Ausgabe 
20.8.1919
 
Einzelbild herunterladen

in 2

81 1 htiUUmi werk ^bet. »eben n&n in 5 Akt tfihj *- bstmord ÄÄ"* ÖÄ*

itjlM«)

M** tisN ittvbch:

Preise!

Htiuvl'ÄuS'chub ftk

Ml.

;tv »ehe)». h,

L«°^.

eigel Virtuos immel rt am 9® n Giesse» Itiip itto Dur^gangslayü K Mts. auf ix ale isamchd herzl-wMomm' harten für Hem 1.- echMchn rfai, MrDü Re. 016O

K em

WgÄM Pktseß idT.fiflrttiteU Nauheim u-Friedbrni i Jagdreime«, Tro, «andwitte. .. ien Milüar nnb 3>n he Pserdesch« irstulm mit Fohikn. £*

L7S.S

Nr. 195

Ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Gönn- und Feiertags.

Vezvgrpreir:

monatl. Mk.l.60, viertel­jährlich Mk. 4.80; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. Mk. 1.50; durch diePostMk. 4.50 oiertel- jährl. ausschl. Bestellg. Feri,sprech - Anschlüsse: sür dieCchristleituugl 12 Aerlag,GeschäitßsteUe51 AuschriltfürDrahtuach- rtchlen: Anzeiger Sieben.

postschecktsnto:

Frankfurt a. M. U686

Erstes Blatt

Mittwoch, 20. August 1919

169. Jahrgang

Annahme von Anzeigen f. die LageSuummer Utd zum Nachmittag vorher ohnejedeBerblndlichkeit preis für 1 mm ljöhe für Au,eiaeuv.34ininBreite örtlich 15 Pi-, auSwärtS 18 Ps., für Reklame- auzeiaeu von 70 mm Breite 48 Bi. Bei Platz- vor!chrü:20°>Auischlag. Hauvtschriitlciter: Aug. Goeg. Verantwortlich für Politik: Aua. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zeuz; für den Anzeigentcil: £>. Beck; sämtlich tu Gießen

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger sür Oderhesien

Awittingsrvndtzruck ».Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- u.Zteindruckerei R.Lange.Zchristleitung, Seschästsstette ».Druckerei- Zchulsir.7.

Aus -em Buche Ludendorffs.

Die großen rechtsstehenden Blätter brin­gen Auszüge aus den angekündigten Luden- dorffschenKriegserinnerungen": das Buch selbst liegt uns noch nicht vor. Es wundert uns nicht, daß Organe der Regierungspar­teien sich schon in scharfen Tönen gegen das Buch wenden, denn der ehemalige erste Quar­tiermeister hat in seinen Darstellungen selbst den flammenden Ton der Ueberzeugung, Rechtfertigung und Anklage gefunden. Wir sind auch der Meinung, daß man hätte ver- suchen müssen, früher zum Kriegsende zu kommen und daß der Bruch mit Amerika, nachdem wir den feindlichen Nachbar im Osten niedergeworfen hatten, nicht hätte kommen dürfen. Darin lag hauptsäch­lich unser Verhängnis. Im übrigen aber waren in den letzten beiden Jahren wenig Frie- ftzensmöglichkeiten vorhanden; die Entente be­harrte auf ihrem Vernichtungswillen.

Jedenfalls muß das Buch Ludendorffs von wallen Deutschen gelesen werden; es hat noch ein größeres Recht, in jedes deutsche Haus zu dringen als die Erzberger-Reden. Die Klar­stellungen sind noch nicht abgeschlossen; natür­lich genügt Ludendorffs Buch allein auch nicht, um die ganzen Ereignisse wahrheitsgemäß zu überblicken. Als Zeuge meldet sich noch immer u. a. der frühere Staatssekretär Helffe- rich. Er hat neuerdings dem Reichspräsidenten Mert ein Schreiben zugesandt, in dem es heißt:

