücke wieder stell in die Luft. Um Startplätze zu gewinnen, imirbai in einigen Nack)- bargemrinden saattragende Felder in Meterhöhe mit Schlacken aufgefüllt.

Auf den Wiofeil vor dem Ncsidenzschlosfe find mesrge Baracken aufgerickstet, die nur den Ameri­kanern zugänglich find. In einer ist Tauerkonzert der Regimentskapeuen, die doppelt so stark find tvie die deutschen. Beim Zug durch bie Straße bat icber Mann einen Meter Abstand von seinem Nachbar, so daß sie die ganze Straßenbreüe eütnebmcik Inj einer anderen Halle finden regelmäßige Borkämpfe sivll, bei denen das Blut in Strömen fließt. Oh,

it is fin. Tas immer glattrasierte Gesicht des Bankee er hat in feiner unübertrefflichen ?lus- rüstung einen vernickelten Gilletapparat mit Slalst- fpicgel glänzt vor sattem Bel-agen.

Den Gipfelpunkt der sportlichen Veranstaltun­gen brachte der Nationalfeiertag im Mai. Auf der Insel OberroertI) war mit erheblichen Kosten ein Stadion angelegt, bei dem es an nichts fehlen durfte. Um den richtigen Fußbattrafen zu er­zielen, wurde eine bestimmte Fläche allmorgendlich mit warmem Wasser besprengt. Das Fest selbst muß eine echt amerikanische Tollheit aemefen sein. Tie Koblenzer, die aus der Ferne zuichairrn durs­ten, vergleickstn es mit den Voriührungcn des Riesenzirkus Barnum & Baley, der vor Jah­ren auch am Rheine war. Aus dem ganzen ameri- kmiischen Brückenkopf strömten die Truppen herzu. Kvbleiiz oder vielmehr der Rhein ist das Schau­fenster von Deutschland, behaupten sie. An der Insel Oberwerth waren eigens Anlegestellen für die Dampfer der Köln-Düsfeldvrser-Dampfschiff- fahrts-Gesellschaft erbaut. Tie wundervollen Dampfer sind beschlagnahmt und der Koblenzer muß auf seine beliebtes sonntäglichen Dampscr- auoflüge verzichten. Nur einmal sah ich den DampferErnst Ludwig von Hessen und bei Rhein" mit einer singenden Prozession an Bord, durch die Schissbrücke rheinaufwärts nach dem katholisck)en Wallfahrtsort Bornhofen fahren.

Genau so ime die Sportfeste wurde auch eine Bcleuckstung der Feste Ehrenbreitstein gehandhabt. Stundenlang wurde Feuerwerk verpufft, bis kein Mensch mehr Hinsehen mochte. Die Menge der Fei«rwerkökörper wurde mir auf 40 Waggons geschätzt, größtenteils sollen es Flieger- und Lrucht- signale gewesen sein.

Tas Anlegen dcr Sportplätze kostet Geld, und der 9lnu*ritaner hat den Weg aeruiibcn, sich dieses zu besck>affeii. Beim tleinften Vergehen hagelt es Geldstrafen auf die Einheimischen. Die in den Zeitungen veröfschitlichten Strastisten wiesen in einem Monat an kleineren Summen 88 000 Mk. auf. Das Vergehen ist meist verbotener Besitz ammFanifrfxii Eigentums, selbst ivcnn es von Amerikanern verschenkt war. Vor Amiahme der Friedeuobedingungen war es damit besonders

schlimm. Ern Bürger, der im Wirtshaus eine amerikanische Zigarette auf dem Tisch liegen fand und anzündete, wurde auf dcr Straße verhaftet und ntü 1000 Mk. Geldstrafe bestraft. Heute sind nur noch bestimmte Marken verboten.