1. Ich fühle mich verpflichtet, nach bestem Wissen imb Gewissen der historischen Wahr­heit gegenüber der unser Volk verwirrenden Ent­stellung gewisser wichtiger Vorgänge während des Krieges zu ihrem Rechte zu verhelfen. 2. Auf Grund imeiner langjährigen Beobachtung des Herrn Erz- bevger bin ich zu der Ueberzeugung gekommen, daß dieser Mann abgesehen von seiner nach meiner ^Ansicht verhängnisvollen Betätigung auf dem Ge­riete der großen Politik eine Gefahr für die Reinlichkeit unseres öffentlichen 'Lebens bedeutet und daß er deshalb zumal alMsichts der weitgehenden Vollmachten, mit denen der Leiter der Rei chs finanzen jetzt uusgestattct wird die denkbar ungeeignetste Persönlichkeit an der Spitze des Reichsstnanzmini- steriums ist. Ich bin mir darüber klar, daß Ihre Meinung, Herr Reichspräsident, und die meinige über die historische Wahrheit und über die Ein­schätzung der politischen Tätigkeit des Herrn Erz­berger auSeinandergehen. Dagegen weiß ich Euer Exzellenz ebenso wie mich selbst von- der Ueber- zeugung durchdrungen, daß gerade in einer de­mokratisch-parlamentarischen Staats ordnung jeder unsauberen Vermischung politisch­parlamentarischer Tätigkeit und geschäftlicher Interessen, die der politischen Korruption Tür und Tor öffnet, mit dem äußersten Nachdruck entgegengewirkt werden muß. Ich fel-e einen Ausdruck dieser Ueberzeugeng in der von der R^ichsregrerung vor vierzehn Tagen durch das Wolffsri-e Telegraphenbureau erlassenen Auf­forderung, ihr solche Personen namhaft zu marinen, dieVerdächtigungen" gegen den Reichsfnianz- umrister Erzberger verbreiten,damit sie in der Lage ist, die Verbreiter zur Rechenschaft oder vor das Strafgericht zu ziehen." Ich habe gegen den Reichsfinanzminister Erzbergec zwar keineVer- iwriXigungenf'' verbreitet, dafür aber gegen ihn ganz bestimmt substanzierte Anschuldigungen er­hoben; ich habe midji öffentlich dazu bekannt, daß dieser Teil meines Kampfes gcgnt den ReichsfinanzMinister Erzberger sich gegen den Typ des poülisch-parlamentarischen Geschästs- machers und damit gegen die politisch-parla­mentarische Korruption ridp'.et; ich habe erklärt, daß ich auf keinerlei Rücksicht Anspruch mache und nichts besseres wünsche, als vor das Straf­gericht gezogen zu toerben, um dort auf Grund eidlicher Fe st ste l l u n g e n den Nachweis für meine Anschuldigungen erbringen zu können.

Berlin, 20. Aug. (WTB.) DieKreuz­zeitung" bringt weitere Einzelheiten aus dem Buche Ludendvrffs und schreibt:

Nachdem Ludendorff sich eingehend über den Niedergang der Stimmung in der Heimat verbreitet hat, kommt er auf die Kanzler­krisis im Juli 1917 zu sprechen. Er schreibt dort:

Ihren äußeren Ausdruck fand die Hinderung unserer geistigen Kriegsfähigkeit in der Sitzung des Meichstagsl-auptausfchusses vom 6. Juli. Nack;! der uns vollkommen übcrraichendeir Rede des Abgeord­neten Erz berg er, in der dieser die völlig: Aussichtslosigkeit des U-Bootkriegos behauptete und die Möglichkeit bestritt, den Krieg überhaupt zu gewinnen, brach die Stimmung des Reichstages völlig zusammen. Ging es in Deutschland so weiter und geschah nichts für die Ermutigung und fcelifripe Stärkung des Volkes, so war der kriegerische Niedergang in der Tat un­ausbleiblich. Ter Krie g smini ster teilte un­sere Anschauungen über die schädliche Wirkung der berliner Vorgänge auf unsere militärische Lage und hielt einen diesbezüglichen Vortrag des Ge- rceralüldmarschalls beim Kaiser für notwendig. Der Ge n e r al f e l d ma r scha l l und ich, begaben uns daraufhin noch am 6. Juli abends nach Berlin. Ter Kaiser sah indes die Vorgänge daselbst als ausschlleßlich innere Angelegenheit an, die di: militärischen Stellen nickst berühr en und die zudnn durch den. Krieg-sminister verfassungsgemäß ver- lrestn wären. Unsere Anwesenheit in B:rlin ver- lref daher in jeder Mchlnng hin ergebnislos. Wir kehrten abends nach Kreuznach zurück, Tie. Lage

m Berlin verschärfte sich. Am 8. Juli stimmte der Reick-skcmzler, obschon er schon damals den Ber- nichttmgswillen der Feinde richtig einschätzte, dm Mehrheitsparteien zu der von ihnen beabsichtigten Friedensresolution zu und stellte ihnen gleichzeitig die Einführung des Reichstags­wahlrechts für die Wahlen zum preußi­schen Abgeordnetenhaus in bestimmte Aussicht. Beides mußte den Vernich- tungs willen derFeindeins unermeß- liche steigern. Am 10. nachmittags fühlte sich der Reichskanzler veranlaßt, sein Ab­schieds gesuch einrureichen, das aber am 11. vormittags abgelehnt wurde. In Kreuznach hatten wir vorübergehend an eine Nachfolgerschaft des Fürsten Bülow gedacht. T-ie Verhältnisse wür­fen noch verworrener, als die k. u. k. Regierung augenfällig für den Reichskanzler Bethmann-Holl- weg und gegen den Fürsten Bülow Partei nahm. Ter Kaiser batte sich für ein Bleiben des Reichs­kanzlers Bethmarm entschieden. Auch der Kron­prinz, der in Berlin emgetvoffen nxrr, hatte sich damit ^bgefunden. Ich konnte nach all dem Vor- gefollenen den Reichskanzler nicht mehr für den geeigneten Mann halten, der die Kriegsarbeit lei­sten 'roürixe, die von ihm gefordert wurde und der das deutsche Volk aus dem Tiefstand einer gei­stigen Spannkraft heraus zum Siege führen könnte. Die Hoffnung, die ich bei meinem (Eintritt in die Oberste Heeresleitung hatte, in vollster Ueberein- ftimmung mit dem Reichskanzler für den Sieg zu arbeiten, war zusammengebvochen. Ich schrieb deshalb mein Abschiedsgesuch. Ter Generalfeldmarschall schloß sich mir an und reichtegleichzeitlgseinAbschieds- gesuch ein. Tie Gesuche gingen am 12. abends nach Berlin, nadjbem am Nachmittag eine vor­läufige Benachrichtigung an General von Lyncker abgesandt worden war. Gleichzeitig traf ein drin­gendes Telegramm des Kriegsministers ein,. b:r in Rücksicht auf unsere militärische Lage einen nochmaligen Vortrag des General feldmarschalls für nötig hielt. Auch der Kaiser wünsche uns zu sprechen. In zwischen hatte der Kronprinz am 12. vormittags eine Besprechung mit den Partei­führern des Reichstages, die sich in der Mehrzahl für einen sofortigen Kanzlerwechsel erklärten, oder ausführten, daß ihnen am Verbleiben des Kanz­lers nichts liege; es trat für ihn niemand ein. Auf Vorschlag des Kronprinzen hin entschloß sich nunmehr der Kaiser, das erneute Abschiedsgesuch des Reichskanzlers v. Bethmanor-Hvllweg anzu­nehmen. Ms im am 13. früh in Berlin em trafen, 'war die Entscheidung des Kaisers bereits gefallen. Ich ho fite, daß ein Mann die Regierungsgewalt übernehmen würde, der die Kräfte des deutsch'»? Volkes yim einheitlichen Handeln zusammen fassen würde.

Der verkehr zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet.

Berlin, 19. Aug. (Wolff.) Die Waffenstill- ftandskommission teilt mit: Die neue Rege­lung über den Verkehr zwischen dem be­setzten und dem unbesetzten Gebiet er­folgt narf) einem Beschluß der interalliierten Kon­ferenz in Wiesbaden vom 9. August folgender­maßen:

1. Deutsche oder ehemalige Feinde und Neu- ttale, die im unbesetzten Deutschland wohnen, er­halten die Einreiseerlaubnis für das besetzte Ge­biet mittels eines Passes, der mit einem Visum der Militärbehörde der Besetzungsarmee ver­sehen ist.

2. Angehörige der Alliierten föimen m das unbesetzte Deutschland einreifen mit einem Erlaub­nisschein, der durch die alliierte Militärbehörde der besetzten Zone ihres Einreiseortes ausgestellt und mit einem Visum der deutschen Zivilbehörde ver­sehen ist.

3. Für Deutsche oder ehemalige Feinde und Neutrale, die sich vom' besetzten ins unbesetzte Deutschlaich begeben wollen, genügt der Ausweis einer militärischen Behörde der Besatzungsarmee.