Die Strafmaßnahmen, die die Amerikaner anzuwenden pflegen, find vielfach barbarisch und mittelalterlich, aber niemals von der Perversen Rachsucht diktiert, wie fte das senile Volk der Franzoien übt. Es ist mir wiederholt bestätigt nwiben, daß in der Gebend von Montabaur Ein­wohnern zur Strafe für Verkauf von Schnaps, auf den die Amerikaner besonders scharf sind sie bie­ten für die Flasche bis 150 Rtk. ein Klotz ans Bein geschlossen wurde. Beliebt sind Straßen­kehren, Autoputzen, Fensterreinigen oder Kar- toiselschälen. Kartoffelschälen mußte z. Zt. in Koblenz der Gaswerksdirektor, der wegen unwahrer Angab?n verhaftet wurde, well er auf Anfrag: mitgetellt hatte, im Wasserwerk liefen drei Ma­schinen. Als eine amerikanische Revision kam, ton eine Maschine kurz vorher ausgefallen und wurde repariert. Zur Strafe mußte der Tirektvr die üblich: runde Summe von 1000 Mk. zahlen und bis iu seiner Entlassung Kartoffeln schälen. Vier Wochen Gesängnts wurden ihm gestundet. Eine originelle Strafe traf eine Tarne, die in der Straßenbahn die Amerikaner dorthin wünschte, wo der Pfeffer wächst. Seit der Zeit muß sie jedm Morgen den amerikanischen Offizier, der das an­horte, im RegierungSgebäude aufsuchen, eine B:r- beugung machen und sagen: ,^Ich freue mich, zu sehen, daß Sie noch hier sind."

Vor dm deutsch sprechenden und leider auch den Teutsch-Amerikanern kann man sich vielfach nicht genügend in ad>t nehmen. Sie leisten wider­wärtige Spitzeldienste. Sie treiben sich als Stock- amerikanei. in Familien, Bureaus und Wirtschaften herum und erscheiiien uack>her, geläufig deutsch sprechend, als vfsiziclle Revisoren.

Em Koblenzer Gastwirt war aber doch schlauer als die Amcrikoner. Er war wegen Kognaktrms- portes zu 30 000 Mk. Geldstrafe und (Zseiängnis verurteilt. Um die Summe flüssig machen zu tonnen, wurde er jeden Abeiid auf eine Stund: von der MP. nach Haufe gebracht. Unter der Hand

veräußerte er mit Hilfe seiner Sekretärin HauS, Keller, Möbel und alles was sein war und ent­floh, während der MP. im Lokale saß, mit der Sekretärin im Auto ins unbesetzte Teutschland. Dir Amerikaner, die sein Eigentum beschlagnahmen wollten, halten das Nachsehen.

An solchen Vorfällen hat der Koblenzer seine geheime Freude, denn er kann es dem Amerikaner nicht vergessen, wie er vor Annahme des Friedcns- txrtrag.'s mit seinem Uebersluß an LelKnsmitteln gehaust hat. Ten Amerikanern war es strengstens verboten, irgend etwas an Lebensmitteln den Deut­schen abzugebcn, die zischen mussten, wie ber amerifmrifdye Soldat mit Leckerbissen überfüttert wurde. Erhält er doch allein schon zum Frühstück nach Wahl Tee, Kaff« oder Kakao, Weißbrot mit Butter und Corned B«f. Alles aber, was von oen Amerikanern nickst verzehrt wurde, wurde oer- brannt oder in den Rhein geworfen. Anne Leute kramten sich ganze Lenken stücke au3 dem Spül und Küchenabfall heraus. Es wurde geaast mit, Lebensrnitteln.

Wer (?inqitartienmg in seinen besten Räumen batte, konnte von Glück sagen und erhielt bie1 Brosamen vom Tische des reichen Nkonnes. Im großen und ganzen war der Amerikaner da nicht Neinlich. So wie er mit dem Papiergelde um­geht, das er »um Knäuel gerollt in der Hosen­tasche trägt. Meist aber hat er Angst vor der MP., die bei Haussuchungen die Sockel von den Wänden reißt, weil vielleicht amerikanisches Eigen­tum dahinter verborgen sein könnte. Mut ist über». Haupt keine hervorstechende Eigenschaft des Ame­rikaner». Wie er nur mit vierfacher Uebermackt im Felde angriff, fühlt er sich auch jetzt ben Teutichen gegenüber nur in der Uebermacht wohl. Begegnet er an einer dunklen Stelle zwei vnbe- nxirfrcteii Deutschen, jo macht er lieber Kehrt ober er ruft schon von weitemTag Landsmann". Er gibt auch ndjfig zu, daß er ohne feine lieber«!, macht cm Zahl und Material niemals gesiegt Hölle, und wenn er nicht gerade ein Fanatiker ist, gesteht er, daß ihm die nähere Berührung mit ben, Deutschen doch einen anderen Begriff von unserem! Barbarentum" beigebracht hat, als es die Reden' von Herrn Wllson u. Co. getan haben.