4. Beiderseits der Grenzen sollen P a ß - bureaus eingerichtet werden, Und zwar mili­tärische der alliierten Armee im besetzten und bür­gerliche im unbesetzten Deutschland. Ihre Einrich­tung ist für die genannten Städte geplant: Im besetzte»» Deutschland: belgische Zone: Neuß. Eng­lische Zone: Köln. Arnerikanisriie Zone: Koblenz. Französische Zone: Mainz, Ludwigshafen ilnb Sanbau. Im unlvsetzten,Deutschland: K'Igifdje und englisch Zone: Düsse,^orf. Amerikanische Zone: Limburg. Französisck)e 'Zone: Frankfurt a. M., Mannheim!, Karlsruhe.

, b.Zwischen den entsprechenden Stellen im be­setzten und unbesetzten Deutschland wird zum Zwecke der Paßübermittlung eine Automobilverbindung eingerichtet.

6. Reisen von beutfri^cn aktiven Mnilltr- personen in das besetzte Deutschland haben in Zivil zu erfolgen.

7 Für Abgeordnete ter besetzten Gebiete wer­den Personalausweise mit dreimonatiger Gültigkeit ausgestellt. Für Reisen deutscher Beamt-.n ins be­setzte Gebiet zur Ausübung ihres Dienstes sollen vorläufig Spezialausweise audgegeben werden. Durch Vermittlung der Waffenstillstandskoinnus- sion ist umgehend das Notwerchige zu veranlagen und das Datum der Einrichttlng der bürgerlichen Paßbureaus im unbesetzten Deutschland mit- zuteilen.

Die Lage in Oderschlesien.

Kattowitz, 19. Äug. (Wolff.) Die Presse­stelle des Staatstommissariats meldet: Die Lage in dem ober schlaf isehen Gebiet ift nach wie vor ein st. Unsere Truppen sind bemüht, des Aufstandes Herr zu werden, aber es ist bmtgenb notwendig, schon deshalb, um die Grenzen ord- lurngsgemäß zu besetzen und die Verbindung zwi­

schen den Insurgenten und den Polen unterbinden zu können. Tie Sage im Kattowitzer Bezirk ist leider so, daß zwar Mpslowitz und Katto­witz fest in den Händen unseres Militärs sind, daß aber die übrigen Teile dieses Bezirkes größ­tenteils als von den Insurgenten besetzt anzusehen sind. Etwas günsttger ist die Sage im Beuthener Bezirk. Aber auch hier ist sie ernst.

Berichte aus dem Kattowitzer Bezirk lauten: Im Saufe des gestrigen Tages fanden dauernd Kämpfe in den Tönern Rosdzin, Schoppinitz, Janow und Gieschwald mit bewaffneten Banden statt, die mit Maschinengewehren und Munition reichlich versehen waren. Seiber gelang es den Banden, einzelne unserer Feldwachen aufzuhebe»». Gegen abend mußten angesichts dieser Sage die Truppen auf Kattowitz imb Myslowitz zurück­gezogen werden. Gegenwärtig ist die Sage im Abschnitt Kattowitz derart, daß Kattowitz als fest in den Händen unserer Truppen gelten kam», daß aber die übrigen größeren Teilabschnitte als in der Gewalt der Insurgenten zu betrachten sind.

Aus dem Beuthener Bezirk Wird ge­meldet: Gegen abend wurden starke Ansammlungen in der Gegend PiekauGodullahütteOrzegoW HoRnlindeSckprnberg und besonders an der Kühne rttnühle gemeldet. Tie Truppen des Ab­schnitts Beuttzen nahmen an der Säuberung der Gegend KarsFriedenshütteSchlesien grub: PiasnikKönigshütte teil. Für Beut heu Wurde für alle Fälle eine größere Truppen meng.' bereitgestellt. Die Nacht verlief verhältnismäßig ruhig. Gegen morgen wurden Teile des De- tariieinents Höllmann und des Regiments 63 bei Karf, Beuthen, Pisniki und in der Eggend von Sckwmberg, OrzegowGodullahütte, Morgenrot angesetzt, um die dort versammelten Insurgenten zu ve-rtreiben und die Gegend zu säubern- Ab­schließende Nachrichten über den Erfolg der Unter» nctzmung stehen noch aus. Im Beuthener Bezirk fühlt sich das Militär als Herr der Sage. Ein Ba­taillon .Verstärkung ist cingetroffeiL

Paris, 19. Aug. (Wolfs.) Havas. Tiplo- matische Sage. Ter Oberste Rat nahm gestern Kemitnis von dem Bericht über die Streik­lage in Schlesien, die er über Warschau erhalten hat, nach welcher der Streik 70 Prozent aller Unternehmungen umfaßt. Ter Streik ist ein Werk von Scharfmachern. Der Rat befaßte sich mit der Festlegung von Mitteln, um die Sage zu bessern. Er prüfte sodann die österreichische Note.

Der frühere Kaiser.

', f^o 11 e r b a m\ 19. August. (Mvkff.), ^er Nieuwe Rotterdamsche Evurant" mclbet: frühere deutsche Kaiser bezieht das von ihm vor einigen Tagen trngefaufte Haus in Doorn te Toorn.

* x.

Ein Gesetz liegen die Preistreiberei in England.

Sanbon, 20. Aug. (WTB.) Reuter. Das Oberhaus nahm die Gesetzesvorlage gegen die P reis t reiberei m dritter Lesung an.

Die 48 Stundemvoche in England.

London, 19. Aug. (Wolff.) Im Unter­haus brachte Arbeitsmintster Hörne einen Ge­setzentwurf über die Regelungder Arbeits­zeit ein, der die Festsetzung der 48 Stunde»»- woche für alle Gewerbezlveige enthält, mit nur toerrigen A»lsnahmeu, wie z. V. Dienstboten und die hn Dienst auf dem Meere und in der Land­wirtschaft tätigen Arbeiter.

*

Der Kamps gegen die russischen Bolschewisten.

Helsingfors, 20. Aug. (WTB.) Reuter. BritischeFlugzeuge und Mo­torboote griffen am Montag Kronstadt an. Die Batterien erwiderten das Feuer. Ein Flugzeug wurde beschädigt.

* "#r

Die Streikbewegung aus den belgischen Bahnen.

Brüssel, 20. Aug. (WTB.) Havas. Reuter. Tas Streikkomitee der Staatsang e- stellten erhielt von den Vereinigungen der französischen, niederländischen und luxemburgischen Eisenbah»»er in Er­widerung seines Appells die formelle Zusiche­rung, daß im Falle eines Streiks die belgischen Eisenbahner auf ihre völlige Solidarität rechnen können.

Anr dem Neiche.

Die Bewirtschaftimg der Kartoffelernte.

Berlin, 19. Aug. (Wolff.) Dem Ver­nehmen nach werden von versriffedenen Seiten große Ankäufe über Herbstkartoffeln aus der neuen.Ernte getätigt. Wie wiederholt von maßgebender Stelle erklärt worden ist, ist damit zu reck)nen, daß, wie in den Vorjahren, so auch in diesem Jahre die Z w a n g s b e - Wirts chaftungder Kartoffelernte stattfin­det. Durch die Zwangsbewirtschaftung wird die Erfüllung der geschlossenen Verträge un­möglich werden; es muß daher vor dein Ab­schluß solcher Verträge gewarnt werden.

Reichspräsident Ebert in Rudolstadt.

Weimar, 19. Aug. (Wolff.) Reichs­präsident Ebert stattete gestern der Landes­regierung in Rudolstadt einen Besuch ab. Es wurde hierbei eine Reihe schwebender, ins­besondere thüringischer Fragen durchge­

sprochen, in denen sich eine vollkommen! kl e b e r e i n st i m m u n g der Ansichten ergab. Insbesondere das tatkräftige Eintreten des Reichspräsidenten für die Schaffung emes Groß-Thüringens löste lebhafteBefrie, digung aus.

Einzug von Regicrungstruppen in Chemnitz.

C h e m n i tz, 19. Aug. (Wolff.) Die um Chemnitz versammelten Truppen sind heute früh kampflos in die Stadt eingezo- g e n. Der Oberbefehlshaber teilte in einer durch Flieger abgeworfcnen Bekannt- »n a ch u n g an die Bewohner der Stadt Chem­nitz und Umgebung mit:Nariidem meiner Aufforderung vorn 11. August zur Waffen­ablieferung und zur Wicdereinlieferung der widcrreriftlich befreiten Gefangenen bisher nur in gänzlich unzulänglichem Maße entsprochen wird, rücke ich heute zur Durchführung der für die Wiederherstellung dauernd geordneter Verhältnisse nötigen Maßnahmen mit den mir unterstellten Truppen in die Stadt ein. Die Bevölkerung ersuche ich, mir Vertrauen zu schenken, Ruhe zu bewahren, die Arbeit ohne Störung fortzusetzen und die Truppen in kei­ner Weise zu belästigen."

Kus dem besetzten Gebiet-

Der Warenverkehr mit dem besetzten Gebier.

Die Frage, ob die in das linksrheinische Gebiet eingeführten unb jetzt nach Aufhebung der Blockade rechts-rheinisch versandten Wa- reir ausländischen Ursprungs, die bisher ohne deutsche Einfuhrgenehmigung linksrheinisch eingeführt waren, ohne Beschlagnahme- g e f a h r rechtsrheinisch versandt werden kön­nen oder nicht, ist bis zur Stunde noch unge­klärt. Die Verhältnisse drängen auf Regelung, denn in dem jetzigen Wirrwarr kann es nicht weitergehen. Zu dieser Unklarheit kommt neuerdnrgs die Tatsache, daß iif den besetzten Gebieten von den Besatzungsbehörden die neue Verordnung der Zahlung der Z ö l l e in Gold­währung nicht anerkannt wird, ein Umstand, der jede Berechnung beim Ein- und künftigen Verkauf unmöglich macht. Es bedarf wohl kei­ner weiteren Worte, um darzutun, daß in allen diesen Fragen eine rasche und gründ- ttche.-Märuug PU» Reichswegen zu erfol­gen hat.

dt. Mainz, 19. Aug. Infolge fortge­setzter Ueberforderungen bei den O b st P r c i - sen'sind für das ganze Gebiet des von der 10. Armee besetzten Hessen-Nassau, Nahe, Bir­kenfeld .vom Oberversorgungsamt in Mainz Höchstpreise festgesetzt, die gegen die bis­herigen Preise einen Rückgang von 50 bis 100 Prozent bedeuten, die aber immer noch teil­weise bis 80 Prozent über den pfälzischen Preisen liegen.

Homburg t. d. Pfalz, 19. Aug. Auf große Kohlenlager ist man in der Ge­gend »rördlich von Homburg, die an das Saar­becken grenzt, gestoßen. Aus München wer­den Geologen und Verwaltungsbeamte erwar­tet, die die Schürfung der 5kohlen fachmännisch leiten sollen.

Dt. Griesheim, 19. Aug. Von den »ns von der Entente in Aussicht gestellten E c- leichterungen, namentlich i»n Verkehr nach dem unbesetzten Gebiet, ist hier noch nichts zu merken. Die lästige Sperre an der Kreisstraße nach Darmstadt besteht mit allen ihren Schikane»» weiter, das Passieren der Waldwege ist überhaupt verboten und nicht ungefährlich, weil die seit einigen Tagen anwesenden farbigen Franzosen bei jeder Ge­legenheit schießen und man leicht einer ver­irrten Kugel begegne»» kann. 2lm Neuen Schießhaus steht ein Poften, welcher in dieser Beziehung kein Unheil anrichten kann, kveik er statt des Gewehres einen handftsten K»»üp- pel hat. Das Verbot von Zeitungen besteht ebenfalls nod).

rm. Gro ß-Gerau, 19. Aug. Verhaftet wurden durch die ftcmzösische»» Besatzungsbehörden drei Gymnasiasten aus Gioß-Gcrau, die durch einen Plakatanschlag im Orte eine Reihe von Weibern namhaft machten, die sich in den Verkehr mit Angehörigen dec französischen Armee einließen. Wie man höct, sollen sie streng bestraft und evtl, zur Zwangsarbeit abgeschoben werden.

zrauenwünsche vor dem Reichskanzler.

Weimar, 19. Aug. (WTB.) Der Reichs­kanzler empfing in Gegenwart des Reichs- minislers des Aeußern unb anderer Mitglieder des Kabinetts 50 Frauen aus allen Tei­len Deutschlands, die der neueBund deut- ld»er Fracken zur Befreiung der Gesa»»ge!»en" nach Weimar entsandt hat. Durch drei Sprecherinnen, brachten die Frauen ihre Bitten an die Reichs- regicrung vor, die vor allem verlangten, die Reichsregierung solle aus die baldigste Ratifika­tion des Friedensvertrages durch die Entente­mächte hinwirlen. Außerdem verlangte der Bi»nd Kemitnis der Gründe, die bis jetzt die RückbeförderungderKriegs gefange­nen verhindert hätten, größte Dringlich­keit der Heiinbeförderung der Gefangener» aus Sibirien und regelmäßige Berichterstattung in der Presse, um irreführenden Berichten und salsri-ep